Ausgabe vom 06.11.2008

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Jürgen Reents

Das andere Amerika

Mag sein, dass die US-Truppen aus Irak langsamer abgezogen werden, als Obama angekündigt hat. Mag sein, dass manches, was er an neuer sozialer Gerechtigkeit verspricht, auf der Strecke bleibt. Mag sein, dass Obama den Weg atomarer Abrüstung mit Schritten geht, die für die Vision einer baldigen Welt ohne Atomwaffen sehr klein anmuten. Mag sein, dass seine Maßnahmen zur ökologischen Rettung des Plan...

Barack Obama verspricht den Wandel

Mit einem historischen Wahlsieg hat der 47-jährige Barack Obama eine neue Ära in den USA eingeleitet. Erstmals wird mit dem Demokraten ein Schwarzer die Geschicke der Vereinigten Staaten lenken.

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Freude mit Abstrichen

Staats- und Regierungschef aus aller Welt haben Barack Obama zum Wahlsieg gratuliert. Die Glückwünsche fielen aber unterschiedlich herzlich aus.

Die internationale Lage wird sich verbessern

Die internationale Lage wird sich verbessern

Am Rande der »Election Night«, einer Großveranstaltung der US-amerikanischen Botschaft in der Wahlnacht vom Dienstag zum Mittwoch in Berlin, beantwortete der namhafte Politikwissenschaftler Professor William M. Chandler (68) von der University of California (San Diego) Fragen von Reiner Oschmann.

ndPlusOliver Händler

Die Jugend wollte den Wechsel

Fast zwei Jahre lang haben Barack Obama und John McCain versucht, bestimmte Schichten in der Bevölkerung auf die eigene Seite zu ziehen. Barack Obamas Botschaften sind offensichtlich besser beim Wähler angekommen. Umfragen an den Wahlurnen zeigen, bei wem er auf offene Ohren stieß.

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Max Böhnel, New York

Party in Harlem

Als kurz vor 23 Uhr die Nachricht von Barack Obamas Wahlsieg auf dem Riesenbildschirm des Fernsehsenders MSNBC vor dem Adam-Clayton-Powell-Hochhaus verkündet wird, brechen die 10 000 Menschen, die seit Stunden ausgeharrt haben, in minutenlangen Jubel aus.

Reiner Oschmann

Hoffnungsträger siegte über Mann von gestern

Obgleich es von nun an aufschlussreicher sein wird zu sehen, was Barack Obama ab 20. Januar im Amt tut, legt es die so eindeutige Wahl des ersten nichtweißen Präsidenten in der USA-Geschichte nahe, die wichtigsten Gründe für den Sieg zu suchen:

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Aktionswochen gegen Antisemitismus

Berlin (ND-Beyer). Die bundesweiten »Aktionswochen gegen Antisemitismus« sind gestern in Berlin offiziell eröffnet worden. 160 Organisationen beteiligen sich an dem von der Berliner Amadeu-Antonio-Stiftung initiierten Projekt, das nach Angaben der Stiftungsvorsitzenden Anetta Kahane in diesem Jahr in die fünfte Runde geht. Mit fast 400 Veranstaltungen sollen Diskussionen zu aktuellem und historisc...

Hendrik Lasch, Magdeburg

Rechtsrock neben dem Flüchtlingsheim

Nach einem Rechtsrock-Konzert mit 450 Gästen im sachsen-anhaltischen Halbke gibt es Kritik an der Polizei. Diese hatte zwar ein benachbartes Flüchtlingsheim schützen, das illegale Konzert aber nicht verhindern können.

Notbremse für Börsengang
ndPlusGabriele Oertel

Notbremse für Börsengang

Die Deutsche Bahn wird voraussichtlich nicht mehr vor der Bundestagswahl 2009 an die Börse gehen. Ob damit der Streit um die dabei winkenden Bonus-Zahlungen für den Bahn-Vorstand und das Wissen des zuständigen Ministers Wolfgang Tiefensee (SPD) erledigt ist, wird sich zeigen.

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Metaller drohen mit unbefristetem Streik

Neckarsulm/Frankfurt (dpa/ND). An ihrem fünften Warnstreik-Tag hat die IG Metall den Arbeitgebern ein Ultimatum gestellt. Wenn bis zur nächsten Verhandlungsrunde am Dienstag in Baden-Württemberg kein besseres Angebot vorliegt, sei die IG Metall umgehend zum Streik entschlossen, sagte Gewerkschaftschef Berthold Huber. »Am 11. November gibt es eine Einigung oder es kommt zum Arbeitskampf.«Noch hoffe...

Markus Drescher

30 000 für radiomultikulti

Der Widerstand gegen die Schließung des Senders radiomultikulti des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) verstummt seit Monaten nicht. Ganz im Gegenteil, der öffentliche Druck, den Sender zu erhalten, wächst. Die Gegner einer Schließung hoffen, dass sich auch der RBB-Rundfunkrat heute für einen Erhalt ausspricht.

Hessen auf dem Weg zu Neuwahlen

Nach dem Scheitern Andrea Ypsilantis beraten die Parteien in Hessen über einen Ausweg – am wahrscheinlichsten ist jener über Neuwahlen.

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Erneut US-Bomben auf afghanischen Hochzeitszug

Erneut hat ein Luftangriff der USA-Besatzungsarmee in Afghanistan Todesopfer unter Zivilisten gefordert. Etwa zur gleichen Zeit hatte Afghanistans Staatschef vom neuen US-Präsidenten ein Ende der zivilen Opfer in Afghanistan gefordert.

Seite 7
Axel Goldau

EU spielt Marokko in die Karten

Die Europäische Union plant eine »privilegierte Partnerschaft« mit dem Königreich Marokko. Die Interessen der Westsahara werden dabei schlicht ignoriert und die Annexion durch Marokko indirekt unterstützt.

Irina Wolkowa, Moskau

Russland bleibt Antwort nicht schuldig

Schlug gestern die eigentliche Geburtsstunde eines neuen Russlands? 15 Jahre nach Inkraftsetzung der Verfassung, an deren ungenutzte Möglichkeiten Präsident Dmitri Medwedjew in seiner ersten Jahresbotschaft an die Föderale Versammlung mehrfach erinnerte? Das Auditorium im Kreml bejahte die Frage schon dadurch, dass es die 125-minütige Ansprache gut zwei Dutzend Mal mit stürmischem Beifall unterbrach.

ndPlusBoris Kanzleiter, Belgrad

Kosovo bleibt Staat im Wartestand

Der Optimismus in Pristina war grenzenlos, als sich das Parlament der Kosovo-Albaner vor knapp neun Monaten von Serbien lossagte. Innerhalb weniger Tage würden über 100 Staaten die ehemalige serbische Provinz als selbstständigen Staat anerkennen, kündigte Premierminister Hashim Thaci kurz vor der Unabhängigkeitserklärung am 17. Februar an.

Seite 8
ndPlusSilvia Ottow

Geschwätz von gestern

Als einige Wirtschaftsexperten, Gewerkschafter und Oppositionäre angesichts des Finanzdesasters ein Konjunkturprogramm forderten, zog die Kanzlerin die Mundwinkel herunter. Bloß nicht so ein Teufelszeug, von dem am Ende noch jene profitieren, die auf den unteren Rängen der Gehaltslisten stehen oder bei der Rentenversicherung oder dem Arbeitsamt geführt werden. Reichen die Subventionen und unterneh...

ndPlusKurt Stenger

Konjunktur-Psychologie

Psychologie spielt in der Wirtschaft eine nicht unwichtige Rolle – darüber sind sich Ökonomen ausnahmsweise mal weitgehend einig. An diese eher banalen, wenig aussagekräftigen Feststellung klammert sich auch die Bundesregierung in ihrem gestern beschlossenen Konjunkturpaket. Jener Logik nach bietet es finanzielle Anreize – vor allem für Unternehmen, die mit zinsgünstigen Krediten und S...

René Heilig

Raketen gegen Raketen

Noch nicht im Amt, hat Obama schon ein Problem der größeren, wenn nicht sogar der weltpolitischen Art. Russlands Präsident sprach gestern zu Obama – via eigenem Volk. Er teilte mit, dass er bei Kaliningrad Iskander-Raketen stationieren werde, um die US-Pläne einer Raketenabwehr in den Neu-NATO-Staaten Polen und Tschechien zu neutralisieren. Das Szenario kennt man aus (leider noch nicht?) ver...

Fabian Lambeck

Ausgetreten

»Die Freiheit ist ein Luxus, den sich nicht jedermann gestatten kann«. Diesen Ausspruch Otto von Bismarcks nahm sich anscheinend auch einer seiner Nachfahren zu Herzen. Carl Eduard Graf von Bismarck, Ur-Ur-Enkel des »Eisernen Kanzlers«, nahm sich während seiner knapp dreijährigen Karriere als CDU-Bundestagsabgeordneter die eine oder andere Freiheit – Adel verpflichtet. Der blaublütige Parlam...

Ist das Mahnmal zu kitschig?

Ist das Mahnmal zu kitschig?

ND: Wann entstand der Gedanke, mit einer Skulptur an den Transport zur Rettung jüdischer Kinder im Jahre 1938 vom Bahnhof Berlin-Friedrichstraße nach Großbritannien zu erinnern? Stegemann: Der Gedanke, am Bahnhof Friedrichstraße mit einer Skulptur an die Transporte zu erinnern, entstand im Jahr 2000. Projektkoordinatorin Lisa Schäfer traf damals in London Bertha Leverton bei einem Treffen der Kind...

Seite 9
Rainer Holze

Aus dem Schatten des Oktobers

Zu Unrecht ist die deutsche Revolution von 1918/19 aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Selbst die etablierte Geschichtsforschung nimmt sich ihrer nicht mehr an. So bleibt es linken Stiftungen und Vereinen sowie ihnen verbunden Historikern vorbehalten, dafür zu sorgen, dass diese bedeutsamste antiimperialistische Massenbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts nicht gänzlich der Vergessenheit...

Künstler, Kult, Klee (und Koons)
ndPlusPeter H. Feist

Künstler, Kult, Klee (und Koons)

Am letzten Oktobertag übergab der in einen aktiven Ruhestand gehende Peter-Klaus Schuster, der wortgewaltige Generaldirektor der Berliner Staatlichen Museen, das Amt seinem Nachfolger Michael Eissenhauer. Inmitten der Baustelle des Neuen Museums applaudierten ihm hunderte Kunstfreunde in einem wahren Kult des Kurators und wurde er in geistreichen Reden gewürdigt. Der Regierende Bürgermeister Klaus...

Seite 10
Marion Pietrzok

Nur die Liebe zählt

Leuchtendgelbes Kleid, rotblonde Haare, strahlend-naives Gesicht, leichter Überbiss – wie die junge Englisch-Lehrerin Fiona (Fiona Gordon) an der grünen Wandtafel vor der Schulklasse steht und wie sie Zungenbrecher übt – da können Kinder nur Spaß haben. Und wie dann der blau-rot-weiß gekleidete Sportlehrer Dom (Dominique Abel) – ihr Ehemann – mit einer anderen vergnügten Kl...

Hanno Harnisch

Ein Quantum was?

Jedesmal, wenn es einen neuen James-Bond-Film gibt, wird ein Riesenapparat in Bewegung gesetzt, ihn mit den vorhergehenden in eine Beziehung zu bringen. Warum eigentlich? Dass Bond weiterhin eine Marke bleibt, dass möglichst viele Menschen sich diesen Film ansehen, dass in diesem aktuellen Fall aus 200 Millionen Dollar Produktionskosten (bisheriger Rekord bei den Bond-Filmen, der erste kostete ger...

ndPlusLilian-Astrid Geese

Die Schuld

September 1982. Die israelische Armee hält Südlibanon besetzt. Der gewählte Präsident des Landes, Bashir Gemayel, wird ermordet. Die Schuld tragen, so behaupten seine Anhänger, palästinensische Terroristen, obwohl drei Wochen zuvor alle PLO-Kämpfer evakuiert wurden. In einem Akt der Vergeltung verüben christliche Falangisten ein Massaker in den Flüchtlingslagern Sabra und Shatila. Mehrere Tausend ...

ndPlusWolfgang Schmidbauer

Bond, hysterischer Mann

James Bond hat mit seinem Autor Ian Fleming das vaterlose Aufwachsen gemeinsam. Seinem Romanhelden lässt Fleming gleich beide Eltern sterben, als der kleine James neun Jahre alt ist. Dass das eine extrem traumatische Erfahrung ist, wird mit keinem Wort erwähnt. Als nächstes biografisches Detail über Bond erfahren wir, dass er ein von diesen Eltern ererbtes Vermögen hat, das ihn unabhängig macht, u...

Seite 11
STARporträt

STARporträt

Mit einem gefühlvollen Part präsentiert sich der Schauspieler in seinem neuen Film »Die Tränen meiner Mutter« – auf einer Fahrt durch Buenos Aires zu seinem todkranken Vater, auf der er sich an seine Kindheit erinnert, die er mit den Eltern in einer Berliner WG verbrachte – geflohen vor der argentinischen Militärjunta. In den letzten Jahren ist Fabian Busch (*1.10.1975 Ost-Berlin, Foto...

www.opensourcedvd.de

www.opensourcedvd.de

Die weite Welt des Internet bietet etliche Verlockungen – und birgt ebenso viele Gefahren: Schwer, Seriöses von Halbseidenem zu unterscheiden. Speziell beim Software-Download ist Vorsicht geboten. Dennoch – es gibt sie tatsächlich, die uneigennützigen Programmierer, die ihre Entwicklungen kostenfrei ins Netz stellen. Angetrieben allein von der Vision, einfachen Nutzern Alternativen zu ...

Nachrichten

WABNITZ VERDÄCHTIGT. Der derzeitige ARD-Korrespondent in Rom und ehemalige Chef der »Tagesschau«, Bernhard Wabnitz, soll vom DDR-Geheimdienst als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) geführt worden sein. Ein Sprecher der Stasiunterlagen-Behörde sagte gestern, in den archivierten Unterlagen der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA), des Auslandsgeheimdienstes der DDR, sei eine Registernummer aufgetaucht, die ...

ndPlusHarald Neuber

Kampf um die Wahrheit

Für Luis Britto befindet sich Venezuela in einer Schlacht. »Mit dem dritten Jahrtausend ist Venezuela in einen medialen Krieg eingetreten, dessen Ziel letztlich die Eroberung der größten Erdölreserven der Erde ist«, sagt der Journalist und Sozialwissenschaftler. Beide Konfliktparteien stehen im eigenen Land: die gewählte Regierung von Präsident Hugo Chávez auf der einen Seite, die privaten Pressek...

Hanno Harnisch

Vergessen unmöglich

Der erste Satz eines Filmes ist oft entscheidend. Darüber, ob der Zuschauer Zugang findet. Ob er sich einlässt auf die Geschichte, die ihm ein Film erzählen will, ganz egal, ob Fiktion oder wahres Leben. »Als ich nach Amerika kam, wollte ich alles hinter mir lassen. Ich wollte schweigen, nie mehr darüber sprechen.« Das sind die ersten Worte des Films »Gerdas Schweigen«. Gebrochenes Schweigen ist d...

Seite 12
Fokke Joel

Nein sagen oder ...

Er ist Meister des kurzen Satzes. In Polen kennen ihn viele, weil er von 1995 bis 2001 im Fernsehen eine Talkshow hatte. Oder weil sie die Gazeta Wyborcza lesen, dessen Reportagechef er ist. In Deutschland haben nur wenige von Mariusz Szczygiel gehört. Das sollte sich ändern. In kurzen Sätzen lassen sich, wie man hier sieht, gut lesbar komplexe Zusammenhänge beschreiben und Widersprüche härter for...

ndPlusHarald Loch

Ost-West Geschichten

Solche Romane gibt es in der deutschen Gegenwartsliteratur kaum mehr: Erotik plus Zeitgeschichte, Ost-West plus vorher wie nachher, ein sich aus vielen Fesseln herauskämpfendes Männertrio plus mehrfach gewechselte Liebeserzählungen und noch vieles mehr. Arno Orzessek schafft dieses Wunder in einem großen Roman, den eine gut gebaute Geschichte ebenso zusammenhält wie eine mit Geistesblitzen und Ape...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Ein Albtraum, vergiss ihn

Als die bunten Zirkuswagen über die Brücke rollten, stand über dem Wald ein Regenbogen. Doch Verzauberung würde sich erst später einstellen. Denn es war ein kleiner, armseliger Zirkus, der sich SARRASSINI nannte, um wenigstens ein bisschen an den berühmten SARRASSANI zu erinnern. Ein Löwe, einige Schlangen, ein Kamel, ein alterssteifer Bär und Pferde, die die Ausrüstung ziehen mussten, bevor sie i...

Seite 13

Leseprobe

Der Kapitalismus hat in Deutschland einen schlechten Ruf. »Kapitalist« ist ein böses Schimpfwort, und »neoliberaler Turbokapitalismus« ist geradezu verachtenswert. Ein ordentlicher Sozialist versteht in den Augen der Mehrheit der Bevölkerung zwar nichts von der Wirtschaft, aber er meint es wenigstens gut mit den Menschen; und wer sich selbst nicht als Sozialist sieht, ist sich mit allen Sozialiste...

Jens Grandt

Eine beflügelnde Wende

Sehr oft sind sozialwissenschaftliche Jahrbücher nichts anderes als Anschlagtafeln beziehungslos zueinanderstehender Artikel. Nachdem das im Jahre 2004 neugegründete Marx-Engels-Jahrbuch diese Phase überwunden hat, dominiert der Diskurs. Und so soll es ja auch sein: Ein Podium für Meinungsstreit, eine Bühne, auf der Interpretationen vorgeführt werden, die in den Kommentaren einer historisch-kritis...

ndPlusGerhard Klas

Statt Hadsch manch Quatsch

Als die Kommunistin Clara Zetkin mit einer Gruppe von Gesinnungsgenossen die Grenze zur jungen Sowjetunion übertrat, forderte sie ihre Mitreisenden auf, die Schuhe auszuziehen, denn der Boden, den man betrete, sei »heiliger Boden«. Und schon Friedrich Engels wies im 19. Jahrhundert auf die Gemeinsamkeiten zwischen den Urchristlichen Gemeinden und der sozialistischen Bewegung hin: Beide seien Produ...

Seite 14

Siemens legt Milliarde zurück

München (AFP/ND). Siemens legt wegen seines Schmiergeldskandals eine Milliarde Euro für den angestrebten Vergleich mit der US-Börsenaufsicht SEC und den deutschen Behörden zur Seite. Die Rückstellung werde noch in den Jahresabschluss des am 30. September zu Ende gegangenen Geschäftsjahres gebucht, teilte der Elektronikkonzern am Mittwoch in München mit. »Der Betrag basiert auf der Einschätzung des...

Neuer Betreiber für Atomlager Asse

Berlin (dpa/ND). Die Sicherung des maroden Atommülllagers Asse in Niedersachsen kann jetzt angepackt werden. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch förmlich den Betreiberwechsel vom Helmholtz Zentrum München zum Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Mit diesem Wechsel zum 1. Januar 2009 würden die Voraussetzungen für eine sichere und zügige Stilllegung der Schachtanlage Asse II geschaffen, erklärt...

Michael Lenz, Bangkok

Arbeitsdroge Ecstasy

Im Westen gelten sie als Partydrogen. In Entwicklungs- und Schwellenländern hingegen sind sie Arbeitsdrogen: »Amphetaminartige Stimulanzien« (ATS) wie Ecstasy. In den aufstrebenden Ländern Asiens steigt die Nachfrage nach den synthetischen Drogen, während sie im Westen stagniert. Den Wert von Produktion und Vertrieb weltweit schätzt das UNO-Büro für Drogen und Kriminalität (UNODC) in seinem jüngst vorgestellten Bericht »Amphetamines and Ecstasy 2008« auf 65 Milliarden US-Dollar.

Dieter Janke

Rezession unausweichlich

Noch in den Sommermonaten überwogen die Hoffnungen, dass die realwirtschaftlichen Folgen der von den USA ausgegangenen Finanzkrise marginal bleiben könnten. Inzwischen kreisen die Debatten jedoch nicht mehr um die Frage, ob es zu einer Rezession kommt oder nicht, sondern nur noch um deren Dimensionen.

Ralf Klingsieck, Paris

Streit um das Recht auf Suizid

Auf dem Platz der Menschenrechte gegenüber dem Eiffelturm forderten am vergangenen Wochenende mehr als tausend Menschen Gesetze, die den letzten Willen der Patienten für verbindlich erklären und sowohl aktive Sterbehilfe als auch den medizinisch begleiteten Suizid erlauben.

Seite 15
Alexander Ludewig

Voronin warnt vor Charkow

Für Andrey Voronin ist es mehr als nur eine Dienstreise mit Hertha BSC in die zweitgrößte Stadt der Ukraine. Die Berliner treffen heute am 2. Spieltag der Gruppenphase im UEFA-Pokal auf Metalist Charkow. Der ukrainische Auswahlstürmer kennt natürlich den Gegner und die Atmosphäre im mit knapp 40 000 Fans ausverkauften Metalist-Stadion. Vor kurzem erlebte er sie mit der Nationalelf in der EM-Qualif...

Jürgen Holz

Deutsches Eishockey im Härtetest

Die Deutsche Eishockey-Liga pausiert, aber die Puckjagd geht trotzdem weiter. Denn morgen beginnt der Deutschland-Cup, der seine traditionelle Austragungsstätte Hannover verlassen hat und nach Mannheim und Frankfurt am Main gewechselt ist. Zum Auftakt treffen in Mannheim der 24-fache Weltmeister Kanada und der umformierte Ex-Weltmeister Slowakei sowie Deutschland und der Vorjahrssieger und Gastgeb...

ndPlusAndreas Frank

»Ohne Gegenwehr, ohne Mumm«

Nach einer 90-minütigen Demütigung gehen für Werder Bremen in der Champions League langsam die Lichter aus. Nach drei Unentschieden in Folge wurde der deutsche Vizemeister am Dienstagabend von Panathinaikos Athen vorgeführt und verlor verdient mit 0:3 (0:0) im Weserstadion. Damit ist Werder Gruppenletzter und muss sogar um die Qualifikation für den UEFA-Pokal bangen. Dafür müssten die Bremer den d...

Seite 17

Ratschlag zieht Jahresbilanz

(ND-Kammer). Der »Ratschlag für Demokratie« hat gestern eine erste Bilanz seiner Arbeit gezogen und den Opfern des antijüdischen Terrors vor 70 Jahren gedacht. Das Gremium, dem u.a. der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck, RBB-Intendantin Dagmar Reim, Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (LINKE) und weitere namhafte Persönlichkeiten angehören, war von knapp einem Jahr gegründet worden, u...

Lichtgestalt

Bildungs- und Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner weht derzeit der Wind kräftig ins Gesicht. Das Pilotprojekt Gemeinschaftsschule nimmt in diesem Jahr nicht so recht weiteren Schwung auf (die Zahl der interessierten Schulen ist gering), die Bezirke verlangen von Zöllner für dessen Pläne zur Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen mehr Geld und nächste Woche will das Personal an staatlichen Kitas...

Arm, alt und pflegebedürftig
Andreas Heinz

Arm, alt und pflegebedürftig

Das Rathaus Schöneberg wird für einen Tag zum Gesundheitszentrum. Mediziner und Politiker debattieren morgen während der fünften Landesgesundheitskonferenz (LGK) einen Tag unter anderem über die künftige finanzielle Situation der Krankenkassen und damit verbundene mögliche Veränderungen im Gesundheitswesen. Zu den herausragenden Themen sollen auch die Gesundheitsförderung und das Programm »Soziale...

ndPlusCharlotte Burg

»Die Wissenschaft lebt auch von ihrem Ruf«

»Für die Freie Universität als Exzellenz-Hochschule gibt es künftig 110 Millionen Euro mehr pro Jahr vom Staat und damit insgesamt 660 Millionen.« Das verriet Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) während einer Diskussionsrunde im Adlershofer Max-Born-Institut. Das zusätzliche Geld komme dem wissenschaftlichen System zugute. Die FU war 2007 in die Riege der deutschen Elite-Unis aufgenommen wor...

Seite 18
Bewegte Geschichte in Spandau
ndPlusRaphael Schapira

Bewegte Geschichte in Spandau

Der »Zug der Erinnerung« hat ein Gegenstück auf Asphalt bekommen – den »Bus der Erinnerung«. Die mobile Ausstellung mit dem Titel »Abgefahren« wurde von Schülern der Martin-Buber-Oberschule in Spandau in Zusammenarbeit mit der Jugendgeschichtswerkstatt konzipiert. Anlässlich des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht wird an die Vertreibung und Ermordung der Spandauer Juden erinnert. Aber auc...

Christoph Villinger

»Eklatante Mietsteigerungen«

»Fast überall in Kreuzberg liegen die Mieten inzwischen über dem Mietspiegel.« So fasste gestern der Stadtforscher Sigmar Gude seine Erkenntnisse über die drei Milieuschutzgebiete Bergmannstraße-Nord, Graefe-Kiez und den alten Postbezirk »SO 36« zusammen. Seit fast 20 Jahren erstellt der Soziologe alle drei Jahre im Auftrag des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg diese Studie. »Insbesondere bei N...

Seite 23
Robert Meyer

Arena der Rohheiten

Unterdrückung und Nutzbarmachung sind ein uraltes Paar. Auf Menschen bezogen: Wer weist wann und wie wem welche Rollen zu? Leo Tolstois Geschichte des Pferdes Leinwandmesser stellt auf tragische Art solche Fragen und kann zugleich den Geist schärfen für Mechanismen, die Gesellschaften zusammenhalten. Das Stück ist auch eine Metapher für allzu krasse Ausbeutung und brutale Unterdrückung. Eindrucksv...

Hansdieter Grünfeld

Leidenschaftliche Wiederholungstäter

Parallel zu den 1964 gegründeten Berliner Jazztagen (heute JazzFest Berlin) entstand 1968, initiiert von der Free Music Production (FMP), das Total Music Meeting (TMM). Bis heute sieht sich diese Veranstaltungsreihe als ein Forum für experimentelle, improvisierte Musik, die ihre Arbeitsweisen und Ergebnisse in workshophaften Begegnungen vorstellt und seit 1969 auch Tonträger produziert. Seit 2004 ...

»Ich mach dich alle!«
ndPlusLucía Tirado

»Ich mach dich alle!«

Ziemlich blöd, wenn keiner mehr da ist, der einem eine SMS oder einen Brief schickt, der anrufen könnte oder seine Witze erzählt. Kurz gesagt – es ist langweilig. Das zeigt sich in der Handlung des 1938 erschienenen Romans des schottischen Pädagogen Alexander Sutherland Neill »Die grüne Wolke«, der 1970 von Harry Rowohlt ins Deutsche übersetzt wurde. 2001 entstand daraus ein Fantasiefilm, Re...

Seite 24
Peter Jähnel

Erdrückt und vergraben

Eine 25 Jahre alte Frau muss sich seit Mittwoch wegen Tötung ihres Babys vor dem Landgericht Cottbus verantworten. Die Cottbuserin soll den Jungen laut Staatsanwaltschaft unmittelbar nach der Geburt Ende April erdrückt und die Leiche am Ufer des Gräbendorfer Sees (Oberspreewald-Lausitz) vergraben haben. Dort fand die Polizei das tote Kind Mitte Mai nach einem anonymen Hinweis.Die Anklage lautet au...

ndPlusWilfried Neiße

Gedenken braucht Stille, Zurücknahme

Wird die Erinnerung an den faschistischen Massenmord heutzutage wirklich »zum Problem«? Sind »neue Formen« der Erinnerung nötig? Die märkische Rosa-Luxemburg-Stiftung stellte sich am Mittwochabend im Potsdamer Filmmuseum solchen Fragen.Der Film »Am Ende kommen Touristen« des jungen Regisseurs Robert Talheim stimmte im voll besetzten Kinosaal auf eine später zähe Debatte ein. Lob für diese Arbeit h...