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Vertrauen, Solidarität … Tandem!

Mit dem Projekt Kuba 2015 unterstützt ein Berliner Verein Blinde und Sehbehinderte

  • Von Luis Trunk de Flores
  • Lesedauer: 4 Min.

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Der Verein Tandem-Hilfen e.V. bringt Menschen international mit einer Radtour zusammen und unterstützt mit dem Projekt in Kuba blinde und sehbehinderte Menschen.

Das Tandem ist ein Symbol für Inklusion - »Es geht nur gemeinsam«. Unter diesem Motto wurde der Verein Tandem-Hilfen e.V. 2009 gegründet. Er ging aus einer privaten Initiative hervor, die 2003 das erste Hilfsprojekt vorbereitet. Tandem fahren bedeutet Vertrauen und Verantwortung zu teilen - gleichberechtigt als Team. Es geht darum, Barrieren zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen abzubauen und die Teilhabe aller Menschen zu gewährleisten. Auf ein Wort reduziert: Inklusion. Die blinden, sehbehinderten und sehenden Tandemfahrer demonstrieren die Verbindung von sozialem Engagement und anspruchsvoller sportlicher Leistung, für eine uneingeschränkte und gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Leben. Mit den Projekten »Berlin - Athen«, »Berlin - St. Petersburg« oder dem seit 2005 jährlich stattfindenden »Internationalen Tandem-Jugend-Camp«, wurde dies bereits eindrucksvoll bewiesen.

Nun zog es den Verein in die weite Welt - nach Kuba, das unter den Nachwehen des Kollapses der Sowjetunion wirtschaftlich leidet und sich derzeit stark wandelt. »Helfen war uns sehr wichtig«, antwortet der Initiator und Vorsitzende des Vereins, Thomas Nicolai auf die Frage, wie es dazu kam, Menschen in wirtschaftlich schwächer gestellten Ländern solidarisch zu unterstützen.

Im Januar 2015 machten sich nach einem Jahr Organisations- und Vorbereitungszeit, vier Teams für knapp drei Wochen auf den Weg zur karibischen Insel. Ein Abenteuer. Nicolai erinnert sich an einige skeptische Blicke, die ihnen zu Beginn entgegenschlugen. Doch die Gedanken an große Schlaglöcher, starke Hitze und das nicht vorhandene Fahrradnetz steigerten die Entschlossenheit der Mitglieder nur noch mehr.

Angekommen in der sozialistischen Realität am Flughafen in Havanna - eine erste Verzögerung. Die großen Pakete erweckten das Interesse der Beamten, welches jedoch nach kurzer Erklärung und merklich überraschter Gesichter, ebenso schnell wieder verschwand, wie es aufgetaucht war. Geduld ist auf der karibischen Insel goldwert und wer lange genug wartet, dessen Problem löst sich meistens von alleine oder durch Improvisation, wie sich gleich im Anschluss bestätigte: Aufgrund gesundheitlicher Beschwerden konnte der Reiseführer nicht wie geplant die Stadtführung mit dem Fahrrad begleiten, sodass kurzerhand ein Taxi organisiert wurde. Auf diese Weise eskortierte der Reiseführer die vier Tandemteams durch die kolonial geprägten Straßen und Gassen Havannas. Ein Bild mit Seltenheitswert, das faszinierte und verwunderte kubanische Gesichter hervorrief und zu schönen Begegnungen mit den »johlenden und winkenden Menschen« führte, erinnert sich Nicolai.

Auf dem Programmplan der Tandemtour (rund 450 Kilometer) durch die Provinz Pinar del Río standen der Besuch bei zwei Schulen für blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche. Die Schüler empfingen den Verein mit Kulturprogrammen und kleinen selbst gebastelten Geschenken. Die Schüler machten voller Begeisterung erste Probefahrten auf den vier gesponserten Tandems, welche der Verein am Ende der Tour den Schulen spendete.

Wie Nicolai berichtet, sind die Konzepte der Schulen sehr hoch entwickelt, aber es herrsche oftmals ein Mangel an Hilfsmitteln, für die der Verein nach wie vor sammelt. Es fehle besonders an Punktschriftmaschinen, Computer und entsprechenden Anzeigegeräten, tastbaren Uhren, weiße Stöcke oder manchmal auch einfach nur Leim zum Basteln, bedauert der Vorsitzende von Tandem-Hilfen. Einen Personalmangel hingegen gebe es nicht, dank des einzigartigen kubanischen Sozial- und Gesundheitssystems, welches die medizinische Versorgung aller gewährleistet und eine besondere Errungenschaft der Revolution ist. Auch die Versorgung mit geschulten Augenärzten und Psychologen sei gewährleistet. Für das Gesundheitssystem hat Nicolai viel Lob: »Nahezu alle Kinder mit einer Beeinträchtigung werden dort erfasst.« Die Informationen werden an die Schulen weitergegeben, sodass sich diese gezielt kümmern können.

In den Blindenschulen werden den Kindern wertvolle Grundtechniken beigebracht: Hierzu zählen der Umgang mit optischen Hilfsmitteln um das Sehvermögen maximal auszunutzen oder das Erlernen der Blindenschrift. Das Ziel ist die gleichberechtigte Teilnahme am allgemeinen Schulunterricht. Viele der Kinder gehen ab der fünften Klasse in eine Regelschule. Die Lehrkräfte vor Ort werden von den Betreuungslehrern der Blindenschulen darüber hinaus eingewiesen und fortgebildet. Die Versorgung mit Lehrmitteln erfolgt durch eine zentrale Stelle in Havanna. Doch die Inklusion endet nicht an der Türschwelle der Schulen. Die Eltern der Kinder werden von den Schulen mit eingebunden und bringen diesen ebenfalls das Lesen der Brailleschrift und andere »lebenspraktische Erfahrungen und Fähigkeiten bei«.

Der Verein plant in zwei Jahren, erneut nach Kuba zu reisen und das Projekt zu intensivieren. Überlegt und diskutiert wird aber aufgrund der vielen hier ankommenden Flüchtlinge, auch ein Projekt mit diesen zu organisieren.

Mithilfe der Tandems ist der Verein ein Botschafter für Solidarität und soziales Engagement. Das Motto »Es geht nur gemeinsam« verdeutlicht einmal mehr den Mehrwert, der durch Austausch entstehen kann.

Spendenkonto Empfänger: Tandem-Hilfen e.V. - IBAN: DE95 1405 1000 1000 3561 71 SWIFTBIC: NOLADE21WIS

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