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Verfremdete Inszenierung von Macht

Eine geballte Faust unter einem heroisch dreinblickenden Gesicht - das Detail des monumentalen Berliner Ernst-Thälmann-Denkmals wirkt in dem Bildausschnitt zunächst rätselhaft. Auf einem anderen Foto werden die Gesichtszüge des Sachsenkönigs August der Starke geradezu ins Lächerliche gezogen, weil der Fotograf das Denkmal von schräg unten aufgenommen hat: In seiner 1983 bis 1990 entstandenen Serie »Die Pracht der Macht« nimmt der Berliner Fotokünstler Ulrich Wüst die Ästhetik von Skulptur und Architektur autoritärer Mächte in den Fokus. Die 25 Fotografien sind ab Freitag im Kunsthaus Dahlem zu sehen. Die verfremdenden Bildausschnitte brechen mit der Selbstinszenierung der Macht und setzen sich mit der visuellen Sprache totalitärer Regime auseinander. Mit den Arbeiten des 1949 in Magdeburg geborenen Fotokünstlers zeigt das Mitte 2015 neu eröffnete Kunsthaus Dahlem seine erste Wechselausstellung. Auf der Galerie der neun Meter hohen Ausstellungshalle, 1939 als Staatsatelier für den NS-Bildhauer Arno Breker errichtet, laden sie auch zur Auseinandersetzung mit dem Ort ein. »Es gibt keine eindeutige Definition«, betont Dorothea Schöne, die Leiterin des Hauses: »Die Wahrnehmung des Raumes ist bei jedem anders, der ironisch gesetzte Titel gibt den Rahmen vor.«

Die frühesten Aufnahmen der Serie von Ulrich Wüst entstanden aus einem Zufall heraus, erst später kombinierte sie der Fotograf zu einer Reihe mit dem Titel »Pracht der Macht«, ein Wortspiel nach einem Gedicht von Christian Morgenstern. Mit seinen Fotos zeigt der Künstler, wie sich politische Systeme über Denkmäler und Architektur im öffentlichen Raum präsentieren. Bewusst provoziert er durch das Nebeneinander der Aufnahmen von Kunst aus der NS-Zeit und aus der Zeit des Sozialismus. Die Ausstellung ist vom 14.1. bis 2.5. mittwochs bis montags von 11 bis 17 Uhr zu sehen. epd/nd

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