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Begegnung ohne Risiko

Eine Buchlesung mit Fußballfans im »Baiz«

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Fans des 1. FC Union Berlin, des BFC Dynamo, von Energie Cottbus und dem SV Babelsberg 03 trafen hier aufeinander. Die Polizei war nicht zugegen. Statt handgreiflich Rivalitäten zu pflegen, ließ man sich bestens unterhalten.

Die Kultur- und Schankwirtschaft »Baiz« an der Schönhauser Allee wurde am vergangenen Sonnabend zum Treffpunkt von Fans des 1. FC Union, des BFC Dynamo, von Energie Cottbus und dem SV Babelsberg 03. Erstaunlicherweise trennte kein Polizeiaufgebot die sich nicht gerade freundlich gesinnten Gruppierungen. Allerdings fasst der Raum des »Baiz«, der als Ort der Buchlesung aus vier Fußballfibeln der genannten Klubs gewählt wurde, höchstens fünf Dutzend Gäste. Letztlich waren auch alle Stühle besetzt mit Menschen, die ein Außenstehender eher in die Kategorie Friedrichshainer Szeneklubbesucher einordnen würde. Nur bei genauerem Hinschauen konnte man dezente Vereinszeichen entdecken.

Die fußballbegeisterten Bücherfreunde wollten einfach einen entspannten, unterhaltsamen Abend genießen. Der wurde auch Realität. Niemand wurde angepflaumt, es wurde gelacht und Beifall gespendet für die Autoren der vier ersten Fußballfibeln.

Fußballfibeln? Einer der ballbegeisterten Literaturavantgardisten Berlins, Frank Willmann, hatte den CULTURCON medien Verlag überzeugt, eine Bibliothek des Deutschen Fußballs zu schaffen. Der Verlag, der das Ziel verfolgt, »offenen Austausch und ehrliche Perspektiven für eine zukunftsorientierte Sicherung der Kultur« zu bieten, ließ sich auf dieses Abenteuer ein. Immerhin finden seit einiger Zeit Fußballbücher einen ansehnlichen Absatz. Willmann, Mitglied der Fußballnationalmannschaft deutscher Autoren, kennt Dutzende sprachsichere Kollegen in Berlin und Umgebung, die dem Fußball verfallen sind. Und so brachte er als Herausgeber die vier ersten Texter an den Start: Jens Batzdorf, der Energie Cottbus vorstellt, Jörn Luther, Fibelautor der Eisernen Unioner aus Köpenick, Rico Noack, Propagandist der Kicker aus der Filmstadt Babelsberg und Marco Bertram, der vom BFC Dynamo berichtet.

Die handlichen Fibeln in Paperback und einer Größe, die in jede Jackentasche passen, haben einen Umfang von etwa 135 bis 150 Seiten. Es gibt keinen dogmatischen inhaltlichen Rahmen. Alle Bücher beschreiben mehr oder weniger die Geschichte der entsprechenden Vereine, geben Auskunft über das persönliche Verhältnis des Autors zum Verein und erzählen Geschichten von bedeutenden Ereignisse, die deren Anhänger erlebten.

Den ersten vier vorgestellten Fibeln sollen noch viele folgen. »Natürlich auch die restlichen der wichtigsten Ostvereine«, verspricht Lektorin Nelly Möller. Aber auch solche Dinosaurier des deutsche Fußballs wie der FC Bayern, Gladbach, Dortmund oder der HSV werden berücksichtigt.

Der Leseabend im BAIZ stimmte Autoren wie Verleger schon einmal hoffnungsvoll. Dass es im Umfeld von Risikospielen immer so freundlich abgeht wie bei diesem Zusammentreffen von Fans äußerst gegensätzlicher Vereine dürfte indes wohl leider noch eine Illusion sein.

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