Ausgabe vom 20.08.2009

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Unten links

Wir kennen den Mantel der Geschichte; wir wissen um die Jacke, die sich jemand nicht anzieht; wir mussten dem Hemd eines Tages leider mitteilen, dass uns die Haut weit näher sei ... Kleider machen aber nicht nur Leute, sondern auch Arbeitslose fit für den Arbeitsmarkt. So jedenfalls der Plan mehrerer Universitäten für die kommende kalte Jahreszeit: Sie schaffen die Schließfächer für Kleidung ab &n...

Jeder Fünfte bezieht Niedriglohn

Frankfurt am Main (epd/dpa/ND). Jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland arbeitet für einen Niedriglohn. Bei den sogenannten atypisch Beschäftigten bekomme sogar jeder zweite Arbeitnehmer (49,2 Prozent) weniger als 9,85 Euro pro Stunde, sagte der Vizepräsident des Statistischen Bundesamts, Peter Weigl, am Mittwoch in Frankfurt am Main. Zur Gruppe der atypisch Beschäftigten gehören Teilzeitarbeiter...

ndPlusSteffen Schmidt

Elektrisierend

Wie kann ein Land sich als umweltpolitischer Vorreiter präsentieren, ohne jemandem wehzutun? Ganz einfach: Man lege ein Förderprogramm auf, von dem möglichst viele profitieren. Mit dem Aktionsplan Elektromobilität versucht sich die Große Koalition auf genau diese bequeme Weise als der Öko-Musterschüler zu präsentieren, der sie nicht ist. Dabei ist gegen einen Wechsel der Autoantriebe auf Elektromo...

Kabul will Gewalt ausblenden

Nach den schweren Anschlägen in den vergangenen Tagen blieb die Lage in Afghanistan unmittelbar vor der Präsidentenwahl an diesem Donnerstag bis auf einige gewaltsame Vorfälle in Kabul und im Land relativ ruhig.

Regierung plant nächste Autokaufprämie

Die Bundesregierung will die Entwicklung und Markteinführung des Elektro-Autos mit einem Aktionsplan voranbringen. Bis 2020 wird mit rund einer Million neuen Fahrzeugen gerechnet.

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Bangen auf Platz 58/1

Von Jürgen Holz Ich saß gestern schon am Vormittag auf der Pressetribüne im Olympiastadion im Block 6, ganz oben, letzte Reihe, Platz 58/1. Mit gemischten Gefühlen, als Franka Dietzsch, die Grande Dame des Diskuswurfs, zur Qualifikation in den Ring trat. Seit vielen Jahren verbindet mich mit der zweifachen »ND-Sportlerin des Jahres« ein freundschaftliches Verhältnis. Würde die 41-jährige Neubrande...

Bringt Friedrich die eigene Matratze Glück?
Jürgen Holz

Bringt Friedrich die eigene Matratze Glück?

Nach dem Gold-Wurf von Steffi Nerius richten sich heute die Blicke im Olympiastadion auf ein weiteres WM-Topduell im Hochsprung zwischen der Olympiazweiten und Titelverteidigerin Blanka Vlasic (Kroatien) und der Frankfurterin Ariane Friedrich (Foto: AFP). Vlasic geht mit einer Saisonbesthöhe von 2,05 m in den Titelkampf. Friedrich, bei Olympia 2008, »nur« Siebente, aber letzten Winter Hallen-Europ...

ndPlusJirka Grahl

Langer Sprint zum ersten Gold

Atemlos war sie und ziemlich erschöpft, aber so, so glücklich: Als Sanya Richards aus Austin (Texas) zum 38. Mal in ihrer Karriere schneller als 50 Sekunden über die 400-Meter-Runde gerannt war, war das eine Premiere: Sie hatte zum ersten Mal eine Goldmedaille bei einem Großereignis gewonnen. »Endlich«, strahlte die 24-Jährige, die als 12-Jährige mit ihren Eltern aus Kingston (Jamaika) in die USA ...

Wettkampf meines Lebens

STEFFI NERIUS schrieb Sportgeschichte: Die 37-Jährige, gebürtig in Bergen auf der Insel Rügen und nach der Wende für den TSV Bayer Leverkusen startend, ist die erste deutsche Speerwurf-Weltmeisterin. Mit 67,30 m gleich im ersten Versuch – so weit wie noch nie in dieser Saison – erkämpfte sie sich den WM-Titel und ihre siebente internationale Medaille seit 2002. Nach ihrem Triumph sprach JÜRGEN HOLZ mit ihr.

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Günter Frech

Per Handy bei der HRE-Rettung

Mit der Befragung der mächtigsten politischen Beamten der Republik, Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen und Jens Weidmann, Abteilungsleiter für Wirtschafts- und Finanzpolitik im Bundeskanzleramt, bog der HRE-Untersuchungsausschuss am Mittwoch in die Zielgerade.

ndPlusSimone Schmollack

Musikvertrieb wider Willen

Inzwischen ist Franz P. wieder gelassen. Er kann wieder ruhig schlafen und schaut nicht mehr angstvoll in seinen Briefkasten. Vor einigen Wochen war das noch anders. Damals wurde Franz P. beschuldigt, deutsches Recht gebrochen zu haben. Der Berliner ist ein ehrenwerter Mann, erfolgreich im Beruf, verheiratet, zwei Kinder. Nicht einmal Knöllchen wegen Falschparkens hat er kassiert. Und dann kam die...

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Impfung gegen Schweinegrippe gesichert

Berlin (epd/ND). Im Herbst können sich alle Versicherten gegen Schweinegrippe impfen lassen. Das Bundeskabinett stimmte am Mittwoch in Berlin einer Verordnung zu, wonach die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Hälfte der Versicherten, rund 35 Millionen Bürger, tragen müssen. Die Bundesregierung rechnet dafür mit Kosten von bis zu einer Milliarde Euro. Sollten mehr Menschen geimpft werden...

Wahlliste der Saar-LINKEN umstritten

Die Vorwürfe gegen die Saar-LINKE wiegen schwer: Bei der Kandidatenkür für die Landtagswahlen soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein.

ndPlusHendrik Lasch

Nationale Ruhe über alles

Mit vielen Initiativen soll in Sachsen ein Wiedereinzug der NPD in den Landtag verhindert werden. Doch Städte wie Mügeln und Colditz wollen lieber ihre Ruhe haben als Konzerte oder Turniere gegen Rechts.

ndPlusPeter Liebers

Im Thüringer Landtag wird es bunt

Nach der Landtagswahl am 30. August wird es im Thüringer Landesparlament bunt. Um die gut bezahlten Abgeordnetensitze kämpfen zehn Parteien mit 91 Kandidaten. Reale Chancen, dass ihre Blütenträume reifen, hat aber nur die Hälfte der Parteien.

Seite 5
Hans-Georg Schleicher

Jacob Zuma punktet trotz vieler Probleme

Analysten in Südafrika und internationale Beobachter sind gleichermaßen überrascht: Nach 100 Tagen im Amt erscheint der kontroverse Jacob Zuma souverän und gestärkt, findet allgemein Zustimmung, Medien sprechen vom Präsidenten des Volkes.

Seite 6
Gerhard Armanski

Hatz und Hetze

Jede Gesellschaft braucht und sucht ihre Feinde. Für den Westen war das lange der Kommunismus. Nach dessen Niedergang rückt der Islamismus an die verwaiste Stelle. Was macht es da, dass die höchste geistliche Autorität im Islam, die Al-Azhar-Moschee in Kairo, jeden angeblich mit dem Glauben gerechtfertigten Terror geächtet hat. Damit die Operation gelingt, muss der Feind krass einseitig und absche...

ndPlusNorman Paech

Drogenkrieg oder Tony Soprano und die Taliban

Mit dem Sturz des Taliban-Regimes kehrte Afghanistan zurück ins Opiumgeschäft. Lag die Opiumproduktion des Landes im Jahr 2001 noch bei 185 Tonnen, so war die Mohnernte im Herbst 2002 bereits wieder auf 3400 Tonnen angestiegen. Für dieses Jahr wird nun trotz aller Erfolgsmeldungen über opiumfreie Provinzen eine Rekordernte von über 9000 Tonnen Rohopium erwartet. Damit ist auch gesichert, dass die ...

Wahlen in schwarzen Löchern
ndPlusThomas Ruttig, Gardez/Kabul

Wahlen in schwarzen Löchern

Wenn es nach den Taliban ginge, sollte Nazar Muhammads (Name geändert) kleiner Laden eigentlich geschlossen sein. Seit Tagen hatten ihre Propagandatrupps systematisch Moscheen in der Umgebung von Scharana, der Hauptstadt der südostafghanischen Provinz Paktika, besucht und zum Boykott der Wahlen aufgerufen. Dazu gehörte auch die nachdrückliche Aufforderung zum Basarstreik. »Wenn es nur die Taliban ...

Seite 7
Der Mann, der Karsai beerben will
ndPlusBritta Petersen, Kabul

Der Mann, der Karsai beerben will

Sieht so der Wandel in Afghanistan aus? In eine helle Kurta, das weite afghanische Obergewand und einen paschtunischen Turban gehüllt, bahnt sich Abdullah Abdullah den Weg durch seine Anhängerschar in der südafghanischen Stadt Kandahar. Er hat lange gewartet mit seinem Auftritt in der Stadt seines Vaters. In der Hochburg der Taliban überlebte Präsident Hamid Karsai 2002 nur knapp einen Anschlag. D...

Hans Wallow

Staat ohne Land – Land ohne Staat

In dem Kunststaat, dessen Grenzen um 1900 durch Großbritannien und Russland mitten durch die Siedlungsgebiete der ethnischen Gruppen festgelegt wurde, sind nun heute Präsidentenwahlen. Sie sind eine Farce, denn als Sieger steht schon der Amtsinhaber fest, den seine Landsleute als »Pudel Amerikas« verspotteten. Die Opposition in dem 27 Millionen Einwohner zählenden Afghanistan mit über 30 rivalisie...

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Hans-Dieter Schütt

Wahl mit Winken

Die zum Parteienstaat gewordene Demokratie tritt zu Wahlkämpfen regelmäßig auf, als sei der traditionell Dumme in dieser Demokratie – das Volk. Just das würde nun jeder Demokrat entrüstet zurückweisen. Aber man hört gerade jetzt wieder und wieder solche Sätze: Wir müssen es den Menschen besser erklären. Wir müssen es besser rüberbringen. Vor allem dieser Satz zählt in peinigender Wiederholun...

Roland Etzel

Zerstörte Gleichgewichte

Je erfolgreicher wir sind, desto mehr amerikanische Soldaten können nach Hause kommen, und wir sind sehr erfolgreich«, posaunte George W. Bush vor knapp zwei Jahren, als er die ersten Truppenreduzierungen in Irak bekanntgab. Was war eigentlich schlimmer an diesem Spruch: seine Dummheit oder seine Unverschämtheit? Schon bis September 2007 hatte der Krieg das Leben von einer Million Iraker gekostet....

ndPlusKurt Stenger

Energie in Bürgerhand?

Ein Zauberwort macht derzeit unter Politikern in Städten und Gemeinden die Runde: »Rekommunalisierung« der Energieversorgung. Die Gelegenheit wäre günstig: Bundesweit wird immerhin jede zehnte Konzession in den kommenden beiden Jahren neu ausgeschrieben. Die kommunalen Spitzenverbände, die einen solchen Trend unterstützen möchten, fühlen sich nicht nur dadurch gestärkt, dass die Privatisierungsfre...

32 Kartons

32 Kartons

»Da sitzt einer über seiner Schreibmaschine, raucht zuviel, bläst Staub von den Tasten, beißt in den Apfel und denkt an Schiller dabei, starrt auf das leere Papier und dann auf die Uhr, kratzt an dem verklebten kleinen a herum, bis es sauber ist, hat schon wieder eine Zigarette in Brand, und nennt das alles Arbeit«, so lautet der erste Satz in Hermann Kants Roman »Die Aula«. »Schaut man die Buchst...

Gibt Kaiser Wilhelm Gas?

Gibt Kaiser Wilhelm Gas?

ND: Sie sind der Initiator der Historiale vom 24.8. bis 30.8. in Berlin. Zum wievielten Mal findet das Geschichtsspektakel statt? Giebel: Wir starteten 2006. Damals setzten wir in Szene, wie Napoleon in Berlin einmarschierte und wie sich das auf die Stadt auswirkte. Im letzten Jahr hatten wir zwei Veranstaltungen: die Märzrevolution 1848 und Berlin zu Zeiten Friedrich II. Jetzt haben Sie ja als Th...

Seite 9

Hugo Loetscher gestorben

Der Schweizer Schriftsteller Hugo Loetscher ist tot. Er starb im Alter von 79 Jahren in Zürich nach einer schweren Operation, wie der Diogenes-Verlag mitteilte. Zu seinen bekanntesten Werken zählen »Der Immune« (1975), »Der Waschküchenschlüssel und andere Helvetica (1983)», »Saison« (1995) oder »Die Augen des Mandarin« (1999). An diesem Freitag erscheint sein neues Werk »War meine Zeit meine Zeit«...

Hitler-Malerei zu versteigern

In einem Nürnberger Auktionshaus werden Anfang September erneut Aquarelle von Adolf Hitler versteigert. Laut Katalog stehen »Zerschossene Mühle«, »Weißenkirchen in der Wachau«, »Haus mit Brücke am Fluss« sowie »Haus mit weißem Zaun« zum Verkauf. Das Auktionshaus Weidler hat bereits mehrfach Hitler-Bilder angeboten. Zuletzt fanden im April zwei Aquarelle für insgesamt 32 000 Euro einen neuen Besitz...

Klaus Bellin

Gerhart Hauptmann zwischen 1933 und 1945

Ganz Hiddensee, meldete der Medizinalrat Curt Friedel seinem berühmten Nachbarn voller Stolz, habe Anteil an dem Ereignis genommen. Vor Haus Seedorn, dem Sitz Gerhart Hauptmanns, wehten am 1. Mai 1933 zwei Fahnen, schwarz-weiß-rot die eine, mit dem Hakenkreuz die andere. Friedel, aus »innerster Überzeugung« Nationalsozialist, hatte den Auftrag des abwesenden Dichters, »heutig festgesetzte Flaggen«...

Seite 11

STARporträt

Auf der Berlinale 2006 machte die Schauspielerin erstmals mit einem langen Spielfilm, Hans-Christian Schmids »Requiem«, von sich reden – mit der Rolle einer an Epilepsie leidenden jungen Frau, die sich von ihrer streng religiösen Familie zu trennen sucht und in Tübingen ein Studium aufnimmt. Sie bekam den Silbernen Bären, außerdem den Deutschen und Bayerischen Filmpreis. Ihr großes Talent fü...

Jan Freitag

Der schöne Qualm des Rauchens

Eine Lanze fürs Rauchen zu brechen, trifft heute auf wenig Wohlwollen. Und Peter Zinsli ist dafür ein schlechter Botschafter. Zigtausend Päckchen hat der Schweizer in 50 Jahren inhaliert. Nun hängt er am Sauerstoffgerät und schilderte gestern Abend in der Dokumentation »Eine letzte Zigarette« die dunkle Seite des Genießens: Wie früher jeder gequalmt habe, 80 Prozent, mindestens. Büros, Werkstätten...

ndPlusUli Gellermann

Die neue Dshamila

Nach dem Roman »Dshamila« soll er gedreht worden sein, der Film »Tengri«, und wer sich an die unendlich zarte Liebesgeschichte Aitmatows erinnert, die von Louis Aragon mit einem geradezu anbetenden Vorwort versehen wurde, der nimmt einen ziemlichen Anspruch mit ins Kino. Das ist gerecht, weil Produktion und Verleih natürlich heftig mit Aitmatow werben, und ungerecht, weil Literatur und Film besten...

Seite 12
ndPlusDietmar Endler

Entrechtete

Irgendwo in Bulgarien der 1990er Jahre: Mit einem riskanten Deal will der Ich-Erzähler, ein chancenloser Journalist, sich Geld verschaffen, um seiner Schwester nach Frankreich zu folgen. Er gerät in eine lebensbedrohliche Situation und findet Zuflucht in einer Gemeinschaft von Aussteigern, die als Köhler im Gebirge ihren Unterhalt verdienen. Es sind Entrechtete, Betrogene und auch Gestrauchelte, u...

Edith Ottschofski

Rätselhafte Wahrheit

In einem römischen Kastell in einem rumänischen Kurort wird ein Massengrab entdeckt. Da erinnert man sich unweigerlich an jenes, das 1989 in Temeswar gefunden wurde. Auch damals wurde fieberhaft geforscht, woher die Leichen stammen. Ähnlich ergeht es den Gestalten in diesem Roman von Filip Florian. Da ist der Erzähler, der Archäologe Petrus: im Grunde ein wohlerzogener, herzensguter Mensch, der we...

Irmtraud Gutschke

Hauen und Stechen

Gelobt sei nicht zuerst der Autor, sondern der Übersetzer. Mirko Kraetsch, 1971 in Dresden geboren, ist mit dem Roman des gerade mal fünf Jahre jüngeren Agda Bavi Pain ein Kunststück gelungen. Slowakisch, vermischt mit Ungarisch, der Roma-Sprache oder einfach nur dem Ganoven-Slang – diese Vielschichtigkeit hat Kraetsch ins Deutsche gebracht. Durch seine Sprachkraft erhält der Text einen Sog,...

Seite 13
Hans Canjé

Ein Umtriebiger

Der 1921 geborene Autor war Journalist im »Dritten Reich«, in der Bundesrepublik, dann in der DDR und schließlich im vereinten Deutschland. Vom »Völkischen Beobachter« bis zum Berliner Rundfunk – alles dabei. Da könnte der Verdacht aufkommen, räumt Gerd Walleiser selbst ein, hier handele es sich um einen Schmock, wie in Gustav Freytags Lustspiel »Journalisten« (1853) der gesinnungslose Schre...

Enttäuschungen
ndPlusKurt Wernicke

Enttäuschungen

Den Repetenten eherner Geschichtslegenden wird diese Biografie nicht gefallen: die erste umfassende Lebensbeschreibung von Ferdinand Friedensburg (1886 bis 1972), die sich natürlich ausführlich mit jenen Jahren befasst, in denen dieser im Mittelpunkt der politischen Ereignisse in Berlin stand. Friedensburg, Sohn eines preußischen Gerichtspräsidenten, hatte Bergbauwissenschaften studiert und ist 19...

Manfred Weißbecker

Im Dunst von Nebelkerzen

Wer pausenlos sich selbst feiert und Jubeljahre begeht, wer lediglich das eigene Geschichtsbild erinnert und nichts anderes als satte Selbsbestätigung sucht, der muss wohl oder übel ausklammern, was dazu nicht passt. Besonders krass gerät die Diskrepanz, wenn von den ersten zehn Jahren Bundesrepublik gesprochen wird und diese unbesehen einer angeblich rundum demokratischen Erfolgsgeschichte zugeor...

Seite 14

Solares Kraftwerk in Köthen

Köthen (dpa/ND). Eines der größten Solarkraftwerke der Welt entsteht nach Angaben des Investors in Köthen (Sachsen-Anhalt). Rund 133 Millionen Euro werden investiert, teilte das Solarunternehmen RGE Energy AG (Frankfurt am Main) am Mittwoch zum Baubeginn mit. Das Solarkraftwerk soll Ende des Jahres fertig sein und an das lokale Stromnetz angeschlossen werden. Auf einem ehemaligen Militärflugplatz ...

Das Revival der Stadtwerke
Susanne Götze

Das Revival der Stadtwerke

In den nächsten Jahren werden sich viele Kommunen die Hoheit über ihre Energieversorgung zurückholen, hoffen die Spitzenverbände.

Grit Gernhardt

Daten häufig falsch erfasst

Gespeicherte Daten können bei Bestellungen oder Kreditverträgen schnell zum Problem werden. Das sogenannte Scoring – die Prüfung der Kreditwürdigkeit eines Verbrauchers mittels statistischer Daten wie Wohnort, Alter, Geschlecht oder Familienstand – ist weit verbreitet. Und zu einem Großteil fehlerhaft, wie eine Studie zeigt, die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) am Dienstag in Berlin vorstellte.

ndPlusLutz Debus, Köln

Fußball, Sims und Counter-Strike

Europas größte Messe für Computer- und Videospiele, die »Gamescom«, öffnet heute für das breite Publikum ihre Pforten. Unter dem Motto »Celebrate the Games« erwarten die Veranstalter in den Kölner Messehallen mehr als 200 000 Besucher. Auf 120 000 Quadratmetern Fläche zeigen über 400 Aussteller die neuesten Trends in der virtuellen Spielwelt.

Seite 15

Appell für Emanzipation

Vancouver (dpa/ND). Mit einem direkten Appell an IOC-Präsident Jacques Rogge haben Skispringerinnen aus aller Welt ihrem Anliegen, bei den Olympischen Winterspielen 2010 starten zu wollen, noch einmal eindringlich Nachdruck verliehen. In dem Brief an den Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), der auch von den deutschen Springerinnen Ulrike Gräßler und Jenna Mohr unterzeichnet worden ...

ndPlusMichael Rossmann

Ausscheiden verboten

Werder Bremen mit dem zurückgekehrten Topstürmer Claudio Pizarro gegen ein international unbeschriebenes Blatt, Hamburg ohne Stammtorwart Frank Rost bei zweitklassigen »Aufständischen« – die Voraussetzungen sind unterschiedlich, das Ziel der beiden Fußball-Nordrivalen in der Qualifikation zur Europa League ist das gleiche. Als klare Favoriten wollen sich Bremen gegen den kasachischen Klub FK...

Thomas Häberlein, SID

Nur Hleb denkt schon an Barcelona

Die Flugpläne nach Madrid, Mailand oder Manchester könnten schon mal bereitgelegt werden. Doch als die Reisegruppe des VfB Stuttgart am Mittwoch am Flughafen Echterdingen einschwebte, wollte sich Markus Babbel noch immer nicht mit der Champions League beschäftigen. »Das ist eine gute Ausgangsposition, aber auch nicht mehr«, betonte der Trainer nach dem 2:0 beim rumänischen Vizemeister FC Timisoara...

Seite 17

Anprangern

Endlich mal wieder ein guter Vorschlag zur Förderung des Denunziantentums, den es nicht abzulehnen, sondern zu begrüßen gilt. Da echauffiert sich die ganze Stadt über unmoralische Niedriglöhne und statt nur Bedauern zu heucheln, denken sich die Gewerkschaften ver.di und NGG etwas ganz Praktisches aus. Ob die Idee, so etwas wie einen Pranger für schlechte Unternehmer und gleichzeitig ein Barometer ...

Den Gaslaternen wird der Hahn abgedreht
ndPlusAndreas Heinz

Den Gaslaternen wird der Hahn abgedreht

Wenn es um ihre Straßenbeleuchtung geht, werden Berliner gerne nostalgisch, wollen weiter Gaslaternen statt elektrisch betriebener Lampen. So setzen sich die Mitglieder des Vereins »Pro Gaslicht« vehement für die Erhaltung und Förderung des Gaslichts als Kulturgut ein. »Der Senat dreht den Gaslaternen den Hahn ab«, so der Vorwurf der stellvertretenden Vorsitzenden Bettina Grimm. Jüngstes Beispiel ...

ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Reform aus einem Guss auch einzeln

Eine »Reform aus einem Guss«, die aber auch in Einzelschritten gegangen werde könne, präsentierten gestern die Grünen zur »Stärkung bezirklicher Demokratie und dezentraler Verantwortung«. Aus der Sommerpause kamen sie mit dem politischen Bezirksamt und wollen wohl auf längere Zeit damit die politische Debatte bestimmen. Vom Interesse an der Diskussion und deren größerer Haltbarkeit sprach der Abge...

Seite 18
Im Badewasser auf der Fischerinsel

Im Badewasser auf der Fischerinsel

(ND). Nun ist sie fertig. Nach einjähriger Bauzeit hat die Schwimmhalle Fischerinsel gestern wieder geöffnet. Für rund 2,4 Millionen Euro aus dem Bäder-Sanierungsprogramm des Senats wurde die Halle komplett erneuert – mit neuen Becken, neuen Glasfassaden und einem neuen Dach. Dadurch sollen vor allem Heizkosten gespart werden, teilten die Berliner Bäderbetriebe (BBB) mit. Die 1979 eröffnete ...

Anne Britt Arps

Die Ruhe vor der Schulreform

Als »Ruhe vor dem Sturm« bezeichnete gestern Stefan Komoß (SPD), Schulstadtrat in Marzahn-Hellersdorf, die Entwicklungen, die im nächsten Schuljahr auf Schüler und Eltern zukommen. »Die Eltern der neuen sechsten Klassen müssen sich schon jetzt entscheiden, auf welche weiterführende Schule sie ihr Kind schicken möchten«, sagte er. Denn ab dem Schuljahr 2010/11 soll es statt drei nur noch zwei Schul...

Francois Becker, AFP

Rundfahrt im Orient

Minarette, Dampfbäder und Teestuben sind seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des Stadtteils Kreuzberg. Doch nicht alle Bewohner der Hauptstadt kennen das türkische Berlin, und auch für Touristen steht oft nur die lebendige Kneipenszene in dem Multikulti-Kiez auf dem Programm. Mit einer Tour durch »Klein Istanbul« wollen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) das ändern. Stadtführer Horst Schulz z...

Seite 23
Geheimtreff im ND-Club

Geheimtreff im ND-Club

(ND). Sie war eine Tochter aus großbürgerlichem Hause, er der Sohn eines Theologen. Wie wurden sie zu Kundschaftern des KGB? Wann und wo trafen Ruth Werner, alias Sonja, und Klaus Fuchs erstmals zusammen und wie kam die Atombombe zu den Russen? Das wollten ND-Leser gestern im ND-Club aus berufenem Munde erfahren. Eberhard Panitz hat einen dokumentarischen Spionagethriller verfasst: »Geheimtreff Ba...

Räumliche Hördiagramme
Volkmar Draeger

Räumliche Hördiagramme

Auch im zweiten Teil des Klangsommers im Wasserspeicher geht es international zu, wenngleich sich Geräuschkompositionen um die Herkunft ihrer Erzeuger kaum scheren dürften. »Unpacking« nennt der Italiener Paolo Piscitelli, der seit Mitte der 1990er mit Einzelausstellungen bis nach Texas, in Gruppenausstellungen bis nach China vorgedrungen ist, seine Installation für den großen Wasserspeicher in Pr...

ndPlusLucía Tirado

Ein paar Küsse auf den Giftzahn

Jetzt ist es rausgekommen, warum Ahmed Ölgür (Alexander Ther) so gern im Keller seines Dönerladens »Chez Ölgür« mit dem Werbeslogan »Döner macht schöner« verschwindet. Von dort saust er immer mit Handtuch und Schwimmflügeln durch seinen geheimen »Tünnel« an den Strand von Antalya. Das braucht er, auch wenn er sagt »Wedding ist meine Heimat, isch muss sagen zweite, was ist erste schon«. Gerade ist ...

Seite 24
Märkische Landwirte pfeifen auf Bio-Boom

Märkische Landwirte pfeifen auf Bio-Boom

Potsdam (dpa). Brandenburger Obst- und Gemüsebauern haben nach Einschätzung des Landesverbands Gartenbau in dieser Saison bislang reiche Erträge eingefahren. Besonders die Kirsch-, Pflaumen- und Spargelernten fielen überdurchschnittlich gut aus. »2009 ist ein sehr gutes Obst- und Gemüsejahr«, sagte Geschäftsführer Andreas Jende in einem Gespräch mit der dpa. Als Grund für die erfreuliche Entwicklu...

Wilfried Neiße

Verfassung öffnet den Uferweg nicht

Dass zwischen Verfassungstext und Lebenswirklichkeit oft Welten liegen, ist keine neue Erkenntnis. Eine schillernde Probe dieser uralten Politregel liefert der jüngste Streit um den öffentlichen Zugang zu Seeufern. Wie der SPD-Abgeordnete Jens Klocksin aus der Verfassung zitiert, liegen die Dinge in Brandenburg scheinbar ganz eindeutig: Im Artikel 40 Absatz drei der Landesverfassung heißt es: »Lan...