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Giftmüll aus dem Wasserhahn

Wegen Sparmaßnahmen mussten die Einwohner der US-Stadt Flint jahrelang bleihaltiges Wasser trinken

  • Von Gabriele Chwallek, Flint
  • Lesedauer: 2 Min.
In der US-Stadt Flint fließt seit fast zwei Jahren mit Blei vergiftetes Wasser aus den Hähnen. Die Menschen erkranken. Jetzt kommt Hilfe von der Bundesregierung, doch wie konnte es so weit kommen?

Es begann vor knapp zwei Jahren als Sparmaßnahme für eine arme Stadt im US-Staat Michigan. Jetzt ist die Lage so dramatisch, dass Präsident Barack Obama den Notstand ausgerufen hat und Tausende Eltern um die Gesundheit ihrer Kinder bangen.

Im Mittelpunkt steht die einstige Autostadt Flint, früher blühend, jetzt am Rande des Bankrotts. Da erschien es dem Bundesstaat billiger, die Wasserversorgung für die etwa 100 000 Einwohner umzustellen. Statt das Wasser wie bisher aus dem Netz des nahe gelegenen Detroit zu beziehen und diese Stadt dafür zu entlohnen, wurde im Frühjahr 2014 begonnen, den Flint River anzuzapfen, der durch Flint fließt. Doch der ist schmutzig, das Wasser als ätzend bekannt.

»Wir dachten, es ist ein Scherz«, schildert die langjährige Einwohnerin Rhonda Kelso. »So etwas werden sie doch bestimmt nicht tun.« Aber sie taten es, und schon wenig später floss eine schmutzig-braune und komisch riechende Brühe aus Kelsos Wasserhähnen. Daran war Eisen schuld: Das Wasser hatte die Rohre angegriffen.

Noch schlimmer: Die Hälfte der Leitungen, die in Flints Häuser führen, sind aus Blei, das durch das aggressive Wasser ausgespült wurde. Die vorgeschriebene Antikorrosionsbehandlung wurde unterlassen. Stattdessen versicherten staatliche Stellen weiter, das Wasser sei sicher. Der - inzwischen abgewählte - Bürgermeister Dayne Walling trank es sogar demonstrativ vor laufenden Kameras.

Derweil klagten immer mehr Bürger über Ausschläge, Haarausfall und Übelkeit. Als Wissenschaftler der Universität Virginia Tech im August das Wasser testeten, trauten sie ihren Augen nicht. In manchen Fällen sei der Bleigehalt so hoch, dass das Wasser in die Kategorie »Giftmüll« fiel. »Wir haben in 25 Jahren nie solch hohe Bleiwerte gesehen«, sagte Mediziner Marc Edwards. Bleivergiftungen können lebenslange Gesundheitsprobleme verursachen - von Nierenschäden bis zu Verhaltensstörungen.

Seit Herbst verteilt nun die Nationalgarde Trinkwasser, und Flint ist wieder ans Detroiter Netz angekoppelt. Da die Leitungen aber bereits angegriffen sind, kommt weiter bleihaltiges Wasser aus den Hähnen. Wie lange noch, ist unklar. Ein Austausch aller Rohre kostet vermutlich mehr als eine Milliarde Dollar. dpa/nd

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