Für die Armee der Armen

Der Rapper LBC Soldjah nutzt seine Kunst als Mittel zum Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Ausgrenzung

Als kürzlich eine Eliteeinheit der Armee von Burkina Faso in dem westafrikanischen Land putschte, war für LBC Soldjah klar, dass der Kampf für Demokratie und Gerechtigkeit dort auch der seine sein würde. In den sozialen Netzwerken teilte der in Portugal lebende Rapper die Videobotschaft seines Musikerkollegen »Smockey Serge Bambara«. Dieser hatte zum Widerstand gegen die Militärs in Ouagadougou aufgerufen.

LBC Soldjah, der mit bürgerlichem Namen Flávio Almada heißt, ist wie Bambara mehr als nur Musiker. Er ist politischer Aktivist, der seine Kunst als Mittel zum Widerstand gegen Ungerechtigkeit nutzt. Gegen die Armeen der Putschisten und der reichen Oberschichten in Afrika und Europa stellt er seine Armee der Armen. In seinem wohl populärsten Song »Tudu pobri é um Soldjah« (Alle Armen sind Soldaten) erzählt er vom Kampf der Ausgegrenzten und Entrechteten. »Alle Armen sind wie ich, sie sind Soldaten. Soldaten, die für ein besseres Leben kämpfen.« Zu seinen Soldaten zählt der Künstler alle, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Staatenlose, Migranten, alleinerziehende Mütter oder Straßenkinder.

Seine politischen Botschaften trägt er in Kreol, der Sprache seiner Heimat Kap Verde, unter die Menschen. Dort wurde er vor 33 Jahren in Praia, auf der Ilha de Santiago geboren. Seit 2002 lebt er wie viele seiner »Brüder und Schwestern im Land der einstigen Unterdrücker«. Die zogen sich zwar nach einem erbitterten Befreiungskrieg 1974 endgültig zurück. Der Krieg der Oberen gegen die Masse derjenigen am unteren Ende der Gesellschaft aber ist damit nicht beendet worden. Er setzt sich für Tausende fort, in den Ex-Kolonien und in den Vororten der Städte Portugals. LBC Soldjah lebt in einem davon, in Cova da Moura bei Lissabon. Hier, in einem Tonstudio, das von der Bürgerinitiative »Moinho da Juventude« den Jugendlichen zur Verfügung gestellt wurde, nahm er seine ersten Songs auf. »Anfangs hat man mir erklärt, ich solle auf Englisch oder Portugiesisch rappen, mich würde sonst niemand verstehen. Doch die Menschen hier in meinem Viertel, in meiner Heimat Kap Verde und darüber hinaus, verstehen sehr wohl, was ich ihnen sagen möchte«, erklärt der Rapper entschlossen. »Ich texte in meiner Muttersprache, die zu mir, meiner Kultur und unserer Geschichte gehört.«

Der in kreativem Schreiben ausgebildete Rapper singt an gegen Kapitalismus und Ausbeutung, gegen neue und alte Formen von Rassismus, Kolonialismus und ökonomische Gewalt. Dabei mischt er traditionelle Rhythmen seiner Heimat mit dem Sprechgesang urbaner Zentren des Westens. Bilder vom Leben in seiner Favela füttern die Parolen seiner Musikvideos. Für das Video zum Song »Guetto Aljazeera«, zog es ihn gar nach Athen. Auch von dort brachte er die Kraft des politischen Kampfes in Bildern zurück.

Nicht nur das Rappen in Kreol macht LBC Soldjah zu einem interessanten Musiker. Auch die Tatsache, dass er im Gegensatz zu vielen seiner Zunft auf ein Gangster

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