Ausgabe vom 30.01.2009

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Unten links

Erste Probleme mit dem größten deutschen Konjunkturpaket: Die Regierung hatte es beschlossen, ohne sich Gedanken zu machen, wo es gepackt werden soll. Die Poststelle des Bundeskanzleramts ist zu klein dafür. Doch Hilfe kommt – wie so oft in kniffligen Situationen – von dort, wo sie am wenigsten erwartet wird. Bauminister Tiefensee erinnerte daran, dass Berlin seit dem Abriss des Palast...

Dämpfer für Obamas Krisenkurs

Mit den Stimmen der Demokratischen Partei hat das US-Repräsentantenhaus das 819 Milliarden Dollar umfassende Konjunkturpaket von Präsident Barack Obama gebilligt. Bei dem Votum in Washington stimmten 244 Abgeordnete für den Entwurf, 188 dagegen.

ndPlusReimar Paul

Ein Erfolg

Genugtuung bei den Atomkraftgegnern im Wendland. Das Bundesverfassungsgericht hat die Rechte von Bürgern gegen die Atomwirtschaft gestärkt. Die Karlsruher Richter ließen Klagen von Anwohnern gegen die Castortransporte nach Gorleben zu. Niedersachsens Oberverwaltungsgericht hat eine solche Klagebefugnis regelmäßig in Abrede gestellt. Dieses werteten die Verfassungsrichter als Verstoß gegen Grundrec...

Wirtschaftskrise erreicht Arbeitsmarkt

Die Wirtschaftskrise hat den deutschen Arbeitsmarkt im Januar voll erfasst. Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 387 000 auf 3,489 Millionen – so stark wie seit drei Jahren nicht mehr.

Ralf Klingsieck, Paris

Franzosen setzen sich zur Wehr

Der Nationale Aktionstag für die Sicherung der Arbeitsplätze, die Aufbesserung der Kaufkraft der Beschäftigten und die Verteidigung des Öffentlichen Dienstes hat am Donnerstag mindestens eine Million Franzosen mobilisiert. Dazu hatten erstmals seit Jahren alle acht großen Gewerkschaften gemeinsam aufgerufen.

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Kurt Stenger

Autos fürs Museum

Nicht kleckern, sondern klotzen – so lautet das Motto vieler Porsche-Fahrer, aber auch beim Sportwagenbauer selbst. Am Mittwoch wurde vis-à-vis des Stammsitzes in Stuttgart das Porsche-Museum eröffnet, ein futuristischer 100-Millionen-Euro-Bau, für den 6000 Tonnen Stahl verbaut wurden. 80 historische Renn- und Sportwagenmodelle sind hier ausgestellt.

Olaf Standke

NATO-Jagd auf Drogenlords

Die Anordnung des NATO-Oberbefehlshabers in Afghanistan, John Craddock, Opiumhändler als »feindliche Militärkräfte« zu betrachten und zu töten, hat in der Allianz zu einer heftigen Kontroverse geführt.

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Velten Schäfer, Leer

Eine Werft und ihre Landschaft

Streit in Ostfriesland: Ein, zwei Milliarden würde ein Kanal von Papenburg an die Nordsee kosten. Die Meyer-Werft könnte dann ihre Schiffe besser ausliefern. Ausgerechnet die Umweltverbände haben die Idee ins Spiel gebracht. Niedersachsen will eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben.

ndPlusGerhard Dilger, Belém

»Bald sind wir alle Sozialisten«

Mehr denn je stehen indigene Völker im Mittelpunkt des Weltsozialforums. Ihr Stellenwert wurde durch den Panamazonientag am Mittwoch unterstrichen. Generell wird über nachhaltige und gerechte Alternativen zum Kapitalismus diskutiert – nicht nur das Amazonasgebiet betreffend.

Seite 4
ndPlusOliver Händler

Auf ewig in der Schublade

Geheimvideos bei Lidl, Gewerkschaftsbespitzelung bei der Telekom, Datenabgleiche bei der Bahn – viele Konzerne spionieren seit Jahren und in immer größerem Ausmaß ihre Belegschaft aus. In Berlin trafen sich nun Datenschutzexperten, um über ein Arbeitnehmerdatenschutzgesetz zu debattieren.

Seite 5
ndPlusUwe Kalbe

Rentenvorstoß für geschiedene DDR-Frauen

Neben heutigen Ursachen für prekäre Renten gibt es im Osten zusätzlich aus der Wende mitgeschleppte. Jetzt haben sich die Grünen eines der Probleme angenommen: In der DDR geschiedene Frauen stehen heute oft schlechter da als ihre Ex-Männer. In einem Antrag der Grünen im Bundestag ist die Rede davon, dass fast jede zweite zu DDR-Zeiten geschiedene Frau heute als Rentnerin am Rande des Existenzminim...

Finanzkrise bedroht Entwicklungsländer

Die Finanzkrise droht nach Einschätzung von Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) die Situation in vielen Entwicklungsländern in diesem Jahr dramatisch zu verschlechtern.

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Roland Etzel

Recht und Stärke

Muss Benjamin Ben-Eliezer jetzt vor dem Gefängnis zittern? Sicher nicht. Auch wenn nun in Spanien gegen den einstigen israelischen General und Verteidigungsminister eine Klage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zugelassen wurde – er müsste erst einmal verurteilt und dann auch noch ausgeliefert werden. Das ist kaum denkbar. Aber es ist vielleicht auch nicht das Wichtigste daran. Allein...

Olaf Standke

Sieg mit Makel

Über Sinn und Unsinn, Nutzen und Grenzen dieses 819 Milliarden Dollar schweren Konjunkturpakets für eine kränkelnde USA-Wirtschaft kann man aus ökonomischer Sicht sicher trefflich streiten. Die Abstimmung im Repräsentantenhaus hatte aber auch eine zusätzliche politische Dimension. Dass die Vorlage mit der Nummer H.R.1 für eines der teuersten Gesetze in der Geschichte des Landes die erste Parlament...

ndPlusDieter Janke

Heiles Weltbild

Mit seiner Prognose, nach der die Wirtschaftsleistung der führenden Industriestaaten im laufenden Jahr um zwei Prozent schrumpfen wird, hat sich auch der Internationale Währungsfonds (IWF) als globale Autorität des Finanzestablishments in die Phalanx der Pessimisten eingereiht. Seine Analysten scheinen den weltweit in Szene gesetzten Krisenpräventionsprogrammen nicht allzu viel zuzutrauen. Gleichw...

Wagemutig
ndPlusMartin Ling

Wagemutig

In Kolumbien erfordert es Mut, überhaupt einer Gewerkschaft beizutreten. Im seit Jahrzehnten anhaltenden Bürgerkrieg sind Gewerkschafter die häufigste Zielscheibe. Seit 1986 wurden in Kolumbien fast 3000 dieser Aktivisten ermordet, jeden dritten Tag einer. Allein im Jahr 2008 starben 45 Gewerkschafter. Nirgendwo sonst leben Gewerkschafter gefährlicher. Da nimmt es nicht Wunder, dass bei der erstma...

Ökonomie und Psychologie
Robert Kurz

Ökonomie und Psychologie

In den vergangenen Monaten fragte sich der gesunde bürgerliche Alltagsverstand immer wieder, warum die hochkarätigen Experten den schwersten Kriseneinbruch seit 80 Jahren nicht vorhersehen konnten, sondern davon genauso überrascht wurden wie Hinz und Kunz.

Seite 7

Stoiber sucht neue Ideen

Brüssel. Weniger Bürokratie bei der EU – da scheinen gute Ideen Mangelware zu sein. Zumindest kann dieser Eindruck entstehen. Denn neben der sowieso schon seit 2007 laufenden Aufforderung an jedermann, im Rahmen einer Online-Befragung Vorschläge zu diesem Thema zu machen, gibt es jetzt eine ergänzende Initiative bei der EU. Im Rahmen eines Wettbewerbs sollen Unternehmer, Vereine und Bürger V...

Harald Neuber

Esoterik in der Oper

»Reden über Europa« lautete das Motto einer Veranstaltung in der Berliner Staatsoper. Gesagt wurde aber wenig.

Europa und die Gottesfrage
ndPlusIngolf Bossenz

Europa und die Gottesfrage

Als Friedrich Nietzsche den Tod Gottes verkündete, benannte er auch die Täter: »Und wir haben ihn getötet.« Heute, knapp 130 Jahre später, scheint diese Untat erst in voller Dimension zu greifen. Europa, so konstatierte jetzt der katholische Theologe Walter Kardinal Kasper, sei das weltweite Schlusslicht in Sachen Religion und stehe vor der historisch einmaligen Situation, zu einer gänzlich religi...

Chance für den Bürgerwillen

Chance für den Bürgerwillen

Künftig sollen in der EU – neben Europaparlament und Rat – auch die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, die Europäische Kommission zum Erlass eines bestimmten Rechtsaktes aufzufordern und so Gesetzesprojekte zu initiieren. Das Instrument dafür ist die »Europäische Bürgerinitiative«, die von mindestens einer Million Menschen getragen werden muss. Als »Berichterstatterin« bereitet die EU-Abgeordnete Sylvia-Yvonne Kaufmann (LINKE) einen Vorschlag vor, um die Bürgerinitiative in das europäische Recht einzuführen. Mit ihr sprach für ND Uwe Sattler.

Seite 8

Kuba fordert Rückgabe

Havanna (AFP/ND). Kuba hat von den USA nach der angekündigten Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo die Rückgabe dieses Territoriums im Osten der Karibikinsel gefordert. Außenminister Felipe Perez Roque sagte, die Entscheidung von US-Präsident Barack Obama zur Schließung des Gefangenenlagers innerhalb eines Jahres sei gut, aber unzureichend. Havanna erwarte, dass auf die Entscheidung zur Schl...

»Sei es ein Dollar oder eine Milliarde«

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hat sich beim Weltwirtschaftsforum in Davos für eine Energiepartnerschaft von Produzenten und Verbrauchern auf klarer rechtlicher Grundlage ausgesprochen.

Oberrabinat Israels zeigt sich beschwichtigt

Rom (dpa/ND). Die klare Absage von Papst Benedikt XVI. an jede Leugnung des Holocaust wird von Rabbinern als Geste zur Beilegung des Streits um Bischof Richard Williamson gewürdigt. »Das ist ein großer Schritt nach vorn, um die Frage zu lösen«, sagte der Generaldirektor des israelischen Oberrabbinats, Oded Weiner, einem Bericht der Turiner Zeitung »La Stampa« vom Donnerstag zufolge. Mit dem Vatika...

Irina Wolkowa, Moskau

Der Streit um den Sergeanten

Wenn es wirklich Timing war, dann ein perfektes: Just, als der Europarat darüber nachdachte, Russland wie Georgien auf der nächsten Tagung im April das Stimmrecht zu entziehen, buhlten beide um Unterstützung für ihre Position in einem neuen Konflikt.

Seite 9

Hypo-Real-Aktionäre vor Enteignung

Bei der sich abzeichnenden Verstaatlichung des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) schloss Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) auch eine Enteignung der Eigentümer nicht aus. Er sagte der »Berliner Zeitung« vom Donnerstag: »Ich kann und will nichts ausschließen.«

Daniel Kestenholz, Bangkok

Ostasiatische Abwärtsspirale

Die exportlastigen Volkswirtschaften Ostasiens, die nach den ersten Anzeichen einer schweren Wirtschaftskrise in den USA noch prahlten, sie seien kerngesund, zeigen ebenfalls Krankheitssymptome. In China und Südkorea verschlechtert sich die Wirtschaftslage rapide, während Japan im Dezember einen Exportrückgang von über 35 Prozent verbuchte – den tiefsten Fall seit das Land Exportdaten aufzeichnet

Christian Klemm

Wer macht was für wie viel Geld?

Die deutsche Politik ist massiv durch Lobbyisten beeinflusst. Die Nichtregierungsorganisation LobbyControl will deren Einflussnahme durch ein verpflichtendes Register einschränken und dadurch für mehr Transparenz in der Politik sorgen.

Seite 10

Im Westen: Zurück in die Achtziger

Eine Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung beleuchtet die Ausweitung der Wochenarbeitszeit im zurückliegenden Konjunkturzyklus. Schon während der Rezession drängten private und öffentliche Arbeitgeber auf Verlängerung, heißt es. Tatsächlich reduzierte sich im Abschwung 2000-2003 das Durchschnittspensum leicht auf 39,6 Stunden, im Aufschwung 2004-2006 stieg es aber auf 40,3 Stunden. Neue Jobs...

ndPlusPeter Nowak

Proteste vor Gericht

Fünf hessische Gewerkschafter waren sichtlich erleichtert, als Anfang der Woche das Kasseler Oberlandesgericht entschied, dass sie für eine etwas deftig geratene Satireaktion nicht 15 000 Euro zahlen müssen. So viel Schmerzensgeld hatte der ost-hessische Unternehmer Lutz Helmig gefordert, den die Arbeitnehmervertreter wegen Dumpinglöhnen und Tarifflucht am 1. Mai 2007 in Fulda symbolisch an den Pr...

Telekom macht ver.di Tarifangebot

In der zweiten Runde der Tarifgespräche bei der Deutschen Telekom in Köln hat der Konzern der Gewerkschaft ver.di am Mittwochabend ein Angebot vorgelegt. Ver.di empfindet dieses jedoch als »Zumutung«.In ihrem Tarifangebot schlägt die Telekom eine schrittweise Erhöhung der Entgelte vor. Zum 1. Januar 2009 sollen sie um 3,0 Prozent steigen, ein Jahr später um weitere 2,5 Prozent. Zugleich wird eine ...

Hans-Gerd Öfinger

Jobmotor oder Umweltsünde?

Innerhalb der hessischen Gewerkschaften ist der Ausbau des Frankfurter Flughafens seit Jahren umstritten. Die ver.di-Kollegen Gerold Schaub und Hermann Schaus sind dabei klare Kontrahenten: Sozialdemokrat Schaub verabschiedete in seiner Nebenposition als Vizeaufsichtsratschef der Flughafenbetreibergesellschaft Fraport im letzten Jahr noch eine Resolution mit, die vor einem Regierungswechsel in Hessen warnte. Schaus dagegen macht als Landtagsabgeordneter der LINKEN mobil gegen Fraports Propaganda vom »Jobmotor Flughafen«.

Seite 11
Die Intensivstation
ndPlusBenjamin Jacob

Die Intensivstation

Nein, Yiftach Ashkenazy (Foto: OV-Z.A.P.) bietet keine erbauliche Lektüre: In seinen Texten fließt Blut, Autos und Menschen brennen, es wird getötet, gequält, vergewaltigt. Mit seiner derben Art, die Lage im Heimatland Israel zu beschreiben, hat sich der junge Autor rasch einen Namen gemacht. 2005 erschien sein erstes Buch auf Deutsch, nun liegt das zweite vor, ein Band mit sechs Erzählungen. Ashk...

Von Hartz IV und Indianern
Heinz Kersten

Von Hartz IV und Indianern

Alleinerziehender türkischer Vater verliert seinen Chauffeursjob, muss darauf als Hartz IV-Empfänger samt Tochter in eine kleinere Wohnung umziehen und sieht sich in seinen Albträumen in schwarzen Wäldern das Harz von den Bäumen schlecken. Angeregt wurde er dazu von Problembär Bruno, dem der gebürtige Züricher Braem auch seinen Diplomfilm an der Babelsberger HFF »Im Wendekreis des Bären« widmete. ...

»Eine spannende Zeit«

»Eine spannende Zeit«

Das ZDF widmet sich im Jahre 2009 der deutschen Nachkriegsgeschichte: »Die Wölfe« (Foto: ZDF) sind eine Mischung aus Familiensaga und historischer Dokumentation. In drei Folgen von jeweils 90 Minuten Länge zeigt das Doku-Drama das Schicksal einer Berliner Familie im Angesicht dreier Wendejahre der Weltgeschichte: Berlin-Blockade 1948, Mauerbau 1961 und Fall der Mauer 1989. Die Produktion übernimmt die vielfach preisgekrönte Berliner Produzentin Regina Ziegler, das Buch schrieben die Brüder Christoph und Friedemann Fromm, letzterer führt auch Regie. Die Besetzungsliste wartet mit namhaften Schauspielern auf, z.B. Axel Prahl. In vielen seiner Filme ist er der kleine Mann. Gern im Osten, obwohl das 48-jährige Arbeiterkind aus Schleswig-Holstein stammt. Jan Freitag sprach für das ND mit dem Schauspieler über seine Rolle im gestern gestarteten Nachkriegsdreiteiler und über die Arbeit mit Guido Knopp.

Seite 12

Bildungssplitter

Berlin (dpa/ND). Der Streit um die Studienzulassung in Numerus- Clausus-Fächern geht weiter. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) wies am Mittwoch jede Schuld an Zeitverzögerungen bei der Entwicklung eines computergesteuerten Service-Verfahrens zurück. Damit sollen bei Studienbewerbungen von Abiturienten an gleich mehreren Hochschulorten mit Hilfe eines Datenabgleichs Doppeleinschreibungen verhind...

Bizarrer Föderalismus
Peter Nowak

Bizarrer Föderalismus

Es sei nicht länger hinnehmbar, dass jedes Jahr zehntausende Studienplätze in Mangelfächern unbesetzt bleiben, weil sich die 16 Länder und die Rektoren nicht über ein für alle Hochschulen verbindliches Nachrückverfahren verständigen können. Diese Klage kommt von der Vorsitzenden des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD). Sie spricht damit ein Thema an, das auch den Studierenden zune...

ndPlusJürgen Amendt

Bedingt integrationsfähig

Eine neue Studie zur Lebenssituation von Einwanderern in Deutschland hat Anfang der Woche die Debatte über die Integrationspolitik wieder aufleben lassen. Während einige Kommentatoren den mangelnden Integrationswillen gerade der türkischstämmigen Migranten beklagten, wiesen Migrantenvertreter und selbst Politiker der Union auf Defizite im Bildungsbereich hin.

Seite 13

»Mein Herz schlägt für die Hasenfüße«

Letzte Woche hatte der Tom-Cruise-Film »Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat« in Berlin Premiere. Mit auf den roten Teppich gelaufen kam auch ein rosaroter Riesenhase samt Augenklappe. Nach kurzer Verwirrung wurde er als Störer erkannt und von Sicherheitskräften abgeführt. Die Naturfreundejugend Berlin will mit ihrem »Pink Rabbit« noch öfter in diesem Jahr bei Veranstaltungen auftauchen, in denen sich »Deutschland abfeiert«. ND-Redakteurin Ines Wallrodt sprach mit dem »falschen Hasen« über nationalistische Mythen und was ein Hase dagegen ausrichten kann.

Peter Nowak

Bewegung in der Defensive

Die Proteste gegen das Weltwirtschaftsforum in der Schweiz haben landesweit an Bedeutung verloren.

Bewegungsmelder

Beschönigung der Menschenrechtslage (epd). Nichtregierungsorganisationen haben der Bundesregierung vorgeworfen, die menschenrechtliche Situation in Deutschland zu beschönigen. Die Bundesregierung konstruiere Scheinwelten, sagte der Geschäftsführer von Pro Asyl, Günter Burkhardt, am Donnerstag in Berlin. In einer Erklärung hatte das Forum Menschenrechte, dem rund 50 Nichtregierungsorganisationen an...

ndPlusInes Wallrodt

Produktive Missverständnisse

Einheimische machen sich wenig Mühe, den Nachbarn aus dem Libanon kennenzulernen. Die in der aktuellen Integrationsdebatte gerade wieder beliebte Überschrift »Für immer fremd« müsste eigentlich lauten: »Die sind mir fremd«. Davon konnte man sich dieser Tage in Berlin einmal mehr bei einer Veranstaltung im Museum Neukölln überzeugen. Eine Buchautorin, eine Frau vom ZDF und zwei junge Migranten disk...

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ndPlusHeidi Huß, 09130 Chemnitz

Weggehen und Hierbleiben

Die Bilder lähmen mich. Nein, das ist kein Action-Film, keine Doku-Aufnahme der letzten Kriegstage – die wäre nicht in Farbe. Was hier geschieht, geschieht jetzt, heute – nur 120 Kilometer weiter südöstlich. In meinem Nachbarland. Menschen hängen an einem Zaun, stützen, schieben sich gegenseitig, springen mit gebreiteten Armen hinab. Andere drängen nach. Dazwischen zwei Kinder. Das ein...

Heidi Diehl

»Mein 1989« – was bewegte Sie im Wendejahr besonders?

Heute veröffentlichen wir die ersten Geschichten, die Sie, liebe Leserin und lieber Leser, uns geschickt haben. »Ich freue mich sehr, dass es wieder einen ND-Lesergeschichten-Wettbewerb gibt. Regt er doch an, über sich selbst und einen entscheidenden Geschichtsabschnitt nachzudenken, und er macht neugierig auf das Erleben anderer«, schreibt Heidi Huß aus Chemnitz als Anhang zu ihrer nebenstehenden...

Sigrid Armbruster, 08529 Plauen

Mit Trabi und Ostpaket zu den Verwandten

Da meine Mutter in Lindau am Bodensee beheimatet war, aber schon vor dem Krieg zu ihrem Bruder nach Plauen kam, um in Geschäft und Haushalt zu helfen, lernte sie hier ihren späteren Mann kennen und blieb fern der Heimat bis zu ihrem Tode in dieser Stadt. Dadurch war fast meine gesamte Verwandtschaft im Westen, zu der ich seit 1956 anlässlich einer Trauerfeier in Lindau nie wieder persönlichen Kont...

Seite 16
ndPlusJürgen Holz

Erst Doping, nun Stasi

Man ist als »gelernter DDR-Bürger« kaum noch überrascht. Nach den Attacken zu Jahresbeginn auf den Kugelstoß-Bundestrainer Werner Goldmann (Berlin), dem über Nacht wegen seiner Dopingvergangenheit im DDR-Sport fast zwei Jahrzehnte nach der Wende durch den Deutschen Leichtathletik-Verband gekündigt wurde, wird nun die »Stasi-Keule« hervorgeholt. Sie trifft Detlef Ultsch (Foto: imago) aus Berlin, de...

ndPlusMartin Kloth

Titelverteidiger wenigstens noch Fünfter

Mit einem spielerischen Feuerwerk und dem fünften Platz haben sich die deutschen Handballer von der WM in Kroatien verabschiedet. Angeführt vom achtfachen Torschützen Lars Kaufmann besiegte der entthronte Titelverteidiger am Donnerstag in Zagreb auch ohne drei Schlüsselspieler Ungarn mit 28:25 (16:13). Vor rund 2000 Zuschauern in der riesigen Arena Zagreb überzeugte das deutsche Perspektivteam ein...

Bitteres Aus für Cottbus und Rostock

Der Warnschuss saß: Nach einem chancenlosen Pokalauftritt gegen Bayer Leverkusen taumelt der FC Energie Cottbus dem Auftakt der Bundesliga-Rückrunde entgegen. »Die erste Halbzeit war schlecht, sehr schlecht. Das war gar nix«, erklärte Energie-Trainer Bojan Prasnikar nach dem 1:3 im Pokal-Achtelfinale gegen Bayer. »Wir haben im Vorfeld des Spieles viel gequatscht, aber davon nichts umsetzen können....

Seite 19

Den gemeinen Bürger im Visier

»Überwachung – Bitte angepasst und unauffällig verhalten!« ist auf jenem Aufkleber zu lesen, der hinter einem Parkscheinautomaten und anderswo in der City angebracht wurde (Foto: dpa/Burgi). Eine Aktionsgruppe will darauf aufmerksam machen, dass man sich kaum noch bewegen kann, ohne von irgendwem irgendwarum irgendwo per Video beobachtet zu werden. Und das ganz legal. Wohnungsgesellschaften ...

Martin Kröger

Volksentscheid vor Europawahl

Der große inhaltliche Schlagabtausch blieb aus. Ohne außergewöhnliche Emotionen wurde gestern im Abgeordnetenhaus über den Volksentscheid der Initiative Pro Reli diskutiert, die eine Einführung eines Wahlpflichtfaches Religion an den Schulen fordert – und dafür in der ersten Stufe eines Volksbegehrens bis zum 21. Januar 300 000 Unterschriften gesammelt hat.Unterstützung erhielten die Religio...

Seite 20

»Nicht abgesetzt«

(ND). Die Ausstellung »Diktat und Erfolg« über den DDR Sport und das Sportforum Hohenschönhausen sei »nicht abgesetzt« worden, widersprach gestern Christine Steer, Leiterin des Museums Lichtenberg, einem auch in dieser Zeitung (28.1.) abgedruckten dpa-Bericht. Die Ausstellung war bis zum 16. Januar geplant und wurde termingemäß gezeigt. Anschließend sei gemäß den Ausstellungsvorhaben 2009 sofort m...

»Gangstergirls« im Knast
Kerstin Ewald

»Gangstergirls« im Knast

Eine Extravorstellung ihres Dokumentarfilmes »Gangstergirls« gab die Regisseurin Tina Leisch am Mittwoch in der JVA für Frauen in Lichtenberg. Der Film thematisiert den Gefängnisalltag von weiblichen Häftlingen in Österreich, der zusammen mit eben diesen Häftlingen künstlerisch zu Theaterszenen verdichtet wurde. Insassinnen und Angestellte der JVA Lichtenberg nahmen das Werk unter die Lupe und gin...

Seite 21
ndPlusCaroline M. Buck

Doku-Kollektiv

Ihre Filme leben vom Dialog mit Menschen, ihr Problem ist der Dialog mit dem Publikum: Dokumentarfilmer haben es immer noch schwer, ihre Filme auf die Leinwand zu bringen. Das neueste Werk von US-Polit-Aufklärer Michael Moore nicht zu verpassen, mag mittlerweile zum guten Ton unter Kinogängern gehören, aber die Arbeiten einheimischer Regisseure enden nach einer internationalen Festival-Tour oft ge...

Drive-in der Hochkultur
Volkmar Draeger

Drive-in der Hochkultur

Sie ist die kleine Schwester der großen Sommerausgabe, braucht sich aber nicht zu verstecken. Denn rund 60 Ausstellungsstätten nehmen an der 24. Langen Nacht der Museen am 31. Januar teil. Eröffnet wird sie um 18 Uhr vorm Roten Rathaus, wo auch fünf der sechs Shuttle-Routen starten und enden. Liegen 14 der beteiligten Einrichtungen in Laufnähe, stehen genügend Busse bereit, um weiter entfernte Mus...

Seite 22
ndPlusWilfried Neiße

Kleinmachnow und die große Welt

»Paradies der Begegnungen« nannte der Porträtzeichner Herbert Kretzschmar sein neues Buch. Er verarbeitet darin seine 57 Kleinmachnower Lebensjahre. Und nicht nur die. Am Mittwochabend in der Potsdamer Stadt- und Landesbibliothek wurde der begnadete Zeichner gesprächig. Er sagte den 40 Anwesenden mit Verweis auf seine nunmehr erschienene individuelle Kleinmachnow-Chronik, dies sei sein erstes Buch...

CDU will ND aus Rathaus verbannen
Andreas Fritsche

CDU will ND aus Rathaus verbannen

Immerhin: Der Hohen Neuendorfer CDU-Fraktionschef Matthias Rink kennt das »Neue Deutschland«. Nach eigenem Bekunden liest er die Zeitung sogar. Als Politiker müsse er das tun, sagt er. Trotzdem gefällt es Matthias Rink nicht, wenn das Blatt im Rathaus seiner Stadt ausliegt. Seine Fraktion beantragte in der Stadtverordnetenversammlung, das Parlament möge die Stadtverwaltung auffordern, »unverzüglic...