Kirchentag kritisch begleiten

Leipziger Stadträtin: Wir bleiben weiter dran

  • Von Heidrun Böger, Leipzig
  • Lesedauer: 3 Min.

Der 100. Deutsche Katholikentag, der im Mai 2016 in Leipzig stattfindet, rückt näher. Kritisch begleiten will ihn die Leipziger Stadträtin Ute Elisabeth Gabelmann. Auch wenn »unser Bürgerbegehren gegen die Finanzierung gescheitert ist, bleiben wir weiter dran«, sagt die 34-Jährige.

Unter dem Motto »(K)Eine Million« hatte die (einzige) Leipziger Stadträtin der Piratenpartei gegen die finanzielle Unterstützung des Katholikentages mobil gemacht. Mit im Boot die Leipziger LINKE. Gabelmann: »Für eine Million Euro muss eine KiK-Mitarbeiterin etwa 83 Jahre arbeiten. Man könnte 100 Seat Ibiza damit kaufen. Oder einen Hartz-IV-Empfänger 237 Jahre damit unterstützen. Angesichts dessen finde ich allein die Anfrage der Glaubensgemeinschaft schäbig.«

Ute Elisabeth Gabelmann erinnert sich, dass die Million für den Katholikentag möglichst unauffällig im Stadtrat durchgewunken werden sollte. Begründet wurde die Unterstützung unter anderem mit der Wirtschaftskraft, die eine solche Großveranstaltung nach Leipzig bringen würde. Doch Gabelmann zerpflückt die Argumente: »Erstens zahlen die großen Hotelketten ihre Gewerbesteuern nicht hier, sondern am Stammsitz der Ketten, zweitens werden vor allem kostenlose Privatquartiere gesucht.« Andere Leipziger Großveranstaltungen wie etwa das Wave-Gotik-Treffen bekämen auch kein Geld. Sie ärgert sich darüber, dass bei einem Gesamtbudget des Katholikentages von zehn Millionen Euro 4,5 Millionen aus öffentlichen Kassen kommen.

Die Kommunikationstrainerin hat da eine klare Meinung: »Ich denke, die Stadt Leipzig sollte sich aus solchen Veranstaltungen heraushalten. Was ist, wenn die Zeugen Jehovas kommen oder Scientology?«

Im Frühjahr hatte das katholische Münster eine Finanzspritze für den Katholikentag 2018 abgelehnt. Richtig, findet Ute Elisabeth Gabelmann: »Selbst eine katholische Stadt sollte kein Geld für eine kirchliche Veranstaltung geben.« Und Leipzig schon gar nicht.

Etwa 25 000 Unterstützer wären für das Bürgerbegehren »(K)Eine Million« erforderlich gewesen, um ein Referendum über eine finanzielle Beteiligung Leipzigs am 100. Katholikentag abzuhalten. Mit diesem Referendum dann hätte man den Eine-Million-Euro Beschluss des Stadtrates vom September 2014 kippen können. 33 Stadträte hatten mit Ja gestimmt, 26 mit Nein bei fünf Enthaltungen.

Die streitbare Stadträtin, seit 2014 im Amt, sammelte gemeinsam mit Mitstreitern 18 441 Unterschriften in Leipzig - einer Stadt mit etwa 520 0000 Einwohnern, in der es rund 21 000 Katholiken gibt. Das sind vier Prozent der Bevölkerung. Die Katholiken selbst bezeichnen Leipzig als Diaspora.

Gescheitert sieht sich Gabelmann aber nicht: »Unsere Aktion hat gezeigt, dass viele Leipziger gegen die Finanzierung sind und dass ein Bürgerbegehren Chancen auf Erfolg hat. Die Kirche hatte richtig Muffensausen. Es ist ein Stein, der gefallen ist.«

Und zwar ziemlich laut. Im Umfeld des Stadtratsbeschlusses im September 2014 hatten die Leipziger Piraten zu einer Aktion eingeladen, über die über Leipzig hinaus in den Medien berichtet wurde. Die humanistische Giordano-Bruno-Stiftung war mit dem Kunstprojekt »Das 11. Gebot« nach Leipzig gekommen, um gemeinsam mit der Piratenpartei auf die Trennung von Kirche und Staat aufmerksam zu machen. Das 11. Gebot lautet: »Du sollst Deinen Kirchentag selbst bezahlen.«

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