Ausgabe vom 04.09.2009

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Unten links

Mehrere Hundert Bauern aus dem Wendland und andernorts werden am Samstag mit ihren Landmaschinen beim Anti-Atom-Treck in Berlin sein. Aber eins steht schon fest: Bei der Demonstration vom Hauptbahnhof bis in Reichstagsnähe sollen nur 50 Trecker mitrollen dürfen. Laut polizeilichen Auflagen müssen die übrigen am Brandenburger Tor parken. Sowas sollte man mal von Bauern in Frankreich verlangen! Die ...

ndPlusGabriele Oertel

Wendehals

»Alt raus« hatten die Grünen im Thüringer Landtagswahlkampf plakatiert. Ist der gestrige Rücktritt von Ministerpräsident Althaus also ein Sieg? Oder doch nur eine neue Täuschung, weil zwar eine Personalie abgehakt werden kann, noch nicht aber die unsägliche Politik einer CDU, die immerhin zwölf Prozent ihrer bisherigen Wähler zur Ent-Täuschung wurde? Der Umgang der Union mit den Ergebnissen der La...

Kurz vor Wahl Konzept zur Asse-Schließung

Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat am Donnerstag einen Plan zur Schließung des maroden Atomlagers Asse vorgelegt. Der Anti-Atom-Treck aus dem Wendland befindet sich derweil weiter auf dem Weg nach Berlin. Laut Greenpeace-Berechnungen kostet die Atomenergie die Bundesbürger insgesamt 258 Milliarden Euro.

Gabriele Oertel

Althaus geht – Koalitionspoker bleibt

Vier Tage nach der Landtagswahl, die der bisher alleinregierenden CDU herbe Stimmenverluste beschert hatte, warf der Thüringer Ministerpräsident Dieter Althaus das Handtuch. Er trat am Donnerstag als Regierungs- und CDU-Chef zurück und will so – offenbar nicht ganz freiwillig – seiner Partei einen letzten Dienst erweisen, damit sie weiter regieren kann.

Seite 2
ndPlusSusanne Härpfer

Taliban töten auch mit erbeuteten US-Waffen

87 000 bis 135 000 Waffen, die von den USA an Polizei und Armee Afghanistans geliefert wurden, sind verschwunden. Dies berichtete der Bundesrechnungshof (Government Accountability Office GAO) der USA.

Ina Beyer

Neubauten gegen drohende Engpässe

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), der Zentralverband des Baugewerbes (ZDB) und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) haben sich zur »Initiative Wohnungsbau in Deutschland« zusammengetan. Das Vorhaben wurde am Donnerstag in Berlin vorgestellt.

Thomas Ruttig

Der große Betrug am Hindukusch

Afghanistans schlecht vorbereitete, schlecht überwachte und im großen Stil manipulierte Wahlen führen das Land am Hindukusch weiter in die Sackgasse.

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Schwieriges Gedenken an schwierigem Ort
Anne Britt Arps

Schwieriges Gedenken an schwierigem Ort

Vor wenigen Tagen wurde in Berlin eine Ausstellung eröffnet, über die bereits heftig gestritten wurde, bevor die Öffentlichkeit sich überhaupt ein Bild machen konnte. Der Streit berührt ein sensibles Thema: der Umgang des Westens mit dem kolonialen Erbe und die Kollaboration mit dem Naziregime in afrikanischen, asiatischen und arabischen Ländern.

ndPlusMax Böhnel, New York

Obamas Rezepte sorgen für Kopfzerbrechen

Pat Gilleran aus dem Örtchen Bloomfield im Bundesstaat New Jersey hat Zeit ihres Lebens Demokraten gewählt. Vor einem Jahr war die 67-Jährige an ihrem Wohnort sogar von Haus zu Haus gewandert, um Wahlwerbung für Barack Obama in die Briefkästen zu werfen. Obamas Elan, mehr aber noch seine Reformversprechen hatten Gilleran mitgerissen. »Kein Wunder«, sagt die Rentnerin, die auf einer Parkbank in der...

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Fabian Lambeck

Wer folgt auf Dieter Althaus?

Gleich drei Kandidaten werden als Althaus-Nachfolger gehandelt. CDU-Sozialministerin Christine Lieberknecht rechnet sich dabei die größten Chancen aus.

ndPlusOliver Hilt, Saarbrücken

Zünglein an der Waage züngelt zögernd

Nach den Angriffen auf die LINKE schon im Wahlkampf tun sich die Grünen nun schwer, zwischen ihrer Abneigung und der Gelegenheit zu einer rot-rot-grünen Koalition an der Saar zu entscheiden. Die Führung will deshalb die Parteibasis einbinden – das kann dauern.

ndPlusPeter Liebers

Ruhmloser Abgang des Gescheiterten

Halb zog sie ihn, halb sank er hin: War die CDU-interne Kritik an Dieter Althaus ausschlaggebend für seinen Rücktritt? In Thüringen wird über Althaus' Beweggründe spekuliert.

Seite 5
Treck-Tagebuch
ndPlusReimar Paul

Treck-Tagebuch

Andere (Bundes-)Länder, andere (Un-)Sitten. Während sich die Polizei am Mittwoch bei der kurzzeitigen Blockade des Atommülllagers Asse zurückhielt, waren die Beamten am Donnerstag in Morsleben sichtlich auf Krawall gebürstet. Unterstützt von örtlichen AKW-Gegnern wollten Teilnehmer des Anti-Atom-Trecks, der Richtung Berlin unterwegs ist, auch Morsleben einer Inspektion unterziehen. Rund 100 Leute ...

Maria Ryzhova

Blumen für die Kriegsopfer

70 Jahre nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September wird am Sonnabend auf dem Friedhof Stukenbrock der toten sowjetischen Kriegsgefangenen gedacht.

ndPlusWilfried Neiße

Argumente gegen die DVU

»Wer kann die Welt verändern?« Vor der Brandenburger Landtagswahl am 27. September verteilt das Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit 110 00 Informationsblätter unter diesem Motto. Die Blätter enthalten 18 Argumente gegen rechtsextreme Sozialdemagogie.

Seite 6

Warnung an Klimagipfel

Mit drastischen Worten hat UN-Generalsekretär Ban vor einer Beschleunigung des Klimawandels gewarnt. Die Menschheit steuere auf einen »Abgrund« zu, sagte Ban am Donnerstag bei einer Rede während der dritten Klimakonferenz der Weltwetterorganisation in Genf.

BND auf Nahostmission

Ungeachtet aller Dementis laufen die Bemühungen deutscher Vermittler um einen Gefangenenaustausch zwischen der im Gazastreifen herrschenden Hamas und Israel auf Hochtouren.

Anna Maldini, Rom

Berlusconi bedroht »l'Unità«

In Italien wurde – wenn auch noch nicht formal – ein neuer Straftatbestand eingeführt: die Majestätsbeleidigung. Die linke Tageszeitung »l’Unità« wurde vom italienischen Ministerpräsident Silvio Berlusconi wegen Verleumdung verklagt und muss nun um ihre Existenz fürchten.

Irans Regierung steht

Knapp drei Monate nach seiner Wiederwahl kann der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad seine zweite vierjährige Amtszeit antreten. Das Parlament in Teheran bestätigte am Donnerstag 18 der 21 Mitglieder seines neuen Kabinetts.

Seite 7

Brüssel weist Kritik aus Italien zurück

Brüssel (AFP/ND). EU-Justizkommissar Jacques Barrot hat Kritik des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi an der EU-Kommission im Zusammenhang mit der Migrationspolitik zurückgewiesen. Wenn es Probleme gebe, die ein Mitgliedsland beträfen, müsse die EU Fragen stellen, sagte der für Einwanderung zuständige Kommissar am Mittwoch in Brüssel. Die Regierung in Rom habe diesbezüglich schon im S...

ndPlusHarald Neuber

Freier Handel mit Honduras' Putschisten?

Wenn es nach dem Lateinamerika-Komitee des Ministerrates (COLAT) geht, soll die Europäische Union (EU) die Gespräche über ein Assoziierungsabkommen mit Honduras auch unter dem Putschistenregime fortsetzen. Das Fachgremium, das am Montag in Brüssel zusammenkam, lehnte damit die Forderung der spanischen Regierung ab, Honduras bis auf weiteres aus den Beratungen über einen Kooperationsvertrag zwische...

Wachhundreflexe
ndPlusGabi Zimmer

Wachhundreflexe

Europäer haben Afrikanern schon viel versprochen. Über Jahrhunderte. Beim letzten großen EU-Afrika-Gipfel vor 20 Monaten drehte sich ein großer Teil dieser Versprechen um das Thema Migration. Gemeinsame Politikansätze sollten entwickelt und ein Aktionsplan beschlossen werden, um unter anderem neue Wege der legalen Migration zu erschließen.Doch im Haushaltsentwurf für 2010, der jetzt von Rat und Ko...

Carsten Hübner

Jugend auf dem Abstellgleis

Die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen hat in den 27 EU-Mitgliedsstaaten dramatische Ausmaße angenommen: Fünf Millionen Jugendliche und damit nahezu jeder fünfte der 15- bis 24-Jährigen hat weder einen Ausbildungsplatz noch einen Job. Das geht aus einem aktuellen Bericht des europäischen Statistikamtes Eurostat hervor.

Frankreichs Sozialisten auf Kandidatensuche
Ralf Klingsieck, Paris

Frankreichs Sozialisten auf Kandidatensuche

Wenn man eine Bewegung nicht aufhalten kann, sollte man sich an ihre Spitze stellen, lautet eine alte Politikerweisheit. An die hat sich jetzt wohl die Parteivorsitzende der Sozialisten (PS), Martine Aubry, erinnert – und die Forderungen ihrer Kritiker übernommen.

Seite 8
ndPlusUwe Kalbe

Ein bisschen Angst

Nicht jeder hat vor den gleichen Dingen Angst. Dank deshalb an die Versicherung, die jedes Jahr herausfindet, wo die Angstfavoriten liegen, die Knaller unter allen Gruseln. Wer sich gemeinsam mit anderen fürchtet, hat es leichter. Und erstaunlich ist das Umfrageergebnis: Nicht vor dem Zahnarzt haben die meisten Deutschen Angst oder vor einer Niederlage des Deutschland-Achters. Die Deutschen fürcht...

ndPlusOlaf Standke

CIA gegen Glasnost

Schluss mit Glasnost, so hätte es die CIA gern. Der US-amerikanische Geheimdienst weigert sich entschieden, weitere interne Unterlagen über seine Verhörmethoden und die Inhaftierung von Terrorverdächtigen im Ausland öffentlich zu machen. Justizminister Holder hatte das angeordnet. Erst in der Vorwoche mussten Details der brutalen Folterpraxis freigegeben werden. Schon das hätte der von Präsident O...

Silvia Ottow

Abschied der Trillerpfeife

Mitten in der Wirtschaftskrise steigen die Vergütungen für niedergelassene Ärzte um reichlich eine Milliarde Euro. Wunderbar! Bessere Verdienste seien jedem gegönnt. Warum nicht dem Arzt, der hilft, wenn Schmerz und Krankheit uns zu schaffen machen? Der auf dem flachen östlichen Lande – vergessen von Kassenärztlichen Vereinigungen, Jungmedizinern und Gesundheitsministerien – unter schw...

Detlef D. Pries

Präsident a. D.

Entschieden lehne er den Weg ab, auf den die gegenwärtige Parlamentsmehrheit die Republik Moldova führen wolle. Deshalb werde er »in dieser für die Heimat und unsere Partei kritischen Stunde« nicht in der zweifelhaften Position eines geschäftsführenden Präsidenten verbleiben. Mit diesen Worten verabschiedete sich der Vorsitzende der Partei der Kommunisten Moldovas (PCRM), Wladimir Woronin, am Mitt...

Die Illusion vom Aufschwung
Rudolf Hickel

Die Illusion vom Aufschwung

Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ist vor allem durch Unsicherheit gekennzeichnet. Eigentlich müsste sich die wirtschaftspolitische Diskussion auf die Bekämpfung der aktuellen und der absehbaren Arbeitslosigkeit konzentrieren – Fehlanzeige bei den vorherrschenden Ökonomieräten sowie den Mehrheitsparteien im Bund. Während die Wirtschaft noch unter dem schweren Absturz ächzt, werden schon ...

Seite 9
Andreas Küstermann

Seilschaften

Zwanzig Jahre Deutsche Einheit: Stellen Sie sich vor, Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht ihren Wahlkreis, und die neue Rügenbrücke kracht zusammen. Die Explosion träfe ebenso den Rügendamm. Das wäre ein Fanal. Und diesmal führen die Wege nur partiell in bekannte extremistische Kreise ... Doch am Anfang des Romans steht ein Mord – am Göhrener Südstrand, mit einem speziellen Messer sachkund...

»Der Bösewicht ist meist sexier«

Ulrich Matthes gilt als einer der besten Theaterschauspieler Deutschlands, im Fernsehen erlebt ihn das Publikum dagegen eher selten. Eine der wenigen Ausnahmen ist sein Gastauftritt in der ZDF-Krimiserie »SOKO Leipzig – The Bill« heute Abend im ZDF (21.15 Uhr). Kira Taszman sprach mit dem 1959 in Berlin geborenen Mimen.

Seite 10

Quergelesen

Um es zu etwas im Leben zu bringen, ist ein wenig Bildung ganz hilfreich. Wer daran scheitert schafft es vielleicht über den Umweg »Dschungelcamp«, »Deutschland sucht den Superstar« oder »Deutschland sucht das Supermodel«. Das Fernsehen, einst viel gepriesene Bildungsinstitution der Kulturindustrie ist längst selbiger zum Opfer gefallen. In »Dummgeglotzt« (Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2009, ...

Bildungssplitter

Berlin/Gütersloh (epd/ND). Die Bundesbehindertenbeauftragte Karin Evers-Meyer (SPD) hat am Montag in Berlin erstmals den »Jakob-Muth-Preis für inklusive Schule« verliehen. Die Auszeichnung für vorbildlichen gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen ging an die Erika-Mann-Grundschule in Berlin, die Sophie-Scholl-Schule in Gießen und die Integrierte Gesamtschule Hannover-Linden. ...

Fehlender Wille zur Integration
Jürgen Amendt

Fehlender Wille zur Integration

Lediglich 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen besuchen den Unterricht an einer allgemeinbildenden Schule. Der große Rest geht auf sogenannte Förderschulen. Der Begriff »Fördern« wurde vor noch nicht all zu langer Zeit eingeführt – ein Euphemismus für die Aussortierung einer ganzen Schülergruppe. »Sonderschule« hieß das in der alten Bundesrepublik früher – und treff...

Lena Tietgen

Schulen ohne Strom und ohne Wasser

Im laufenden Bundestagswahlkampf ist oft die Rede vom »Rohstoff Bildung«. Wie wichtig dieser ist, zeigt ein Blick auf die andere Seite der Welt – zum Beispiel nach Südafrika. Der Gastgeber der Fußball-WM im nächsten Jahr hat auch fast 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid deren Folgen noch nicht überwunden.

ndPlusThorsten Bultmann

Eine Zierde für das Klingelschild

Angesichts der Bestechungsvorwürfe gegen Professoren an deutschen Hochschulen, die Geld für die Annahme von Promotionskandidaten kassiert haben sollen, sorgt sich die Hochschulrektorenkonferenz um den guten Ruf der Zunft. Doch Kenner der Hochschulszene halten die bekannt gewordenen Fälle lediglich für die Spitze des Eisberges.

Seite 11

Honorare steigen kräftig

Berlin (dpa/ND). Nach dem Milliarden-Plus für die rund 145 000 Mediziner in Deutschland müssen Patienten vorerst keine weiteren Proteste ihrer Ärzte fürchten. Die niedergelassenen Ärzte hätten nun das Signal, dass ihnen nichts mehr »weggenommen« werde, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, am Donnerstag. Massive Proteste erwarte er nicht mehr. Die Arbeitgebe...

DSW: Boni nicht zu hoch

Frankfurt am Main (dpa/ND). Die viel gescholtenen deutschen Top-Manager haben sich in der Finanzkrise keine exzessiven Gehälter gegönnt. Nach einer Studie von Aktionärsschützern haben 2008 nur vereinzelte Spitzenverdiener Millionen-Boni und hohe Abfindungen eingesteckt. »Wir haben keine Anhaltspunkte für Gier und größere Exzesse irgendwelcher Art gefunden«, sagte der Hauptgeschäftsführer des DSW, ...

ndPlusAndreas Knobloch

Öl für die Nation

In einer nationalistisch gefärbten Ansprache hat Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva kürzlich ein Gesetzesprojekt zur Ausbeutung der Erdölvorkommen vor der Südostküste verkündet und unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen.

Ulrike Henning

Vor und nach Hartz

Verwerfungen, Ineffizienz und wachsende Widersprüche allerorten – die Reformen der Arbeitsmarktpolitik, die seit 2003 in Kraft traten und mit dem Namen Peter Hartz verbunden sind, betrachten Sozialwissenschaftler mit Skepsis. In Berlin stellten Forscher am Mittwochabend einen Sammelband vor, in dem sie die Entwicklung der letzten vierzig Jahre Beschäftigungspolitik rekapitulieren.

Seite 12

Wirtschaftskrise trifft Deutschland am stärksten

Bleibt Deutschland auch nach dem Ende der Wirtschaftskrise auf den Export konzentriert, werden nicht genügend neue Jobs entstehen. Mehr Erfolg verspricht eine stärkere Orientierung auf die Binnenwirtschaft, zeigt eine Studie des IMK. Die Wirtschaftskrise hat exportorientierten Ländern einen besonders scharfen konjunkturellen Einbruch beschert. Ohne die Kurzarbeit hätte dies auch schon weitaus stär...

Werner Dreibus, gewerkschaftspolitischer Sprecher der Fraktion die LINKE.

Im Osten was Neues!

Die Schere zwischen Ost und West schließt sich seit mehr als zehn Jahren nicht mehr – das bestätigen auch die von ver.di vorgestellten »Perspektiven für Ostdeutschland«. Die Arbeitslosigkeit ist im Osten fast doppelt so hoch. Die ostdeutschen Beschäftigten verdienen beinah ein Viertel weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen im Westen. Einen Boom hat vor allem die prekäre Beschäftigung erle...

Dieter Hanisch, Kiel

Mitarbeiter unter Beobachtung

Unter dem Motto: »Arbeitnehmer – Freiwild der Überwachung?« trafen sich am vergangenen Montag über 600 Datenschützer in Kiel. Eindeutiger Tenor: Deutschland braucht endlich ein Arbeitnehmerdatenschutzgesetz, denn die bisherigen Regelungen greifen nicht.

ndPlusVelten Schäfer

Das verlorene Jahrzehnt

Immer weniger junge US-Amerikaner sind krankenversichert, können sich weiterbilden, Geld zur Seite legen oder eine Familie gründen. Vor dem Labor Day erschien jetzt eine Untersuchung des Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO, die ein düsteres Bild zeichnet.

Seite 13

Bewegungsmelder

Attac und WEED fordern endgültiges Aus für Doha-Runde (ND). Anlässlich des informellen Ministertreffens der Welthandelsorganisation WTO vom 3. bis 4. September in Neu Delhi kritiesieren das globalisierungskritische Netzwerk Attac und die entwicklungspolitische Organisation WEED die deutsche und europäische Handelspolitik. »Zehn Jahre nach Seattle sind Proteste so aktuell wie damals: Die von der WT...

Ein Leben für die Freiheit
Lutz Schulenburg

Ein Leben für die Freiheit

Die Meldung der anarcho-syndikalistischen Ortsgruppe aus Neustadt a.W. war nüchtern überschrieben: »Horst Stowasser ist tot!« Die Mail lag als giftiger Morgengruß auf meinem Schreibtisch und ernsthaft dachte ich, wenn ich jetzt die Augen schließe, wird diese bittere Nachricht wie ein Trug verschwinden. Der Tod, so gewiss er auch ist, bleibt dennoch eine Schweinerei. Es dürfte um 1972 gewesen sein,...

Etwas anderes als Tierliebe
ndPlusRabea Vogelsang

Etwas anderes als Tierliebe

Der politische Veganismus meldet sich verstärkt in der linken Szene zu Wort. Der Tierrechtsbewegung geht es um eine »Befreiung der Tiere« von der »Herrschaft der Menschen«. Abschaffung von Ausbeutung und Herrschaft liegt Linken im Allgemeinen am Herzen. Nur dass hier die Grenze zwischen Mensch und Tier verwischt wird.

Seite 14

Streitfrage: Ist ein Untersuchungsausschuss mehr als ein demokratisches Alibi?

Es debattieren: Hans-Christian Ströbele, Jahrgang 1939, stellvertretender Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, war Mitglied mehrerer Untersuchungsausschüsse des Bundestages und Franz Hutsch, Jahrgang 1963, ehemaliger Berufssoldat, Politologe und Kriegsreporter, berichtete für die ARD und das ZDF aus Irak und Afghanistan, aus Bosnien und Kosovo....

Streiten und Taktieren
Franz Hutsch

Streiten und Taktieren

Die Gauloise im Mundwinkel, das noch halb gefüllte Rotweinglas vor sich, eine Stimme irgendwo zwischen Joe Cocker und Clint Eastwood: »Recherchieren Sie das mal – und denken Sie daran: Ich will erst mal 'n Ergebnis, keine Meinung!« So hat mich mein alter Chefredakteur losgeschickt, wenn er wieder einmal irgendwo etwas gehört hatte und eine Geschichte witterte. Ergebnisoffen sollte ich an das...

Besser als ihr Ruf
ndPlusHans-Christian Ströbele

Besser als ihr Ruf

Parlamentarische Untersuchungsausschüsse sind wichtig und in der parlamentarischen Demokratie unverzichtbar, um Regierungstätigkeit wirksam zu kontrollieren. Die Ergebnisse der U-Ausschüsse zur CDU-Spendenaffäre und zu den Skandalen des Bundesnachrichtendienstes, an denen ich beteiligt war, waren besser als ihr Ruf. Wir haben wichtige und auch neue Erkenntnisse zusammengetragen. Aber Öffentlichkei...

Seite 16

Regensburg an der Spitze

Jahn Regensburg oberte in der 3. Fußball-Liga die Tabellenspitze und verdrängte den SV Sandhausen auf Rang zwei. Die Oberpfälzer besiegten in den Mittwochspielen vor heimischer Kulisse Werder Bremens Reserve mit 1:0. Den Treffer des Tages erzielte Stürmer Anton Shynder (66.). Mit dem vierten Sieg in Serie bleibt Regensburg ebenso wie Unterhaching noch ungeschlagen. Burghausen verpasste derweil den...

Durchgangsstation zum Titel

Von Alexander Sarter (SID), LahtiAuf dem Weg in den europäischen Fußballhimmel soll das EM-Viertelfinale gegen Italien nur eine Durchgangsstation sein. Die deutschen Titelverteidigerinnen wollen heute mit einem Erfolg gegen den Außenseiter im finnischen Lahti den Sprung ins Halbfinale schaffen und so dem großen Ziel vom siebenten EM-Triumph ein großes Stück näher kommen.So sehen jedenfalls schon v...

ndPlusJürgen Holz

Eine Beerdigung erster Klasse in Brüssel

Nichts bleibt mehr in der Weltleichtathletik, wie es war. Alles wird ab der nächsten Saison anders. Damit auch besser? Die Antwort ist so einfach nicht.Zunächst einmal kommt es heute Abend in Brüssel zum Finale der über sechs Stationen führenden Golden-League-Serie. Eine große Gala der Weltleichtathletik steht an, doch zugleich erlebt das traditionelle Meeting »Van-Damme-Memorial« eine Beerdigung ...

Seite 17

Alle Tage

Wir Berliner haben jeden Tag. Das Fernsehen macht einen einzigen daraus. Das wird ein Tag für alle zum Miterleben sein und es wird ein von allen gelebter Tag gewesen sein. Wie lebt die Stadt? Solche Stunden können spannend sein. Das weiß man spätestens von Thrillern in Echtzeit. Dieses Fernsehereignis am Wochenende hat das Zeug zum Straßenfeger. Das Vorhaben ist ehrgeizig. Das sagt man gemeinhin, ...

Rock gegen Rechts

(ND-Obuchoff). »Ich finde es ganz stark, dass gerade Union als Fußballverein sich an unserer Aktion gegen Rechts beteiligt und sein Stadion zur Verfügung stellt«, sagte Anetta Kahane von der Amadeu Antonio Stiftung gestern beim Pressetermin zum großen Gratis-Abschlusskonzert der Aktion »Nazis aus dem Takt bringen«, das am kommenden Sonntag ab 15 Uhr im Stadion An der Alten Försterei über die Bühne...

Sarah Liebigt

Sicher und fair statt auf Sparkurs an die Börse

Unter den aufmerksamen Blicken von vier Mitarbeitern der DB Sicherheit präsentierte die Linkspartei am Donnerstag auf dem Potsdamer Platz neue Plakate, die sich gegen eine Privatisierung der Deutschen Bahn (DB) richten. Im Nieselregen und neben dem rauschenden Verkehr der Autos und Reisebusse kletterte schließlich Klaus Lederer, Landesvorsitzender der LINKEN, in die Höhe, um das erste Plakat am La...

Seite 18
Marina Mai

Zum BVG-Tarif aufs Wasser

Schifffahren in Berlin muss nicht teuer sein. An sechs Stellen werden die Berliner Gewässer von Fähren überquert, mit denen man zum BVG-Tarif mitfahren kann. Mit Ausnahme der Fährlinie F 10, die über den Großen Wannsee vom S-Bahnhof Wannsee nach Alt-Kladow schippert, fahren diese Fähren alle in Köpenick. Zur Wannsee-Fahrt lädt ein geräumiges zweistöckiges Schiff ein, das einem Ausflugsdampfer ähne...

ndPlusJörg Meyer

Nazis mögen keinen Hanf

Gegen den Anfang Juni eröffneten Hanfladen »Buschmann« in der Lichtenberger Wönnichstraße wollen am Samstag Nazis demonstrieren. Von 8 bis 11 Uhr ruft die braune Organisation »Frontbann 24« zu einer Kundgebung auf dem Vorplatz des Lichtenberger Bahnhofs auf. Seit die rechte Kundgebung bekannt wurde, regt sich auch der antifaschistische Widerstand. Eine halbe Stunde vor den Nazis beginnt eine Antif...

Seite 19
Neustart

Neustart

(ND). Eine Neupräsentation der Sammlungen zeigt der Hamburger Bahnhof unter dem Motto »Die Kunst ist super!« ab 4. September. Das Museum für Gegenwart in der Invalidenstraße 50-51 erklärt dies zu einer der wichtigsten Maßnahmen zur zukünftigen Positionierung des Hauses unter dem neuen Direktor der Nationalgalerie. In thematischen, monografischen und motivischen Konstellationen sowie in »überrasche...

ndPlusChristoph Nitz

Auf Zukunftssuche

Ein Booklet in der aktuellen Ausgabe des »tip« präsentiert seit Mittwoch die Veranstaltungsreihe all2gethernow (a2n), »das Musikereignis zum Mitmachen«. Die Absage der Popkomm wurde zum Gründungsimpuls für eine neue Plattform der Debatte über Musik, Kreativität und Kultur. Vom 16. bis zum 18. September komme es nun darauf an, »diese Plattform zu nutzen und Zeichen zu setzen«, so die Initiatoren in...

Barbara Schneider, epd

Leben und Sterben in Metropolis

6 Uhr 38. Justizvollzugsanstalt Tegel. Kurt Lummert frühstückt in seiner Zelle. Einmal in der Woche gibt es Brötchen, erzählt der 59-Jährige, der wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Etwa zur selben Zeit wartet Dieter Eichert im Krankenbett der Charité auf seine Bypass-Operation. Und der letzte Fischer auf dem Müggelsee, Andreas Thamm, holt gerade seine Reusen ein.E...

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ndPlusWilfried Neiße

Die Schweinegrippe soll Mexiko-Grippe heißen

Rund ein halbes Jahr ist das gemeinsame Landeslabor Berlin-Brandenburg jetzt alt. Der neue, weltweit verbreitete Grippetyp ist die erste Bewährungsprobe. Früher starben Menschen an Pest und Cholera, an Typhus, Fleckfieber, Tollwut, Syphilis und Masern. Heute sterben sie hoffentlich nicht an dem Erreger der Influenza A/H1N1.»Wir sollten von der Mexiko-Grippe sprechen«, empfiehlt Umweltminister Diet...

Andreas Fritsche

Nicht länger arbeitslos

Bücher ausleihen in der Bibliothek der Cottbuser Regine-Hildebrandt-Schule, Modelle bauen für das Eisenbahnmuseum in Falkenberg, Patienten des Naemi-Wilke-Stifts in Guben zum Friseur begleiten oder mit ihnen spazieren gehen – für solche Jobs war früher angeblich kein Geld vorhanden. Inzwischen bekommen einige Langzeitarbeitslose derartige Arbeitsplätze, und sie werden dafür sogar nach Tarif ...