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Ausgabe vom 13.12.2008

Seite 1

Marx meinte

Mit der Entwicklung des zinstragenden Kapitals und des Kreditsystems scheint sich alles Kapital zu verdoppeln und stellenweis zu verdreifachen durch die verschiedne Weise, worin dasselbe Kapital oder auch nur dieselbe Schuldforderung in verschiednen Händen unter verschiednen Formen erscheint. Der größte Teil dieses »Geldkapitals« ist rein fiktiv. Karl Marx, Das Kapital, MEW Bd. 25, 488...

Rettung aus der »Air Force One«?

Rettung aus der »Air Force One«?

Präsident Bush hat sich offenbar bereit erklärt, Hilfen für die drei größten US-Autobauer aus dem Bankenrettungspaket bereitzustellen. Nach dem gestrigen Scheitern des Rettungsplans im US-Senat droht dem Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) und der ehemaligen Daimler-Tochter Chrysler nach eigenen Aussagen die Insolvenz.

Schwarzer Tag für die Klimapolitik

Die Europäische Union hat sich auf Ziele beim Klimaschutz geeinigt und Konjunkturhilfen von 200 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Deutschland setzte Interessen der heimischen Industrie durch und verhinderte sinkende Mehrwertsteuersätze.

Nutzen für alle
ndPlusIlja Seifert

Nutzen für alle

Vor 60 Jahren verabschiedete die UNO die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Und noch immer erfahren wir alltäglich von Menschenrechtsverletzungen. Obwohl diese Konvention »allgemein« war, sich also umfassend verstanden wissen wollte, fanden sich viele und vieles nicht darin wieder. Oder zumindest nicht ausreichend. Also folgten Erklärungen zu den sozialen Menschenrechten, zu Frauenrechten, z...

Seite 2
Olaf Standke

Mehr Soldaten für weltweite EU-Einsätze

Fast unbemerkt angesichts der heftigen Debatten um Konjunkturprogramme und Klimapakete haben die 27 Staats- und Regierungschefs der EU auf ihrem Treffen in Brüssel neue Weichen für die seit Langem angestrebte Militärunion gestellt. »Mehr Soldaten für weltweite Einsätze« – auf diese Kurzformel lässt sich die Gipfel-Vereinbarung bringen. Die Mitgliedstaaten verpflichten sich »zur Entwicklung r...

ndPlusMattes Dellbrück

»Ein undemokratischer Beschluss«

Die Bürger Irlands sollen im Herbst 2009 erneut über den Vertrag von Lissabon abstimmen. Im Gegenzug machten die anderen EU-Staaten weitreichende Zugeständnisse.

ndPlusCaroline Ausserer, Brüssel

Der »Verrat« an Europas Klimazielen wurde Beschluss

Als »historischer Durchbruch« wird die Einigung über das Klimapaket nach zweitägigen intensiven Verhandlungen beim EU-Gipfel bezeichnet. Doch Umweltorganisationen kritisieren es wegen der Ausnahmeregelungen für kohleabhängige Länder als »sehr enttäuschend«.

Seite 3
Selbstbestimmte Entwicklung
ndPlusIlona Schleicher

Selbstbestimmte Entwicklung

Es brauchte gut ein Jahr, ehe nach ersten Konsultationen der Aufbau der Siedlung Lim im November 2008 beginnen konnte. Die Partizipation der Betroffenen war von Anfang an ein wichtiges Grundprinzip.

Manfred Hönel

Ein Leben auf dem Eis

Heute vor 80 Jahren meldete sich Jutta Müller, die später zur erfolgreichsten Eiskunstlauftrainerin der Welt aufstieg, ganz unerwartet an. Gestern war sie im Chemnitzer Rathaus zur Ehrenbürgerin der Stadt gekürt worden. Eine verdiente Ehrung. Immerhin führte sie ihre Schützlinge zwischen 1966 und 1991 zu 57 Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen – und alle alle kamen sie aus den Regionen Chemnitz und Dresden.

Seite 4
ndPlusRené Heilig

Putins neuer Gipfel

Russlands Premier Putin taufte einen bisher namenlosen Gipfel der Sugan-Gebirgskette in Nordossetien. »Gipfel des russischen Abwehrdienstes« heißt das Ding nun. Geht's noch?! Und wenn ja, wohin?! Zum Pik Putin? Angeblich hat das Parlament der russisch-kaukasischen Teilrepublik dem Ex-KGB-Mann, der »unter« dem aktuellen Präsidenten Russlands die Geschicke des Landes diktiert, keine Wahl gelassen. B...

ndPlusIna Beyer

Klotzen statt Kleckern

Wie verheerend die Auswirkungen der Wirtschaftskrise sein werden, die nach dem großen Bankencrash nun seit Wochen am Horizont über uns heraufzieht, kann wohl zur Zeit niemand wirklich einschätzen. Feststellen lässt sich dagegen, dass die Bundesregierung bei ihren Plänen für ein Programm zur Bewältigung der Krise eher kleckert als klotzt. Während Merkel und Steinbrück nun jeden Euro fünfmal umdrehe...

Steffen Schmidt

Vorbild dankt ab

Die Europäische Union war lange Vorreiter beim Klimaschutz. Zugegeben, das meiste bisher waren nur Versprechungen für die Zukunft und die tatsächlichen Reduzierungen bei Treibhausgasen konzentrierten sich auf höchstens fünf Mitgliedsstaaten. Doch mit dem Klimapaket, das am Freitag verabschiedet wurde, dankt das Vorbild ab. Um die alten Zusagen wenigstens auf dem Papier zu halten, wurden auf Druck ...

ndPlusAlexander Cierpka

Cui Bono?

Wäre Wohltätigkeit ein Sport – Paul David Hewson würde wohl alljährlich zur Dopingkontrolle zitiert werden. Denn Hewson, besser bekannt als Bono, hat sich neben seinem Hauptberuf Mainstreammusikant ein medienwirksames Hobby ausgesucht: Er ist Marathonwohltäter. Einer, der nicht nur Taten für sich sprechen lässt, sondern über seine Taten spricht. Am liebsten öffentlich. So weiß denn auch alle...

Letzte Sendung Silvester?

Letzte Sendung Silvester?

ND: Müssen wir uns jetzt endgültig von radiomultikulti verabschieden? Huss: Zwar stirbt die Hoffnung zuletzt, aber nun gibt es wirklich keine realistische Möglichkeit mehr, die Schließung des Senders noch zu verhindern. Die allerletzte Chance, über die Haushaltsverhandlungen noch einmal politischen Druck zu machen, wurde bei der Sitzung des Rundfunkrates am 4. Dezember vertan. Deshalb wird am 31. ...

Seite 5
Velten Schäfer, Schwerin

Uneinig im Protest

Mecklenburg-Vorpommern will bis 2020 alle Theater des Landes zu zwei großen Intendanzen fusionieren. Es gibt Widerstände – aber einer Meinung sind die Bühnenleute nicht.

In eigener Sache

In eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser, unsere Zeitung macht wie die gesamte Zeitungsbranche seit Jahren schwierige Zeiten durch. Beträchtliche Auflagenverluste und als »Krisenvorboten« massive Einbrüche im Anzeigengeschäft bei unverändert hohen Fixkosten vor allem im Druck- und Vertriebsbereich belasten die wirtschaftliche Situation der meisten Zeitungen, auch die von Neues Deutschland. Große Verlage versuch...

Seite 6
ndPlusRené Heilig

Demjanjuk endlich vor Gericht

Der mutmaßliche Massenmörder John Demjanjuk kommt vor Gericht. Der Prozess vor dem Prozess zeigt, wie »effektiv« Nazi- und Kriegsverbrecher in der Bundesrepublik Deutschland zur Verantwortung gezogen wurden und werden.

Auch die siebente Klage scheitert
Hendrik Lasch, Dresden

Auch die siebente Klage scheitert

Der Leipziger Linkspolitiker Volker Külow bleibt trotz einer IM-Tätigkeit Abgeordneter im sächsischen Landtag. Das Verfassungsgericht wies eine Klage auf Mandatsentzug zurück.

Seite 7

Athen bleibt heißes Pflaster

Athen (AFP/ND). Während einer Demonstration in Athen gegen die Tötung eines 15-Jährigen durch die Polizei hat es am Freitag erneut gewaltsame Zusammenstöße zwischen Jugendlichen und Polizisten gegeben. Die Jugendlichen warfen Brandflaschen und Steine, die Polizei setzte Tränengas ein. Polizisten warfen einige der Jugendlichen zu Boden, während Tausende Demonstranten zum Parlament marschierten. Wie...

Cholera breitet sich weiter aus

Von der Choleraepidemie in Simbabwe sind nach Angaben der Hilfsorganisation Oxfam mit 60 000 weitaus mehr Menschen betroffen als bisher angenommen. Simbabwes Staatschef gibt Großbritannien die Schuld am Choleraausbruch.

Seite 8
Vougar Aslanov

Berdymuchammedows Reformwille ist mäßig

Am 14. Dezember erlebt Turkmenistan die ersten Parlamentswahlen nach dem Tode des ehemaligen Präsidenten Saparmurad Nijasow im Jahre 2006. Nijasow hatte als »Turkmenbaschi« (Führer der Turkmenen) ein autoritäres Regime über die zentralasiatische Republik errichtet.

Seite 9
Anträge für Pipeline

Anträge für Pipeline

Greifswald (dpa/ND). Am Freitag hat das russisch-europäische Firmenkonsortium Nord Stream die Anträge für das deutsche Genehmigungsverfahren zum Bau der Ostsee-Pipeline bei den zuständigen Behörden eingereicht. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie und das Bergamt Stralsund prüfen, inwieweit der 81 Kilometer lange Abschnitt der 1200 Kilometer langen Pipeline durch die deutschen Gewässer...

Erich Preuß

Wenig Neues zum Fahrplanwechsel

Zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember wird das Bahnfahren wieder teurer, und zwar um durchschnittlich 3,9 Prozent in der 2. Klasse. Dieser Durchschnitt täuscht aber, denn tatsächlich werden die Preise um bis zu neun Prozent angehoben, die BahnCard verteuert sich um bis zu 10 Euro.

ndPlusAxel Reiserer, London

Der Riese muss schrumpfen

Der britisch-australische Bergbauriese Rio Tinto wird von der Krise hart getroffen. Er muss seine Schulden reduzieren und baut deshalb 14 000 Arbeitsplätze ab. Die Expansionspolitik der vergangenen Jahre ist nicht länger haltbar.

Ina Beyer

DGB will Schirm statt Knirps

Im Vorfeld des Krisentreffens im Kanzleramt forderte der DGB gestern die Bundesregierung auf, ein Konjunkturprogramm im Umfang von etwa 60 Milliarden Euro für 2009 aufzulegen.

Seite 10
»Nicht in Ehrfurcht erstarren«

»Nicht in Ehrfurcht erstarren«

Seit knapp drei Wochen ist Markus Babbel (Foto: dpa) Teamchef beim VfB Stuttgart. Unter seiner Leitung haben die Schwaben aus drei Spielen zwei Siege und ein Remis geholt. Heute trifft der 36-Jährige mit dem VfB auf Bayern München.

Deutsches Team reif für EM-Titel?

15 Jahre nach dem bislang letzten Gold-Coup wollen die deutschen Handballerinnen in Mazedonien für historische Momente sorgen. »Wir sind reif für den EM-Titel«, sagt Spielführerin Grit Jurack vor dem EM-Halbfinale in Skopje am Sonnabend gegen die Überraschungsmannschaft aus Spanien. Im zweiten Halbfinale treffen Weltmeister Russland und Olympiasieger Norwegen aufeinander.Die weiter ungeschlagene d...

Erster Weltcupsieg für Simone Hauswald

Simone Hauswald – bekannter unter ihrem Mädchennamen Denkinger – kam im Sprintrennen von Hochfilzen (Österreich) zu ihrem ersten Sieg im Biathlon-Weltcup. Ohne Schießfehler setzte sich die 25-Jährige aus Gosheim über die 7,5-km-Distanz mit einem Vorsprung von 14,1 s vor der Russin Swetlana Slepzowa durch. Dritte wurde Andrea Henkel (Großbreitenbach), die nach einem Schießfehler 18,3 s ...

Alexander Ludewig

Tristesse im Fußball-Osten

Im Sommer 1991 vollzog sich auch im deutschen Vereinsfußball die Wiedervereinigung. Die acht besten Teams der letzten DDR-Oberligasaison wurden in den Spielbetrieb der Bundesligen integriert. 17 Jahre danach gibt der Fußball-Osten mit nur noch zwei Bundesligaklubs ein tristes Bild ab: Erstligist Cottbus und Zweitligist Rostock sind klare Abstiegskandidaten – mit negativem Image. FC Energie C...

Seite 11
Zwanziger zum Dritten
ndPlusThomas Wieczorek

Zwanziger zum Dritten

Eigentlich sollte an dieser Stelle die ganze Wahrheit über Theo Zwanziger stehen. Aber wir wollen nicht schuld sein, dass womöglich der Deutsche Fußball-Bund und mit ihm der deutsche Fußball zusammenbricht. Worum geht es? Deutschland ranghöchster Fußballfunktionär war vom langjährigen Sportchef der »Berliner Zeitung«, Jens Weinreich, als »unglaublicher Demagoge« bezeichnet worden. Und wenn nicht g...

Seite 12
»Wir sind von Haus aus Anarchisten«

»Wir sind von Haus aus Anarchisten«

Die Band »In Extremo« hat sich aus der Parallelwelt der Mittelaltermärkte an die Spitze der Charts gespielt. Viele Mitglieder der siebenköpfigen Formation sind in DDR-Underground- und Anarcho-Bands wie »Freygang« und »Noah« oder bei Ost-Wavern wie »Die Vision« groß geworden. Anlässlich der gerade laufenden Deutschlandtournee spricht ND-Autor RENÉ GRALLA mit dem Leadsänger und gebürtigen Berliner MICHAEL ROBERT RHEIN.

Seite 13
Duelle
F.-B. Habel

Duelle

Nur auf dem Anrufbeantworter taucht er diesmal auf, der Herr Kommissar Dellwo aus Frankfurt am Main. Weil er an ein fernes Kommissariat verborgt ist, steht Kommissarin Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki, Foto: HR/Betti- na Müller) im Vordergrund. Charlotte hat viel Ärger, denn die zurückhaltende, manchmal fast gehemmte Kommissarin hat als Zeugin bei einem Amoklauf nicht geschossen, wo es notwendig ...

PLATTENBAU
ndPlusMartin Hatzius

PLATTENBAU

Man kann sich das Münchner Label Trikont wie eine musikalische Trutzburg vorstellen, aus der geheime Gänge in verborgene Schatzkammern der Popmusikgeschichte führen. Dass die Plattenschmiede neben originellen Künstlern fern vom Mainstream immer wieder auch außerordentliche thematische Kompilationen herausbringt, ist bekannt. Dass es den Trikont-Leuten aber gelingen würde, mit dem Sampler »Wish you...

ndPlusRoberto Becker

Kunst ist frei

Ist Oper schön? Sie ist Kunst: also schön, aber nicht nur. Ihre Stoffe sind (meist) alt und vertraut. Die Musik (meist) ein verführerisches Meisterwerk. Und immer wieder eine Herausforderung für die Interpreten. Oper kann aber auch, vor allen anderen Kunstformen, ein Publikum immer noch in Rage versetzen und aufregen. Mit Türenknallen bei der Premiere und lautstarken Forderungen wie »Aufhören!« od...

Respekt den Meistern
Werner Wolf

Respekt den Meistern

In den Diskussionen um die Leipziger Neuinszenierung von Richard Wagners romantischer Oper »Der fliegende Holländer« geht es nicht darum, dass keine Schiffe zu sehen sind. Es geht darum, dass die Stückaussage mit nicht dazugehörenden Vorstellungen überfrachtet ist. Es offenbart sich hier eine problematische Erscheinung im heutigen Opernbetrieb, speziell in Leipzig: Es gibt kaum noch Teamarbeit. Di...

Seite 14
Theaters Sehnsucht nach Tarkowski
Hans-Dieter Schütt

Theaters Sehnsucht nach Tarkowski

Er steht da, als hätte er alles überstanden, so leicht. Er liegt da, als wolle er die Erde zerdrücken, so schwer. Will man seine Müdigkeit erzählen, lächelt er sich gerade flimmernd heiter davon. Möchte man aber dieses Lächeln weitererzählen, wich es schon längst einem stieren, ernsten, uneinholbar traurigen Blick ins Wesenlose. Und er, Jens Harzer als Raskolnikow, bewegt sich in einem Raum, der d...

Seite 15
Klaus Joachim Herrmann

Krisenfest

Nach der Krise könnte ja auch in der Krise sein, dachte wohl ein Kollege. So fragte er nach der Senatssitzung, ob denn die SPD mit ihrem Austritt aus der Koalition gedroht habe. »Krisenszenarien sind gerade angesagt«, zeigte Senatorin Knake-Werner (LINKE) durchaus Verständnis. Senatssprecher Meng beschwichtigte ernsthaft, »nicht jede Kontroverse mündet gleich in die Krise«. Die umstrittene Abstimm...

ndPlusMartin Kröger

Deeskalation sieht anders aus

Eine Woche nach dem Naziaufmarsch in Lichtenberg zieht die Linkspartei eine niederschmetternde Bilanz. »Der Polizeieinsatz war eine einzige Katastrophe«, konstatiert Udo Wolf, der für die LINKE im Innenausschuss sitzt. In einem kurzen Papier haben die Linkspolitiker Christina Emmrich, Marion Seelig, Gyasettin Sayan und Wolf die Lehren aus dem rechtsextremen Aufzug für künftige Proteste zusammengef...

ndPlusAndreas Heinz

Drei Seen hängen schon am Tropf

Harsche Kritik der Naturschützer an Umweltsenatorin Katrin Lompscher (LINKE): Das Wasserversorgungskonzept legt den Naturschutz trocken, warnen die Umweltschützer. In einem gestern vorgestellten Offenen Brief an die Senatorin fordern sie, die in einem Konzept beschlossene Schließung von drei Wasserwerken und die damit verbundene Aufhebung der Schutzgebiete für Jungfernheide, Buch und Altglienicke ...

Über Malmö schwebt der Geist des Schokoladenmannes
Gabi Kotlenko

Über Malmö schwebt der Geist des Schokoladenmannes

Dem kleinen Nils Holgersson, der einst mit den Wildgänsen reiste, erschien seine Heimat Schweden aus luftiger Höhe wie ein gewürfeltes Tuch – eine bunte Mischung aus Wäldern, Wiesen und Seen. Eine dieser schönen Stellen kann man seit einigen Jahren trockenen Fußes vom benachbarten Dänemark aus erreichen. Die Öresundsbron, eine rund 16 Kilometer lange Brücken- und Tunnelkombination, macht das...

Seite 16
Gedenken an Ohnesorg

Gedenken an Ohnesorg

(dpa/ND). Eine gestern eingeweihte Tafel gegenüber der Deutschen Oper erinnert an den Tod Benno Ohnesorgs bei den Anti-Schah-Demos 1967. Dort war der Student während der Tumulte rund um die Oper von einem Polizisten erschossen worden. Ein Bronzerelief »Tod des Demonstranten« des Bildhauers Hrdlicka befindet sich bereits seit 1971 neben dem Opernhaus in der Bismarckstraße. Die Erinnerungstafel stel...

Klaus Teßmann

Weihnachtsgala im Freizeitforum

Alle Jahre wieder .... heißt es nun schon seit zehn Jahren auch für die Weihnachtsgala von Thoralf Terl, den singenden Optiker aus Marzahn. Der hatte 1998 gerade sein Geschäft in die Springpfuhl-Passage am Helene-Weigel-Platz bezogen. »Damals sah es rund um den Platz sehr trist aus«, erinnert sich Terl. So kam er auf die Idee, in der Adventszeit eine besondere Kulturveranstaltung zu organisieren. ...

Peter Nowak

Kostendeckend und nichtkommerziell

Die Verhandlungen zwischen der Gesellschaft für Stadtentwicklung (GSE) und den Nutzern und Mietern des Südflügels des Bethaniengebäudes am Mariannenplatz in Kreuzberg drehen sich seit Monaten im Kreis. Das zumindest ist die Einschätzung von Karla Krüger und Jonas Beier. Die beiden Mitglieder der Initiative Zukunft Bethanien (IZB) haben am Freitag auf einer Pressekonferenz ein Konzept vorgestellt, ...

Sehnsüchte am Tor zur Sahara
ndPlusMichael Müller

Sehnsüchte am Tor zur Sahara

Von keinem anderen Land aus ist die große Wüste, wie die Sahara von den Arabern genauer genannt wird, weil Sahara selbst einfach schon Wüste bedeutet, so schnell und problemlos zu betreten. Zwei Autostunden weg von der Mittelmeerküste steht man bereits am Rande des schier unendlichen Nichts. Tunesien lädt dazu ein wie ein weites Tor. Beispielsweise im südlichen Douz. Wo jetzt über die Weihnachtsta...

Seite 17

Aus Wachs

(ND). Die Wachsfigur der durch ihr Tagebuch weltberühmten Anne Frank wird ab 19. Dezember bei Madame Tussauds gezeigt. Die Leihgabe des Madame Tussauds Amsterdam wird nur wenige Monate in Berlin zu sehen sein, so die Veranstalter. Zudem wird das Anne Frank Zentrum den Besuchern mit einer Ausstellung einen ausführlichen Einblick in das Leben der niederländischen Jüdin und ihrer Helfer während der Z...

ndPlusCarsten Beyer

Kunterbunter Gimmick-Salat

Fast 200 Shows hat Elton John in den letzten 4 Jahren in Las Vegas mit seinem »Red Piano« absolviert – und alle waren ausverkauft. Bei seinem Berliner Gastspiel in der O2-World blieben jedoch einige Plätze frei. Diejenigen, die trotz Ticketpreisen von bis zu 170 Euro gekommen waren, sahen einen Abend, der sehr viel mit Las Vegas und nur sehr wenig mit einem herkömmlichen Pop-Konzert zu tun h...

Im »Paradies – notgedrungen«
ndPlusManfred Mayer

Im »Paradies – notgedrungen«

Wollen Sie nicht herunterkommen? Sie können bequem bei uns wohnen, und Marta wird Sie sachgemäß verpflegen. Zur Zeit ist Heinrich Mann hier, Toller, Kantorowicz, Marcuse, Huxley und sonst allerhand …«. Lion Feuchtwanger lud Brecht nach einem ersten Besuch 1933 Jahr für Jahr wieder ein, ihn in Sanary sur Mer zu besuchen. Feuchtwanger konnte mit einer erlesenen Gesellschaft werben, die sich vo...

Seite 18

In einem Zug über den Fluss

Frankfurt (Oder) (dpa). Bei Frankfurt (Oder) ist nach knapp zehn Monaten Bauzeit die 443 Meter lange Eisenbahnbrücke über den Fluss freigegeben worden. Mit dem Fahrplanwechsel an diesem Sonntag steht das Signal dort für Züge zwischen Deutschland und Polen wieder auf Grün.Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) betonte am Freitag zur Übergabe die gute deutsch-polnische Kooperation. Auf der ...

ndPlusBernd Zeller

Glühbirnen-Ende

Die EU-Kommission hat die Abschaffung der Glühbirnen beschlossen. Eine für EU-Verhältnisse transparente und unbürokratische Entscheidung; man hätte erwarten können, dass zunächst Krümmungen des Glases, Färbungen des Gewindes und die Geräusche beim Durchbrennen festgelegt werden. Da es sich um technische Massenprodukte handelt, bereitet es den europäischen Verordnungsgebern weniger Vergnügen, sich ...

Andreas Fritsche

Schleuse Kleinmachnow soll nicht länger werden

Unablässig rauschen Autos durch die Teltower Warthestraße, passieren die Brücke über den Teltowkanal und fahren nach Kleinmachnow hinein. Auch in der Gegenrichtung reißt die Schlange kaum ab. Das Wasser unter der Brücke kräuselt sich nur. Soweit das Auge reicht, schlägt kein Schiff eine Welle. Trotzdem befürwortet das Potsdamer Verkehrsministerium den rund 50 Millionen Euro teuren Ausbau der Schle...

Der uns zum Lachen bringt

Der uns zum Lachen bringt

Wie das so ist mit der Erinnerung: Namen fallen aus dem Gedächtnis, Szenen bleiben haften. Meine Szene stammt aus einem Hollywood-Streifen. Ein Mann kommt in seine Heimatstadt zurück und begegnet seiner Jugendliebe, die im Diner an der Strasse bedient. Sie hat, gesteht sie, ihr Leben verpfuscht, ist nie weggekommen. »Du weißt doch, wie das so ist mit uns Mädchen auf dem Land. Wir heiraten den erst...

Simone Schmollack

Was schwabbelt, ist Fett

Wenn die Deutschen mal nicht um ihre Ersparnisse oder um ihren Job bangen, machen sie sich Gedanken um ihr Gewicht. Bin ich zu dick? Das fragen vor allem Frauen, die die 40 überschritten haben. Seit dem »Geheimen Tagebuch der Carla Bruni« ist es amtlich: Ab 40 nimmt jede Frau aller drei Jahre ein Kilo zu. Sie kann machen, was sie will. Das ist ein Naturgesetz, sagt die französische Präsidentengatt...

Seite 19
Kerstin Hensel

Miss Amelias kämpfendes Herz

Die meisten amerikanischen Romane beginnen mit einer kurzen Angabe des Schauplatzes und des Themas. Dann dauert es nicht lange, und der Leser kann sich den Ablauf der Handlung selbst ergänzen. Unausweichlich wird er mitgezogen von der üblichen Gesprächigkeit, ja, Besessenheit des pedantischen Geistes, der noch die winzigste Situation, den kleinsten Gedanken, das nebensächlichste Ding dem Leser in ...

ndPlusHelmut F. Kaplan

Dürfen Tierrechtler radikal sein?

Über 100 Tage saßen in Österreich zehn Tierrechtler in Untersuchungshaft. Sie waren Ende Mai bei einer Nacht-und-Nebel-Aktion von der Anti-Terror-Sondereinheit »Wega 23« unter fadenscheinigen Vorwänden verhaftet und erst Anfang September wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Derweil geht der Druck von Exekutive und Judikative auf die Betroffenen weiter. In den meist oberflächlichen Berichten über ...

Seite 20

WochenChronik

13. Dezember 1888: Heinrich Hertz berichtet vor der Berliner Akademie der Wissenschaften über die von ihm entdeckten elektromagnetischen Wellen, die Basis drahtloser Telegrafie. 15. Dezember 1903: Die Berliner Secessionisten, Repräsentanten der modernen Kunst, gründen den Deutschen Künstlerbund, der als Interessenverband u. a. Repressionen gegen Künstler entgegenwirken will. 16. Dezember 1808: Der...

ndPlusHarald Jentsch

Zauberschlüssel

Dass Edwin Hoernle (Foto: Archiv) einst einer der populärsten Funktionäre der KPD werden würde, war ihm nicht in die Wiege gelegt. Am 11. Dezember 1883 in Cannstatt bei Stuttgart als Sohn des protestantischen Pfarrers und Missionars Hermann Hoernle und dessen Frau Marie geboren, verbrachte er seine ersten Lebensjahre in Ostindien. die folgenden in einem Dorf namens Beimbach. Bereits als Zehnjährig...

Norbert Podewin

Unvereinbarkeiten in der SPD

Am Mittwoch, dem 1. Dezember 1948, wurden die Berliner SED-Parteibüros von aufgebrachten Mitgliedern gestürmt. »Sozis im Magistrat? Kann doch wohl nicht wahr sein?« Auslöser dieser empörten Anfragen waren die morgendlichen Nachrichten. »Neues Deutschland« vermeldete – aufmachend unter der Schlagzeile »Die Werktätigen Berlins haben gehandelt« – die Konstituierung einer neuen Stadtverwal...

Tue recht und scheue niemanden ...
ndPlusKarlen Vesper

Tue recht und scheue niemanden ...

Hätte er es sich träumen lassen, dass aus »seiner« Pionierorganisation die erste deutsche Kanzlerin hervorgehen würde? Klaus Herde verneint. Damals, vor 60 Jahren, als der Verband der Jungen Pioniere am 13. Dezember 1948 in der Berliner Kronenstraße ins Leben gerufen wurde, habe man auch nicht ahnen können, dass Deutschland über 40 Jahre gespalten sein würde. »Wir wollten eine gesamtdeutsche Kinde...

Seite 21
Walter Willems

Glück ist hochansteckend

Dass Lachen ansteckt, ist allgemein bekannt. Nun deutet eine Langzeitstudie zusätzlich darauf hin, dass sich auch Glück und Zufriedenheit innerhalb sozialer Gruppen und sogar unter Nachbarn fortpflanzen. Demnach übertragen sich Glücksgefühle eines Menschen tendenziell nicht allein auf seine Freunde und Bekannten, sondern diese geben die Emotion wiederum an ihr eigenes Umfeld weiter.Der Harvard-Soz...

ndPlusTom und Reinhard Renneberg, Hongkong

Leucht-Kater Mr. Green Genes

»Katzenaugen« hießen die gelben Reflektoren an meinem MIFA-Fahrrad, die mich und die Kraftfahrer vor einem nächtlichen Unfall schützen sollten. Nun stöbere ich hier in Hongkong mit der Taschenlampe herum – auf der Suche nach meinem Kater Hou Choi, der sowohl beim Mittag- als auch Abendessen ausblieb. Ich bin angewiesen auf die Reflexion seiner Augen – wenn doch die ganze Katze leuchten...

ndPlusMartin Koch

Die Magie der Quantenphysik

Es kam in der Geschichte der Wissenschaft wohl nur einmal vor, dass gleich zwei »Heroen des Geistes« im selben Seminar saßen, um Physik zu studieren. Der eine, Werner Heisenberg, gilt heute als Begründer der Quantenmechanik und wurde 1932 mit dem Physik-Nobelpreis geehrt. Der andere, Wolfgang Pauli, konnte erklären, wie sich Elektronen im Atom verteilen und erhielt 1945 ebenfalls die begehrte Nobe...

Seite 22
Auf dem Eheanbahnungsmarkt von Shanghai
Anna Guhl

Auf dem Eheanbahnungsmarkt von Shanghai

Jedes Wochenende kommen sie in den Volkspark im Zentrum Shanghais, gleich neben der bekannten Einkaufsmeile Nanjinglu. Sonnabends wie sonntags bauen sie in aller Frühe Stände auf, sortieren ihre Unterlagen und hoffen inständig, dass sich die Warterei irgendwann wirklich lohnt und sie auf »den Richtigen« treffen.

ndPlusAnna Guhl

Nach Steinen tastend den Fluss überqueren

Im Dezember 1978 – vor 30 Jahren – tagte das dritte Plenum des XI. Zentralkomitees der KP Chinas und verordnete Staat und Partei »Modernisierungen«. Abgeleitet war die neue Forderung aus dem »Widerspruch zwischen den ständig wachsenden materiellen und kulturellen Anforderungen des Volkes und der rückständigen sozialen Produktion«. Ganz neu war die Losung nicht, proklamiert wurde sie schon viel früher, 1956, doch bei der Proklamation war es geblieben. »Großer Sprung« und »Kulturrevolution« hatten alle Ansätze – etwa von Ministerpräsident Zhou Enlai – zunichte gemacht. Nun aber, zwei Jahre nach dem Tod Mao Zedongs, wollte man – in den Worten Deng Xiaopings – »nach den Steinen tastend den Fluss überqueren«. Reform und Öffnung begannen.

Seite 23
Das Vermächtnis des alten Müllers
ndPlusHarald Lachmann, Neukyhna

Das Vermächtnis des alten Müllers

Als Martin Wernicke 2003 seine Conny heiratete, bat das junge Paar die Gäste: Bitte schenkt uns keine Kaffeemühlen oder Betttücher, gebt lieber etwas dazu, dass wir unsere Windmühle reparieren können. Noch heute schmunzelt die Technische Zeichnerin darüber. »Ich habe eben nicht nur einen Mann geheiratet, sondern eine Windmühle dazu.« Seit sie ihn kennt, erlebt sie den 33-Jährigen vernarrt in das D...

Welten zwischen Altiplano und Santa Cruz
Peter Herrmann

Welten zwischen Altiplano und Santa Cruz

Copacabana ist nicht nur der berühmteste Stadtteil des brasilianischen Rio de Janeiro, nicht nur ein vier Kilometer langer Strand, Copacabana heißt auch ein kleines Städtchen in Bolivien mit etwa 10 000 Einwohnern. In 3810 Meter Höhe am Ufer des Titicaca-Sees gelegen, ist dieses Copacabana der erste Ort, den Reisende erreichen, wenn sie die peruanisch-bolivianische Grenze überschreiten. Gegründet ...

Seite 24

Testspiel

Wer schrieb es? Der Arbeiter ist auf die Straße, aufs Pflaster geworfen … Das macht die Arbeitslosigkeit, die schreckliche Arbeitslosigkeit, die in den Mansarden die Totenglocke läutet. Panik hat alle Industrie zum Stillstand gebracht, und das Geld, das feige Geld, hat sich versteckt. Wann war es? Wie lange dauerte es, ehe Nord- und Südkorea nach dem Ende des Koreakrieges einen Nichtangriff...

Die Zeit vergeht
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Die Zeit vergeht

Erstmals schrieb ich in dieser Zeitung am 8. Mai 2004 über ihn: »Magnus, der kleine Große« hieß das Stück und handelte von »Magnus Carlsen aus Norwegen, 13 Jahre, 4 Monate und 26 Tage alt«. Seither sind viele Sachen mit Magnus passiert. Er ist kein kleiner Großer mehr, sondern, gerade 18 Jahre geworden, Nummer vier der Weltrangliste – und mittlerweile ein ganz heißer Kandidat für den WM-Tite...

Brigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin

Grünkohl kann auch lila sein

Viel Grün gibt es jetzt nicht mehr auf den Beeten. Dafür leuchtet das Rot der Mangoldstiele um so kräftiger (Foto: Archiv). Und man kann immer noch ernten. Wer Grünkohl kultiviert hat, wird wohl schon das erste Mahl mit diesem ausgesprochenen Wintergemüse zubereitet haben. Was er uns Gutes bietet, ist kaum zu übertreffen. Deshalb sollten wir viel öfter dieses in der Kultur ziemlich anspruchslose, ...

Aschenbrödel durchs Hintertürchen

Aschenbrödel durchs Hintertürchen

Er sorgt sich um die Märchenkultur der Nation: der Osnabrücker Rechtsanwalt KAI HAFERKAMP (41). Mit seinem Spiel »Rettet den Märchenschatz!« versucht er gegenzusteuern. ND-Autor ART KOHR fragt nach.