Ausgabe vom 20.10.2007

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Unten links

Das Meinungsforschungsinstitut Emnid gab bekannt: E-Mails rauben den Deutschen immer mehr Arbeitszeit. Diese Schriftbakterien beeinträchtigen die Konzentrationsfähigkeit und treiben dazu an, sogar noch zu Hause Firmenpost zu erledigen. Das ist die eigentliche Jahrhundertflut: Kommunikation. Ein jeder sickert jedem per E-Mail in die Wahrnehmung. Mehr und mehr Leuten am Bürotisch dient diese schreie...

Blutbad bei Bhuttos Rückkehr

Pakistan hat einen der schwersten Anschläge in seiner ohnehin an Gewalttaten reichen Geschichte erlebt. Bei der Rückkehr der Ex-Ministerpräsidentin Benazir Bhutto aus dem Exil wurden durch Terroristen Hunderte Menschen getötet und verletzt.

EU-Gipfel segnete Kompromiss ab

Nach langem Tauziehen hat sich der EU-Gipfel auf einen Reformkompromiss geeinigt, der als Vertrag von Lissabon am 13. Dezember in der portugiesischen Hauptstadt unterzeichnet werden soll. Die Blockierer setzten sich weitgehend durch.

Ulrich Zachert

Lasst tausend Blumen blühen?

Der Tarifkampf der Lokführer und der daran beteiligten Gewerkschaften ist in vieler Beziehung ein Lehrstück. Er gibt Stoff zum Nachdenken, selbst wenn er, mit welchem Ergebnis auch immer, abgeschlossen sein wird. Auffallend ist, dass es hier nicht nur oder sogar in erster Linie um inhaltliche Ergebnisse geht. Etwa 30 Prozent Lohnerhöhung lassen sicher manchem engagierten Tarifstreiter den Puls sch...

Seite 2
Julian Bartosz, Wroclaw

Siegen wird am Ende die Rechte

24 Stunden vor dem morgigen Urnengang herrscht zwischen Oder und Bug die gesetzmäßig angeordnete politische Stille. Der Wahlkampf zuvor war ebenso kurz wie schrill.

Seite 3
Kai Walter

»Queere« Jugendarbeit

Für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transsexuelle ist ein offenes Miteinander mit Heteros keine Selbstverständlichkeit. »Queer« steht für anders sein, irgendwie que(e)r zur Norm. Unter dem Titel »Queer-Europe« trafen sich dieser Tage Jugendliche aus Estland, Tschechien, den Niederlanden und Deutschland in Berlin. Gemeinsam suchten sie nach Spuren des Umgangs mit Homosexualität während der Nazi-Zeit in Deutschland.

ndPlusVelten Schäfer, Schwerin

Ist nach dem Stau nur vor dem Stau?

Mit einem mehrtägigen Volksfest wird seit gestern die neue Rügenbrücke begrüßt. Ob sich Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Impuls durch das 125-Millionen-Bauwerk aber wirklich erfüllen, muss sich noch zeigen.

Seite 4
Uwe Kalbe

Mißfelders Hüftschwung

Wenn Angela Merkel heute ihre Rede auf dem Deutschlandtag der Jungen Union hält, steht sie nicht nur vor der größten Jugendorganisation des Landes, sondern auch vor dem faltenlosen Ebenbild der Rechten ihrer Partei. Einen Außenstehenden kann der Anblick verschrecken. Das elitäre deutsche Selbstverständnis, das den Anspruch auf eigene Privilegien zum Evangelium und den Ellenbogen zum Naturgesetz er...

Uwe Sattler

Etikettenschwindel

Der Deal war schneller unter Dach und Fach als erwartet. Noch in der Nacht zum Freitag wurde auf dem Lissabonner EU-Gipfel der Reformvertrag für die 27-er Gemeinschaft ausgehandelt. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes: Stimme gegen Zustimmung lautete das Motto. Für einen Sitz mehr im Europaparlament oder gesicherten Einfluss im europäischen Ministerrat gaben Italien und Polen ihren – verha...

ndPlusSteffen Schmidt

Exzellenz-Gefälle

Als in der letzten Woche gleich zwei deutsche Wissenschaftler einen Nobelpreis bekamen, war für viele Politiker klar: Wir sind wieder wer in der Wissenschaft. Dass die ausgezeichneten Leistungen in längst vergangener Zeit entstanden – egal. Dumm nur, dass die Nobel-Forscher längst außerhalb der Unis forschten. Deshalb sollte nun die Exzellenz-Initiative von Bund und Ländern die Universitätsf...

ndPlusTobias Müller

»Eiserne Rita«

Dass politische Quertreiber aus ihrer Partei ausgeschlossen werden, ist, zumal in den Niederlanden, nichts Außergewöhnliches. Auch die Konsequenz, dies mit der Gründung einer eigenen Partei mit entsprechend sorgsam kultiviertem »Protest«-Image zu beantworten, haben andere Politiker vor Rita Verdonk gezogen. Dass einer solchen Partei am Tag darauf jedoch in Umfragen knapp 30 Prozent der Parlamentss...

Seite 5

Erste Opferrenten fließen

Erfurt (dpa/ND). Thüringen beginnt als erstes Bundesland mit der Auszahlung der DDR-Opferrenten. Die ersten Bescheide werde Sozialminister Klaus Zeh (CDU) am kommenden Donnerstag an zwei über 80-Jährige aus Mühlhausen und Gera überreichen, die in der DDR jahrelang zu Unrecht in Gefängnissen gesessen hätten, sagte Ministeriumssprecher Thomas Schulz am Freitag.Bisher seien rund 6000 Anträge in Thüri...

In eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser, seit Jahresbeginn haben wir 1540 neue, dauerhafte Abonnenten gewinnen können, darunter 240, die sich für unsere online-Ausgabe (ePaper) entschieden haben. Hinzu kommen mehr als 700 Kurzzeitabos. Das ermutigt uns, dennoch liegen diese Zahlen deutlich unter denen, die wir uns für 2007 erhofft hatten und für eine Stabilisierung unserer Auflage benötigen. Ein wesentlicher G...

Kriegsrhetorik ist kein Wortgeklapper
Tom Strohschneider, Cottbus

Kriegsrhetorik ist kein Wortgeklapper

Mit zahlreichen Veranstaltungen ist gestern das zweite deutsche Sozialforum fortgesetzt worden. Gestern war in Cottbus die Friedensarbeit einer der Schwerpunkte.

Seite 6

Streit um Dresdner Brücke

Dresden (Agenturen/ND). Die Debatte um Änderungen an der umstrittenen Brücke im UNESCO-Welterbe Dresdner Elbtal geht weiter. Naturschützer bezeichneten die von Sachsens Regierungschef Georg Milbradt (CDU) angekündigten Umgestaltungen als »völlig unzureichend«. Für eine Elbquerung komme aus naturschutzfachlichen Gründen nur ein Tunnel in Betracht, teilte der Berliner Anwalt der drei gegen die gepla...

Uwe Kalbe

Kuratorium bleibt erhalten

Seit dem Sommer schien die Zukunft der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« eine bescheidene zu sein. Das Kuratorium der Stiftung sollte nicht nur verkleinert, sondern auch der Verfügungsgewalt von Wirtschaft und Bundesregierung überlassen werden. Jetzt ist der Plan gekippt.

Seite 7
Seite 8
ndPlusJan Keetman, Istanbul

Türkei stimmt über direkte Wahl des Präsidenten ab

Das für Sonntag geplante Referendum über die Direktwahl des türkischen Präsidenten steht unter keinem guten Stern. Die Vorsteher der Stadtteile, im Türkischen Muhtar genannt, berichten rundum von einem geringen Interesse an den Wahlunterlagen.

ndPlusHannes Hofbauer, Wien

EU-Klage gegen Wien ausgesetzt

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso gibt Wien fünf Jahre Zeit, um seine seit 2006 in Kraft befindliche Quotenregelung für den Zugang zu Österreichs Universitäten EU-konform zu machen.

Reiner Oschmann

Ein Königreich für die Antarktis

Das Warmlaufen im Wettrennen um die letzten Ressourcen der Erde ist im Gange. Und dort, wo es gewöhnlich am kältesten ist – an und um Nord- und Südpol -, geht es hitzig zu.

Seite 9
Anke Engelmann

Verkäuferinnen im Streik

Im gesamten Bundesgebiet streiken die Verkäuferinnen. Der Gewerkschaft ver.di steht ein zäher Arbeitskampf bevor. Sie kämpft um den Erhalt der Spätzuschläge und um mehr Lohn.

ndPlusSteffen Bogs

General Motors macht sich schlank

Mit dem neuen Tarifvertrag bei General Motors (GM) erreicht der schleichende Niedergang der US-Autoindustrie und ihrer gutverdienenden Facharbeiterschaft eine neue Dimension.

Seite 10
Christian Klaue

Einen Versuch ist es wert

Titelverteidiger England will im Finale der 6. Rugby-WM am Samstag in Paris (21 Uhr/live im DSF) den Siegeszug der Springboks aus Südafrika stoppen und erneut »die Welt schocken«. Die mit einer 0:36-Pleite gegen den heutigen Finalgegner ins Turnier gestarteten Lions gehen nun zwar als klarer Außenseiter ins Endspiel im Stade de France, glauben aber an ihre Minichance, die sie zum Entsetzen des WM-...

Seite 11
Nobelpreis für Kicker-Wirtschaft
Thomas Wieczorek

Nobelpreis für Kicker-Wirtschaft

Was hat der diesjährige Wirtschaftsnobelpreis mit der Bundesliga zu tun? Jede Menge, enthüllt der linke Star-Ökonom Professor Rudolf Hickel. Hinter der Theorie mit dem volkstümlichen Namen »Mechanism Design« der drei US-Forscher Leonid Hurwicz, Erik Maskin und Roger Myerson verbirgt sich nichts anderes als die Entwicklung optimaler Mittel zur Erreichung wirtschaftlicher Ziele, wie etwa Gewinn und ...

ndPlusChristian Klaue

Olympisches Boxen kämpft um Zukunft

Einen Tag, bevor am Dienstag in Chicago die Amateurbox-WM beginnt, steht dem Weltverband AIBA der Fight um die Reform seiner Regeln bevor. Auf einem außerordentlichen Kongress wird fürs olympische Boxen über die Abschaffung von Kopfschutz und Trikot, ein neues Bewertungssystem, die Wiedereinführung von drei mal drei statt vier mal zwei Minuten Kampfzeit und die Abschaffung der Kontinentalverbände ...

ndPlusDagobert Kohlmeyer

Champion am ersten Brett

Die Schach-Bundesliga startet am Wochenende in die stärkste Saison ihrer Geschichte. Noch nie haben so viele Top-Großmeister in der höchsten deutschen Spielklasse gespielt. Titelverteidiger OSC Baden-Baden, bestreitet in Berlin zwei Auswärtsspiele. Das Star-Ensemble wird von keinem Geringeren als dem neuen Weltmeister Viswanathan Anand angeführt. Der in Mexiko gekürte Champion besetzt seit etliche...

Sandra Degenhardt

Hetzjagd durch die Hallen

Der erste internationale Titel der Saison winkt, doch Euphorie bricht bei den drei deutschen Europapokalsiegern THW Kiel, HSV Hamburg und SC Magdeburg trotz der Aussicht auf Prestigegewinn und insgesamt 70 000 Euro Preisgeld nicht aus. Denn die in Champions Trophy umbenannte Vereins-Europameisterschaft an diesem Wochenende im slowenischen Celje passt angesichts des eng gestrickten Spielplans mit H...

Seite 12
Nur noch zwei Tage!

Nur noch zwei Tage!

Nur noch heute und morgen – dann ist Einsendeschluss für den 6. ND-Lesergeschichten-Wettbewerb – den Poststempel vom Montag lassen wir aber auch noch gelten. Rund 80 Einsendungen haben wir bereits erhalten. Es ist also allerhöchste Endspurtzeit, in die Tasten zu greifen. Hier noch einmal die Konditionen: • Das Thema lautet: »Glück oder Pech – Geschichten anno 2007«. • D...

Seite 13
F.-B. Habel

Maskenspiel

In der Riege der starken Frauen, die im ZDF Kriminalfälle lösen, hat sich Senta Berger alias Eva-Maria Prohacek einen festen Platz erobert. Mit ihrem Partner Langner, gespielt von dem ihr ebenbürtigen Rudolf Krause, bildet sie ein starkes Team für Zuschauer, die gern mitkombinieren und dazu noch Einblicke in Intrigen bei Politikern und Amtspersonen gewinnen. Wie sich die Prohacek und Langner, dies...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Terrorhelfer Kapital

Die Idee kann heutiger kaum sein: Weil die Produktion seiner Fahndungs-Computer Marktanteile verliert, organisiert ein Unternehmer jenes mörderische Verbrechen, das mit der öffentlichen Unsicherheit zugleich die Nachfrage nach hochtechnologischen Sicherheitssystemen erhöht. Der Firmenchef als Auftraggeber einer Attentats»kultur«, die Kunden mobilisiert. Der Terrorist als Helfer des kapitalistische...

Seite 14
ndPlusThomas Grossman

PLATTENBAU

Ich will meine Band zurück – und meine Songs und meine Träume«, lauteten im Sommer 2005 ganzseitige Anzeigen in der »Chicago Tribune« und der »Chicago Sun-Times«. Aufgegeben hatte sie der ehemalige Chef der Smashing Pumpkins, Billy Corgan. Gegründet wurde die Gruppe 1987 in Chicago und in den 1990er Jahren war sie – weltweit – eine der besten und erfolgreichsten Bands, verkaufte ...

Willy Brandt ans Fenster!
Hans Voß

Willy Brandt ans Fenster!

Das Buch bietet mehr als eine Erinnerung an das erste Treffen der Regierungschefs der beiden deutscher Staaten, Willy Brandt und Willi Stoph, am 18. März 1970 in Erfurt. Es präsentiert den Ort des Geschehens, das Hotel »Erfurter Hof«, von seiner Entstehung an bis zum heutigen Tag. So interessant dies auch vor allem für die Erfurter Bevölkerung ist, so dürften vor allem seine politischen Einschätzu...

ndPlusAstrid Volpert

Kannenweise bewegliche Denkmale

Sechs Jahre sind seit ihrem Tod vergangen. Sie haben ihre berühmten Pötte, Kannen und Vasen zu »beweglichen Denkmalen« gemacht. Rund 1200 keramische Einzelteile von Hedwig Bollhagen und ihren Freunden umfasst die unter dem Dach der Deutschen Denkmalstiftung Platz gefundene Nachlass-Sammlung. Darunter sind alle wichtigen Formen und Dekors ihrer Gefäße – allein zehn unterschiedliche eigene Kan...

Seite 15
ndPlusHanne Walter

Gelesen: Die Müritz

»Die Luft ist wundervoll, und je nachdem der Wind steht, bin ich auf unserem Balkon von einer feuchten Seebrise oder von der Waldseite her von Tannenluft und Duft umfächelt.« Er könne keinen besseren Platz zur Aufbesserung der Gesundheit empfehlen als Waren an der Müritz, so Theodor Fontane. Probieren Sie es. Und nehmen Sie den neuen Reiseführer »Die Müritz« mit! Der schlägt Touren verschiedener L...

Karin Nölte

Herbstideen

In dieser Herbstferienwoche hatten die Berliner Medien einige Probleme, ihre Seiten und Sendungen zu füllen. Deshalb sollten sie SPD-Landeschef Michael Müller dankbar sein, der am Dienstag einen vorzeitigen Streit um den Namen des vielleicht in vier Jahren fertigen Flughafens BBI vom Zaun brach. Seinem Vorschlag »Willy Brandt« folgten nicht nur ehrenvolle wie Albert Einstein, Marlene Dietrich oder...

ndPlusMartin Kröger

Humboldt-Uni nicht berücksichtigt

Knapp schlitterte der Wissenschaftsstandort Berlin gestern an einer finanziellen Katastrophe vorbei. Meldeten doch am Donnerstagabend verschiedene Zeitungen, dass die Hauptstadt auch in der zweiten Runde zur sogenannten Exzellenzinitiative – also der gezielten Förderung von Spitzenuniversitäten der deutschen Hochschullandschaft durch Bund und Ländern mit 1,9 Milliarden Euro – durchfall...

Yvonne Schmidt

... als ob man irgendwo in Frankreich wäre

Ein blechernes blaues Straßenschild verrät mir, dass ich richtig bin – in der Lal Bahabhur Street. Rue Bussy sagen die Einwohner von Pondicherry. Die alten Straßennamen sind nicht nur geläufiger als die neuen, sie sind auch eine Erinnerung an die Zeit, in der die kleine Küstenstadt im Süden Indiens noch von französischen Kolonialherren beherrscht war. Ich suche die Villa Helena – eines...

Seite 16
Sind die Armen selber schuld?
ndPlusPeter Nowak

Sind die Armen selber schuld?

»Arm – aber sexy«, diesen gelegentlich auf T-Shirts getragenen Spruch hatte mal der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit auf das schuldengeplagte Berlin gemünzt. Der »Aufbruch Berlin«, eine Gruppierung innerhalb der SPD. die nach eigenem Bekunden die Reformdebatte voranbringen will, lud am Donnerstagabend ins Abgeordnetenhaus zu einer Debatte mit dem leicht abgeänderten Titel »... noch ni...

Andreas Heinz

Wenn das Alter vermittlungshemmend ist

Schon für »normale Langzeitarbeitslose« sei es äußerst schwierig, wieder eine sinnvolle Beschäftigung zu finden. So gut wie aussichtslos sei das für die »elementar Benachteiligten unter den Langzeitarbeitslosen«, stellten die Agenturen fest und schufen eine weitere Maßnahme – die »öffentliche Beschäftigungsförderung«.Seit 1. Oktober gibt es diese Jobvermittlung mit 75 Prozent Beschäftigungsz...

Quietsch-vergnügte Zeitenwanderung
Heidi Diehl

Quietsch-vergnügte Zeitenwanderung

Soll tatsächlich der Wein von den Hängen an Saale und Unstrut verhindert haben, dass Naumburg statt Lübeck die »Welthauptstadt des Marzipans« wurde? Denn, so erzählt die Legende – und die von Naumburgs Nachtwächter ehrenhalber, Dietmar Gehlfuß, – habe im Mittelalter, als die Stadt belagert war und ihr eine Hungersnot drohte, ein Naumburger Bäcker aus Mangel an Brotgetreide gemalene Man...

Seite 17
Martin Hatzius

Auch Nelson Mandela liebt ihre Musik

19 Platten hat die Singer/Songwriterin Joan Armatrading seit 1972 aufgenommen – und sich mit ihren schönen Stücken, die zwischen Soul, Blues, Folk und anspruchsvollem Pop changieren, in die Herzen zahlloser Hörer gespielt. Ihr prominentester Fan ist vermutlich der einstige südafrikanische Präsident Nelson Mandela, dem die schwarze Sängerin mit »The Messenger« sogar einen Titel gewidmet hat. ...

ndPlusVolkmar Draeger

Neues bezieht sich auf Existierendes

Wie auf einer stolzen, weißen Barke scheinen sie heranzufahren, die 40 Exponate der Ausstellung »Design Reference Paris«. Das futuristisch anmutende Boot füllt die Große Halle des Märkischen Museums fast zur Gänze. Umgeben von Mittelalterplastik – Grabplatten, Taufbecken, einem gestreng blickenden Fontane –, behauptet sich originell, amüsant, was führende Designer der Seine-Metropole w...

Erst wird geredet, dann gebohrt
Christina Matte

Erst wird geredet, dann gebohrt

Die Angst ist eine Freundin. Sie kann uns davor bewahren, dass wir uns leichtfertig in Gefahr begeben, unkalkulierbare Risiken eingehen. Manifestiert sie sich allerdings pathologisch, wird sie zur Phobie – selbst zu einem Risiko. Phobiker, in ihrer Angst gefangen, sind weitgehend handlungsunfähig. Die wohl größte Angst-Community ist die der Zahnarzt-Phobiker. Sie hat sogar eigene Internetauf...

Seite 18
Wilfried Neiße

Sterben im Hospiz

Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler (SPD) will die Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen ausweiten. Auch das ist eine Reaktion auf das zunehmende Alter der brandenburgischen Gesellschaft. Wie die Ministerin sagte, empfiehlt ein Fachgutachten für Brandenburg insgesamt eine maßvolle Aufstockung der Hospiz-Bettenzahl von heute 63 auf 83. Dabei werde insbesondere für den Landessüden um C...

Bernd Zeller

Spitzenforschung

Zwei Nobelpreise gingen zumindest anteilig nach Deutschland, allerdings sind die Preisträger schon älter. Davon fühlen sich jüngere Nachwuchsforscher nicht gerade motiviert. Es ist wie beim Lotto, immer gewinnen die Anderen, bezahlt wird von allen. Auch all die akademischen Mittelbauarbeiter und Hilfskräfte haben einen Anteil, ohne dafür eine Ehrung zu erfahren. Die Universitäten verlagern sich me...

ndPlusWilfried Neiße

Werbung erzählt nicht die Wahrheit

Das Land Brandenburg spiegelt in seinen Werbekampagnen Studienbedingungen vor, die es in Wirklichkeit gar nicht bietet. Die Linksfraktion im Landtag meint, dass Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) die Verhältnisse in allzu rosigem Licht male. Weder die Behauptung, dass hier zügig studiert werde, noch die Werbebotschaft, dass es für die Studenten viel Platz und Wohnraum gebe, stimme, sagte ...

ndPlusSimone Schmollack

Leben verpassen

Carola Meyer (Name geändert) hat einen besten Freund. Sie ist keine Minute getrennt von ihm, sie hat ihn sogar beim Essen dabei und wenn sie aufs Klo geht, sie nimmt ihn mit ins Bett. Der beste Freund von Carola Meyer ist das Handy. Die 43-jährige Berlinerin ist Producerin bei einem privaten Fernsehsender. Sie ist 24 Stunden am Tag im Dienst. Es könnte ja sein, dass Volksheld Heino verkündet, er l...

Seite 19
Offene Ausgänge
Hans-Dieter Schütt

Offene Ausgänge

Auch im nächsten Jahr werden Bücher über die Hitlerzeit dominieren. So eine Tagung zu Trends in der Geschichtsliteratur, am Rande der eben stattfgefundenen Frankfurter Buchmesse. Zwei Thesen im Disput: Der Umgang mit Ereignissen und Personen dieser Zeit wird lockerer, und immer stärker fürchten letzte Überlebende des Holocaust, von ihren Erfahrungen bliebe Lüge und Leugnung. Die Aufgabe besteht da...

ndPlusGuntolf Herzberg

Das weiße ›V‹ und die Fassade

Die Humboldt-Universität Berlin steht im anstrengenden Exzellenz-Wettbewerb, was man schon daran erkennt, dass das Wort Exzellenz strapaziöse Konjunktur hat – überall, wo es passt, passen könnte oder nicht passt. Und um das noch zu steigern, ist erstmalig in ihrer langen Geschichte die klassizistische Fassade Unter den Linden mit einem Graffito besprayt worden – vom Erdgeschoss bis zum...

ndPlusRóža Domašcyna

Schaben und Raben, Poesie und Magie

Anthologien sind Fenster in die Literatur einer anderen Sprache. Besonders reizvoll sind sie dann, wenn es sich um zweisprachige Anthologien handelt. Eine dieser raren Art ist das Buch des Wortlandsteichers I. »Im Schatten der Worte», aus dem Slowenischen von Ludwig Hartinger. Im Buch sind Gedichte, Sätze, Verse und Wortgeschichten. Keine zufällige Sammlung, keine, die auf Repräsentatives, Reißeri...

Seite 20
Ingrid Zwerenz

Nur eine Frau?

Ganz gewiss zählt Marta Feuchtwanger nicht zu den Dichter-Witwen, die man besser hätte verbrennen sollen. Es wäre gemein, denn das Leben schickte die 1891 geborene jüdische Münchnerin schon durch genügend Feuer. Grund genug, an diese bemerkenswerte Frau zu erinnern, die am 25. Oktober 1987 starb.Seit 1912 verheiratet mit dem später weltberühmten Lion Feuchtwanger, stand sie an seiner Seite die von...

Zehn Minuten, 28 Jahre

Hans-Joachim Klein, gelernter Autoschlosser, war an der OPEC-Geiselnahme in Wien 1975 unter dem Kommando des berüchtigten »Carlos« beteiligt. Kurz darauf stieg Klein aus, lebte jahrelang in einem Versteck in Frankreich. Obwohl er in den 80ern deutschen Fahndern wertvolle Informationen geliefert hatte, wurde er 1998 verhaftet und zu neun Jahren Gefängnis verurteilt; 2003 begnadigt, zog er sich wieder in die Normandie zurück und konnte sich nun, nach 28 Jahren, befreit fühlen. Interview: Karlen Vesper.

Seite 21

Messfühler für die Sonne

Wie beeinflusst die schwankende Sonnenstrahlung unser Klima? So klar das im Prinzip ist, so wenig wissen wir über die Details. Mit »SolACES« (Solar Auto-Calibrating EUV/UV Spectrophotometers), einem Gerät für die exakte Messung der Sonnenstrahlung im extremen Ultraviolett (EUV), wollen Forscher vom Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik (IPM) in Freiburg zur Lösung der offenen Fragen be...

Walter Willems

Bluttest für Alzheimer

Eine Alzheimer-Erkrankung kann wahrscheinlich bald schon Jahre vor ihrem Ausbruch durch einen Bluttest festgestellt werden. Das an der kalifornischen Universität Stanford entwickelte Verfahren prüft das Blutplasma auf bestimmte Proteine, die der Kommunikation zwischen den Zellen dienen. In ersten Tests erwies sich das Verfahren als zu 90 Prozent zuverlässig.Allein in Deutschland leiden derzeit run...

Maus und Elefant
ndPlusReinhard Renneberg, Hongkong

Maus und Elefant

Wir in Asien lieben Elefanten. Warum eigentlich nicht auch als Labortiere? Nun ja, Elefanten sind erst mit 15 Jahren geschlechtsreif, die Tragezeit mit Einzelbaby beträgt 22 Monate, die Stillzeit fünf Jahre, in dieser Zeit findet keine Empfängnis statt. Daher können Elefanten in den 60 Jahren ihres Lebens höchstens 5 bis 10 Nachkommen haben. Mäuse dagegen haben bis zu achtmal jährlich drei bis ach...

Inge Hüsgen, Nürnberg

Der freie Wille und die Neuronen

Was wir wahrnehmen, ist nicht immer wahr. Unter diesem Motto bietet der Turm der Sinne, ein naturwissenschaftliches Museum in Nürnberg, Wahrnehmungstäuschungen als Selbsterfahrung. Farben scheinen sich je nach Umgebung zu ändern, unvollständige Formen werden vom Gehirn komplettiert. Aber ist es möglich, dass grundlegende Konzepte unseres Selbstverständnisses ebenfalls auf Illusionen beruhen? Nicht...

Seite 22

Ghandi und der Kampf gegen den Imperialismus

Am 15. Juni 2006 beschloss die UN-Vollversammlung auf Initiative der indischen Regierung, den 2. Oktober, den Geburtstagvon Mahatma Gandhi, zum Internationalen Tag der Gewaltfreiheit zu erklären. In diesem Jahr wurde er, von den Medien so gut wie nicht beachtet, zum erstenmal begangen. Generalsekretär Ban Ki Moon hielt eine sehr allgemein gehaltene kurze Rede, für die indische Regierung bedankte sich Sonia Gandhi, Vorsitzende der Kongreßpartei, für die Unterstützung dieser Initiative. Auf einer Konferenz hielt der Friedensforscher Johan Galtung, Träger des Alternativen Friedens-Nobelpreises, eine in ihrer undiplomatischen Klarheit und Kompromisslosigkeit für die UN un-erhörte Ansprache, die wir leicht gekürzt dokumentieren.

Seite 23
ndPlusCarsten Kallenbach

Frische Energie aus Heu und Gras

»In Deutschland gibt es heute rund 4000 Biogasanlagen. Die meisten von ihnen arbeiten aber unwirtschaftlich«, sagt Hans Hemschemeier. Der Diplomingenieur ist Geschäftsführer und Gesellschafter der Biosonic Bioenergie GmbH & Co. KG im hessischen Fulda, die im Thüringer Technologie- und Gründerzentrum Schmalkalden den Prototyp einer neuen Biogasanlage betreibt. Die neuen Biogasanlagen sind in de...

Als »Gringos« in Bolivien unterwegs
Hilmar König

Als »Gringos« in Bolivien unterwegs

»Gringos, Gringos«, ruft die Verkäuferin auf dem Markt der Siedlung Chaya Mayor in der Nähe der einstigen »Silberstadt« Potosi, als sie Fremde aus dem Bus steigen sieht. An den aus Holzkisten gezimmerten Ständen werden Mützen aus Alpakawolle, bunte Röcke, die traditionellen, hier vorwiegend von Frauen getragenen Hüte sowie Obst und Gemüse feilgeboten. Gringo? Wir haben die Bezeichnung als deftiges...

Seite 24

Testspiel

Wer schrieb es? Die Hoffnung ist eine große Verfälscherin der Wahrheit: Die Klugheit weise sie zurecht und sorge dafür, dass der Genuss die Erwartung übertreffe. Was war es? Welche Maßeinheit wurde am 20. Oktober 1983 neu definiert? Was schaffte der 1. FCK? Was gelang dem 1. FC Kaiserslautern am 20. 10.1983 gegen FC Bayern? Wie geht es? Eine Abzählerei zu zweit: Der erste sagt eine beliebige Zahl ...

ndPlusWolfgang Hübner

Turmbauspiel

Türme zu bauen hat etwas Faszinierendes. Wenn das allerdings zwei Spieler in dem Bestreben tun, selbst möglichst weit zu kommen und dem Kontrahenten den Weg zu verlegen, wird es knifflig. Was im wirklichen Leben zur architektonischen und ingenieurtechnischen Katastrophe führen würde, ist beim Strategiespiel Babel ein kurzweiliger Spaß. Klötzer mit diversen Nasen und Einbuchtungen müssen von zwei S...

Schönes Briefrätsel
ndPlusCarlos G. Hernández, Schachlehrer

Schönes Briefrätsel

Die Idee zum heutigen Artikel stammt von ND-Leser Lüpke, Schachlehrer am Goethe-Gymnasium Berlin-Wilmersdorf. Ich traf Herrn Lüpke am 17. November 2006 bei der Emanuel–Lasker-Gesellschaft, als unsere Zeitung das 1. ND-Damenschachturnier organisierte. Der Saal war voll, die Spielerinnen Inna Gaponenko und Elisabeth Pähtz hoch konzentriert und das Publikum versank in absoluter Ruhe, da kam ein...

Brigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin

Filigran und stabil

Während der Herbst seine Farbenfülle in die Blattwerke von Strauch und Baum schüttet, bauen achtbeinige Geschöpfe ihre Kunstwerke aus Luft und Silber in allen Höhenlagen. Benetzt von Tautropfen gibt es in der Morgensonne ein faszinierendes Funkeln. Quasi über Nacht hängt die artenreiche Familie Linyphia ihre Baldachine in Hecken, zwischen Stauden oder verzaubert damit eine Wiese quasi in ein glitz...

Daniel Meuren

Kein Meister in Sicht

Jens König drückt im Stakkato auf den Plastikknopf auf dem Kopf seiner Tipp-Kick-Figur. Die Augen des 37 Jahre alten Hannoveraners suchen nach einer Lücke im gegnerischen Abwehrbollwerk, um den Ball im zigarettenschachtelgroßen gegnerischen Tor unterzubringen. Dann rückt König sein acht Zentimeter kleines Gusseisen-Männchen etwas näher an den zwölfeckigen Tipp-Kick-Ball heran. Plötzlich schnellt d...