Ausgabe vom 07.02.2009

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Unten links

Die Krise erfasst wirklich jeden! Jetzt meldet die redliche Sparte der Wahrsagerinnen eine Geschäftsflaute. Früher seien auch Politiker gute Kunden gewesen. Vorbei! Aus gutem Grund: Dass wenig Zukunft zu erwarten ist, weiß doch keiner besser als jener Funktionärsstand, der für die Verhinderung derselben gut bezahlt wird. Trotzdem Ruhe bewahren!, möchte man den nervös gewordenen Damen zurufen ̵...

Atomausstieg passé?

Die Abkehr der schwedischen Regierung vom einst verkündeten Atomausstieg und das Votum für den Bau neuer Reaktoren hat in dem Land Diskussionen über deren Notwendigkeit entfacht. Aber auch in Deutschland strebt die Debatte um die Kernenergie einem neuen Höhepunkt zu.

Grit Gernhardt

Krise: Die Einschläge kommen näher

Ob Auto-, Stahl- oder Schiffsbauindustrie, Absatzrückgang wohin man schaut. Die weltweite Krise trifft den Exportweltmeister Deutschland mit voller Wucht und auch die Inlandsnachfrage geht zurück – mit drastischen Folgen für die Beschäftigten.

Gefährliche Stille
Wolfgang Neskovic

Gefährliche Stille

Die amerikanischen Journalisten und Pulitzerpreisträger Bob Woodward und Carl Bernstein gelten als Wegbereiter des investigativen Journalismus. Ließe sich die Watergateaffäre durch Raum und Zeit in die heutige Bundesrepublik verschieben, so würde sie beendet sein, bevor sie richtig begann. Die Affäre käme höchstwahrscheinlich nicht in die Presse und wäre damit keine. Das hat mit den medienfeindlic...

Seite 2
Erich Preuß

Kundennutzen, wenn nicht nur gespart wird

Bei den Diskussionen zur Schnüffelaktion der DB wird kaum noch überlegt, was aus der Staatsbahn wird, wenn der von Mehdorn und einigen Politikern ersehnte Börsengang einstweilen oder für immer abgesagt ist? Dann könnte sich das Unternehmen wieder in Richtung Kunden bewegen. Die Herren im Berliner Bahn-Tower müssten mit der Regierung und den Politikern über gerechte Rahmenbedingungen diskutieren, w...

Mehdorns Zukunft ist hochpolitisch

Hartmut Mehdorn soll weg! Die Gewerkschaften Transnet und GDBA haben die Nase voll vom Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn und deuten mit einem Ultimatum bis Dienstag eine notwendige Abberufung des 66-Jährigen an. Doch da stoßen sie auf eine politisch komplizierte Gemenlage. DAS KANZLERAMT: Der Regierungschef bestimmt den Bahnchef. So war es auch 1999, als der damalige Bundeskanzler Gerhard S...

ndPlusInes Wallrodt

Kein Schutz vor »Big Boss«

Schon Norbert Blüm, so wird kolportiert, hatte als Bundesarbeitsminister einen Entwurf für ein Arbeitnehmerdatenschutzgesetz fast 16 Jahre lang in der Schublade liegen. Es folgten Absichtserklärungen in der rot-grünen Koalitionsvereinbarung von 1998 und mehrfache Aufforderungen durch den Bundestag, ein solches Gesetz endlich auf den Weg zu bringen. Passiert ist nichts, weder unter der Regierung Sc...

Staatsnahe Nähebeziehungen
René Heilig

Staatsnahe Nähebeziehungen

Bahnchef Mehdorn hat sich gestern wegen der DB-Datenaffäre bei den Beschäftigten entschuldigt. Der Vorstand bedauere, dass es bei den Mitarbeiterüberprüfungen zu Verstößen gekommen sei und keine Gremien der Arbeitnehmervertretungen informiert gewesen seien. Alles in Ordnung?

Seite 3
Die drei bösen Worte
Velten Schäfer, Schwerin

Die drei bösen Worte

Bis heute muss sich der Schweriner LINKE-Fraktionsvize Helmut Holter für ein Stern-Interview zur DDR aus dem Sommer rechtfertigen. Der Partei steht eine neue Geschichtsdebatte ins Haus – nicht nur weil Wahl- und Gedenkjahr ist.

Seite 4
René Heilig

Weiter Schnauze halten!

Großbritanniens Außenminister David Miliband stellt sich gegen das Unterhaus. Das hat ihn gebeten, den neuen US-Präsidenten zu bitten, all das, was über die Folterei des Guantanamo-Häftlings Binyam Mohamed bekannt ist, veröffentlichen zu dürfen. Binyam Mohamed, ein Äthiopier mit Londoner Wohnsitz, war 2002 in Pakistan weggefangen worden und saß seit 2004 im US-Terror-Knast. Er behauptet, auch der ...

Ingolf Bossenz

Der Sündenbock

Offenbar ist die Suche nach Sündenböcken doch nicht die einfachste von allen Jagdarten, wie Eisenhower meinte. Immerhin brauchte der Vatikan fast zwei Wochen, um der Öffentlichkeit den Mann zu servieren, der den Skandal um die Heimholung eines Holocaust-Leugners in den Schoß der heiligen Mutter Kirche maßgeblich verschuldet haben soll: Kardinal Darío Castrillón Hoyos, Vorsitzender der Kommission z...

ndPlusDieter Janke

Schuldentrauma

Angetreten war die Föderalismuskommission einst mit dem Ziel, die komplizierte Struktur der öffentlichen Finanzen neu zu ordnen. Nach zwei Jahren bleibt als einziges greifbares Ergebnis die Selbstverpflichtung von Bund und Ländern, bis Ende des kommenden Jahrzehnts ohne neue Schulden auszukommen. Zu offensichtlich ist der Versuch, dem Wahlvolk angesichts des von der konjunkturellen Realität erzwun...

Die Suchende
Jana Findeisen

Die Suchende

»Glaubst Du jetzt, dass ich Deine Tochter bin?« fragt Susana und reicht dem fremden Mann ihren kubanischen Pass. Ein unscharfes Schwarz-Weiß-Bild der Möbel in der Londoner Wohnung ist alles, was der Zuschauer zu sehen bekommt – die junge Regisseurin filmt die Begegnung mit ihrem Vater heimlich aus der Tasche heraus. Aus den Aufnahmen hat die 27-Jährige den Kurzfilm »The Illusion« gemacht. Nu...

Krise oder Zusammenbruch?

Krise oder Zusammenbruch?

ND: Sie gelten in den USA als Begründer der Bewegung der »Neuen Arbeit«, die ein Gegenmodell zum Kapitalismus entworfen hat. Gegenwärtig erlebt das Land die heftigste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Manche Analysten schätzen allerdings ein, dass die Krise schon bald vorbei sein werde. Teilen Sie diesen Optimismus? Bergmann: Das ist absolut lächerlich. Da wollen Einzelne auf völlig geistlose Wei...

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Integration in die eigene Hand nehmen
ndPlusLutz Debus

Integration in die eigene Hand nehmen

Die Botschaft der diesjährigen Interkulturellen Woche an Migranten in Deutschland lautet: gesellschaftliche Teilhabe. Das Motto »Misch mit!« ist eine direkte Aufforderung an sie.

Martin Sommer

Um Pascal ging es nie

Peter Müller und seiner alleinregierenden CDU droht im Saarland Ungemach – knapp sechs Monate vor den Landtagswahlen. Jetzt fordert die SPD den Rücktritt seiner heutigen Bildungsministerin. Grund ist ein strittiger Fall von Telefondaten-Erhebung.

Seite 6

Bald Abrissbagger auf dem Heisenhof?

Stade (epd/ND). Im Streit über den weitgehenden Abriss des als Schulungszentrum geplanten Heisenhofs hat der Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger vor dem Verwaltungsgericht Stade eine Niederlage erlitten. Das Gericht habe eine Abrissverfügung der Baubehörde des Landkreises Verden für mehrere Gebäude auf dem rund 26 000 Quadratmeter großen Areal im niedersächsischen Dörverden bei Bremen bestätigt, sagte de...

Vieles bleibt offen

Schuldengrenze: Bund und Länder wollen in ihren Verfassungen Obergrenzen für Neuschulden festsetzen. Grundsätzlich sollen von 2020 an keine neuen Schulden mehr aufgenommen werden. Während die Länder zu diesem Zeitpunkt ein striktes Neuverschuldungsverbot festschreiben wollen, lässt sich der Bund Spielraum. Konsolidierungspakt: Ärmere Länder sollen beim Abbau ihrer Altschulden von 2011 bis 2019 mit...

ndPlusStefan Wirner

Weiden rüstet sich gegen Neonazis

Auf einer Demonstration in Weiden in der Oberpfalz wollen Neonazis heute Kapital aus der Finanzkrise schlagen. Schon seit einiger Zeit sind Rechtsextreme in der Region aktiv.

ndPlusMarian Krüger

Länderhaushalte sollen an die Kette

Die Föderalismusreform II sollte die Finanzbeziehungen von Bund und Ländern neu ordnen. Geblieben ist die Idee einer Schuldenbremse, die vor allem in den Bundesländern große Zweifel auslöst. Am 1. Januar 2011 soll die Reform in Kraft treten. Bisher ist sie politische Absichtserklärung.

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Verzicht auf Anklage in Guantanamo

Washington (AFP/ND). Eine US-Militärrichterin hat die Klage gegen einen Guantanamo-Häftling fallengelassen, der in den Anschlag auf das US-Kriegsschiff »USS Cole« im Jahr 2000 verwickelt gewesen sein soll. Die für die Militärkommissionen zuständige Richterin Susan Crawford habe die Klage gegen Abd al-Rahim al-Nashiri zurückgezogen, sagte Pentagon-Sprecher Geoff Morrell am Donnerstag (Ortszeit) der...

ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Energiesicherheit bleibt Thema Nummer 1

Knapp drei Wochen nach Ende des Gasstreit ist der russische Präsident Medwedjew am Freitag in Moskau mit EU-Kommissionspräsident Barroso zusammengetroffen.

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Karin Leukefeld

Wähler blieben aus Verärgerung zu Hause

An Glückwünschen zu den ruhig verlaufenen Provinzwahlen am vergangenen Wochenende fehlt es den Irakern nicht. Nun warten alle gespannt auf die Wahlergebnisse, die nach Auskunft des UN-Sondergesandten in Irak, Staffan de Mistura, vermutlich erst Ende Februar vorliegen werden.

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Reformprogramm für Frankreichs Linke

Am Donnerstag hat sich die trotzkistische Ligue Communiste Révolu-tionnaire (LCR) offiziell aufgelöst, um in einer neuen Antikapitalistischen Partei aufzugehen. Diese wird an diesem Wochenende gegründet. Dann soll auch über den endgültigen Namen der Partei entschieden werden.

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Design leicht gemacht

Design leicht gemacht

Chemnitz (dpa/ND). Ein neues Computerprogramm soll Schuhdesignern Zeit und Geld sparen. Forscher der Technischen Universität (TU) Chemnitz haben ein System entwickelt, das Modellskizzen direkt auf dem Computer wiedergibt. Dafür zeichnet der Designer mit einem speziellen Stift auf einem Schuhformstück, dem sogenannten Leisten. Bewegungssensoren übertragen das auf ein virtuelles Schuhmodell – ...

Dieter Hanisch, Flensburg

Blauäugigkeit, Fake oder Betrug?

Bei der Ansiedlung neuer Betriebe glänzen die Augen regionaler Wirtschaftsförderer. Ein 2008 in Flensburg gegründetes Unternehmen mit dem Namen MS 11 Energy hat jetzt jedoch Insolvenz angemeldet, noch ehe die Arbeit überhaupt gestartet wurde.

Anna van Ommen, London

Düstere Prognose für das Pfund

Jim Rogers rät Investoren zum Rückzug aus Großbritannien. Die vergangenen Tage scheinen dem Mann, der zu den erfolgreichsten Spekulanten der Welt zählt, Recht zu geben. Mit dem Verfall des Pfunds sinkt das Vertrauen in die britische Wirtschaft.

ndPlusDieter Janke

Der Pleitegeier auf Beutezug

Weltweit stemmen sich die Regierungen mit bislang einmaligen Konjunkturprogrammen gegen die Rezession. Mit ihnen wächst jedoch auch die Angst vor Staatsbankrotten, die sich in den Ländern der Eurozone zu einer Gefahr für die Einheitswährung auswachsen könnten.

Seite 10

Bei 1860 München bleibt es turbulent

Für Marco Kurz, den Trainer von Fußball-Zweitligist 1860 München, wird es gleich am zweiten Spieltag der Rückrunde eng. Nach dem spektakulären Machtwechsel in München droht nun Trainer Kurz ein ähnliches Schicksal wie dem beurlaubten Sportdirektor Stefan Reuter. Ex-Profi Miroslav Stevic, der neue starke Mann bei den Sechzigern, will die Zukunft des Trainers vom Spiel in Mainz abhängig machen. Kurz...

Florian Gafert

Mit Opa-Taktik zum Erfolg?

Humpelnd und mit schmerzverzerrtem Gesicht verlässt Marko Marin den Trainingsplatz – den linken Schuh in seiner Hand. Jungprofi Tony Jantschke hatte ihm in einem lockeren Trainingsspielchen brutal in die Beine gegrätscht. Die Situation beim Traditionsklub Borussia Mönchengladbach ist angespannter denn je. Steht man doch kurz vor dem dritten Abstieg seit 1999.Doch wie ist das Ziel Klassenerha...

Parallelscheitern
ndPlusAlexander Ludewig

Parallelscheitern

»Wir bekommen im Moment ordentlich was ab«, ist sich Werder Bremens Manager Klaus Allofs der Kritik nach der Niederlage gegen Bielefeld bewusst. Spürten die Norddeutschen nach einer schwachen Hinrunde mit dem Sieg im DFB-Pokal in Dortmund im neuen Jahr einen Aufwind, landeten sie nach dem verpatzten Rückrundenstart unsanft auf dem Hosenboden – Tabellenplatz zehn. Zu wenig für einen selbst er...

Seite 11
Moral-Doping

Moral-Doping

Michael Phelps ist 23 Jahre alt und hat insgesamt 14 olympische Goldmedaillen gewonnen. Der Mann ist eine Schwimmmaschine, ein Aushängeschild für den US-Sport und Konzerne, die mit ihm ihre Produkte verkaufen. Zu dumm nur, dass Phelps (Foto: dpa) auch ein Mensch ist, eine junger noch dazu, der abseits des Beckens Erfahrungen sammelt. Kleinlaut musste er nun eingestehen, eine Wasserpfeife geraucht ...

Im Westen was Neues?
ndPlusThomas Wieczorek

Im Westen was Neues?

Wer befürwortete 1977 schon damals verbotene Anabolika, »weil es offenbar Disziplinen gibt, in denen heute ohne den Einsatz dieser Mittel der leistungssportliche Wettbewerb in der Weltkonkurrenz nicht mehr mitgehalten werden kann«? Nein, weder Erich Mielke noch Erich Honecker. Sondern Wolfgang Schäuble, im Sportausschuss des Bundestages. Höchste Zeit also, dass der Deutsche Olympische Sportbund (D...

Thomas Häberlein

Ziele waren eine Nummer zu groß

Die Medaille lag auf dem Silbertablett, doch »Pech-Marie« Riesch griff nicht zu. In der Super-Kombination reichte es für die Partenkirchnerin bei der WM in Val d'Isere nur zu »Blech« - mit einem Rückstand von 0,66 Sekunden rumpelte sie als Vierte weit am Siegertreppchen vorbei. Ausreden suchte die 24-Jährige nach der erneuten Enttäuschung aber nicht, obwohl sie nach ihrem schweren Sturz beim Abfah...

Christian Heinig

Erst brilliert, dann gekniffen

Rashad Wright wollte nur noch weg, den Ort der Schmach verlassen, sofort. Niedergeschlagen, mit gesenktem Kopf trottete er aus der Arena am Ostbahnhof – ganz allein. Seine Mannschaftskollegen, die Basketballer von Alba Berlin, blieben standfest, klatschten auf ihrer obligatorischen Hallenrunde nach Spielende die Fans ab. Wright flüchtete. Zwei wichtige Freiwürfe hatte der Amerikaner zwölf Se...

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Spiele-Renaissance
Heiko Frings, Nürnberg

Spiele-Renaissance

Drohend legt sich der Schatten der Krise auf das Spielzeugland. Wie soll man im Reich von Plüsch und Puppen auch Zuversicht bewahren, wenn sogar die große Nürnberger Spielwarenmesse ausgerechnet zum 60-jährigen Jubiläum mit einer Hiobsbotschaft beginnt? Bekanntlich musste Märklin, als Marktführer bei Modellbahnen einst Inbegriff für Beständigkeit, am Eröffnungstag Insolvenz anmelden.Da wundert es ...

Seite 13
Der Fake vom Ende des Irakkriegs
ndPlusLilian Astrid Geese

Der Fake vom Ende des Irakkriegs

Wir schreiben den 12. November 2008. Überrascht blicken Passanten in New York und Los Angeles auf die druckfrische Ausgabe der »New York Times«: »Iraq War Ends« titelt die seriöse Zeitung in der Ausgabe vom 4. Juli 2009, erschienen in einer Auflage von 1,2 Millionen. Mit herzerfrischenden Artikeln über das Ende des Irakkrieges, den Aufbau eines staatlichen Gesundheitswesens in den USA, Maximalgehä...

Grob & zart
Gunnar Decker

Grob & zart

Ihr Gesicht ist wie eine Wüste. Verbrannte Erde. Hier wächst nichts, so meint man. Aber das stimmt nicht, es dauert nur etwas länger, bis man die winzigen Regungen bemerkt. Ganz tief drin ist da etwas, das darauf wartet, zu wachsen. Ein Gefühl? Lotte – die in ihrer eckigen Herbheit doch auch hochsensible Trine Dyrholm – kommt aus dem Krieg in ihren Heimatort zurück. Welcher Krieg, das ...

ndPlusNissrine Messaoudi

Die Frage nach Schuld

Es waren ganz normale Menschen, Durchschnittstypen. Menschen, die es zuließen, dass Millionen andere ermordet wurden. Der Film »Der Vorleser« von Stephen Daldry – nach dem gleichnamigen Roman von Bernhard Schlink – wirft viele Fragen auf. Fragen nach Schuld, Scham und Moral. Der 15-jährige Michael (David Kross) wächst in einer deutschen Provinzstadt auf. Es sind die 50er Jahre. Die Schatten d...

Seite 14
PLATTENBAU
ndPlusAntje Rößler

PLATTENBAU

Eigentlich ist es nichts Besonderes, dass ein Jazzpianist zwei Begleiter um sich schart und eine Reihe von Trio-Alben auf den Markt bringt. Bei Marc Copland liegt die Sache etwas anders. Dieser außergewöhnliche Klavierspieler aus New York vergrößert seit Jahren das Territorium des Jazztrios. Platte um Platte hat er veröffentlicht, mit verschiedenen Kollegen. Für jede Aufnahme wechselt er ganz gezi...

Wie im Rausch
Sybille Walter

Wie im Rausch

Es gibt sie wieder, die schmalen Bände mit Gedichten. Veröffentlicht werden sie allerdings kaum einmal in den großen Verlagen, eher gehen kleinere Editionshäuser das »Risiko Lyrik« ein, geben neuen Dichtern und ihren Arbeiten Öffentlichkeit. Vier Autoren, deren Buch-Debüts im vergangenen Jahr erschienen sind, stellte die Literaturwerkstatt Berlin am Donnerstag vor und präsentierte den Zuhörern ein...

Seite 15

Immer mehr Engel

(ND). Im Rahmen des Programms »Heute ein Engel« wurden letztes Jahr 705 Ehrenamtliche vermittelt, fast doppelt so viele wie 2007. Auch die Zahl der sozialen Organisationen, an die Ehrenamtliche vermittelt wurden, nahm in 2008 beträchtlich zu, teilte die Stiftung Gute-Tat.de mit. Stiftungsinhaber Jürgen Grenz resümiert: »2008 war für uns ein sehr gutes Jahr und es zeigt: Engagement liegt im Trend. ...

Jörg Meyer

Dienstlicher Übereifer

Gut, wenn jemand seinen Job ernst nimmt. Als der Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) am Montag zur Pressekonferenz in den Wirtschaftssenat eilte, forderte ihn, kaum im Saale angekommen, eine eifrige Mitarbeiterin energisch dazu auf, sich in die Liste der Pressevertreter einzutragen. Damit nicht genug: Auch seinen Mantel musste er an den Nagel hängen. »Ich habe das ...

Alle Bäder stehen still
ndPlusAndreas Heinz

Alle Bäder stehen still

Öffentlich baden zu gehen, wird Sonntag gar nicht so einfach sein. In der Stadt stehen wohl alle Hallenbäder still, weil das die Gewerkschaft will. Ver.di kämpft für höhere Gehälter für die Angestellten der Berliner Bäder-Betriebe (BBB). Betroffen vom Warnstreik sind die 31 Hallenbäder, gut 10 000 Schwimmlustige müssten auf das sonntägliche Vergnügen verzichten, wären sämtliche Einrichtungen ganzt...

Frachterfahrt ins Paradies
ndPlusAxel Pinck

Frachterfahrt ins Paradies

Eine Kreuzfahrt fast 4000 km durch den Südpazifik, von Tahiti zu den Tuamotus und den Marquesas Inseln. Aber nicht auf einem luxuriösen Hotelschiff, sondern mit einem Frachter, der die abgelegenen Inseln mit allem Lebensnotwendigen versorgt. Kapitän Theodore Oputu hat das Steuerrad fest im Griff und gibt kurze einsilbige Anweisungen ins Mikrofon. Das Schiff hebt und senkt sich mit der Dünung, der ...

Seite 16
Großes Erdgaslager unterm Grunewald
Bernd Kammer

Großes Erdgaslager unterm Grunewald

Ein leichtes Sirren verrät – durch das 60 Centimeter dicke Stahlrohr mitten im Grunewald strömt Erdgas, um die Stuben der Berliner zu erwärmen. »Im Sommer fließt es anders herum, dann wird eingespeichert«, erklärt Holger Staich. Der Mann in der Gasag-Montur ist Chef des Erdgasspeichers Berlin. Hier inmitten eines Landschaftsschutzgebietes, oder besser darunter, zwischen Olympiastadion, Stöße...

Karsten-Thilo Raab

Wenn sechs Huskydamen Fersengeld geben

Von wegen, der Kutscher kennt den Weg. Die Hundemeute ist es. Sie bestimmt nahezu allein das Tempo und die Route. Was vermutlich an ihrem Naturell liegt. Denn Schlittenhunde sind irgendwie energetisch, voller Taten- und Bewegungsdrang. Ihre große Leidenschaft ist das Laufen. Wenn sie nicht schlafen oder fressen, steht ihnen der Sinn nur nach laufen, laufen und laufen. Ihr Revier ist der zugefroren...

Seite 17
Etikett irreführend
Antje Rößler

Etikett irreführend

Anke Helfrich rollt die Geschichte des Jazzpiano auf, vereint Swing und Hardbop und garniert das Ganze mit zeitgenössischen Einsprengseln. Die gutaussehende Schwäbin hat männliche Kritiker schon zu allerlei machohaften Sprüchen inspiriert. Als »blonder Monk« wurde sie gar bezeichnet; das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Zwar erinnern die Kompositionen der Helfrich mit ihren sperrigen Harmonien u...

ndPlusSimone Schmollack

Kaspar Hauser im Knast

»Ich möchte ein solcher Reiter sein, wie mein Vater einer war.« Der Satz hallt nach, er wird kraftvoll gesprochen, mehrfach hintereinander und in vielen Sprachen: Russisch, Tschechisch, Arabisch und oft in einem türkischen Deutsch. Den Satz sagen junge Männer. Es ist der erste Satz aus dem Theaterstück »Kaspar H.«, in dem die Jugendlichen mitspielen. Das ist zunächst nichts Besonderes. Und doch si...

Seite 18
Umweltgesetz
Bernd Zeller

Umweltgesetz

Sigmar Gabriel hat einen Rückschlag zu verzeichnen, da sein Umweltgesetzbuch zurückgerufen wurde. Seit etwa zwanzig Jahren wird daran gearbeitet, was angesichts der Materie nicht besonders lange ist, doch der Gegenstand des Werks könnte sich bald erledigt haben, so dass Eile geboten war. Vieles wird man nun nicht mehr erfahren, etwa, wo rechtlich die Umwelt beginnt. In einigen Ländern herrscht das...

Wilfried Neiße

Dissonanzen bei der Musikschulförderung

Die Situation an den märkischen Musikschulen ist nach Darstellung der Linkspartei zunehmend prekär. Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) winkt ab. Sie verweist darauf, dass die Landkreise verantwortlich seien.Die Landtagsabgeordnete Carolin Steinmetzer-Mann (Linkspartei) verweist auf das Beispiel der Musikschule »Gebrüder Graun« im Kreis Elbe Elster. Dort spitze sich die Situation dramatisch zu. »...

Die Königin und Wilhelm Pieck
ndPlusAndreas Fritsche

Die Königin und Wilhelm Pieck

Im Treppenhaus lehnt ein Sack mit Putzgips, im Gartensaal liegen Holzlatten, in einem Raum stehen Farbtöpfe und Pinsel. Die Restaurierung von Schloss Schönhausen in Berlin-Pankow läuft. Im Dezember soll es als Museum eröffnet werden. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) steckt rund 8,6 Millionen Euro in das Gebäude und in den Park. Für die Stiftung ist die Eröffnung der Höhepunkt de...

Was tun gegen die Angst?
Wolfgang Schmidbauer

Was tun gegen die Angst?

Zu den großen Plagen des menschlichen Lebens gehört der Schmerz. Wenn uns etwas wehtut, sind wir sehr dankbar, wenn es wieder aufhört. Und doch ist völlige Schmerzunempfindlichkeit ein gefährliches, sehr seltenes Krankheitsbild.

Seite 19
Der große Roman des kleinen Bruders
ndPlusHorst Haase

Der große Roman des kleinen Bruders

Ein verbreiteter, schöner Literaturkalender bezeichnete kürzlich wahrhaftig Heinrich Mann (Foto: Archiv) als den »kleinen« Bruder von Thomas Mann. Was war damit wohl gemeint? Doch nicht – was allein stimmen würde – die Körpergröße. Oder, in Umkehrung der Tatsachen, das Alter. Am ehesten also doch das Maß literarischen Ranges, einer Ansicht folgend, die so gängig wie inakzeptabel ist. U...

Martina Jammers

Wenn die Kunst plötzlich im Bunker verschwindet ...

Nachdem der Besucher sich durch zwei Stahltüren gestemmt hat, steht er vor einer überdimensionierten und patinierten Kirchenglocke ohne Klöppel. Diese schwingt nun über seinem Haupt, verbreitet aber keinerlei Klang. Allenfalls einen Lufthauch, gespenstisch. An den zerschrammten und von Einschusslöchern geschundenen Wänden entdecken wir mannigfach Schriftzüge wie »Notausgang«, »Rauchen verboten« od...

Seite 20

WochenChronik

6. Februar 1934: In der Nacht zum 7. Februar kommt es in Paris zu Straßenschlachten, ausgelöst von den Feuerkreuzlern und der Action Francaise, Stoßtrupps des französischen Faschismus; die Aktion richtet sich gegen die Regierung des Radikalsozialisten Daladier. 9. Februar 1849: Im Zuge der Revolutionen in Europa wird auch im Kirchenstaat in Rom die Republik ausgerufen. Französische Truppen schlage...

Helene Schweitzer
Gisela Kegler

Helene Schweitzer

»Mein bester Kamerad« nannte Albert Schweitzer seine Frau Helene. »Ohne Helene wäre nie etwas aus meinen Plänen geworden«, fügte er später hinzu. Helene Bresslau wurde am 25. Januar 1879 als Tochter des Geschichtsprofessors Harry Bresslau und seiner Frau Caroline in Berlin geboren. Sie studierte Kunstgeschichte, Klavier, Gesang und Musiktheorie. Nach ihrem Studium wirkte sie zunächst als Lehrerin ...

Gerd Fesser

Angst vor dem unruhigen Berlin

Der 6. Februar 1919 war ein schneetrüber Donnerstag. An diesem Tage schaute man in ganz Deutschland auf Weimar, die einstige Residenzstadt der Großherzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach. Vorbei am Wahrzeichen der Stadt – dem Doppelstandbild von Goethe und Schiller, das Christian Rauchs Meisterschüler Ernst Rietschel geschaffen hatte – zogen die Abgeordneten der Nationalversammlung in das ...

ndPlusJulian Bartosz, Wroclaw

Die Eliten blieben unter sich

Für das Land zwischen Oder und Bug war dies ein Ende und ein Anfang zugleich. Die Eröffnung des Runden Tisches in Warschau vor 20 Jahren ist derzeit in Polen – per Sejm-Beschluss – ein vielfach zu gedenkendes Ereignis, das Thema in allen Medien.Acht Jahre nach dem zur Vorbeugung eines drohenden Bügerkrieges bzw. einer militärischen Intervention fremder Mächte ausgerufenen »Kriegszustan...

Nur ein kurzes »Pro und Contra«
ndPlusAxel Berger

Nur ein kurzes »Pro und Contra«

War die Situation am linken Rand der Arbeiterbewegung schon seit Mitte der 20er Jahre durch die alles dominierende Bipolarität von Sozialdemokratie und sowjetisch orientiertem Parteikommunismus alles andere als einfach, so verschärfte sich diese Situation in der Folge des Zweiten Weltkrieges. Die Blockorientierung der beiden dominierenden Arbeiterparteien setzte eine neutrale, auf die Emanzipation...

Seite 21

Reprogrammieren ohne Krebsgen

Münster (dpa/ND). Deutsche Forscher haben einen möglichen Meilenstein auf dem Weg zu einer Stammzelltherapie erreicht: Erstmals ist es den Wissenschaftlern aus Münster gelungen, Körperzellen mit nur einem eingeschleusten Gen in eine Art embryonale Stammzellen – sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (ipS) – zurückzuverwandeln. Die Gruppe um Prof. Hans Schöler vom Max-Planck-Ins...

Gigantischer Würger
ndPlusWalter Willems

Gigantischer Würger

Länger als ein Bus und so schwer wie ein Auto: Im kolumbianischen Regenwald haben Forscher versteinerte Überreste einer gigantischen Riesenschlange entdeckt. Die ungiftige Würgeschlange maß nach den Berechnungen der Wissenschaftler 13 Meter und wog etwa 1,14 Tonnen. Das auf den Namen Titanoboa cerrejonensis getaufte Reptil lebte vor rund 60 Millionen Jahren. Die riesigen Körpermaße versetzten auch...

Dim Sum und die Enzymkinetik
Reinhard und Tom Renneberg, Hongkong

Dim Sum und die Enzymkinetik

Südchina ist berühmt für Dim Sum (zu deutsch: »Kleine Herzen«), die leckeren, über Dampf gegarten Teigtaschen. Sie sind gefüllt mit Fleisch, Gemüse oder Meeresfrüchten. Ab und zu treffe ich mich als Professor mit meinen Studenten zum Essen. Natürlich packe ich die Gelegenheit am Schopfe, um über Wissenschaft zu plaudern. Ich fange also an, das Dim-Sum-Essen mit der Enzymkinetik zu vergleichen. Enz...

ndPlusMartin Koch

Tanz der chemischen Elemente

Bis weit in die Neuzeit hinein waren nur zwölf chemische Elemente bekannt, darunter Gold, Silber, Eisen, Blei, Kupfer und Zinn, um hier die wichtigsten zu nennen. Erst im 18. Jahrhundert stieg die Zahl der neu entdeckten Elemente sprunghaft an – bis auf 63 um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Diese Vielfalt an Grundstoffen systematisch zu ordnen, wurde für viele Chemiker zu einer Obsession. Zu...

Seite 22
ndPlusAlbert Sterr

Mafiajagd mit dem Panzerwagen

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass die Nachrichtenagenturen von neuen Morden im mexikanischen Drogenkrieg berichten. Im vergangenen Jahr wurden in Mexiko mindestens 5600 Menschen ermordet. Im Januar 2009 allein 500 – eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahresmonat. Ende 2006 startete die mexikanische Regierung unter Felipe Calderón eine Offensive gegen die Drogenkartelle, an der sich mehr als 36 000 Polizisten und Soldaten beteiligen. Überzeugend ist das angesichts der offenkundigen Verwicklung von Polizeikräften und Regierungsbeamten in die illegalen Geschäfte trotzdem nicht.

Seite 23
Der dichtende Zeitungsverkäufer
ndPlusWolf Schneider

Der dichtende Zeitungsverkäufer

Sie warten schon auf ihn. Wie jeden Abend wird er gleich durch die braune Drehtür des Berliner Nobelrestaurants Borchardt eintreten. Da kommt er. Alles ist wie jeden Abend. Vor wenigen Minuten hat er am vereinbarten Treffpunkt seine druckfrischen Exemplare der Ausgabe des morgigen Tages in Empfang genommen. Er wird sie in den nächsten Stunden alle verkaufen wollen. Zerzaust oder gar verwirrt ist J...

Mit dem Blick auf das Gelobte Land
Hilmar König

Mit dem Blick auf das Gelobte Land

Der Blick schweift über das ausgetrocknete gelb-braune Tal. Hier und da ein paar Ölbäume bilden die einzigen belebenden Tupfer. Wir stehen auf jordanischem – historisch gesehen palästinensischem – Gebiet, 800 Meter über dem Meer auf dem biblischen Berg Nebo. Von hier aus soll Moses, kurz vor seinem Tode, auf Geheiß Gottes ins Gelobte Land geschaut haben, das er aber nicht betreten durf...

Seite 24

Testspiel

Wer sagte es? Ich sah der Menschen Angstgehetz; ich hört der Sklaven Frongekeuch. Da rief ich laut: Brecht das Gesetz! Zersprengt den Staat! Habt Mut zu euch! Wann war es? Wann wurde der Berg Ararat in der Türkei zum ersten Mal bestiegen? Wo war es? In welchem Land wurde die erste Gewerkschaft gegründet? Welche ist es? Welche Stadt in Deutschland ist nach der Fläche und auch nach der Einwohnerzahl...

Brigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin

Wenn der Kater ...

... sich's auf seinem Bärenfell (Katzen sind Bärenartige; Foto: B. Müller) gemütlich macht, verpennt er viel von Winters Schönheiten. Unermüdlich strickte der seit Tagen, mit Herrn Raureifs Hilfe, für große und kleine Gewächse bizarre Eiskleider; man kann manchmal sogar zuschauen wie sie wachsen. Passionierte Naturfreunde mit Garten genießen aber nicht nur, sondern träumen schon vom Saisonstart. W...

Sieg des Sekundanten
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Sieg des Sekundanten

Weltmeister Wiswanathan Anand (Indien; 39) wollte die Veranstaltung nicht verpassen. Beim selben Turnier, als der neunjährige Shah Hetul (Indien) den Großmeister Nurian Ibrajew (Kasachstan, 31) schlagen konnte (»Neunjähriger siegt«, ND 24.01.09), trat auch ein alter Freund von ihm an und siegte: Surya Shekhar Ganguly. Der 25-jähriger Großmeister aus Indien sekundierte Anand während der letzten Wel...

René Gralla

Die Klötzchenschieber schlagen zurück

Schachspieler sind Klötzchenschieber. Dieser Spruch von Kaiser Franz Beckenbauer ist, obwohl das Hardcore-Fans natürlich nicht wahrhaben wollen, längst Allgemeingut. Damit nicht genug: Nun erfährt das fußballkaiserliche Verdikt auch noch Unterstützung von gänzlich unerwarteter Seite.In einer Schrift, die der japanische Kulturwissenschaftler Cho-Yo bereits 1904 verfasst und die der Londoner Verlag ...