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Waterloo für Corbyn und das linke Experiment blieb aus

Aber für Labour kann im neuen Jahr noch einiges schief gehen

  • Von Ian King, London
  • Lesedauer: 2 Min.
Die ersten 100 Tage seiner Oppositionsherrschaft sind längst um, aber trotz aller Unkenrufe hat der Labour-Chef Jeremy Corbyn sein Waterloo noch nicht erlebt. Im neuen Jahr hat er sogar Erfolgschancen.

Der 66-jährige Serienrebell Jeremy Corbyn hat mit Müh und Not die für eine Kandidatur benötigten 35 Nominierungen aus der Fraktion zusammengekratzt. Die Presse, auch linke Zeitungen wie der »Daily Mirror« oder der »Guardian«, verhöhnte Corbyn als nicht wählbar. Doch gewann er bei der Mitgliederabstimmung im September souverän mit knapp 60 Prozent der Stimmen. Denn Corbyn hatte neuen Mitgliedern und Anhängern mit dem Ruf nach einem Ende der Austeritätspolitik sowie der Ablehnung von britischen Atomwaffen aus der Seele gesprochen.

Alle drei Aspekte - Ablehnung durch die vorsichtig-mittige Fraktion, Skepsis in der Presse, aber begeisterte Unterstützung der meisten Labour-Mitglieder - sind Ende des Jahres ebenso wichtig für das Verständnis des Corbyn-Phänomens wie bei der Abstimmung. Die veröffentlichte Meinung störte sich an dessen Weigerung, bei der Ehrung britischer Kriegstoten die Nationalhymne zu singen. Corbyn ist überzeugter Republikaner; hätte er mitgesungen, wäre er wegen Scheinheiligkeit angegriffen worden.

Wichtiger war, dass er gegen die Ausweitung der britischen Bombenkampagne gegen den Islamischen Staat von Irak auf Syrien stimmte. Sein außenpolitischer Sprecher Hilary Benn hat hingegen im Unterhaus fürs Bomben plädiert. Aber zwei Drittel der Fraktion und des Schattenkabinetts folgten Corbyn in die Nein-Lobby.

Corbyn blieb trotz innerparteilichen Widerstandes konsequent, auch auf Kosten zeitweiliger Unzufriedenheit der Wähler. Der rechte Londoner »Evening Standard« veröffentlichte eine Umfrage des Instituts Ipsos-MORI, nach der nur 29 Prozent der Wähler Corbyns Stellungnahme zum Syrien-Bombardement gut fanden. Auf den ersten Blick eine verheerende Zahl, aber auch Premier Camerons Bombenkurs wurde von nur 38 Prozent befürwortet. Skepsis allenthalben.

Die angebliche öffentliche Unzufriedenheit mit Corbyn bekam alsbald ein Ventil. Der Tod des linken Routiniers Michael Meacher bedeutete eine Nachwahl in der Labour-Hochburg Oldham bei Manchester. Presse- und TV-Experten malten für Corbyn das Menetekel an die Wand. Unter Ed Miliband hatte Labour kurz vor der Parlamentswahl den Nachbarwahlkreis Heywood gegen die United Kingdom Independence Party nur knapp gehalten. Ein ähnliches Ergebnis, vielleicht gar eine Niederlage, sei in Oldham zu erwarten. Pustekuchen: Der Labour-Kandidat gewann mit über 62 Prozent der abgegebenen Stimmen, UKIP kam auf ganze 23 Prozent.

2016 kann für Labour einiges schief gehen. Unterstützung in der Fraktion für die neue Linie bleibt zweifelhaft. Begabte Politiker der Mitte wie Chuka Umunna oder Tristram Hunt wollen »Jezza« abservieren, wissen aber nicht wie. Die vor und nach dessen Wahl neu eingetretenen Mitglieder unterstützen Corbyn.

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