Ausgabe vom 17.02.2009

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Unten links

Dass es mit dem Kapitalismus zu Ende geht, erkennt man an den kleinen Dingen. Wirtschaftskrise, Bankensterben, Umweltkatastrophe – das ist nicht mehr als ein Schnupfen, bestenfalls eine Grippe des Systems. Zu denken geben sollte allerdings die Nachricht, dass die großen Handyhersteller an einem einheitlichen Ladegerät arbeiten. Wo bleiben bei dieser verordneten Stromversorgung die Vielfalt, ...

Streit nach Überfällen von Neonazis

Erfurt/Berlin (dpa/ND). Der brutale Überfall auf Gegendemonstranten eines Neonazi-Aufmarsches in Dresden hat Empörung ausgelöst und Diskussionen über einen verstärkten Kampf gegen Rechtsextreme entfacht. Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer forderte umfassende Aufklärung des »unerträglichen« Angriffes auf Busse mit Gewerkschaftern. Die Politik müsse zudem endlich alles tun, um ein NPD-Verbot voranzu...

ndPlusHarald Neuber

Demokratisch

Am Sonntag haben sich die Venezolaner für die Initiative der Regierung ausgesprochen, die Verfassung zu ändern. Träger politischer Ämter können damit – anders als bisher – unbegrenzt wiedergewählt werden. Das Ergebnis fiel deutlicher aus, als selbst Anhänger der linksgerichteten Staatsführung erwartet hatten. Der Grund ist einfach: Auch wenn es formell um Amtsträger aller Ebenen ging, ...

René Heilig

Nachschub für Erben des Untergangs

Noch am Sonntag hatte Russlands Präsident Dmitri Medwedjew die Afghanistan-Veteranen zum 20. Jahrestag des Abzugs der Sowjet-Truppen beglückwünscht. Nun hilft Russland seinen Erben dabei, dieselben Fehler zu wiederholen.

ndPlusInes Wallrodt

Datenklau bis nach der Wahl erlaubt

Der Arbeitnehmerdatenschutz soll erst nach der Bundestagswahl umfassend geregelt werden. Lediglich Vorarbeiten kündigte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble am Montag an.

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ndPlusJörg Meyer

Unverhältnismäßig

»Was war denn da los?«, fragte eine Freundin, die nach Ende der Antifa-Demonstration am Samstag in Dresden im Café dazustieß. Sie habe in der Nähe des Theaterplatzes viele kaputte Sonnenbrillen und auch Blutlachen gesehen.Bei der Polizei liest es sich so: Mehrere Personen hätten versucht durchzubrechen, um den Naziaufmarsch zu stören. »Sowohl an der Wilsdruffer Straße als auch an der Schloßstraße ...

Überfall bestärkt im Protest gegen Neonazis

Überfall bestärkt im Protest gegen Neonazis

Nach den Demonstrationen gegen den Neonazi-Marsch in Dresden kam es auf der Heimfahrt am Sonntag zu mindestens einem Überfall auf Antifaschisten. Michael Mager war dabei, als Neonazis an der A 4-Raststätte Teufelstal bei Jena zuschlugen.

ndPlusBoris Kanzleiter, Belgrad

Zerrissenes Land

Ein Festakt im Parlament, ein Massenaufmarsch im Stadtzentrum und am Abend ein Feuerwerk. Pristina steht am Dienstag ganz im Zeichen des ersten Jahrestages der einseitigen Unabhängigkeitserklärung Kosovos. Doch während die Kosovo-Führung feiern lässt, protestieren die Kosovo-Serben und die Regierung in Belgrad.

Hannes Hofbauer

Kolonialverwalter sind zufrieden

Niemand in Kosovo – das sich albanisch Kosova nennt – kann ernsthaft bestreiten, dass der »jüngste europäische Staat« ein Jahr nach seiner Unabhängigkeitserklärung abhängiger denn je ist.

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Die unsichtbare Wunden heilen nur langsam
ndPlusTill Mayer, Bam

Die unsichtbare Wunden heilen nur langsam

Am 26. Dezember 2003 wurden die Zitadelle und ein Großteil der iranischen Stadt Bam durch ein Erdbeben verwüstet. 26 000 Menschen verloren ihr Leben. Auch gut fünf Jahre nach der Katastrophe kehrt nur langsam Normalität in die Stadt zurück.

Ein anderes Leben ist möglich

Die Tagesmutter Susanne Wiest aus Greifswald hat sich in einer Petition an den Bundestag für das bedingungslose Grundeinkommen eingesetzt. Die Eingabe hat seit dem Start Ende Dezember 2008 mehr Mitunterzeichner gewinnen können als alle anderen Petitionen, die derzeit via Internet an den Bundestag gerichtet werden. Bis gestern Vormittag hatten sich rund 40 500 Menschen an der Petition beteiligt, im Laufe des Tages wuchs die Zahl der Unterzeichner stündlich um rund 500. Zum Vergleich: Die Mehrzahl der andern noch in der Zeichnungsfrist befindlichen 112 Petitionen hat weit weniger als 1000 Unterstützer. Die Eingabe kann noch bis heute, 24 Uhr, im gezeichnet werden (https://epetitionen.bundestag.de). Sollte sie die Marke von 50 000 erreichen, muss der Petitionsausschuss die Hauptpetentin persönlich anhören. Für ND sprach Sabine Sölbeck mit der 42-Jährigen.

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Abschiebung wegen Fehlern auf Formularen

Wegen fehlerhafter Angaben bei Namen und Geburtsdaten soll eine sechsköpfige Familie aus Schwerin ausgewiesen werden. Der Flüchtlingsrat MV appelliert an Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (LINKE). Die will zumindest genau prüfen.

Hendrik Lasch, Magdeburg

Das Thema Holger und Jens

In der SPD Sachsen-Anhalt kracht es: Die Finanzhilfen für Kommunen sind Auslöser für handfesten Zank zwischen Finanzminister Jens Bullerjahn und Innenminister Holger Hövelmann.

Seite 5

Regierung berät Enteignung der HRE

Die Diskussion um eine mögliche Enteignung der angeschlagenen Münchner Bank Hypo Real Estate (HRE) geht weiter. Die Bundesregierung will keine komplette Verstaatlichung, schließt sie aber auch nicht aus.

Kinder zur Absicherung

Der am Montag vorgestellte Familienreport bestätigte Meldungen über gestiegene Geburtenzahlen in Deutschland. Nun wird diskutiert, ob sich diese Entwicklung wegen oder trotz der Familienpolitik des Bundes vollzieht.

Martin Sommer

Geisterjagd in Saarbrücker Straßenbahnen

220 von 300 Saarbahn-Fahrern sind in »Die LINKE« eingetreten. Den Betriebsräten, die hinter dem Schritt vermutet werden, soll gekündigt werden. Nun will das Unternehmen selbst deren Sitzungszeit einschränken. Die Gewerkschaft droht mit einer Gegenklage wegen Verletzung des Betriebsverfassungsgesetzes.

Seite 6

Scharia im Swat-Tal

Im Nordwesten Pakistans wird auf Druck islamischer Extremisten das Scharia-Recht eingeführt.

Clinton will Asien stärker einbinden

Tokio (AFP/ND). US-Außenministerin Hillary Clinton hat die erste Auslandsreise ihrer Amtszeit in Japan begonnen. Gemeinsam mit den Ländern der Region wolle Washington Probleme wie den Klimawandel und die Gewalt in Afghanistan angehen, sagte Clinton am Montag in Tokio.Sie habe Asien als Ziel ihrer ersten Auslandsreise als Außenministerin ausgewählt, da die Beziehungen der USA zu dieser Region entsc...

Abbas fordert Siedlungsstopp

Ohne einen Stopp des Siedlungsausbaus sind nach Auffassung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas Nahost-Friedensgespräche »sinnlos«.

ndPlusTommy Ramm, Bogotá

»Zivilisiert, demokratisch und fröhlich«

»Wenn Gott und das Volk es nicht verhindern werden, wird dieser Soldat sich 2012 als Kandidat für die Wahlen aufstellen«, verkündete Venezuelas Präsident Hugo Chávez in der Nacht zum Montag Tausenden jubelnden Anhängern vor dem Präsidentenpalast seinen Willen, auch im nächsten Jahrzehnt die Geschicke Venezuelas in die Hand zu nehmen.

Hilmar König, Delhi

Pakistans positive Signale an Indien

Pakistans Bundesuntersuchungsagentur FIA hat im Zusammenhang mit dem Mumbai-Massaker von Ende November sechs Verdächtige in Untersuchungshaft genommen. Damit unternahmen die Behörden erste Schritte als Antwort auf ein indisches Dossier.

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ndPlusAnke Stefan, Athen

Zoff in Griechenlands Linkspartei

Die Frage einer möglichen Regierungsbeteiligung nach den nächsten Wahlen stand im Mittelpunkt der Diskussionen auf dem außerordentlichen Parteitag der griechischen Linkspartei Synaspismos (SYN) am vergangenen Wochenende in Athen.

ndPlusKarin Leukefeld

Revolution im Land des Propheten

Mit einer umfangreichen Regierungsumbildung zum 1. März hat König Abdullah Hoffnungen auf einen politischen Wandel im erzkonservativen Saudi-Arabien geweckt. Zum ersten Mal übernimmt in der Heimat des Propheten Mohammed mit der neu ernannten stellvertretenden Bildungsministerin Nora bint Abdullah Al-Fayez eine Frau ein politisches Spitzenamt.

Irina Wolkowa, Moskau

Medwedjew verspricht »offenen Dialog«

Regelmäßig, so Präsident Dmitri Medwedjew, werde er künftig die Nation über alles informieren, was die Staatsführung unternimmt, um jene Probleme zu lösen, die den Menschen unter den Nägeln brennen. »Offen und wahrheitsgetreu« werde er dabei auch zu »akuten Schwierigkeiten und Problemen« Stellung nehmen. Sein erstes Gespräch »am Kamin« strahlte das russische Staatsfernsehen am Sonntagabend aus. Dabei ging es vor allem um die Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise auf Russland.

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René Heilig

Die strahlende Miss

Misswahlen hatten schon immer etwas, das über Kritik hinaus seinen besonderen Reiz zeigt. Da laufen die Schönsten der Schönen über den Laufsteg – wir schauen, staunen, die Mädels beeindrucken und sahnen Preise für ihr bezauberndes Lächeln, für ihre Figur und bisweilen ja sogar für Geist ab. Alle strahlen: Akteurinnen wie Zuschauer. Welch verheerendes Vorzeichen, gerade dann, wenn es um so ta...

Ines Wallrodt

Zu spät

Ein Arbeitnehmerdatenschutzgesetz ist überfällig. Insofern ist das Ergebnis der gestrigen Spitzenrunde im Bundesinnenministerium ziemlich dürftig. Eine Arbeitsgruppe soll mit »Vorarbeiten« für ein solches Gesetz beginnen. Wolfgang Schäuble warnt vor Schnellschüssen, die Materie sei zu »kompliziert« für eine Beschlussfassung bis zur Bundestagswahl. Das klingt nach interessiertem Fachpolitiker. Dabe...

ndPlusSilvia Ottow

Mischmasch mit System

Geiselhaft für Patienten ist nicht neu im Gesundheitsbetrieb. Momentan sollen Kranke dafür büßen, dass das neue Honorarsystem Teilen der Ärzteschaft geringere Einnahmen beschert, und einige Behandlungen erst einmal vorfinanzieren. Obgleich insgesamt für die Honorierung der Mediziner 2,7 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung stehen, kommt bei den Ärzten weniger Geld an. Das ist schwer zu versteh...

René Heilig

Ein Vernetzer?

Bernd Mützelburg wird Sonderbeauftragter für Afghanistan.

Schni Schna Schnappi
ndPlusBrigitte Zimmermann

Schni Schna Schnappi

Manchmal werden notwendige Dinge mit Bezeichnungen versehen, die sie unsympathisch machen. So ist es auch mit dem Recht auf – nicht gleich erschrecken – »informationelle Selbstbestimmung«. Dahinter verbirgt sich die Forderung, Menschen mögen auch im Zeitalter der Großrechner selbst entscheiden, wer ihre ganz persönlichen Daten erhält und damit umgehen darf. Indessen ist das allerdings ...

Seite 9
ndPlusMonika Köhler

»Schrecklich hässlich«

Wie sieht ein Verbrecher aus? Kann man ihn an den Gesichtszügen erkennen? Fragen, auf die man im Jahr 1881 eine Antwort wusste. Damals, in der 6. Ausstellung der Impressionisten zeigte Edgar Degas seine »Kleine Tänzerin von vierzehn Jahren», kein Gemälde, kein Pastell - eine Skulptur aus Wachs, mit Rosshaarpferdeschwanz und gelber Schleife, mit gelbem kurzen Stoffröckchen, Mieder und Ballettschuhe...

Hans-Dieter Schütt

Mäntel und wechselnder Wind

Der Abend nennt sich: Untersuchung. Drei Akte: Ein deutsches Paradies; Der Krieg; Glaube, Liebe – Dresden. Das dritte Wort der Reihung ist nicht: Hoffnung. Oder ist Dresden Symbol für Hoffnung? Dass Frieden etwas wird, das nicht immer erst nach den Kriegen kommt, aber doch niemals wirklich – herrscht. »Die Wunde Dresden« von Regisseur Volker Lösch und Dramaturg Stefan Schnabel, uraufge...

Seite 10
ndPlusHansgünter Meyer

Der Soziologe

Als Helmut Steiner noch ein junger Mann war, Student und Assistent bei bedeutenden Wissenschaftlern der Humboldt-Universität in den späten 50er Jahren, hatte ihn das Bewusstsein einer besonderen Berufung ereilt: Nach der erschütternden Kritik aus Moskau an Stalin, der kaum jemals erwähnt worden war, ohne als der Große und Vollkommenste apostrophiert zu werden, herrschte unter der Intelligenz im La...

Ästhetik fragil
ndPlusVolkmar Draeger

Ästhetik fragil

Als die Madrider Gruppe »10y10 danza« 1993 in Berlin ihr Debüt gab, noch mit Gründerin Mónica Runde als Tänzerin, fegte der zupackend heutige, technisch virtuose, enorm geschwinde Stil wie ein Tornado fort, was man bislang an zeitgenössischem Tanz aus Spanien gesehen hatte. »Hoy«, diese zweite Produktion seit Entstehung der Truppe 1989, gewann 1991 den Preis als beste Choreografie, tourte über Lan...

Fokke Joel

Liebe in Zeiten des Krieges

Als der französische Verleger Bernard Grasset 1929 das erste auf französisch verfasste Manuskript von Irène Némirovsky las, war er begeistert. Doch hatte die Autorin, die zusammen mit ihrer Familie vor der russischen Revolution nach Frankreich geflohen war, als Absender aus Angst vor der Ablehnung weder Name noch Adresse angegeben, sondern nur ein Postfach. Erst nachdem Grasset eine Anzeige in meh...

Irene Constantin

Buhs für die Regie

Die Franzosen liebten Gounods »Faust« von Anfang an als eine ihrer schönsten »Grand Operás«. Hector Berlioz verfasste eine begeisterte Kritik, auch Claude Debussy verteidigte das Werk und selbst der unangefochtene Wiener Kritikerpapst Eduard Hanslick zählte dem Publikum die Schönheiten dieser Oper auf. Wer maulte, waren die deutschen Professoren, die wirklichen und selbsternannten Goethe-Kenner. D...

Seite 11

Opel-Länder diskutieren über Hilfen

Düsseldorf (dpa/ND). Die Landesregierungen der Opel-Standorte diskutieren angesichts der existenzbedrohenden Lage des Mutterkonzerns GM über eine Beteiligung an den deutschen Opel-Werken. Es habe mehrere Gespräche zwischen den Ländern unter Beteiligung der Bundesregierung gegeben, verlautete am Montag aus Regierungskreisen Nordrhein-Westfalens. Dabei sollen alle Hilfsmöglichkeiten erwogen worden s...

ndPlusKurt Stenger

Stockkonservativ und erfolgreich

Die ostdeutschen Sparkassen sind bislang gut durch die Finanzkrise gesteuert. Dies geht aus den Geschäftszahlen für 2008 hervor, die am Montag in Berlin vorgestellt wurden.

Löhne bleiben auf der Strecke
ndPlusHans-Gerd Öfinger

Löhne bleiben auf der Strecke

Gegen die aktuelle Ausschreibungspraxis im Schienenpersonen-Nahverkehr gingen am Montag rund 2000 Eisenbahner in Berlin auf die Straße. Sie folgten einem Aufruf der Bahngewerkschaften Transnet und GDBA und veranstalteten Kundgebungen vor den Parteizentralen der Regierungsparteien CDU und SPD.

ndPlusManfred Maurer, Wien

Die Feuerwehr, die niemand ruft

Die einstigen Wirtschaftswunderländer Osteuropas stecken in der Krise. Doch Österreichs nicht ganz uneigennützige Initiative zur Stabilisierung der Region stößt weder dort noch bei den EU-Partnern auf Interesse.

Seite 12

Einheitliches Ladegerät für Handys?

Hamburg (AFP/ND). Die führenden Handyhersteller arbeiten an einem einheitlichen Ladegerät für alle Mobiltelefone. Die Branche stehe kurz vor der Einführung eines universellen Adapters, berichtete die »Financial Times Deutschland« am Montag unter Berufung auf Industriekreise. Laut »FTD« hat die Bereitschaft der Industrie zur Einführung eines Einheitsladegeräts vor allem Kostengründe. Zudem könne di...

Kai Walter

Die »etwas anderen« Kunden

Deutsche Firmen entdecken seit Kur-zem verstärkt die Kaufkraft von Menschen mit Migrationshintergrund. In Berlin fand deshalb kürzlich der erste Ethno-Marketing-Kongress Deutschlands statt.

ndPlusAndreas Knobloch, São Paulo

»Protektionismus wird die Krise verschärfen«

Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva kritisierte am Mittwoch erneut den Protektionismus vor allem der Industriestaaten und bekräftigte, dass Handel helfen werde, der weltweiten Wirtschaftskrise zu begegnen.

Axel Reiserer, London

Letzter Ausweg Verstaatlichung

Die hohen Verluste der Lloyds Banking Group könnten eine neue Welle der Verstaatlichung britischer Banken auslösen. Dabei gehen die Verluste auf einen Zusammenschluss zurück, der vom Staat erzwungen worden war.

Seite 13
ndPlusDavid Cronin, Brüssel

Wasserfrage weiterhin nicht gelöst

Angesichts der Gefahr, dass sich schlechte Nachrichten über Wasser bald ebenso häufen wie Horrormeldungen aus der Wirtschaft, hat eine internationale Konferenz in Brüssel die Aufnahme von Wassersicherheit in den Kyoto-Nachfolgevertrag gefordert. Ausgehandelt werden soll er Ende des Jahres in Kopenhagen.

Nord-Süd - Tipps

HEUTE IN ESSEN: Klimawandel für Dummies. Referent: Jürgen Maier, Geschäftsführer des Forums Umwelt und Entwicklung und Mitglied des Kuratoriums der Asienstiftung. 14-18 Uhr, Asienhaus, Bullmannaue 11, Essen. ISLAM. Reihe Interkulturalität & Politik: Football under cover – Geschlechterrollen im Islam. Diskussion u. a. mit Ayten Kilicarslan, Leiterin des Muslimischen Frauenbildungswerks Kö...

Der hohe Preis des Lebens
Ingolf Bossenz

Der hohe Preis des Lebens

Unter Ramses II. (1290-1224 v. u. Z.) erhielten Vorarbeiter und Schreiber siebeneinhalb Säcke Getreide als monatliches Salär. Über 3200 Jahre danach wird die Naturalwirtschaft neu entdeckt. Im westafrikanischen Burkina Faso verteilt das Welternährungsprogramm Lebensmittelgutscheine. 120 000 Menschen sollen Bons im Wert von umgerechnet zwei Euro erhalten, die sie dann gegen Mais, Speiseöl, Zucker o...

Thomas Berger

Rechner für die Kinder des Südens

Gut zwei Jahre ist es her, dass das Projekt OLPC (One Laptop per Child) gestartet wurde, um Kindern in Entwicklungsländern den Zugang zu Wissen und Bildung zu erleichtern. Erste Erfolge sind zu vermelden, wegen der Finanzkrise muss nun aber gespart werden.

Genialsozial – für den Rest der Welt
ndPlusSarah Heinlin

Genialsozial – für den Rest der Welt

Die Idee kommt ursprünglich aus Norwegen. Dort wurde 1964 erstmals die Aktion Tageslohn durchgeführt. In Sachsen gibt es die Solidaritätsaktion genialsozial seit 2005. Junge Leute werden freiwillig aktiv und suchen sich für einen Tag einen Arbeitsplatz. Der Verdienst wird an entwicklungspolitische Auslandsprojekte gespendet. Welche Entwicklungsprojekte 2009 mit einer Förderung rechnen können, entschied eine Jury Ende Januar.

Seite 14
Altbackener Rat

Altbackener Rat

Pudding sollte man stets nur in der selben Richtung anrühren? Als »Quatsch« bezeichnet das der Lebensmittelexperte und Hobby-Koch Ludger Fischer in seinem »Kleinen Lexikon der Küchenirrtümer«. Den in Brüssel tätigen Politikberater und Fachmann für Lebensmittelsicherheit unterstützte der Schweizer Küchenchef Sandro Bedin. Gemeinsam entlarven sie so manchen traditionellen Ratschlag rund ums Kochen a...

ndPlusElfi Schramm

Blutdrucktest an Arm und Bein

Der Schlaganfall ist in den westlichen Industrieländern eine der häufigsten Gefäßerkrankungen. Ärzte empfehlen eine Routineuntersuchung, um seine Vorboten besser erkennen zu können.

Eierstock auf Wanderschaft
Andreas Knudsen

Eierstock auf Wanderschaft

An einer dänischen Klinik werden Frauen vor einer Chemotherapie die Eierstöcke entnommen. Besteht ein Kinderwunsch, können sie später wieder eingesetzt werden. Auch in Deutschland arbeitet man schon nach der dänischen Methode.

Seite 15
Ehrung in Berlin
Jürgen Holz

Ehrung in Berlin

Die zweimalige Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt, ihre ehemalige Trainerin Jutta Müller und der viermalige Paralympicssieger im Tischtennis, Rainer Schmidt, erhielten das »Goldene Band« des Verbandes der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg (VDSBB). Mit Witt und Müller stand 45 Jahre nach Manfred Schnelldorfer wieder der Eiskunstlauf im Fokus der ältesten deutschen Sportlerehrung, die ers...

ndPlusMichael Müller, Sofia

Mit coolem Tunnelblick

Eine monatelange, quälende, teilweise absurde Odyssee von Verhandlungen über Zeit, Ort und Börse des Schachduells, mit dem der Herausforderer des Weltmeisters Viswanathan Anand (Indien) ermittelt werden soll, läuft nun wohl doch in einen rettenden Hafen ein. Ob am Ende tatsächlich alles gut ausgeht, wird man spätestens in zwölf Tagen wissen. Heute startet um 15 Uhr (Ortszeit/MEZ 14 Uhr) im Sofiote...

Deutsches Team strebt 40. WM-Gold an

Ein Jahr vor den Olympischen Winterspielen in Vancouver schickt der Deutsche Skiverband (DSV) bei den Nordischen Ski-WM in Liberec (Tschechien) ein Rekordaufgebot von 29 Athleten auf die Jagd nach der 40. Goldmedaille. Doch anders als in den vergangenen Jahren bremsen die Verantwortlichen vor den Titelkämpfen, die am Donnerstag mit den ersten Entscheidungen beginnen, die Erwartungen und geben eher...

ndPlusMark Stralau

Leichtfüßige Betonmeister

Lange hatte sie Bestand, die Einschätzung, in Cottbus setze man in erster Linie auf rustikalen Beton. Soll der Gegner doch brillieren, für die Lausitzer gelten andere Grundgesetze: Stören, Grätschen, Mürbemachen. So hat das selbst Trainer Bojan Prasnikar eingestanden. Er sagt: »In der Vorrunde ging es bei uns vor allem darum, gut zu stehen.« In ordentliches Fußbal-lerdeutsch übersetzt heißt das: B...

Seite 16

Brandstifter in Australien vor Gericht

Beim ersten Prozess gegen einen mutmaßlichen Urheber der Brände in Australien ist der volle Name des Angeklagten verlesen worden. Brendan S. wurde am Montag in Melbourne vorgeworfen, einen Brand gelegt zu haben, der 21 Tote forderte. Bei den Bränden starben 189 Menschen.Der mutmaßliche Brandstifter war letzte Woche in seiner Heimatstadt im Bundesstaat Victoria festgenommen und zu seiner eigenen Si...

Ausgerutscht auf glatten Straßen

Schnee und Eis haben zu Wochenbeginn erneut zu zahlreichen Unfällen in weiten Teilen Deutschlands geführt. Viele Autofahrer waren trotz Glätte zu schnell unterwegs. Auch im Luftverkehr gab es Störungen. An den Berliner Flughäfen mussten sich viele Passagiere in Geduld üben: Wie ein Sprecher mitteilte, kam es morgens zu Verzögerungen von bis zu anderthalb Stunden, weil die Maschinen erst von Schnee...

Unglücksmaschine flog per Autopilot

Die Unglücksmaschine von Buffalo ist kurz vor ihrem Absturz in der Nacht zum Freitag per Autopilot geflogen – trotz Empfehlungen, Flugzeuge in stark eisigen Bedingungen per Hand zu steuern. Das hat die US-Flugsicherheitsbehörde NTSB bei der Auswertung des Flugschreibers herausgefunden, der aus den Trümmern der Maschine geborgen worden war. Allerdings ging die NTSB nicht so weit zu sagen, das...

Seite 17
ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Für berlinpass kein Weg zurück

Die Ausgabe des berlinpasses an antragsberechtigte Berliner werde bei den Bürgerämtern verbleiben und nicht wieder in den Job-Centern erfolgen, wies gestern Arbeits- und Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (LINKE) erneut entsprechende Forderungen zurück. »Ich halte das für falsch«, sagte sie ND. Zugleich ließ sie einen Verdacht auf Wahlkampf erkennen: »Es fällt einfach auf, dass es vor allem CDU-St...

ndPlusBernd Kammer

»Goldener Teppich« für die Mode

Dass der Regierende Bürgermeister im Parlament auf den Verwaltungsstühlen Platz nehmen will, kommt nicht alle Tage vor. Im Stadtentwicklungssausschuss wurde Klaus Wowereit (SPD) denn gestern auch schnell nach vorn neben den Ausschussvorsitzenden gebeten, und dort war von Bescheidenheit kein Platz. Mit Vehemenz verteidigte Wowereit erneut die Ansiedlung der Modemesse Bread & Butter in Tempelhof...

Jana Findeisen

Abgehört und ausgenommen

Wer seinen Arbeitsplatz kurz verlassen möchte, muss sich aus dem System abmelden. Nicht nur der Gang auf die Toilette oder die Pause vor der Tür werden von der Arbeitszeit abgezogen, sondern auch die Vorbereitung auf eine neue Umfrage am Computer. Die spart sich Karin Janke* mittlerweile, sonst geht sie mit noch weniger nach Hause. Für jede abgerechnete Stunde bekommt sie fünf bis sechs Euro &ndas...

Seite 18
Kahn, Schaf und Gandhi
Barbara Staacke

Kahn, Schaf und Gandhi

Was Kunst angeht, war die DDR-Führung nicht knauserig. »Jede Kita, jedes Wohnhaus, jeder Platz in der Großsiedlung Marzahn hatte seine Visitenkarte«, sagt Hannelore Taubert, Geschäftsführerin des Bürgervereines Nord Ost. Nach der Wende vollzog sich jedoch ein radikaler Wandel, viele Künstler wurden arbeitslos. Das bewog im Jahr 1994 eine Gruppe Kunstliebhaber dazu, einen Verein zu gründen.»Unsere ...

Laster und Hänger in Aufregung
ndPlusJörg Meyer

Laster und Hänger in Aufregung

Für Wirbel hat der Antrag bereits gesorgt, der am Mittwoch im Ausschuss für Stadtentwicklung und Bauen der BVV-Friedrichshain-Kreuzberg beraten wird. Auf ihrer letzten Sitzung hatte die BVV den Antrag von SPD- und Linksfraktion, das Bezirksamt möge die Errichtung einer »Sport- und Freizeitfläche am Standort Revaler Straße/Modersohnstraße« in die Fortschreibung der Investitionsplanung für die Jahre...

Seite 19

Stella reklamiert Federführung

(dpa). Der italienische Architekt Franco Stella hat bekräftigt, dass die »Federführung und Verantwortung« beim Bau des Berliner Stadtschlosses als Humboldt-Forum »ausschließlich bei mir liegt«. Stella bestätigte gleichzeitig nach Zeitungsberichten von Montag, dass er mit den Büros Hilmer & Sattler und Albrecht (HSA) sowie Gerkan, Marg und Partner (gmp) »Gespräche geführt und Vereinbarungen übe...

Theatermarathon zum Siedepunkt
Volkmar Draeger

Theatermarathon zum Siedepunkt

60 Seiten umfasst die Broschüre zum 6. Langen Wochenende des freien Theaters. Soviel Platz braucht es, um die über 100 Stücke und Performances von 120 Gruppen vorzustellen, die sich vom 19. bis 22. Februar im Stundentakt auf den Bühnen und weiteren Spielplätzen des Hebbel am Ufer (HAU) und der Sophiensaele drängeln. Wer nichts verpassen möchte, dem sei für 44/28 Euro der Festivalpass empfohlen. Zw...

Seite 20

Stasibelasteter Bürgermeister abgewählt

Welzow (dpa). Die Einwohner von Welzow (Spree-Neiße) haben ihren stasibelasteten Bürgermeister am Sonntag abgewählt. Bei einem Bürgerentscheid votierten 1364 der 3697 Stimmberechtigten gegen einen weiteren Verbleib von Bürgermeister Reiner Jestel (parteilos) im Amt, sagte Wahlleiterin Martina Fisser. Für eine Abwahl waren mindestens 925 Stimmen notwendig. Der Bürgermeister gilt beim Bürgerentschei...

Steuererklärung elektronisch

Potsdam (dpa). Mehr als jeder dritte Brandenburger erledigt seine Steuererklärung inzwischen elektronisch. Damit nimmt Brandenburg bundesweit hinter Bremen den zweiten Platz ein, sagte Finanzminister Rainer Speer (SPD) am Montag. Demnach gaben 34,1 Prozent der Brandenburger ihre Steuererklärung im vergangenen Jahr elektronisch ab. Im Jahr davor waren es erst 27,9 Prozent. Elektronisch dauere die B...

Lizenz für Reiseleiter in den Schlossparks

Potsdam (dpa/ND). Die von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg beschlossene Zertifizierungspflicht für Reiseleiter in den Parkanlagen ist vom Deutschen Reiseverband (DRV) kritisiert worden. Befürchtet werden Nachteile für Veranstalter und höhere Eintrittspreise für deren Kunden beim Besuch der Schlossparks, die nach Verbandsangaben Publikumsmagneten sind, die von vielen ...

Anspruch auf Wohngeld prüfen

Potsdam (dpa/ND). Über Neuerungen beim Wohngeld informiert eine Mieterfibel des brandenburgischen Infrastrukturministeriums. Die Broschüre gebe auch Tipps zur Wohnungssuche und Erläuterungen zur Miethöhe sowie zu Betriebs- und Heizkosten, erklärte das Ministerium gestern. In Brandenburg erhalten rund 35 000 Mieter Wohngeld. Mit dem Geld werden Menschen mit geringem Einkommen unterstützt, damit sie...

ndPlusWilfried Neiße

Abstand zu den Wohlhabenden wächst

Die viel zitierte Angleichung der Lebensbedingungen von Ost und West war und bleibt eine Legende. Es sei denn, dass er nun in umgekehrter Richtung verläuft, in einem Angleich des Westens an das niedrige Ostniveau.Der in den ersten Nachwende-Jahren noch zu registrierende »Angleichungsprozess« hat sich in den letzten Jahren spürbar verlangsamt bzw. »er ist teilweise sogar ganz zum Stillstand gekomme...

ndPlusImke Hendrich

Ein Vater des Tsunami-Warnsystems

Die Fernsehbilder rüttelten die Forscher auf. Die Aufnahmen der Riesenwelle und der Opfer. Vier Jahre nach der verheerenden Tsunami-Tragödie in Südostasien mit mehr als 230 000 Opfern ist Jörn Lauterjung sicher: »So viele Tote wird es bei einer vergleichbaren Katastrophe nicht wieder geben.« Der Physiker arbeitet am Potsdamer Geoforschungszentrum und ist einer der Väter des Tsunami- Frühwarnsystem...