Ausgabe vom 17.10.2009

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Unten links

Bald ist November: traurige Zeit. Da denken auch Bestatter offenherziger über ihr Werk nach. Das Gewerbe ist naturgemäß nie konjunkturlos, trotzdem muss auch dieses Geschäft, wenn man so sagen darf – belebt werden. So sieht der Verband der Bestatter wegen des steigenden Konkurrenzdrucks seine Mission zunehmend darin, ebenfalls »eine Art Event-Veranstalter« zu sein. Eine neue Art, den Tod zu ...

ndPlusNiels Seibert

Haftstrafen für Linke im »mg«-Prozess

Wegen versuchter Brandstiftung an Bundeswehr-Lkw und Mitgliedschaft in der »militanten gruppe« wurden am Freitag drei Berliner Linke zu Haftstrafen von drei bzw. dreieinhalb Jahren verurteilt.

Nackter Kaiser

Nackter Kaiser

In wenigen Tagen lässt die Tigerentenkoalition die Katze aus dem Sack. Noch wird spekuliert, verkündet und dementiert. Eines ist jedoch jetzt schon klar: Der soziale Kahlschlag kommt nicht in dem Ausmaß, wie zum Teil befürchtet. Die schwarz-gelbe Koalition ist nicht lebensmüde. Merkel, Westerwelle & Co gehen großen sozialen Konflikten aus dem Weg. Damit scheitern viele wirtschaftsliberale Wuns...

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Harald Neuber

Mehr Protest als Party

Einen Abend verdrängte in Honduras der Fußball die Politik. Doch die Freude über die erste WM-Qualifikation seit 1982 wird durch den ungelösten politischen Konflikt und die Repression der Putschregierung getrübt.

ndPlusFabian Lambeck

Ein »Oscar« für Wolfgang Schäuble

Manche nennen ihn scherzhaft den »Oscar für Überwachung«. Die Rede ist vom »Big Brother Award«, einer Negativ-Auszeichnung für besonders dreiste Datendiebe, Schnüffler und Überwachungsfanatiker. In diesem Jahr erhalten gleich zwei CDU-Politiker diese »Auszeichnung«: Neben Wolfgang Schäuble auch Familienministerin Ursula von der Leyen.

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Martina Jammers

Die Schöne ist angekommen

Es sind die Schrunden, die anrühren. Die abgeplatzten Farbpigmente im »Nordkuppelsaal«, dem neuen Domizil der Nofretete im angestammten Haus. Die nur wenig retuschierten Schmutzschleier im »Modernen Saal«, die fragmentarischen Wandbilder im »Römischen Saal«. Im Gegensatz dazu leuchten die sorgsam ornamentierten Terrazzoböden mit ihren bezirzenden Mosaiken im »Mittelalterlichen Saal« – wie au...

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ndPlusUwe Kalbe

Warndateien

Bei der Verlängerung des Bleiberechts für rund 30 000 Flüchtlinge um ein Jahr handelt es sich um einen kleinen Erfolg. Für die FDP, aber natürlich vor allem für die Betroffenen. Dennoch: Er ist teuer erkauft, unter anderem mit der Zustimmung der FDP zur Visa-Warndatei – ein weiteres Instrument zur Einschränkung von Freiheitsrechten. Man erinnert sich an die sogenannte Visa-Affäre um bereitwi...

ndPlusRené Heilig

Angeln auf Augenhöhe

Angler mögen verzeihen, wenn diese Art der Jagdausübung hier etwas simpel – weil aus politischer Sicht von Koalitionsverhandlungen – dargestellt wird: Einer, der die Angel und damit die Lizenz zum Fischen hat, hält einen Wurm ins Wasser. Der Fisch kommt geschwommen, sieht den Köder, knabbert ein wenig daran herum. Zuerst ganz vorsichtig, dann immer gieriger. Erfahrene Schuppentiere sol...

Roland Etzel

Verweigerungshaltung

Alle Betriebsamkeit hinter den Kulissen hat Israel nichts genützt. Auch die Schutzmacht USA konnte nicht wie sonst im Sicherheitsrat ein Veto einlegen. So nahm der UN-Menschenrechtsrat die von den Palästinensern und einigen Drittweltstaaten wie Nigeria und Pakistan eingebrachte Resolution zur Annahme des Goldstone-Berichts an. Für Israel ist es eine diplomatische Niederlage. Nicht weniger, aber au...

Wüstensohn

Wüstensohn

Libyen hat seit der Revolution vor 40 Jahren keinen König mehr. Dennoch sieht es so aus, als sollte ausgerechnet derjenige, der 1969 die Monarchie abschaffte und seitdem Staatsoberhaupt ist, die Vererbbarkeit des höchsten Amtes beibehalten wollen. Nutznießer dessen wäre Saif al-Islam al-Gaddafi, zweites von acht leiblichen Kindern des Revolutionsführers. So berichteten es »Korina« und andere libys...

Endgültiges Aus für Datteln?

Endgültiges Aus für Datteln?

ND: Wird das 1,2 Milliarden Euro teure Kraftwerk weitergebaut? Krämerkämper: Ich bin mir sicher, dass das Kraftwerk eine Investitionsruine ist. Es werden zwar noch Restarbeiten ausgeführt und es werden auch noch neue Arbeiten von E.on beantragt, die seltsamerweise auch genehmigt werden. Mittelfristig müssen die Bauarbeiten aber ganz eingestellt werden. Der ganze Komplex wird abgerissen. Sie glaube...

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Velten Schäfer

Kieler Landtagsmehrheit vorerst amtlich

Trotz aller Einsprüche ist das umstrittene Wahlergebnis im Norden vorerst gültig. Bis zu einer gerichtlichen Klärung können Monate vergehen.

Marathon in großer Runde

Marathon in großer Runde

Belastet durch die strittigen Themen Gesundheit und Steuern sind die Koalitionsverhandlungen am Freitag in die entscheidende Phase gegangen. Die große Runde aus 27 Vertretern von CDU, CSU und FDP traf sich am Nachmittag zum Auftakt ihres Marathonwochenendes. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) machte deutlich, dass mit einem Abschluss der Verhandlungen an diesem Wochenende »mit Sicherheit« nicht zu rechnen sei.

ndPlusAert van Riel

Verlängerung des Bleiberechts teuer erkauft

Union und FDP haben sich über eine Verlängerung des Bleiberechts für geduldete Flüchtlinge geeinigt, heißt es. Dies war von Wohlfahrtsverbänden und Flüchtlingsorganisationen, aber auch von der FDP lange gefordert worden. Grund zur Freude gibt es dennoch nicht.

Seite 6

Leipziger wollen sich wi(e)dersetzen

Leipzig (ND-Lasch). Mit möglichst breitem Widerstand wollen Leipziger Bürger einen Großaufmarsch der rechten Szene, der für heute angemeldet ist, behindern. Unter dem Motto »Leipzig nimmt Platz« wird zu Blockaden der Demonstration aufgerufen, die von den »Nationalen Sozialisten« ausgerichtet, von der NPD unterstützt wird und zu der bis zu 1000 Teilnehmer erwartet werden. Geplant sei »bunter, gewal...

Steinmeier warnt vor Linksruck

Berlin (dpa/ND). Der neue SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hat seine Partei eindringlich vor einem Linksruck gewarnt. »Ich finde es nicht plausibel, dass eine Öffnung nach links mit Hurra die SPD jetzt aus der Krise führen würde«, sagte der gescheiterte Kanzlerkandidat der »Frankfurter Rundschau«. Die SPD habe bei der Bundestagswahl in alle Richtungen Wähler verloren, »aber eindeutig mehr...

Stichwahl am Hindukusch?

Der neue Präsident Afghanistans wird offenbar erst nach einer Stichwahl feststehen. Der afghanische Botschafter in den USA, Said Tajeb Dschawad, bezeichnete eine Stichwahl nach dem umstrittenen Wahlergebnis als »wahrscheinliches Szenario«.

ndPlusMartin Dolzer

Kurden von Kugeln durchsiebt

Nahe der kurdischen Großstadt Van richteten türkische Spezialkräfte Mitte dieser Woche drei junge Männer extralegal hin.

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Anna Maldini, Rom

Berlusconi sucht die juristische Hintertür

In Italien versucht Ministerpräsident Silvio Berlusconi weiterhin, die Demokratie auszuhöhlen. Erst hat er das Verfassungsgericht und den Staatspräsidenten als »politisch motiviert« beschimpft. Jetzt sucht er nach Mitteln und Wegen, um das Urteil des Obersten Gerichtshofes, das seine Immunität aufgehoben hat, zu umgehen.

ndPlusTobias Müller, Amsterdam

Hausbesetzung wird zur Straftat

Hausbesetzen war in den Niederlanden bisher keine Straftat. Das soll sich nun laut Beschluss des Parlaments ändern. Die Zustimmung des Senats gilt als wahrscheinlich. Hunderte Aktivisten protestieren gegen die Entscheidung.

ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Kurze Meuterei in der Staatsduma

Drei der vier in der russischen Staatsduma vertretenen Parteien probten kurzzeitig den Aufstand: Ihre Fraktionen verließen am Mittwoch das Plenum des Parlaments. Zwei kehrten jedoch bereits am Freitag wieder zurück.

Seite 8

Datenaffäre bei AWD

Hannover/Hamburg (dpa/ND). Nach Großunternehmen wie der Telekom hat es nun auch beim Finanzdienstleister AWD eine Datenpanne gegeben. Dem Hörfunksender »NDR Info« wurden insgesamt 27 000 Datensätze von Kunden zugespielt. Diese enthalten nach Angaben des Senders Kundennummer, Adresse, Telefonnummer, Berufsbezeichnung, Geburtstag und die Vertragsabschlüsse. Daraus sei etwa ersichtlich, welche Kunden...

»Angela, die Post ist da«
Aert van Riel

»Angela, die Post ist da«

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat gemeinsam mit anderen Umweltinitiativen über 100 000 Unterschriften für einen Protestbrief an Schwarz-Gelb gesammelt. Sollten Union und FDP an ihren Plänen, AKW-Laufzeiten zu verlängern, festhalten, müssen sie mit breiten Protesten rechnen.

ndPlusKurt Stenger

Energie-Revisionismus

Die Energiepolitik soll unter schwarz-gelber Hegemonie wieder deutlich fossiler und industriefreundlicher werden. Dies belegt das »vorläufige« Ergebnispapier der Koalitionsarbeitsgruppe Wirtschaft, das ND vorliegt.

ndPlusJohn Dyer, Boston

Einlagensicherung braucht Kredit

Während einige große Wall-Street-Banken wieder hohe Gewinne einfahren, geht der Einlagensicherungsbehörde allmählich das Geld aus.

Seite 9

Erholung in IT-Branche

New York (dpa/ND). Neue Hoffnungszeichen aus der IT-Branche: Mit überraschend starken Quartalszahlen haben der Computer-Konzern IBM und der Internet-Riese Google die Erwartungen einer Erholung weiter angeheizt. »Das Schlimmste der Rezession liegt hinter uns«, sagte Google-Chef Eric Schmidt am Donnerstagabend. Auch IBM-Chef Sam Palmisano ist für 2009 »optimistisch«.IBM erhöhte nach einem Gewinnplus...

Gericht bestätigt »Schandurteil«

Wegen ein paar Maultaschen verliert eine 58-Jährige in Konstanz ihren Job. Das Arbeitsgericht Radolfzell am Bodensee entschied gestern, dass die Mitarbeiterin eines Seniorenheims wegen Diebstahls zu Recht entlassen wurde.

ndPlusMichael Lenz, Bangkok

Junta bereichert sich an Gasmilliarden

Bereicherung, Korruption und Wechselkursmanipulation – die Vorwürfe der Menschenrechtsorganisation ERI gegen die Regierung Myanmars (Burmas) sind hart: Während das Volk in bitterer Armut leben muss, soll sich die Militärjunta mit Unterstützung internationaler Ölmultis einen Großteil der Einnahmen aus den Erdgasvorkommen des Landes in die eigene Tasche gesteckt haben.

Seite 10
Freier Fall unter Aktenbergen
Hans-Dieter Schütt

Freier Fall unter Aktenbergen

Das blaue Zeug klebt wie Blut: Dem Gerichtsschreiber Licht kippte das Tintenglas um. Umgekippt? Im Gemüt des deutschen Beamten gilt das schon als Umsturz, und er leidet. Die Finger, vergeblich um Säuberung von der Tinte bemüht, verrenken sich fortwährend – wie gequält überforderte Gesetze, die statt Recht plötzlich Gerechtigkeit sprechen sollen.Man muss nicht leben, sagt das öde Schweigen di...

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PLATTENBAU

PLATTENBAU

Ich habe das gesamte Repertoire meiner Ladino-Lieder in der Küche meiner Mutter gelernt«, sagt Yasmin Levy. Die 1975 in Israel geborene Sängerin hält mit ihrer Musik ein vom Aussterben bedrohtes Kulturerbe am Leben, das über 500 Jahre alt ist: das Judenspanisch (Ladino) oder auch Spaniolisch – die traditionelle romanische Sprache der von der Iberischen Halbinsel vertriebenen Juden. Auf ihrem...

ndPlusKarlen Vesper

Jeder hat seinen eigenen Gang

Wie bitte, General, Sie fragen, wie es dazu kam, dass ich als Trotzkist abgestempelt wurde? Ja, zu Eselowski wurde ich durch einen Esel, um genau zu sein, durch Eselsmist. Es ist eine Frage von Ursache und Wirkung: Wenn es viele Esel gibt, gibt es auch viel Mist. Wenn es noch mehr Esel gibt, muss man schon eine Mistauflesebewegung ins Leben rufen, um das Problem zu beheben. Da braucht man ein paar...

Seite 14
ndPlusNikolaj Stobbe, SID

Mit kleinen Schritten aus dem Keller

Aufbruch oder Agonie: Hertha BSC Berlin steht in der Fußball-Bundesliga am heutigen Sonnabend vor dem Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg am Scheideweg. Sollten die Berliner im Kellerduell des 9. Spieltages ihre Talfahrt auch unter Trainer Friedhelm Funkel fortsetzen und die achte Niederlage in Folge kassieren, droht der »Alten Dame« bis zur Winterpause der Stammplatz am Tabellenende.Friedhelm Funke...

Japaner im Höhenflug

Von Frank Thomas (dpa), LondonOhne seinen Hauptkonkurrenten Fabian Hambüchen hatte Favorit Kohei Uchimura leichtes Spiel: Zum vierten Mal in der Geschichte der Turn-Weltmeisterschaften erkämpfte der Olympiazweite in London die Mehrkampfkrone für Japan. Mit 91,50 Punkten verwies der 20-jährige Tokioter den Briten Daniel Keatings (89,925) und den Russen Juri Rjasanow (88,40) souverän auf die Medaill...

ndPlusJürgen Holz

Drei Hallen – ein Ziel

Schon in seinem ersten Jahr bei den Volleyballerinnen des Schweriner SC schrieb Edwin Benne die Vereinsgeschichte fort. Das war letzte Saison, als der 44-jährige Trainer aus den Niederlanden mit den Frauen deutscher Meister wurde. Es war der 14. Titel – nach sieben zu DDR-Zeiten als SC Traktor Schwerin der siebente im gesamtdeutschen Volleyball. Ein Erfolgsverein im Volleyball. Nun peilen di...

Seite 15
Klaus Joachim Herrmann

Fairer Handel beim Senator

Ein Brandenburger Tor aus buntem Blech schmückt auf etwas eigentümliche Weise das Fernsehgerät im Amtszimmer von Wirtschaftssenator Harald Wolf (LINKE). Man muss nur fragen, schon erfährt man etwas: Von Straßenkindern, traditionellen Spielzeugmanufakturen in Madagaskar und einem anerkannten Fair-Handelskonzept. Davon weiß Wolfs frühere Büroleiterin Anja Wollny, die das Blechtor dem Chef hinstellte...

Bernd Kammer

Wirtschaft sieht Licht am Tunnelende

Die Berliner Wirtschaft schöpft wieder Hoffnung. »Und es ward Licht, wenn auch noch etwas gedämpft«, beschrieb IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder gestern die Lage. Grund für den verhaltenen Optimismus liefert die Herbstumfrage von Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie Handwerkskammer (HWK) bei rund 1000 Unternehmen. Demnach beurteilen diese ihre Geschäftslage zu 82 Prozent als gut oder befriedig...

Seite 16
Das Trennende, das uns eint
Peter Kirschey

Das Trennende, das uns eint

Kaum ein anderes deutsches Wort birgt so viele Zweideutigkeiten in sich wie das Wort Teilung. Es steht für Trennung, für Auseinanderbrechen, Tragödie und Unversöhnlichkeit. Aber auch für solidarisches Miteinander, für abgeben, sich opfern, Meinungsgleichheit und Hilfe in höchster Not. All diesen trennenden und einenden Aspekten widmet sich eine Ausstellung der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst...

Irrsinn im Café Global
ndPlusVolkmar Draeger

Irrsinn im Café Global

Krisenzeiten, gute Zeiten – fürs Kabarett. Die Stachelschweine zehren im 67. Programm von der Lage im Land und feiern damit 60. Geburtstag als Stachel in diversen Schweinereien. »Völlig verspielt« führt in 23 Sketchen vor, wohin unsere Republik steuert: in den Staatsbankrott, den nur noch Peter Zwegat, Schuldensanierer bei einem Privatsender, als neuer Kanzler verhindern kann. Das ist nicht ...

Seite 17
Mirko Knoche, Hamburg

Abbruchstelle Kita

Im Etat der Hamburger Sozialbehörde klafft ein riesiges Loch. Es wird mit drastischen Leistungseinschränkungen gerechnet.

Kopfüber übern Hügel
Steffi Bey

Kopfüber übern Hügel

Am Rande von Buch, nahe des Berliner Rings und der Stadtgrenze, stehen 35 Hügel. Die meisten sind zwischen zwei und vier Meter hoch, haben abgerundete Seiten und sind dazu da, übersprungen zu werden. Als »Table« und »Double« werden die verschiedenen Hindernisse bezeichnet, die von sportbegeisterten jungen Leuten in den vergangenen Jahren eigenhändig angelegt wurden. »AirVolksPark« heißt das rund 9...

ndPlusUta Herrmann

Kinder suchen Paten und umgekehrt

Toben, Tischtennis spielen, Puppen basteln, Fotos der letzten Sommerferienfahrt am Computer ansehen oder sich informieren lassen – im Schulklub »Spieloase« in der Pettenkoferstraße 20-24 ist an diesem Nachmittag im Oktober vieles möglich. Der Verein Kinder von nebenan e. V., der im separaten Gebäude auf dem Gelände der Friedrichshainer Pettenkofer-Grundschule als freier Träger die offene und...

Seite 18
Auf Entdeckungsreise

Auf Entdeckungsreise

Zwölf Themenwagen mit Ausstellungen zu Forschungstrends und globalen Herausforderungen umfasst der multimedial ausgebaute Eisenbahnzug der Max-Planck-Gesellschaft. Jetzt ist er in Greifswald angekommen.

ndPlusChristoph Trost, dpa

Bayerns SPD versucht Neustart

Der jüngste SPD-Abgeordnete im Landtag, Markus Rinderspacher (40), soll am Mittwoch zum neuen Vorsitzenden der SPD-Fraktion gewählt werden. Die Partei erhofft sich, aus ihrem Tief zu kommen.

ndPlusWilfried Neiße

Landesgartenschau schrieb schwarze Zahlen

Mit einem großen Feuerwerk wird am Sonntagabend um 19 Uhr die Landesgartenschau (Laga) in Oranienburg zu Ende gehen. Schwarze Zahlen habe sie geschrieben, beteuert Bürgermeister Hans-Jürgen Laesicke (SPD) und zeigt sich mit der Bilanz überaus zufrieden. Einen Anteil an der hohen Besucherzahl habe die intensive Werbung gehabt, meint Laga-Sprecher Frank Wendler. In Sachen Reklame wurden 150 000 Kilo...

Andreas Fritsche

Achtung, Kamera läuft!

Die Polizei des Landes Brandenburg will bald auch öffentliche Plätze in Guben und Frankfurt (Oder) per Video überwachen. Das habe Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) angeordnet, teilte das Innenministerium in Potsdam mit. DIE LINKE protestiert.

8000 öffentlich geförderte Arbeitsplätze

Potsdam (ND/dpa). Brandenburg will bis 2014 erstmals in öffentlich finanzierte Beschäftigung einsteigen und rund 8000 sozialversicherungspflichtige Jobs schaffen. Etwa 40 Millionen Euro sollen Bund, Land, Kommunen und freie Träger für diese Jobs zur Verfügung stellen. Die Arbeitsplätze sollen dem Allgemeinwohl dienen. Darauf einigten sich SPD und Linkspartei am Freitag bei der zweiten Koalitionsru...

Seite 19
Eleganter Duft
Christina Matte

Eleganter Duft

Zart und zerbrechlich wie das Porzellan, das ihre Hände modellieren, erscheint sie auf den ersten Blick. Aber Vorsicht: Sie ist es nicht. Kostbar und schön zum Niederknieen, beherrscht sie fast alle asiatischen Kampfsportarten vom chinesischen Kung Fu bis hin zum japanischen Aikido. Dem biegsamen, schlanken Körper, den sie in erlesene Kleidung hüllt, wohnt die erstaunliche Kraft inne, in einem Rei...

Seite 20
Der lange Marsch nach Afrika
Hans-Georg Schleicher

Der lange Marsch nach Afrika

Auf dem Wachstumsmarkt Afrika ist mit China ein Global Player aufgetaucht, dessen Einsatz auf dem schwarzen Kontinent sehr unterschiedlich bewertet wird.

ndPlusWerner Birnstiel

Starker Konkurrent, zur Kooperation bereit

Harvard-Historiker Niall Ferguson soll Barack Obama bereits im vergangenen Jahr aufgefordert haben, anstelle einer G20-Runde einen G2-Gipfel mit China einzuberufen. So könnten »die beiden Weltmächte« unter sich diskutieren. Anderenfalls werde China wohl bald die G1 sein.

Seite 21
Der Vorsitzende Mao grüßt nicht mehr
Roland Etzel

Der Vorsitzende Mao grüßt nicht mehr

Die wahren Schätze schlummern häufig im Verborgenen, museale nicht minder, auch in Chinas größter Stadt Shanghai. Auf das dortige Geschichtsmuseum oder die Erinnerungsstätte für den großen Literaten Lu Xun wird der politisch interessierte Besucher verwiesen; auf das »Shanghai Propaganda Poster Art Centre« kaum. Da bedurfte es schon eines Insider-Tipps. Das Museum für Politische Plakate liegt zwar ...

»Der Große Sprung« hat doch noch stattgefunden
ndPlusTheodor Bergmann

»Der Große Sprung« hat doch noch stattgefunden

Mein Interesse für China wurde Ende der Zwanziger Jahre von zwei kritischen Kommunisten geweckt, die damals schon China-Experten waren: Heinz Möller und Manabendra Nath Roy. Das Interesse wurde stärker nach dem Sieg der Kommunistischen Partei Chinas im Jahre 1949. Die Begeisterung wurde wieder schwächer mit dem 1956 beginnenden Streit Mao Zedongs mit der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, mit...

Seite 22
ndPlusFokke Joel

Geträumtes Leben

Diese Novellensammlung, im Rahmen einer mehrbändigen Ausgabe mit klassischen chinesischen Texten erschienen, enthält Erzählungen, die vom 3. vorchristlichen bis zum 18. Jahrhundert für das gebildete Publikum in einer gehobenen Alltagssprache verfasst worden sind. Während in den ersten Texten noch Heldengeschichten erzählt werden, wie sie aus germanischen Sagen bekannt sind, entwickelte sich in Chi...

Irmtraud Gutschke

Ewige Sehnsucht

Getrieben von Neugier stieg der Junge eines Tages zum Gebirgspass hinauf. »Im Osten, vielleicht fünfzehn, zwanzig Kilometer entfernt, funkelte ein Flusslauf ... In nebelhafter Ferne erspähte ich die Kreisstadt ... verschwommen wie in einem Traum. Dann wandte ich mich nach Westen und überblickte das weite Grasland, auf dem sich lauter kleine Hügel wölbten, rund wie Mädchenbrüste ...« Irgendwo da mu...

ndPlusUte Evers

Bilder der Gewalt

E s sei nicht zu erwarten, dass sein Roman westlichen Feingeistern gefällt, meinte Mo Yan über »Die Sandelholzstrafe«. Hintergrund ist die untergehende Qing-Dynastie (1644-1911), die letzte Kaiserherrschaft Chinas. Es ist die Zeit, als das wilhelminische Kaiserreich im Einvernehmen mit dem chinesischen Hof den Bau einer Eisenbahnstrecke quer durch die ostchinesische Provinz Shandong begonnen hat. ...

Seite 23
Spannendes Filmland
ndPlusRalf Schenk

Spannendes Filmland

Niemand kann genau sagen, wie viele Filme jährlich in China gedreht werden. Es sind mehrere Hundert, ein großer Teil davon in den Filmfabriken überall im Land, die zwar vom Staat lizensiert sind, ihr Budget mit Hilfe von Sponsoren aber selbst erwirtschaften müssen. Während hier meist kommerzielle Produktionen entstehen, darunter Komödien und Kostümfilme, richtet sich die Aufmerksamkeit internation...

Urahnen der chinesischen Schrift
ndPlusGabriela Greess

Urahnen der chinesischen Schrift

Im Reich der Mitte wurden nicht nur das Papier sowie das erste Druckverfahren als Grundlage der Literatur erfunden. In Henan entstand zudem vor dreitausend Jahren ein weltweit einmaliges Schriftsystem; und das dient den Chinesen auch noch im 21. Jahrhundert als allseits verständliches Kommunikationsmittel.

George Lindt

»Alle denken, dass ich stinke«

Als ich 2004 zum ersten Mal nach China reiste, hatte ich keine großen Erwartungen. Ich hatte gelesen, China sei immer noch ein konformes Land. Anstatt aus Maokittelträgern bestünde das Land aus gleichgeschalteten Konsumenten. Mit denen in Kontakt zu kommen, sei ein Ding der Unmöglichkeit. An meinem zweiten Abend in Peking stolperte ich zufällig in ein Konzert von Chinas einziger Mädchenrockband Ha...

Seite 24

Hightech-Kristalle für Teilchenbeschleuniger

76 000 solcher Kristalle stecken im Teilchendetektor CMS (Compact Muon Solenoid) des weltgrößten Teilchenbeschleunigers LHC (Large Hadron Collider) des Europäischen Kernforschungszentrums CERN bei Genf. Die Kristalle bestehen aus Bleiwolframat (PbWO4), wegen der Schwermetalle Blei und Wolfram, ein extrem dichtes Material. Die Kristalle sind deshalb schwerer als ein gleichgroßer Stahlquader. Die en...

ndPlusMartin Koch

Zugabe Know-how

Seit Jahrzehnten schon suchen in China ausgebildete Wissenschaftler ihr berufliches Glück in den USA. Die Auswirkungen dieses »Braindrain« (wörtlich: Gehirn-Abfluss) zeigen sich deutlich in der Nobelpreis-Statistik. In der Sparte Physik etwa gibt es mittlerweile sechs chinesisch-amerikanische Laureaten. Damit liegt »US-China« nach der Zahl der Nobelpreise vor Ländern wie Schweden und Italien. Seit...

Wie Grüntee die Karriere fördert
Reinhard Renneberg, Hongkong

Wie Grüntee die Karriere fördert

Grünen Tee zu trinken gehört zum »Chinesen« wie das Bier zum Deutschen. Wann immer ich mit einem Becher Kaffee in meiner Hongkonger Uni auftauche, schütteln manche chinesischen Kollegen mitleidig die Köpfe. Die anderen verraten sich damit als amerikanische Chinesen. Die jedoch trinken oft den entkoffeinierten Decaff (da sage ich nur »Bäh!«) und sitzen nostalgisch bei »Starbucks« herum. Viele chine...

Dem Westen weit voraus

Bereits vor 3000 Jahren, als die westliche Welt noch im kulturellen und wissenschaftlichen Tiefschlaf lag, erlebte China eine Hochblüte des Denkens. Neben Philosophen, Ärzten und Astronomen waren vor allem chinesische Erfinder in höchstem Maße kreativ. Historiker sprechen heute respektvoll von »Vier Großen Erfindungen«, mit denen China die Entwicklung der Menschheit nachhaltig beeinflusst hat. Als...

Jacqueline Myrrhe

Fernöstliches Raumfahrtrezept

Ein Blick auf die Speisekarte eines China-Restaurants erklärt viel über das Erfolgsrezept der chinesischen Raumfahrt: Man nehme eine Handvoll Zutaten und stelle sie zu einer schier endlosen Kombination von Gerichten zusammen. Wahrscheinlich sind Chinas Raumfahrtmanager auch gute Köche … So gesehen wurde die Vorspeise am 24. April 1970 serviert, als die erste chinesische Trägerrakete »Langer...

Seite 25
Karlen Vesper

Der Weg ist das Gesetz des Lebens

Sokrates (469-399 v.u.Z.) habe als erster die Philosophie vom Himmel auf die Erde herunter gerufen und unter den Menschen angesiedelt, meinte Cicero. Einspruch! Dem brillanten römischen Rhetoriker sei verziehen, er wusste es nicht besser. Heute weiß man es besser und doch beginnen philosophiegeschichtliche Werke hierzulande mit dem griechischen Steinmetz; philosophisches Denken im alten Ägypten, B...

ndPlusWolfram Adolphi

Ein Gott, der Politik spielte

Als »eines der seltsamsten Ereignisse der Geschichte« hat der amerikanische China-Historiker John K. Fairbank die chinesische Kulturrevolution (1966-1976) einmal beschrieben, und er meint damit, dass ihre Ursachen, ihr Anlass und ihr erratischer Verlauf nur schwer zu begreifen sind. In der Tat sind die Deutungsanstrengungen bis heute nicht abgeschlossen. Fest steht, dass Mao Zedong in jeder Hinsic...

Seite 26
Heidi Diehl

Die Höhlen von Bingling – Schätze am Gelben Fluss

Vielleicht stimmt es ja wirklich, dass die Steine aus dem Gelben Fluss Glück bringen, wie die geschäftstüchtigen chinesischen Händlerinnen jedem gestenreich erklären, der an seinem Ufer anlandet, um die Höhlen von Bingling zu besichtigen. Ganz sicher aber hat der Fluss den Höhlen Glück gebracht, damals als Maos »Kulturrevolutionäre« durchs Land zogen und viele unersetzbare Kunstschätze zerstörten....

Seite 27
ndPlusRoland Etzel

Am langen Stein der Wünsche

Der Shanghai-Boom trägt einen einfachen Namen: Expo 2010, die Weltausstellung also, die von der Stadt von Mai bis Oktober ausgerichtet wird. Aber was heißt überhaupt Stadt? Shanghai ist ein Moloch, bedeckt eine Fläche von der doppelten Größe Luxemburgs und beherbergt 18 Millionen Einwohner. Song Chao, der Vizechef für Öffentlichkeitsarbeit des Shanghaier Stadtparteikomitees, genießt die Respekt ei...

Seite 28

Puzzlespiel

Tangram wird häufig auch als China-Puzzle bezeichnet. Wann das Spiel dort im Altertum genau entstand, ist nicht überliefert. Die ältesten bekannten Bücher über Tangram stammen vom Beginn des 19. Jahrhunderts. Im Chinesischen wird Tangram »Qiqiaoban« genannt. Qi bedeutet »sieben«, qiao heißt soviel wie »geschickt« oder »schlau« und ban kann mit »Plättchen« übersetzt werden. Damit sind auch die meis...

Testspiel:

Testspiel:

Kleiner Fragestreifzug durch Kultur, Politik und Geschichte des Reiches der Mitte

Chinesisch frisch in vieler Munde

Chinesisch frisch in vieler Munde

Chinesisch zu lernen, ist sicher einigermaßen kompliziert, chinesisch zu gärtnern weniger. Und viele der asiatischen Florakinder sind nicht nur ein Gaumen-, sondern auch ein Augenschmaus, machen sowohl auf dem Gemüse- als auch im Blumenbeet eine gute Figur; falls man beide überhaupt akkurat trennen möchte. Familie Brassica, zu der nicht nur Kohl, sondern auch Raps und Senf gehören, ist in Asien no...

Vier Remis reichten zum Titel
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Vier Remis reichten zum Titel

Vom 2. bis 11. September fand im chinesischen Ningbo die zweite Mannschaftsweltmeisterschaft der Frauen statt. Am Start war mit den Viererteams aus China, Georgien, Russland, Polen, der Ukraine, den USA, Indien, Armenien, Vietnam sowie einer zweiten chinesischen Mannschaft wohl das Beste, was das Frauenschach derzeit zu bieten hatte. Einen klaren Favoriten gab es nicht. Zunächst lagen die Polinnen...

Pokerspatz und die 13 Weisen
ndPlusRené Gralla

Pokerspatz und die 13 Weisen

Wie alt dieses Spiel ist, darüber streiten die Gelehrten. Manche behaupten, Mah Jongg sei schon während der Shang-Dynastie zwischen dem 16. und 11. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung entstanden. Andere sehen erst den amerikanischen Asienreisenden Joseph Park Babcock (1893 - 1949) als wahren Erfinder, der in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein einschlägiges Regelwerk verfasste. Wie dem auch sei: Neben dem chinesischen Schach XiangQi wird auf Straßen und Plätzen der Volksrepublik heute begeistert Mah Jongg gezockt. Und sogar hier bei uns in Deutschland hat sich eine stetig wachsende Szene etabliert, mit regelmäßigen Spielabenden und richtigem Turnierbetrieb. Von der deutschen Mah Jongg-Meisterin 2008, der Elektroniktechnikerin DAGMAR FISCHER (39) aus Neustadt bei Hannover, hat ND-Autor RENÉ GRALLA Näheres erfahren.