Ausgabe vom 29.01.2009

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Unten links

Das Ostfriesische Landesmuseum musste einen jahrhundertealten Irrtum einräumen: Die Pantoffeln des Klaus Störtebeker, die in Emden ausgestellt sind, haben diesem nie gehört. Museumsdirektor Friedrich Scheele gab nach einer Untersuchung bekannt, dass das Schuhwerk aus dem 16. Jahrhundert stamme, Störtebeker wurde aber bereits 1401 hingerichtet. Da wurde man andernorts sofort hellhörig. Was ist mit ...

ndPlusRoland Etzel

Standpunkt

»Es ist von entscheidender Bedeutung«, erklärte George Mitchell vor seinem gestrigen Eintreffen in Israel, »dass die Waffenruhe ausgedehnt und gefestigt wird«. Welche Erwartungen Obamas Nahostbeauftragter dabei hatte, blieb sein Geheimnis. Geschehen ist jedenfalls weder das eine noch das andere. Palästinensische Bombenbastler ließen aus der Ferne ein israelisches Armeefahrzeug explodieren, die pro...

Das Weltsozialforum tanzt
ndPlusGerhard Dilger, Belém

Das Weltsozialforum tanzt

Mit Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem wurde in der brasilianischen Amazonasmetropole Belém das neunte Weltsozialforum eröffnet. Im Mittelpunkt des Treffens von Zehntausenden Globalisierungskritikern stand am Mittwoch der Schutz des Regenwalds in Amazonien. Viele Teilnehmer bekundeten auch ihre Solidarität mit den Palästinensern im Nahen Osten.

Interesse an israelischen »Reihern«
René Heilig

Interesse an israelischen »Reihern«

Die Bundeswehr hat angeblich Fähigkeitslücken. Eine betrifft den Bereich Aufklärung durch unbemannte Fluggeräte, kurz UAV. Bislang stand ein US-Muster ganz oben auf der Wunschliste der Luftwaffe, doch nach dem Krieg in Gaza gewinnt nun das Konkurrenzmuster »Heron« Höhe.

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Gabriele Oertel

Jahrmarkt der Begehrlichkeiten

Viel wurde im Vorfeld des zweiten Konjunkturpaketes der Großen Koalition um Zeitpunkt, Höhe, inhaltliche Wichtung gestritten.

ndPlusWolfgang Kötter

Dämme gegen eine Kernwaffenschwemme

Die atomare Abrüstung ist heute auch in Berlin das Thema des Tages. Hier trifft sich die »Middle Powers Initiative«, um darüber zu beraten, wie eine erfolgreiche Vorbereitung der nächsten Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag wirksam unterstützt werden kann.

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Christian Heinig

Gesiegt, gewürdigt, geweint, gefeiert

Erik Zabel hat den Kopf gesenkt. Die deutsche Hymne schallt aus den Lautsprechern. In sich gekehrt sitzt Zabel auf seinem Rad, das er gern als »mein Freund« bezeichnet. Dann schaut er ruckartig auf, blickt in das weite Rund des mit 13 500 Zuschauern voll besetzten Berliner Velodroms. Ein Lächeln, ein Winken, dann steigt er von seinem Gefährt, zum letzten Mal. Es ist mittlerweile Mittwoch, fünf Min...

ndPlusTom Mustroph, Lampedusa

Eine schwierige Annäherung

Die Stimmung auf der italienischen Insel Lampedusa ist gespannt. Zwar wurden die Proteste der Flüchtlinge, die dort interniert sind, von einem großen Teil der Inselbewohner unterstützt. Nicht allen aber geht es um die Menschenrechte.

Seite 4

Neue Lüge zu Häftlingen in Guantanamo

Berlin (ND-Heilig). Die Bundesregierung war angeblich bereits 2007 von der Bush-Administration gebeten worden, einen konkret benannten, unschuldig in Guantanamo sitzenden Häftling nach Deutschland und damit in die Freiheit zu lassen. Die Anfrage der US-Regierung wurde negativ beantwortet. Das wurde dem Vernehmen nach in der gestrigen Sitzung des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages bekannt.Moni...

Anke Engelmann, Erfurt

Viel Arbeit für die Arbeitsgerichte

Kündigungen, Tarifrecht, betrieblicher Datenschutz, Hungerlöhne: Das Bundesarbeitsgericht hat mit den Folgen regelmäßig zu tun. Gestern stellte es seinen Jahresbericht vor.

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Zöllner für einheitlichen Lehrerlohn

Berlin (ND-Amendt). Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) will seine Kollegen in den anderen Bundesländern zu einer bundeseinheitlichen Bezahlung von Lehrern aufgefordern. Es müsse eine Absprache zwischen den Bundesländern geben, sagte der Politiker dem Internetportal der »Berliner Morgenpost«. Damit reagierte Zöllner auf die Ankündigung von 100 jungen Berliner Lehrern, sie würden sich in a...

Thüringens Linke baut auf Parteilosen

Erfurt (dpa/ND). Die Thüringer LINKE geht mit dem parteilosen Werkzeugmacher Ralph Lenkert in die Bundestagswahl. Er soll sowohl den ersten Listenplatz als auch den Wahlkreis Jena-Gera von Bodo Ramelow übernehmen, der als Spitzenkandidat für die Landtagswahl antritt, gab Parteichef Knut Korschewsky am Mittwoch in Erfurt bekannt. Die Wahl fiel auf den 41 Jahre alten Lenkert als Sprecher der Bürgeri...

ndPlusFabian Lambeck

Kinderbonus statt Schuldenbremse

Während im Bundestag noch über das zweite Konjunkturpaket debattiert wird, fordern die Wissenschaftler des Instituts Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) dringende Nachbesserungen. Andernfalls bleibe das Paket in diesem Jahr weitgehend wirkungslos.

Martin Sommer

Studie fällt Peter Müller auf die Füße

Der Landtagswahlkampf im Saarland wirft seine Schatten voraus. Die jüngste Studie zur Integration, die einen Ländervergleich herstellt, bietet schon mal einen Anlass.

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Irina Wolkowa, Moskau

Kyrill zum Patriarchen in Russland gewählt

Kyrill heißt der neue Patriarch von Moskau und ganz Russland. Auf dem Konzil mit 508 gegen 169 Stimmen gewählt, wird er am Sonntag in der Moskauer Christ-Erlöserkirche in sein Amt eingeführt. Mit 62 Jahren ist er relativ jung und könnte sein Amt zwei Jahrzehnte wahrnehmen. Der den bürgerlichen Namen Wladimir Gundjajew tragende Kyrill ist nach Meinung russischer Kommentatoren vor allem deshalb gewä...

Seite 7
Ein »Held« in Polens Justizministerium
ndPlusJulian Bartosz, Wroclaw

Ein »Held« in Polens Justizministerium

Der in der vergangenen Woche vollzogene Ministerwechsel im polnischen Justizministerium wurde von allen Parteien gutgeheißen – selbst vom Bündnis der Demokratischen Linken (SLD). Auffällig war der mediale

Detlef D. Pries

Fortsetzung des Gaskriegs in Kiew

Seit dem 20. Januar fließt wieder russisches Erdgas durch ukrainische Rohrleitungen. Der russisch-ukrainische »Gaskrieg« jedoch wird fortgesetzt – innerhalb der Ukraine.

Olaf Standke

Blackwater-Söldner im Visier

Die zunehmende Privatisierung militärischer Macht und die damit verbundene Aushöhlung des staatlichen Gewaltmonopols stehen heute auf der Tagesordnung der Parlamentarischen Versammlung des Europarats in Straßburg. Berichterstatter Wolfgang Wodarg (SPD) forderte eine Charta des 47-Staaten-Gremiums, die auf eine rechtsstaatliche Aufsicht über diese Branche zielt und die parlamentarischen Kontrollrechte stärkt.

Seite 8
ndPlusHans-Dieter Schütt

Boulevard und Brecht

Schon vor geraumer Zeit hatte die Sprecherin eines Boulevardmagazins im US-Sender MSNBC vor laufender Kamera einen Text zerrissen. Nun folgte ihrem Beispiel eine Kollegin: Auch sie weigere sich, unsäglichen Klatsch aus der Szene wie eine nachrichtliche Spitzenmeldung zu präsentieren. Stark. Die Zerreiß-Proben machen den Charakter. Schauprozesse politischer Diktaturen, so hat es der Schriftsteller ...

ndPlusUwe Kalbe

Rettung und Ehrenrettung

Der gesunde Menschenverstand lässt eigentlich keinen anderen Schluss zu: Wo ein Erwachsener seit seinem sechsten Lebensjahr lebte, großgeworden und sozialisiert ist, ist seine Heimat. Und selbst wenn er es Lebensmittelpunkt nennt oder noch anders, kann es nur als Unrecht empfunden werden, ihn gegen seinen Willen aus diesem zu verbannen. Doch das Recht verweigert sich dieser Logik. So kann es passi...

Jürgen Amendt

Zwischen allen Stühlen

Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner sitzt zwischen allen Stühlen. Die Ankündigung von rund 100 Junglehrern, aus der Stadt zu flüchten und anderswo ihr Geld zu verdienen, sollten sie nicht verbeamtet werden, kann er nicht folgenlos ignorieren. Schon jetzt fehlt es in der Hauptstadt an Lehrern – die Abwerbestrategie anderer, reicherer Bundesländer wie Hamburg oder Rheinland-Pfalz hatte in d...

ndPlusAndreas Knobloch

Schreibwütig

Was Mitterrand recht war, ist Lula billig: Schutz für linke Militante, die der Gewalt abgeschworen haben wie der 54-jährige Italiener Cesare Battisti. Berlusconi ist darüber freilich erbost. Aus Protest gegen die Verweigerung der Auslieferung rief Italien am Dienstag seinen Botschafter aus Brasilien zu Beratungen nach Rom zurück. Schon vor zwei Wochen hatte der brasilianische Justizminister Tarso ...

Kehrtwende oder Altersarmut?

Kehrtwende oder Altersarmut?

ND: Sie machen eine Reihe politischer Fehlentscheidungen mitverantwortlich für den Anstieg der Altersarmut. Welche sind das? Buntenbach: Die Rente kommt von zwei Seiten unter Druck. In den vergangenen Jahren ist sie vom Gesetzgeber um bis zu 25 Prozent gekürzt worden, beispielsweise dadurch, dass das Rentenniveau gesenkt oder bestimmte Ausbildungszeiten nicht mehr anerkannt wurden. Dazu kommen Fe...

Seite 9
Es ist alles nur geklaut
Jan Freitag

Es ist alles nur geklaut

Wäre es nicht so furchtbar ernst gemeint, man müsste drüber lachen: Der neue »Landarzt«, gespielt vom Schlagersängersohn Wayne Carpendale, ist unlängst in die älteste deutsche Praxis (kein Scherz) eingeritten! Hoch zu Ross auf den Thron der Halbgötter in Weiß. Dorthin, also wo der Herr Doktor nie irrt, wo er nur Gutes will und meist auch tut. Perfider hätte man das gängige Klischee hiesiger TV-Med...

ndPlusReiner Oschmann

Zum Tango gehören immer zwei

Frühe Handicaps begünstigten die spätere Karriere. John Updike, der am Dienstag wenige Wochen vor seinem 77. Geburtstag an Lungenkrebs gestorben ist, litt als Kind im heimatlichen Shillington (Pennsylvania) körperlich wie seelisch an einer harmlosen, aber lästigen Schuppenflechte. Und an einem Sprachfehler. Seine Mutter riet dem einzigen Sohn der kleinbürgerlichen, von der Weltwirtschaftskrise geb...

Seite 10
Hendrik Lasch

Streit um entführte Editha

Das Kistchen, das die Archäologen im November bei Grabungen im Magdeburger Dom entdeckten, ist eine Handspanne breit und einen halben Meter lang, schimmert silbrig und hat einen sehr verbeulten Deckel. Die Inschrift, die zum Vorschein kam, nachdem der Staub von fünf Jahrhunderten abgewischt wurde, elektrisierte die Forscher: »Edit Regine cineres hic sarcophages habe«, ist dort zu lesen: »Die gebor...

ndPlusKerstin Decker

Ein furioser Faust-Rap

Ein grauer zellenartiger Kasten statt eines gotischen Studierzimmers, und in dem Kasten, weit oben, schmale Schlitze, aus denen man zwar nicht herausschauen, durch die man aber hineinschauen kann. Oder das Tageslicht selbst scheint herein – wie eine unerreichbar ferne Erinnerung. Elfenbeinturm? So aussichtslos also ist das Leben der Gelehrten über die Jahrhunderte hinweg. Ein klarer Fall von...

Seite 11
STARporträt

STARporträt

Er ist einer der bedeutendsten Filmer des modernen italienischen Kinos, als Regisseur, Autor, Produzent und Schauspieler – ein Meister des intimen Films (Foto: dpa). Meist spielt er in seinen eigenen Filmen auch die Hauptrolle, jetzt ist er in Antonello Grimaldis »Stilles Chaos« zu sehen und seine großartige Darstellung lässt das Werk wie einen reinen Moretti-Film erscheinen. Trauerarbeit, u...

MEDIENlink

Nachdem Steven Spielberg 1994 »Schindlers Liste« abgedreht hatte, gründete er die Shoah Stiftung, um Zeitzeugenberichte von Überlebenden des Holocausts per Video festzuhalten. 52 000 Dokumente entstanden, doch es gibt ein Problem: Sie sind im Internet nicht frei verfügbar – ein pädagogisches Hindernis in der heutigen Zeit. Einen Schritt weiter geht die Seite www.zwangsarbeit-archiv.de. Sie s...

Nachrichten

EHRUNG FÜR ENGAGEMENT. Die Karlsmedaille für die Europäischen Medien geht in diesem Jahr an »Reporter ohne Grenzen«. Die internationale Organisation, die weltweit für Pressefreiheit kämpft und sich für verfolgte Journalisten einsetzt, leiste einen wichtigen Beitrag zum Wertefundament Europas, erklärte gestern der Aachener Oberbürgermeister Jürgen Linden (SPD). epdGELD FÜR QUOTE. Die öffentlich-rec...

ndPlusCaroline M. Buck

Designerbrille & Kopftuch

Revolutionstagesparaden und Vollverschleierung, Märtyrerfriedhöfe, großflächige Ayatollah-Porträts auf Häuserwänden und vorsorgliche Geschlechtertrennung: all' das findet man in Teheran heute. Aber Teheran ist eine Millionen-Metropole und das Durchschnittsalter der iranischen Bevölkerung niedrig. Also gibt es in Teheran auch Fast- Food-Ketten und Spielzeuggeschäfte, die jedes europäische Kind bege...

Hanno Harnisch

Von der Wiege zur Wiege

Im Hörbuch aus dem Diogenes Verlag, erschienen erst im vergangenen Monat, liest Gert Heidenreich exakt 78 Minuten: »Der seltsame Fall des Benjamin Button«, mit der gebotenen Fantasie, die dieses moderne Märchen braucht. 1922 hat F. Scott Fitzgerald seine Kurzgeschichte geschrieben über den Werdegang eines sonderbaren Babys, welches als ein alter Mann zur Welt kommt, fortan sein Leben rückwärts dur...

Rainer Braun

Qualität nur um Mitternacht?

Die Aufregung in der TV-Branche war groß, als Marcel Reich-Ranicki ausgerechnet beim letzten Deutschen Fernsehpreis, den er bekanntlich ablehnte, seinem Ärger über den Zustand des Fernsehens im allgemeinen und der Veranstaltung im Besonderen Luft machte. Gnade fand vor seinen Augen allenfalls noch das Programm von arte und – mit deutlichen Einschränkungen – von 3sat. Nun ist Reich-Rani...

Seite 12
Benjamin Jakob

Ermunterungen

Man liest sie in dreißig Sprachen. In Frankreich erzielt sie Millionenauflagen. Und das jüngste Opus soll nun allein in der deutschen Ausgabe 200 000 Mal gedruckt worden sein. Ja, Anna Gavalda ist ein Star. Hymnischer Verehrung in den Feuilletons, doch daneben steht der Totalverriss. Einige Rezensenten loben »Leichtigkeit, Eleganz und Witz«. Andere sehen »Zuckerwasserliteratur«, Rührstücke mit gro...

ndPlusLilian Astrid Geese

Des Lebens Wiederkehr

Der klügste und ein geradezu verstörender Roman aus der Kollektion türkischer Belletristik in deutscher Übersetzung 2008 ist »Am Rand« von Sebnem Isigüzel. In surrealer Komposition, brutal nah an Leben und Tod, wird »die Vergangenheit gegen den Strich gebürstet«, so die Autorin im fiktiven Nachwort. Wortwörtlich »am Rand« (der Gesellschaft) lebt Leyla, einst Schachgenie in Moskau und geniale Konku...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Liebesdienst

Im Gästezimmer bezieht sie das Bett in blassem Rosé. »Würde sie ein flaches Kissen wollen oder ein dickes?« Einen neuen Teppich kauft sie und pflanzt Geranien in den Blumenkasten. Nachdem sie Nicola vom Flugplatz abgeholt hat, macht sie ihr eine Wärmflasche, zieht ihr ein Nachthemd über, weil sie schon zu schwach dafür ist, wickelt sie in eine Daunendecke und legt sich Bauch an Rücken hinter sie. ...

Seite 13
ndPlusGerd Kaiser

Kurier bei den Partisanen

Dieses Buch hat viele gute Seiten. Chasia Bornstein-Bielicka (Jg. 1921) legt Zeugnis ab. Sie lässt teilhaben an ihrem und ihrer Familie Leben in Grodno, ermöglicht Einblicke in den Alltag einer nicht mit Gütern gesegneten, überlieferte Traditionen pflegenden jüdischen Familie. Anschaulich schildert sie die sozialen und ethnischen Verhältnisse in Ostpolen, wo Juden, Polen und Belorussen miteinander...

Ernst Dornhof

Ein mutiger Lehrer

Es ging unter die Haut, als die Namen von 800 Pankower Juden verlesen wurden. Ihrer ist in einer anrührenden Zeremonie am Dienstag vor dem Jüdischen Waisenhaus in Berlin-Pankow gedacht worden, von zahlreichen älteren, aber auch sehr vielen jungen Hauptstädtern. Auch zur Vorstellung des hier anzuzeigenden Buches im vergangenen Jahr war der Andrang groß, der Betsaal im ehemaligen Waisenhaus nahezu ü...

Horst Helas

»Unser Wille war nicht zu brechen.«

Im Sommer 1945 erlaubte die britische Regierung, dass eintausend jüdische Kinder und Jugendliche in das Land einreisen durften. Es waren schließlich 732. Die jungen Holocaust-Überlebenden hatten Grauenhaftes erlebt, waren zumeist Vollwaisen. Manche von ihnen hatten den Tod ihrer Eltern und Geschwister mit ansehen müssen. Worte wie Ghetto, Arbeitslager Deportation, KZ, Todesmarsch waren für sie kei...

Seite 14

Warnstreiks von Flugbegleitern

Frankfurt am Main (AFP/ND). Im Tarifstreit um höhere Löhne hat die Flugbegleitergewerkschaft UFO den Druck auf die Lufthansa erhöht. Die Kranich-Airline musste am Mittwoch aufgrund erneuter Warnstreiks insgesamt 80 Flüge streichen, wie eine Lufthansa-Sprecherin in Frankfurt am Main sagte. Auf vielen Verbindungen sei es zu Verspätungen gekommen, auch auf Langstreckenflügen zu Zielen außerhalb Europas.

ndPlusHolger Henke

Newmont Mining am Pranger

In Davos wurde am Mittwoch das US-amerikanische Bergbau-Unternehmen Newmont Mining zur »übelsten Firma« der Welt gekürt. Hauptgrund für die Auszeichnung mit dem Negativpreis, der jährlich anlässlich des Weltwirtschaftsforums verliehen wird, sind die für die Umwelt ruinösen Geschäftspraktiken des Multis.

Hans-Gerd Öfinger

Kaum noch planbare Freizeit

Die Bahnmitarbeiter erwarten bei der aktuellen Tarifrunde spürbare Verbesserungen bei Löhnen und Arbeitszeit.

Seite 15
ndPlusDagobert Kohlmeyer

Auf getrennten Wegen

Die internationale Schachelite geht zum Jahresbeginn verschiedene Wege. 14 Großmeister messen gerade im niederländischen Wijk aan Zee ihre Kräfte. Dagegen nimmt Weltmeister Viswanathan Anand (Indien), der schon im November die Schacholympiade in Dresden ausgelassen hatte, einen längeren Urlaub und läßt sich von seinen begeisterten Landsleuten feiern. Der Champion steigt erst im Februar beim Supert...

»Zabelhafter« Sprint zum letzten Sieg

Die 13 500 Radsportfans riss es im Velodrom von den Sitzen: Mit einem »zabelhaften« Sprint fuhr der gebürtige Berliner Radprofi Erik Zabel, der jetzt in Unna lebt, zum Sieg beim 98. Berliner Sechstagerennen und damit endgültig in den Ruhestand. Für Deutschlands erfolgreichsten Radprofi der Geschichte war es der 13. und definitiv letzte Sixdays-Erfolg und zugleich das Ende seiner seit Oktober währe...

ndPlusFlorian Gafert, Jena

Schalke trotzt dem Pokalschreck

Am Dienstag Abend fühlte sich mancher jenaer in glorreiche Europacupzeiten versetzt. So ähnlich könnte es gewesen sein am 28. März 1962, gegen Atletico Madrid vor 27 500 Zuschauern im Europapokal der Pokalsieger. 17 600 Fans waren glücklich: Zuschauerrekord nach der Wende! Der FC Carl Zeiss hatte eigens für den Saisonhöhepunkt gegen den Bundesligisten FC Schalke 04 eine Stahlrohrtribüne für rund 4...

Martin Kloth

Deutsche Handballer wollen einen schönen Abschluss

Begleitet von einem flammenden Appell von Bundestrainer Heiner Brand für die Zukunft des deutschen Handballs ist seine Mannschaft zum finalen Kraftakt nach Zagreb aufgebrochen. Im Spiel um den fünften Platz heute (15 Uhr) gegen Ungarn will der entthronte Titelverteidiger bei der WM in Kroatien mit einem versöhnlichen Abschluss die Grundlage für kommende Erfolge schaffen.»Alle, die an dieser Sporta...

Seite 16
Martin Koch

Sieben Monate nichts als Sex

In Deutschland wird ein Mann heute im Schnitt 77 Jahre alt. Bei Frauen liegt die Lebenserwartung sogar bei rund 82 Jahren. Das ist fürwahr eine lange Zeit, die viele Menschen möglichst sinnvoll zu nutzen versuchen: Der eine liest gern Bücher, ein anderer widmet sich mit Hingabe seinem Garten, ein dritter pflegt seine musikalischen Talente. Darüber hinaus gibt es jedoch Dinge, die mehr oder weniger...

Seite 17

Rivalität hat ihre Grenzen

Beim Fußball gehören Gesänge und Anfeuerungen zum A und O. Das eigene Team anzupeitschen und den Gegner zu schmähen, macht die Atmosphäre im Stadion aus – niemand geht zu Vereinen, wo auf den Rängen Friedhofsruhe herrscht. Doch all die Emotionen, die beim Fußball das Salz in der Suppe sind, haben ihre Grenzen: Sobald rassistische oder homophobe Diskriminierungen gebrüllt werden, ist die natü...

Sarah Liebigt

Schüler und Sekretärin am selben PC

Dem Gesetzesentwurf zur automatisierten Schülerdatei der rot-roten Koalition stehen interne und Kritiker von außen trotz einiger Änderungen nach wie vor skeptisch gegenüber. Seine Gegnerschaft bekräftigte gestern das Aktionsbündnis gegen die Schülerdatei vor Journalisten.Unklar bleibe, wie die zentrale Erfassung von Schüleranmeldungen beispielsweise Doppelanmeldungen verhindern soll, wunderten sic...

Seite 18
Die Milchbärte von Prenzlauer Berg
Andreas Fritsche

Die Milchbärte von Prenzlauer Berg

»Da will ich nicht rein, die haben bloß Baby-Spielzeug«, nörgelt Julian. Er steht vor der Tür des Eltern-Kind-Cafés »Milchbart« in der Paul-Robeson-Straße. Doch einmal drin, amüsiert sich der Fünfjährige prächtig. Mit seiner Freundin Emma klettert er auf eine Fensterbank. Von dort springen sie vergnügt in das Geviert mit den kleinen Plastebällen. Eigentlich ist das Café, das in der Nähe des nördli...

Seite 23
Volkmar Draeger

Tschaikowski auf Rollschuhen

Die Show ist gigantisch. Bereits wenn sich über eine knorrige Waldlichtung ein riesiger Schwan hievt und einen Adler von gewaltiger Spannweite gebiert, der die Blumen pflückende Odette verzaubert und entführt, schwant einem etwas. Denn die vor 50 Jahren formierte Guangdong Acrobatic Troupe baut Tschaikowskis Meisterwerk »Schwanensee« zum Buntspektakel aus Artistik und Ballett um. Nur die Musik vom...

ndPlusAnouk Meyer

Loyalität trotz Terrors

Am Ende der Voraufführung verbeugen sich die zwei Hauptdarsteller mit verweinten Augen. Kein Wunder, dass sie sich nur schwer aus ihren Rollen lösen können, so bewegend und aufwühlend ist die neueste Inszenierung im Jüdischen Theater Bimah geraten. »Bent – Rosa Winkel« ist nicht einfach ein KZ-Drama, sondern stellt die uralte Frage, wie weit sich ein Mensch verbiegen lässt, um zu überleben. ...

Seite 24
ndPlusWilfried Neiße

Aschenputtel lag im Dornröschenschlaf

Die Filmbranche in Berlin und Brandenburg sonnt sich in ihren Erfolgen – wobei mit Blick auf die derzeitige Krise zu fragen wäre, ob es sich dabei um eine untergehende Sonne handelt. Dem von der globalen Krise verfolgten Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) tat es gestern sichtlich gut, verkünden zu können, er sehe die regionale Medienwirtschaft im Bundesvergleich auf »Platz 1«. Das hä...

Wickelraum und Babymenü

Potsdam (dpa/ND). Ein Stillzimmer für die junge Studentin, Krabbelflächen neben dem Hörsaal und Babymenüs in der Mensa – Familienfreundlichkeit wird an Brandenburgs Hochschulen besonders groß geschrieben. »Wir sind auf dem guten Weg zur bundesweiten Spitzenposition«, sagt Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) stolz. Viel Geld sei in den vergangenen Jahren investiert worden, um die Hoch...