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Kein Olympia, weniger Geld

Die Volleyballer werden die verpassten Qualifikationen wohl Einiges kosten

Den Ausrüstervertrag hatte Thomas Krohne noch schnell um vier Jahre verlängert. Um die Nationaltrikots muss sich der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes bis 2020 nicht sorgen. Doch Krohne weiß, dass die verpassten Qualifikationen beider Hallenteams für die Spiele in Rio de Janeiro beim DVV finanziell Lücken hinterlassen werden.

Sponsoren werden sicher nicht Schlange stehen. »Wenn man in die Augen der Vertreter geschaut hat, sah man auch bei ihnen eine große Enttäuschung«, sagte Krohne nach dem knappen Ausscheiden der Männer am Sonntag in Berlin. Hallenvolleyball wird vor allem bei Olympia im Fernsehen übertragen, ansonsten scheuen die großen Sender die Übertragungskosten. Sponsoren lassen sich ohne Fernsehpräsenz aber auch nicht anlocken.

Ohne Olympiateilnahmen werden zudem die Verhandlungen über Fördermaßnahmen mit der Bundespolitik schwieriger, selbst wenn der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann zunächst versicherte, dass es keine unmittelbaren Konsequenzen geben werde: »Volleyball bleibt ein wichtiger Bestandteil von Sportdeutschland und erhält damit eine entsprechende Förderung.«

Das Geld gibt jedoch nicht der DOSB, sondern das Bundesministerium des Innern. Zudem hatte der DOSB selbst nach den Spielen 2012 in London sein Fördersystem leistungsbezogener gestaltet. Auch wenn es der Dachverband dementiert, werden nun doch Medaillen belohnt. Wer sich nicht mal qualifiziert, bekommt hingegen weniger Geld.

Der DVV gewann in London Gold im Beachvolleyball, und die Männer in der Halle wurden Fünfter. In den Zielvereinbarungen wurde danach der »erfolgreichste Vier-Jahres-Zyklus seit 1990« bilanziert. Die Beachvolleyballer kamen prompt in den zweithöchsten von fünf Fördertöpfen. Die Medaille sollte 2016 wiederholt werden, zwei andere Teams sollten zudem das Viertelfinale erreichen. Doch das Goldduo Julius Brink/Jonas Reckermann hat seine Karriere längst beendet.

Die Hallenteams waren ohnehin nur im vierten Topf mit den Sportarten, die »Finalplatzpotenzial« besitzen. Selbst das können nun beide nicht mehr erreichen. Ein Abrutschen in Topf fünf droht. Zum Vergleich: der DVV erhielt seit 2013 jährlich 1,1 Millionen Euro, der Rugbyverband aus Topf fünf nur 223 000 Euro.

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