Ausgabe vom 15.12.2007

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Unten links

Rechtzeitig vor dem Jahreswechsel warnt die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) vor Silvesterböllern aus dem Ausland. In Polen, Tschechien, den Niederlanden, Dänemark oder Portugal zugelassene Raketen und Knaller könnten in Deutschland verboten sein, weil sie die hiesigen Sicherheitsstandards nicht erfüllen. Erschreckend ist es schon, wenn Länder, denen wir freundschaftlich verb...

Springers Storno kam postwendend

Springers Storno kam postwendend

Nach monatelangen Querelen in der Großen Koalition hat der Bundestag am Freitag den Post-Mindestlohn mehrheitlich beschlossen. Der Springer Konzern belebte das Wort »postwendend« auf eigene Weise: Er gibt den Postdienstleister PIN auf.

Behrouz Khosrozadeh

Wer narrt wen?

Im Mai 2005 hatten die USA das Verlangen Irans nach einer Atomwaffenproduktion als sehr hoch eingestuft. Im November 2007 steht dieselbe »high confidence« dafür, dass Teheran das Programm im Herbst 2003 (während der Amtszeit Präsident Khatamis) einstellte. Es stünde auch mit »high confidence« fest, dass der Stopp mindestens bis Mitte 2007 angehalten hat – bis zur Mitte der Präsidentschaft vo...

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René Heilig

Lance-Corporal Holmes und das Rauchen in Irak

Das US-Repräsentantenhaus hat den Etat für den US-Geheimdienst CIA verabschiedet. Mit der Auflage, künftig auf grausame Verhörmethoden zu verzichten. Doch der Wahn von Menschen zweier Klassen besteht fort. Auch in deutschen Regierungsbüros.

Gábor Kerényi, Budapest

Das »Freiheitsrecht« der Hetze

Ungarns Staatspräsident Dr. László Sólyom ist eine Erscheinung, die direkt den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu entstammen scheint. Nun hat man Seiner Exzellenz den Advent ein wenig verdorben.

Süchtig nach sozialer Spaltung

Ungarns Parlament soll am Montag ein Gesetz über die Umgestaltung der Krankenversicherung verabschieden. Es geht um die Öffnung des Gesundheitswesens für private Versicherer und deren Kapital.

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Bildergeschichten gegen Aids
Peter Steudtner

Bildergeschichten gegen Aids

Mit selbst produzierten Bildergeschichten über die möglichen Übertragungswege des HI-Virus leistet die Initiative AJUPIS in Mosambik wertvolle Aufklärungsarbeit.

Instant-Kaffee aus Honduras
ndPlusChristian Klemm

Instant-Kaffee aus Honduras

»Diese Kooperative war einmal ein großes Privatgrundstück der Familie Somoza, die Nicaragua mehr als vierzig Jahre mit eiserner Hand regierte«, erklärt Francisco Mesa und zeigt auf die bergige Landschaft, auf der damals wie heute Felder angelegt und Ställe gebaut sind. Mit dem Dekret Nr.. 3, welches die Frente Sandinista de la Liberation Nacional (Sandinistische Befreiungsfront) am Anfang der nica...

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Michaela von der Heydt

Wer gehört zur Mitte?

Eine leicht steigende Geburtenrate und eine wachsende Antragsflut für das Elterngeld konnte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen gestern als Erfolg für ihr Projekt verbuchen. Auch dass mehr Väter sich wenigstens zwei Monate Zeit für den Nachwuchs nehmen, ist sicher besser als nichts. Dass aber die Ministerin frohlockt, das Elterngeld sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen, ist eine ...

Ina Beyer

Wohlplatzierte Ansage

Springer hat sich einen guten Zeitpunkt für seine Ankündigung ausgesucht, der PIN AG den Geldhahn abzudrehen. Der böse Post-Mindestlohn ist Schuld daran, dass der Konzern mit PIN Miese macht. Wir befinden uns am Kulminationspunkt einer groß angelegten Kampagne gegen eben diesen Mindestlohn. Wenn der vom Bundesrat in der kommenden Woche endgültig beschlossen wird, dann wird es so aussehen, als ob d...

ndPlusFrank Wehner

Abstieg vom Gipfel

Europa ist einiger denn je, ist effizienter, ja, im Grund ist es neugeboren. So klang's, als die EU-Oberen ihre Unterschrift unter jenes Vertragswerk setzten, das sie »historisch« nannten. Aber Euphorie hält meist nicht lange an , was ganz besonders gilt, wenn sie EU-Gipfel erfasst. Vom sonnigen Lissabon zog man in das winterliche Brüssel, vom hehren Gipfel ging es in die Tiefe, wo beispielsweise ...

ndPlusJürgen Amendt

Der Kandidat

Was macht eigentlich Willi Lemke? Um den einstigen Manager von Werder Bremen und jetzigen Senator für Inneres und Sport der Hansestadt ist es in letzter Zeit still geworden – zumindest auf Bundesebene. Im Politikgeschäft konnte er nie die Rolle spielen, die er als Fußballmanager inne hatte. Bis zu seinem Abstieg in die Politik verkörperte der studierte Sportlehrer die Alternative zum bajuwar...

Wer soll den Schulbus bezahlen?

ND: Der 2003 für Brandenburg eingeführte Elternbeitrag für die Schulbusse ist weiterhin heftig umstritten. Ihr Aktionsbündnis für eine kostenfreie Schülerbeförderung im Land Brandenburg hat 26 275 Unterschriften gesammelt und gerade dem Landtagspräsidenten übergeben. Was genau verlangen Sie? Freese: Ziel der Volksinitiative ist die Veränderung des Paragrafen 112 des brandenburgischen Schulgesetzes...

Seite 5
Ina Beyer

Springer investiert nicht weiter in PIN

Springer will die PIN Group abwickeln, angeblich weil der Bundestag dem Postmindestlohn zugestimmt hat. Doch PIN macht ohnehin Miese. Die Postkonkurrenten versuchen nun, die Bundestagsentscheidung doch noch zu unterlaufen.

ndPlusUwe Kalbe

»Hängepartie« für ältere Arbeitslose

Taktiererei auf dem Rücken der Betroffenen – so nannte die Opposition am Freitag im Bundestag die Verzögerung der Verlängerung des Arbeitslosengeldes für Ältere sowie der Maßnahmen gegen Zwangsverrentung.

ndPlusGabriele Oertel

Grundkurs Soziale Markwirtschaft

Was für Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) eine »gute Botschaft« ist, gilt FDP-Chef Guido Westerwelle als Teufelszeug: Der gestern vom Bundestag beschlossene Post-Mindestlohn. Die Debatte gestaltete sich zum Grundkurs über die Soziale Marktwirtschaft.

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Lächerlich und unnötig

Paula Riester ist 23 Jahre alt und studiert Jura in Berlin. Sie ist Sprecherin der Grünen Jugend. Der Jugendverband der Grünen hat momenten den Vorsitz im Ring Politischer Jugend (RPJ). Dem Zusammenschluss obliegt die Verteilung staatlicher Mittel auf die Jugendorganisationen.

Seite 7
Andreas Knudsen, Kopenhagen

T-Shirts sind kein Terror

Das Kopenhagener Stadtgericht sprach sieben Dänen frei, die wegen Unterstützung ausländischer Terrororganisationen angeklagt waren.

Seite 8
Ralf Klingsieck, Paris

FKP braucht Zeit für Schicksalsentscheid

Die Entscheidung über die Zukunft der Französischen Kommunistischen Partei (FKP) wurde noch einmal aufgeschoben. So beschlossen es 72 Prozent der 1200 Delegierten einer »außerordentlichen Tagung« am vergangenen Wochenende in Paris.

ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Letzte Chance für Kirgistan

Vorgezogenen Parlamentswahlen sollen an diesem Wochenende in Kirgi-stan eine nun schon zwei Jahre währende Staatskrise beenden.

ndPlusHans-Georg Schleicher

Führungswechsel in Südafrikas ANC?

Am Sonntag beginnt in Südafrika ein Parteitag des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses. Die Wahl des Parteichefs wird eine Vorentscheidung im Rennen um die Präsidentschaft Südafrikas im Jahre 2009 sein. Wichtigster Herausforderer des derzeitigen Amtsinhabers Thabo Mbeki ist sein Stellvertreter als ANC-Chef, Jacob Zuma.

Seite 9

Konferenz zu Transparenz bei Rohstoffen

Berlin (ND-Stenger). Auf einer Konferenz in Berlin haben Vertreter der G8-Staaten mit Experten aus Unternehmen und Wissenschaft am Freitag über Transparenz im internationalen Rohstoffsektor diskutiert. Dabei wurde betont, dass die Bekämpfung der Korruption entscheidend bei der Zusammenarbeit zwischen Liefer- und Empfängerländern sei.Die vom Bundeswirtschafts- und -entwicklungsministerium organisie...

Lufthansa steigt in US-Markt ein

Frankfurt (Main) (AFP/ND). Die Lufthansa steigt erstmals in den US-Markt ein. Die größte deutsche Fluggesellschaft übernimmt 19 Prozent am Billigflieger JetBlue, wie die Airlines am Donnerstag in Frankfurt (Main) mitteilten. Es sei die erste europäische Beteiligung an einer US-Gesellschaft, sagte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber am Freitag. Seinem Unternehmen könnte JetBlue vor allem als Zubringe...

ndPlusElfi Schramm

Suchmaschine der Ersatzkassen

Der seit 2005 bestehende Internet-Kliniklotse der Ersatzkassen wurde kürzlich von Stiftung Warentest zum Testsieger der Krankenhausportale gekürt. Am Freitag zogen die Betreiber ihre Zwei-Jahres-Bilanz.

Hermannus Pfeiffer

E.on-Konzern wird auch Bank

Der Energiekonzern E.on bietet seinen Großkunden im Dezember erstmals diverse Geldgeschäfte an. Dies könnte dazu beitragen, den Strom- und Gasriesen noch mächtiger zu machen.

Knut Henkel

Kinderarbeit für die IT-Branche

Die Elektronikindustrie ist ein wesentlicher Abnehmer von Metallen, die in Laptops, Digitalkameras und DVD-Playern verarbeitet werden. Kobalt und Platin gehören genauso dazu wie Palladium. Doch in den Minen arbeiten auch Kinder, kritisiert makeITfair, ein europäisches Netzwerk von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen.

Seite 10
Ralph Durry

Ohne suspendierten Kahn

Tabellenführer Bayern München strebt beim Manager-Duell der Hoeneß-Brüder Dieter und Uli am Sonnabend bei Hertha BSC trotz der Unruhe aufgrund der vereinsinternen Sperre für Torwart Kahn dem Herbstitel entgegen. Dieser entpuppte sich für den Rekordchampion in 13 von bisher 15 Fällen auch als gutes Omen für den Triumph am Ende der Spielzeit.Allerdings wurde die Vorbereitung auf das Hertha-Spiel von...

Wo einst die »schwarze Maske« zauberte
ndPlusGünther Berg

Wo einst die »schwarze Maske« zauberte

Die Fans nannten ihn die »schwarze Maske«: Klaus Hirche (68/Foto: Eissport Weißwasser). Er hütete das Eishockeytor in Weißwasser. Eines seiner größten Erfolge war 1965 das 3:3 der DDR gegen die Galatruppe des Weltmeisters UdSSR. Inzwischen hat Hirche die Torwartmontur anderen überlassen. Aber am Eishockey hängt sein Herz weiter.Nun wird am heutigen Sonnabend in Weißwasser »75 Jahre Eishockey« gefe...

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Verbieten oder abkassieren
ndPlusThomas Wieczorek

Verbieten oder abkassieren

Was könnte es für einen gemeinnützigen und zur Sparsamkeit verpflichteten Sportverband Besseres geben als kostenlose Werbung, noch dazu, wenn es das ungeliebte Stiefkind betrifft – den Breitensport? Wenn also im Internetportal »Hartplatzhelden« massenweise Fußballvideos aus den Kreisligen gratis anzuschauen sind, dann wären eigentlich Freudengesänge bei den DFB-Funktionären zu erwarten. Schl...

ndPlusErik Eggers, Dijon

Deutsche Frauen in der Außenseiterrolle

In ihrem Alltag spielen Grit Jurack und Katrine Lunde Haraldsen im dänischen Spitzenklub Viborg HK, und natürlich begrüßten sich die beiden Freundinnen herzlich, als sie am Freitagmorgen im Foyer des Novotel Tour Eiffel aufeinander trafen. Sie scherzten viel miteinander – aber heute werden die beiden, die zu den Protagonistinnen der 18. Handball-WM zählen, ausnahmsweise einmal nicht im gleic...

Wen wählen die Leser zu ND-Sportlern des Jahres?

Wen wählen die Leser zu ND-Sportlern des Jahres?

Nun gehen wir mit Riesenschritten dem Finale entgegen. Am Montag (17. Dezember) ist Einsendeschluss für die ND-Sportlerwahl 2007. Wir verraten natürlich noch nicht, wer womöglich an der Spitze bei den Sportlerinnen und Sportlern, Mannschaften und Trainern liegt. Nur soviel: So ganz eindeutige Favoriten zeichnen sich zur Stunde noch nicht ab. Gedulden Sie sich also noch bis zum 24. Dezember. Denn g...

Seite 12

Her mit den Geschenken!

Adelheid Schrutka-Rechtenstamm, Volkskundlerin und Kulturanthropologin, forscht zu den Schwerpunkten Schenken, Tourismus und Reisen, Rituale, Gender. Von ihr stammt der Beitrag »Schenken - Ein Kulturphänomen« im von Bettina Keß herausgegebenen Buch »Geschenkt! Zur Kulturgeschichte des Schenkens«. Mit der Wissenschaftlerin sprach Ines Wallrodt.

Seite 13
F.-B. Habel

Rabenmutter aus Lethargie

Was macht ein kleiner Junge, wenn er stundenlang allein in einem fremden Zimmer eingeschlossen ist? Zuerst ist er entdeckungsfreudig, aber dann, wenn alles entdeckt ist und Hunger und Durst ihn plagen? Allzu oft haben wir in letzter Zeit von Fällen gehört, in denen Kinder vernachlässigt wurden, wenn überforderte Eltern ihre Kinder einfach vergessen wollten. Stefanie Kremser hat einen solchen Fall ...

ndPlusCarloff Wiltner

PLATTENBAU

Erwartungen sind die schlechtesten Ratgeber. Nicht nur, dass man häufig enttäuscht wird, man wird auch ungerecht. Eine einfache Lehre, aber sie hält einen nicht davon ab, die selbe Erfahrung immer wieder zu machen. Mir war Alison Moyet bislang vor allem als Soul-Shouter bekannt. Das war zu ihren Anfangszeiten durchaus bemerkenswert, da sie dadurch in den 80ern mit ihrem Duo-Projekt Yazoo eine impu...

ndPlusVolkmar Draeger

Mäusekrieg im Palais

Seit Dietmar Seyfferts Version hat er gut zwei Dezennien im Leipziger Repertoire gefehlt: Tschaikowskis unvergleichlicher »Nussknacker«, der jeden Dezember rund um den Globus anzeigt, dass es wieder weihnachtet, und kleine wie große Kinderherzen mit Vorfreude erfüllt. Nach so langer Bühnenabstinenz verhalf nun Paul Chalmer im frisch renovierten Opernhaus der Personnage um das liebenswert nussbissi...

Seite 14
Gunnar Decker

Vom Sog der Fremde

»Warten und Staunen, dies sei die Devise des kommenden Lebensjahres.« Oscar A. H. Schmitz Auch ein Dandy benötigt Widerstandskraft gegen die Versuchungen, sich bürgerlich zu befestigen. Diese Kraft bringt er in der Regel auf. Gegen andere Versuchungen sich zu wehren, fällt ihm dagegen weniger leicht: »Wie schwer ich doch auf die Buntheit der sinnlichen Welt verzichten kann!« Wer sich nicht zu ents...

Seite 15

NPD-Antrag abgeschmettert

(ND). Der Antrag der rechtsextremen NPD in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Lichtenberg, den Anton-Saefkow-Platz nach dem Konterrevolutionär und Mörder von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, dem Reichswehr-Offizier Waldemar Pabst umzubenennen, wurde abgelehnt. Lediglich die zwei Verordneten der NPD stimmten für den Antrag. Alle anderen Fraktionen und Gruppen in der BVV stimmten am spät...

Heidi Diehl

Reisen ohne Handicap

Wer auf den Rollstuhl angewiesen ist oder andere Behinderungen hat, musste vor Jahren noch lange nach einem passenden Urlaubsdomizil suchen. Seit es einen speziellen Reiseführer für Deutschland gibt, der sich um die Belange von Behinderten, insbesondere Rollstuhlfahrern kümmert, hat sich die Situation merklich verbessert. Gerade ist die 19. Auflage des Ratgebers »Handicapped-Reisen Deutschland« er...

Andreas Heinz

Aus dem Auto direkt ins Flugzeug

Die Nordbahn des Flughafens Schönefeld liegt in Trümmern. Die alte Start- und Landebahn weicht den letzten 650 Metern Autobahn. Die sechsspurige A 113 von Berlin zum künftigen Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg (BBI) soll im Mai 2008 fertiggestellt sein. Gestern überreichte Brandenburgs Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) symbolisch einen Bohrkern der nördlichen Bahn an Flughafenchef...

ndPlusBernd Kammer

BVG: Finanzplan wackelt

Laut Verkehrsvertrag mit dem Senat hat die BVG zwar keinen Anspruch auf regelmäßige Fahrpreiserhöhungen, doch in ihrem Finanzplan sind sie fest einkalkuliert. Dort geht sie davon aus, bis 2020 die Umsätze aus Fahrgeldeinnahmen jährlich um zwei Prozent zu steigern. Das wäre zwar auch durch mehr Fahrgäste möglich, doch gilt hier das Potenzial als fast ausgeschöpft. Das Deutsche Institut für Wirtscha...

Berliner Untergrund dreidimensional

(ND-Nölte). Den Berliner Untergrund wird die Gasag Anfang nächsten Jahres neu vermessen. Mit 3D-Seismik will sie in ihren Erdgasspeicher »reingucken«, wie Vorstandsmitglied Andreas Prohl gestern sagte.Der Speicher in einer Sandsteinschicht in 800 Metern Tiefe liegt in einem 6 Quadratkilometer großen Gebiet, das sich vom Olympiastadion über den Grunewald bis Spandau einschließlich anliegender Gewäs...

ndPlusBernd Kammer

Scharfe Sachen

SPD-Fraktionschef Michael Müller feierte vergangenes Wochenende seinen 43. Geburtstag. Natürlich gab es viele Geschenke. Müllers Kollegin von der Linksfraktion, Carola Bluhm, überreichte ein Hörbuch über Fidel Castro mit dem Titel »Die Revolution bin ich«, und zur besseren Verdauung gab's das Kochbuch von Wladimir Kaminer »Küche totalitär« mit Rezepten aus den einstigen Sowjetrepubliken. Er sei sc...

ndPlusVerena Weiße

Heli-Skiing – Flug ins unbekannte Abenteuer

Plötzlich wirbelt der feine Schnee durch die Luft, starker Wind kommt auf. Schnell, runter, Kopf in den Schoß, Arm um den Nachbarn. Ein roter, großer Hubschrauber landet. Wir sind in Whistler, British Columbia, Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2010, an der Westküste Kanadas. Zehn Skifans kauern immer noch am Boden wie Maulwürfe und warten auf das O. K. zum Einsteigen. Kanadier, US-Ameri...

Seite 16
Umfeld des Hauptbahnhofs optimiert
Martin Kröger

Umfeld des Hauptbahnhofs optimiert

»Parkhaus? – Wo soll das denn sein.« Viele Berliner und Besucher der Stadt wissen gar nicht, dass es im Hauptbahnhof ein Parkhaus mit insgesamt 850 Stellplätzen für PKW gibt, in dem auch für behinderte Menschen und Frauen Parkplätze in ausreichender Zahl vorhanden sind, sogar Autowäsche und Werkstattservice gibt es.Ein »Wissensdefizit«, das bei großen Verkehrsvorhaben ganz normal sei, sagt d...

Ausbildung für Exzellenzen
ndPlusBarbara Staacke

Ausbildung für Exzellenzen

Die besten Schulabgänger sollen in Marzahn-Hellersdorf bleiben und vor Ort eine Ausbildung absolvieren. Dafür macht eine Exzellenz-Initiative mobil. Hintergrund ist der Fachkräftemangel. Um zu verhindern, dass leistungsstarke Absolventen der Region den Rücken kehren, haben sich Bezirk, Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreis, ein Dutzend Firmen, Arbeitsagentur und Jobcenter zusammengetan. Auch sieb...

Seite 17
ndPlusVolkmar Draeger

Flatternder Stoff aus Bronze

Auf die Traditionslinie Pankow wolle er aufmerksam machen, sagt Joachim Pohl: Dort lebten wichtige Bildhauer der DDR, waren Gründungsmitglieder der Sektion Bildende Kunst. Was er in seiner Galerie in der Wollankstraße zusammengetragen hat, gibt einen Einblick in sechs Jahrzehnte künstlerischen Schaffens, fächert Stile und Auffassungen auf. Mit 71 Exponaten vereint »Bildhauerkunst aus Pankow« ein D...

ndPlusKarlen Vesper

Das Wunderkind

Seine Bilder erinnern mich an Hieronymus Bosch. Und an Otto Dix. Wieder andere an Marc Chagall oder Wassily Kandinsky. Von allen etwas und doch ganz anders. Auf meine verwunderte Frage, wie dies sein könne, lächelt er nachsichtig. Natürlich, ein Künstler macht verschiedene Schaffensperioden durch, probiert sich in diversen Stilen, wird beeinflusst von seiner jeweiligen Umwelt. »Ich lebte sieben Ja...

Seite 18
ndPlusBernd Baumann

Sorben erhalten doch Rederecht im Landtag

Der Rat für sorbische Angelegenheiten erhält nach langen erfolglosen Bemühungen jetzt ein Rederecht im Landtag, das der Vorsitzende auch nutzen möchte. Die von der Linksfraktion unterstützten Anstrengungen des Rates führten also endlich zum Erfolg. Die Entscheidung traf der Hauptausschuss des Landtages. »Damit können die Sorben in bestimmten Fällen künftig die Sichtweise ihres Volkes direkt vor al...

Managerleistung

Zur Zeit häufen sich Berichte über Einkommen von Spitzenmanagern, verbunden mit der Frage, ob die Gehälter, Sonderzahlungen und Abfindungen gerechtfertigt sind und wenn nicht, ob man ihnen eine weitere Chance geben soll. Man übersieht dabei die Hauptfrage, ob die Manager mit dem vielen Geld überhaupt glücklich sind. Von Lottogewinnern hört man immer wieder in den Boulevardmagazinen, als welch schw...

Bernd Baumann

Haushalt eine »schöne Bescherung«

Nach einer mehrstündigen Generaldebatte verabschiedete der Landtag gestern den Doppelhaushalt für die Jahre 2008 und 2009. Dieser Etat hat ein Volumen von rund 20 Milliarden Euro. Die Koalitionsfraktionen SPD und CDU stimmten dafür, die Linksfraktion lehnte das Finanzpaket ab. Vorausgegangen war eine dreitägige heftige Diskussion mit einem Abstimmungsmarathon, den die rechtsextreme DVU durchgesetz...

Die Ressource Aufmerksamkeit
Brigitte Zimmermann

Die Ressource Aufmerksamkeit

Dieser Tage hielt es die kleine Bankfiliale in unserem Hochhaus für richtig, ihr einjähriges Bestehen mit einem eventartigen Begängnis zu feiern. Ein himmelgrünes easyCredit-Banner wehte im Wind, und vom späten Vormittag an wurde die Gegend beschallt. Mit Boney M. und anderen Köstlichkeiten. Zwischen den Titeln erklärte ein professioneller, aber unsichtbar bleibender Anjubler den Passanten immer w...

Seite 19
ndPlusMichael Wegner

»Wovon ihr Herz entflammt war«

Vor mir liegt ein schlichter, in grauer Pappe gebundener Band, mit blauem Rücken. Auf dem Buchdeckel eine kräftige ältere Frau, energisch aussehend, eine rote Fahne tragend. Es ist Maxim Gorkis Roman »Die Mutter« in der Ausgabe von 1948, ediert vom SWA-Verlag Berlin, gedruckt bei B.G.Teubner in Leipzig. Generationen hat er die neue Welt des Sozialismus nahegebracht. Und das nicht erst seit 1945. D...

Der erste und der dritte Weltkrieg

Seit dem 10. Dezember stehen die Zeichen in Kosovo wieder auf Sturm: Nach dem Scheitern der Verhandlungen über den Status der Provinz wollen die Albaner weg von Serbien und einen eigenen Staat ausrufen. Belgrad will das mit allen Mitteln verhindern, die NATO hat ihre Truppen in der Region verstärkt und in Alarmbereitschaft versetzt. Der Konflikt könnte zu einem Flächenbrand werden, befürchtet JÜRGEN ELSÄSSER in seinem neuen, hochaktuellen Buch.

Seite 20

WochenChronik

16. Dezember 1967: Wissenschaftlern der Stanford-University in Kalifornien (USA) gelingt die künstliche Herstellung der genetischen Grundsubstanz DNS; die Forscher hoffen, in Zukunft Gene nach Maß herstellen zu können. 18. Dezember 1917: Auf Betreiben der deutschen Militärführung wird die zersplitterte deutsche Filmindustrie zur Universum Film AG (Ufa) zusammengeschlossen, um, so General Erich Lud...

Janis Schmelzer

Mörder

Der Anton-Saefkow-Platz in Berlin-Lichtenberg soll in Waldemar-Pabst-Platz umbenannt werden. So will es die dortige NPD-Fraktion. Der ermordete Antifaschist soll dem Mördern an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht weichen!Zu seiner Untat im Januar 1919 hatte sich Pabst 1962 im »Spiegel« (Nr.16) bekannt; er habe Deutschland vor dem Kommunismus gerettet. Doch nicht nur dieser Doppelmord kommt auf sein...

ndPlusMartin Stolzenau

Luise von Bornstedt

Das Freifräulein, eine Großnichte der Gebrüder von Humboldt, gehörte zu jenen Frauen des 19. Jahrhunderts, die einen eigenen geistigen Anspruch erhoben und ihn in entsprechenden Zirkeln, im Umgang mit Geistesgrößen sowie durch eigene Schöpfungen fanden. Doch während Karl Gutzkow ihr in seinem Roman »Der Zauberer von Rom« in der Figur der Lucinde ein literarisches Denkmal schuf, empfand Annette von...

Hans Canjé

Sie sang dem »Führer«

Wessen Namen trägt die Straße? Wessen Welt wird mit der Benennung von Straßen für die Gegenwart in Erinnerung gehalten? Straßennamen können Auskunft geben über das Verhältnis der Gesellschaft zu ihrer Geschichte, über die Tendenzen der Erinnerungskultur eines Volkes.Der Sturm auf die Straßenschilder im Osten Deutschlands nach Wende und Beitritt ist ein Beispiel für gewendete Erinnerung. Ein andere...

ndPlusChristoph Jünke

Der Pyrrhussieg eines Linken

Als er die Nachricht bekam, soll sich der Vater der westdeutschen Demokratie, Bundeskanzler Konrad Adenauer, seinem Tross von Mitarbeitern und Journalisten halb überrascht und halb triumphierend zugewandt und ausgerufen haben: »Nun raten Se mal, meine Herren, wat da soeben passiert ist … Den Agartz haben se verhaftet!« Das war am 25. März 1957. Auch wenn sich heute nur noch wenige an Viktor...

Seite 21
Elektrischer Saturn-Ring

Elektrischer Saturn-Ring

Der Saturn besitzt nicht nur das bekannte Ringsystem aus Staub und Gesteinstrümmern. Weit draußen gibt es auch noch einen Ringstrom elektrisch geladener Teilchen. Ursache ist das Zusammenwirken des Sonnenwinds mit den oberen Schichten der Atmosphäre und das Magnetfeld des Ringplaneten. Dort, wo der Sonnenwind auf die äußersten Schichten der Atmosphäre trifft, pustet er nicht nur deren Atome und Mo...

ndPlusRobert Meyer

Orientierung in der Stadt

Telefonieren, SMS, E-Mail, Internet, Terminkalender, Fotoapparat – der Funktionsumfang der Handys wächst rapide, und jetzt sollen die kleinen Dinger bald auch als Ortungsinstrumente in Städten taugen. Dank WLAN-Technologie sollen Handys ihre Nutzer sicher durch die Straßenschluchten führen, als Alternative und Erweiterung des Satelliten-Ortungssystems GPS. Wissenschaftler am Fraunhofer-Insti...

Wurm mit fünf Nobelpreisen
Reinhard Renneberg, Hongkong

Wurm mit fünf Nobelpreisen

»Lust auf einen Tee mit diesem … äh … Nobelpreisträger … wie hieß er doch? Na, der mit den Würmern?« fragte mich mein Dekan vorige Woche. »Hmm. .. Mello oder Fire?« fragte ich zurück. »Fire… hätte ich mir gemerkt, also: Mello!« Ich sagte sofort zu. Craig Mellos Vorlesungsraum barst schier vor Studenten. Neben der Maus und der Fliege Drosophila haben die Biologen ein wei...

ndPlusMartin Koch

Wolken über der Physik

Die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts wäre undenkbar ohne John Dalton, Michael Faraday, Charles Darwin, James Clerk Maxwell. Ein weiterer Brite ließe sich mühelos hinzufügen, der Physiker William Thomson, der 1892 zum Lord Kelvin geadelt wurde. Denn der Erfinder der absoluten Temperatureinteilung, der sogenannten Kelvin-Skala, war auf vielen Gebieten der Naturforschung produktiv tätig. Außerdem nu...

Seite 22

Als sich Anfang Juni dieses Jahres...

Als sich Anfang Juni dieses Jahres die Mächtigen der G8-Runde in Heiligendamm an der Ostsee trafen, wurde der Badeort zur Festung ausgebaut. Demonstranten sollten mit einem monströsen Zaun, einem riesigen Polizeiaufgebot, mit Desinformation und anderen Mitteln ferngehalten werden. Einen nicht erklärten Ausnahmezustand nannte das der Jurist und Präsident der Internationalen Liga für Menschenrechte ...

Eine Art Hilfspolizei

Es ist wohl eher tragisch, dass man Gerichte braucht, um seine Meinung frei sagen zu dürfen, und einen Notdienst wie den Ihren, um seine Rechte zu wahren oder wieder zu erlangen. Es liegt nach meinem Empfinden eher eine Tragik darin, dass die Bundeswehr zuerst einmal eingesetzt wird und man dann versucht, diesen Zustand zu »verrechtlichen«. In Heiligendamm wurde die Bundeswehr quasi zu einer Art H...

»Ich fürchte mich seit jener Woche wieder«

Ich hatte bis zu meiner Teilnahme am Anwaltsnotdienst geglaubt, wenn ich sage, ich sei Anwältin, dass mir dann alle Türen offen stehen. Ich hatte geglaubt, dass ich berechtigt bin, Gerichte zu betreten, auf die Geschäftsstelle zu gehen, im Gerichtsflur mit Kollegen und Kolleginnen zu diskutieren. Dass mein Mandant das Recht hat, mich zu sehen, wenn er danach verlangt. Weit gefehlt. Ulrike Donat un...

Falschmeldungen für Karlsruhe

Wir sind der Auffassung, dass sich im staatlichen Vorgehen in Heiligendamm wie im Brennglas eine länger zu beobachtende sicherheitspolitische Entwicklung zeigt. Wie im Brennglas bedeutet nicht, dass die in Heiligendamm vorgenommenen Maßnahmen alle neu waren, sondern bereits vorher zu anderen Anlässen eingesetzt wurden, nur nicht so geballt, wie wir es Anfang Juni anlässlich des G8-Gipfels erlebt h...

Ossietzky wäre stolz gewesen

Traditionell sind G8-Treffen von Protesten begleitet. Viele Menschen wähnen das Schicksal dieser Welt dort in schlechten Händen. Dass der Staat beim Besuch ausländischer Regierungschefs deren Sicherheit gewährleisten muss, ist keine Frage. Doch was im Vorfeld und während des Gipfels in Heiligendamm von staatlicher Seite inszeniert wurde, ist mehr als besorgniserregend. Der Staat hat hier seine Maß...

Seite 23
Das »Mohrenköpfle« ist wieder da
ndPlusErich Preuß

Das »Mohrenköpfle« ist wieder da

Mag der Kreis Hohenlohe in Baden-Württemberg nicht mit touristischen Leuchttürmen gesegnet sein, so machen ihn zwei Lebewesen über die Grenzen der Region hinaus bekannt: das Schwäbisch-Hällische Landschwein und der Weideochse vom Limpurger Rind (der Name kommt von einer Grafschaft des 18. Jahrhunderts). Beide wären fast ausgestorben. Nun schätzen hauptsächlich Menschen mit gutem Geschmack, was ihn...

Schlaflos in der Siedlung Watutinki
Simone Schmollack

Schlaflos in der Siedlung Watutinki

Ksenia Dragunskaja hat ein Problem. Die russische Theaterautorin will ein neues Stück schreiben, dazu braucht sie Ruhe. In Moskau, wo sie wohnt, findet sie die selten. Vor ihrer Haustür führen zehn Autospuren in die eine Richtung und zehn in die andere. Darauf tobt der Teufel selbst in der Nacht. Moskau ist die Hölle, sagt die 42-Jährige. Doch sie lebt gern hier. Nur nicht, wenn sie arbeiten will....

Seite 24

Testspiel

Wer schrieb es? Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen. Wann war es? Wann beschlossen die Kanadier, die Ahorn-Flagge zu ihrer Nationalflagge zu machen? Wie teilt man den Kuchen? Wie kann man einen runden Nusskuchen durch drei gerade Schnitte in acht gleich große Teile zerlegen? Fragen heute von E. Schuhmacher, Potsdam. Schicken auch Sie u...

Udo Bartsch

Kinderspiel

Die Menschen in diesem fernen Märchenreich leben glücklich und zufrieden. Selbst ein an den Grenzen auftauchender böser Zauberer macht niemanden nervös. Schließlich besitzt der König einen magischen Ring, den er bloß aufzusetzen braucht und dann ... Moment mal, der Ring ist verschwunden! Ein Schlossbewohner hat ihn gestohlen. Aber welcher? Gemeinsam machen sich die Spieler an die Detektivarbeit. W...

Brigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautor

Begonien und Löwenzahn

Ihre letzte Blüte hat sie beim ersten Frost eingebüßt, jetzt ruht sie sich vom monatelangen Blühen im Keller aus, und schon in gut zwei Monaten kommt sie wieder in einen Topf mit humoser Erde, um sich erneut auf eine lange Blütezeit vorzubereiten: die Knollenbegonie. Die Familie der Begonien, auch Schiefblatt genannt, ist riesig und vielfältig. Über 1500 Arten gibt es in überraschender Vielgestal...

Effektiver Kramnik
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Effektiver Kramnik

Letzte Woche berichteten wir über den Stil des 32-jährigen Bulgaren Weselin Topalow. Er spielt den ersten Teil der Turniere nicht besonders gut, aber den zweiten dafür normalerweise umso besser. Topalows größter Gegner, Wladimir Kramnik (Russland, 32), ebenfalls Ex-Weltmeister, hat auch seine eigene Turniertaktik: Er gewinnt mit Weiß und spielt mit Schwarz remis. Diese Strategie ist so konservati...