Der kurze Frühling des Wir-Gefühls

Die neue Dokumentation »Je suis Charlie«

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

In dem Film von Emmanuel und Daniel Leconte kommen die Ermordeten von »Charlie Hebdo« noch einmal selber zu Wort.

Am Anfang des Films rufen die versammelten Massen »Je suis Charlie«: Ich bin Charlie, du bist Charlie, wir alle sind Charlie. Das Wir-Gefühl, die kollektive Empörung, das geschockte Zusammenstehen für die Republik und ihre laizistischen Werte, für Freiheit und Brüderlichkeit, hatten Konjunktur. Frankreich hatte neue Helden gefunden, und sie trugen kurze, knackige Künstlernamen: Charb, Tignous, Cabu.

Gegen Mitte des Films folgt auf die Begeisterung die Anklage: Das mit dem Wir-Gefühl, das hielt wenig mehr als eine Woche - die Woche der Attentate auf das Pariser Satiremagazin »Charlie Hebdo«, auf den koscheren Supermarkt, auf eine einzelne Polizistin. Die Woche der 17 Terroropfer. Die Woche der landesweiten Massenaufläufe und Großdemonstrationen, der solidarischen Einheit, des gemeinsamen Widerstands.

Kaum eine Woche später erhoben sich Stimmen, die für politische Korrektheit sprachen und die Schuld am Tod der »Charlie Hebdo«-Redakteure, d...


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