Aufrichtige Westalgie

Rainald Grebe schwärmt an der Schaubühne von »Westberlin«

  • Von Christian Baron
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Der Kabarettist und Autor Rainald Grebe vermittelt in seinem Stück »Westberlin« an der Schaubühne das differenzierte Bild einer Stadt, die so erstaunlich normal schien und in der doch so viel mehr möglich war als heute.

Als der im Juni leider verstorbene Harry Rowohlt von einer auflagenstarken Tageszeitung einmal gefragt wurde, was für ihn denn das »vollkommene irdische Glück« sei, fand er darauf eine sehr schöne Antwort: »Im Eingeweide einer Kneipe mit klugen Freunden dummes Zeug schwätzen.« Es ist genau dieses Gefühl großen Glücks, das einen schon beim ersten Blick auf die Bühne von Rainald Grebes neuer Theaterproduktion überkommt: In einem abgedunkelten Raum mit Holztischen und rustikalen Spelunkenstühlen steht ein älterer, leicht betrunkener Herr an der Theke vor seinem halb vollen Bierhumpen und redet auf den gelangweilt Gläser trocknenden Barkeeper ein.

Früher, erinnert sich der Gast im Berliner Singsang, sei er so verrückt gewesen nach Currywurst, dass er dafür mit dem Fahrrad vom einen zum anderen Ende der Stadt fuhr. Bis er selbst einen Imbiss eröffnet habe, zu dem sogar Vegetarier gekommen waren, um ihrer Fleischabstinenz zumindest einm...

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