Ausgabe vom 10.10.2009

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Unten links

Künstlich oder echt? Das fragen sich Fernsehzuschauer immer wieder beim Anblick des geschniegelten, seine Statements seelenruhig herunterbetenden Karl-Theodor zu Guttenberg. Man hat sich ja sowieso gewundert, wo sie den als Ersatz für Michael Glos hergeholt haben. Jetzt wissen wir es: Der Guttomat kommt aus dem Labor jenes taiwanesischen Wissenschaftlers, der an täuschend echten Roboternachbildung...

Bürgergeld als Mogelpackung
Prof. Dr. Christoph Butterwegge

Bürgergeld als Mogelpackung

Kaum hatten die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und FDP begonnen, ging deren finanzpolitischer Sprecher Hermann Otto Solms mit dem Vorschlag an die Öffentlichkeit, Hartz IV durch ein Bürgergeld in Höhe von 662 Euro zu ersetzen. Damals wurde den Menschen die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe versprochen. In Wirklichkeit jedoch wurde mit der Arbeitslosenhilfe das Prinzip der ...

ndPlusRené Heilig, Rheinsberg

Gysi sucht Frau – erst die halbe Doppelspitze steht

Die Bundestagsfraktion der LINKEN traf sich am Freitag in Rheinsberg zur Klausur. Die überraschendste Nachricht: Oskar Lafontaine hat im Gegensatz zu Gregor Gysi nicht mehr für den Fraktionsvorsitz kandidiert.

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ndPlusAert van Riel

Lediglich beratende Funktion

Der Schutz persönlicher Daten vor Missbrauch ist ein demokratisches Grundrecht. Datenschutzbeauftragte von Bund und Ländern üben Aufsichts- und Beratungsfunktionen aus, um dieses Grundrecht zu schützen. Die Landesbeauftragten für den Datenschutz überwachen und beraten die öffentlichen Stellen ihres Bundeslandes. In einigen Ländern sind sie auch für die Informationsfreiheit beziehungsweise für das ...

Olaf Standke

Hoffnungszeichen oder »kolossaler Fehlgriff«?

Wer wurde im Vorfeld nicht alles genannt. Auch Rockstar Bono und Altkanzler Helmut Kohl. Die Kandidatenliste für den diesjährigen Friedensnobelpreis war mit 205 Namen so lang wie nie zuvor und dabei bunt bis bizarr. Vorschläge einreichen können bis jeweils 1. Februar eines Jahres Nobelpreisträger, Parlamentsabgeordnete sowie Universitätseinrichtungen. »Die namhaften Staats- und Regierungschefs werden eigentlich immer nominiert«, weiß Geir Lundestad, der Chef des Nobelinstituts, zu berichten.

Ines Wallrodt

Fertig zur Generalrevision

Die deutschen Datenschutzbeauftragten fordern einen Neustart im Recht. Die Bürger müssten die Selbstbestimmung über ihre Daten wiedergewinnen, erklärten sie in Berlin.

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Leipziger Revolution geht weiter

Leipzig (ND-Lasch). Der Aufbruch vom Herbst 1989 soll weitergehen. Dazu will eine jetzt in Leipzig gegründete Stiftung »Friedliche Revolution« beitragen. Die Revolution dürfe nicht ins Museum gestellt werden, sagt Vorstandsmitglied Christian Führer, der ehemalige Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche: »Wir wollen weitergehen.« Bei den Bürgern solle der »Mitmachwille, der so sehr erloschen ist, wiede...

Stumme Glocke der Demokratie
ndPlusHendrik Lasch, Leipzig

Stumme Glocke der Demokratie

In Leipzig wurde mit vielen Veranstaltungen an die große Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989 erinnert und die Demokratie gewürdigt, die jedoch nicht nur wegen technischer Fehler nicht immer funktioniert.

»Wir müssen die Grenze aufbekommen!«
ndPlusLennart Lehmann, Jerewan

»Wir müssen die Grenze aufbekommen!«

Die Türkei und Armenien wollen im Beisein von US-Außenministerin Hillary Clinton am heutigen Samstag ihre Feindschaft begraben. Vertreter der beiden Nachbarstaaten werden in Zürich ein Protokoll zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen unterzeichnen. Ankara und Jerewan hatten ihre Beziehungen 1993 wegen des Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidshan um die Region Berg- Karabach abgebrochen, in dem sich die Türkei auf die aserbaidshanische Seite stellte.

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Grit Gernhardt

An-Kündigung

Langsam dringen die ersten Hiobsbotschaften aus den verschlossenen Verhandlungszimmern der frischgebackenen schwarz-gelben Koalitionäre. Wurde die Ankündigung eines höheren Kindergeldes noch größtenteils positiv angenommen, lässt die am Freitag bekannt gewordene Devise zur Flexibilisierung beim Kündigungsschutz aber schon deutlich durchblicken, welch neoliberaler Wind in den nächsten vier Jahren w...

Wolfgang Hübner

Oskar-Alarm

Teile der deutschen Politik standen gestern unter Oskar-Alarm. Zumindest aber Rheinsberg und Saarbrücken. Denn sowohl am Tagungsort der Bundestags-Linksfraktion als auch in der saarländischen Landeshauptstadt war die Nachricht ein Paukenschlag: Oskar Lafontaine verzichtet auf den Fraktionsvorsitz in Berlin. Freunde wie Gegner waren gleichermaßen perplex. Man kann viel spekulieren über Lafontaines ...

ndPlusRoland Etzel

Schon für Fleiß den Preis?

Es ist, als wäre der Kampfrichter dem Speerwerfer bei dessen Anlauf zum großen Wurf in den Arm gefallen – um ihm den Siegerkranz überzuhelfen. Nun hat er ihn, allein für Fleiß und gute Absichten. So wie Barack Obama seit gestern den Friedensnobelpreis. Dem erlauchten Osloer Komitee ist schon manch Fragwürdiges gelungen – zum Beispiel mit Kissinger (USA) und Le Duc Tho (Vietnam) Aggress...

ndPlusNissrine Messaoudi

Herr der Ringe

88 waren dafür, nur einer dagegen. Jacques Rogge bleibt IOC-Präsident. Ohne Gegenkandidaten wurde der 67-Jährige am Freitag in Kopenhagen an die Spitze des Internationalen Olympischen Komitees wiedergewählt. Bis 2013 bleibt der Belgier der Herr der olympischen Ringe, danach darf der Sportmediziner laut IOC-Charta nicht erneut kandidieren. Wie das Wahlergebnis zeigt, genießt Rogge bei den IOC-Mitgl...

Wie waren die ersten Tage?

Wie waren die ersten Tage?

ND: Wie waren die ersten Tage als frisch gewählter Parlamentarier? Movassat: Die vergangenen Wochen waren sehr stressig. Wir hatten neben dem Europa- und Bundestagswahlkampf auch noch den Kommunalwahlkampf in Nordrhein-Westfalen. Daher bin ich jetzt ein wenig müde, aber das gibt sich in den nächsten Tagen. Ich freue mich natürlich über das sehr gute Abschneiden. Wir haben in Oberhausen elf Prozent...

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Zentralrat sieht Sarrazin in Tradition Hitlers

Berlin (dpa/ND). Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin wegen dessen abwertender Äußerungen über Ausländer Nähe zum Nationalsozialismus vorgeworfen. »Ich habe den Eindruck, dass Sarrazin mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler große Ehre erweist«, sagte der Generalsekretär des Zentralrates, Stephan Kramer, am Freitag in Berlin. »Er steht in geisti...

Oliver Hilt, Saarbrücken

»Schwere Belastung« für Rot-Rot-Grün

Am Sonntag entscheiden die Grünen, ob sie im Saarland mit SPD und LINKEN Koalitionsverhandlungen aufnehmen. Nach Oskar Lafontaines Entscheidung, in die Landespolitik zurückzukehren, stehen die Chancen aber eher schlecht.

»Steinmeier sitzt am falschen Platz«

»Steinmeier sitzt am falschen Platz«

Der 72-Jährige Detlev v.Larcher war SPD-Bundestagsabgeordneter und als Parteilinker eng an der Seite von Andrea Nahles (Foto: dpa). 2008 wurde er aus der SPD ausgeschlossen, weil er sich vor der Hessen-Wahl für ein linkes Bündnis ausgesprochen hatte.

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Ost-OB: Haushalte vor Zerreißprobe

Jena (dpa/ND). Die ostdeutschen Oberbürgermeister sehen ihre Haushalte wegen steigender Sozialausgaben und sinkender Einnahmen vor einer Zerreißprobe. Allein durch die Wirtschaftskrise werden die Steuereinnahmen ihrer Städte 2009 um etwa zehn Prozent sinken, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Stephan Articus, am Freitag nach einer Konferenz von Ost-Oberbürgermeistern in J...

45 Tote bei Anschlag

Bei einem schweren Selbstmordanschlag auf einem belebten Markt in der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar sind am Freitag mindestens

SPD auf der Suche nach sich selbst
Hans-Gerd Öfinger, Wiesbaden

SPD auf der Suche nach sich selbst

Nach der (Selbst-)Nominierung eines Personaltableaus für den engeren Führungszirkel geht die heftige Debatte in der SPD weiter. Selbstkritische Töne schlägt dabei auch ein Positionspapier des Vorstands im wichtigen Bezirk Hessen-Süd an.

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Werner Birnstiel

Ein Besucher mit Selbstbewusstsein

Der stellvertretende chinesische Staatspräsident Xi Jinping ist derzeit auf Europa-Tournee. Nach Belgien steht nun Deutschland auf seinem Besuchsprogramm.

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Ralf Streck, Madrid

Spanien boykottiert Opel-Gespräche

Deutschland ist bei der angestrebten europäischen Lösung zur Übernahme des Autobauers Opel durch Magna und die russische Sberbank zunehmend isoliert. Spanien fordert eine Verschiebung der für Anfang der Woche erwarteten Vertragsunterzeichnung.

ndPlusFabian Lambeck

Abschied vom Atomausstieg

Die schwarz-gelben Koalitionäre wollen den Atomausstieg kippen. Doch während die CDU den beinahe bedingungslosen Weiterbetrieb aller Atomkraftwerke fordert, will die FDP zumindest einige ältere und störanfällige Meiler stilllegen lassen. Doch in einer Sache ist man sich einig: Sichere AKW sollen quasi unbegrenzte Laufzeiten erhalten.

ndPlusKnut Henkel

Run auf das gelbe Edelmetall

Der Preis für die Feinunze Gold (31,1035 Gramm) klettert in ungekannte Höhen. Die alte Rekordmarke vom März 2008 – 1030,80 Dollar – ist längst Makulatur. Am Donnerstag wurde erstmals die 1050-Dollar-Marke vorübergehend übersprungen und die Rekordjagd wird weitergehen, prognostizieren Experten. Die Schwäche des Dollars treibe den Kurs des Edelmetalls nach oben.

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Verfolge deinen Verhandler

»Ich gehe Wilke auf den Geist.« Ich, das ist Ole Seidenberg. Wilke heißt mit Vornamen Nicole und leitete die deutsche Delegation bei der Klimakonferenz in Bangkok. Seidenberg will von ihr wissen, was sie tut, warum sie es tut und ob sie auch »als Mensch« immer ganz hinter dem steht, was sie als Abgesandte von Noch-Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vertreten muss.»Auf die Nerven gehen« ist ...

Michael Lenz, Bangkok

Frostige Klimaverhandlungen

Die Verabschiedung eines neuen Klimaschutzvertrages bei der UN-Konferenz im Dezember ist unwahrscheinlicher geworden. Das Misstrauen zwischen reichen und armen Ländern habe sich bei den Verhandlungen in Bangkok verstärkt, so die Einschätzung von Yvo de Boer, Chef des UN-Klimasekretariats.

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Das Vielzuviele hat einen Widerpart
Hans-Dieter Schütt

Das Vielzuviele hat einen Widerpart

Kunst und Illusion sind inniglich verbundene Verschwörer. Im Essayband »Logis in einem Landhaus« erzählt W. G. Sebald die Geschichte von den beiden griechischen Malern Parrhasios und Zeuxis. Letzterer habe, so heißt es, Weintrauben derart täuschend echt gemalt, dass die Vögel an ihnen herumzupicken versuchten. Parrhasios bat daraufhin Zeuxis in seine Werkstatt, um ihm seine eigene Arbeit zu zeigen...

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PLATTENBAU
ndPlusChristoph Nitz

PLATTENBAU

Für manche bleibt Yoko Ono auf ewig die Zerstörerin der Beatles – ihr eigenes künstlerisches Wirken wird in diesem Kontext kaum wahrgenommen. Besonders hämisch waren Kommentare, wenn es galt, eine neue Musikproduktion der Lennon-Witwe zu beurteilen. Ihr Gesang sei Geschrei und klänge »panisch«. Wer sich auf ihr Universum aber offenen Ohres einlässt, bekommt mit »Between My Head and the Sky«,...

Spuren bleiben
Irene Constantin

Spuren bleiben

Unter der großen Sonne von Liebe beladen« – angefangen mit diesem Titel aus einem Gedicht Arthur Rimbauds über die Quellen der Texte bis zu Analysen über das musikalische Material kann man sich Luigi Nonos »Theatralische Aktion in zwei Teilen« gut als Publikumsschreck vorstellen. Aber am Ende nichts als Beifall. Regisseur Peter Konwitschny hatte in den Hintergründen, Tiefen, Lücken der kompl...

Auf-, Unter-, Übergang
ndPlusMartin Hatzius

Auf-, Unter-, Übergang

Angenommen, nichts von uns bliebe übrig, nichts, außer diesem Film: Welches Bild von uns würden die Ahnungslosen sich machen, die ihn fänden? Könnten sie lachen über die traurigen Clowns, die da so unbeholfen lebenslüstern Sinn behaupten? Würden sie weinen über den zementierten Staub der Kulissen (Knast, Schlachthaus, Zementwerk usw.), denen jedes Leben, jede Lust fremd scheint? Hätte es etwas mit...

Seite 14
Oliver Händler

Golf passt rein

Golf ist ab 2016 olympisch – trotz vieler Widerstände in der Gesellschaft und im IOC. Warum gab es die eigentlich? Wann darf ein Sport olympisch sein? Ein Kriterium ist die Verbreitung: Golf spielen etwa 50 Millionen Menschen. Rugby – jetzt auch olympisch – nur drei Millionen, und das sind immer noch mehr als unser geliebter Medaillenbringer Kanu. Golf ist auch kein Sport, der nu...

ndPlusChristina Horsten, dpa

Die Angst geht um in Argentinien

Im Land des zweifachen Weltmeisters herrscht das große Zittern. »Es sind die zwei wichtigsten Spiele meiner Trainerkarriere«, strich Argentiniens Nationalcoach Diego Maradona die Bedeutung der WM-Teilnahme für das fußballbegeisterte Land heraus. Während sich Chile und Ecuador mit Siegen am Samstag ihr Ticket für Südafrika sichern könnten, wäre die lange Zeit als Titelkandidat gehandelte »Albiceles...

ndPlusChristian Heinig, Weißenfels

Zum Frühstück zwei Lieblinge

Eine Tasse Kaffee, dazu eine Basketball-DVD im Abspielgerät. So sieht für Björn Harmsen, den Trainer des Mitteldeutschen Basketball-Club (MBC), ein gutes Frühstück aus. Eine Stunde verharrt er dann, kurz nach dem Aufstehen, vor dem Fernseher, verfolgt akribisch die aufgezeichneten Partien, notiert sich Tricks einzelner Athleten und analysiert Spielsysteme. »Du kannst Dinge, die erfolgreich funktio...

Klaus Bergmann und Arne Richter (dpa), Moskau

Nicht auf Teufel komm raus

Kunstrasen hin, Kunstrasen her – jetzt gilt's: Mit Blick auf den Roten Platz und die Kremlmauer hat Joachim Löw seine Elf um Kapitän Michael Ballack auf das Spiel des Jahres am heutigen Sonnabend gegen Russland eingeschworen und Gedanken an eine Niederlage im WM-Showdown zum Tabu erklärt. Bloß nicht verlieren – heißt das Motto des Fußball-Bundestrainers, der einen Sieg in Moskau und da...

Seite 15
ndPlusJörg Meyer

Offizieller Büroschlaf

Im Gegensatz zu manchen Medienvertretern war der Linksfraktion das brüderliche Verhältnis ihres neuen Vorsitzenden Udo Wolf (47) zum Wirtschaftssenator Harald Wolf (53) »keine besonders aufgeregte« Debatte wert. Das berichtete jedenfalls der kleine Bruder und bekräftigte: »Das spielt keine besondere Rolle«. Der große Bruder seinerseits wurde zitiert mit dem beruhigenden Hinweis: »Ich rede mit Klau...

Rainer Funke

Brennende Autos und die Täter im Dunkeln

So ganz genau scheint niemand zu wissen, wie viele brennende Autos es in den letzten Jahren in Berlin gab. Die Chefin des hiesigen Verfassungsschutzes, Claudia Schmid, nannte gestern im Ausschuss für Verfassungsschutz des Abgeordnetenhauses 112 direkte Anschläge auf 169 Fahrzeuge für dieses Jahr. Wie viele Autos dabei insgesamt zu Schaden kamen, sagte sie nicht, wies aber auf einen »erheblichen An...

Jörg Meyer

Betriebsfrieden stark gefährdet

In die Höhle des Löwen wagte sich gestern der parteilose Berliner Finanzsenator Ulrich Nußbaum. Auf Einladung des Hauptpersonalrats stand er den Beschäftigten Rede und Antwort. Die diesjährige Personalrätekonferenz des Berliner öffentlichen Dienstes fand am Freitag in einem Kino am Alexanderplatz statt.»Wir befinden uns in einer Tarifauseinandersetzung«, sagte der Vorsitzende des Hauptpersonalrats...

Seite 16
Der Tag, als die Banane kam
Lucía Tirado

Der Tag, als die Banane kam

Wieder einer, der das auch mitmachen wollte und es nicht geschafft hat, denkt man zwischendurch. Aber Autor Pierre Mathias bekommt den Bogen am Ende hin. In seiner Inszenierung »Margot«, einem Monolog, der in der Brotfabrik uraufgeführt wurde, offenbart eine Karrierefrau in teurer Boutique-Kleidung, dass sie trotz aller Anstrengungen nicht im Westen angekommen ist. Die Feierlichkeiten zu »20 Jahre...

Vom Wasser zum Wodka
ndPlusTom Mustroph

Vom Wasser zum Wodka

»Am Anfang ist das Wasser«. So steht es in der jüdisch-christlichen Schöpfungsgeschichte, wie es das 1. Buch Mose – griechisch-lateinisch Genesis, hebräisch aber Bereschit genannt – vermerkt. So beginnt auch die am Donnerstag eröffnete Sonderausstellung »Koscher & Co.« im Jüdischen Museum Berlin. Wer sie betritt, wird von den rauschenden Wassern des Niagara-Falls empfangen. Eine gr...

Seite 17
Sarah Liebigt

Humboldt feiert 200-Jähriges

Mit großen Zahlen kann die Humboldt-Universität zu Berlin ihren Geburtstag begehen: Rund 34 000 Studenten lernen an der ältesten Hochschule Berlins in 242 Studiengängen. 200 Jahre Humboldt-Uni sollen mit über 150 Veranstaltungen, verteilt über 15 Monate, gefeiert werden. Als Reformuniversität feiert sie sich und will einen 420 Tage andauernden Tag der offenen Tür begehen. Der Auftakt zum Humboldt-...

Dieter Hanisch, Kiel

Linker Streit im Kieler Stadtrat

Der Erosionsprozess bei den Linken in Schleswig-Holstein ist noch nicht beendet. Der jüngste Streit trifft die Partei in der Stadt Kiel. Dort haben sich zwei der sechs Ratsmitglieder von der Fraktion losgesagt und die eigene Fraktion mit dem Namen »Direkte Demokratie« ins Leben gerufen.

ndPlusStefan Otto

Ideen für Friedrichshainer »Loch in der Stadt«

Noch ist alles Zukunftsmusik. Der Architekt Eike Becker hat am Donnerstag den Anwohnern in Friedrichshain die Pläne vorgestellt, wie eine Bebauung auf der Freifläche an der Bahntrasse zwischen den Bahnhöfen Jannowitzbrücke und Ostbahnhof einmal aussehen könnte. Die Hallen des VEB Fahrzeugausrüstung sind bis auf das denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude längst abgetragen. Seitdem verwildert das Area...

ndPlusAngelika Röpcke

Seehofers Franken-Fluch

Nach dem Rücktritt des bayerischen Innenstaatssekretärs Bernd Weiß erhebt die Unterfranken-CSU kategorisch Anspruch auf den freigewordenen Kabinettsplatz. Ministerpräsident Seehofer bekommt neue Probleme.

Seite 18
ndPlusAndreas Fritsche

Direktwahl des Landrats beschlossen

»Wir sind sehr erleichtert«, freut sich Stefan Roth. »Ich möchte allen danken, die mitgewirkt haben.« Roth hatte ein Bürgerbegehren zur Direktwahl des neuen Landrats in Oberspreewald-Lausitz angeschoben. Eine Initiative brachte knapp 12 000 Unterschriften zusammen. 10 700 waren notwendig, um den Weg für einen Bürgerentscheid frei zu machen. Doch so weit wird es nun gar nicht mehr kommen.Der Kreist...

Velten Schäfer

Der Kormoran ist Vogel des Jahres

Mit dem Kormoran an sich haben die Boltenhagener Fischer kein Problem. Schließlich sei er Bestandteil des »Naturhaushalts« – so ein Handzettel, der seit einigen Tagen in der Marina des Ostseebades ausliegt. Es gebe nur viel zu viele der gefiederten Fischfresser. Deswegen fordern die Küstenbewohner, die Jagd auf den Kormoran künftig ganzjährig zu erlauben, »bestandsreduzierend« in die Brutkol...

ndPlusMirko Knoche, Hamburg

Stolpersteine für ermordete Kinder

An über 50 behinderte Kinder, die von den Nationalsozialisten im damaligen Kinderhospital Hamburg-Rothenburgsort umgebracht wurden, erinnern seit Freitag sogenannte Stolpersteine.

Leonhard F. Seidl, Nürnberg

Mobilität als Grundrecht

Das »Bündnis-Sozialticket« in Nürnberg und Düsseldorf fordert ermäßigte Fahrscheine für Menschen, die sich keine Fahrkarte leisten können.

Braunes Netzwerk im Norden
Dieter Hanisch, Mölln

Braunes Netzwerk im Norden

Der rechtsradikale Brandanschlag von Mölln 1992 auf zwei türkische Familien mit drei Toten und neun Verletzten machte Mölln im negativen Sinne weltbekannt. Auch 2009 ist der neonazistische Spuk im Kreis Herzogtum-Lauenburg, zu dem Mölln gehört, allgegenwärtig, wie ein – glücklicherweise fehlgeschlagener – Brandanschlag auf ein Restaurant eines Iraners in Schwarzenbek zeigt.

Seite 19
Wieso lebt Goethe in Afrika?
ndPlusMichael Roeder

Wieso lebt Goethe in Afrika?

Goethe lebt in Afrika«, so fasst Uta Sadji gut 40 Jahre ihres Lebens zusammen. Goethe war bekanntlich nie in Afrika. Wenn man jedoch »Goethe« als Umschreibung für deutsche Kultur versteht, wird Uta Sadjis Aussage fassbarer. Dennoch bleibt die Frage: Was hat denn die deutsche Kultur überhaupt mit Afrika zu tun? Um diese für das Lebenswerk von Uta und Amadou Sadji bedeutsame Frage zu beantworten, mu...

Seite 20
Hans-Dieter Schütt

Was können wir gewinnen?

Entfernung schafft schmale Grate. Wer von etwas weggeht, setzt sich dem Glück wie den Gefahren der Distanz aus. Schnell werden wir ungerecht, wenn wir von weit oben, von weit her auf die Dinge blicken – weil der eigenen Überhöhung und Abgewandtheit nun eine Macht gegeben ist, welche die zurückliegenden Zeiten zusammenschnurren und Räume abstrakt werden lässt, Menschen klein macht und Schicks...

Seite 21

Brandt war der letzte große Visionär

ELKE LEONHARD hat mit ihrem kessen Hut im Bundestag für Aufregung gesorgt. Die Abgeordnete nahm ihn trotz Aufforderung des Präsidenten nicht ab. Und sie nimmt kein Blatt vor dem Mund, wenn es um die Krise ihrer Partei geht. Ebenso nicht ihr Mann WOLFGANG LEONHARD. ND-Redakteurin KARLEN VESPER fragte das Wissenschaftlerehepaar nach Ursachen und Folgen der SPD-Misere.

Seite 22

WochenChronik

10. Oktober 1789: Die französische Nationalversammlung erklärt Kirchenbesitz zum Staatseigentum. 10. Oktober 1794: Der im März des Jahres von Tadeusz Andrzej Koscziusko angeführte Aufstand gegen die Teilung Polen wird von Russland und Preußen blutig niedergeschlagen. 13. Oktober 1949: Die Vorsitzenden von 16 Einzelgewerkschaften unterzeichnen in München die Gründungsurkunde des Deutschen Gewerksch...

ndPlusMartn Stolzenau

Käthe Niederkirchner

Von den Nazis ermordet, heute vergessen: Käthe Niederkirchner ist am 7. Oktober 1909 in Berlin geboren worden und in einer Hinterhofwohnung in materieller Not aufgewachsen. Ihr Vater war Arbeiter, SPD-Mitglied und engagierter Gewerkschaftsfunktionär. Er erzog seine Kinder zum politischen Denken. Nach der Heimkehr aus dem Ersten Weltkrieg und russischer Kriegsgefangenschaft wechselte er zur KPD. Kä...

Rolf Badstübner

Es ging drunter und drüber

Dem 60. Jahrestag der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der DDR widmete ND eine Artikelserie, verfasst von renommierten Historikern und Zeitzeugen, deren abschließender Teil hier geboten wird.

Seite 23

Rätsel um Staubteilchen

Hamburg (ND). Es klafft eine Wissenslücke in der Klimaforschung: Seit Jahrzehnten fragen sich Wissenschaftler, ob und wie menschengemachte Aerosole, also in der Atmosphäre schwebende Staubpartikel, die Wolkenbedeckung vergrößern und somit die Klimaerwärmung bremsen. Zwei Forscher vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und von der US-amerikanischen »National Oceanic and Atmospheric Adm...

ndPlusAndreas Knudsen, Kopenhagen

Sesshaft seit Jungsteinzeit

Die Frage, woher wir kommen, beschäftigt die Menschheit von jeher. Für die modernen Skandinavier gab es bisher zwei Theorien: Eine ging von einer ununterbrochene Siedlungskontinuität über rund 14 000 Jahre aus. Diese Eiszeitjäger hätten Jahrtausende später von Nachbarn oder Neueinwanderern den Ackerbau gelernt. Die andere Theorie spricht davon, dass die Jäger von Gruppen, die vor etwa 6000 Jahren ...

ndPlusSteffen Schmidt

Licht für die Daten

Laut Testament des Stifters sollte der Nobel-Preis »denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben«. An Leistungen des »letzten Jahres« trauten sich die Juroren in der jüngeren Vergangenheit gar nicht mehr, und der Nutzen war gerade in der Physik zumeist mittelbar, indem die geehrten Entdeckungen unser Verständnis der Materie vertieften. Da falle...

Martin Koch

Fabrik in der Zelle

Auch unter den Laureaten in der Sparte Chemie ist in diesem Jahr eine Frau: Ada E. Yonath (70) vom Weizmann-Institut im israelischen Rehovot. Sie teilt sich den Preis mit dem US-Amerikaner Thomas A. Steitz (69) und dessen Landsmann Venkatraman Ramakrishnan (57), der in Indien geboren wurde und derzeit in England arbeitet. Die drei Forscher haben herausgefunden, wie der genetische Code der DNA in P...

ndPlusMartin Koch

Die Uhr im Innern

In diesem Jahr wurde der 100. Nobelpreis für Medizin vergeben. Und es gab eine Premiere: Erstmals erhielten in dieser Sparte gleich zwei Frauen die begehrte Auszeichnung. Ansonsten verlief alles wie gehabt. US-Amerikaner räumten in Stockholm die meisten Preise ab.Der erste Medizin-Nobelpreis wurde bekanntlich 1901 vergeben: an den deutschen Bakteriologen Emil von Behring für die Entwicklung einer ...

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Hanjo Lucassen

Wer nicht kämpft, hat schon verloren

Ein Rückblick auf die Anfangsjahre der deutschen Einheit beginnt bei mir immer am Abend des 9. November 1989, als ich nach Gesprächen in Westberlin die Maueröffnung erlebte. Der Anblick und die Stimmung von zigtausenden glücklichen Menschen ist ein Erlebnis, welches ich nie vergesse und glücklich bin, dabei gewesen zu sein ...

ndPlusGeorg Fülberth

1949: Alles andere als eine Stunde null

Als der DGB im Oktober 1949 gegründet wurde, hatten die Einzelgewerkschaften, die sich in ihm zusammenfanden, schon eine vierjährige Geschichte hinter sich, in der wichtige Vorentscheidungen gefallen waren.

Seite 25
Einkauf mit dem »Kirchenbulli«
ndPlusClaus Rosenau

Einkauf mit dem »Kirchenbulli«

Das Gesprächsthema Nr. 1 an diesem Morgen ist der Aldi-Markt und sein Sortiment. Die betagten Fahrgäste im »Kirchenbulli« – alles Frauen – freuen sich über den Discounter, der in Rosche gerade eine Filiale neu eröffnet hat. In dem 2000-Seelenort zwischen Lüneburger Heide und Wendland gab es bislang nur einen Krämer. Chauffeur Gerhard Klein steuert den VW-Bus geradewegs auf den Aldi-Par...

Eckhard Schulz

Drei Anläufe auf Afrikas höchsten Berg

Während der großen Regenzeit im April des Jahres 1887 liegt der 29-jährige Forschungsreisende Dr. Hans Meyer, aus der bekannten Lexikonverlegerfamilie stammend, mit schweren Fieberanfällen im Spital der Stadt Sansibar. Kaum aus dem Krankenhaus entlassen, beginnt der genesende Malaria-Patient mit den Vorbereitungen einer Expedition zum noch weitgehend unerforschten und unbezwungenen Kilimandscharo....

Seite 26
Und nächstes Jahr zum Balaton
Jirka Grahl

Und nächstes Jahr zum Balaton

Es gibt Orte, an denen Stille laut wird, schreiend fast. Der Memento-Statuen-Park in Budapest ist so ein Flecken. Wer das backsteinrote Eingangstor an der Balatonstraße durchschritten hat, steht erschrocken auf dem baumlosen Platz : So plötzlich ist der Besucher umringt von riesigen steinernen Sowjetsoldaten, eingekreist von überdimensionalen Abbildern der Herren Marx, Engels und Lenin, umzingelt ...

Seite 27
Jeder Tropfen Wein kostet einen Tropfen Schweiß
ndPlusGottfried Walsch

Jeder Tropfen Wein kostet einen Tropfen Schweiß

Der kurze Zug kippt im rheinland-pfälzischen Altenahr jede Menge Leute aus. Anorak und Kniebundhose dominieren, und wir fürchten schon, den sagenhaften Rotweinwanderweg in einer Kolonne marschieren zu müssen. Irrtum. Die meisten Wanderer verlieren sich in den wenigen Gassen und vielen Gasthöfen der Weinbaugemeinde, in der Fachwerkhäuser und Burgruine Stimmung nach Art des Ludwig Richter verbreiten...

Seite 28
Udo Bartsch

Kinderbuch

Anton übernachtet zum ersten Mal bei einem Freund. »Ruf an, wenn du es dir anders überlegst«, raunt ihm sein Vater noch ins Ohr, »dann komme ich dich abholen.« Aber Anton denkt: Das wäre ja lächerlich. Selbstverständlich wird er es sich nicht anders überlegen. Die Sache wird ein Riesenspaß, und zum Einschlafen hat er ja sein Kuscheltier dabei. Es kann also gar nichts passieren. Zugegeben: Schön wä...

ndPlusUdo Bartsch

Kinderspiel

Auch wenn das Spiel »Land in Sicht« heißt, besteht die Besonderheit ganz im Gegenteil darin, dass Land hier eben nicht in Sicht ist. Viele verborgene Inseln warten auf ihre Entdeckung durch die Kinder-Kapitäne. Die Meeresfläche besteht aus 24 Papptafeln, die sich allesamt in der Mitte aufklappen lassen. Erst dann zeigt sich anhand von Streckenlinien, wohin die Reise geht: vielleicht zu einer direk...

Prof. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe, Eberswalde

Auf der Mauer, auf der Lauer

Erwähnt man gegenüber Gartenfreunden Wanzen, ist eine hörbare Gemütsbewegung die Regel. Ich will sie nicht deuten, sie spricht offenbar aber dafür, dass man Wanzen nicht kennt oder sie jedenfalls nicht als solche erkennt. Dabei gehören einige bunte zu den schönsten Insekten des Gartens. Alle Wanzen haben einen Saugrüssel, mit dem sie Pflanzensaft saugen oder als Räuber Beutetiere aussaugen, erstau...

Die zweite Jugend
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Die zweite Jugend

Das Duell von vorletzter Woche zwischen Kasparow und Karpow (beide aus Russland) ist nicht das einzige, das in diesen Tagen gespielt wurde. Auch Zahar Efimenko (Ukraine) und Nigel Short (England) traten gegeneinander an. Die sechs Partien fanden in der ukrainischen Stadt Mukachevo zwischen dem 20. und 26. September statt. Mit nur 24 Jahren ist Efimenko ein neuer Star des ukrainischen Schachs. Nige...

Mathematik ist pures Spielen

Mathematik ist pures Spielen

Eine verspielte Mathereise rund um den Globus und quer durch die Geschichte: Drei portugiesische Autoren untersuchen in »10 Bücher, 10 Regionen, 10 Spiele«, wie die Menschen an geopolitisch wichtigen Punkten der Erde gerechnet und gezockt haben und das bis heute noch tun. Mit einem der Autoren, Mathematiker JORGE NUNO SILVA von der Universität Lissabon, sprach ND-Autor RENÉ GRALLA.

Testspiel

Testspiel

Preisfrage heute: Wo war es? In welcher Stadt entwickelte Gutenberg den Buchdruck? Die Antwort auf die Preisfrage bitte per Postkarte an: Neues Deutschland, Kennwort Testspiel, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin oder per E-Mail: testspiel@nd-online.de. Einsendeschluss ist der kommende Mittwoch. Unter den richtigen Einsendungen losen wir drei für ein ND-Überraschungsgeschenk aus. Die Auflösung de...