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Afghanistan: Provinz Helmand droht an Taliban zu fallen

Vizegouverneur der Region bittet Zentralregierung in Kabul um Unterstützung / Bewohner des Bezirkes klagen über zunehmende Lebensmittelknappheit / US-Spezialeinheiten am Kampfeinsatz beteiligt

Kabul. Bei einem Selbstmordattentat nahe der afghanischen Hauptstadt Kabul sind sechs US-Soldaten getötet worden. Der Anschlag der Taliban ereignete sich am Montag in der Nähe des Luftwaffenstützpunkts Bagram, wie ein Nato-Sprecher mitteilte. Die südafghanische Provinz Helmand steht laut einer Warnung ihres Vizegouverneurs unterdessen kurz vor dem Fall an die Taliban.

Der Attentäter sei in der Nähe des Stützpunkts mit einem Motorrad auf eine gemeinsame Patrouille aus Nato-Soldaten und afghanischen Polizisten zugefahren und habe sich in die Luft gesprengt, sagte der Gouverneur der Provinz Parwan, Mohammed Asem. Nach Angaben der Nato wurden sechs Nato-Soldaten getötet und drei weitere verletzt. Wie ein US-Regierungsvertreter sagte, handelte es sich bei allen Getöteten um US-Soldaten.

Zu dem Anschlag bekannten sich die Taliban. Die islamistische Rebellenbewegung hat ihre Angriffe seit dem Sommer deutlich verstärkt. Vor allem der Bezirk Sangin in Helmand ist seit Tagen heftig umkämpft.

»Ich kann nicht länger schweigen. Helmand steht kurz vor dem Fall«, schrieb Vizegouverneur Mohammed Dschan Rasuljar am Sonntag im Online-Netzwerk Facebook an Präsident Aschraf Ghani. In den vergangenen zwei Tagen seien 90 Soldaten bei Kämpfen mit den Rebellen getötet worden. Ihm sei es nicht gelungen, den Präsidenten über andere Kanäle zu erreichen, beklagte Rasuljar. Er warf Ghani vor, die bedrohliche Lage in Helmand herunterzuspielen.

Rasuljars Warnung wirft ein Schlaglicht auf die Sicherheitslage in Teilen Afghanistans ein Jahr nach dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes. Die Lage in Sangin erinnert zudem an die Eroberung der nordafghanischen Stadt Kundus im September. Die Provinzhauptstadt war von den Taliban überrannt und erst nach tagelangen Kämpfen von der Armee zurückerobert worden. Es war der größte Sieg der Taliban seit ihrem Sturz 2001.

Rasuljar sagte am Montag der Nachrichtenagentur AFP, die Taliban hätten am Sonntag in Sangin das Polizeihauptquartier, das Büro des Bezirksgouverneurs und das Gebäude des Geheimdienstes erobert. »Die Kämpfe in dem Bezirk eskalieren«, sagte Rasuljar. Die Zentralregierung versprach, rasch Verstärkung nach Sangin zu schicken, bestritt aber, dass der Bezirk an die Taliban zu fallen drohe.

Bewohner klagten über Lebensmittelknappheit. Die belagerten Soldaten in Sangin bettelten um Essen, zahlreiche Straßen in der Stadt seien vermint. Der Bezirk ist seit Jahren eine Hochburg der Taliban und bekannt für den Opiumanbau. Laut Regierungsbeamten sind zwölf der 14 Bezirke von Helmand heftig umkämpft oder bereits unter Kontrolle der Islamisten. Die Aufständischen überrannten kürzlich auch einen Vorort der Provinzhauptstadt Laschkar Gah.

Die US-Armee entsandte in den vergangenen Wochen Spezialkräfte nach Helmand, um die afghanische Armee zu unterstützen. Ursprünglich sollten sich die internationalen Truppen im Laufe des kommenden Jahres ganz aus Afghanistan zurückziehen. Wegen der verschlechterten Sicherheitslage beschloss die Nato aber kürzlich, 2016 in praktisch unveränderter Stärke von etwa 12.000 Soldaten in Afghanistan zu bleiben. Die Bundeswehr wird ihren Einsatz sogar mit verstärkter Truppenzahl fortsetzen. Der Bundestag erhöhte die Obergrenze am Donnerstag von 850 auf 980 Soldaten. AFP/nd

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