Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Migration: Schweden will entlastet werden

Stockholm beantragt Teilnahme an EU-Flüchtlingsverteilung / Zahl der in Slowenien Eingereisten über 150 000

Während Schweden Flüchtlinge in seinem Land in die EU verteilen möchte, wird die Lage auf der Balkanroute immer dramatischer.

Brüssel. Schweden verlangt, dass andere EU-Länder Flüchtlinge von dort aufnehmen. Nachdem bereits Griechenland und Italien durch die europaweite Verteilung entlastet werden, hat nun auch Schweden in Brüssel einen entsprechenden Antrag gestellt. Das bestätigte die EU-Kommission am Freitag in Brüssel. Ende September hatten sich die EU-Länder auf die europaweite Verteilung von insgesamt 160 000 Migranten geeinigt. Dabei geht es vor allem um Flüchtlinge, die in Griechenland und Italien angekommen sind. Es ist aber noch ein Kontingent von 54 000 Personen frei, darum bemüht sich nun Schweden.

Derweil hat der tschechische Präsident Milos Zeman hat in einem Interview erklärt, er »denke, dass das eine organisierte Invasion ist«. Gegenüber dem Onlineportal parlamentnilisty.cz äußerte er die Ansicht, dass 90 Prozent der Migranten auf der Balkanroute »junge, gesunde Männer und keineswegs elend aussehende Flüchtlinge« seien. Er forderte, Migranten unter Einsatz von Polizei und Armee direkt an der Grenze abzuweisen. Sie dürften gar nicht erst ins Land gelassen werden. »Flüchtlinge sind streng genommen Verbrecher, weil sie ... sowohl die tschechischen Gesetze als auch die Grenzen verletzen«, sagte der 71-jährige Präsident. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts STEM haben 67 Prozent der befragten Tschechen Angst wegen Flüchtlingen und Asylsuchenden. Noch größer war der Umfrage zufolge die Zahl derer, die Ängste vor dem Islam äußerten. Ihr Anteil lag bei 83 Prozent.

Die Zahl der über die Balkanroute nach Slowenien eingereisten Flüchtlinge hat unterdessen 150 000 überschritten. Mit 5426 neuen Registrierungen am Donnerstag stieg die Zahl der Asylsuchenden in Slowenien auf 155 755, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Das Land wurde eine Station auf der Balkanroute, nachdem Ungarn am 17. Oktober seine Grenze geschlossen hatte. Die meisten Flüchtlinge stammen aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten. Rund 5400 Asylsuchende sind derzeit in slowenischen Erstaufnahmezentren untergebracht. Die meisten warten auf eine Weiterreise nach Österreich beim Grenzort Sentilj. Nach Einschätzung der Tageszeitung »Vecer« werden Deutschland und Österreich bald keine Flüchtlinge mehr aufnehmen. »Dann wird die richtige Krise anfangen und damit auch der Kampf zur Rettung der EU.« Bisherige Versuche, die Flüchtlinge umzuverteilen und Zäune zu errichten, seien ein »Fiasko« und ein »schlechter Witz« gewesen, schreibt die Zeitung. »Das Fiasko ist die Konsequenz einer kurzsichtigen Politik ... und der faulen Kompromisse, die in Nachtsitzungen der EU geschlossen wurden«, heißt es.

In Griechenland werden wieder Tausende Flüchtlinge und Migranten mit Fähren von Ägäis-Inseln zum Festland transportiert. Zuvor hatten die Seeleute ihren Streik beendet. Nach Angaben der Küstenwache wurden in Piräus gut 4500 und im nordgriechischen Hafen von Kavala 1000 Migranten erwartet. Von Griechenland aus werden die Menschen über Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien nach Österreich und Deutschland weiterreisen.

Als Folge des viertägigen Streiks sind nach Schätzungen mehr als 25 000 Migranten auf den Inseln in der Ostägäis gestrandet. Wegen des milden Wetters setzten täglich Tausende Migranten von der türkischen Küste nach Lesbos, Chios, Samos, Leros, Kos sowie andere kleinere Inseln über, sagte ein Offizier der Küstenwache auf der Insel Chios am Freitag. Die Hilfsorganisationen und die Behörden sind überfordert. Auf Samos hat nach Angaben der Lokalbehörden das Militär seit drei Tagen die Verpflegung der Migranten übernommen.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras wollte sich am Freitagnachmittag mit Bürgermeistern und Kirchenvertretern jener fünf Inseln treffen, wo die sogenannten Hotspots-Registrierzentren eingerichtet werden. Das Registrierzentrum von Lesbos ist bereits in Betrieb genommen worden. Agenturen/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln