Kipping: Flüchtlinge können als Lehrer arbeiten

Linken-Politikerin sieht Möglichkeit, absehbare Personallücke im Bildungssektor zu schließen / PISA-Koordinator: Willkommensklassen können nur Notbehelf sein

Berlin. Die Linkspartei-Vorsitzende Katja Kipping hat vorgeschlagen, Flüchtlinge mit pädagogischen Erfahrungen zur Unterrichtung der Kinder von Asylsuchenden heranzuziehen. Der »Rheinischen Post« sagte die Politikerin, dies könnte die absehbare Personallücke im Bildungssektor schließen. »Sie könnten nicht nur dolmetschen, sondern den Kindern die Eingewöhnung in das örtliche Schulsystem erleichtern und auch dazu beitragen, dass die Schule auf spezielle Bedürfnisse, Vorkenntnisse und Potenziale der Flüchtlingskinder eingeht«, so Kipping.

Zu diesem Zweck solle schnell nach Flüchtlingen gesucht werden, die eine pädagogische Ausbildung oder Berufserfahrung haben, um sie mit Sprachkursen und pädagogischer Fortbildung fit für den Einsatz an deutschen Schulen zu machen. Dort könnten sie zunächst im Rahmen von Pilotprojekten als »interkulturelle Lehrassistenten« arbeiten, anschließend auch als reguläre Lehrkräfte.

Zuvor hatte der Chefkoordinator der PISA-Studien, Andreas Schleicher, die Integration der Flüchtlingskinder als entscheidende Bewährungsprobe für das deutsche Bildungssystem bezeichnet. Dafür müsse die Bundesrepublik politisch rasch die richtigen Weichen stellen, wie sie es nach dem »PISA-Schock« von 2000 angesichts miserabler Noten für deutsche Schüler mit einigem Erfolg getan habe.

»Die Sprache des Ziellandes zu vermitteln - vor allem das muss geleistet werden, und zwar in relativ kurzer Zeit«, sagte Schleicher der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Er betonte, das Land, in dem ein Migrantenkind zur Schule geht, habe den allergrößten Einfluss auf den Bildungserfolg. »Schulsysteme können Erhebliches leisten.«

Die derzeit von den Bundesländern angebotenen Vorbereitungs- oder Willkommensklassen, in denen Flüchtlingskinder quasi unter sich sind, könnten nur ein Notbehelf sein, sie seien für schnellen Spracherwerb aber auf Dauer »keine gute Lösung«. Wer etwa aus seiner Heimat gute Mathematikkenntnisse mitbringe, könnte diese in einer Regelklasse ebenfalls schnell anwenden und lerne dann dort zusätzlich im Kontakt mit deutschen Schülern die neue Sprache, sagte Schleicher.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die für die PISA-Vergleichstests für 15-jährige Schüler in aller Welt zuständig ist, stellt an diesem Donnerstag ihre Studie »Immigrant Students at School« über Erfolge und Misserfolge von Bildungsintegration vor. Der 120-seitige Report, der der dpa vorliegt, basiert im wesentlichen auf den PISA-Daten bis 2012. Agenturen/nd

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