Heimvorteil, der verpflichtet

Deutsche Rodler wollen in Königssee abräumen

  • Von Thomas Weitekamp, Königssee
  • Lesedauer: 3 Min.

Auf der Jagd nach dem WM-Rekord muss Felix Loch nicht nach dem Weg fragen. Nur zehn Minuten braucht der Olympiasieger von seiner Haustür bis zur Rodelbahn am Königssee, mehr Heimspiel geht nicht für den 26-Jährigen. Ab Freitag steigen in Bayern die Weltmeisterschaften, und nicht nur Loch kennt jeden Zentimeter der Bahn. Das gesamte deutsche Team jagt Medaillen, ein »Goldrausch dahoam« steht bevor.

»Vor den eigenen Fans anzutreten, ist etwas ganz Besonderes, ich freue mich sehr darauf«, sagt Loch, und es gibt noch einen besonderen Anreiz. Am Königssee werden so viele Titel wie nie zuvor vergeben, denn vor den Rennen der Doppelsitzer, Frauen (jeweils Samstag) und Männer (Sonntag) werden am Freitag in jeder Disziplin die neu eingeführten Sprints ausgetragen. Mit der abschließenden Teamstaffel macht das gleich sieben Chancen auf Gold. Und es spricht nichts dagegen, dass alle Medaillen in Deutschland bleiben.

Loch will nach dem überraschenden zweiten Platz vor einem Jahr in Lettland seinen Status als weltbester Rodler wieder untermauern, seine Teamkollegen Natalie Geisenberger (Miesbach) und Tobias Wendl/Tobias Arlt (Berchtesgaden/Königssee) im Doppel treten gar als Olympiasieger und Weltmeister an. Die größten Konkurrenten der Bayern kommen ebenfalls aus Deutschland, so ist Tatjana Hüfner (Friedrichroda) und Dajana Eitberger (Ilmenau) ein Sieg gegen Geisenberger zuzutrauen. Und im Doppel wollen die Thüringer Toni Eggert und Sascha Benecken mal wieder ein erfolgreiches Kapitel im ewigen Duell mit Wendl und Arlt schreiben.

Die Euphorie ist groß vor der Heim-WM, der Glaube an die eigene Stärke ebenfalls. Dabei waren bis zum Jahreswechsel Zweifel angebracht, denn die Saison begann holprig für Deutschlands Rodler. Bis zum vierten Weltcup mussten Loch und Geisenberger auf ihre ersten Siege warten, gerade Loch wurde durch eigene Fehler zurückgeworfen.

Aufs Gemüt habe das jedoch zu keinem Zeitpunkt gedrückt, beteuert er. »Ich weiß ja, was ich kann, und daran habe ich nie gezweifelt«, sagt Loch, der wie Geisenberger pünktlich zur WM wieder den Gesamtweltcup anführt: »Mein Selbstvertrauen war immer intakt. Es waren einfach individuelle Fehler.« Ohne diese, sagt auch Bundestrainer und Vater Norbert Loch, »wäre Felix von Anfang an vorne gewesen. Jetzt stimmt es wieder, und das ganze Team hat sich an ihm aufgerichtet.«

Auch die neue Stärke der Nordamerikaner auf ihren Heimbahnen hatte den Deutschen in der ersten Saisonhälfte zu schaffen gemacht, »die Konkurrenz arbeitet eben hart, und sie kopiert ein bisschen unser System«, sagt Loch senior - für den Sport war das ein gutes Zeichen. An den Vorzeichen für Königssee ändert das allerdings nichts. »Wenn es nach Europa geht, rückt sich das Ganze wieder zurecht«, sagt auch Rodellegende Georg Hackl, heute Teil des deutschen Trainerteams: »Man kann den Heimvorteil in unserer Sportart einfach nicht leugnen.« Alles andere als deutsche Siege in allen Disziplinen wären also kleine Sensationen. SID/nd

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