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Wiederbelebungsversuche auf dem Abstellgleis

Nach dem Bahngipfel in Potsdam soll der grenzüberschreitende Schienenverkehr mit Polen neue Impulse erhalten

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.
Reisende zwischen Deutschland und Polen fahren besser mit dem Auto - Zugverbindungen zwischen beiden Ländern sind rar und meist umständlich. Ein Bahngipfel versprach jetzt, Abhilfe zu schaffen.

Das heutige Szczecin war bis zum Zweiten Weltkrieg für die Berliner unter anderem das Tor zu den Stränden der Ostseeküste. Rund 140 Eisenbahnkilometer sind die boomenden Wirtschafts- und Wissenschaftsmetropolen Berlin und Szczecin voneinander entfernt.

Heute benötigt ausgerechnet die Eisenbahn fast zweieinhalb Stunden für diese innereuropäische Distanz. Der Schienenweg ist in einem traurigen Zustand, er ist weder durchgehend elektrifiziert noch zweigleisig ausgebaut. Dieseltriebwagen, im Sommer oft überfüllt, zuckeln mit 50 bis 60 Stundenkilometern über die Oder-Grenze. Für den vereinbarten Ausbau und die Modernisierung hapert es an Finanzierungszusagen aus beiden Hauptstädten. So kann es noch dauern, bis wie geplant Tempo 160 auf der Gesamtstrecke gefahren wird und die Fahrzeit auf 80 Minuten sinkt.

Die Lage im grenzüberschreitenden Bahnreiseverkehr zwischen den befreundeten EU-Nachbarn Deutschland und Polen ist desaströs. Selbst auf den Eisenbahnlinien nach Wroclaw (Breslau) und Poznan (Posen) läuft nichts rund. Im Dezember beziehungsweise März waren die Verbindungen von Dresden und Berlin nach Wroclaw gestrichen worden. Anfang September entfiel nun auch der Regionalzug von Frankfurt (Oder) nach Poznan. Als Ursache wurde stets mangelnde Nachfrage angeführt. Kundenvertreter sprechen von langen Fahrzeiten, umständlichen Anschlüssen, miesem Service.

Mit einem Appell, die Bahnverbindungen nach Polen zu verbessern, hatte sich zuletzt die »Initiative deutsch-polnischer Schienenpersonenverkehr« an die Regierungen in Berlin und Warschau gewandt. In dem vom Deutschen Bahnkunden-Verband verbreiteten Papier werden die Verkehrsministerien beider Länder aufgefordert, »schnellstmöglich Lösungen zur Wiederherstellung der Direktverbindungen aus Dresden und Berlin nach Wroclaw, der Europäischen Kulturhauptstadt 2016, herbeizuführen«. In den Papier heißt es: »Die polnischen Woiwodschaften und die deutschen Bundesländer dürfen mit der Finanzierung des grenzüberschreitenden Bahnverkehrs nicht allein gelassen werden.« Auch müssten beide Staaten das deutsch-polnische Bahnabkommen zügig ratifizieren.

Abhilfe verspricht der am vergangenen Freitag abgehaltene erste deutsch-polnische »Bahngipfel«. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte als Polen-Koordinator der Bundesregierung in Potsdam gemeinsam mit Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), den Bahnchefs und den Verkehrsstaatssekretären beider Länder sowie Vertretern der grenznahen Bundesländer und Woiwodschaften über erste Auswege und langfristige Lösungen beraten. Das Auswärtige Amt ließ danach wissen: »Ein konkretes Ergebnis ist unter anderem die Zusage der Bundesregierung und der Deutschen Bahn, die Elektrifizierung der Strecke Berlin-Stettin plangemäß bis 2020 anzustreben.« Ab Dezember befährt täglich ein weiterer Direktzug die Strecke. Konkrete Pläne für die Ertüchtigung der Strecke Berlin-Wroclaw sollen bis 2016 vorliegen. Wie Woidke im Ergebnis des Gipfels ankündigte, werden 2016 »Kulturzüge« zwischen Berlin und der »Kulturhauptstadt« eingesetzt. Zum Fahrplanwechsel 2015 soll der polnische Zug auf der Trasse Dresden-Wroclaw immerhin bis in den Bahnhof Görlitz fahren, um so das Umsteigen in einen deutschen Zug zu erleichtern - bislang war an der Grenze Schluss.

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