Ausgabe vom 14.06.2007

Gerhard Desombre

Die Moral des Morales

Vivir bien!« Gut leben - lautet eine politische Maxime des Präsidenten Boliviens Evo Morales, des 1959 im Dorf Isallawi auf dem bolivianischen Altiplano geborenen Gewerkschaftsführers, der erste Indio des Aymara-Volkes, der in La Paz zum Präsidenten ausgerufen wurde. Durch seine Herkunft und seine linksnationale Position, die sich in Namen und Programm seiner Partei MAS (Movimiento al Socialismo -...

ndPlusKnut Henkel

Mit Poesie gegen Gewalt

Tausende von Jugendlichen, die ergriffen den Versen von lateinamerikanischen Lyrikern wie Gonzalo Rojas, aber auch jenen der saudi-arabischen Dichterin Huda Aldaghafag lauschen, sind in Medellín nichts Ungewöhnliches. Seit 1991 findet in der zweitgrößten Stadt Kolumbiens alljährlich im Juli das Internationale Poesiefestival statt. Den Initiatoren ist es sogar gelungen, der Poesie die Tore der Gefä...

Kubas Revolution

In unzähligen Diskussionen und Gesprächen, die ich mit Freunden aus früheren Zeiten und auch der Gegenwart hatte, wurde mir die besorgte Frage gestellt: Wird die kubanische Revolution überleben? Wird es den USA gelingen, sich nunmehr auch Kubas zu bemächtigen? Andere deuteten starke Zweifel an, ob nicht die kubanische Führung die gleichen Fehler mache, wie es in der DDR geschehen war. Was könnte K...

ndPlusHeinz-Dieter Winter

Dunkle Seiten hat jede Seite

Mit dem Zitat eines mittelalterlichen byzantinischen Kaisers über Islam und Gewalt hatte Papst Benedikt XVI. in seiner Regensburger Rede im September vergangenen Jahres in der islamischen Welt viel Kritik und sogar gewaltsame Proteste ausgelöst. Sahen doch viele Muslime darin eine Bestätigung ihrer Auffassung, dass der Westen prinzipiell antimuslimisch sei und der »Krieg gegen den Terror« sich geg...

Jörg Ciszewski

Begegnungsorte

Ein klassischer Reiseführer sieht anders aus. Uwe Rada verzichtet auf Hotelempfehlungen oder Stadtpläne und wirbt stattdessen mit charmanten Anekdoten und Alltagsbeobachtungen um die Reisegunst der Berliner. Er macht 15 Angebote, außergewöhnliche Orte in Polen zu besuchen. Dabei führen viele der in Berlin startenden Ausflüge ins deutsch-polnische Grenzgebiet, zum Beispiel ins selbst ernannte »klei...

ndPlusFokke Joel

Dorf-Apokalypse

Die Namen in diesem Roman erinnern an die Bibel. Der Besitzer des Sägewerks heißt Jósef Mysliwski und seine Frau Maria. Auch wirkt die Erzählung, die in der Zeit nach 1989 in einem polnischen Dorf spielt, in ihrer Drastik ähnlich archaisch wie die Geschichten aus dem Buch der Bücher. Doch scheint der Roman - im Gegensatz zum christlichen Text - nur den Sinn zu haben: die Sinnlosigkeit des Lebens i...

Harald Loch

Etüde Leben

Der junge Gebrauchtwagenhändler mit dem polnischen Akzent, den er manchmal als ostpreußisch ausgibt, nennt sich Chopin. Zur Zeit der Vereinigten Kommunistischen Arbeiterpartei war er aus Polen in die BRD emigriert. Er stammt - wie der Autor - aus Bartoszyce in den Masuren. »Jungen Käufern sagte ich, in meinen Adern flösse das Blut von vier Sippen: deutsches, polnisches, russisches und jüdisches.« ...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Erlösung von Zeit

Czerwonka ist ein Tausendseelendorf in der Region Warmia, die im einstigen Ostpreußen Ermland hieß. Und nach dem Ort benannt ist zugleich eine Bahnstation, wo heute gelegentlich sogar internationale Züge halten auf dem Weg von Paris nach St. Petersburg. Das erfährt man aus dem »Nachwort« von Artur Becker, das eigentlich eine Geschichte für sich ist: darüber, wie er in dieser Gegend aufwuchs und da...

STARporträt

Der britische Schauspieler ist auf dem besten Weg zum Starkomiker - jetzt zu sehen als ehrgeiziger Polizist in »Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis«. Zusammen mit Regisseur Edgar Wright hat er auch das Drehbuch geschrieben, nach einer Episode der erfolgreichen TV-Comedy-Serie »Spaced« (1999-2001). Simon Pegg (*14.2.1970 Gloucester) hatte seine Karriere nach dem Schauspielstudium an der University o...

ndPlusRalf Schenk

Schweigende Seelen

Draußen vor der Toren der großen Stadt scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Die von der Sonne beschienenen Feldwege, die märkischen Alleen, die fleißig wandernden Ameisen im Unterholz verweisen auf ein Idyll, das seine zauberischen Kräfte auch auf die Menschen zu übertragen vermag. So möchte man meinen, so erhofft und erwünscht man sich das irdische Dasein, und doch ist es ganz und gar nicht ...

asb.nadir.org

Kein Mensch erinnert sich mehr daran, dass die Fachschaft Mathematik der Universität Bielefeld zum Thema Berufsverbote im Jahr 1977 eine ganze Broschüre produziert hat. Vergessen auch, dass eine »Koordinationsstelle Ziviler Ungehorsam« von 1983 an drei Jahre lang eine Zeitschrift herausgab. Mit den Gruppen und Bewegungen verschwinden häufig auch ihre Materialien. Sie landen meist gleich im Altpapi...

ndPlusFriedrich Weber

Migranten und Medien

Jetzt liegen endlich die Forschungsresultate der ARD/ZDF Medienkommission über die mediale Integration von Migranten vor. Mit dieser »bundesweit repräsentativen Studie« sollte der Stellenwert deutscher und heimatsprachiger Medien, vor allem der elektronischen, bei den in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund herausgefunden werden. Rund 60 000 Kontakte und 3010 Interviews wurden a...

25 000 Anzeigen zu Downloads

Bielefeld (AFP/ND). Deutschlands Musikbranche geht massiv gegen das illegale Herunterladen von Musik im Internet vor. In diesem Jahr seien gegen 25 000 meist jugendliche Nutzer Strafanzeige erstattet worden, sagte der stellvertretende Geschäftsführer des Bundesverbands der Phonographischen Wirtschaft, Stefan Michalk, dem »Westfalen-Blatt«. Am Ende stünde meist die Zahlung von Schadenersatz von bis...

Computerbranche für mehr Energieeffizienz

San Francisco (ND/AFP). Zahlreiche Computerkonzerne wollen sich künftig für den Bau von stromsparenden Rechnern einsetzen. Microsoft, IBM, Yahoo, Ebay, Fujitsu, AMD, Dell sowie einige Linux-Distributoren schlossen sich am Dienstag zusammen mit weiteren Firmen und Organisationen einer Klimaschutz-Kampagne an. Die von Google und Intel ins Leben gerufene »Climate Savers Computing Initiative« setzt au...

Boris B. Behrsing, Canberra

Geldregen als Wahlkampfschlager

Australiens Staatskasse »schwimmt« förmlich in Geld. Die Regierung will mit Rundum-Geschenken punkten.

ndPlusHolger Elias, Brüssel

Streit um Kontrollen auf Baustellen

Die EU-Kommission droht Deutschland mit Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH), um weniger strenge Kontrollen bei entsandten Arbeitnehmern aus Osteuropa zu erzwingen.

Michaela von der Heydt

Verbraucher sollen nicht fragen

Nach mehrjähriger Verspätung hatte Schwarz-Rot im Sommer 2006 ein Verbraucherinformationsgesetz (VIG) verabschiedet. Doch Bundespräsident Horst Köhler stoppte es, weil es in Länderkompetenzen eingriff. Gestern stieß auch der geänderte Entwurf bei einer Anhörung im Bundestagsaussschuss auch auf heftige Kritik.

Hans-Dieter Schütt

Der Sänger der Termiten

Ein Fest für bissfreudige Kritiker! Die Handlung: bewusst wirr gehalten. Die Schauspieler wechseln ständig die Gestalt; das Textbuch verzeichnet statt der Rollennamen nur jeweils die Vornamen der Darsteller: Milan, Bernhard, Silvia, Michi, Lars, Marc ... Es wird auf der Bühne nur geschrieen. Text ist kaum zu verstehen. Und weil auch dieses »kaum« wohl schon zu viel des Positiven wäre, wird der Lau...

ndPlusHermann Kant

Was ich gerade lese

Leben ohne Lesen geht für mich nicht. Aber es geht durcheinander. Aus unbekanntem Grunde lasse ich oft aus, was gerade in aller Munde ist. So habe ich jetzt erst Kehlmanns Vermessung der Welt gelesen. Hut ab vor den Buchkäufern, die den anspruchsvollen und sehr witzigen Roman seit Jahr und Tag an der Spitze der Sellerliste halten. Bevor ich sie einordne, stehen die Bücher auf einem Regal sozusagen...

Ekkehart Krippendorff

Wo alles anfing

Die Bahnhofsschilder Eisenachs tragen neuerdings den Untertitel: Geburtsstadt Johann Sebastian Bachs. Von daher ist es erstaunlich, wie wenig dieser Bach - und es gibt bekanntlich an die Hundert dieser fruchtbaren Sippe, darunter mindestens ein Dutzend Musiker - bisher in der Stadt selbst präsent war. Die weltweite Resonanz seiner »Soli Deo Gloria«, ausschließlich dem Ruhme Gottes gewidmeten Kompo...

ndPlusAlmut Schröter

Kempelen - nicht alles getürkt

Den Schachautomaten habe er nicht geliebt und erst 14 Jahre nach seiner Konstruktion wieder hervorgeholt, erzählt Kurator Jószef Mélyi über Wolfgang von Kempelen, den größten Erfinder Ungarns. Das deutsch-ungarische Kulturprojekt Bipolar der Kulturstiftung des Bundes bringt eine Ausstellung über ihn im Juni nach Karlsruhe ins Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM). Bis 28. Mai war sie in de...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Der fiktive Beamte

Entdeckung beruht auf Wahrnehmung. Was nicht wahrgenommen wird, kann nicht entdeckt werden. Kamerun belehrt eines Besseren: Dort wurden 20 000 hohe Beamte »aufgefunden«, die es nicht gibt. Jahrelang Gehälter und Zuwendungen. Korruption auf höchstem Niveau. Beamte, die es nicht gibt, obwohl sie bezahlt werden, sind Betrug. Viele Beamte, die bezahlt werden, nur weil es sie gibt, scheinen mitunter de...

Jürgen Amendt

Klasse(n) Bildung

Eine Milliarde Euro sind viel Geld, doch für das unterfinanzierte deutsche Hochschulsystem allenfalls ein Almosen. Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, mag noch so diplomatisch von einem »ersten, notwendigen Schritt« sprechen, die Tatsache, dass Bund und Länder mit dem Hochschulpakt 2020 lediglich den Mangel weiter verwalten, statt ihn zu beheben, lässt sich ...

Ingolf Bossenz

Politstratege

Der neue Chef der Arbeitspartei strebt nach dem Amt des israelischen Premiers.

ndPlusJan Keetman, Istanbul

Erdogans »Kurskorrektur«

Mitten im Wahlkampf hat der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan eine Kehrtwende vollzogen und ist gegen diejenigen in die Offensive gegangen, die der Regierung vorwerfen, sie sei am Tod türkischer Soldaten schuld, weil sie die PKK nicht in Irak angreife.

Julian Bartosz, Wroclaw

Lech Walesas Husarenritt

Lech Walesa ist der Vorwürfe ehemaliger Gefährten leid, er habe mit den Diensten der Volksrepublik Polen

Andreas Behn, Brasília

Landlose fordern echte Agrarreform

Die Landreform ist aus Sicht der brasilianischen Regierung Lula ein Kernstück ihrer Politik und eine Erfolgsstory gleichermaßen. Auf dem fünften Kongress der brasilianischen Landlosenbewegung MST wird diese Sicht nicht geteilt.

ndPlusMichael Lenz, Kuala Lumpur

Weg zum Tribunal gegen Pol Pots Kumpane frei

Der Weg für Prozesse gegen eine Handvoll führender Männer des Pol-Pot-Regimes, das Kambodscha zwischen 1975 und 1979 beherrschte, ist frei. Ein aus internationalen und kambodschanischen Juristen gebildetes Gericht verabschiedete am Mittwoch in Phnom Penh einstimmig die lange umstrittene Prozessordnung.

Karin Leukefeld

Schwerer Anschlag in Samarra

Nach der Zerstörung der goldenen Kuppel der Grabmoschee von Samarra haben Extremisten nun auch die beiden Minarette gesprengt. Befürchtet werden wie damals Racheakte.

Revolution auf breiter Brust

Er nimmt sich die Mächtigen zur Brust. AMAD AL-KEILANI (56) verkauft seit über 20 Jahren rebellische T-Shirts in Hamburg. Wegen Heiligendamm hat er einen speziellen Gipfelgruß für Kanzlerin Angela Merkel entworfen. Den hat ND-Autor RENE GRALLA in Augenschein genommen im »A-MAD«, dem Fachgeschäft für fröhlichen Aufruhr.

Regierung stellt sich vor de Maizière

Berlin (ND). Die Bundesregierung hat am Mittwoch beharrlich die Forderung nach Konsequenzen für Kanzleramtsminister Thomas de Maizière wegen dessen unklarer Rolle als früherer Landesinnenminister in Sachsen bei der Aufklärung des dortigen Politskandals zurückgewiesen. Auf eine Dringliche Anfrage der Vizevorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag Gesine Lötzsch wies Justiz-Staatssekretär Alfred Ha...

Jürgen Amendt

Ein Pakt mit Tücken

Heute werden die Ministerpräsidenten der Bundesländer den Hochschulpakt 2020 unterzeichnen. Gestern schon erklärte die Interessenvertretung der deutschen Hochschulen und Universitäten, die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), dass das Geld für die geplanten zusätzlichen Studienplätze nicht reichen werde. Wenn heute die 16 Länderchefs ihre Unterschrift unter den Hochschulpakt 2020 setzen werden, dann ...

ndPlusTom Strohschneider

»Wir werden uns für Samstag rächen«

Wenige Tage nach Ende des G8-Treffens in Heiligendamm werden immer mehr Augenzeugenberichte über Polizeiübergriffe gegenüber Gipfel-Kritikern in der Öffentlichkeit bekannt. Die Bilanz der Gipfelsoli Infogruppe: Sicherheitskräfte haben Protestierende »in großem Umfang beschimpft, beleidigt, geschlagen und misshandelt«.

Jürgen Seidel, Schwerin

Nordosten öffnet Ladenöffnung

In Mecklenburg-Vorpommern können die Geschäfte künftig von Montag bis Freitag ohne zeitliche Begrenzung, Sonnabend von 0 bis 22 Uhr öffnen.

ndPlusTom Strohschneider

Politik und Personalien

Für viele Delegierte von WASG und Linkspartei beginnt das Fusionswochenende bereits heute - bei Treffen diverser Netzwerke, auf denen über Politik und Personalien beraten wird.

Mark Wolter

Angst, keine Ahnung und nicht zuständig

Gewaltübergriffe und Missbrauch an älteren Menschen sind weit verbreitet, werden aber kaum verfolgt. Zum morgigen weltweiten Aktionstag eines internationalen Netzwerks zur Prävention von Gewalt gegen ältere Menschen ruft die Bonner Initiative »Handeln statt Misshandeln« (HsM) besonders Politiker und Ärzte auf, sich mehr mit diesem Problem auseinanderzusetzen.

Hilfswerke gegen Bundeswehr-Helfer

Berlin (epd/ND). Während der Bundestag am Mittwoch über den weiteren Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan debattierte, forderten Hilfsorganisationen eine strikte Trennung von Militäreinsätzen und Entwicklungsprojekten in Afghanistan. Die Bundeswehr müsse die Unterstützung der Bevölkerung den Hilfswerken vor Ort überlassen, sagte der Leiter von Caritas International, Oliver Müller. DRK-Präsident R...

Tom Strohschneider

Besser als die Taliban

Über den Antrag mit der Nummer 16/4845 wird man noch sprechen, wenn er heute im Bundestag, wie zu erwarten ist, keine Mehrheit erhält. Es geht um Mindestlöhne, darum, dass Menschen in Deutschland nicht länger für Geld arbeiten müssen, von dem man nicht leben kann. So steht es in dem Papier, dessen Text von der SPD stammt, den aber die Linke eingebracht hat. Und weil das so ist, geht es in der Sach...

ndPlusHannes Hofbauer, Ljubljana

Den Tolar will heute niemand mehr

An den Euro hat man sich in Slowenien gewöhnt, obwohl man dessen Einführung mit großer Skepsis entgegengesehen hatte. Insgesamt steht dieser frühere Teil Jugoslawiens gar nicht so schlecht da. Doch der Aufschwung hat auch so manche Schattenseite.

Oliver Eberhardt, Jerusalem

Hamas und Fatah lassen Waffen sprechen

Die Hamas hat ihre Kontrolle auf den gesamten nördlichen Gaza-Streifen ausgeweitet und rüstet sich zum Sturm auf den Rest. In Israel geht derweil die Regierungskrise in eine neue Runde: Am Dienstag wurde Ehud Barak zum Vorsitzenden der Arbeitspartei gewählt.

ndPlusHans-Gerd Öfinger, Wiesbaden

Warme Worte helfen nicht

Der Telekom-Konflikt um die geplante Auslagerung von 50 000 Beschäftigten in eine schlecht bezahlende Tochtergesellschaft steuert auf eine Entscheidung zu. Linkspartei und SPD buhlen derweil um die Herzen der Streikenden.

Unten links

Die Deutschen lieben das Risiko. Was sich nicht nur am steigenden Absatz von Gammelfleisch, sondern auch an den Trinkgewohnheiten ablesen lässt. Immerhin mehr als 10 Millionen Menschen konsumieren Alkoholika »in riskanter Weise«, wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, mitteilte. In der EU ist Deutschland beim Kübeln Spitze: Der Pro-Kopf-Konsum aller alkoholhaltigen Getränke...

In Gaza tobt der Bürgerkrieg

Im Bürgerkrieg zwischen den Palästinensergruppen hat die Hamas weite Teile des Gazastreifens unter ihre Kontrolle gebracht. Bei den blutigen Kämpfen mit der Fatah starben am Mittwoch erneut 16 Menschen, insgesamt gab es 64 Tote seit dem Ausbruch des Bruderkrieges.

Martin Ling

Fataler Krieg unter Brüdern

Nur der Verlierer des blutigen Machtkampfes zwischen der Hamas und der Fatah steht schon fest: die palästinensische Bevölkerung. Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht. Vielmehr drohen Kämpfer der Fatah des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas, den Konflikt aus dem Gaza-Streifen auf das Westjordanland auszuweiten. Haben sie Erfolg, ist das Ende der Palästinensischen Autonomiebehörde vorgezeichnet...

Gysi: Osten bleibt Thema für neue Linke

Berlin (ND-Oertel). Die Antworten der Bundesregierung auf die von der Linksfraktion im November 2006 gestellte Große Anfrage zur Lage in Ostdeutschland offenbaren nach Einschätzung von Fraktionschef Gregor Gysi Desinteresse und Oberflächlichkeit. Vor der Presse erklärte Gysi am Mittwoch, er habe nicht das Gefühl, dass die Bundesregierung mit der Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen West und...

»Freak City« Bamberg

Die »Freak City« wurde ihrem Spitznamen nach dem fünften Finaleinzug wieder gerecht. Völlig ausgelassen feierten die 6800 Zuschauer in der ausverkauften Arena den 65:60-Erfolg ihrer Brose Baskets Bamberg gegen den Vorrundenzweiten EnBW Ludwigsburg im vierten Playoff-Halbfinale der Basketball-Bundesliga. Unentwegt skandierten die Anhänger des Meisters von 2005 »Finale«, und das Team von Trainer Dir...

Jeder Zweite soll es genommen haben

Ende der 80er Jahre sei die Einnahme unerlaubter Mittel im Fußball »gang und gäbe« gewesen, behauptet der ehemalige Bundesliga-Trainer Peter Neururer. »Es ist mir bekannt, dass früher Captagon genommen worden ist. Viele Spieler waren verrückt danach«, sagte der 52-Jährige der Sport Bild: »Das war überall bekannt und wurde praktiziert. Bis zu 50 Prozent haben das konsumiert. Nicht nur in der zweite...

ndPlusMatthias Koch, Leipzig

Versuch der Abschreckung

Vier Monate nach den schweren Ausschreitungen beim Viertelfinale im sächsischen Fußball-Landespokal zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und Erzgebirge Aue II (0:3) wurde am Mittwoch der erste Täter zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung sowie einer Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro verurteilt.

Andreas Fritsche

Neue Wege beim Straßenbau

Etwa vier Schritte breit liegt der Asphalt auf der Thomas-Mann-Straße 28 in Bergholz-Rehbrücke. Akkurat angelegt, schlängelt sich die Straße zwischen Eigenheimen hindurch, die von der Laube bis zum imposanten Blockhaus reichen. So ordentlich sieht es noch nicht lange aus, wie gestern bei einem Ortstermin deutlich wurde. Früher plagte die Anwohner im Frühjahr der Matsch und im Sommer der Staub. Die...

ndPlusBernd Baumann

Stellenabbau heute, Lehrermangel morgen

In knapp zehn Jahren droht dem Land Brandenburg ein dramatischer Lehrermangel. Viele Pädagogen erreichen dann das Pensionsalter und hinterlassen eine Lücke. Deshalb appelliert Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) bereits jetzt, den Lehrerberuf zu ergreifen. Ab 2016 bestehen die besten Chancen auf eine Einstellung, sagte Rupprecht gestern bei der Präsentation der Lehrerbedarfsplanung für die kom...

Wilfried Neiße

Altersarmut hat sich verdoppelt

Die Altersarmut in Brandenburg hat sich in den vergangenen vier Jahren verdoppelt. Dennoch gehen die Experten davon aus, dass die gegenwärtige Seniorengeneration nicht umfassend betroffen ist. Im Jahr 2005 bezogen laut einem Fachbericht der Landesregierung 4529 Menschen über 65 Jahre die so genannte Grundsicherung im Alter. Das betreffe 3161 Frauen und 1368 Männer. Ende 2003 waren 3239 ältere Mens...

Berlin-Tipps

Politisches »Giorgio Agamben über Ausnahmezustand, Lager, Polizei, Bann, Homo Sacer/Werwolf« - Vortrag und Diskussion heute, 18 Uhr, im Seminargebäude der Humboldt-Universität, Invalidenstraße 110, Raum 293. Zum 54. Jahrestag des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 - Gedenkveranstaltung am 15.6., 9.30 Uhr, Wilhelm-/Ecke Leipziger Straße vor dem Bundesfinanzministerium. Soliparty der Emanzipativen An...

Tom Mustroph

Feinsinnige Moralstudie

Ein kerniger deutscher Mann ist einer, der töten kann. Der vielfach bewiesen hat, dass er töten kann, dessen Autorität darauf beruht und dem die anderen genau deshalb folgen. Die bösartige Energie vom ehemaligen, jetzt in Arabien abgetauchten SS-General Gottlieb Judejahn pulst wie ein starker elektrischer Strom durch die statische deutsche Kleinbürgergesellschaft der Nachkriegszeit. Und richtet di...

ndPlusVolkmar Draeger

Tanzen als Lebensphilosophie

Hip-Hop ist bühnentauglich geworden. In Frankreich hat Mourad Merzouki eine Fabel von Lafontaine inszeniert, in Brasilien sucht Bruno Beltrao den Kontakt zum modernen Tanz und nach Aussagen zur Zeit. Berlin zieht nun nach. Hier hat Storm alias Niels Robitzky, Deutschlands Star-Hiphopper, zusammen mit Jugendlichen das Hip-Hop-Märchen »Es war einmal« entwickelt und für die Bühne des Hebbel am Ufer e...

Martin Kröger

Erforscher von Höhlen, Tunnels und Katakomben

»Angesteckt habe ich mich 1988 in Paris bei einem Studienaufenthalt.« Gemeinsam mit anderen »Kataphilen«, erzählt Dietmar Arnold, sei man in die Katakomben der Seine-Metropole hinabgestiegen. »Der Untergrund«, sagt Arnold über diese Zeit, »hat mich nie wieder losgelassen«. Vor zehn Jahren habe er dann mit Mitstreitern den »Unterwelten e.V.« in Berlin gegründet, der gestern sein Jubiläum in der Ura...

ndPlusKarin Nölte

Der Grenzstreifen wird wieder ausgebaut

Jetzt liegt der offizielle Beweis in fünf Bänden vor: Die Mauer ist nicht weg, es gibt Spuren und Reste, und die Mauer war keine Wand, die Grenzanlage war tief in die östliche Stadtfläche gestaffelt. Um zu diesem Ergebnis zu kommen, haben Prof. Leo Schmidt von der BTU Cottbus und Prof. Johannes Cramer von der TU Berlin über zwei Jahre an der Bernauer Straße lokalisiert, geforscht und dokumentiert....

Martin Kröger

Ein Haus für 50 Personen gesucht

»Ideals don`t burn« - »Ideale brennen nicht« steht auf dem zwischen zwei Bäumen befestigten Transparent an der Frankfurter Allee in Friedrichshain. Darunter, vor der Mittagssonne durch eine Plane geschützt, frühstücken rund 30 Bewohner und Unterstützer des ausgebrannten Hauses Rigaer Straße 84. Die Jugendlichen, viele von ihnen mit Rastalocken und bunten Haaren, haben ihre Lebensmittel in einem Ei...

ndPlusKarin Nölte

Lächelnd auf der Rutschbahn

Deutschland kann sich viel leisten, seine Beamten sind super effektiv, und das Klima ist überhaupt nicht in Gefahr - das ist die Botschaft, an zwei Regierungssitzen in Berlin und Bonn festzuhalten. Und das war der Ausgangspunkt für das Berlin/Bonn-Gesetz. Alles Lüge. Immer mal wieder kam über die Jahre Bewegung in den gesetzlich verordneten Wanderzirkus, doch die Interessensgemengelage hat ein Ums...

Klaus Joachim Herrmann

Besser essen, bewegen und sprechen

Mit der Festlegung gesundheitspolitischer Ziele verband sich gestern die Präsentation des Berichtes zur »Gesundheitlichen und sozialen Lage von Kindern in Berlin«. Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linkspartei) verwies noch am Tagungsort der 4. Landesgesundheitskonferenz (LGK) vor der Presse auf die Notwendigkeit, besonders bei Ernährung, Bewegung und Sprache der Jüngsten von 0 bis 6 Verbesse...

ndPlusOlaf Standke

Treppenwitz

In Irak schrillen alle Alarmglocken. Der Anschlag auf die goldene Moschee von Samarra gehört zwar nicht zu den opferreichsten in der Terrorstatistik, aber nach den Erfahrungen des ersten Angriffs auf dieses wichtige schiitische Heiligtum droht nun eine Welle gewaltsamer religiöser Kämpfe. Genau das, was mutmaßlich sunnitische Extremisten oder Al Qaida im Sinn gehabt haben dürften. Aber wer kann au...