Vatikan erkennt Palästina endgültig als Staat an

Rechte der katholischen Kirche in Palästinensergebieten vertraglich geregelt / Bisher kein Abkommen mit Israel

Vatikanstadt. Ein halbes Jahr nach seiner Unterzeichnung ist ein Abkommen zwischen dem Vatikan und dem »Staat Palästina« in Kraft getreten. Das gab der Kirchenstaat am Samstag bekannt. Das Ende Juni unterzeichnete Abkommen regelt die Rechte der katholischen Kirche in den Palästinensergebieten. Die Verhandlungen hatte sich 15 Jahren hingezogen.

Insgesamt umfasst das Abkommen eine Präambel und 32 Artikel. Laut einer Erklärung des Vatikan regelt es die »wesentlichen Aspekte« des Lebens und der Aktivitäten der katholischen Kirche in Palästina sowie den Schutz der heiligen Stätten. Zudem bekräftigt es die Unterstützung für eine Verhandlungslösung des Nahost-Konflikts.

Der Vatikan hatte die Staatlichkeit der Palästinenser bereits Anfang 2013 anerkannt, nachdem den Palästinensern bei den Vereinten Nationen ein Beobachterstatus zugebilligt worden war. Neu ist, dass dies nun erstmals in einem Vertrag zwischen den Palästinensern und dem Vatikan festgehalten wurde.

Der Heilige Stuhl spricht dem Abkommen Modellcharakter für entsprechende Regelungen mit anderen arabischen Staaten mit christlichen Minderheiten zu. Die israelische Regierung hatte bereits anlässlich der Unterzeichnung am 26. Juni vergangenen Jahres ihr »Bedauern« zum Ausdruck gebracht. Durch diesen »übereilten Schritt« würden die Aussichten auf ein Friedensabkommen »beschädigt«, hieß es damals.

Zwischen Israel und dem Vatikan gibt es bisher kein Abkommen, das dem mit den Palästinensern entspräche. Der Vatikan unterhält zwar seit 1993 diplomatische Beziehungen mit Israel. Seit 1999 gibt es auch Verhandlungen über die Rechte der katholischen Kirche in Israel. Sie werden jedoch regelmäßig ergebnislos vertagt. AFP/nd

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