Ausgabe vom 13.10.2009

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Unten links

Elke Heidenreich hat der frisch gekürten Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller eine neue Frisur empfohlen. Damit wies die Autorin und Kritikerin zugleich auf die erfreuliche Tatsache hin, dass der Haarschnitt der Kandidaten für die Preisrichter des alljährlichen Nobel-Reigens mitnichten ein entscheidendes Kriterium darstellt. Zumindest im Fall Barack Obamas waren da nämlich Zweifel aufgekommen....

Uwe Kalbe

Verstanden

In Brandenburg ist es zu betrachten: Es gibt sie, die spezifischen Länderbedingungen, die zu verschiedenen Antworten auf gleichlautende Fragen führen können. In Brandenburg beantwortet die SPD die Frage nach einer Koalition mit der LINKEN jetzt mit Ja. Dazu mag beigetragen haben, dass die Antwort aus Thüringen zuvor Nein geheißen hatte und die SPD mitten in ihrer größten Nachkriegskrise nicht so t...

Weg frei für Rot-Rot in Brandenburg

In Brandenburg will die SPD zwei Wochen nach der Landtagswahl Koalitionsverhandlungen mit der Linkspartei aufnehmen. Das kündigte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Montag nach einem vierten und letzten Sondierungsgespräch beider Seiten an. Die ursprünglich geplante vierte Gesprächsrunde mit der CDU wurde gleich abgesagt.

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ndPlusIrmtraud Gutschke

Branche im Wandel

Optimismus gehört zur Buchbranche. Nie würde der Börsenverein, der mit der Ausstellungs- und Messe GmbH Veranstalter der Messe ist, von Krise reden. Die soll allenfalls Thema gut verkäuflicher Bücher sein. »Business as usual« ist in Frankfurt angesagt, auch wenn vielleicht einige Messestände kleiner geworden sein sollten, weil Verlage sparen müssen. Aber Geschäfte funktionieren in guter Stimmung b...

Gelungener Spagat

ND: Um China hat es schon vor Messebeginn heftige Debatten gegeben. Würden Sie heute etwas anders machen? Boos: Zunächst einmal freuen wir uns auf das Gastland China. Die Einladung war eine richtige Entscheidung. Das Interesse und der Diskussionsbedarf sind sehr groß, und wir erhoffen uns einen spannenden, intensiven und fruchtbaren Diskurs mit und über China. Es war und ist wichtig für den Diskur...

Friedrich Weissdorn, Beijing

Geld verdienen

Cao Xueqin, der Autor des berühmtesten chinesischen Romans, »Traum der roten Kammer« aus dem 18. Jahrhundert, wäre ein paar Mal beinahe verhungert. Entsprechend hielt sich lange die Meinung, dass nur gut schreiben kann, wer nichts im Magen hat. »Geldverdienen war für chinesische Schriftsteller immer Nebensache – unter dem Konfuzianismus wie unter dem Maoismus«, erklärt Wolfgang Kubin, Sinolo...

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René Heilig

Deutschlands Neun-Millimeter-Begrüßung in Afghanistan

Die Walther-P1 ist fast 50 Jahre alt, aber noch in tadellosem Zustand und offensichtlich kaum benutzt. 1600 Dollar verlangt der Händler – eine stolze Summe. Doch deutsche Waffen gelten in der Region als Prestigeobjekte. Das angebotene Exemplar trägt Markierungen der Bundeswehr, stammt aus offiziellen Beständen.

ndPlusAndreas Fritsche

Potsdamer Wunderdinge

Die Hinweise, dass es in Brandenburg eine rot-rote Landesregierung geben könnte, hatten sich in den letzten Tagen immer mehr verdichtet. Trotzdem herrschte keine hundertprozentige Sicherheit, bis Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Montag bekannt gab, er werde seiner Partei empfehlen, mit der Linkspartei Koalitionsverhandlungen aufzunehmen.

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Silvia Ottow

Warteliste des Todes

Derzeit warten 12 000 Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan. Weil das nicht in jedem Fall rechtzeitig zu bekommen ist, sterben jährlich 1000 Schwerkranke. Trotz dieser unbefriedigenden Situation ging die Zahl der Organspender im vergangenen Jahr noch zurück. Warum Umfragen zufolge zwar drei Viertel der Menschen einer Organspende positiv gegenüber stehen, aber nur 12 Prozent einen entspreche...

Olaf Standke

Scheitern auf ganzer Front

Zwei Monate nach der Präsidentenwahl in Afghanistan hatte die UNO am Wochenende erstmals einen größer angelegten Wahlbetrug eingeräumt. Was kann man da vom Sieger erwarten? Die USA deutlich mehr als bisher, wie Außenministerin Hillary Clinton gestern erklärte. Washington will wohl an Hamid Karsai festhalten, so lange es irgend geht. Dabei gehört dieser Präsident zur Negativbilanz acht Jahre nach B...

ndPlusKurt Stenger

FDP sucht den Ausstieg

Eigentlich streben Parteipolitiker nichts mehr an als Regierungsposten, um die eigenen Wunschlisten in konkrete Gesetze gießen zu können. Doch in der Realpolitik geht das nicht so einfach. Das darf nun auch die FDP wieder lernen, die es sich über viele Jahre in der Opposition bequem gemacht und immer erklärt hatte, was sie ohne Wenn und Aber umsetzen werde, wenn sie erst wieder regiere. Das sollte...

Finowkanal- und Saar-Verbot
ndPlusMathias Wedel

Finowkanal- und Saar-Verbot

Dass meine Schwiegermutter zu Weihnachten in meinem Wohnumfeld zu erscheinen und auf unbestimmte Zeit, also vermutlich bis Ostern, zu bleiben beabsichtigt, habe ich nicht aus Presse, Rundfunk und Fernsehen erfahren. Schlimmer – sie hat es meiner Frau erzählt. Ich habe getobt – ich fühle mich überfallen, genötigt, an den Rand gedrängt, denn Schwiegermutter beansprucht natürlich meinen F...

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Ver.di verlangt mehr Steuern für Reiche

Berlin (AFP/ND). Die Gewerkschaft ver.di hat von Schwarz-Grün die Erhöhung mehrerer Steuerarten für Wohlhabende gefordert. Nur so seien die rekordverdächtig steigenden Staatsschulden in den Griff zu bekommen, sagte ver.di-Chef Frank Bsirske der »Bild«-Zeitung. »Deutschland hat die Steuern auf Vermögen, Unternehmensgewinne und Spitzeneinkommen in den letzten zehn Jahren gesenkt. Wäre das nicht der ...

Bundes-SPD steht fest zu Matschie

Berlin/Erfurt (dpa/AFP/ND). Im Machtkampf bei den Thüringer Sozialdemokraten hat sich die Bundes-SPD klar hinter den Landesvorsitzenden Christoph Matschie gestellt. Man habe »volles Vertrauen in den legitimierten SPD-Landesvorstand«, sagte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil am Montag nach einer Sitzung des Präsidiums in Berlin. Matschie und die gewählten Gremien der Thüringer SPD genössen »hohen Re...

Sachsen-Anhalt: Parteitag doch im November?

Magdeburg (dpa/ND). Sachsen-Anhalts SPD kommt trotz gegenteiliger Empfehlung des Parteirates möglicherweise doch noch im November zu einem Sonderparteitag zusammen. Am Montag sprachen sich eine ganze Reihe von SPD-Kreischefs dafür aus, die Führungsfrage rasch zu klären. Nur so könne die SPD nach dem Debakel bei der Bundestagswahl zur Ruhe kommen und den Blick auf die Landtagswahl 2011 richten. And...

Aus Strömungen soll Energie kommen
ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Aus Strömungen soll Energie kommen

Rico Gebhardt, der Wahlkampfchef der LINKEN in Sachsen, will neuer Landesvorsitzender werden und danach nicht nur zwischen Strömungen vermitteln, sondern auch konstruktivere Opposition betreiben.

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Krise lässt Krankenstand sinken

Berlin (dpa/ND). Die Beschäftigten in Deutschland melden sich immer seltener krank. Der Krankenstand in den deutschen Betrieben habe in den ersten neun Monaten dieses Jahres den drittniedrigsten Stand seit Einführung der Statistik 1970 erreicht, berichtete die »Welt« unter Berufung auf eine Statistik des Gesundheitsministeriums. Zwischen Januar und September 2009 waren im Schnitt 3,25 Prozent der ...

Eine Milliarde Menschen hungert

Entwicklungsorganisationen haben der Weltgemeinschaft am Montag in Berlin vorgeworfen, bei der Bekämpfung des Hungers zu versagen.

Arbeitslos trotz Abitur

In der aktuellen Krise verlieren einer Studie zufolge besonders viele Hochqualifizierte und junge Menschen ihren Job.

»Leichten Vorteil« genutzt

Nach der Entscheidung der Grünen für eine Jamaika-Koalition mit FDP und CDU wollen die neuen Partner nun möglichst rasch Koalitionsverhandlungen aufnehmen.

ndPlusWolfgang Hübner

Rechte und linke Optionen

Eins aus drei: Nur in Brandenburg ist aus den Regierungshoffnungen der Linkspartei etwas geworden. Doch auch dort ging es zuletzt haarig zu: Die Tatsache, dass Spitzenkandidatin Kerstin Kaiser vor 30 Jahren als Studentin Berichte fürs MfS schrieb, wird hochgejubelt wie eine Neuigkeit. Dabei geht Kaiser offen und selbstkritisch damit um; seit mehreren Wahlperioden wissen die Wähler bis ins Detail B...

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Strategische Verträge erwartet

China und Russland wollen bei dem Besuch des russischen Ministerpräsident Wladimir Putin in Peking mehrere Abkommen mit einem Umfang von 5,5 Milliarden US-Dollar vereinbaren. Das berichteten russische und chinesische Medien am Montag.

Florian Osuch

INLA beendet bewaffneten Kampf

Der Zeitpunkt war geschickt gewählt. Die irische Untergrundorganisation INLA verkündete am Sonntag das Ende ihres bewaffneten Kampfes. Am Montag sagte US-Außenministerin Hillary Clinton in Belfast den Nordiren Washingtons Hilfe bei »Vollendung« ihrer »Reise« zum Frieden zu. Die USA wollten behilflich sein, dass die Nordiren »die langen Jahre der Spaltung und des Konflikts weit hinter sich lassen«, erklärte Clinton vor dem Parlament in Stormont Castle bei Belfast.

ndPlusKarin Leukefeld, Damaskus

Tauwetter zwischen Damaskus und Riad

König Abdullah von Saudi-Arabien hat vergangene Woche erstmals seit seiner Thronbesteigung vor vier Jahren Syrien besucht. Dessen Präsident Baschar al-Assad, der den Monarchen am Flughafen in Damaskus empfing, war mit der saudischen Führung in den vergangenen Jahren mehrfach aneinandergeraten.

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Andreas Knudsen, Kopenhagen

Soziales im Mittelpunkt

Das jetzt vorgestellte Programm der norwegischen Regierungskoalition aus Sozialdemokraten, Linkssozialisten (SV) und linken Liberalen strotzt nicht gerade von Reformen.

ndPlusJulian Bartosz, Wroclaw

Dubiose Seilschaften

Das in der vergangenen Woche in bürgerlichen Medien als »Oktoberrevolution« verklärte Aufräumen im polnischen Kabinett wie in den Führungsgremien der regierenden Bürgerplattform wurde von Regierungs- und Parteichef Donald Tusk als eine »Selbstverständlichkeit in der Halbzeit unserer Amtsperiode« verniedlicht. Für heute ist die Nominierungen von vier neuen Ministern angekündigt.

Rechenkünstler auf Stimmenfang
ndPlusTobias Müller, Amsterdam

Rechenkünstler auf Stimmenfang

Schluss mit der »Geldverschwendung an Ausländer«: Das fordert die niederländische Freiheitspartei. Damit wollen die Rechtspopulisten auch gleich das Rentenproblem beheben. In den Umfragen sind sie derzeit die stärkste politische Kraft im Polderland.

Olaf Standke

Khans Bomben-Erbe im Visier

Während gestern bei einem Selbstmordanschlag im Nordwesten Pakistans mindestens 40 Menschen getötet wurden, haben sich die Taliban zu dem Angriff am Wochenende auf das Armee-Hauptquartier bekannt. Er hat erneut die Frage nach der Sicherheit der pakistanischen Atomwaffen auf die Tagesordnung gesetzt.

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H1N1: EU ruft zu Impfung auf

Luxemburg/Berlin (dpa/ND). Die Vorsitzende des EU-Gesundheitsrats, Maria Larsson, hat die Bevölkerung zur Schweinegrippeimpfung aufgerufen, obwohl die Pandemie Europa bisher weniger stark getroffen habe als befürchtet. Am Montag traf sich die schwedische Gesundheitsministerin mit ihren europäischen Amtskollegen.Die Minister wollen auch beraten, wie den Mitgliedstaaten geholfen werden kann, die nic...

Hans-Gerd Öfinger

Neuer Schlauch, alter Wein

In der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) kommt es zum Führungswechsel. Der Neue soll vor allem für Kontinuität sorgen.

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Nord-Süd - Tipps

AFRIKA – »Literatur aus Afrika als Arbeitsbasis der Philosophie«, Vortrag von Roger Künkel, 15. Oktober, 19 Uhr, Afrika-Haus, Bochumer Str. 25, 10555 Berlin.LATEINAMERIKA – »Buchvorstellung ›Mythen-Zauber‹«, mit Dr. Alfredo Bauer, Buenos Aires, Arzt, Schriftsteller. Außerdem steht er bereit zu einem Gespräch über die Lage in Argentinien und Lateinamerika,16. Oktober; 18.30 ...

EU zeigt sich einsichtig

Von Isolda Agazzi, Genf (IPS)Die EU hat sieben Jahre nach Beginn ihrer Verhandlungen über die umstrittenen Partnerschaftsabkommen mit den ehemaligen Kolonien ihre Bereitschaft signalisiert, künftig auf »übermäßiger Druck« zu verzichten. Die Kommission werde sich weiterhin darum bemühen, den Ländern der EPA-Verhandlungsregionen bei der Suche nach passenden Lösungen zu helfen, die ihnen einen zoll- ...

Am BMZ führt kein Weg vorbei
ndPlusMartin Ling

Am BMZ führt kein Weg vorbei

An Ratschlägen fehlt es nicht. Eine Initiative um den Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck fordert wie schon vergangenen Herbst im Bonner Appell einen grundlegenden Kurswechsel in der Entwicklungspolitik. Die entwicklungspolitische Organisation ONE trommelt mit der Unterstützung zahlreicher prominenter Unterstützer vom Punksänger Campino über den FDP-Politiker Wolfgang Gerhardt bis hin zum ND-Herausg...

Ermutigung für Vietnams Frauen
Martin Ling

Ermutigung für Vietnams Frauen

In Vietnam sind Frauen vor dem Gesetz gleichberechtigt, nicht aber in der Gesellschaft. Insbesondere alleinstehende, verwitwete oder geschiedene Frauen sind erheblich benachteiligt und öfter auch demütigender Behandlung ausgesetzt. Der in Darmstadt ansässige Verein Courage leistet vietnamesischen Frauen und Kindern Hilfe zur Selbsthife. So soll der gesetzliche Anspruch der Gleichberechtigung mit Leben erfüllt werden.

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Fehler machen

Ob Kamera, Lauschangriff oder angezapfte Computer – wenn die CDU im Bundesmaßstab als Hüterin der Inneren Sicherheit auftritt, setzt sie allzu gern auf den erkennbaren Bürger. Vor Ort ist eine dunkle Sonnenbrille zuweilen schon Vermummung genug im Sinne des Gesetzes. Der Staat weiß einfach gern, mit wem er es zu tun hat. Ob der betreffende Betroffene nun will oder nicht. Wenn seinerseits der...

Probejahr wackelt

(dpa). Der rot-rote Beschluss für ein Probejahr am Berliner Gymnasium bröckelt. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) teilte am Montag mit: »Auch die Einführung eines Probe-Unterrichts anstelle eines Probejahres ist eine überlegenswerte Variante.« Zuvor hatte die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Felicitas Tesch, angeregt, die Regelung zu überdenken, der die Linksfraktion ohnehin nur ...

Rainer Funke

Prügel im Schutz der Anonymität

Mit der blauen Uniform, die für Berlins Polizei eingangs des neuen Jahres Schritt für Schritt eingeführt werden soll, wird auch die Kennzeichnung jedes einzelnen Beamten kommen – mit dem Namen oder der achtstelligen Dienstnummer, per Klettband an die Vorderseite der Hemden oder der Einsatzanzüge geheftet. Dies gilt auch für jene Hundertschaften, die bei Demonstrationen zum Einsatz kommen. Di...

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Porno und Politik
Tom Mustroph

Porno und Politik

In den kommenden Tagen steigt die sexuelle Aufladung in der Stadt. Dann präsentiert in den Messehallen am Funkturm vom 15.-18. Oktober Europas größte Erotikmesse »Venus« Videos und das neueste Sexspielzeug. Von dieser vor allem auf den heterosexuellen männlichen Konsumenten ausgerichteten Mainstream-Messe grenzen sich jedoch zwei alternative Pornofilmfestivals und eine erotische Literaturmesse pol...

Wörter mit den Fingern lesen
ndPlusAntje Stiebitz

Wörter mit den Fingern lesen

Ein Unfall in der väterlichen Werkstatt ließ Louis Braille bereits als Kind erblinden. Sein Porträt zeigt ihn mit geschlossenen Augen; er wirkt in sich gekehrt. 16 Jahre alt, entwickelte er ein Punkte-Alphabet, das blinde Menschen bis heute auf der ganzen Welt lesen und schreiben. Bis zum 13. Dezember würdigt die Ausstellung »Sechs Richtige! Louis Braille und die Blindenschrift« den vor 200 Jahren...

Im Käfig der Traditionen
ndPlusVolkmar Draeger

Im Käfig der Traditionen

Sie zählt zu den wenigen Choreografinnen, die den Kopf nicht in der eigenen Seele vergraben. Helena Waldmann, international erfolgreiche Regisseurin, stellt sich Problemen dieser Welt. Besonders ihre teils in Teheran kreierten Stücke um das Leben iranischer Frauen fanden Beachtung. Waldmanns »BurkaBondage« am Haus der Berliner Festspiele arbeitet Aufenthalte in Japan und Afghanistan auf und findet...

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Chef bedauert Vorgehen im Brötchen-Fall

Dortmund (dpa/ND). Nach der Kündigung einer Sekretärin wegen zwei halber Brötchen und einer Frikadelle hat sich der Chef bei der Frau entschuldigt. In einem offenen Brief an die 59-Jährige schrieb der Hauptgeschäftsführer des Bauverbandes Westfalen, Hermann Schulte-Hiltrop: »Meine Reaktion darauf war menschlich zu hart.« Das Schreiben lag dpa am Montag in redaktioneller Fassung vor. »Dafür entschu...

Mit Kalk-Kanonen gegen saures Wasser

Bautzen (dpa/ND). Schiffsmanöver im Braunkohlenrevier: Im gefluteten Restloch des Tagebaues Burghammer (Sachsen) bringt ein Spezialschiff Kalksteinmehl aus. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau- und Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) setzt in dem künftigem Speicherbecken nahe des Kraftwerks Schwarze Pumpe auf ein in Schweden bewährtes Verfahren, um saure Gewässer zu behandeln, wie sie nach Bee...

ndPlusKai Agthe

Wer den Hering nicht ehrt ...

»Zwar schlägt mein Herz nicht gerade höher, wenn von Pommern die Rede ist, aber es fühlt sich doch auf das angenehmste berührt«, lesen wir am Anfang von Hans Werner Richters »Deutschland, deine Pommern« – seinem humorvollen Versuch, eine Mentalität zu erklären. Auch die eigene: Denn Hans Werner Richter, der leider weniger als Erzähler und weit eher als Gründer der »Gruppe 47« bekannt geworde...

Dorothee Engelhard, dpa

Zweite Chance für Schulabbrecher

Seit Januar 2009 läuft in Nürnberg ein besonderes Jugendhilfeprogramm – rund 130 junge Menschen konnten bisher vor dem sozialen Absturz bewahrt werden.

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Jürgen Leidinger, dpa

Bierverkoster – ein schwerer Job

Hunderte Biersorten wurden für den diesjährigigen Internationalen Bierwettbewerb der Brauakademie Doemens in Gräfelfing bei München eingereicht. Bis zum 18. November müssen die Juroren entscheiden.

ndPlusPhilipp Isenbart, epd

Notanrufe bei der Paten-Oma

Ein Drittel der über 60-Jährigen in Deutschland übt ein Ehrenamt aus. Am Sonntag endete die »Woche des bürgerschaftlichen Engagements«.

Wilfried Neiße

Auswanderer auf Zeit

Zu den modernen Formen der Wanderschaft von Handwerksburschen zählen Auslandspraktika von Lehrlingen und Gesellen. Die Handwerkskammern in Brandenburg wollen diese Form der Weltläufigkeit stärken und mit einer Mobilitätsberatung dieser Bewegung Beine machen.

Seite 15
ndPlusLiesel Markowski

Ein Meister an der Geige

Er war die Attraktion dieses Abends, doch keineswegs unter dem Nimbus des gängigen Starkults. Nein, der junge israelische Geiger Guy Braunstein ist ein Künstler, dem es nicht um persönlichen Glanz, sondern um tiefgründige Vermittlung eines Werkes geht. Bescheiden zurückhaltendes Auftreten und intensive Gestaltung zeichnen ihn aus, fesseln auf Anhieb. Und so wurde Dmitri Schostakowitschs erstes Vio...

Dieter Wolf

Das wahre Leben

Das war wohl dem Knaben eines Holzarbeiters an der Wiege im thüringischen Meuselbach, zumal an einem 13., nicht gesungen, dass aus ihm einmal einer der kreativsten deutschen Kameramänner und vielseitigsten DEFA-Regisseure werden sollte. Und tatsächlich, nach der Grundschule geht er zunächst in die Lehre als Industriekaufmann. Erst das Studium an der Arbeiter- und Bauern-Fakultät der Uni Jena stell...

Seite 16
ndPlusVolker Trauth

Material. Schlacht

Zornig geboren« sind sie alle in diesem Stück der 26-jährigen Schweizer Dramatikerin Darja Stocker. Alle Figuren sind bereit, die Last der Welt auf ihre schmalen Schultern zu nehmen – selbst um den Preis des eigenen Untergangs. Da ist die 88-jährige Olivia, die einst im besetzten Paris für die Resistance gearbeitet hat und später im KZ von der SS zur Prostitution gezwungen wurde. Da ist ihr ...

Jan Freitag

Genozid auf Raten

Dokumentationen von heute starten gern mit Musik, die zum verschwörerischen Crescendo anschwillt, in klanglicher Dramatik endet. Meistens ist dieses Klangprinzip zu dick aufgetragen. Bei »Albtraum Atommüll« ist es dagegen sehr angebracht. Wenn Greenpeace zu Beginn Giftfässer zeigt, die auf dem Meeresgrund verrotten, wenn Autor Eric Guéret die strahlende Fracht über den halben Globus verfolgt, wenn...

Stefan Amzoll

Und bedenke das Ende ...

Theodor W. Adorno schrieb einmal, als alles nichts mehr half: »Utopien können warten.« Nun, Komponisten können das nicht. Sie müssen ihre Brötchen verdienen und zeigen: Wer gut ist, ist überall gut. Darum haben Ralf Hoyer und seine Mitstreiter eine vierteilige Konzertreihe auf die Beine gestellt, die sich mit dem so unfasslichen wie schönen Thema »Musik und Utopie« beschäftigt. Die zweite Folge »U...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Es kollert im Himmel der Mimen

Dichter, Maler, Komponisten sterben, ohne gleich tot zu sein. Aber Theaterschauspieler ... Wer war wer? Dieter Franke? Da ist den weit Jüngeren kein Buch herüberzureichen: Da, lies. Da ist auf kein Gemälde zu zeigen: Da, sieh. Da ist kein Konzertplan zu studieren: Da, hör. Das Werk eines Schauspielers widersteht nicht. Trotzdem muss es immer weiter gesagt, weitergesagt werden: Dieter Franke war ei...

Seite 17
Die Rezension - Verwirrte verstehen

Die Rezension - Verwirrte verstehen

Dieses Buch kann Angehörigen dementer Menschen eine Hilfe sein. Es beschäftigt sich mit einer Methode, die zeigt, wie man auf verwirrte Menschen verständnisvoll eingeht und die dazu beiträgt, deren wunderliche Welt besser zu verstehen. Die Validationsmethode geht auf die amerikanische Gerontologin Naomi Feil zurück. Sie begann zu experimentieren und kam durch Versuch und Irrtum auf eine Reihe von ...

ndPlusUlrike Henning

Teuer, aber nutzlos

Einer Therapie mit adulten Stammzellen, die Parkinson-Patienten angeboten wird, fehlt nach heutigem Kenntnisstand jeglicher Nutzen.

Martin Koch

Kühlschrank meiden

Nicht allein, was wir essen, sondern auch wann wir das tun, hat Einfluss auf unser Körpergewicht.

Seite 19

Staatsmann Oli

Das Sportjahr 2009 neigt sich dem Ende zu, und das bedeutet, dass die Tanzballsaison beginnt. Auch die Sportjournalisten wollen übers Parkett schwingen und richten daher den »Deutschen Sportpresseball« aus. Damit sich dafür auch jemand interessiert, werden Preise an bekannte Menschen vergeben, diesmal an Oliver Kahn. Der ehemalige Fußball-Nationaltorwart soll als »Legende des Sports« geehrt werden...

Milram-Arzt droht Kohl

Der Streit zwischen Bernhard Kohl und dem jetzigen Milram-Teamarzt Mark Schmidt wird ein Fall für die Justiz. Nach Kohls Doping-Vorwürfen will der Mediziner gegen den früheren Gerolsteiner-Radprofi in Österreich auf Unterlassung und Widerruf der im »Kurier« abgedruckten Äußerungen klagen, wie sein Anwalt mitteilte. Der in Nachkontrollen zur Tour 2008 positiv auf das EPO-Präparat CERA getestete Koh...

Tunesien und Algerien fast durch

Die nordafrikanischen Nachbarn Tunesien und Algerien sind der Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ein großes Stück näher gekommen. Die Tunesier gewannen am Sonntag in Rades durch ein Blitztor von Issam Jomaa in der ersten Minute 1:0 (1:0) gegen Kenia und liegen damit vor dem abschließenden Spiel am 14. November in Mosambik in der Gruppe B weiter zwei Punkte vor Nigeria. Die »Su...

Ein bisschen Aufmerksamkeit weg

Von Andreas Frank, London (SID)Schmerzen im Fuß, Selbstzweifel im Kopf – den glatten Abriss eines Außenbandes im linken Knöchel wird Fabian Hambüchen zum Anlass nehmen, seine weitere Karriereplanung grundsätzlich zu überdenken. »Ich muss mit den Kräften gut haushalten, das war in diesem Jahr nicht immer der Fall. 2010 wird neu gestaltet, es wird mehr Erholungsphasen geben«, kündigte der Reck...

Oliver Händler

Unsanfte Landung

Totenstille und hängende Köpfe in der Kabine. Den Basketballern von Alba Berlin war die Enttäuschung anzusehen, die sie in Worten nicht ausdrücken wollten. Gerade hatten sie gewonnen, doch das 75:70 im Rückspiel der Euroleague-Qualifikation gegen Maroussi Athen war zu wenig, um die Neun-Punkte-Niederlage aus dem Hinspiel wettzumachen. Die Euroleague ist futsch, also ab in den Eurocup. Der ist zwar...

Seite 20
Märchenhaftes Wiedersehen
Heidi Diehl

Märchenhaftes Wiedersehen

»Hallo König!«, ruft eine nicht nicht mehr ganz junge Frau laut, als die Kutsche am Freitag vor dem Schloss Moritzburg vorfährt. »Seine Majestät« Rolf Hoppe winkt glücklich in die Menge, genau wie sein Sohn, »Prinz« Pavel Trávnícek, und Regisseur Václav Vorlícek, der einst beide in Szene gesetzt hat. Nach 36 Jahren sind sie hierher zurückgekommen, um an der Eröffnung der Ausstellung zum Kult-Film ...

Seite 21
ndPlusIrmtraud Gutschke

Das gute Leben

Was »Der Traum der Roten Kammer«, Chinas berühmter Roman, mit dieser Anthologie zu tun hat? Von verwöhnten Adligen ist doch nirgendwo die Rede. Allerdings treffen wir schon in der ersten Geschichte, »Im Jahr des Affen« von Fan Wu, einen jungen Mann bei der Lektüre jenes Werkes von 1759 an, der auf seine Weise das »Wahnreich der großen Leere« kennt. Was die zwölf sehr verschiedenen Erzählungen zusa...

Anna Guhl

Das Neue und die Tradition

Als Ma Jian Mitte der 80er Jahre aufbrach, Beijing zu verlassen, war er in der Propagandaabteilung eines staatlichen Unternehmens eigentlich für die Verbreitung der schönen Seiten des »Chinesischen Sozialismus« zuständig. Doch Ma Jian, der sich in seiner Freizeit auch als Maler und Grafiker betätigte, sah sein Umfeld anders, als Vorgesetzte und die Partei von ihm verlangten. Sie trieben zwar die w...

Seite 22
ndPlusJürgen Engler

Glanz und Abglanz

Nicht Lyrik aus der DDR, sondern der DDR präsentieren Heinz Ludwig Arnold und Hermann Korte. Ein kühnes Unterfangen! Dabei meint der Genitiv der Zugehörigkeit natürlich nicht allein die Zustimmung zu einem Staatsgebilde, sondern ebenso die Distanz zu und die Abwendung von ihm: Entscheidend ist der Bezug auf die DDR als »lebensgeschichtlich bestimmenden Erfahrungshorizont«. Die Herausgeber stellen ...

Seite 23
Hans-Dieter Schütt

Unsere grauen Tarnanzüge

Auf dem Weg zum Gate ging ich ununterbrochen auf Glaswände, auf Glastüren zu, in denen ich mich spiegelte. Jetzt, da ich wegging, traf ich endlich mich selbst.« Der Weg zum Flugzeug, hin zum Abheben: Man ist das Abbild seiner Illusion von Aufbruch und Neubeginn. Im Weggehen erst, wieder ins Gewöhnliche hinein, ist die Kontur des Eigenen wieder da. Ein Mann, der einfach die Augen schließt, weil er ...

Seite 24
ndPlusInes Wallrodt

Das Glück, wenn er nur atmet

Damals, im Winter, vor vier Monaten, erinnert sich eine Frau, hatte sie sich einen Moment lang wieder wie all die anderen einsamen Menschen gefühlt, die sie auf der Straße sah und zu denen sie einmal gehörte. Panik hatte sie ergriffen, denn in Wirklichkeit war sie ja nicht mehr allein. Sie hatte einen Mann an ihrer Seite. Die Frau eilte nach Hause, um zu überprüfen, »ob all das, was einen froh mac...

Irmtraud Gutschke

Die Mütterlichen

Alle Zeit – »Wir haben alle Zeit der Welt«, sagt Juli mit den grünen Haaren. Und es ist ein Aufatmen beim Lesen: Sie hat recht. Mit der Geburt ihres Kindes hat etwas Neues begonnen. Sie wird nun ganz für Svenja da sein, wird die Tochter großziehen ohne Mann, wie es schon Mutter, Großmutter und Urgroßmutter getan haben. Mutter und Großmutter sind tot. Vielleicht wird Juli die Urgroßmutter noc...

Seite 26
ndPlusKlaus Bellin

Keine Witze mehr

Er hatte schon 1929, als er noch in München lebte, eine Wohnung am Sachsenplatz gemietet, endgültig bezogen hat er sie aber erst am 28. Februar 1930. So kam Hans Bötticher, der sich seit Langem Joachim Ringelnatz nannte, in die große Stadt Berlin, im Gepäck viele Erwartungen, einen Haufen Optimismus und manche Illusion. Zurück blieben die Freunde. »Doch ihr Freunde, folgt nach«, schrieb er in eine...

Seite 27
ndPlusKatrin Greiner

Fliehen ohne Flucht?

Eigentlich hat er sich schon seit Wochen um nichts mehr gekümmert. Die Tür blieb ungeölt, der weitere Holzausbau des Dachbodens unerledigt, die Frau unberührt. Nun kommt die Flut – und mit ihr für Carl die Gelegenheit auf die Fortsetzung der Flucht ohne wegzurennen, des Sich-Entziehens aus der ihn bedrohenden »Diktatur der Dinge«. Mit »fluten« setzt der Autor Jörg Jacob einen düsteren Kontra...

Steffen Schmidt

Faradays Weg der Erkenntnis

W as für eine Zeit, als man einander selbst innerhalb einer Stadt regelmäßig Briefe schrieb! Heute reicht es selbst in den »gebildeten Ständen« kaum noch zur E-Mail. SMS und Handy haben die Briefkultur verdrängt. Und ausgerechnet ein eifriger Briefschreiber gehört zu den Hauptschuldigen dieser Entwicklung: Michael Faraday. Denn der englische Naturforscher machte eine Wissenschaft aus der zuvor ehe...

Seite 28
ndPlusDietmar Endler

Ein wenig Luft zu schöpfen

Dieser Autor ist ein Satiriker par excellence. Er hat sich bereits mit den Romanen »Mission: London« und »Die Hunde fliegen tief« (dt. 2006 und 2008 im Residenz Verlag) auch hierzulande einen Namen gemacht, neuere Taschenbuchausgaben belegen dies. Seine Erzählungen waren nur vereinzelt zugänglich. Nun liegt eine gelungene Auswahl vor: Zwanzig Texte aus sieben Erzählbänden zwischen 1992 und 2007, u...

Barbara Oertel

Aus dem Osten in den Westen

Wir kennen sie alle, diese Bilder: Sogenannte Illegale in Lagern zusammengepfercht und in ständiger Angst vor einer Abschiebung aus der hochgerüsteten »Festung Europa«, die mit ihrer brutalen Abschottungspolitik Tote in Kauf nimmt. Dieses Schicksal teilt auch Lena, die Ich-Erzählerin im Roman »Die Immigrantin« von Roumen M. Evert. Mitte der 90er Jahre verlässt sie, auf der Suche nach einem bessere...

Seite 29
ndPlusHannah Klein

Reise nach Fernost

Dieses Buch ist weit mehr als ein Roman, es ist ein modernes, spannend kriminalistisch hochgezüchtetes Konstrukt zum Thema Tod und Sterben. Damit ist es auch ein Buch über das Leben. »Das, was nicht stirbt, hat nicht gelebt«, heißt es in den Vorüberlegungen. Es geht um Existieren und Vergehen in der heutigen Welt, in der alle denkbaren Gegensätze aufeinanderprallen, Ost und West, hier speziell Eur...

Uli Gellermann

So viele Tote!

Darvinoglu nennt sich der Großvater, als sich die Türken, auf Geheiß des diktatorischen Modernisierers Atatürk, Familiennamen wählen müssen: Sohn des Darwin. Wie rasend macht sich der Arzt auf, ganz alleine die europäische Aufklärung zu wiederholen, eine Enzyklopädie zu schreiben, um »dem gesamten Orient beizubringen, dass es keinen Gott gibt«. Orhan Pamuk erzählt in seinem Roman »Das stille Haus«...

Seite 30
ndPlusLilian-Astrid Geese

Legendäre Lehren

Drei Männer sollen 21 Amphoren – sieben volle, sieben halbvolle, sieben leere – so aufteilen, dass jeder die gleiche Zahl Amphoren und die gleiche Menge Wein erhält. Oder: 90 Äpfel sollen verkauft werden. Fatima bekommt 50, Cunda 30, Siha 10. Alle müssen zum gleichen Stückpreis verkaufen, dürfen keinen Apfel verschenken und sollen am Ende den gleichen Gesamtbetrag in der Tasche haben. ...

Benjamin Jacob

Macht-Männchen

Don Rafel Massó i Pujades ist eine seltsame Figur, ein buckliges Männchen mit Dreispitz und Perücke, eitel und einfältig. Ein Männchen mit Macht. Eben wurde der Advokat Präsident des Königlichen Gerichts im Barcelona des Jahres 1799 und damit oberste zivile Autorität der Stadt. »Sa Senyora« (Euer Gnaden) Er wird gefürchtet, gehasst, er lässt sich schmieren, beugt das Recht. Bei Gericht zeigt er si...

Sabine Neubert

Sie schlagen und küssen sich

Freunde von Rebecca Gablé können sich freuen – und sich auch diesmal auf einiges gefasst machen: Der Roman erzählt wieder englisch-französische Mittelaltergeschichte – und das von der ersten bis zur letzten Seite so spannend, dass man das Buch erst aus der Hand legt, wenn man weiß, wie es am Ende ausgeht. Aber – auch das kennen wir schon aus früheren Romanen – natürlich füg...

Seite 31
Walter Kaufmann

Mord im Outback

Man wird, wie ich, Genugtuung empfinden, als dieser Engländer Nicholas Keene in seiner Hütte bei Broome ermordet aufgefunden wird – ihm geschah, was geschehen sollte. Da kommt einer ins australische Outback, um bei den Aborigines anthropologische Studien zu treiben – für die Behörden, wohlgemerkt –, entwickelt aber zu diesen Menschen, ihren Sitten und ihrem Land nicht die Spur ei...

ndPlusEberhard Reimann

Versagen und Trotzdem

Es ist alles andere als leichte Lektüre, und wenn man das Gewicht von fast 750 Seiten noch dazu zählt, ist sie sogar schwer. Monumental und epochal wird fast das gesamte letzte Jahrhundert vorgeführt, mit seinen Utopien und Verwerfungen, Träumen und barbarischen Sinnlosigkeiten. Und immer wieder die Frage nach Vernunft in der Historie. Der Bogen ist gespannt vom Kampf Mann gegen Mann im Ersten Wel...

Seite 32
Sybille Walter

Selbst gute Freunde sind nicht gleich

Da hat sich doch die Schlange quer über den Lieblingsweg der Eidechse gelegt! – Die ist empört und schimpft. Die Schlange antwortet in gleichem Ton. Das geht eine Zeit hin, eine Zeit her und genau so lange, bis die Schlange sich zusammenrollt und ein Stück Weg freigibt. Die Eidechse ist zufrieden, will ebenfalls freundlich sein, und die beiden können ganz normal miteinander sprechen, lassen ...

ndPlusHannelore Hoffmann

Zeitreise ins Jahr 1989

In einem Land, vor unserer Zeit...« ist hier wörtlich zu nehmen. Für junge Menschen liegt das denkwürdige Jahr 1989 unendlich fern. Gewiss reden Eltern oder Großeltern oft über Vergangenes, doch wer will das schon immer hören? Und Geschichte gehört bei vielen auch nicht gerade zu den Lieblingsfächern. Aber wie kann ein junger Mensch seinen Platz im Leben finden, wenn er seine Wurzeln nicht kennt? ...

Seite 33
ndPlusJoachim Krüger

Herrscher ohne Maß

Bereits zu Maos Lebzeiten und dann in den mehr als dreißig Jahren nach seinem Tode 1976 ist eine Vielzahl von Biografien erschienen. Hinzu kamen Erinnerungen von Weggefährten, Sympathisanten, Zeitgenossen, enttäuschten Mitkämpfern und Gegnern. Bei jeder weiteren Publikation, abgesehen von neu erschlossenen Akten und Dokumenten, wird gefragt, was denn da noch Neues kommen kann. So jetzt auch bei Wo...

Seite 34
Wolfram Adolphi

Auf schwierigem Pfad

Der Nestor der DDR-Chinaforschung zieht am Ende seines achten Lebensjahrzehnts Bilanz. Seit über fünfzig Jahren ist die Analyse der Entwicklung der VR China sein Beruf. Als wissenschaftlicher Aspirant im Peking der 50er Jahre hat Helmut Peters, Jg. 1930, die verheißungsvollen Anfänge der jungen Volksrepublik und als Diplomat vor Ort in den 60ern die »Große proletarische Kulturrevolution« erlebt. A...

Seite 35
ndPlusAndré Brie

Eine Wiederentdeckung

Dieses Buch ist eine Lehrstunde für die Linke, wobei es mit einer Stunde Lektüre nicht getan ist. Die anschließenden Haus-, Denk- und Diskussionsaufgaben benötigen noch viel mehr Zeit. Edelbert Richter analysiert nicht nur den hochaktuellen Epochenumbruch der Linken und den gesellschaftlichen, zivilisatorischen Epochenumbruch. Er stellt sie in die Zusammenhänge von zum Teil Jahrhunderte (bei Konfu...

Seite 36
ndPlusGerhard Klas

Der Fehler im System

Am 22. September 2007 nahm sich der französische Sozialphilosoph André Gorz, ein gebürtiger Österreicher, zusammen mit seiner schwer kranken Frau Dorine das Leben. Beide hatten mehr als 60 Jahre eine innige Beziehung gepflegt, keiner wollte den anderen überleben. André Gorz hat noch die Texte für »Auswege aus dem Kapitalismus – Beiträge zur politischen Ökologie« zusammengestellt, die nun auf...

Jörg Roesler

Die notwendige Wende

Die gegenwärtige weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Autoren, seit Längerem in Sozialprojekten aktive Publizisten, zu der Auffassung gebracht: »Niemand hat das System der Marktwirtschaft so diskreditiert wie die bisherigen Vertreter der marktradikalen ›Markwirtschaft‹.« Franz Alt und Peter Spiegel sind überzeugt: »Das Kapitalismus-Desaster wird bald so offenbar wie das Kom...

Seite 37
Michael Roeder

Sehr robust

In diesen Septembertagen war Afghanistan wieder ein wichtiges Thema in Deutschland (Stichworte: Tanklasterbombardierung, Al-Qaida-Drohungen). Es war eine rot-grüne Regierung, die im Dezember 2001 die Bundeswehr nach Afghanistan geschickt hat, um – wie es hieß – »Deutschlands Sicherheit am Hindukusch zu verteidigen«. Acht Jahre später – am 4. September 2009 – führen deutsche...

ndPlusKlaus Höpcke

Ruth und der Fuchs

Es geht um eine Tatsache von weltgeschichtlichem Gewicht: Während der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts gelangten die geheimen wissenschaftlichen Unterlagen von Nuklearforschung und Atomwaffenproduktion aus Großbritannien und den USA in die UdSSR. Wer waren die Akteure, denen die Beschaffung und Übermittlung der Unterlagen gelungen ist? Warum haben sie das getan? Wie haben sie es bewerkstelligt? Ebe...

Seite 38
Kurt Stenger

Und was kommt nach der Krise?

Vor einem Jahr starrte die ökonomisch interessierte Welt wie das Kaninchen auf die Schlange: Die Finanzkrise schien das kapitalistische Wirtschaftssystem in den Abgrund zu reißen. Auch unter Linken gab es erstaunlich viele, die glaubten, der Kapitalismus zerstöre sich zumindest in seiner neoliberalen Form selbst. Eine grandiose Fehleinschätzung, wie man eigentlich hätte wissen können: Der Kapitali...

Franz-Karl Hitze

Unglaubliche kriminelle Energie

Einer der erfahrensten Berliner Journalisten hat die Tätigkeit der Treuhandanstalt in den 90er Jahren untersucht. Er kommt zu einem nicht überraschenden, doch in der geballten Fülle von Beispielen und Fakten erneut erschütternden und ernüchternden Urteil: Die Treuhand bewies mehr kriminelle Energie als bisher vermutet und man sich vorstellen kann. Das neue Buch von Klaus Huhn belegt en detail, das...

ndPlusGerhard Klas

Die demokratische Explosion

Der aus Slowenien stammende Philosoph, Kulturkritiker und Psychoanalytiker Slavoj Zizek hat sich mit seinem neuen Buch viel vorgenommen: Er will nicht weniger, als die Umrisse einer neuen, linken Strategie skizzieren. Dafür untersucht er vor dem Hintergrund des Mauerfalls von 1989, der Anschläge des 11. September 2001, des Klimawandels und der Finanzkrise von 2008 die Herrschaftsverhältnisse, dere...

Seite 39
ndPlusDaniela Fuchs-Frotscher

Ein Traum

Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass erst ein bestimmtes Alter Muße, Toleranz und Weisheit bringt, Lebensbilanz zu ziehen. Es sind subjektive Empfindungen, die persönliche Erinnerungen ausmachen. Doch diese individuellen Mosaiksteine sind für das Begreifen geschichtlicher Zusammenhänge von unschätzbarem Wert. Vieles, was Krysia Sar bewegt, dürfte den Lesern nicht unbekannt sein. Da ist das s...

Hermann Klenner

Verantwortung

Noch im Gründungsjahrzehnt der BRD wurde die Ansicht, dass der Frauen Betätigungsfeld auf Küche und Kinderstube beschränkt sei, zum »Eckpfeiler der christlich-abendländischen Kultur« verklärt. Auf Anforderung des Bundesverfassungsgerichts hatte sich damals der Bundesgerichtshof gutachtlich folgendermaßen geäußert: Nach naturrechtlicher Auffassung zeuge der Mann die Kinder, während die Frau diese e...

Seite 40
Rudolf Scholz

Kein Schindler

Erst vor wenigen Jahren konstatierte der namhafte Holocaustforscher Raul Hilberg, Verfasser der drei Bände umfassenden Dokumentation »Die Vernichtung der europäischen Juden«: »Wir wissen erst etwa zwanzig Prozent über den Holocaust.« Jürgen Hensel vom Jüdischen Historischen Institut Warschau pflichtete ihm unlängst bei: »Die entscheidende Etappe beim Schreiben der Geschichte des Holocaust haben wi...

ndPlusHans Canjé

Nur ein einfacher Schreiner

Irgendwann im Herbst 1938 kommt der 1903 geborene Georg Elser zu dem Entschluss: Hitler muss weg. Nur so, sagt er sich, sind die Verhältnisse in Deutschland, ist vor allem die immer misslicher werdende Lage der Arbeiter zu ändern. Nur so ist auch der vom Regime angesteuerte Krieg zu vermeiden. Der ohne tiefe ideologische Bindung, jedoch zeitweise mit der KPD sympathisierende Schreiner ist zur Tat ...

Seite 41
ndPlusErnst Reuß

Putschversuch

Die Autoren dieses Bandes, die sich weitgehend aus der Linksfraktion im Bundestag rekrutieren, wollen »die aktuellen geschichtspolitischen Debatten und Entwicklungen sichtbar machen, um geschichtspolitische Standards zu verteidigen und gleichzeitig Fehleinschätzungen zu benennen«. Anlass für ihre Betrachtungen sind die jüngsten Beschlüsse des Bundestags über Denkmäler und Gedenkstätten. Gerade jet...

Hans Modrow

Die Quadratur des Kreises

Drei Bilder, drei Ereignisse tauchen in meiner Erinnerung auf, wenn sein Name fällt. Da ist jener Auftritt im Deutschen Bundestag, als er anlässlich des 40. Jahrestages der Befreiung vom Hitlerfaschismus den 8. Mai 1945 Tag der Befreiung nannte. Das war seinerzeit für den politisch aufgeklärten Teil der Bundesrepublik geradezu ein Akt der Befreiung, für den anderen, größeren, jedoch Blasphemie. Bi...

Seite 42
ndPlusEvelyn Schanze

Sehnsucht

Sie kämpften, kämpften und kämpften – unerschrocken, standhaft, opfermutig bis zum letzten Atemzug. Dies war das Bild, was über lange Zeit in DDR-Darstellungen über Revolutionäre, Kommunisten, Antifaschisten dominierte. Dass diese Menschen auch mal schwach waren, unsicher, verängstigt, war unvorstellbar für Geschichtspropagandisten an Schreibtischen. Dass diese Menschen auch liebten und geli...

ndPlusPeter Nowak

Ho Chi Minh statt hitzefrei

Die Zeitschrift und das Editionshaus »Graswurzelrevolution« wird oft mit Umweltschutz in Verbindung gebracht. Dabei bezieht sich der Name auf Bewegungen von unten, die im englischsprachigen Raum »grassroots« genannt werden. In dieser Tradition sieht sich der Verlag, der in diesem Jahr 35. Geburtstag feiert und sich auf den Gabentisch ein Buch zur eigenen Geschichte legt. Im Zentrum steht ein ausfü...

Heiner Jestrabek

Chinas Freiwillige

Es ist bereits das zweite Buch, das Theodor Bergmann zum Thema Internationalismus in diesem Jahr vorlegt. Nach dem umfänglichen theoretischen Vorgänger »Internationalismus im 21. Jahrhundert. Lernen aus Niederlagen – für eine internationale Solidarität« präsentiert der Stuttgarter Professor hier zahlreiche Einzelbiografien. Dabei wird auch ein im linken Bewusstsein noch weitgehend unbekannte...

Seite 43
Richard Herding

Alte Schule

Mit 19 hätte er zur Roten Armee gehen können. Stattdessen manövrierte sich der Sohn einer Bochumer Arbeiterfamilie 1944 per »Heimatschuss« ins Lazarett und in britische Kriegsgefangenschaft. Im Nachkriegs-Westdeutschland bei Brenners IG Metall baute Hans Matthöfer mit den Genossen des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes die gewerkschaftliche Bildungsarbeit aus. Gegen die »sozialpartnerschaft...

ndPlusManfred Weißbecker

Nein, er war bei Sinnen

War Hitler ernsthaft krank? Wurde die Wehrmacht von einem Drogenabhängigen geführt? War die Ermordung von Millionen Menschen das Ergebnis eines Wahns? Mit diesen Fragen lockt der Verlag. Und in der Tat, in dem Oscarnominierten, auf einer Studie von Joachim Fest fußendem Film »Der Untergang« geistert durch den Bunker der Reichskanzlei in Berlin ein medikamentensüchtiger Psychopath. Inwieweit entspr...

Christoph Jünke

Gefesselter Parteikommunismus

Zu den faszinierendsten Grotesken der Ideologieproduktion im neuen Deutschland gehört zweifelsohne die Penetranz und Vehemenz, mit der immer wieder versucht wird, den Stachel »1968« dadurch zu entsorgen, dass man SDS und antiautoritäre Revolte zum Produkt der Unterwanderung aus Moskau und Ostberlin verklärt. Seinen kuriosen vorläufigen Höhepunkt erlebte diese Ideologie im Frühjahr dieses Jahres, a...

Seite 44
Tom Kirschey

Eine Schicksalsfrage

Nicht nur als Wissenschaftler, als Kernphysiker, hat sich Karl Lanius Meriten erworben, Anerkennung ist ihm auch für seinen Einsatz gegen die Verbreitung von Atomwaffen zuteil geworden. Und der heute 82-Jährige greift noch immer in öffentliche Debatten über Moral und Verantwortung der Wissenschaft ein. Was Leitartikel und Essays nicht vermögen, eine exakte Beweisführung über die Funktionsprinzipie...

ndPlusKarlen Vesper

Die offene Gesellschaft

Das Buch kommt zur rechten Zeit. Als wenn der Autor geahnt hätte, dass sich die Diskussion um Integration und (auch Selbst-)Ausgrenzung von Muslimen in Deutschland justement erneut zuspitzen würde. Erinnert sei an das Berliner Urteil, die Schule habe muslimischen Kindern einen Gebetsraum zur Verfügung zu stellen. Oder an die Äußerung des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin: »Ich muss...