Ausgabe vom 20.11.2008

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Unten links

Den gescheiterten Börsengang der Bahn hat Wolfgang Tiefensee überstanden, ebenso den Skandal um die Bonuszahlungen für den Bahnvorstand, und sogar alle geplatzten Schönredereien zur Lage in den ostdeutschen Bundesländern. Aber nun kommt es ganz dick für ihn. Der Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung führt nämlich auch die Fachaufsicht über den Deutschen Wetterdienst. Dort sickerte g...

ndPlusOliver Händler

Halbherzig

Keine staatliche Förderung für rechtsextreme Parteien! Die Forderung ist gut, aber wieder einmal halbherzig. Sicher ist es grotesk, dass der demokratische Staat diejenigen finanziert, die ihn bekämpfen wollen. Die einfachste und im Gegensatz zu dem, was Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann von sich gibt, durchaus auch mögliche Lösung des Dilemmas ist ein Verbot dieser menschenverachtenden, ...

Opel bald mit Solarantrieb?

Der Bonner Solarzellenproduzent SolarWorld bekundete am Mittwoch überraschend sein Interesse an Opel. Derweil geht der Streit um staatliche Beihilfen für den Autobauer in eine weitere Runde, auch innerhalb der CDU/CSU-Fraktion.

ndPlusOliver Händler

Niedersachsen plant NPD-Pleite

Während ein neues Rechtsgutachten Grundgesetzänderungen vorschlägt, um die NPD von der staatlichen Parteienfinanzierung auszuschließen, zog die Amadeu Antonio Stiftung zehn Jahre nach ihrer Gründung eine gemischte Bilanz. Größtes Problem sei ihr chronischer Geldmangel.

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Auf den Spuren von Lafontaine

Kurz vor dem jüngsten Parteitag ist Senator Jean-Luc Mélanchon aus der Sozialistischen Partei (PS) ausgetreten. Der Sprecher derer in der Partei, die beim Referendum im Mai 2005 Nein zum EU-Verfassungsvertrag gesagt hatten, will mit seinem Austritt ein Zeichen setzen gegen das Abdriften der PS nach rechts. Mit ihm trat auch der Abgeordnete Marc Dolez aus. Die beiden wollen eine neue »Partei der Li...

Trotzkisten auf neuen Pfaden

Olivier Besancenot, Sprecher der Ligue Communiste Révolutionnaire (LCR), hat nur Hohn und Spott übrig für die Sozialistische Partei, die auf ihrem Parteitag in Reims »ein Bild des Jammers« geboten habe. Doch er will auch nichts mit Jean-Luc Mélenchon zu tun haben, von dessen neuer Linkspartei Besancenot argwöhnt, sie solle »nur eine neue Sozialistische Partei werden«.Den Sozialisten hat Besancenot...

Damenzweikampf auf der Zielgeraden
ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Damenzweikampf auf der Zielgeraden

Die Mitglieder der Sozialistischen Partei (PS) wählen am heutigen Donnerstag zwischen 17 und 22 Uhr den Nachfolger von François Hollande, der nach sechs Jahren den Parteivorsitz abgibt. Waren es vorige Woche noch sechs Strömungen, die ihre Kandidaten präsentierten, so ist daraus jetzt faktisch ein Zweikampf geworden.

Hans-Gerd Öfinger, Wiesbaden

»Verdammt schade«

Um 16.11 Uhr war es amtlich. Nach nur sieben Monaten beendete der hessische Landtag am Mittwoch in Wiesbaden die kürzeste Legislaturperiode seiner Geschichte und machte mit dem einstimmigen Beschluss über seine Selbstauflösung den Weg für Neuwahlen am 18. Januar frei. Das Kabinett des geschäftsführenden Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) bleibt im Amt.

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Marc Engelhardt, Nairobi

Somalias Piraten knackten den Jackpot

In diesem Jahr wurden im Golf von Aden und vor der Ostküste Somalias nach Angaben des International Maritime Bureaus (IMB) 95 Schiffe von Piraten angegriffen. Die Kaperung des saudischen Öl-Tankers »Sirius Star« ist der bisherige Höhepunkt.

Jung, weiblich und weltweit am Zug
ndPlusMichael Müller, Dresden

Jung, weiblich und weltweit am Zug

Schach ist Krieg, hier geht es um testosterongesteuertes Urgeschrei. Meint zumindest Ex-Weltmeister Garri Kasparow. Die 18-jährige Kieran Lyons, die immerhin den FIDE-Meistertitel, also einen der Leistungsränge des Schachweltverbandes, trägt, hat dafür nur ein leises Lächeln übrig. Ein sehr hübsches, das nebenbei mit dem ehrfürchtigen Vorurteil aufräumt, dass große Schachspieler unfehlbar seien. D...

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Peter Lessmann

Telekom-Skandal: Kinder ausgespäht

Die Spitzelaffäre bei der Telekom dehnt sich noch immer aus. Ausgespäht wurden offenbar auch Personen, die definitiv nicht zu den »undichten Stellen« des Unternehmens gehört haben können.

ndPlusVelten Schäfer

Schwankende Stimmung

Die SPD übt harte Kritik an einem Schulgesetz-Entwurf, die Union geht für das Lubminer Kraftwerk auf die Straße – im Nordosten hängt der Koalitionssegen schief.

ndPlusBarbara Höll

Homophobie erkannt – Problem verkannt

In den letzten Wochen haben sich die Überfälle auf Lesben und Schwule in Berlin gehäuft. Am S- Bahnhof Kaulsdorf in Hellersdorf griffen zwei Jugendliche ein lesbisches Paar an und besprühten es mit roter Farbe. Am Halleschen Tor in Berlin-Kreuzberg griffen Jugendliche einen schwulen Mann an, weil dieser sich mit einem Kuss von einem Freund verabschiedete. Der Grund für die Überfälle: Die Homophobi...

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Gabriele Oertel

SPD: Viel Kabale und wenig Liebe

Die wöchentliche Forsa-Umfrage wurde auch gestern wieder zur ausgewiesenen Demotivationsveranstaltung für die SPD. Unverändert 23 Prozent fuhren die Sozialdemokraten ein – und haben damit wacker ihren Tiefpunkt verteidigt. Was auch immer die Parteiführung im letzten Monat seit der Inthronisation des neuen alten Vorsitzenden Franz Müntefering unternahm – es zahlte sich bislang nicht aus.

Fabian Lambeck

»Spitzel-Affäre« in Hessens Linkspartei?

Als die Baunataler Kreistagsabgeordnete der LINKEN, Christa Pfeil, vor ein paar Tagen ihren Parteiaustritt verkündete, da schlugen die Wellen der Empörung hoch. Denn die gelernte Bürokauffrau warf ihren hessischen Ex-Genossen »Stasi-Machenschaften« vor. Angeblich sei sogar »ein Dossier mit Bewegungsprotokoll« eines missliebigen Parteimitgliedes erstellt worden.

Seite 6

China und Kuba in stabiler Kooperation

Chinas Präsident Hu Jintao hat zum Abschluss seines zweitägigen Besuchs am Dienstag (Ortszeit) in Kuba mehrere Wirtschaftsabkommen mit dem sozialistischen Staat geschlossen.

Hilmar König, Delhi

Indien hilft Tamilenflüchtlingen aus Sri Lanka

2000 Tonnen Nahrungsmittel, Bekleidung, Hygiene- und Sanitärartikel übergibt Indien an diesem Donnerstag der Vertretung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Sri Lankas Hauptstadt Colombo. Die Sendung ist für Tausende Kriegsflüchtlinge im Norden der Insel bestimmt.

Seite 7
Harald Neuber

Lateinamerika zwischen Traum und Albtraum

In Lateinamerika wird der Wahlsieg Barack Obamas als Fortschritt gesehen. Große Erwartung an eine neue USA-Politik gibt es südlich des Rio Grande aber nicht.

ndPlusManfred Schünemann

Der endlose Machtkampf in Kiew

Ein handlungsunfähiges Parlament, ein unbeliebter Präsident und eine instabile Regierung – die politische Krise der Ukraine wird zur unendlichen Geschichte. Obendrein erschüttert die Wirtschaftskrise das Land.

Seite 8
ndPlusSilvia Ottow

Die Genossen Apotheker

Es sei den deutschen Medikamentenverkäufern gegönnt, dass Krisen aller Art um ihre Branche stets einen Bogen machen. Bei jeder Gesundheitsreform wurde versucht, auch Pharmazie-Geschäfte ein wenig stärker an den Kosten des Gesundheitssystems zu beteiligen, es misslang jedes Mal. Apotheken haben eine gute Lobby, niemand will sie in der Nähe der Wohnung vermissen und wenn vom Apothekensterben auch nu...

ndPlusOlaf Standke

Cheney vor Gericht

Der Internationale Strafgerichtshof steht vor seinem ersten Prozess. Angeklagt ist der kongolesische Rebellenführer Thomas Lubanga wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Auch Dick Cheney soll auf die Anklagebank. Ein Geschworenengericht in Texas wirft dem US-Vizepräsidenten Mitverantwortung für die Misshandlung von Gefangenen in privaten Haftanstalten vor. Ermittlungen habe er ...

Dieter Janke

Schuldenfrei ist obsolet

Die Realität hat die Bundesregierung eingeholt. Angesichts des offenkundigen Konjunktureinbruchs musste sie den Etatentwurf für das kommende Jahr überarbeiten und hat sich notgedrungen endgültig vom hehren Ziel, die Nettoverschuldung in der nächsten Legislatur auf Null zu fahren, verabschiedet. Die Eckdaten der mittelfristigen Finanzplanung sahen konjunkturelle Schwankungen nicht vor. Doch Kanzler...

ndPlusPatrick Widera

Die Neutrale

Die EU will den Hergang des Konflikts zwischen Georgien und Russland im August dieses Jahres untersuchen lassen. Darauf einigten sich die EU-Außenminister in der vergangenen Woche. Um eine »vollständige Aufklärung der Ereignisse« zu erreichen, wird die schweizer Diplomatin Heidi Tagliavini die Leitung der Kommission übernehmen. Schweizer gelten gemeinhin als neutral und unverdächtig. Gesellt sich ...

Opel: Hilfe gegen Auflagen?

Opel: Hilfe gegen Auflagen?

ND: Der DGB Hessen-Thüringen fordert, dass an die staatlichen Hilfsmaßnahmen für Opel Bedingungen geknüpft werden. Was sind das für Bedingungen? Körzell: Opel befindet sich in einer Sondersituation, weil der Autobauer ein Teil des angeschlagenen General Motors-Konzerns ist. Wenn GM in den USA Gläubigerschutz beantragt, könnte dies unmittelbare Auswirkungen auf die deutschen Werke haben. Deshalb mu...

Seite 9
Christina Matte

Unsere Besten!

E s war im 18. Jahrhundert, als der Engländer Jonas Hanway den Regenschirm populär machte. Der Regenschirm ist ein nützliches Teil. Wenn es regnet, spannt man ihn auf und wird nicht nass.Regenschirme sind auf dem Markt relativ gut positioniert – sie werden gebraucht. Das ist mehr, als man von manch anderen Produkten sagen kann, zum Beispiel von Autos. Anders als Autos benötigen Regenschirme ...

Lianen überm Computer
ndPlusMartina Jammers

Lianen überm Computer

Gauguin suchte auf Haiti nach dem Paradies. Klaus Kinski kämpfte als »Fitzcarraldo« gegen den peruanischen Dschungel an und suchte inmitten der wuchernden Schlingpflanzen ein Opernhaus zu etablieren. Selten liegen Himmel und Hölle so nahe beieinander wie in den Tropen – jenem über 5000 Kilometer breiten Gürtel zwischen dem Wendekreis des Steinbocks und des Krebses. Eine fulminante Schau im B...

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Im Untergrund
ndPlusDaniela Fuchs-Frotscher

Im Untergrund

Ihre Decknamen waren Kama, Wanda-Lucja, Edith, Chszna, Danka-Mina und Zaneta-Zoska. Während des Zweiten Weltkriegs konspirierten sie als junge Mädchen und Frauen in Warschau gegen die deutschen Besatzer. Sie waren Verschwörerinnen, Soldatinnen der polnischen Untergrundarmee Armia Krajowa, der Heimatarmee, die der polnischen Exilregierung in London unterstellt war. Nicht minder mutig als ihre männl...

Nicht nur das Sichtbare

Wim Wenders, geboren 1945 in Düsseldorf, hatte seinen Durchbruch als Regisseur mit »Alice in den Städten«, 1973. In Cannes erhielt er 1984 die Goldene Palme für »Paris,Texas«, 1987 den Regie-Preis für »Der Himmel über Berlin« und 1993 den Großen Preis der Jury für »In weiter Ferne, so nah!« In Berlin bekam er 2000 den Silbernen Bären für »The Million Dollar Hotel« Jetzt hat er mit »Palermo Shooting« nach 15 Jahren das erste Mal wieder einen Spielfilm in Deutschland produziert, einen romantischen Thriller um Liebe und Tod, mit Campino, Giovanna Mezzogiorno und Dennis Hopper in den Hauptrollen. Eine der Bedeutungsebenen für »Shooting«: Fotos schießen. Finn, einer der erfolgreichsten Fotografen unserer Zeit, gespielt von Campino, dem Leadsänger der »Toten Hosen«, rast im offenen Cabrio von Termin zu Termin. Mal schießt er Models, mal Stadtpanoramen, die er dann in seiner »factory« digital bearbeitet bzw. verfremdet, bis er sich selbst fremd geworden ist. Erst in Palermo, der Stadt, die für Mord und Mafia steht, kommt er zur Besinnung, als er von dem Pfeil Amors, aber zuvor noch dem des Todes selbst getroffen wird – allerdings ohne zu sterben. Amor wird von Flavia (Giovanna Mezzogiorno) verkörpert, die als Restauratorin am Fresco »Il Trionfo della Morte« arbeitet und Frank, der Tod, als Kapuzenmann von Dennis Hopper. Mit Hopper hat Wenders schon vor 30 Jahren »Der Amerikanische Freund« gedreht. Und dessen Grausamkeit als Tod bricht er in Palermo durch eine unerwartete Zärtlichkeit.

Seite 11
mecom.verdi.de

mecom.verdi.de

Aufgrund des großen Interesses von Journalistenkollegen an den Hintergründen um die Vorgänge bei der Mecom-Gruppe, die in erstaunlich kurzer Zeit ein riesiges internationales Zeitungsimperium angehäuft hat, wurde von der Gewerkschaft ver.di eigens eine Internetseite eingerichtet. Dort findet man neben den neuesten Entwicklungen bei der »Berliner Zeitung« auch Informationen zum Stadtmagazin »tip«, ...

STARporträt

STARporträt

Mit seiner exzellenten Darstellung der widersprüchlichen Figur des Serienmörders Jean-Baptiste Grenouille in Tom Tykwers Verfilmung von Patrick Süskinds Bestseller »Das Parfüm« wurde der britische Schauspieler vor zwei Jahren international bekannt. Seitdem war er u.a. einer der sechs Bob-Dylan-Darsteller, der 19-Jährige, in Todd Haynes’ ungewöhnlichem Filmporträt »I’m Not There« &ndash...

Nachrichten

GEMIEDEN. Anlässlich des beginnenden Wahlkampfes in Hessen organisiert die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« (FAZ) Diskussionsforen mit Politikern der im Landtag vertretenen Fraktionen – mit Ausnahme der LINKEN. Auf Nachfrage von ND erklärte der Ressortleiter des Rhein-Main-Teils der FAZ, Peter Lückemeier: »Wir laden Die LINKE nicht ein, weil wir uns vom rechten und linken Rand fernhalten wol...

Hanno Harnisch

»Von hier aus regierst Du die Welt«

Die Tageszeitung »The Sunday Times« meldete am vergangenen Wochenende fast nebenbei, dass der Zeitungsmagnat David Montgomery seinen Aufsichtsratsvorsitz bei der Mecom Group abgibt. Seine Position als Vorstandsvorsitzender der international agierenden Unternehmensgruppe will er jedoch behalten. Der Aktienkurs dieses noch vor kurzer Zeit so aggressiv expandierenden Unternehmens ist um mehr als 97 P...

ndPlusGunnar Decker

Reise zum Ich

Es gibt Filme, da drängt das Erzählte die Bilder in den Hintergrund. Es gibt aber auch Filme, da rückt umgekehrt das, was an der Geschichte erzählbar ist, in den Hintergrund. Die Bilder erzählen dann eine nichterzählbare Geschichte. Lichtverhältnisse, Landschaften, Gesichter – auch Gesichtslandschaften in wechselnder Beleuchtung, spiegeln den Morgen und den Abend eines Lebens, sein Erwachen ...

Seite 12
Irmtraud Gutschke

Scheinwelten

Eigentlich gewinnt man ja durch Lesen eine schärfere Wahrnehmung von Wirklichkeit. Aber hier ist alles wie verschwommen. Als ob man den ganzen Tag ferngesehen hätte, eine Serie nach der anderen (bloß nicht!) und nun nicht richtig wach werden kann. Der Roman beginnt auch mit einem Film: Jürgen sieht seiner Geburt zu und wie ihn die Eltern als kleines Bündel nach Hause bringen. Für den Bruchteil ein...

ndPlusChristel Berger

Zaubern mit der Zeit

Jeder Leser kann es bestätigen und seine Leseerfahrung hinzufügen: In wenigen Stunden kann man per Lektüre ein Leben von über 80 Jahren durchschreiten, und ein andermal gräbt man sich über Wochen und Monate durch die Schilderung eines Tagesverlaufs, der sich über 500 Seiten erstreckt. Aber nicht nur dadurch zaubert ein Schriftsteller mit der Zeit. Scheinbar willkürlich kann er sie dehnen oder verk...

ndPlusWerner Jung

Was es nicht gibt: Sicherheit

Norbert Niemann hat sich Zeit gelassen für sein neues Buch – und Zeit ist schließlich einer der Kernbegriffe, um den der 600-Seiten starke Roman »Willkommen neue Träume« immer wieder kreist. Im Blick auf die Zeit sind dann auch die nicht minder anspruchsvollen literarischen Bezüge und vielfältigen Verweise erklärbar: Thomas Manns Zauberberg winkt ebenso wie z. B. Robert Musils »Der Mann ohne...

Seite 13

Leseprobe

Die gängige Interpretation – Angst vor Terrorismus, die Anschläge von 9/11, die Reaktion auf die Globalisierung, die gewaltigen Migrationsströme oder der Zusammenstoß verschiedener Kulturen und Religionen wären die entscheidenden Triebfedern für unseren Zug zur totalen Kontrolle, der »Terrorist als Gesetzgeber« (Heribert Prantl) – greift zu kurz. Je nach ideologischem Hintergrund und p...

Wahrheitsdroge
Jürgen Meier

Wahrheitsdroge

Begonnen habe Lenin damit. Er habe begriffen, dass sich der neue Sowjetmensch unmöglich allein durch die Kraft der Überzeugung schaffen lassen würde. Als Beleg für diese These verweist der Autor jedoch lediglich auf die Tatsache, Lenin habe ein Manuskript von Pawlow gelesen, in dem dieser die Konditionierung von Hunden beschreibt. Demnach wäre das Reiz-Reaktionsprinzip die Basis der Gehirnwäsche. ...

ndPlusVolkmar Draeger

Pirouetten im Dunkeln

Dass es bereits in pharaonischen Zeiten, die immerhin gut drei Jahrtausende währten, einen professionellen Geheimdienst gab, ist nicht unwahrscheinlich. Auf jeden Fall funktionierte ein individuelles Spitzelsystem, und sei es »nur« um des persönlichen Vorteils willen. Seither fußen Macht und Machtanspruch immer auf dem Ausspähen und Ausschalten einer möglichen Opposition, ob diese nun hehr demokra...

Susanne Härpfer-Nassauer

Warum nicht Malaysia?

Arabische Bücher werden von hinten gelesen. So sollte man es auch mit dem hier angezeigten tun. Im Kleingedruckten findet sich die Gebrauchsanweisung: »Lügen und Täuschungsversuche stellen immer ein Problem dar für einen Journalisten, der sich um eine wahrheitsgemäße Darstellung bemüht, und bei einem Projekt, das zum größten Teil auf Interviews mit Dschihadisten und Geheimdienstmitarbeitern beruht...

Seite 14

Gleiche Rente dauert noch

Berlin (dpa/ND). Die Entscheidung über die Angleichung der Rentenberechnung in Ost und West wird wahrscheinlich nicht mehr in dieser Legislaturperiode fallen, so Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) am Mittwoch in Berlin. Es müsse eine einvernehmliche, gesamtstaatliche Lösung geben, so ein Regierungssprecher. Der Minister kündigte für 20 Millionen Rentner 2009 »eine bessere Rentenerhöhung« als ...

Bei ALG II gibts ein paar Euro mehr

Berlin (dpa/ND). Der jährliche Steuerfreibetrag für Kinder soll 2009 von 5808 auf je 6024 Euro angehoben werden. Für gut sieben Millionen Empfänger von Arbeitslosengeld II und Sozialhilfe zeichnet sich 2009 und 2010 nach der Prognose des Finanzministeriums eine Anhebung des sogenannten Regelsatzes um 1,9 und 2,3 Prozent im Jahresdurchschnitt ab.Für alleinstehende ALG-II-Empfänger steigt der Regels...

Kai Walter

Migration als dritte Marktkraft

Der Ort, an dem ein Mensch lebt, ist wesentlich dafür verantwortlich, ob er wirtschaftlich gesehen Gewinner oder Verlierer ist. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Der Weltentwicklungsbericht 2009 der Weltbank analysiert jedoch anschaulich räumliche Aspekte der Weltwirtschaft. Experten lobten bei der Vorstellung des Berichts am Dienstag in Berlin zwar die »beeindruckende« Darstellung, stellten aber auch kritische Fragen.

Grit Gernhardt

Auf die Straße statt ins Wahllokal

Ob Einkommen, Bildung oder Rente – die Deutschen blicken pessimistisch in die Zukunft. Und ihre Ängste sind nicht unbegründet, wie der »Datenreport 2008« beweist, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Das Interesse daran, wie Politik momentan gemacht wird, nimmt gerade bei jüngeren Menschen weiter ab.

Susanne Götze

Es ist etwas faul im Kasino

Die Kritik aus den sozialen Bewegungen am G20-Finanzgipfel wird lauter: Wirtschaftsexperten und Globalisierungskritiker fordern eine schonungslose Analyse des herrschenden Finanzsystems.

Seite 15
Dagobert Kohlmeyer, Dresden

Fußballtrainer setzt ersten Zug

Die sechste Runde der Schacholympiade in Dresden wurde gestern von Felix Magath eröffnet. Der Fußballtrainer des VfL Wolfsburg ist Olympiabotschafter und selbst ein begeisterter Schachspieler. »Es ist schon sensationell, was ich hier sehe«, sagte Magath nach einem Blick in die riesige Spielhalle mit fast 1300 Aktiven, ehe er auf der Bühne am Brett des russischen Ex-Weltmeisters Wladimir Kramnik de...

ndPlusDr. Gottfried Braun

Zeitgeschichte ohne Scheuklappen

Buenos Aires, August/September 1939. Trotz finanzieller Schwierigkeiten hat Argentinien einen Wettstreit von 26 Schach-Nationalmannschaften zuwegegebracht. Doch die Veranstalter sind von Anfang an mit politischen europäischen Fragen konfrontiert. Und dann bricht das faschistische Deutschland am 1. September auch noch den Zweiten Weltkrieg los. Was sich dann im und um das Theater »Politeama« von Bu...

Eisbären schlagen Düsseldorf

Die Eisbären Berlin feierten in der Deutschen Eishockey-Liga einen deutlichen 6:4 (1:0, 1:2, 4:2)- Heimsieg gegen die Düsseldorfer EG. Tyson Mulock brachte die Berliner vor mit 13 500 Zuschauern nicht ausverkaufter Kulisse in der O2 World schon nach 6:46 Minuten in Führung, doch danach gaben zunächst die Gäste den Ton an. Innerhalb von 63 Sekunden drehten Evan Kaufmann (21.) und Ryan Ramsay (22.) ...

Mut zum Aufbruch doppelt belohnt
Jürgen Holz

Mut zum Aufbruch doppelt belohnt

Das hat der Berliner Volleyball schon seit vielen Jahren nicht mehr erlebt: Die Fans strömen in Scharen; der Hallensprecher bittet die Zuschauer, in den Sitzreihen aufzurücken, damit auch diejenigen Platz finden, die bislang mit einem Stehplatz zufrieden sein müssen. Schließlich öffnet der Veranstalter auch den zunächst geschlossenen und mit Stoffplanen abgedeckten Oberrang für die platzsuchenden ...

Seite 16
Samurai sind nicht cool

Samurai sind nicht cool

»Welcome to Tokyo«: Das Debütalbum der japanischen Mädchenformation SHANADOO hat alle widerlegt, die Fernostpop als unvereinbar mit westlichen Hörgewohnheiten und unverkäuflich außerhalb Asiens abgetan haben. Über kulturelle Stereotypen, japanische Mädchen und Samurai spricht ND-Autor RENÉ GRALLA mit MANAMI (20), JUNKO (24), MARINA (19) und CHIKA (23) aus Tokio.

Seite 17

Nach Jamaika

Nicht an seinen Worten, an seinen Taten wolle er gemessen werden, gab sich der neue starke Mann der Berliner CDU nach der Wahl als Leitwort auf den eigenen Weg. Nun waren die Worte Frank Henkels bislang klar, manchmal knallhart, zuweilen scharf. Er wird sicher auch künftig seinem politischen Gegner nichts schenken und manches einschenken wollen. Natürlich soll das nicht nur verbal geschehen. Gener...

Gemeinnützige Arbeit für »Hurensohn«

(ND-Kirschey). Ein 23-jähriger Lehrling aus Hamburg muss für eine mutmaßliche Polizistenbeleidigung 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Der deutsch-kurdische Hobby-Musiker und Lehrer für kurdischen Volkstanz musste sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten. Er war am 19. April zu einer bundesweiten Friedensdemonstration für Kurdistan mit einem Bus nach Berlin unterwegs. Auf...

Höhere Nebenkosten, aber nur gleiches Hartz IV

Peter NowakUnter dem Titel »Gutes Wohnen für Alle« haben verschiedene Berliner Erwerbslosengruppen, Sozialinitiativen und Sozialberater einen Aufruf verfasst, für den jetzt Unterschriften gesammelt werden. Damit wollen sie eine Diskussion in die Öffentlichkeit bringen, die seit Monaten hinter verschlossenen Senatstüren vonstatten geht.Es geht um die Neufassung der Ausführungsverordnung Wohnen für ...

ndPlusStefan Otto

Handwerk stabil, doch besorgt

Handwerker haben immer zu tun, daran ändert bislang auch die Finanzkrise nichts. Die Branche mit ihren vielen kleinen Betrieben ist »ein stabilisierender Faktor der Berliner Wirtschaft«, bilanzierte der Präsident der Handwerkskammer, Stephan Schwarz, gestern vor Journalisten. Konnten die Berliner Handwerksbetriebe am exportgestützten Aufschwung in den letzten Jahre nur wenig partizipieren, so trif...

Seite 18
Klaus Teßmann

Kinder mit vielen Fragen

Bereits zum dritten Mal bereiten sich Kinder aus Marzahn-Hellersdorf auf ein Zukunftsdiplom vor. Die Auszeichnung wird Anfang des kommenden Jahres in einem Jugendklub feierlich übergeben. Die Kinder aus der 6 A der Nils-Holgerson-Schule in Marzahn-Nord haben schon fünf Veranstaltungen hinter sich. Sie waren auf dem Flughafen Schönefeld, konnten einen Blick hinter die Kulissen der komischen Oper we...

City West wird aufpoliert
ndPlusAndreas Heinz

City West wird aufpoliert

»Positionen, Potenziale, Perspektiven« – unter diesem Slogan wirbt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung seit gestern mit einer Ausstellung für den Umbau des Viertels rund um den Bahnhof Zoologischer Garten. Die Schau im Amerikahaus an der Hardenbergstraße zeigt die neue City West im Modell. Das Quartier soll attraktiver werden, um nach der Modernisierung der City Ost nicht auf der Strec...

Aus purer Langeweile

Aus purer Langeweile

Die beiden traurigen Gestalten Dennis (23 Jahre) und Enrico (21), beide aus Marzahn, zur Zeit jedoch ohne polizeilich gemeldeten Wohnsitz, wagen es nicht, ihre Köpfe zu heben. Vor den Kameras zu Prozessbeginn verdecken sie ihre Gesichter mit Papierbögen. Auch während der Verhandlung drückt Scham ihre Köpfe nach unten. Offensichtlich sind sie überwältigt, was nun auf sie zukommt. Und sie scheinen e...

Seite 23
ndPlusLucia Tirado

Ein Knochen als Kopf

Eine der schönsten Szenen ist in Gedanken. Paul Klee läuft im Monolog auf und ab. Ebenfalls und immer in entgegengesetzter Richtung auf diese Art unterwegs ist der Gedanke. Wie der Maler ist er eine Puppe und im Spiel für den großen Klee unsichtbar. In ihrem Stück »Über den Klee« erzählen Friederike Krahl und Melanie Sowa in der Regie von Mario Hohmann vom Leben des berühmten Malers, der von 1879 ...

Ideen aus dem Wohnzimmer
Andreas Heinz

Ideen aus dem Wohnzimmer

Sein neuestes Kunstwerk erreicht Gerwald Rockenschaub in fünf Minuten zu Fuß. Der gebürtige Österreicher hat seine privaten Zelte gleich hinter dem Roten Rathaus aufgeschlagen und gestaltete die Außenhaut der Temporären Kunsthalle auf dem Schloßplatz in Mitte. »Ich lebe schon seit zehn Jahren in diesem Bezirk und werde auch nicht wegziehen«, erzählt der 56-jährige Linzer.Den Installationskünstler ...

Seite 24
Wilfried Neiße

Gleiche Rente bleibt Zukunftsmusik

Jüngste Nachrichten lassen eine Verschiebung der Rentenangleichung vom Ost- auf das Westniveau auf den Sankt Nimmerleinstag befürchten. Der Widerspruch der Landesregierung fällt betont weich aus. Aufgeschreckt von der Nachricht über einen neuen Gesetzentwurf der Bundesregierung haben gestern drei Landtagsabgeordnete von SPD und Linkspartei nachgefragt: Was wird nun aus dem vollmundig verkündeten Z...

Andreas Fritsche

Gütesiegel für anständig entlohnte Arbeiter

Ähnlich wie das Biosiegel auf Lebensmitteln könnte es auch ein Gütesiegel »Gute Arbeit« beziehungsweise polnisch »Dobra praca« geben. Das Gütesiegel dürften Hersteller auf ihre Produkte drucken, die ihre Mitarbeiter anständig entlohnen und für ein akzeptables Betriebsklima sorgen. Das ist nur eine Idee der Gewerkschaften für die Oderregion. DGB-Abteilungsleiter Heiko Glawe nannte sie jetzt bei ein...

ndPlusBernd Baumann

Höhere Diäten trotz Finanzkrise

Der Potsdamer Landtag diskutierte gestern kontrovers über eine Erhöhung der Diäten. Die 88 Abgeordneten sollen ab Januar 2009 mehr Geld erhalten. Beschlossen werden soll dies kurz vor Weihnachten. Im Gegensatz zur Koalition aus SPD und CDU sprach sich die Linkspartei gegen höhere Diäten aus. Die Mehrheit der Linksfraktion will entsprechend abstimmen, heißt es.Anvisiert ist eine Erhöhung um 1,47 Pr...