Ausgabe vom 17.01.2009

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Unten links

Pünktlich zum Beginn der Grünen Woche in Berlin berichtete »Gala«, dass Helmut Kohl bei seinen USA-Besuchen als Bundeskanzler in den 90er Jahren im Weißen Haus doppelte Portionen zu essen bekam. Enthüllt hat das der deutsche Spitzenkoch Walter Scheib, der elf Jahre lang für die US-Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush kochte und auch Kohls Mahlzeiten zubereitete. Unmittelbar nach Bekanntwerd...

Bush scheidet mit Selbstlob aus dem Amt

Washington (Agenturen/ND). US-Präsident George W. Bush hat in seiner Abschiedsrede an die Nation die umstrittenen und »harten Entscheidungen« seiner Präsidentschaft als notwendig für die Sicherheit der USA verteidigt. »Die USA sind seit mehr als sieben Jahren ohne einen terroristischen Anschlag geblieben«, sagte Bush in seiner letzten Fernsehansprache. »Es gibt eine legitime Debatte über viele die...

Treffen in Moskau soll Gasblockade auflösen

Im Konflikt zwischen der Ukraine und Russland um russische Gaslieferungen kommen an diesem Sonnabend in Moskau diejenigen zusammen, die den Gasstrom nach Westen wieder in Gang bringen können.

Waffenruhe bleibt frommer Wunsch

Drei Wochen nach Beginn der israelischen Invasion im Gaza-Streifen ist ein Ende der Gewalt trotz diplomatischer Bemühungen nicht in Sicht.

Im Zeichen der Krise
Gregor Gysi

Im Zeichen der Krise

In Hessen haben die Bürgerinnen und Bürger erstmals die Gelegenheit, über die Anti-Krisenpolitik der vier neoliberalen Parteien Union, SPD, FDP und Grünen abzustimmen.

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Zärtlichkeit in den Zeiten der Cholera
Martin Zint, Weltfriedensdienst

Zärtlichkeit in den Zeiten der Cholera

Feucht und heiß ist es zur Zeit in Simbabwe. Es herrscht Sommer auf der Südhalbkugel. Ideale Bedingungen für die weitere Ausbreitung der in Simbabwe grassierenden Cholera. Sie greift immer weiter um sich und macht das sowieso harte Leben noch schwerer.Eine Freundin schreibt gerade aus Mutare, »War gestern auf der Bank, um meine ›Wochenration‹ an Bargeld abzuholen: 5 Milliarden Simbabwe...

Wirklich? So viel Geld für uns?
ndPlusWilli Volks, INKOTA

Wirklich? So viel Geld für uns?

Als ich vor kurzer Zeit unseren salvadorianischen Partnern von Procomes das aktuelle Spendenergebnis der ND-Aktion übermittelte, wollten sie es gar nicht glauben. Dass sich über Tausende Kilometer hinweg Menschen solidarisch zeigen mit ihrem Kampf um Ernährungssicherheit in Gemeinden des Landkreises Berlin, erfreute sie ebenso, wie es sie überraschte. »Dass es irgendwo auf der Welt Menschen gibt, ...

Offene Tür für Leser des »Neuen Deutschlands«
ndPlusIlona Schleicher, SODI

Offene Tür für Leser des »Neuen Deutschlands«

Le Cong Phuoc ist seit acht Jahren Vorsitzender des Volkskomitees der Gemeinde Huong Ho. Er stammt aus einer Familie mit sieben Kindern, die so arm war, dass er die Schule bereits nach der 7. Klasse verlassen musste. Aber er engagierte sich, bildete sich weiter, trug bereits mit 17 Jahren große Verantwortung für die Entwicklung der Landwirtschaft in seiner Gemeinde.Als Gemeindechef sieht er eine w...

Hunger ist kein Schicksal

Hunger ist kein Schicksal

Liebe Leserinnen und Leser! Wir sind überwältigt und hoch erfreut. Mit einem gänzlich unerwarteten Rekord geht die gemeinsame Spendenaktion von ND mit SODI, INKOTA und Weltfriedensdienst in ihrer siebten Auflage zu Ende. 37 154,64 Euro wurden bisher gespendet. Damit hat angesichts der sich ausbreitenden Finanz- und Wirtschaftskrise wahrlich niemand gerechnet. ND sagt für dieses Zeichen der Solidar...

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Farbe bekennen in Schwarzweiß
Susann Witt-Stahl, Tel Aviv

Farbe bekennen in Schwarzweiß

Sie setzen sich ein für soziale Veränderungen, und sie sind überzeugt davon, dass sie mit dem Mittel der Fotografie dazu beitragen können. »Wir stellen auch mit Bildern die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft«, sagen die Bildreporter des alternativen israelischen Fotografennetzwerks Activestills.

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ndPlusFabian Lambeck

Putzen für die Konjunktur

Ginge es nach CDU-Fraktionsvize Michael Meister, dann könnten hierzulande demnächst mehrere Hunderttausend neue Jobs entstehen. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, müsste der Staat allerdings Verzicht üben, Verzicht auf Steuereinnahmen. Denn Meister will, dass Seinesgleichen zukünftig die Lohnkosten für Haushaltshilfen in unbegrenzter Höhe von der Steuer absetzen kann. Damit, so hofft Meist...

ndPlusOlaf Standke

Vernichtendes Urteil

Zumindest den Comedians in den USA dürfte George W. Bush künftig wohl fehlen. Präsentierte ihnen der scheidende USA-Präsident in seinem unermüdlichen Kampf mit Satzbau und Wortschatz doch die Pointen auf dem Silbertablett. Als »Bushismen« füllten die seltsamen Verbalentgleisungen ganze Bücher und Internetseiten. Zu den denkwürdigsten, weil unfreiwillig wahren gehört wohl die folgende: »Unsere Fein...

Martin Kröger

Vorfreude verfehlt

Die direkte Demokratie in Berlin boomt. Erneut hat offenbar ein Volksbegehren die Hürde übersprungen, um einen landesweiten Volksentscheid zu erzwingen. Über 195 000 Unterschriften will Pro Reli für die Einführung eines Wahlpflichtfachs Religion/Ethik an den Schulen gesammelt haben – bedeutend mehr als die 170 000 benötigten. Nun schlägt die Stunde des Wahlleiters, der die Unterschriften auf...

ndPlusChristian Klemm

Busenkumpel

Langsam wird die Luft für Volker Hoff dünner. Es scheint nur eine Frage der Zeit, dass ihn sein Jugendfreund, Intimus und Förderer Roland Koch wie eine heiße Kartoffel fallen lässt. Denn so einen wie ihn können die Christdemokraten im Moment gar nicht gebrauchen. Besonders nicht im Wahlkampf. Was ist mit dem 51-jährigen Hoff los, dass er nun zu einem Risiko für die CDU geworden ist? Hessens amtier...

Gute Arbeit, schlechte Arbeit?

Gute Arbeit, schlechte Arbeit?

ND: Öffentlich geförderte Beschäftigung gibt es in einigen Bundesländern, zum Beispiel in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Die Linksfraktion will solche Jobs nun auch in Thüringen. Was ist das Besondere an dieser Idee? Leukefeld: Mit der Thüringer Initiative für gemeinwohlorientierte Arbeit wollen wir als LINKE öffentlich geförderte Jobs im Non-Profit-Bereich, also Jugend-, Senioren-, Frauen- un...

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René Heilig

Elf Milliarden für Auslandseinsätze

Die Auslandsmissionen der Bundeswehr haben seit 2002 über elf Milliarden Euro verschlungen. 10,58 Milliarden Euro musste der Steuerzahler zwischen 1992 und 2007 für die Beteiligung an »friedenserhaltenden und stabilisierenden Maßnahmen« berappen.

ndPlusLutz Debus

Flaggen unerwünscht

Die Kämpfe in Gaza haben auch Auswirkungen auf Nordrhein-Westfalen. Im Rechtsausschuss des Landtages empörten sich Parlamentarier darüber, dass in Duisburg Polizeibeamte zwei israelische Flaggen entfernten, die aus einem Haus am Rand eines Demonstrationszuges hingen.

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Niederlage für den Juristen Roland Koch

Wiesbaden (ND-Öfinger) Unmittelbar vor der hessischen Landtagswahl sorgt der anstehende Ausbau des Frankfurter Rhein-Main-Flughafens noch einmal für Kontroversen. Ausgangspunkt der neu entflammten Diskussion ist ein Beschluss des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs in Kassel, der alle noch offenen Eilanträge von 13 Anliegergemeinen sowie Einzelpersonen und Gesellschaften gegen den Planfeststellungs...

ndPlusSteffen Twardowski

Sorgen vor Folgen der Finanzkrise

Mit einem zweiten Konjunkturpaket will die Bundesregierung die Folgen der internationalen Finanzkrise mildern. Doch die Mehrheit der Bundesbürger hat mittlerweile Zweifel, dass die Bundesregierung die Krise lösen kann. Die Zufriedenheit mit dem Krisenmanagement der Politik sinkt. Gleichzeitig finden Vorschläge der Linkspartei Zustimmung, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid ergab.

Seite 8
ndPlusIan King, London

Gordon Brown will in Heathrow klotzen

Eine neue Startbahn und ein sechstes Abfertigungsgebäude soll Londons Flughafen Heathrow bis 2020 bekommen. Zum stolzen Preis von zehn Milliarden Euro, zur Freude von British Airways (BA) und des Flughafenbetreibers – und zum Entsetzen von Umweltschützern.

Michael Krämer

Generalprobe in El Salvador

Seit 20 Jahren regiert die ultrarechte ARENA-Partei in El Salvador. Doch bei den Präsidentschaftswahlen am 15. März könnte es zu einem Machtwechsel in dem kleinen mittelamerikanischen Staat kommen. Die Parlaments- und Kommunalwahlen am Sonntag könnten die Wachablösung einleiten.

Seite 9

Abgewrackte Politik

Berlin (AFP/ND). Umweltverbände haben die Autopolitik der Bundesregierung heftig kritisiert. Das Konzept für eine Reform der Kfz-Steuer und die Verschrottungsprämie für alte Autos seien nicht nur konjunkturpolitisch weitgehend wirkungslos, sondern auch ökologisch kontraproduktiv, erklärten die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) am Freitag.Die Koalition habe sich mit ...

Historische Dürre in Südamerika

Von Jürgen Vogt, Buenos AiresHeißer Wind treibt die Staubwolken über die Pampa. Rinderkadaver liegen verstreut in der kahlen Landschaft. Von einer historischen Dürre im Süden von Südamerika ist die Rede. Seit Monaten plagen die Folgen der ausbleibenden Niederschläge die Vieh- und Landwirtschaft. Farmer und Viehzüchter fordern Unterstützungsmaßnahmen von ihren Regierungen.Nach Schätzungen der argen...

ndPlusFabian Lambeck

Flucht vor der Mitbestimmung

Seit dem Jahr 2004 können deutsche Unternehmen problemlos die Rechtsform wechseln. Die sogenannte Societas Europaea (SE) ermöglicht es den Firmen, die betriebliche Mitbestimmung zu umgehen.

Holger Henke

Das Ende der Rohstoffhausse

Fünf Jahre Wachstum gingen 2008 bei den Rohwaren zu Ende. Ab Juli gaben die Preise für Kupfer, Aluminium, Kaffee, Weizen und Co. an den internationalen Rohstoffbörsen langsam nach. Bis Jahresende waren bei den allermeisten Rohwaren deutlich mehr als die Zuwächse von 2008 futsch.

Seite 10
ndPlusFrank Kastner

Deutscher Doppelerfolg der Frauen im Zweierbob

Sandra Kiriasis jubelte schon 232 Meter vor dem Ziel. In der »Martineau-Corner«, die sie endlich fehlerfrei passierte, freute sich die Bob-Olympiasiegerin und Weltmeisterin über ihren vierten EM-Titel in Serie. Die Winterbergerin gewann mit ihrer Anschieberin Berit Wiacker den parallel dazu ausgetragenen Weltcup in 2:17,40 min und 96/100 s Vorsprung vor den Oberbärenburgerinnen Cathleen Martini/Ja...

Christian Heinig

Erst erstarrt, dann gejubelt

Die Uhr tickte gnadenlos herunter. Viele der 14 800 Zuschauer hatten die Hände vors Gesicht geschlagen, denn die Uhr lief gegen ihr Team, gegen die Basketballer von Alba Berlin. Noch zwanzig Sekunden, noch zehn, Aus! Vereinzelte Pfiffe hallten durch die Arena am Ostbahnhof. Alba hatte in der Euroleague mit 59:67 gegen Olimpija Ljubljana verloren. Damit hatten die Berliner am Donnerstagabend die Ch...

ndPlusMartin Kloth

»Vielleicht gibt es ein Wunder«

Die Hiobsbotschaft verkündete Bundestrainer Heiner Brand mit ernster Miene: Der Einsatz von Spielmacher Michael Kraus im heutigen Auftaktspiel des Weltmeisters gegen Russland ist fast ausgeschlossen. Wegen der Wadenverletzung droht dem Lemgoer sogar das Aus für die gesamte Vorrunde der Handball-WM in Kroatien. »Ob er überhaupt auf den Meldezettel kommt, hängt davon ab, wann er einsatzfähig sein ka...

Seite 11
Miserabel zum Meistertitel?
ndPlusThomas Wieczorek

Miserabel zum Meistertitel?

»Mitleid hat man umsonst«, sagt ein Sprichwort, »aber Neid muss man sich erarbeiten.« Genau dies hat der Bundesliga-Primus Hoffenheim getan: Wenn das Vereinskürzel TSG sogar vom hessischen SPD-Politiker Thorsten Schäfer-Gümbel als Erfolgssignum verwendet wird, dann ist es höchste Zeit für die Schmutzkübelbrigaden der anderen Klubs. Ausgerechnet Manager Uli Hoeneß, dessen Bayern schon seit Menschen...

Beim Test in Vancouver fehlen Asse

Die deutschen Skilangläufer und Nordischen Kombinierer bestreiten an diesem Wochenende beim Weltcup im kanadischen Whistler zugleich einen vorolympischen Test. Dabei gehen die Langläufer nur mit einem Miniteam an den Start. Bundestrainer Jochen Behle nominierte nur Stefanie Böhler (Ibach), Nicole Fessel (Oberstdorf) sowie Tom Brunner (Girkhausen) und Josef Wenzl (Zwiesel). Manuela Henkel (Oberhof)...

Manfred Hönel

Schales Bier, weiche Pommes

Die Berliner Eisbären werden von ihren Fans geliebt, gehuldigt und umarmt. Auf die Meisterspieler lassen sie nichts kommen. Und doch sind die Fans momentan sauer, wie auf einer Fan-Protestversammlung deutlich wurde. Sie fühlen sich über den Tisch gezogen. Ihr Unmut richtet sich nicht auf das Meisterteam, sondern auf das Umfeld in der neuen Spielstätte O2 World am Ostbahnhof.»Uns wurde viel verspro...

75 000 und ein Weltpräsident
Jirka Grahl

75 000 und ein Weltpräsident

Eine gehörige Portion Stolz war Dieter Stein anzumerken, als er am Donnerstag in Berlin das endgültige Fahrerfeld des 98. Berliner Sechstagerennens vorstellte. Die Namen der 18 Zweiermannschaften verlas der Rennleiter mit Genuss, schließlich schickt er vom 22. bis 27. Januar die Crème de la Crème des internationalen Bahnradsports auf das Holzoval des Berliner Velodroms. »Wie oft habe ich in den le...

Seite 13
ndPlusF.-B. Habel

Abhängigkeit und Gewalt

Manchmal meint man, Krimi-Serien seien untereinander austauschbar. Die meisten trennen nur Nuancen voneinander. Worin unterscheidet sich zum Beispiel ein Schweriner »Polizeiruf« von einem Leipziger »Tatort«? In Schwerin darf der Kommissar sächseln. Und worin gleichen sie sich? Bei beiden werden ältere Herren aus der DDR ermordet, weil sie Dreck am Stecken haben. Diesmal hat es den Leipziger Untern...

Obskure Bilder der Serenissima
Martina Jammers

Obskure Bilder der Serenissima

E s ist nicht einfach, sich ein eigenes Bild von Venedig zu machen. Es ist im Grunde unmöglich, stülpen sich doch sattsam bekannte Ansichten von Canalettos Veduten der Piazza San Marco über Turners in Sfumato eingehüllte Santa Maria della Salute bis hin zu Monets subtilen Lichtprotokollen der diversen Palazzi am Canale Grande beharrlich über jeglichen Keim der individuellen Aneignung. Als Klischee...

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Geblättert

Wir versuchen zu helfen, wo wir können. ZIPI LIVNI,Außenministerin Israels Seit Pisa kann man zum Glück wieder über Leistung reden, ohne beschimpft zu werden. HEINZ-ELMAR TENORTH, Bildungshistoriker ... ich bin eine sehr glückliche Frau. ANGELINA JOLIE, Oscar-Preisträgerin Wenn das Schreiben schwerer ist, schreibt man sehr viel. Es ist nur nicht gut. DANIEL KEHLMANN, Schriftsteller Wenn ich sehe, ...

PLATTENBAU
Antje Rößler

PLATTENBAU

Nur wenige Jazz-Plattenfirmen waren langlebig und markant genug, um die Musik zu definieren, die sie veröffentlichten. Das 1939 gegründete Label Blue Note ist eine solche Ausnahme. Der Blue-Note-Jazz wurde geprägt von Musikern, die sich heute wie das Who’s Who des Jazz ausnehmen: Thelonius Monk, Miles Davis, Horace Silver oder Herbie Hancock. Gründer des Labels waren Alfred Lion und Francis ...

»Ich tue, was ich muss«

»Ich tue, was ich muss«

Das Interview auf dieser Seite ist ein unveröffentlichtes. Eine Art Gesprächsfetzen, erinnernd an den großen Regisseur, Bühnenbildner, Erzähler, Tagebuchschreiber Einar Schleef (1944 bis 2001). Geführt wurde das Interview von Klaus Pfützner und Hans-Dieter Schütt im Jahre 1993, das Westberliner Schiller Theater war geschlossen, Schleef (Foto: dpa) hatte lange, aber vergeblich an einem »Faust«-Proj...

Seite 15

Proteste gegen Krieg in Gaza

(ND-Liebigt). Bundesweit rufen Vereine und Verbände zur Großdemonstration gegen den Krieg im Gazastreifen auf. In Berlin beginnt der Protestmarsch heute um 14 Uhr am Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus. Von dort aus sollen die Teilnehmer durch die Innenstadt zum Platz des 18. März geführt werden. Das Aktionsbündnis »Stoppt den Krieg in Gaza« der Palästinensischen Gemeinde Berlin e. V. und des Dach...

Jörg Meyer

Hoffnungsvoll

Als der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Jochen Esser, bei der Hauptausschusssitzung am Mittwoch auf die kommenden Probleme der Rezession hinwies, unterbrach ihn sein Kollege Carl Wechselberg (LINKE) mit einem Zwischenruf: »Jaja, die Krise des Kapitalismus!« Wie er so herüberschaue, entgegnete Esser, sei mit den LINKEN ja augenscheinlich keine Revolution zu machen. »Mit ihnen aber auch nicht«...

Der Senat muss die Geldbörse öffnen
ndPlusJürgen Amendt

Der Senat muss die Geldbörse öffnen

Die Klage, die die 68 Schulleiter aus Mitte in ihrem Brief an die Politik anführen, ist nicht neu: Die Zahl der Schüler pro Klasse sei zu hoch, so dass den Lehrern keine Zeit mehr für Schüler mit Förderbedarf übrig bleibe, heißt es in dem Anfang der Woche bekannt gewordenen Schreiben. Die Klassen sind aber deshalb so groß, weil der Senat seit Jahren zu wenig Lehrer einstellt, klagt die Gewerkschaf...

ndPlusAdrienne Friedländer

Eiskalte Leidenschaft

»Sit down and relax!« Pävi Koskela, strahlt mich an. Die Bremse ist links, Gas auf der rechten Seite und bitte, immer schön die Füße auf dem Platz lassen, sonst brechen sie, wenn das Snowmobile umfällt.« Seit zwei Jahren arbeiten die fröhliche Finnin und ihr Ehemann als Safari-Guides in Kemi, der kleinen nordfinnischen Stadt am Bottnischen Meerbusen. Im Sommer wandern sie mit Touristen durch Moor ...

Seite 16

Mietvertrag unterzeichnet

(ND). Dreieinhalb Jahre nach der Besetzung unterzeichneten am Freitag der Verein »Druschba e. V.« und Baustadträtin Jutta Kalepky (parteilos) einen Mietvertrag für den Südflügel des Bethanien am Kreuzberger Mariannenplatz. »Damit wurde der jahrelange Missstand beendet«, hieß es in einer Mitteilung des Bezirksamtes, das hoffe, dass die neuen Mieter sich »nunmehr konstruktiv an der Weiterentwicklung...

»Ich würde es wieder tun«

»Ich würde es wieder tun«

ND: Herr Zwirner, was sollte derjenige, der sich für die Wanderrallye bewirbt, an Vorraussetzungen mitbringen? Zwirner: Er sollte auf jeden Fall in der Lage sein, etwa 20 Kilometer täglich zu gehen. Noch wichtiger als die körperliche Fitness jedoch ist es, team- und erlebnisfähig zu sein und Freude an Bewegung in der Natur zu haben. Was war denn für Sie das Beste an der Tour? Die Wanderpartner. Au...

Recht auf Wahrheit über Tod von Dennis

(dpa). Der von einem Polizisten erschossene Dennis J. ist am Freitag in Neukölln beerdigt worden. Anschließend protestierten rund 200 Menschen mit einem Trauermarsch zum Polizeipräsidium in Tempelhof gegen den tödlichen Polizeieinsatz. Auf Transparenten stand unter anderem: »Wir fordern! Schütze in U-Haft«. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ordnete inzwischen eine richterliche Vernehmung der beiden...

Rucksack geschultert und los geht's
ndPlusHeidi Diehl

Rucksack geschultert und los geht's

Als Neues Deutschland sich vor einem Jahr entschloss, als Medienpartner bei der ersten Wanderrallye von Best of Wandern einzusteigen, konnte niemand ahnen, dass unser Teilnehmer Matthias Zwirner (siehe auch untenstehendes Interview) das Rennen um den Wanderchampion gewinnt. Während der zwölftägigen Tour ließ er die Leser an seinen Erlebnissen teilhaben, erzählte humorvoll, was und wer ihm unterweg...

Seite 17

Wenders stellt vor

(ND). Wim Wenders stellt am Sonntag den 18. Januar um 18 Uhr seinen Film »Invisible Crimes« über den Kongo in der Akademie der Künste vor. Anschließend spricht er mit Zeit-Redakteurin Andrea Böhm und beantwortet Fragen aus dem Publikum.Das dokumentarische Gemeinschaftsprojekt »Los Invisibiles« entstand auf Initiative der spanischen Sektion von »Ärzte ohne Grenzen«. Fünf international renommierte R...

Thalbach inszeniert

(ND). William Shakespeares »Wie es Euch gefällt« in der Regie von Katharina Thalbach feiert am 18. Januar um 18 Uhr Premiere in der Komödie am Kurfürstendamm. Es ist nach Oscar Wildes »Ernst und seine tiefere Bedeutung« ihre zweite Regiearbeit an diesem Haus.Thalbach habe das leichte und traumhafte »Wie es Euch gefällt« auf die Spitze getrieben, indem sie alle Rollen mit Frauen besetzt habe, teilt...

Gedächtnis der Stadt konzentriert sich
Tobias Riegel

Gedächtnis der Stadt konzentriert sich

Die Stiftung Stadtmuseum wird 2009 an ihren verschiedenen Standorten insgesamt zehn Ausstellungen realisieren. Zentrale Projekte werden neben der Wiedereröffnung der momentan sanierten Nikolaikirche zwei große Ausstellungen im Ephraim-Palais sein: »My Berlinczycy« vom 22. März bis zum 14 Juni über polnisches Leben in Berlin sowie »FallMauerFall« vom 6. November bis zum 1. Februar nächsten Jahres &...

Afrikas deutsche Stimme
Lutz Debus

Afrikas deutsche Stimme

Temperamentvoll gestikulierend sitzt sie vor ihrem Computer. Kurz hält sie inne, um ein paar Buchstaben zu tippen. Während Veye Tatah letzte Korrekturen an der Druckvorlage ihres neuen Heftes vornimmt, erzählt sie dem angereisten Reporter ihr Leben. Der englische Begriff Multitasking beschreibt das Geschehen nur annähernd. Denn nebenbei nimmt die 37-jährige Frau aus Kamerun noch Telefongespräche a...

Seite 18
ndPlusSybille Gurack

Verfassungsschützer am Fuchsbau

Die Linkspartei setzt sich für den Erhalt der bei Fürstenwalde gelegenen Bunkeranlage Fuchsbau als technisches Denkmal ein. Dies erklärte gestern die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestags-LINKEN, Dagmar Enkelmann, vor Ort auf einer Pressekonferenz. Außerdem solle die Gedenkstätte für das ehemalige KZ-Außenlager Sachsenhausen in ein künftiges Konzept für die ehemalige Militäranlag...

Johannes Frewel

Wanka vor Wahl zur Galionsfigur der Union

Gut acht Monate vor der Landtagswahl in Brandenburg soll eine Späteinsteigerin die Brandenburger CDU aus dem Stimmungstief führen. Am Samstag wird sich die Wissenschafts- und Kulturministerin Johanna Wanka bei einem Landesparteitag in Potsdam um das Amt der Parteichefin bewerben, um sich anschließend auch zur Spitzenkandidatin bei der Wahl Ende September küren zu lassen.Vor ihr liegt eine schwieri...

Walter Kaufmann: Ich war fünfzehn

Von fern schon hatte ich das Bündel auf der Bank beim Märkischen Ufer wahrgenommen. Das war am Sonntagmorgen gewesen, der kalt und frostig war, mit einem Himmel hoch und blau überm Fernsehturm und Rotem Rathaus. Züge donnerten über die Geleise der Jannowitzbrücke, ich schritt schnell aus zum Bahnhof hin, dann aber stockten meine Schritte, als ich erkannte, in dem Bündel regte sich etwas: ein Obdac...

Seite 19
ndPlusArndt Hopfmann und Gerd-Rüdiger Stephan

COPE fordert ANC

An historischer Stelle, im südafrikanischen Bloemfontein, fand vom 13. bis 16. Dezember 2008 der Gründungsparteitag einer Partei statt, die sich fortan nicht nur Congress of the People (COPE) nennen will, sondern auch so nennen darf. Denn der African National Congress (ANC) hat seinen erbitterten Widerstand gegen diesen Namen aufgegeben, nachdem die neue Partei am 18. Dezember von der Unabhängigen...

Ekkehart Krippendorff

Möglichkeiten, nicht Gewissheiten

Zum ersten Mal seit Jahren, vielleicht seit Jahrzehnten gibt es so etwas wie Hoffnung auf der Bühne der internationalen Politik, berechtigte Hoffnung, denn der »Ruck«, der durch die US-Gesellschaft gegangen ist, der eigentlich realistischerweise unerwartete Erfolg einer demokratischen Massenbewegung und -mobilisierung, der wird nicht ohne mittel- und langfristige Folgen bleiben.Das schließt kurzfr...

Seite 20

WochenChronik

16. Januar 1969: Erstmals gelingt ein Kopplungsmanöver im All. Die Besatzungsmitglieder der sowjetischen »Sojus 5« steigen in die »Sojus 4« um und kehren mit dieser auf die Erde zurück. 18. Januar 1919: Im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles beginnt die Friedenskonferenz der Siegermächte des Ersten Weltkrieges. 21. Januar 1924: Wladimir I. Lenin stirbt im Alter von 53 Jahren. 22. Januar 1924:...

Hertha Koenig
Martin Stolzenau

Hertha Koenig

Sie ist als Förderin sozialer Hilfsprojekte, Kunstmäzenin und bemerkenswerte Schriftstellerin bekannt. Hertha Koenig stand in engstem Kontakt zu bedeutenden Persönlichkeiten wie Pablo Picasso und Rainer Maria Rilke, der zeitweilig bei ihr wohnte, sowie Oskar Maria Graf, den sie fiananziell unterstützte, und Bundespräsident Theodor Heuß. Aus ihren literarischen Schöpfungen ragen die »Erinnerungen a...

ndPlusAxel Berger

Abschied vom Sozialismus?

Für die Profilierung der neuen Partei DIE LINKE ist es wichtig, wie sich die Diskussion ihres Programms gestaltet. Angesichts des Zuwachses der Mitglieder aus den alten Bundesländern sowie einer zunehmend jüngeren Klientel stellt sich die Frage nach Traditionen, an die anzuknüpfen ist, neu. Als Beitrag zur Debatte bietet ND eine vierteilige Serie, die an die Nachkriegslinke in Ost und West erinnert.

Als das letzte Quäntchen Mut fehlte
Kurt Finker

Als das letzte Quäntchen Mut fehlte

Die Literaturflut zum 20. Juli 1944 reißt nicht ab. Offenbar soll schon diese Fülle die gängige Behauptung unterstreichen, dass es sich mit dem Attentatsversuch auf Hitler am 20. Juli 1944 um den deutschen Widerstand schlechthin gehandelt habe, alle weiteren Aktionen gegen das Nazi-Regime seien nur Randerscheinungen gewesen oder gar »Landesverrat«, wie etwa der antifaschistische Kampf der Kommunis...

Seite 21

Magnetfeld und Rotation

Lindau (ND). Mehrere Planeten unseres Sonnensystems, aber auch viele Sterne besitzen ein Magnetfeld. Die Stärke dieser Felder unterscheidet sich erheblich: Während das Magnetfeld des Jupiters zehnmal so stark ist wie das der Erde, übertrifft das Magnetfeld mancher Sterne diesen Wert um mehr als das Tausendfache. Eine Erklärung für diese Unterschiede fehlte bisher. Sicher schien nur, dass sich im I...

ndPlusMartin Koch

Das Rätsel der Vererbung

In Unkenntnis dessen, was wir heute Genetik nennen, haben Naturforscher im 19. Jahrhundert verschiedene Theorien zur Erklärung der Vererbung entwickelt. Selbst der gründliche Charles Darwin ließ sich, als er 1868 seine Pangenesis-Hypothese formulierte, zu folgender Spekulation hinreißen: Alle Zellen des Körpers sondern winzige Partikel ab, die über den Blutkreislauf in die Keimzellen und von hier ...

Steffen Schmidt

Direkter Draht ins Hirn

Wer im Hochsommer in der Hauptverkehrszeit mit der Bahn fährt, kennt das: Eine Wolke von Gerüchen bedrängt die Nase. Das reicht vom Schweißgeruch über den Knoblauch des Mittagessens bis hin zu Deo und Parfüm. In dieser Situation wünscht man sich oft, ohne Nase durchs Leben zu gehen, und versteht das böse Verdikt des Philosophen Immanuel Kant, dass der Geruchssinn der »undankbarste« und »entbehrlic...

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Und über uns die Sterne
ndPlusDieter B. Herrmann

Und über uns die Sterne

Am Donnerstag ist das Internationale Jahr der Astronomie mit einer feierlichen Zeremonie in Paris eröffnet worden. 400 Jahre, nachdem Galileo Galilei 1609 zum ersten Mal sein Fernrohr zum Sternenhimmel richtete, wollen internationale Organisationen und Wissenschaftler weltweit Menschen für die Geheimnisse und Schönheit des Universums begeistern. In den kommenden Monaten werden rund um den Globus Sternwarten, Planetarien und wissenschaftliche Einrichtungen mit Vorträgen, Veranstaltungen, Ausstellungen und Mitmach-Aktionen in die spannende Wissenschaftsdisziplin einführen. Das Internationale Jahr der Astronomie soll »die Menschen ermuntern, das All neu zu entdecken«, sagte UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura. Astrophysikalische Erkenntnisse revolutionieren auch heute noch unser Weltbild. Zudem sei die Astronomie ein Instrument, um Frieden und Verständigung zwischen den Völkern der Erde zu fördern. Denn: »Der Himmel gehört allen.« Für Deutschland wird das Astronomiejahr am 20. Januar im Kommunikationsmuseum in Berlin eröffnet.

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Vier Generationen Li in einem Wohnhof
Anna Guhl, Peking

Vier Generationen Li in einem Wohnhof

Der alte Herr Li ist überglücklich. Pünktlich zu seinem 90. Geburtstag wurde die Sanierung des alten Wohnhofs der Familie beendet. Vier Generationen wohnen von nun an in den acht Räumen des wieder hergerichteten Vier-Seiten-Hofes (Siheyuan) mitten in Peking. Fast wie in alten Zeiten, erinnert sich Urgroßvater Li, nur viel schöner. Zwar blieben die alten Strukturen der Gebäude erhalten, auch die Fa...

Ein Abitur in Kunst
ndPlusHarald Lachmann, Wettin

Ein Abitur in Kunst

Die Nachmittagssonne bricht sich in den schmalen hohen Kirchenfenstern von St. Nikolai und wirft zarte Schatten. So werden in dem schlichten hellblauen Glas plötzlich kunstvolle Strukturen sichtbar: Bäume, Vögel, Feldwege. Alles wirkt schnörkellos und wirklichkeitsnah. Ganz so, wie Kinder zeichnen. Und in der Tat, Kinder waren es, nun gut: junge Gymnasiasten. Nur, wie bekamen sie diese Formen in d...

Seite 24

Testspiel

Wer sagte es? Nicht darauf kommt es an, dass die Macht in dieser oder jener Hand sich befinde: die Macht selbst muss vermindert werden, in welcher Hand sie sich auch befinde. Foto: Archiv Wer war es? Welcher griechische Maler versteckte sich hinter seinen Gemälden, um unbemerkt das Urteil der Betrachter zu belauschen? Wo war es? Wo fand 1649 das »Friedensmahl« statt? Wozu diente es? Zu welchem Zwe...

Meister der Dame
ndPlusKlaus Teßmann

Meister der Dame

Vadim Virnyi aus Münster ist neuer Deutscher Meister im Damespiel. Gekürt wurde er Anfang Januar bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin-Marzahn, wo 16 Spieler aus allen Teilen des Landes um den Titel kämpften. Der älteste Spieler war 70, der jüngste Teilnehmer 13 Jahre alt. Während in anderen europäischen Ländern Dame als Denksportart von den Sportverbänden anerkannt ist, fristen die deutsche...

Revanche in der Ukraine
Carlos García Hernández, Schachlehrer

Revanche in der Ukraine

Im Oktober 2007 organisierte die ukrainische Stadt Mukachevo ein Schnellschach-Turnier zwischen dem ukrainischen Spitzenspieler Wassili Iwantschuk (39) und Ungarns bestem Großmeister Peter Leko (29). Iwantschuk gewann in einem spannenden Tie-Break. Dieses Jahr, vom 2. bis 5. Januar, gab es in der Stadt die Revanche. Wieder gewann Iwantschuk – dieses Mal ohne Tie-Break – mit 3,5 zu 2,5 ...

Spielend durch die Krise

Spielend durch die Krise

Spielerisch und spielend durch die Krise: Das ist die Vision von PETER LEMCKE, der das Deutsche SPIELEmuseum in Chemnitz leitet (Foto: SPIELEmuseum). Mit dem gelernten Journalisten und Regisseur, einem gebürtigen Hamburger, spricht ND-Autor RENÉ GRALLA.