Schlechtes Wetter - Dienst nach Vorschrift

Beschäftigte bei Israels einzigem Stromversorger setzen Lohnerhöhungen und die Rücknahme von Entlassungen durch - die Kälte half dabei

  • Von Oliver Eberhardt
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Seit langem kämpfen die Mitarbeiter des einzigen Stromversorgers in Israel für weniger unbezahlte Überstunden und bessere Bezahlung. Nun haben sie einen Erfolg errungen - weil das Wetter gestreikt hat.

In der Ferne zieht der nächste Sturm auf, doch im Call Center des israelischen Stromversorgers Chaverat HaChaschmal donnert es schon. »Hoffentlich nicht: Noch so einen Shit Storm halte ich nicht durch«, sagt eine nette ältere Dame namens Tali, als sie am Telefon gefragt wird, ob es wieder Stromausfälle geben wird: »Garantieren kann ich es nicht: Der Betriebsrat meint es ernst.«

Seit Monaten steht das mächtige Gremium, das eher eine Kleingewerkschaft mit einem Organisationsgrad von nahezu 100 Prozent ist, auf Kriegsfuß mit der Geschäftsführung; es geht um mehr Lohn für die mehr als 2300 Beschäftigten, und noch viel mehr als dies, um die vielen unbezahlten Überstunden, die vor allem die Techniker vor sich herschieben. In den vergangenen Jahren hatte die Regierung versucht, das Unternehmen hübsch für eine Privatisierung zu machen und deshalb viel Personal abgebaut. Aber die Widerstände waren zu groß; das Unternehmen blieb zu 97 Proze...


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