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Bahnchaos bei VLEXX geht weiter

Kunden der Privatbahn im Südwesten sind genervt

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.

Mehr als zehn Monate nach ihrem fulminanten Fehlstart bekommt die Privatbahn VLEXX ihre Betriebsprobleme nicht in den Griff. Klagen von Fahrgästen über Zugausfälle, Verspätungen und Informationsmangel reißen nicht ab.

Die VLEXX fährt auf einem Dieselnetz zwischen Frankfurt am Main, Mainz, Koblenz, Kaiserslautern und Saarbrücken. Das Unternehmen gehört zu einem Konsortium aus der bisherigen italienischen Staatsbahn FS und dem luxemburgischen Anlagefonds Cube, der in Privatisierungs- und PPP-Projekten in Europa, Amerika und Asien aktiv ist. Das Bahnunternehmen hatte den Regionalverkehr im Südwesten im Dezember 2014 übernommen und die Deutsche Bahn (DB) verdrängt. Anfangs freuten sich viele Menschen auf mehr durchgehende Verbindungen nach Frankfurt am Main und fabrikneue Fahrzeuge. Politiker feierten die neuen Arbeitsplätze im Mainzer Betriebshof. Doch die Euphorie ist verflogen und der Ärger schlägt sich auch in regionalen Medien nieder.

Inzwischen tauschen sich knapp 2000 empörte Kunden aus der Region über die Facebook-Gruppe »VLEXX Nahstrecke, Verspätungen und Vorkommnisse« über ihre Erfahrungen aus und informieren sich »aktiv über aktuelle Betriebslagen und Verspätungen«. Auch auf der Internetseite des Senders SWR, der jüngst über die Misere berichtete, kommen Betroffene zu Wort. »Jeden Morgen die Frage: Kommt der Zug oder kommt er nicht? Überlege, nach Ablauf der Jahreskarte mit dem Auto zur Arbeit zu fahren«, meint ein Pendler aus Alzey. »Es gab schon schlimme Jahre davor, aber dieses schlägt alles. Verspätungen und Zugausfälle vor allem in den Sommerferien, Türprobleme, elektronische Probleme mit dem ganzen Zug. Notfallpläne sind ein Witz«, beklagt ein Fahrgast aus Boppard. »Meine Erwartungen waren von Anfang nicht höher als an die DB. Doch es kam schlimmer«, schreibt ein Betroffener aus Idar-Oberstein. Manche beklagen die mangelnde Kommunikation zwischen der wachsenden Zahl von Privatbahnen auf dem überlasteten Streckennetz. Mehrfach mussten andere Bahnen einspringen, dem Vernehmen nach soll die DB mit dem Fahrplanwechsel im Dezember wieder eine Teilstrecke übernehmen.

Das Betriebschaos kommt für Gewerkschafter und kritische Beobachter nicht überraschend. Offenbar ist das VLEXX-Management auch nach einem hastigen Geschäftsführerwechsel im Winter weiter völlig überfordert. Die Hoffnung auf ausreichendes Personal mit Unterstützung der Arbeitsagentur ist offenbar nicht aufgegangen. Nach Insiderberichten herrscht Personalmangel und massiver Druck auf die Beschäftigten, der sich in einem Krankenstand von 20 Prozent niederschlägt.

Die massive Kritik musste inzwischen auch der für die Ausschreibung verantwortliche Zweckverband SPNV Rheinland-Pfalz Süd aufgreifen. Man sei »noch nicht zufrieden« und erwarte eine »Verbesserung der Zuverlässigkeit«, so die Behörde.

VLEXX müsse »seinen Auftrag zu hundert Prozent erfüllen« und für nicht erbrachte Leistungen werde auch nicht gezahlt, sagte der Mainzer Verkehrsstaatssekretär Günter Kern (SPD). »Die Strafen für Ausfälle sind offenbar viel zu gering«, so der Mainzer Landtagskandidat Peter Weinand (LINKE). Er fordert eine Offenlegung der Verträge zwischen Zweckverband und VLEXX. Um weiteren Schaden abzuwenden, müssten die Verträge gekündigt und der Öffentliche Nahverkehr wieder in staatliche Hände überführt werden.

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