Ein verkaufsoffener Sonntag als Tag der deutschen Einheit

  • Von Roberto J. De Lapuente
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Das Einheitsfest, das in Frankfurt stattfand, war ein staatstragendes Volksfest für Gewinnertypen. Die DDR als ein Teil der Einheit hatte nur Geltung als Unrechtsstaat. Es war überhaupt so ein denkwürdiges Wochenende zwischen antieskapistischem Schutzwall und sonntäglichen Shopping.

Ach, was war Frankfurt selig. Besonders am Sonntag, am Tag nach dem Tag der deutschen Einheit. Denn die Geschäfte machten auf. Das war ihre Wiedergutmachung für einen verlorenen Samstag des Konsums. Da hatten all die Mitarbeiter im Handel mal die Chance auf ein völlig freies Wochenende – und dann war es wieder nichts. Ironie der Geschichte, dass man dieses Motiv für die viel zu schnelle Einheit bemühte. Besonders die Union ging ja damals mit dem Konsum, vulgo »D-Mark« genannt, hausieren und sicherten so ihrem Kanzler im Umfragetief die Wiederwahl. Plötzlich ging es dann im Osten nicht mehr um die Liberalisierung des real existierenden Sozialismus, sondern um die schnelle Verwirklichung von Konsumwelten, wie sie der Westen kannte. Passend dazu also eine Reminiszenz darauf am Wochenende: Nach dem Tag der Einheit ein Sonntag des Konsumismus. Damit wir ja nicht vergessen, dass die Verführung in den Schaufenstern das Fundament dieser Einheit nach westlichem Muster war.

Aber man musste sich keine Sorgen machen. Die Bürger, die ihre Shoppingtour jetzt sonntags machten, wurden tags zuvor natürlich auch daran erinnert, wie die Einheit einzuordnen ist: Nicht als Teil ostdeutscher Geschichte jedenfalls. Sie war die festliche Veranstaltung des Siegers im Westen. Zwischen Fressbuden und Bühnen, zwischen der Sport- und der Bundesländermeile waren auch solche Stände, die den Unrechtsstaat in Erinnerung riefen. Noch einige Tage zuvor habe ich Reinhard Höppners Buch »Wunder muss man ausprobieren« gelesen. Er schrieb, dass es sehr schwer sei, »mit wenigen Worten zu sagen, was die DDR war. Kurze Antworten kenne ich nur von denen, die nicht in diesem Staat gelebt haben, die niemals dort waren.« Kurze Antworten gab es auch in den Straßen Frankfurts. Geschichten über die DDR fand man keine. Nur Anregungen, um den Unrechtsstaat dahinter zu wittern. »... angesichts festgefügter Bilder über die DD...

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