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Vergessene Flüchtlinge

Über 80 Prozent der Vertriebenen stranden in Entwicklungsländern

Allein in den vergangenen fünf Monaten mussten in der Tschadsee-Region 500 000 Kinder vor der Gewalt der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram fliehen. Damit sei die Zahl der dort vertriebenen Mädchen und Jungen auf 1,4 Millionen gestiegen, teilte das Kinderhilfswerk UNICEF am Freitag mit. Weitgehend im Schatten des Syrien-Konflikts und der aktuellen Flüchtlingskrise in der Europäischen Union sind Millionen Menschen in Afrika und anderen Teilen der Welt vor Kriegen und Konflikten auf der Flucht. So zeigen die Informationen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR zwar, dass der syrische Exodus zur Zeit der länderbezogen größte ist; doch addiert man allein die Flüchtlingszahlen aus Somalia, Sudan und Afghanistan, liegen sie deutlich über den vier Millionen Vertriebenen aus dem Nahen Osten. In diesen Ländern dauern die Fluchtbewegungen zum Teil schon seit Jahrzehnten an, ohne dass humanitäre Lösungen für die unter Gewalt und Not leidende Zivilbevölkerung gefunden worden sind.

86 Prozent der Flüchtlinge weltweit werden innerhalb des eigenen Landes vertrieben oder fliehen in Nachbarstaaten; vier von fünf kommen in ohnehin armen Entwicklungsländern unter. Fast alle der größten Flüchtlingslager befinden sich heute im Osten Afrikas - und das schon seit vielen Jahren. Dadaab in Kenia etwa gilt mit über 300 000 Menschen als bevölkerungsreichste Flüchtlingssiedlung der Erde. Auch Äthiopien, Tansania und Uganda sind wichtige Aufnahmeländer und leisten unter schwierigsten Bedingungen seit langem Nothilfe für Vertriebene vor allem aus Somalia, Südsudan und Ostkongo - weitgehend unbemerkt von der internationalen Öffentlichkeit. Zuletzt flohen zudem rund 100 000 Menschen vor den Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition in Burundi.

Seit Jahrzehnten zählt auch Pakistan zu den Staaten, die die meisten Flüchtlinge beherbergen. Zeitweise lebten bis zu 2,7 Millionen Afghanen im Nachbarland, zur Zeit sollen es noch immer etwa 1,5 Millionen sein. Gut ein Drittel von ihnen ist in Flüchtlingsdörfern konzentriert. Die meisten anderen haben sich oft mit Hilfe von Verwandten in den paschtunischen Siedlungsgebieten integriert. Zunehmend hat Pakistan aber auch mit dramatisch gewachsenen Strömen von Binnenflüchtlingen zu tun. So flohen in den vergangenen Jahren 2,6 Millionen Menschen vor den Kämpfen zwischen Armee und Islamisten im Swat-Tal. Die Militäroffensive vor einem Jahr in Waziristan hat nach UN-Angaben etwa 715 000 Menschen vertrieben, noch immer sind rund 570 000 registriert. Schlagzeilen macht das hierzulande nicht.

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