Ausgabe vom 01.02.2008

Streitfrage: Ist die Änderung des Stammzellgesetzes vertretbar?

Es debattieren: Dr. Petra Sitte, Jahrgang 1960, stellvertretende Vorsitzende der Bundesfraktion DIE LINKE und Vorsitzende des Arbeitskreises Innovation, Bildung, Wissenschaft, Kultur und Medien und Dr. Katrin Grüber, Jahrgang 1957, ehemals Lehrbeauftragte für Politikwissenschaft an den Universitäten Düsseldorf und Witten-Herdecke, seit 2001 Leiterin des Berliner Institutes Mensch, Ethik und Wissen...

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BVG-Signale stehen auf Streik

Berlin (ND-Kammer). Der Tarifkonflikt bei der BVG hat sich zugespitzt. Bereits vergangene Nacht wollten die Beschäftigten in den Warnstreik treten und damit den Verkehr bei U-Bahn, Straßenbahn und Bus lahmlegen. Zuvor hatte die Gewerkschaft ver.di das Angebot der Arbeitgeber als »schlichte Provokation« zurückgewiesen. Die Tarifkommission beschloss daraufhin einstimmig, den Warnstreik für Freitag ab 0 Uhr auszurufen. Bis morgen, 15 Uhr, soll er andauern. Ursprünglich hatte ihn ver.di nur für Sonnabend angedroht.

Unten links

In warmen, einladenden Worten wirbt ein Prospekt aus Frankfurt (Main): »Kommen Sie zu uns. Genießen Sie hier, was Sie heute wahrscheinlich nur noch an wenigen Orten finden werden: Vertrauen und Zuwendung, Offenheit und zugleich Verschwiegenheit. Es gibt nun einmal Dinge im Leben, die brauchen, um in Ordnung gebracht zu werden, den Ort der Verschwiegenheit, eine Stätte der hilfreichen Übereinstimmu...

ndPlusGabriele Oertel

Funkstille

Dass die Große Koalition bis 2009 hält, glauben drei Viertel der Bundesbürger. Im Unterschied zu manchen Journalisten, die am Sonntagabend nach den beiden Landtagswahlen schon vorgezogene Neuwahlen am Horizonte wähnten. Die Entscheidung zwischen beiden Szenarien fällt vermutlich nach der Hamburg-Wahl. Bis dahin herrscht Schweigen im Walde. Denn die Großkoalitionäre haben bei den Wahlen zum Hannove...

ndPlusMartin Kröger

Berliner fordern ihr Wasser zurück

Mehr als 35 000 Unterschriften hat in Berlin ein Bürgerbündnis für das Volksbegehren »Schluss mit Geheimverträgen – Wir Berliner wollen unser Wasser zurück« gesammelt. Heute sollen die Unterschriftenlisten dem Landeswahlleiter übergeben werden.

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Mängelkatalog

»Versäumnisse und Mängel« – diese beiden Begriffe ziehen sich wie ein roter Faden durch den Bericht der Winograd-Kommission. Die Eckpunkte: Versäumnisse und Mängel in den Entscheidungsprozessen und in der Interaktion von Regierung und Militär, in der Kampfbereitschaft der Armee, deren Strategie und Planung sowie in der Verteidigung der Zivilbevölkerung. Diese Mängel hätten zum Teil bereits l...

Zahlen und Fakten: Kriegsbilanz aus Sicht Libanons

Bei 7000 Raketenangriffen der israelischen Armee wurden 1200 Libanesen getötet, darunter 28 libanesische Soldaten, die nicht am Krieg beteiligt waren. Die Gesamtzahl der getöteten Kämpfer von Hisbollah, Amal und der Kommunistischen Partei ist nicht bekannt. 3697 Libanesen wurden verletzt. Vier UN-Mitarbeiter wurden von der israelischen Luftwaffe gezielt zu Tode gebombt. Gekennzeichnete Konvois von...

Anna Maldini, Rom

Eine Herkulesaufgabe für Franco Marini

Italien steckt tief in der politischen Krise. Senatspräsident Franco Marini, der als ein Mann des Dialogs gilt, soll nun als Chef einer Übergangsregierung den Ausweg aus der Sackgasse bahnen.

ndPlusOliver Eberhardt, Jerusalem

Desaster auf der ganzen Linie

Das Urteil ist vernichtend: Israels Regierung und Militär haben während des Libanon-Krieges im Sommer 2006 auf der ganzen Linie versagt, heißt es im Schlussbericht der Winograd-Kommission. Personelle Konsequenzen sind vorerst nicht zu erwarten.

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Gericht soll Suche nach Opfern aus Nazi-KZ erlauben
Thomas Klatt

Gericht soll Suche nach Opfern aus Nazi-KZ erlauben

Ein Ort im Brandenburgischen ist mit der Vergangenheit konfrontiert. Bei Lieberose gab es ein Nazi-KZ. Noch immer hat man nicht alle Ermordeten geborgen. Ein Gericht muss nun eine Entscheidung treffen.

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Das Museum am Rande der Stadt

Ein Museum in Paris soll die Geschichte der Einwanderung nach Frankreich illustrieren. Bei der Regierung ist es wegen des kritischen Blicks auf das Schicksal der Immigranten jedoch unbeliebt. Dabei wurden die letzten Jahrzehnte bereits ausgespart.

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Jeder Fünfte bekommt nur Niedriglohn

Duisburg/Essen (epd). Immer mehr Arbeitnehmer arbeiten in Deutschland für geringen Lohn. Der Anteil sogenannter Niedriglohnbeschäftigter sei von 1995 bis 2006 um gut 43 Prozent gestiegen, erklärte das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen am Donnerstag. Betroffen seien 6,4 Millionen Menschen. Das entspreche einem Anteil von 22 Prozent aller abhängig Beschäftigten. ...

ndPlusVelten Schäfer, Schwerin

Augenzeuge vom Hörensagen

Hat die Angeklagte »gebissen« oder »gezappelt«? Flogen Steine oder war die Lage ruhig? Allen Widersprüchen zum Trotz will das Rostocker Amtsgericht eine junge Frau wegen Landfriedensbruchs verurteilen.

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Klimaschutz im Sumpfgebiet

Klaus Bartl, Chef des Untersuchungsgremiums zum Sachsen-»Sumpf«, hat eingeräumt, bei der Bewertung der Korruptionsvorwürfe womöglich überreagiert zu haben. Zugleich sieht er aber weiterhin viele Ungereimtheiten.

Seite 5
ndPlusGabriele Oertel

Die Narren sind los – auch in der CDU

Die Debatte innerhalb der Union über den ausländerfeindlichen Wahlkampf Roland Kochs in Hessen nimmt groteske Züge an. Führende CDU-Politiker kämpfen um die Einheit, Reinheit und Geschlossenheit ihrer Partei.

Carsten Hübner

NPD: Aus »6 PLUS X« wurde nix

Nach dem schlechten Abschneiden der NPD bei den Landtagwahlen in Niedersachsen und Hessen macht sich im rechtsextremen Spektrum Katerstimmung breit.

Tom Strohschneider

Klagen über die Unregierbarkeit

Ein Fünfparteiensystems mache die Regierungsbildung immer schwieriger, heißt es. Experten fordern deshalb die Mehrheitswahl für Deutschland – zu Lasten kleinerer Parteien.

Seite 7
Peter Nowak

Schwarze Listen sind rechtswidrig

Während in der EU die Kritik an den Schwarzen Listen über Terrorverdächtige zunimmt, dienen diese in Dänemark weiter der Kriminalisierung der linken Opposition.

ndPlusHolger Elias, Brüssel

Solana will Antworten aus Teheran

Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana hat die Haltung der Europäischen Union unterstrichen, die diplomatischen Bemühungen um »konstruktive Beziehung mit Iran« fortzuführen.

In die falsche Richtung
Gabi Zimmer

In die falsche Richtung

Widersprüche treiben Entwicklung voran, allerdings nicht immer in die notwendige Richtung und mit der gebotenen Geschwindigkeit. Dafür liefert die Europäische Kommission mit ihrer Energie- und Klimapolitik jüngst wieder Beispiele. Ihr von Kommissionspräsident Barroso unterbreitetes »Vorschlagspaket« belegt erneut, dass man nicht den »Herausforderungen der Globalisierung« und zugleich den Herausfor...

Prozess gegen Verteidiger des Bronzesoldaten in Tallinn

Prozess gegen Verteidiger des Bronzesoldaten in Tallinn

Als die Regierung Estlands im April vergangenen Jahres beschloss, ein Ehrenmal für gefallene Sowjetsoldaten aus dem Zentrum Tallinns auf einen Militärfriedhof zu verlegen, protestierten vor allem Angehörige der russischen Minderheit in Estland, denen der »Bronzesoldat« als Symbol der Befreiung vom deutschen Faschismus teuer ist. Es kam zu Straßenschlachten, bei denen ein junger Russe getötet und mindestens 150 weitere Menschen verletzt wurden. In Estlands Hauptstadt stehen seit dieser Woche vier junge Russen - Dmitri Linter, Mark Siryk, Maxim Reva und Dmitri Klensky - vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, die »Massenkrawalle« angezettelt zu haben. Die EU-Abgeordnete Sahra Wagenknecht war am Mittwoch als Zuhörerin im Gerichtssaal. ND-Redakteur Detlef D. Pries befragte sie danach.

Seite 8

EU und USA begünstigen Autokraten

Washington (AFP/ND). Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat der EU und den USA vorgeworfen, aus politischem Kalkül unfaire und fehlerhafte Wahlen im Ausland hinzunehmen.»Offensichtlich akzeptieren Washington und die europäischen Regierungen auch die fragwürdigsten Wahlen, solange es sich beim ›Wahlsieger‹ um einen strategischen oder wirtschaftlichen Partner handelt...

Wolfgang Hübner

Notwendige Ergänzungen

Namhafte Unionspolitiker haben einen Offenen Brief geschrieben in dem sie das hohe Lied der Integration von Migranten anstimmen. Von Sensibilität und Sachlichkeit ist die Rede, und da fällt einem wirklich nicht Roland Koch ein. Wer in dem Brief wahltaktische Schadensbegrenzung sieht – keineswegs zufällig gehört zu den Unterzeichnern Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU), der demn...

Olaf Standke

Afrikas Brandherde

Das Feuer muss gelöscht werden.« Mit einem eindringlichen Appell für das Ende der Gewalt in Kenia hat gestern der Gipfel der Afrikanischen Union begonnen. Seit der umstrittenen Präsidentenwahl Ende Dezember kamen bei den Unruhen über 750 Menschen ums Leben, mindestens 250 000 sind auf der Flucht. Beim Treffen der Regierungschefs aus 53 AU-Mitgliedstaaten stehen zahlreiche ungelöste Konflikte des K...

Bewerberfeld für Washington gelichtet

Wenige Tage vor den Vorwahlen in 22 US-Bundesstaaten am sogenannten Super Tuesday hat sich das Bewerberfeld für die Präsidentschaftskandidatur in den USA gelichtet.

Thaci pocht auf baldige Abspaltung

Pristina (AFP/ND). Der Ministerpräsident Kosovos, Hashim Thaci, hat eine rasche Unabhängigkeitserklärung der serbischen Provinz angekündigt – unabhängig vom Ergebnis der Präsidentschaftswahlen im Land. »Die Unabhängigkeit Kosovos wird in den kommenden Tagen erfolgen, egal ob Tadic oder Nikolic gewinnt«, sagte Thaci. Im entscheidenden zweiten Wahlgang stehen sich am Sonntag in Serbien der pro...

ndPlusSilvia Ottow

Dick aufgetragen

Die Dicken haben es wieder einmal in die Schlagzeilen geschafft, aber keine Angst, die Aufmerksamkeit legt sich schnell. In der Realität sind weder Bundesregierung, noch Gesundheitsministerien und erst recht nicht die Parteienvertreter, die nach den Ergebnissen der Verzehrstudie jetzt ihre Appelle an die essende Bevölkerung richten, wirklich an deren Gesundheit interessiert. Sie tragen nur dick au...

ndPlusInes Wallrodt

Freiheitlich

Das beste, was man über einen Verfassungsrichter sagen kann: Er ist ein Grundrechtsfanatiker. Einer wie Wolfgang Hoffmann-Riem. Der 67-Jährige steht für den uneingeschränkten Schutz der Demonstrations- und Meinungsfreiheit – also auch für Nazis. »Weil eine Meinung missliebig ist, darf sie nicht unterdrückt werden. Nur so kann in einer Demokratie auch über kontroverse Themen öffentlich gestri...

Renditekarussel dreht sich
ndPlusChrista Luft

Renditekarussel dreht sich

Nokia bleibt dabei. Der mit 88 Millionen Euro geförderte finnische Mobilfunkriese will die Produktion trotz glänzender Bilanzen von Bochum nach Rumänien verlagern. Die Lohnkosten und das Zusammenspiel mit Zulieferern seien dort günstiger, heißt es aus der Konzernzentrale. Landes- und Bundespolitiker sind empört, beklagen Subventionsbetrug und rufen zum Nokia-Boykott auf. Primat hat jetzt, für die ...

Seite 9
Peter Liebers

Monstertruck mit Matratzen

Auf Thüringer Straßen dürfen ab heute Gigaliner mit einer Länge von mehr als 25 Meter fahren.

ndPlusHans-Gerd Öfinger

Börsenpläne noch nicht gestoppt

Der Tarifkonflikt mit den Lokführern hat zuletzt das Thema Bahnprivatisierung aus der Debatte verdrängt. Doch heute tagt der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG hierzu.

Seite 10

Mindestlöhne in Europa steigen

Zum Jahresbeginn haben zwölf EU-Staaten ihre allgemeinen gesetzlichen Mindestlöhne erneut erhöht. In den westeuropäischen Euro-Ländern liegen die Mindestlöhne jetzt deutlich über 8 Euro. Im Vergleich zum Januar 2007 stiegen sie zwischen gut zwei Prozent in Frankreich und mehr als vier Prozent in Irland. In Luxemburg ist die nächste Erhöhung für März 2008 geplant. In Südeuropa liegen die untersten ...

Markus Schwarzbach

Lieber planbar als flexibel

Durch Finanzierung von Kindergartenplätzen und geändertes Elterngeld will die Bundesregierung Familien fördern. Welche Kriterien ein familienfreundlicher Betrieb aus Sicht der Beschäftigten haben muss, zeigt eine neue Untersuchung: Planbare Arbeitszeiten und ein gutes Betriebsklima sind für Beschäftigte die wichtigsten Faktoren, um Beruf und Familie gut miteinander zu vereinbaren. Im Auftrag des W...

ndPlusAndreas Knobloch

Erfolg für Bergleute in Cananea

Nachdem ein mexikanisches Gericht die mehrmonatigen Arbeitskämpfe der Minenarbeiter in Cananea für zulässig erklärte, treffen sich die Konfliktparteien zu Gesprächen.

Tommy Hilfiger unter Druck gesetzt
Niels Seibert

Tommy Hilfiger unter Druck gesetzt

Mit Solidaritätsaktionen in Düsseldorf und Berlin unterstützten mehrere Duzend Aktivisten Angestellte eines Bekleidungskonzerns in Kanada, die sich gewerkschaftlich organisieren wollen. Vorbild waren Aktionen der Organizing-Kampagnen.

Seite 11
Gunnar Decker

Oder heißt es »Gretchen«?

Faust ist mit seiner Raumkapsel irgendwo gelandet. Vielleicht im Bauch der Arche Noah, aber die ist inzwischen auch auf einem Riff zerbrochen. Faust ein Schiffbrüchiger? Ein Moderner also, irgendwo im Niemandsland ausgesetzt, jenseits fester Traditionen und Sinnzusammenhänge? Die Bühne von Steffi Wurster lässt das vermuten.Doch dann beginnt Faust zu sprechen. Er spricht wie das Sprachprogramm eine...

ndPlusMartina Jammers

Mülldeponie am Ölberg

W enig Neues aus dem krisengeschüttelten Nahen Osten. Die massive Eskalation der Gewalt am Gazastreifen, der ständige Beschuss der israelischen Stadt Sderot durch palästinensische Raketen sowie die aggressive israelische Siedlungspolitik ersticken etwaige Gesprächbereitschaft der Gegner im Keim. Schwierig, in derart vermintem Gelände künstlerische Positionen abzustecken. Und dennoch ist ein Blick ...

Seite 12

Quergelesen

Peer Pasternack war einst ganz nah am Puls der politischen Macht, als Staatssekretär im Berliner Wissenschaftssenat hielt er es allerdings nicht lange aus. Vor einigen Jahren ist er wieder dorthin zurückgekehrt, wo er herkommt – ans Institut für Hochschulforschung der Universität Halle-Wittenberg. Dort widmet er sich vor allem der Erforschung der ostdeutschen Hochschullandschaft nach 1990. »...

Bildungssplitter

Berlin (ND-Nowak). Mehrere hundert Studierende der Freien Universität (FU) Berlin protestierten gestern auf satirische Art und Weise gegen die Hochschulpolitik des FU-Präsidenten Dieter Lenzen. Ein »Dieter-Lenzen-Fanclub« trug große Porträts des FU-Präsidenten durch die Universitätsgebäude der Universität. Für viele Studierende steht der FU-Präsident für eine Ausrichtung der Hochschule an den Inte...

Aufstand des Bürgertums
Jürgen Amendt

Aufstand des Bürgertums

»Der PISA-Wahnsinn macht unsere Kinder kaputt« – TV-Talker Reinhold Beckmann fand am Dienstag dieser Woche deutliche Worte gegen die Verkürzung der Abiturzeit. Den Kindern werde eine »glückliche Kindheit« geraubt, schmetterte er dem ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU) entgegen, der die verkürzte Schulzeit zuvor verteidigt hatte. Die von den Medien als »Wutausbruc...

Martin Koch

Astrophysik und Rock 'n' Roll

Bei der britischen Rockband »Queen« spielt er brillante Gitarrensoli. Doch Brian May ist auch ein brillanter Geist: Im August 2007 erst wurde er zum Doktor der Physik promoviert. Jetzt übernimmt er das Kanzleramt an der John-Moores-Universität in Liverpool.

ndPlusLudwig Eckinger

Das G 8 und der Denkmalschutz

Schulzeit ist Lebenszeit. So konnte auf die Dauer nicht verborgen bleiben, dass in den meisten Ländern nicht nur Europas die Hochschulreife bereits mit 18 Jahren erworben werden kann. Nach der deutschen Vereinigung 1990 wurde zwar versucht, das Thema in Deutschland nicht hochkommen zu lassen. Ein Abitur nach zwölf Schuljahren wurde als harscher Qualitätsschwund abgelehnt, aber der Versuch war zum Scheitern verurteilt. Sachsen und Thüringen beharrten auf einem Abitur mit 18, wie das auch in der DDR Realität gewesen war. Einige andere Bundesländer vollführten beachtliche Zickzackkurse – immer auf Kosten der Schülerinnen und Schüler. Inzwischen besteht auf der bildungspolitischen Ebene weitestgehend Einigkeit, dass die Hochschulreife mit 18 Jahren auch für Deutschland auf der Agenda steht. Inzwischen wird sogar so getan, als ob der Untergang des Abendlandes nur durch das achtjährige Gymnasium (G 8) aufzuhalten wäre. An der Spitze der Bewegung stehen Bayern und Hessen. Das Gymnasium macht indes vor allem Schlagzeilen mit magenkranken und kopfschmerzgeplagten Schülerinnen und Schülern sowie entnervten Eltern.

Seite 13

Akteneinsicht wird leichter

(ND-Nowak). Mit einem Teilerfolg für den Kläger endete am Mittwoch ein Verfahren, das ein Mitglied des Berliner Sozialforums gegen das Berliner Landesamt für Verfassungsschutz angestrengt hatte. Die Behörde hatte Wilhelm Fehse unter Verweis auf den Quellenschutz Einblick in die über ihn gesammelten Daten verwehrt. Das Berliner Verwaltungsgericht lehnte eine solch rigide Auskunftsverweigerung nun a...

Bewegungsmelder

Demo gegen Atomforum in Berlin (ND). Initiativen aus Berlin und Potsdam rufen für den 7. Februar zum Protest gegen die Wintertagung des Deutschen Atomforums auf. Vertreter der Atomindustrie versammeln sich am 6. und 7. Februar im Berliner Hotel Maritim pro Arte, um für die Atomkraft als eine vermeintlich sichere Technologie der Zukunft zu werben. Die Gegendemo startet um 15 Uhr an der Vattenfall-Z...

Reimar Paul

Der Atomkraftgegner als »Gefährder«

Die Polizei speichert massenhaft die Daten von Atomkraftgegnern. Auf die »Gefährderdateien« haben Behörden mittlerweile europaweit Zugriff.

ndPlusNiels Seibert

Täuschung und Wahrheit

Imageverschmutzung, unsichtbares Theater, Tortenwürfe, Fakes – mit Mitteln der Kommunikationsguerilla greifen linke Aktivisten immer wieder in aktuelle Debatten ein. Auch bei den Wahlen am vergangenen Wochenende.

Seite 14
Einen schwierigen Spagat wagen
Petra Sitte

Einen schwierigen Spagat wagen

Letztes Jahr drehten Forscher die Lebensuhr zurück. Eine Hautzelle wurde in eine embryonalähnliche Stammzelle zurückentwickelt. Dahinter steckt der Traum, dass der eigene Körper Quelle für Ersatzgewebe wird. Denn die embryonalen Stammzellen sind Alleskönner, sie entwickeln alle 200 Zellarten des Menschen. Sie entstehen bei der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle. Auch erwachsene Menschen verfügen...

Gute Ansätze jenseits der Stammzellforschung
ndPlusKatrin Grüber

Gute Ansätze jenseits der Stammzellforschung

Vor ungefähr sechs Jahren verabschiedete der Bundestag nach einer kontroversen und ausführlichen Debatte das Stammzellgesetz, das die Einfuhr von embryonalen Stammzellen unter bestimmten Bedingungen zulässt. Die Abgeordneten formulierten einen Kompromiss zwischen der Position, die Forschung an embryonalen Stammzellen unter keinen Umständen zulassen wollte, und derjenigen, die jegliche Einschränkun...

Seite 15

FAIRgabe in Berlin?

(ND-Nölte). »Geiz ist teuer!«, meinen NGOs und Gewerkschaften und fordern vom Land Berlin, bei der Auftragsvergabe der öffentlichen Hand nicht nur Tarif- oder Mindestlöhne als Kriterium anzulegen, sondern auch ökologische und soziale Standards.Senat, Bezirke und Landesunternehmen sind mit bis zu 5 Milliarden Euro pro Jahr in Berlin der größte Einkäufer von Produkten und Dienstleistungen. Doch dabe...

ndPlusMartin Kröger

Körting will Tarifkonflikt nicht eskalieren

Der Verhandlungsführer des rot-roten Senats in der Tarifauseinandersetzung des öffentlichen Dienstes, Innensenator Ehrhart Körting (SPD), sieht keine Möglichkeit, über die Forderungen der Gewerkschaften von acht Prozent Lohnerhöhung zu verhandeln. Auch Einmalzahlungen pro Jahr seit 2005 kämen nicht in Frage. »Ich sehe es als äußerst schwierig an, vor Auslaufen des Anwendungstarifvertrages für den ...

Bernd Kammer

Endstation Arbeitskampf

Wer heute Morgen mit Bus, Straßen- oder U-Bahn fahren wollte, dürfte böse überrascht worden sein: Seit Mitternacht wird bei der BVG gestreikt. Bis morgen, 15 Uhr, müssen Fahrgäste auf S-Bahnen oder andere Verkehrsmittel umsteigen.Ursprünglich war der Warnstreik nur für Sonnabend geplant, um den Berufsverkehr zu verschonen. Zu der Zuspitzung kam es gestern beim zweiten Tarifgespräch zwischen der Ge...

Seite 16

»Sind weiter Vorletzter«

Herr Bürger, war der Pokalerfolg gegen Bielefeld der erhoffte Befreiungsschlag? Das war ein toller Abend für die Fans und die Mannschaft. Wir sind für unseren hohen Kraftaufwand belohnt worden. Aber wir sind weiter Tabellenvorletzter der 2. Liga. Am Montag gegen Alemannia Aachen geht ein neues Spiel los. Wie haben Sie sich bei Ihrem Pflichtspieldebüt gefühlt? Ich war komischerweise sehr, sehr ruhi...

Blick auf die Lärmschutzwand

(ND-Kammer). Die 3,2 Kilometer lange Neubaustrecke der Stadtautobahn, die ab 2016 von Neukölln zur Straße Am Treptower Park führen soll, werden täglich zwischen 120 000 und 170 000 Fahrzeuge nutzen. Wie stark dadurch die angrenzenden Straßen be- bzw. entlastet werden, werde noch ermittelt, sagten am Mittwochabend die Senatsplaner bei einer Informationsveranstaltung in Treptow.Anwohner sollen mögli...

»Alles außer Hoffenheim«
Matthias Koch, Jena

»Alles außer Hoffenheim«

Die Kälte und der Dauernieselregen waren am Ende egal. Im Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld tanzten nach dem Abpfiff Fans und Spieler gleichermaßen wild umher. »Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin«, skandierte der Großteil der über 14 000 Zuschauer nach dem etwas glücklichen 2:1-Erfolg gegen Arminia Bielefeld im DFB-Pokal-Achtelfinale. »Dass wir wie schon in der 2. Runde gegen den 1. FC Nürnbe...

Fundgrube an der Wiege Berlins
Andreas Heinz

Fundgrube an der Wiege Berlins

Mehr als 60 Jahre lag die bunte Perle metertief unter dem einstigen Petriplatz an der Gertraudenstraße in Mitte. Das kleine Schmuckstück aus Glas überstand die Bombenangriffe während des Zweiten Weltkriegs auf das dort ansässige Kaufhaus Rudolph Hertzog unbeschadet und zeigt sich immer noch so farbenfroh wie einst. Archäologen fanden das Kleinod beim Graben am vermutlich ältesten Ort Berlins, der ...

Seite 17
Karin Nölte

Inszenierung der Nacht

Berlin bei Nacht ist nicht grau, sondern bunt, grell, schrill. So zeigen es jedenfalls die Fotografien von Jürgen Pollak im neuen Bildband »Berlin – Lichter einer Großstadt«. Es ist – anders, als der Neue Kunstverlag in Stuttgart ankündigt – kein »klassisches Berlin-Buch«. Wann ist denn diese Stadt von Menschen, von Fahrzeugen, von jeglichem Leben wie leergefegt. Pollak, der visu...

Zwei Nächte Going Underground
ndPlusAlmut Schröter

Zwei Nächte Going Underground

Kennen Sie schon den Keksfilm? Eine Frau kauft sich vor der Reise etwas zu knabbern, trifft auf einen freundlichen Mann und stößt ihn vor den Kopf. »Taking The Biscuit« ist momentan in der U-Bahn zu sehen beim schon siebenten und immer noch einzigartigen Kurzfilmfestival »Going Underground«. Bis zum 5. Februar ist das Untergrundkino unter Festivalleitung von Fred Kuhaupt vom Fahrgastfernsehen Berl...

Seite 18
Andreas Fritsche

Neues Palais wird am offenen Herzen operiert

726 Millionen Euro sind für die dringende Sanierung der preußischen Königsschlösser in Berlin und Brandenburg in den nächsten 25 Jahren notwendig. 357 Millionen müssten innerhalb der nächsten zehn Jahre investiert werden. Ein knappes Drittel dieser Summe sei inzwischen gesichert, sagte Generaldirektor Hartmut Dorgerloh gestern, als er die Bilanz der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten vorstel...

ndPlusBernd Baumann

Schulbus: SPD legt Rückwärtsgang ein

Am Mittwoch und Donnerstag dominierten bei der Neujahrsklausur der SPD-Landtagsfraktion in Neuruppin sozialpolitische Themen. Angesichts des Zuspruchs, den die oppositionelle Linksfraktion für ihre Forderungen nach einem kostenlosen Schulessen oder nach elternbeitragsfreien Schulbussen erhielt, steht die Regierungspartei SPD zunehmend unter Druck. Da in diesem Jahr Kommunalwahlen und im nächsten J...