Ausgabe vom 14.11.2008

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Unten links

Die Vertrauensvorräte auf der Erde gehen dramatisch zur Neige. Politik, Wirtschaft, Banken – überall schwindet das Vertrauen. Interessant sind die Verschiebungen der Vertrauenskurse. Man sollte sie wie Börsenkurse regelmäßig veröffentlichen. Dabei würde ersichtlich, dass der Ackermann (Maßeinheit für die Vertrauenswürdigkeit der Banken) nach einer Umfrage zwar leicht gesunken ist, aber im Ve...

Regierung: Der Osten gewinnt Fahrt

Berlin (ND). Die Entwicklung in den neuen Ländern gewinnt nach Einschätzung des Aufbau-Ost-Ministers Wolfgang Tiefensee (SPD) »an Fahrt«. Zwar lägen Licht und Schatten nach wie vor beieinander. Der Osten sei aber auf gutem Weg, sagte Tiefensee am Donnerstag in der Bundestags-Debatte über den Bericht der Bundesregierung zur deutschen Einheit. Tiefensee wollte die Fortschritte bei der Einheit nicht ...

Dieter Janke

Geisterfahrer

Die Senkung der Sozialversicherungsbeiträge ist laut Schwarz-Rot nach wie vor der Königsweg für mehr Beschäftigung. Mit der Einführung des Gesundheitsfonds im kommenden Jahr sind jedoch kräftige Aufschläge bei der Krankenversicherung programmiert. Um wenigstens den Schein der Glaubwürdigkeit zu wahren, versucht die Bundesregierung deshalb eine dürftige Kompensation bei den Beiträgen für die Bundes...

Jürgen Reents

Eine Fälschung will Wahrheit

»Irak-Krieg beendet«, »US-Gefangenenlager Guantanamo Bay geschlossen«, »Patriot Act aufgehoben«, »Bush wegen Hochverrats angeklagt«, »Ölkonzerne verstaatlicht – Gewinne in Klima-Rettungsfonds eingespeist«: Es waren durchweg hoffnungsvoll gute Nachrichten in einer Sonderausgabe der »New York Times«. Nur: Die 14-seitige Zeitung war eine Fälschung. Eine »Kommunikationsguerilla« hatte sie im Originaldesign der NYT erstellt und in einer Auflage von 1,3 Millionen Exemplaren gedruckt.

Seite 2
»Es ist wieder Vernunft eingezogen«

»Es ist wieder Vernunft eingezogen«

ND: Die EU-Außenminister haben beschlossen, die Verhandlungen mit Russland über ein neues Kooperations- und Partnerschaftsabkommen ohne Vorbedingungen wieder aufzunehmen. War die Aussetzung der Gespräche nach der Kaukasus-Krise ein Sturm im Wasserglas? Kaufmann: Die EU muss ganz klar der Tatsache Rechnung tragen, dass das russisch-europäische Verhältnis von gegenseitiger Abhängigkeit geprägt ist, ...

Fabian Lambeck

Die Extremisten von der Linkspartei

Ein Gespenst geht um in Nordrhein- Westfalen. Politische Extremisten der Linkspartei bedrohen die parlamentarische Demokratie, heißt es. Deshalb sollten die Abgeordneten des Düsseldorfer Landtages am Donnerstag einem gemeinsamen Antrag der CDU- und FDP-Fraktion zustimmen und die LINKE als »extremistisch« ächten.

Irina Wolkowa, Moskau

Keine Alternative zum Dialog

Der 22. Gipfel Russland-EU, der am Freitag im französischen Nizza tagt, ist der erste nach dem russisch-georgischen Krieg. Von seinen Ergebnissen hängt daher ab, ob die Verhandlungen über ein neues Partnerschaftsabkommen, die Brüssel am 1. September ausgesetzt hatte, am 25. November wieder aufgenommen werden.

Seite 3
ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Kitsch-King beim Sonnenkönig

Die Konfrontation zeitgenössischer Kunstwerke mit altehrwürdiger Kunst als eine Methode, neue Erkenntnisse zu provozieren, klappt nicht in Versailles: Derzeit sorgen die dort präsentierten kitschigen Plastiken von Jeff Koons nicht für einen Dialog zwischen Alt und Neu, sondern für Kopfschütteln über derart unangebrachtes Marketing.

Der traurigste Tag in Ali Borays Leben
Karin Leukefeld, Damaskus

Der traurigste Tag in Ali Borays Leben

»Seit der Generation meiner Großväter lebte unsere Familie auf den Golan-Höhen in Beer-Ajam, einem kleinen Dorf, ungefähr hier.« Ali Boray (78) beugt sich über die Karte und sucht nach seinem Heimatort nördlich von Kuneitra. Die Familie Boray kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Syrien, als viele Tscherkessen im Zuge der Expansion des russischen Zarenreiches ihre kaukasische Heimat ...

Seite 4
Jürgen Elsässer

Reykjavik ruft Moskau

Wenn die Osseten oder die Serben die Russen zu Hilfe rufen, um sich westlicher Unverschämtheiten zu wehren, würde sich vermutlich niemand wundern. Nun aber aber bittet Island die Moskowiter um Unterstützung, ein NATO-Staat. Als sich die Insel vor einigen Wochen dem Staatsbankrott gegenübersah, fragte zunächst Premier Geir Haarde beim Kreml um Kredite nach. Präsident Olafur Grimsson hat jetzt noch ...

Klaus Joachim Herrmann

Sieg über die Sturheit

Alle sind ein wenig stolz auf sich, jeder präsentierte sich gestern als erfolgreich. Zwar ist es kein voller Erfolg, sondern nur ein erklärter Kompromiss, doch hat das Berliner Tarifergebnis für den öffentlichen Dienst viele Väter. Die Werktätigen streikten hart, ihre Gewerkschafter verhandelten ebenso, der Arbeitgeber hielt fast ein Jahr stand. Rot-Rot ließ sich 455 Euro jährlich pro Beschäftigte...

ndPlusRené Heilig

Bayern blockt bei BKA

So schnell kann's gehen. Ursprünglich gilt Bayern ja als das Bundesland, dem Polizei- und Geheimdienstgesetze nicht scharf genug sein können. Doch nun wird man dem neuen BKA-Gesetz, das am Mittwoch mit Unionsmehrheit durch den Bundestag gestimmte wurde, wohl nicht zustimmen können, wenn es im Bundesrat zur Bestätigung aufgerufen wird. Die FDP, vertreten durch die bayrische Landeschefin und ehemali...

Martin Ling

Wagemutig

An Mut fehlt es Rose Kabuye nicht: Sie sei bereit, in Frankreich auszusagen. Seit Sonntag sitzt die rechte Hand von Ruandas starkem Mann, Paul Kagame, in Frankfurt am Main in Auslieferungshaft. Der Termin für die Überstellung hänge nun allein von den französischen Behörden ab, sagte Staatsanwältin Hildegard Becker-Tousaint. Der Vorwurf des französischen Ermittlungsrichters Jean-Louis Bruguière hat...

Kapitalismus – was ist das?
ndPlusHarry Nick

Kapitalismus – was ist das?

Heiner Geißler, ehemals CDU-Generalsekretär, ist zwar für die Marktwirtschaft, aber gegen den Kapitalismus. Wer ist heute nicht wenigstens gegen den »Raubtierkapitalismus«? Ist der aber der eigentliche Kapitalismus oder nur eine Missbildung? Marx definiert Kapital als »prozessierenden Wert«, »Selbstverwertung des Werts«, bloße Plusmacherei. Der eigentliche Zweck des Wirtschaftens, die Produktion v...

Seite 5

Schäfer-Gümbel stellt sich hinter Ypsilanti

Wiesbaden (Agenturen/ND). Der hessische SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel hat sich demonstrativ hinter Landesparteichefin Andrea Ypsilanti gestellt. Sie habe »unglaublich viel« für die Sozialdemokratie geleistet, sagte Schäfer-Gümbel am Donnerstag in Wiesbaden. Er sei ihr »sehr dankbar«, dass sie weiter an Bord sei. Mit ihm gebe es kein »Ypsilanti-Bashing«. Er ließ aber offen, wie sich d...

ndPlusOliver Händler

Auch Betriebsräte von Telekom bespitzelt

Die Deutsche Telekom AG versinkt weiter im Sumpf der Datenschutzverstöße. Die Staatsanwaltschaft Bonn hat nun auch Betriebsräten mitgeteilt, dass ihre Telefondaten vom Konzern ausgespäht wurden.

ndPlusPatrick Widera

Aus der Arche wird ein Panzerkreuzer

Das Historisch-Kritische Wörterbuch des Marxismus (HKWM) wird pünktlich zur Finanzkrise 25 Jahre alt. Gleichzeitig entwickelt sich an über 30 Hochschulen im ganzen Land wieder reges Interesse, sich mit dem »Kapital« von Karl Marx auseinander- zusetzen. Zufällig beginnt der Band 7/I des HKWM mit dem Buchstabe K.

Hendrik Lasch, Dresden

»Zweitklassige Hochschulen, aber erstklassig kontrolliert«

Nach drei Jahren Streit in der Koalition wird in Sachsen heute ein neues Hochschulgesetz beschlossen. Zufrieden damit sind die wenigsten. Weil in die Freiheit der Forschung eingegriffen werde, drohen Verfassungsklagen.

Seite 6
ndPlusRené Heilig

Gefechtsklar zum Horn von Afrika

Das seit sieben Jahren laufende Mandat für die US-geführte Operationen »Enduring Freedom« (OEF) und »Active Endeavour« (OAE) ist gestern von der Koalitionsmehrheit des Bundestages um 13 Monate verlängert worden. Die bisherige Mannschaftsstärke von 1400 wurde auf 800 Soldaten gesenkt, Einsätze des Kommandos Spezialkräfte in Afghanistan sind im Rahmen von OEF nunmehr ausgeschlossen. Die LINKE bewert...

Anke Engelmann, Erfurt

Nun singt Dieter Althaus auch noch

Zwei Thüringer Parteien treffen sich am Wochenende zu Parteitagen: SPD und CDU. Während die CDU viel auf der Agenda hat, geht es die SPD ruhiger an.

Gabriele Oertel

Tiefensee nicht in die Wüste geschickt

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bleibt im Amt. Nach einer Stunden dauernden und zum Teil heftigen Bundestagsdebatte stimmten gestern 414 Abgeordnete gegen die von der FDP und den Grünen eingebrachte Forderung, Tiefensees Amtsführung zu missbilligen. Auch in einer zuvor von der LINKEN beantragten Aktuellen Stunde, die die Absetzung von Tiefensee und Bahn-Chef Hartmut Mehdorn thematisiert hatte, gab es herben Schlagabtausch.

Seite 7

Halbherziger Plan zur Einsparung

Brüssel (dpa/ND). EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat Europas neue Energie-Pläne als »Plan für die wirtschaftliche Erholung« bezeichnet. Die am Donnerstag vorgelegten Vorhaben sollten Europas Abhängigkeit von Öl- und Gaseinfuhren um 26 Prozent verringern und helfen, den Klimawandel einzudämmen. Die Projekte zum Energiesparen seien auch gut für die schwächelnde Wirtschaft. »Das ist der ...

Sebastian Heiligstedt

Europas verborgene »Schätze«

Die Europäische Kommission will die sieben EU-Regionen in äußerster Randlage »spezialisieren«. Das forderte die zuständige Kommissarin für Regionalpolitik, Daniele Hübner.

Vichy wird rehabilitiert
Sidar Aydinlik-Demirdögen

Vichy wird rehabilitiert

Anfang dieses Monats haben sich zwei Dutzend Innenminister und Staatssekretäre aus der Europäischen Union im französischen Vichy getroffen, um die Integration von Zuwanderern zu regeln. Nicht nur die Wahl des Tagungsortes sorgte für Unbehagen: Was die Innenminister am 3. und 4. November in puncto Integrationspolitik beschlossen haben, ähnelt sehr den deutschen Integrationssünden. Man will Migrante...

ndPlusHolger Elias, Brüssel

Agrarsektor bleibt das Sorgenkind der Ermittler

Es wird weiter getrickst und gemogelt: EU-Gelder werden zu Unrecht ausgezahlt oder verschwinden in dunklen Kanälen. Das ist das Ergebnis des in dieser Woche vorgestellten Jahresberichts des EU-Rechnungshofes, in dem auch der Kontrollmechanismus des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern kritisiert wird.

Seite 8

Briten für schnellen Abzug

Die Attacken von Untergrundkämpfern auf ausländische Soldaten in Afghanistan werden häufiger. Auch deshalb fordert die britische Bevölkerung den raschen Abzug ihrer Truppen.

Ursache für Unglück auf U-Boot umstritten

Moskau (AFP/ND). Nach dem Gasunglück an Bord des russischen Atom-U-Boots »Nerpa« mit 20 Toten machen die Behörden ein Besatzungsmitglied für das Drama verantwortlich. Ein Matrose habe ohne Grund das Feuerlöschsystem des Unterseeboots ausgelöst, teilte eine Untersuchungskommission nach Angaben der Nachrichtenagentur RIA Nowosti am Donnerstag mit. Der Mann habe sein Fehlverhalten bereits zugegeben.U...

Medwedjew bietet Raketen-Nulloption

Paris/Rom (dpa/AFP/ND). Der russische Präsident Dmitri Medwedjew hat im Streit um die Aufstellung weiterer Raketen in Mitteleuropa eine »Nulloption« angeboten. Außerdem plädierte er für ein »umfassendes Sicherheitssystem« für die Europa, Russland und die USA. Moskau sei bereit, auf die Stationierung von Raketen in der russischen Exklave Kaliningrad (dem Gebiet um das frühere Königsberg) zu verzich...

Seite 9

Siemens rutscht in die roten Zahlen

München (dpa/ND). Die Milliarden-Belastungen aus Konzernumbau und dem Korruptionsskandal haben den Elektrokonzern Siemens im Schlussquartal tief in die roten Zahlen gedrückt. Nach Steuern verbuchte der Konzern im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2007/08 (30. September) einen Verlust von 2,4 Milliarden Euro, nach einem Minus von 74 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Operativ schlug sich Siemen...

Infineon verlässt Arbeitgeberverband

Frankfurt am Main (Agentu-ren/ND). Die IG Metall hat den Austritt des Chip-Herstellers Infineon aus dem Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie heftig kritisiert. Infineon sei durch Managementfehler in die Krise geraten, wofür nun die Beschäftigten zahlen müssten, sagte der bayerische IG-Metall-Chef, Werner Neugebauer, der »Frankfurter Rundschau« vom Donnerstag. »Dies zeigt, wes Geiste...

Werner Birnstiel

China mischt mit

Chinas Führung will den gewachsenen wirtschaftlichen Einfluss bei den Verhandlungen über eine neue internationale Finanzarchitektur in die Waagschale werfen.

Seite 10

Jobchancen mit Mitte 50

Dauerhaft Erwerbslose über 50 zählen am Arbeitsmarkt zu den am schwersten zu vermittelnden Gruppen. Um sie zurück in den Job zu vermitteln, sei gezielte Förderung daher Voraussetzung, berichtet die Hans-Böckler-Stiftung mit Bezug auf eine aktuelle Studie der Uni Essen-Duisburg. Der Schlüssel zum Erfolg liege »in der Kombination von individueller Betreuung und Förderung von Langzeitarbeitslosen sow...

Günter Frech

Von unten oder gar nicht

»Die Franzosen haben die Bastille gestürmt, die Deutschen haben die Verwaltungsgerichtsbarkeit und den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit erfunden.« So schreibt der Staatsrechtler Bodo Pieroth im Vorwort seines juristischen Standardwerks zum Polizei-, Ordnungs- und Versammlungsrecht. Derzeit werden Unterschriften für eine Petition an den Bundestag gesammelt. Der »möge beschließen, den politischen S...

Barbara Martin, Stuttgart

Trübe Stimmung nach Metall-Tarifabschluss

Die Stimmung ist gedämpft bei der IG Metall. Nach dem Tarifabschluss mit 4,2 Prozent Lohnerhöhung binnen 18 Monate ist den Metallern nicht nach Jubel zumute.

Seite 11
Lesen, um davon zu erzählen
ndPlusMartin Hatzius

Lesen, um davon zu erzählen

Die Autobiografie des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez trägt den schönen Titel »Leben, um davon zu erzählen«. »Nicht was wir gelebt haben, ist das Leben«, erklärt der Autor darin, »sondern das, was wir erinnern und wie wir es erinnern, um davon zu erzählen«. Das jüngste Buch des Berliner Schriftstellers Jochen Schmidt trägt nicht den Titel »Lesen, um davon zu erzählen«, aber ...

Klaus Hammer

Dichte und Dauer

Tausendmal ist ihm die Frage gestellt worden: »Sind Sie verwandt mit dem …« Und im Tausendjährigen Reich wurde ihm auch nahe gelegt, den Namen des »berüchtigten jüdischen Literaten« abzulegen, mit dem er zwar nicht verwandt war, den er aber zeitlebens bewunderte. Nach dem Studium in Berlin und Dresden bereiste Herbert Tucholski 1927/29 und 1939/40 Rom, Florenz und die Toskana, nahm die Sehe...

ndPlusChristoph Funke

Die Welt im Container

Raum und Zeit sind in einen gesetzlosen Zustand gestürzt. Die Kontinente, Landschaften, Orte dieser Welt gleichen sich, haben ihre Eigentümlichkeit verloren. Menschen durchstreifen ein Niemandsland, ohne Halt zu finden. Lebende, Tote, Wiederauferstandene begegnen, treffen, verlieren sich. Noch gibt es die Sehnsucht nach Halt, nach Zuverlässigkeit, nach Liebe, aber auch diese Sehnsucht ist oft nur ...

Seite 12

Quergelesen

Schule lässt sich umgestalten – das ist in dem vorliegenden Buch allerdings eher im übertragenen Sinne gemeint denn als Aufforderung zur Änderung der Schulstruktur. Mit Pädagogik hat das Buch von Ute Reeh »Schulkunst – Kunst verändert Schule« (Beltz-Verlag, Weinheim und Basel 2008, 192 Seiten, 24,90 Euro) jedoch durchaus zu schaffen. Die Autorin – Künstlerin und Pädagogin in eine...

Bildungssplitter

Wiesbaden (ND). Die Zahl der Einschulungen in Deutschland ist weiter rückläufig. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden zu Beginn des laufenden Schuljahres 2008/09 in Deutschland 754 900 Kinder eingeschult. Das waren 2,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Am stärksten ging die Zahl der Schulanfängerinnen und -anfänger in Bremen (-7,3 Prozent) und in Schleswig-Holstein (-8,6 Prozent) zurück....

Leistungslohn für Lehrer?
Peter Nowak

Leistungslohn für Lehrer?

Wenige Tage vor der Vorlage der neuen PISA-Studie der Länder geht die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in die Offensive. In einer Pressemeldung fordert die neoliberale Denkfabrik den Leistungslohn für Lehrer. Der Zeitpunkt sei jetzt besonders günstig, weil in den nächsten Jahren ca. 650 000 Lehrer in Pension gehen. Zusammen mit dem ehemalige Schulleiter Bernhard Bueb, der in den letz...

Sabine Sölbeck

Es gibt kein Ost-West-Problem

Was wissen Jugendlichen über die DDR? Recht wenig und vor allem das Falsche, hatte eine Studie der FU vor einiger Zeit festgestellt. Anfang der Woche wollte der Deutsche Beamtenbund auf einer Podiumsdiskussion in Berlin die Gescholtenen selbst erzählen lassen, was sie von der Studie halten und über die Geschichte wissen. Mit dabei auch Lothar de Maizière, Ministerpräsident a. D. der DDR, und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble.

»Und gelacht wird auch«
ndPlusWalter Schmidt

»Und gelacht wird auch«

Philosoph wird man nicht, um reich zu werden. Doch den Bedarf vieler Menschen, dem Leben einen tieferen Sinn abzugewinnen, weiß der Bonner Markus Melchers seit nunmehr zehn Jahren auf überraschend beständige Weise umzumünzen.

Seite 13
ndPlusKlaus Heuck

Wir sind Antifa – immer

Europaweit morden Neonazis antifaschistische Widersacher und Migranten – allein in Russland fielen in diesem Jahr 80 Menschen dem rechten Terror zum Opfer. Mit einem internationalen Aktionswochenende wollen Antifaschisten in Berlin an die Ermordeten erinnern.

Steffi Holz, Köln

Empörung mit Verfallsdatum

»Pro Köln« will bis März einmal im Monat gegen den Neubau einer Moschee demonstrieren. Zum Auftakt der Demoserie kamen nur wenige Anhänger, aber auch die Gegner scheinen sich beim Aufstand der Anständigen vor zwei Monaten gegen einen Rassistenkongress verausgabt zu haben. Statt 50 000 verteidigten diesmal nur 150 Menschen das »weltoffene Köln«.

Bewegungsmelder

Protest gegen Schließung von Radio Flora (ND). Der Bundesverband Freier Radios (BFR) protestiert gegen die Entscheidung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM), dem Hannoveraner Radio Flora die Sendelizenz nicht zu verlängern. Damit werde ein selbstorganisierter, zugangsoffener und demokratisch strukturierter Programmveranstalter vom Äther genommen. Die NLM hat die »Flora-Lizenz« ab 1. Apr...

Anders gedenken – nur wie?
ndPlusTim Zülch

Anders gedenken – nur wie?

Gedenkpolitik ist ein umkämpftes Feld, denn Erinnerung verändert sich ständig. Auf einer Konferenz am Wochenende wurde diskutiert, was linksradikales Gedenken sein könnte.

Seite 14

Streitfrage: Kuba unter Raúl Castro – Wandel oder Kontinuität?

Es debattieren: Heinz Langer, Jahrgang 1935, von 1975 bis 1979 und von 1983 bis 1986 DDR-Botschafter in Kuba, jetzt aktiv u.a. in der Freundschaftsgesellschaft BRD–Kuba und Prof. Dr. Michael Zeuske, Jahrgang 1952, seit 1993 Professor für iberische und lateinamerikanische Geschichte an der Universität Köln, Autor mehrerer Bücher zu Kuba und Lateinamerika....

Das Erreichte als Ausgangspunkt
ndPlusHeinz Langer

Das Erreichte als Ausgangspunkt

In Kuba hat der Rückzug Fidel Castros von seinen staatlichen Ämtern nicht zu einer tiefgreifenden Veränderung, die eine kontinuierliche Entwicklung der Revolution in Frage stellen würde, geführt. Fidel Castro selbst hat begründet, welche Faktoren die eigentliche Gefahr für den sozialistischen Entwicklungsprozess sein könnten. In erster Linie begründete er, dass dies die eigenen, die subjektiven Fe...

Michael Zeuske

Notwendige Reformen scheiterten

Das heutige Kuba ist das Ergebnis der Geschichte, nicht etwa das Ergebnis der Herrschaft einer Diktatur oder zweier Brüder. Allerdings spielen Herrschafts- und Gesellschaftstypen in der Geschichte durchaus eine Rolle. Aus dem Blick spätkapitalistischer Gesellschaften stellt die kubanische Gesellschaft seit spätestens 1962 eine Anomalität dar; aus Sicht der Masse der Kubaner und vieler Menschen der...

Seite 15

Mehr Gesetz

Mehr Richter verspricht die Justizsenatorin dem Sozialgericht. Das wird der Hartz IV-Klagen nicht mehr Herr. Doch ist das Problem nicht zuerst der Zustand des Gerichtes, sondern jener allzu traurige des Gesetzes. Experten haben seit dessen Anbeginn die Unschärfen und Missdeutbarkeiten des offenkundig schlampig zusammengehauenen Regelwerks beklagt. Deutbarkeit wiederum öffnet Verwaltungswillkür Tür...

Bernd Kammer

BVG fährt in die Finanzkrise

Jetzt droht auch die BVG ein Opfer riskanter Finanzgeschäfte zu werden. Weil das hochverschuldete Unternehmen zwischen 1997 und 2002 über das sogenannte Cross-Border-Leasing (CBL) 511 Straßenbahn- und 427 U-Bahnwagen an US-Investoren verkauft und sofort zurückgemietet hat, muss es jetzt Rückstellungen in Höhe von 157 Millionen Euro bilden. »Das ist ein Sicherungspaket für den Fall, dass einer oder...

»Ein guter Tag« – für harsche Worte
Rainer Funke

»Ein guter Tag« – für harsche Worte

»Strukturkonservative Almosenpolitik« warfen die Grünen gestern im Abgeordnetenhaus dem Senat vor, die CDU sprach von »gemeinschaftsschädigendem Verhalten«, die FDP von einem unnötigen Abschluss: Man debattierte über die kurzfristige Einigung mit der Tarifgemeinschaft, nach der die Angestellten im öffentlichen Dienst monatlich 65 Euro mehr bekommen, und zwar als Sockelbetrag. Es handele sich offen...

Seite 16

Dreimal Hoffnung

Mit Bantamgewichtler Denis Makarow (Bottrop), Weltergewichtler Jack Culcay-Keth (Darmstadt) und Halbschwergewichtler René Krause (Köln) kämpften am Donnerstagabend (nach Redaktionsschluss) drei deutsche Amateurboxer bei den EM in Liverpool um den Einzug in die Finals. Keiner aus dem Trio stand vor einer vermeintlich aussichtslosen Aufgabe. Makarow boxte gegen den Engländer Luke Campbell, Krause tr...

ndPlusMichael Müller, Dresden

Puerto Rico gewinnt pünktlich

Um 15 Uhr setzte gestern der Gong von Hauptschiedsrichter Ignatius Leong (Singapur) im Internnationalen Kongresszentrum von Dresden den sportlichen Teil der 38. Schacholympiade in Gang. Zeitgleich trat eine neue Regel in Kraft, die mit einer alten nonchalanten, geruhsamen Gepflogenheit des Turnierschachs brechen soll: dem Zuspätkommen. Wer beim Gong nicht am Brett sitzt, dem wird das Spiel als ver...

Gesund und aktiv

Gesund und aktiv

(ND-Meyer). In den Messehallen unterm Funkturm beginnt heute die fünfte Landesgesundheitsmesse Berlin-Brandenburg gemeinsam mit der Seniorenmesse »Aktiv im Alter«. Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (LINKE) hat mit der Brandenburger Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler (SPD) die Schirmherrschaft übernommen. »Gesundheit im deutschsprachigen Raum« sei das diesjährige Thema, teilte die Senatsverwa...

Eisbären wahren Chance

Auch wenn das Halbfinale ohne Schützenhilfe nicht mehr zu erreichen ist, steht schon jetzt fest: Der dreifache deutsche Eishockeymeister Eisbären Berlin hat sich bisher bei der Premiere der Champions League mehr als achtbar aus der Affäre gezogen. Verständlich der Jubel bei den Berlinern nach dem 3:2-Erfolg nach Penaltyschießen beim vierfachen finnischen Meister Kärpät Oulu, weil mit den zwei Punk...

Schilderwechsel mit Augenmaß
ndPlusWolfgang Weiß

Schilderwechsel mit Augenmaß

»Zeitenwechsel – Schilderwechsel?« Das war das spannende und auch kontroverse Thema der Marzahn-Hellersdorfer Gespräche zur Geschichte, zu denen das Bezirksmuseum Alt-Marzahn und der Heimatverein des Stadtbezirkes im Berliner Nordosten am Mittwochabend geladen hatten. Dabei ging es vor allem um die Straßen-umbenennungen nach 1990 im damaligen Bezirk Hellersdorf.Dieter Winkler, früher Leiter ...

Seite 17
Das kleine Schwarze
Volkmar Draeger

Das kleine Schwarze

Picasso, Hemingway, Sartre, van Gogh taten es: Sie nutzten für spontane Aufzeichnungen die legendären Moleskine Notizbücher. Eine über 200-jährige Geschichte umweht jene handlichen, schwarzen Büchlein mit der verschließbaren Gummikordel, die gleichsam als Lesezeichen dient. In ihren unterschiedlichen Formaten sind sie bei Reisenden wie Ansässigen begehrte Objekte. Die kosmopolitische Firma mit Dép...

Zwischen Exerzierplatz und Magasin
ndPlusUta Herrmann

Zwischen Exerzierplatz und Magasin

»Noch nie gesehen« ist das Motto des 3. Europäischen Monats der Fotografie in Berlin. »Unsere Ausstellung über den ›Russischen Soldatenalltag in Deutschland‹ wird dem in besonderer Weise gerecht«, meint Margot Blank. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin und kommissarische Leiterin des Museums in Karlshorst erklärt, dass diese Aufnahmen in dieser Auswahl noch nicht gezeigt wurden. Auch...

Seite 18
ndPlusBernd Baumann

Wasser als Ware und Menschenrecht

Ist Wasser eine Ware oder ein Menschenrecht? Die Frage ist Thema der fünften Brandenburger Entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationstage (BREBIT). Heute werden sie eröffnet. Die Informationstage richten sich besonders an Schulen. Der Schirmherr, Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD), lobte gestern den Einsatz der Nichtregierungsorganisationen, die für die BREBIT verantwortlich zeichnen....