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Lufthansa macht Zugeständnisse

Flugbegleiter bekommen mehr Gehalt / Zunächst keine neuen Streiks

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.
Nach hartem Arbeitskampf und einem Tauziehen um Übergangs- und Betriebsrenten für 19 000 Kabinenmitarbeiter haben sich die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) und die Lufthansa zunächst geeinigt.

Wie der Lufthansa-Konzern und UFO-Chef Nicoley Baublies am Freitag übereinstimmend mitteilten, haben sich die Flugbegleiter und die Airline nach dreitägigen Verhandlungen auf Gehaltserhöhungen geeinigt. So erhalten alle Beschäftigten in der Kabine rückwirkend für 2015 eine Einmalzahlung in Höhe von 3000 Euro. Ab Januar 2016 steigen die Vergütungen um 2,2 Prozent. Der Vergütungstarifvertrag hat eine für die bundesdeutsche Tariflandschaft äußerst kurze Laufzeit von neun Monaten und endet zum 30. September 2016. Die Einkommensentwicklung ab Oktober und Fragen des Manteltarifvertrags, der die Gesamtheit der Arbeitsbedingungen regelt, sollen im jetzt anlaufenden, streikfreien Schlichtungsverfahren ausgehandelt werden.

Grundsätzliche Einigung wurde auch über die Gestaltung der künftigen Übergangs- und Altersversorgung der Flugbegleiter erzielt: Die Vereinbarung sei bereits unterzeichnet, noch strittige Details sollen nach Lufthansa-Angaben bis zum 15. Februar verhandelt werden. Was dann noch nicht einvernehmlich geklärt ist, soll in das Schlichtungsverfahren einfließen.

Über Verlauf, Inhalte und Zwischenergebnisse der Schlichtung haben die Tarifpartner und der als Schlichter bestellte frühere brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) Stillschweigen vereinbart. »Herrn Platzeck ist in den vergangenen Tagen ein echter Durchbruch gelungen. Er war ganz offensichtlich eine gute Wahl«, lobt Baublies in einem Schreiben an seine Mitglieder den Schlichter. Offenbar scheint Platzeck aus UFO-Sicht nun ein Garant für vertrauensbildende Planungssicherheit und gegen »Aufschieberei« und »unangenehme Überraschungen« zu sein, die UFO den Konzernchefs mehrfach vorgeworfen hatte.

»Lufthansa hat zugesagt, während der Schlichtung keine Unternehmensentscheidungen mit Auswirkungen auf die Kabine zu treffen, in die wir nicht vorab eingebunden sind«, so Baublies. Bis zum spätestens für Ende Juni anvisierten Abschluss der Schlichtung werde er daher keinen weiteren inhaltlichen Bericht an die Mitglieder abfassen, kündigte der UFO-Chef an. Er sicherte aber zu, dass die Gewerkschaftsbasis in der zweiten Jahreshälfte per Urabstimmung über alle Verhandlungsergebnisse mit Ausnahme der Einkommenserhöhungen das letzte Wort haben soll.

Zeitlich parallel zur Schlichtung wollen beide Seiten weitere Themen klären. Dazu gehören Voraussetzungen für einen Wechsel von Flugbegleitern von der bisherigen Lufthansa-Kernbelegschaft zu einer anderen deutschen Airline innerhalb des Konzerns. »Über die Arbeitsbedingungen im Low-Cost-Segment haben bereits Gespräche zwischen der Geschäftsführung der Eurowings und UFO begonnen, die ebenfalls begleitend zur Schlichtung laufen«, heißt es in der Lufthansa-Presserklärung.

Die unter dem Druck von Großaktionären wie dem mächtigen US-Finanzunternehmen BlackRock erzwungene Bildung von Niedriglohntöchtern wie Eurowings mit deutlich niedrigeren Einkommen und schlechteren Arbeitsbedingungen war bei Streiks von UFO und der Pilotenvereinigung Cockpit immer wieder Gegenstand heftiger Kritik. Nun hat sich UFO damit offensichtlich endgültig abgefunden und setzt den Schwerpunkt auf Abfederung und Absicherung der langjährig Beschäftigten.

Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens sprach denn auch von einem »wichtigen Signal für unsere Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre«. Die Zugeständnisse an der Lohnfront dürften dem profitablen Lufthansakonzern angesichts von Renditeerwartungen von rund zwei Milliarden Euro für 2016 und sinkender Kerosinpreise nicht sehr schwer gefallen sein.

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