Ausgabe vom 30.07.2009

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Unten links

Seit dem Regierungsumzug von Bonn nach Berlin sind über zehn Jahre vergangen. Dennoch haben sechs Ministerien ihren Hauptsitz nach wie vor in Bonn. Und während die Stimmen für einen kompletten Umzug an die Spree lauter werden, planen einige Ministerien ganz anders. Das Bundesgesundheitsministerium will seine Kopfstelle in Denia an der spanischen Costa Blanca einrichten. Die Ministerin war dafür be...

HRE-Anleger wollen Geld sehen

Berlin (dpa/ND). Der verstaatlichte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) wird mit neuen millionenschweren Schadenersatzforderungen konfrontiert. Mehrere institutionelle Anleger wollen in einem Musterprozess rund 200 Millionen Euro Schadenersatz einklagen, wie eine Sprecherin des Landgerichts München I am Mittwoch bestätigte. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte im Rundfunk, er ...

ndPlusGabriele Oertel

Solidarität

Hätte es sich die Suppe nicht selber eingebrockt, müsste man langsam zu einer Solidaritätsaktion für das Spitzenpersonal der SPD aufrufen. Es muss deprimieren, wie die Genossen Woche für Woche abgewatscht werden und kein Silberstreif am Horizont auftaucht. Und es muss Kraft kosten, immer wieder von Aufholjagd zu reden, derweil die Kurve unverändert bleibt und der Kanzlerkandidat immer weiter absch...

ndPlusChristian Klemm

48 Schritte bis zur Entschädigung

Die Deutsche Bahn (DB) muss bei Verspätungen seit gestern Teile des Fahrkartenpreis an die Kunden zurückzahlen. Dennoch wird Kritik am Entschädigungsverfahren laut.

Schattenspiele bei der SPD

Heute lüftet SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier das Geheimnis – und stellt in Potsdam seine wahlweise als Schattenkabinett, Kompetenz- oder Regierungsteam bezeichnete Truppe vor. Dass er allerdings nach der Bundestagswahl am 27. September regieren wird, scheint eher unwahrscheinlich. Nach einer jüngsten Umfrage ist Steinmeier in der Wählergunst auf dem tiefsten Punkt seit seiner Nominierung vor elf Monaten angelangt.

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ndPlusFabian Lambeck

Statistik und Wahlen

Deutschland im Superwahljahr und gleichzeitig in der tiefsten Rezession seit Ende des Zweiten Weltkriegs. In diesen Zeiten ist eine hohe Arbeitslosenquote natürlich Wahlkampfmunition für die Opposition. Nur gut, dass die Zählweise der zuständigen Bundesagentur für Arbeit in den vergangen Jahren mehrmals verändert wurde. So fallen Hunderttausende aus der allmonatlich veröffentlichten Statistik, und...

Ina Beyer

Hundt will Beschäftigten in die Tasche greifen

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hält angesichts der wirtschaftlichen Krise auch Lohnsenkungen für durchaus angebracht. Den Gewerkschaften bescheinigte er in dieser Woche in Berlin »tarifpolitische Vernunft« in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Die Arbeitnehmervertreter finden seinen Vorschlag dagegen alles andere als vernünftig.

»Fünf Millionen Menschen suchen Arbeit«

Heute gibt die Bundesagentur für Arbeit die Zahlen für den Monat Juli bekannt. Böse Überraschungen werden wohl ausbleiben, denn der deutsche Arbeitsmarkt erweist sich dank staatlicher Subventionen als relativ stabil. DGB-Experte Johannes Jakob weist im ND-Interview darauf hin, dass die Unternehmen ihre Facharbeiter noch halten, während mehr als 30 Prozent der Leiharbeitsplätze bereits abgebaut wurden. Außerdem sind weit mehr Menschen auf Arbeitssuche, als von der Bundesregierung angegeben.

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ndPlusRené Heilig

Gladio und »keine eigenen Erkenntnisse«

Gladio war (?) eine Geheimarmee der NATO. Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von US-Geheimdiensten gegründet, sollte diese paramilitärische Truppen einen befürchteten Vormarsch des Ostens behindern und im Westen missliebige Oppositionelle, das bedeutet ausnahmslos Linke, »zum Schweigen« bringen. 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges hat die Bundesregierung »keine eigenen Erkenntnisse« dazu.

Michael Müller, Sofia

Noch brennt etwas Licht

Bulgarien hat seit Montag eine neue Regierung – was eigentlich nichts so Besonderes ist. Immerhin wechselten die Ministerpräsidenten seit Februar 1990 durchschnittlich alle 20 Monate. Dabei hat es nie ein Kabinett geschafft, wiedergewählt zu werden. Allerdings gab es auch noch keinen Regierungschef, der, wie der neueste, statt auf Programm so sehr auf Populismus setzte.

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ndPlusWolfgang Hübner

Das Orakel Kajo und die LINKE

Man sollte meinen, die SPD habe angesichts der dramatischen Wahlumfragen genug mit sich selbst zu tun. Aber ihr Wahlkampfchef, der Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel, nahm sich in einem Streitgespräch mit Linkspartei-Fraktionschef Gregor Gysi für den »Tagesspiegel« immerhin noch die Zeit für eine kühne Prognose. »Ich glaube nicht, dass die Partei DIE LINKE die nächsten 20 Jahre überleben wird«...

Velten Schäfer, Schwerin

Mit Transparenz und »Kaizen-Kommission«

Nach dem Münchner wollen die Freien Wähler nun auch den Kieler Landtag erobern. Die Stimmung im Land scheint geeignet, doch die Partei ist kompliziert und heterogen.

Hendrik Lasch, Barby

Konkurrenz zwischen Schiff und Landschaft

Nach der Flut 2002 war der Ausbau der Elbe wahlentscheidend. Jetzt will Sachsen-Anhalts Minister für Verkehr noch immer die Wasserautobahn. Flussschützer im Elbe-Saale-Camp halten die Idee für völlig überholt.

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Schmidt ihr Fahrer betäubt ...

Gott sei Dank! Der 100 000-Euro- Dienstwagen von Ulla Schmidt ist wieder da. Er wurde bei Alicante entdeckt. Wenn der Mercedes S 420 CDI fahrtüchtig ist, werde er samt Schmidts Fahrer wieder dort eingesetzt, sagte eine Sprecherin der Bundesgesundheitsministerin.Hallo? Wieso hat man ihren Mercedes S 420 CDI wiedergefunden, wo doch Frau Minister laut Gesundheitsstaatssekretär Klaus Theo Schröder mit...

Banker loben Bankrettung

Eine Pleite des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) hätte katastrophale Folgen für die Finanzmärkte gehabt, sagten am Mittwoch ehemalige Banker als Zeugen vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages aus.

ndPlusUwe Kalbe

Zunehmende Leere in der Kinderstatistik

Jetzt ist es amtlich, bundesamtlich: Deutschland leidet unter einem langfristigen Geburtenrückgang, ermittelte das Statistische Bundesamt. Hauptgrund ist die wachsende Zahl von kinderlosen Frauen.

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Iraks Polizei stürmt Iraner-Lager

Bagdad/Teheran (dpa/ND). Nach Drohungen und Schikanen setzt Bagdad jetzt auf Gewalt, um die iranischen Volksmudschaheddin zu vertreiben. Acht Angehörige der Oppositionsbewegung wurden in der Nacht zum Mittwoch getötet, als irakische Polizisten ihr Lager nördlich von Bagdad stürmten. Der Gouverneur der irakischen Provinz Dijala, in der das Lager Aschraf liegt, sagte, 425 weitere Bewohner seien verl...

Eisiges Klima Kolumbien - Venezuela

Im Streit um mutmaßliche Waffenlieferungen an die linksgerichteten FARC-Rebellen hat Venezuela die diplomatischen Beziehungen zum Nachbarland Kolumbien auf Eis gelegt

US-Sanktionen gegen Putschisten

Die USA haben vier Beamten der honduranischen Putschregierung die Diplomatenvisa entzogen. Washington erkenne nicht Micheletti als Präsidenten von Honduras an, sondern Zelaya, sagte Außenamtssprecher Kelly am Dienstag zur Begründung.

Ralf Streck, San Sebastián

Bomben zur Geburtstagsfeier

Am Freitag feiert die baskische Untergrundorganisation ETA ihren 50. Gründungstag. Mit einem Anschlag hat sie sich vorab gemeldet.

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Irina Wolkowa, Moskau

Vierergipfel in Tadshikistans Bergen

Vier Staatschefs werden zugegen sein, wenn am Freitag der vierte Block des mit russischer Hilfe fertiggestellten Sangrudin-Wasserkraftwerks in

ndPlusGabriel Rath, London

Londons Mitschuld soll ans Licht

Die britische Menschenrechtsgruppe Reprieve verlangt von der britischen Regierung, offenzulegen, was sie über die berüchtigten US-amerikanischen Auslieferungsflügen wusste. Am Fall eines Entführten soll die Verwicklung Londons in Misshandlungspraktiken nachgewiesen werden.

»Die Forderungen des Dalai Lama sind unannehmbar«

Der Dalai Lama ist wieder auf Europa-Tournee und wird die Chance nicht auslassen, sich erneut über die seiner Meinung nach antitibetische Politik des chinesischen Staates zu beschweren. Das offizielle China wird dagegenhalten. ND hatte kürzlich in Peking Gelegenheit, einen Vertreter des Staates über die chinesische Tibet-Politik, den Dalai Lama und die Verhandlungen mit dessen Vertretern zu befragen. Mit Dong Yunhu, Generaldirektor im Informationsbüro des Staatsrates, sprach Roland Etzel.

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ndPlusOliver Händler

Nur ich und der Anzug

Schwimmstar Michael Phelps schüttelte nach dem Anschlag betont den Kopf. Der Rückstand auf den Hallenser Paul Biedermann im WM-Finale über 200 Meter Freistil in Rom war so groß, da wollte der US-Amerikaner der ganzen Welt zeigen, dass da etwas nicht stimme. Biedermann sagt: »Nur ich und der Anzug.« Manch einer glaubt ihm nicht. Die vielen Verbesserungen eigener Bestzeiten um mehrere Sekunden führe...

ndPlusSteffen Schmidt

Wem es nutzt ...

Die »neue« oder auch »Schweinegrippe« genannte Pandemie macht bislang vor allem im Wirtschaftsteil der Medien von sich reden. Impfstoffhersteller und Produzenten von antiviralen Medikamenten stellen wegen des Auftragsbooms gerade erst gefeuertes Personal wieder ein, Kassen, Ärzte und öffentliche Hand streiten über die Kostenübernahme. Ging es vor ein paar Tagen noch um die halbe Milliarde für die ...

Martin Ling

Eiszeit à la Chávez

Die Männerfreundschaft ist wohl endgültig zerbrochen: Hugo Chávez hat seinen Botschafter aus Kolumbien abgezogen und seinem Präsidentenkollegen Álvaro Uribe den Fehdehandschuh hingeworfen. Wenn Kolumbiens Regierung mit ihren Anschuldigungen fortfahre, stünden die Handelsbeziehungen und die Enteignung kolumbianischen Eigentums in Venezuela zur Disposition. Chávez ist über Bogotá ernstlich vergrätzt...

ndPlusMarkus Drescher

Rüttler

Der Weimarer Historiker und Direktor der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, Volkhard Knigge, will festgefügte Auffassungen ins »Trudeln« bringen und den Blick schärfen. Anlässlich der Sonderausstellung »Franz Ehrlich. Ein Bauhäusler in Widerstand und Konzentrationslager« in Buchenwald wies Knigge darauf hin, dass das 1919 in Weimar gegründete Staatliche Bauhaus durchaus »diktaturfähig« gewesen und wohl n...

Wozu Alkoholverbotszonen?

ND: Die Alkoholverbotszonen in Freiburg wurden gestern für rechtswidrig erklärt. Auch andere Städte haben solche Verordnungen. Sind deren Tage jetzt gezählt? Landsberg: Unmittelbar wirkt sich das Urteil nicht auf Städte in anderen Ländern aus, weil der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim nur für das Recht in Baden-Württemberg entscheidet. Und Baden-Württemberg sollte jetzt eine neue gesetzliche Erm...

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Eva Herman erstritt Urteil

(ND). Die Fernsehmoderatorin und Buchautorin Eva Herman hat vor dem Oberlandesgericht Köln im Berufungsverfahren gegen den Axel-Springer-Verlag Recht erhalten. Der 15. Zivilsenat verbot dem Verlag, die Moderatorin falsch in einer Weise zu zitieren, dass sie den Nationalsozialismus in Teilen, nämlich in Bezug auf die Wertschätzung der Mutter, gutgeheißen habe. Der Springer-Verlag muss zudem eine Ge...

ndPlusGunnar Decker

Turbulenzen auf der Zeitachse

Werner Tübkes Bilder scheinen Mäuler zu haben. Sie verschlingen die Welt und den Betrachter gleich mit. Das nennt man dann eine Metamorphose. Natur kommt in ihnen ohnehin nur in höchst künstlicher Gestalt vor, der Mensch droht darin zur Marionette zu werden, sich gänzlich in der Schönheit von Trugbildern fremd zu werden. So in »Sizilianischer Großgrundbesitzer mit Marionetten« von 1972. Dieser Man...

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Der Feuille-Ton ... der Anderen

DAS MÄRCHEN DDR In der »Berliner Zeitung« gibt der Dokumentarfilmer Thomas Heise Auskunft über die Akademie-Ausstellung »Übergangsgesellschaft« über das letzte Jahrzehnt der DDR. Bis zum Ende dieses Staates wurden all seine Dokumentarprojekte mit »operativen Mitteln« verhindert oder eingezogen. Er spricht über das Interesse der Bundesrepublik am »Kanalisieren der historischen Erzählung«. Das ist j...

Bluthochzeit, Säbeltanz
Volkmar Draeger

Bluthochzeit, Säbeltanz

Natürlich bildet auch im 1945 begründeten Tanzkonservatorium Prag wie in jeder professionellen Ausbildung der Unterricht in Klassischem Tanz das Zentrum. So präsentierte die diesjährige Absolventengala ein Divertissement aus dem kaum mehr gespielten Ballett »Laurencia« seligen Sowjetangedenkens. Auf dem Programm standen aber auch »Yesterday« als Reminiszenz an die Beatles, Jirí Kyliáns neoklassisc...

ndPlusCarsten Otte

...Caroline kommt

Es war der Höhepunkt der automobilen Erfolgsgeschichte in Deutschland, als ausgerechnet die Grünen mit Gerhard Schröder einem Autokanzler zur Macht verholfen haben. Seitdem verliert das Auto hierzulande an Bedeutung: als Wirtschaftsgut, als Fetisch, als Symbol für Freiheit und Wohlstand. Eine internationale Finanzkrise, ausgelöst durch faule Immobilienkredite in den USA, offenbart das Ausmaß der A...

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STARporträt

STARporträt

Die US-amerikanische TV-Legende (Foto: dpa) präsentiert sich jetzt in einem ihrer seltenen Kino-Auftritte – als rüstige, gescheite und liebenswerte Großmutter von Rayn Reynolds in »Selbst ist die Braut«. Ihr Filmdebüt hatte sie 1961 in Otto Premingers »Sturm über Washington« gegeben und dann erst wieder ab Ende der 90er in einigen Filmen gespielt, darunter die störrische Doreen, die in »Hard...

Caroline M. Buck

Die Beichte

Es ist fast, als solle zum Schaden auch noch der Spott kommen: Da wird eine junge Frau von ihrem Ehemann verlassen, der zu seiner Geliebten zog – und muss sich ausgerechnet von ihrem Schwiegervater erzählen lassen, dass er vielleicht gut daran tat. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, erklärt der sonst eher wortkarge Pierre (Daniel Auteuil), und erzählt seiner Schwieger...

Schweres Geschäft

Schweres Geschäft

Agnès Jaoui (Foto: AFP) gehört zu den wichtigsten Frauen im französischen Filmgeschäft. Sie errang große Erfolge als Drehbuchautorin, Produzentin wie als Schauspielerin, nicht zuletzt, weil ihr ein besonderer Humor eigen ist und sie den Alltag genau zu beobachten versteht. »Erzähl mir was vom Regen« ist ihre dritte Regiearbeit. Sie spielt darin auch die Hauptrolle – die angehende Politikerin Agathe vor der Wahl. Über die Frau wird ein Dokumentarfilm gedreht, begleitet von vielen Hindernissen professioneller und menschlicher Art.

Gunnar Decker

Plötzlich Lebensanfänger

August ist ein Monat, der am ehesten zu vierzigsten Geburtstagen passt. Alles glüht noch in Sommerhitze, aber man kann vielleicht vor anderen, aber nicht vor sich selber verbergen, dass es eher schon ein Nachglühen ist. Der Herbst schleicht heran, die Tage werden kürzer. Das ist die Atmosphäre in Hermann Hesses »Klingsors letzter Sommer« – dieses panische Gefühl: der Sommer des Lebens ist fa...

Seite 12
Roland Müller

Analytiker des Unwohlseins

Da geht einer in Archive, vergleicht, schaufelt einen Berg Fakten herbei, vom Mittelalter und den ersten Zeitungen 1650 in Leipzig bis zu neuesten Zahlen zur Familienpolitik. Klaus-Dieter Block, von Hause aus eher ein nüchtern denkender und schreibender Wirtschaftswissenschaftler aus Sachsen-Anhalt, hat etwas von lutherischem Geist geerbt. Dem Volk aufs Maul schauen, jawohl, und den Machern in die...

ndPlusMichael Sollorz

Wer nicht dabei war ...

Keine schlechte Idee. Zwei Schriftsteller sprechen miteinander über ihre länger zurückliegende Zeit in den gegnerischen Streitkräften diesseits und jenseits der Mauer, in NVA und Bundeswehr. Sie sind auf der Suche nach Ähnlichkeiten, Verbindendem, und wollen die Unterschiede herausarbeiten. Tauglichkeit, Hierarchie, Schleifen und Sadismus, Innere Führung und Rotlicht, Gemeinschaft, heißen vielvers...

Irmtraud Gutschke

Mauern aus Ich-Gestein

Auf dem Buchumschlag ein Brandenburger Tor in Rot. Signal: Es geht um die Grenze, die es nicht mehr und noch immer gibt. Katrin Seglitz, geboren 1960 in München, will verstehen, was geschehen ist und was geschieht. Zwei feindliche Brüder, uraltes literarisches Motiv. Vielleicht hat sie es auch in ihrer Umgebung erlebt: Menschen, die ein-ander verbunden waren, so lange die Mauer noch stand, wurden ...

Seite 13
ndPlusUlrich van der Heyden

Bösen Geistes?

Er hat schon zu DDR-Zeiten dutzend Bücher über Entdecker und die Geschichte geografischer Entdeckungen veröffentlicht. In der wissenschaftlichen Fachwelt wurde Werner Lange durch die Biografie des deutschen Kolonialoffiziers und späteren Pazifisten und Revolutionärs Hans Paasche bekannt. Vor einigen Jahren überraschte er mit einem Bildband über die herrliche Landschaft des Kilimandscharo-Gebirgsma...

Leseprobe

Die Erde ist unser, alles haben wir bezwungen: Hitze, Kälte, Wüste, Ozeane. Alles haben wir besiegt: Raubtiere, Ungeziefer und Bazillen. Allem trotzen wir: Erdbeben, Wirbelstürmen und Tsunamis. Überall sind wir zugleich: In einer Zehntelsekunde saust unser Wort um die Erde, in 90 Minuten schaffen es die Satelliten, sie weisen uns den Weg hier unten, und wäre es der von Plattling nach Germersheim. ...

Günter Kröber

Leichter, als man denkt

Klares Denken erfordert Logik, kreatives benötigt Ideen. Problemlösendes Denken ist umso erfolgreicher, je vielfältiger die geistigen Strategien sind, mit deren Hilfe das zu lösende Problem z. B. aus unterschiedlicher Sicht gesehen, in Teilaspekte zerlegt oder anhand von Spezialfällen untersucht wird. Eben solche geistigen Instrumente zur Ideenfindung führt Christian Hesse (Foto: Archiv), Mathemat...

ndPlusRolf Löther

Epikur lässt grüßen!

Im Februar begingen wir den 200. Geburtstag von Charles Darwin, der 150. Jahrestag des Erscheinens seines Buches über die Entstehung der Arten steht im November bevor. Wie bei derartigen Jubiläen üblich, hat die Darwin-Literatur Konjunktur. Biologen, Wissenschaftshistoriker, Philosophen und Theologen bemühen sich darum, Darwins Leben, Werk und Wirkung zu würdigen. Der britische Genetiker Steve Jon...

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Streit um Grippetests

Berlin (dpa/ND). Ärzte und Krankenkassen sind uneins über die Bezahlung von Schweinegrippe-Tests. Während der Streit über die Bezahlung der geplanten Impfungen noch nicht ausgestanden ist, herrscht nun Verunsicherung über die laufenden Schweinegrippe-Tests. »Die Kosten für den sogenannten PCR-Test werden wir nicht erstatten«, sagte Heike Achtermann von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Li...

GM lehnt Angebot von Magna ab

Detroit/Berlin (Agenturen/ND). Im Bieterwettstreit um Opel hat der frühere US-Mutterkonzern General Motors (GM) ein nachgebessertes Übernahmeangebot des Autozulieferers Magna abgelehnt. Es habe Forderungen enthalten, »die einfach nicht umgesetzt« werden können, schrieb GM-Chefunterhändler John Smith am Dienstag. Die Forderungen hätten sich auf Patentrechte und das Russlandgeschäft bezogen. Das Ang...

Daimler auf Talfahrt

Stuttgart (dpa/ND). Daimler bleibt auf rasanter Talfahrt. Der Autobauer hat im zweiten Quartal erneut einen Milliardenverlust eingefahren und rechnet auch mit einem schlechten Gesamtjahr. Vorstandschef Dieter Zetsche gab sich am Mittwoch dennoch vorsichtig optimistisch. Die eingeleiteten Sparprogramme zeigten langsam Wirkung. »Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und unsere Maßnahmen gre...

Hermannus Pfeiffer

Kaum Verluste bei Vorsorge

Die private Altersvorsorge in Deutschland wurde durch die Finanzkrise nur am Rande getroffen. Die gefühlten Verluste aber übersteigen die tatsächlichen Einbußen um ein Vielfaches. Dies zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA).

Showdown bei Continental

Der Autozulieferer Continental befindet sich seit Monaten in einer unsicheren Lage. Die Milliardenschulden drücken, das Verhältnis zu Großaktionär Schaeffler ist ungeklärt. Heute findet in Hannover die entscheidende Aufsichtsratssitzung statt

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Kraftlos vor dem Tor

Deutschlands Fußballerinnen sind bei ihrem vorletzten Test vor der Europameisterschaft nicht über ein 0:0 gegen den Olympia-Vierten Japan hinausgekommen. Vier Tage nach dem überzeugenden 6:0-Sieg gegen die Niederlande ließ die Elf von Bundestrainerin Silvia Neid gestern vor 10 158 Zuschauern im Mannheimer Carl-Benz-Stadion die Durchschlagskraft im Angriff vermissen. »Die Chancenverwertung war nich...

Missglückte Generalprobe

Von Philippe Boisson (SID), MonacoAusgerechnet die Generalprobe gegen die große Rivalin ging für Hochspringerin Ariane Friedrich zweieinhalb Wochen vor der Leichtathletik-WM in Berlin (15. bis 23. August) verloren. Doch als die Frankfurterin beim Super Grand Prix im Fürstentum Monaco nach 15 Erfolgen in Serie den Nimbus der Unbesiegbarkeit gegen Weltmeisterin Blanka Vlasic eingebüßt hatte, war von...

Mark Wolter

Mehr spielen als verhindern

Erzgebirge Aue an der Spitze der 3. Liga – »nur eine Momentaufnahme«, wiegelt Trainer Rico Schmitt nach dem 1:0-Erfolg am Dienstagabend gegen den selbst ernannten Aufstiegsanwärter FC Ingolstadt ab. Nicht nur, weil erst fünf Partien des erst zweiten Spieltages absolviert waren, sondern »weil es noch viel zu verbessern gibt und es ganz schnell wieder nach unten gehen kann«. Für den ersten Sai...

Tom Mustroph, Rom

Überflieger reift zum Menschen

Keine zwölf Monate ist es her, da wurde Michael Phelps von seinen Konkurrenten noch als Außerirdischer bezeichnet. Der Ungar Laszlo Cseh gewann bei den Olympischen Spielen in Peking drei »menschliche« Silbermedaillen hinter dem von ihm als »Alien« titulierten Phelps. In Rom ist der einstige Überschwimmer Michael Phelps selbst menschlich geworden. Er hat verloren. Fünfmal schon. Drei Mal gegen Paul...

Seite 16
ndPlusMartin Koch

Blick in Lenins Gehirn

Heute kennen vermutlich nur noch wenige seinen Namen. Dabei war der deutsche Hirnforscher Oskar Vogt zu seinen Lebzeiten eine weithin bekannte Persönlichkeit, vor allem während der zweiten Hälfte der Weimarer Republik. Denn er hatte 1925 von der Sowjetregierung den Auftrag erhalten, das Gehirn des verstorbenen Wladimir I. Lenin genauer zu untersuchen. Zu diesem Zweck wurde in Moskau sogar ein spez...

Seite 17

Stückchen und Schlückchen

So schön zentral liegt der Job Point: gleich nebenan ein Handyladen, ein Friseur, ein Taschenladen. Alles da, um zukünftige Arbeitgeber anzurufen oder beim Bewerbungsgespräch einen guten Eindruck zu machen. So jedenfalls freute sich am Mittwoch TV-Moderatorin Manuela Böttcher, die durch die Feierlichkeiten im Job Point Neukölln anlässlich des millionsten Besuchers führte. Ob die Besucher der Stell...

Zwischenstation Marienfelde
Anne Britt Arps

Zwischenstation Marienfelde

Zwei Betten, ein Tisch, ein Schrank, ein paar Stühle – die beiden winzigen Zimmer im zentralen Notaufnahmelager Marienfelde sind spärlich eingerichtet, in denen Familie Alahwad zur Zeit untergebracht ist. Nach zwei Jahren in Syrien ist die fünfköpfige Familie nun seit einem Monat in Marienfelde, gemeinsam mit 43 anderen irakischen Flüchtlingen, die aus politischen oder religiösen Gründen aus...

Sarah Liebigt

Ein Reisebüro für die Jobvermittlung

Bei strahlendem Sonnenschein gab es in der Karl-Marx-Straße im Bezirk Neukölln am Mittwochvormittag Trommelradau, Sekt und Riesentorte. Der Job Point Neukölln begrüßte und feierte seinen millionsten Besucher mit Präsentkorb und Buddy Bär. Mitarbeiter, Freunde und geladene Gäste drängten sich in den Räumlichkeiten in der Karl-Marx-Straße. Der Job Point ist eine Stellenbörse mit lokalem und unbürokr...

Seite 18
Barbara Staacke

Von der Baracke zum modernen Klinikkomplex

Es ist 1940. Bomben fallen auf Berlin. Das veranlasst Rüstungs- und Bauminister Albert Speer, den Bunkerbau voranzutreiben. Zu diesem Zweck lässt er auf einem Kaulsdorfer Freigut an der Myslowitzer Straße ein Lager für tausend verschleppte Zwangsarbeiter errichten. Nachdem die Befreier Nazideutschland immer näher kommen und sich die Kriegslage für die Faschisten verschlechtert, gibt die Speer unte...

»Ein Kleinod ist in Gefahr«
ndPlusAndreas Heinz

»Ein Kleinod ist in Gefahr«

Die Gefühle vieler Anwohner der Karl-Marx-Allee schwanken zwischen Wut und Betroffenheit. Auslöser für diese Reaktionen ist eine Mitteilung der BVG, im Rahmen der Sanierung dreier U-Bahnhöfe der Linie 5 Bäume zu fällen. Die Zahl der insgesamt betroffenen Gewächse, denen die Verkehrsbetriebe an die Stämme wollen, wird vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg mit 53 beziffert. Allein am U-Bahnhof Web...

Seite 23
Fallstricke der Vergangenheit
ndPlusAnouk Meyer

Fallstricke der Vergangenheit

»Ick’ leg mir lang!« Mehr als dieser Ausruf der Verblüffung fällt Ludwig Klinke nicht mehr ein. Kein Wunder, muss sich der Mostrichfabrikant doch nicht nur mit seiner in den falschen Mann verliebten Tochter und der sittenstrengen Gattin herumschlagen, sondern auch noch verhindern, dass letztere von seinem unehelichen Sohn erfährt. Der ist Ergebnis eines lange zurückliegenden Fehltritts mit e...

Seite 24
Andreas Fritsche

Restauration eines Herrschaftssymbols

Einer Mutter radelt an den Werkstätten der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) vorbei. »Guck mal, eine alte Kutsche«, ruft sie ihrem Sohn zu. Es handelt sich nicht um irgendeine Kutsche, die durch ein geöffnetes Garagentor zu sehen ist, sondern um den Staatswagen von Friedrich Wilhelm II.. Der Wagen wird gegenwärtig aufwändig restauriert. Die Stiftung informierte gestern über den Fortg...