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Nicht nur Autos: Bei VW soll »alles auf den Prüfstand«

20.000 Mitarbeiter bei Betriebsversammlung in Wolfsburg / VW-Chef bereitet auf harte Einschnitte vor / Acht Millionen Fahrzeuge in Europa betroffen / Kommunen verhängen Haushaltssperren

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»Der Informationsbedarf der Mitarbeiter ist sehr groß.« VW-Betriebsratschef Osterloh spricht nicht nur den verunsicherten Mitarbeitern aus dem Herzen. Die VW-Krise betrifft auch viele Kommunen, einige haben Haushaltssperren verhängt.

Update 16.50 Uhr: VW muss Donnerstag US-Kongress Rede und Antwort stehen
Während der neue VW-Chef Müller ankündigt, bei VW »alles auf den Prüfstand« zu stellen, muss der USA-Chef des deutschen Autobauers am Donnerstag im Washingtoner Kongress Rede und Antwort stehen – wegen Manipulationen auch auf dem Prüfstand. Michael Horn wird bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus aussagen, genauer gesagt im Unterausschuss für Aufsicht und Untersuchungen des Ausschusses für Energie und Handel. Auch Vertreter der US-Umweltschutzbehörde EPA nehmen an der Anhörung mit dem Titel »Vorwürfe gegen Volkswagen wegen Emissions-Betrügereien: Erste Fragen« teil.

Die Berichte über manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen von VW würden »ernste Fragen« aufwerfen, erklärte der Vorsitzende des Unterausschusses, Tim Murphy. Die Menschen in den Vereinigten Staaten wollten wissen, warum Volkswagen die Emissionswerte mit einer Software verfälscht habe, wer die Entscheidung zu verantworten habe und warum die Manipulation so lange unentdeckt geblieben sei. »Wir werden ihnen diese Antworten holen«, fügte Murphy hinzu.

In den vergangenen Jahren mussten sich bereits mehrere Topmanager vor dem Repräsentantenhaus verantworten – und gaben sich dort jeweils zerknirscht und reumütig. So wie Horn im vergangenen Monat. Bei einer Veranstaltung in New York räumte er ein, dass der Wolfsburger Autobauer »unehrlich« gehandelt habe. »Wir haben es total verbockt«, sagte Horn und versprach, den Fehler bei der Regierung und den Kunden »wieder in Ordnung« zu bringen.

Update 14 Uhr: Neuer VW-Chef Müller kündigt »möglicherweise sehr große« Belastungen an
Die Finanzplanung von Volkswagen ist nach den Worten des neuen Vorstandschefs Matthias Müller angesichts des Abgas-Skandals »massiv unter Druck«. Sicher sei, dass die Belastungen groß sein werden, »möglicherweise sehr groß«, sagte Müller laut Redemanuskript, das der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag vorlag. Das alles werde »nicht ohne Schmerzen gehen«, erläuterte Müller weiter - auch den Abbau von Arbeitsplätzen schloss er nicht ausdrücklich aus.

Was die Arbeitsplätze bei Volkswagen betreffe, wisse VW »heute zwar noch nicht, welche Auswirkungen die Krise haben wird. Aber wir werden dafür kämpfen, sie so gering wie möglich zu halten«, sagte Müller weiter. VW werde alles tun, »um die Beschäftigung im Unternehmen zu halten«. VW werde alle geplanten Investitionen »noch einmal auf den Prüfstand stellen«. Was nicht »zwingend nötig« sei, werde »gestrichen« oder »geschoben«.

Von dem Skandal betroffene Kunden würden »in diesen Tagen« darüber informiert, dass ihr Fahrzeug nachgebessert werde. Teilweise werde dafür ein Update der Software reichen, sagte der VW-Chef, bei anderen Fahrzeugen seien dagegen zusätzliche »Eingriffe an der Hardware notwendig«. Der Schwerpunkt der Probleme liege ganz klar auf Europa und Nordamerika, erklärte Müller.

Update 13 Uhr: Betriebsrat: Affäre hat Auswirkungen auf Ergebnis – und Mitarbeiterboni
Der Skandal habe auch Auswirkungen auf das Ergebnis der Marke VW und damit auf den Bonus, betonte Osterloh: »Die November-Vorauszahlung gibt es in jedem Fall. Wir werden genau hinschauen, wie der Bonus für den Vorstand aussehen soll. Klar ist: Wir zahlen nicht die Zeche für das Fehlverhalten einer Gruppe von Managern.«

Update 11.45 Uhr: VW-Betriebsrat: Bisher keine Jobs bei VW gefährdet
Die weltweite Abgas-Affäre und die drohenden Milliardenkosten gefährden laut Betriebsratschef Bernd Osterloh aktuell keine Jobs bei Volkswagen. »Derzeit, das ist die gute Nachricht, gibt es noch keine Konsequenzen für Arbeitsplätze«, sagte Osterloh am Dienstag bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg.

Dies gelte sowohl für die Stammbelegschaft als auch für Leiharbeiter. »Und es gibt den festen Willen, dass wir alles tun werden, um die Beschäftigung zu sichern.«

Osterloh betonte aber auch, dass das Ausmaß der Krise und die Folgen für den Weltkonzern auch zweieinhalb Wochen nach dem Bekanntwerden der Manipulationen von Diesel-Abgaswerten nicht abzusehen seien. Niemand könne sagen, wie die VW-Kunden auf den Skandal reagieren.

Betriebsversammlung bei VW in Wolfsburg

Wolfsburg. Bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung im Stammwerk in Wolfsburg will der neue VW-Chef Mattias Müller erstmals den Mitarbeitern Rede und Antwort zum aktuellen Abgas-Skandal stehen. Auch Betriebsratschef und Aufsichtsrat Bernd Osterloh wird bei der nicht öffentlichen Veranstaltung zu den verunsicherten Beschäftigten sprechen. »Der Informationsbedarf der Mitarbeiter ist sehr groß«, sagte ein Sprecher von Osterloh.

Zu der Versammlung würden bis zu 20.000 Mitarbeiter erwartet, teilte der Konzern mit. In der Wolfsburger Volkswagen-Zentrale arbeiten derzeit rund 72.500 Menschen, mehr als 830.000 Fahrzeuge laufen hier pro Jahr vom Band.

Weltweit gebe es unter den etwa 600.000 VW-Beschäftigten eine große Verunsicherung, hieß es aus dem Unternehmen. Mit seiner Ansprache wolle Müller die Kollegen nicht nur beruhigen, sondern auch die Reihen schließen. Denn zur Lösung der größten Krise in der VW-Historie braucht Müller auch das Vertrauen der Mitarbeiterschaft.

Seit vor zweieinhalb Wochen bekanntwurde, dass Volkswagen mit einer speziellen Software die Abgaswerte bei verschiedenen Diesel-Modellen manipuliert hat, gebe es auch innerhalb der Belegschaft kein anderes Thema mehr. Genau wie bei Verbrauchern, Aktionären und Politikern spüre man unter den Mitarbeitern einen Vertrauensverlust, hieß es. Viele würden sich selbst als Opfer des Betrugs empfinden, denn die Identifikation mit den Fahrzeugen sei gerade im Stammwerk sehr groß.

Der Volkswagen-Konzern hat einem Bericht zufolge eingeräumt, dass in der Europäischen Union insgesamt acht Millionen Diesel-Fahrzeuge mit der Software zur Manipulation von Abgaswerten ausgestattet sind. Dies gehe aus einem Brief an alle Bundestagsabgeordneten hervor, in deren Wahlkreise sich Volkswagen-Standorte befänden, berichtet das »Handelsblatt« am Dienstag.

Unter den Mitarbeitern hat der Skandal aber nicht nur das Vertrauen in das Management ins Wanken gebracht. Viele bangen nach zahlreichen erfolgreichen Jahren nun um ihre Jobs. Sie erwarten von ihrem neuen Konzernchef klare Aussagen zum Ausmaß der Krise, zu möglichen Lösungen und auch darüber, ob Arbeitsplätze in Gefahr sind. Vor allem Zeitarbeiter und Beschäftigte von Fremdfirmen um ihre Anstellungen. Allein am Standort Wolfsburg sind rund 5000 von ihnen angestellt. Mehrere Konzerntöchter haben bereits Einstellungsstopps verhängt.

Der Abgas-Skandal hat auch gravierende Folgen für die Finanzplanung der Kommunen, die VW-Standorte sind. Neben Wolfsburg, Braunschweig und Zwickau hat auch Ingolstadt eine Haushaltssperre verhängt. Am Sitz der VW-Tochter Audi sollen die Ausgaben in diesem und im kommenden Jahr um 15 Prozent gekürzt werden. In allen Städten machen die Gewerbesteuereinnahmen durch VW bedeutende Posten aus, in Wolfsburg kommen 70 Prozent der gesamten Gewerbesteuereinnahmen vom Autobauer. Agenturen/nd

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