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Antwort auf Energiewende gefunden

Aufsichtsrat segnet neue Strategie des Stromkonzerns RWE ab

Die Aufspaltung des Energieriesen RWE ist beschlossen, am Freitag stimmte der Aufsichtsrat zu. Bei der Beschäftigungssicherung haben Vorstand und Gewerkschaften offenbar aneinander vorbei geredet.

Vielleicht ist die Öffentlichkeit einfach unfair zu RWE. Vielleicht ist es ja wirklich innovativ, wenn wir mit Hilfe des Energieriesen nun kabel- und kostenlos unsere Smartphones aufladen können bei einer System-Gastronomie-Kette, der Lohnprellerei und der Verkauf äußerst unfrisch riechender und deswegen überlang erhitzter Pasta vorgeworfen wird.

Öfter mal etwas Neues - das Projekt sei eines von »vielen kleinen Pflänzchen«, die RWE gesetzt habe, »irgendwann« würden sie »zu einem neuen Ökosystem zusammenwachsen«, verkündete Vorstandschef Peter Terium in diesen Tagen. Solche »Innovationen« seien jedenfalls »ein ganz zentraler strategischer Erfolgsfaktor« für den Energiekonzern.

Mitunter muss es aber auch eine innovationsarme Kopie tun: Ähnlich wie der Rivale E.on, nur ziemlich genau ein Jahr später, will RWE sich aufspalten. Das alte soll vom neuen Geschäft getrennt werden. So lautet zumindest die Strategie von Vorstandschef Terium, über die der Aufsichtsrat von Deutschlands zweitgrößtem Konzern am Freitag beriet. Einstimmig segnete das Kontrollgremium anschließend die Pläne ab.

Damit konnte gerechnet werden, weil sowohl die kommunalen Anteilseigner als auch die Gewerkschaften ihre grundsätzliche Zustimmung bereits signalisiert hatten. Sie kontrollieren vier respektive neun der 20 Aufsichtsratsmandate.

Der scheidende Aufsichtsratschef Manfred Schneider, der als Teriums Mentor gilt, sprach von einer »wichtigen Weichenstellung für die Zukunft des gesamten RWE-Konzerns«. Das Unternehmen könne nun »seiner Verantwortung gegenüber Aktionären, Mitarbeitern und Gesellschaft in Zukunft noch besser gerecht« werden.

Auch Aufsichtsratsvize Frank Bsirske, im Hauptberuf Vorsitzender der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, sprach von einem »notwendigen und richtigen Schritt«. Nur eine gesunde RWE sei ein sicherer Arbeitgeber. Mittel- und langfristig erhoffe er sich auch neue Arbeitsplätze von der neuen Strategie.

Auf dem Dach der Essener Konzernzentrale leuchtet der Slogan »voRWEg gehen« auf hellblauem Grund. Die Realität schaut anders aus: Mittlerweile gilt es als Binsenweisheit, dass RWE die Energiewende mit allen Mitteln torpediert und gleichzeitig komplett verschlafen hat. »Von dieser Entscheidung geht das klare Signal aus, dass wir unsere Antwort auf die Energiewende gefunden haben«, kommentierte Peter Terium den Aufsichtsratsbeschluss.

Teriums Modell sieht vor, dass die als zukunftsfähig empfundenen Geschäftsbereiche in einer Tochtergesellschaft gebündelt und Ende 2016 an die Börse gebracht werden. Erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb sollen so eine neue Heimat unter dem RWE-Dach finden. 2013 hatte RWE seinen Investitionsetat für Erneuerbare Energien noch zusammengekürzt. Nun soll »verstärkt« in die Zukunftsenergien investiert werden.

Die »alten« Geschäftsfelder Braunkohle, Atomkraft und Gas sollen derweil schrumpfen. Durch die geplante Aufspaltung würden laut der Unternehmens-PR »zwei zukunftsfähige Unternehmen mit einem klaren strategischen Fokus und größerem finanziellen Spielraum« entstehen.

Doch was die Arbeitsplätze betrifft, besteht offenbar noch Diskussionsbedarf. Er rechne damit, dass weitere Stellen wegfallen könnten, hatte Terium im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung noch betont. »Wir gehen davon aus, dass es zu keinen Stellenstreichungen kommt«, sagte hingegen Michael Denecke, stellvertretender Pressesprecher der Gewerkschaft IG BCE, auf »nd«-Nachfrage. Die Beschäftigungssicherung müsse im Vordergrund stehen. »Im Übrigen«, so Denecke, »gelten ja Tarifverträge«.

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