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Was Bayerns jüngster Vulkan erzählt

  • Von André Jahnke, Neualbenreuth
  • Lesedauer: 3 Min.
Im Frühjahr 2015 entdeckten Geologen eine Sensation: Der jüngste Vulkanausbruch in Bayern hat sich vor 200 000 Jahren in der Oberpfalz ereignet. Der Krater gilt als Klimaarchiv.

Was die Geologen im Frühjahr in einem Nadelwald in der nördlichen Oberpfalz fanden, machte Schlagzeilen: In dem sumpfigen Gebiet bei Neualbenreuth (Landkreis Tirschenreuth) hatte sich vor etwa 200 000 Jahren der letzte Vulkanausbruch in Bayern ereignet, weitaus später als bisher angenommen. Dabei deutet auf den ersten Blick nichts auf einen Vulkan hin, der typische Trichter ist gefüllt mit Gestein, Erdschichten und Pflanzen. Was für den neutralen Betrachter wenig spektakulär aussieht, stellt für die Geologen ein Glücktreffer dar.

»Mit Hilfe der Füllung des Maartrichters können wir erstmals ein hochauflösendes Klimaarchiv für Mitteleuropa erkunden«, sagt der Leiter des Geologischen Dienstes am Landesamt für Umwelt (LfU), Roland Eichhorn. Bei den bisherigen Löchern und Seen seien durch Gletscher große Teile der Füllung weggeräumt worden. »Dieses Gebiet war aber immer frei von Gletschern. Daher konnte sich der Maarkrater in den letzten 200 000 Jahren mit Material füllen.«

Eichhorn vergleicht den gefüllten Krater mit einer Herrentorte. »Bis in den Millimeterbereich haben wir einen Wechsel von dunklen und hellen Lagen, die die jahreszeitlichen Schwankungen widerspiegeln«, erläutert Eichhorn.

Die Experten waren dem Naturphänomen in dem Waldgebiet an der Grenze zu Tschechien mit Hilfe von Bohrungen auf die Spur kommen. Zuvor waren die Geologen bei routinemäßigen Untersuchungen dort auf eine kreisrunde Struktur mit einem Durchmesser von etwa 300 Metern gestoßen. »Etwa 1000 Grad heiße Lava traf auf kaltes Grundwasser, löste so eine heftige Explosion aus und sprengte den Boden weg«, sagt Eichhorn. Er vergleicht das Phänomen mit einer Champagnerflasche, die heftig geschüttelt wird, bis der Korken unter dem Druck hinausgesprengt wird.

Bis in 100 Meter Tiefe haben die Geologen in dem Krater jeweils einen Meter lange Bohrkerne entnommen. Diese wurden mit einer Präzisionssäge der Länge nach geteilt und fotografiert - eine Hälfte wird konserviert, die andere erforscht. »Im Geoforschungszentrum in Potsdam wird der Gesteinsmagnetismus, das Alter und der Chemismus der Sedimente untersucht. Im Senckenberginstitut in Weimar werden die gefundenen Pollen und Sporen untersucht«, erklärt Eichhorn. Erste Ergebnisse werden in diesem Jahr erwartet.

Inzwischen wissen die Experten, dass das Gebiet zum Zeitpunkt der Eruption eine baumlose Kaltsteppe war. In den folgenden 80 000 Jahren hatte sich die Gegend aufgrund einer Warmzeit in einen dichten Laub-Mischwald verwandelt. Es folgte wieder eine Eiszeit, in der der Neandertaler vom heutigen Menschen verdrängt wurde - auch der Wald verschwand wieder. Die heutige Landschaft mit Nadelwald und Moor entstand erst in den letzten 10 000 Jahren.

Das Gebiet soll in den kommenden Wochen touristisch erschlossen werden, ein Rad- und Wanderweg wird neu auszeichnet. »Zudem werden wir noch in diesem Jahr Schautafeln im Ort, am Eingang des Waldgebietes und an dem Vulkan aufstellen«, erläutert der Bürgermeister von Neualbenreuth, Klaus Meyer (CSU). Im Frühjahr soll an dem Vulkan ein Rastplatz mit Bänken entstehen. Meyer erhofft sich einen Schub für den Fremdenverkehr. »Wir wollen, dass die Menschen vor Ort fundierte Informationen bekommen.« dpa/nd

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