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Stolpe gegen Mercure-Abriss in Potsdam

Seit 1969 überragt das Hotel an der Havelbucht Potsdams historische Mitte. Die Stadt würde den DDR-Plattenbau am liebsten abreißen und spaltet mit ihren Plänen die Einwohnschaft.

Potsdam. Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) hat sich vehement gegen die Absicht der Stadt Potsdam ausgesprochen, das 17-stöckige Mercure-Hotel abzureißen. Wie beim »Palast der Republik« in Berlin solle auch da »ein Stück Vergangenheit ausgemerzt werden«, erklärte Stolpe am Wochenende in der »Märkischen Allgemeinen Zeitung«. Den heutigen Betreibern des ehemaligen DDR-Interhotels riet er zu einer Schadensersatzklage gegen die Stadt, wegen einer geschäftsschädigenden Diskussion um den Abriss und forderte eine Bürgerbefragung. Stolpe war von November 1990 bis Ende Juni 2002 Ministerpräsident des Landes Brandenburg.

Am Montag legte der Ex-Regierungschef, der seinen Dienstsitz in Potsdam hatte, in den »Potsdamer Neuesten Nachrichten« noch einmal nach. »Ich habe den Eindruck, dass es jetzt aus ideologischen und ästhetischen Gründen weg soll«, sagte Stolpe mit Blick auf den Hotelbau im Stadtzentrum. Darüber herrsche eine große Besorgnis der Bürger in der Stadt. »Da soll ein Stück Erinnerung, ein Stück angenehme Erinnerung, abgerissen werden.«

Die Stadt wollte sich am Montag nicht zu Stolpes Kritik äußern. Am 27. Januar will die Verwaltung unter Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) in der Stadtverordnetenversammlung einen neuen Vorstoß für ihre Abrisspläne unternehmen.

Das als »Interhotel Potsdam« 1969 eröffnete Haus gehört heute einer US-Investmentgesellschaft. Anhängern der klassischen Stadtsilhouette ist es vor allem seit Fertigstellung des Landtagsschlosses ein Dorn im Auge. Nunmehr soll das Hotel Plänen zur Wiederherstellung des historischen Lustgartens weichen. dpa/nd

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