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Gewinnler aus der Not

PERSONALIE

Uwe Fenner hat sich geirrt. Dabei hat er als Immobilienmakler nichts falsch gemacht. Aus fachlicher Sicht zumindest. Er verteilte lediglich Schreiben im Berliner Stadtteil Wilmersdorf, in dem er Wohnungseigentümern im Umfeld der neuen Flüchtlingsanlaufstelle in der Bundesallee dazu riet, ihre Immobilie so schnell wie möglich zu verkaufen. Wegen der Nachbarschaft von Asylsuchenden sei mit einem raschen Wertverlust ihrer Wohnungen zu rechnen, heißt es in dem Schreiben, schließlich gingen Meldungen durch die Medien von »Gewalttaten in Flüchtlingslagern, von Einbrüchen, Diebstählen«. Fenner (72) gab sich als seriöser Marktbeobachter, der lediglich Ratschläge erteilt.

Die Reaktion war ganz und gar nicht in seinem Sinn: Statt Angebote für seine Interessenten zu bekommen, erlebte er aufgebrachte Anwohner, die ihm gaunerhafte Geschäftspraktiken unterstellten, und Bezirkspolitiker, die ihm vorwarfen, Ängste und Sorgen im Kiez zu schüren. Selbst seine Partei, die von dem ehemaligen AfD-Chef Bernd Lucke gegründete Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA), rückte von ihm ab. Der Immobilienmakler zog schließlich die Konsequenz und kündigte seinen Rückzug aus der Partei an.

Fenner, bisweilen auch »Benimm-Papst« genannt, weil er Führungskräfte in Stilfragen berät, gab sich überrascht über das Aufsehen wegen der Wurfsendung. Immerhin entschuldigte er sich. Er habe lediglich seinen Job machen wollen - als Immobilienmakler. Deren Branche ist in Berlin berüchtigt. Häuser werden bei steigenden Preisen wieder und wieder verkauft. Selbst aus Bruchbuden wird Betongold. Für die Eigentümer ist das lukrativ, die Leidtragenden sind dagegen die Mieter, denen die Verdrängung aus den Kiezen droht.

Maklern kommt in diesem Geschäft die Rolle der seriös und dezent auftretenden Strippenzieher zu. Doch jetzt hat Fenner sich verkalkuliert - weil er ausgerechnet mit rassistischen Vorbehalten Geschäfte machen wollte. Das wird bis in Luckes ALFA-Partei hinein gesellschaftlich geächtet.

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