Ausgabe vom 12.11.2009

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Unten links

Wann ist der rechte Moment für Grausamkeit? Auch Herzensangelegenheiten folgen einer Tagesordnung. Jetzt etwa kommen die Wochen einer sich steigernden Wohlgestimmtheit, deshalb hat Wirschaftsminister Brüderle recht, wenn er das rüde Verhalten von General Motors gegenüber Opel so kommentierte: »Und das Wochen vor Weihnachten!« Ein ungewollter Verweis auf die Halbwertzeit unserer ethischen Aufmerksa...

ndPlusRoland Etzel

Outsourcing der Mörder

Eine Überraschung ist das wohl für niemanden mehr: Die Mörderbande der US-amerikanischen Privatarmee Blackwater hat nicht nur das Leben zahlloser unschuldiger Menschen in Irak auf dem Gewissen – das wusste man schon –, sondern betrieb danach auch noch mit einer Million Dollar ein bisschen »Landschaftspflege« im irakischen Behördendickicht, um deren Untersuchungseifer zu befrieden. Offe...

Lebenslange Haft für Mord aus Fremdenhass

Alex W. muss den Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe büßen. Das Landgericht Dresden stellte in seinem Urteil am Mittwoch zugleich die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine Haftentlassung nach 15 Jahren praktisch ausgeschlossen.

ndPlusKarin Leukefeld

Blackwaters Schmierentheater

Neuer Skandal um die US-amerikanische Söldnerfirma Blackwater (heute Xe): Sie hat 2007 in Irak nicht nur unschuldige Zivilisten getötet, sondern anschließend irakische Politiker geschmiert, um eine Untersuchung des Massakers abzuwenden.

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ndPlusAnna Guhl

Zwei Riesen, die einander brauchen

Allein drei Tage seiner ersten Asien-Reise plant Präsident Obama für China ein. Schon das zeigt die Bedeutung Pekings für die US-amerikanische Außenpolitik.

Olaf Standke

Washington droht neue Weltordnung

Tokio, der APEC-Gipfel in Singapur, Peking, Seoul – das Programm der morgen beginnenden ersten Asientour von US-Präsident Barack Obama ist prall gefüllt. Es widerspiegelt auch die veränderte Sicht der Supermacht auf die Region.

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»Ich werde mich niemals Mächten beugen, die dem Volk sein Recht auf Demokratie entreißen«

Manuel Zelaya, demokratisch gewählter Präsident von Honduras wurde am 28. Juni durch einen militärischen Staatsstreich mit einem von der US-Militärbasis Soto Cano gestarteten Flugzeug nach Costa Rica geflogen. Am 21. September kehrte Zelaya überraschend in die brasilianische Botschaft in die Hauptstadt Tegucigalpa zurück, wo er seitdem, von Militärs umzingelt, als Gefangener der Micheletti-Diktatur verharrt. Über die Situation nach dem gescheiterten Abkokommen sprach mit ihm für ND Manola Romalo.

Malen rettete ihm das Leben
Robert Luchs

Malen rettete ihm das Leben

Er war einer der Zeugen im Prozess gegen Kaing Guek Eav alias Duch, den Chef des Foltergefängnisses S 21, der sich in diesem Jahr als erster dem Tribunal gegen Hauptverantwortliche des Pol-Pot-Regimes (1975-1979) in Kambodscha stellen musste: Vann Nath, der Maler.

Seite 4
Martin Ling

FAO unter Reformdruck

Der Appell kommt nicht von ungefähr. Kurz vor dem Welternährungsgipfel hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) die internationale Gemeinschaft aufgefordert, den Kampf gegen den Hunger zu ihrem Hauptanliegen zu machen. Quantitativ hat die FAO hierfür gute Argumente, hat die Zahl der Hungernden doch weltweit inzwischen die Milliardenschwelle überschritten. Qualitativ ist die FAO in...

Gabriele Oertel

Kranke SPD

Der SPD geht es gar nicht gut. Wer hoffte, dass sie mit den 23 Prozent bei der Bundestagswahl ihren Höhepunkt an Liebesentzug erreicht hat, wurde durch die gestrigen Umfragewerte enttäuscht. Dem designierten Parteivorsitzenden geht es drei Tage vorm Parteitag allerdings nicht besser als seiner Partei. Sigmar Gabriel hat seine Reise durch die Landesverbände kurzfristig wegen einer Erkältung abgesag...

ndPlusAert van Riel

Geschichtsrevisionistin

Guido Westerwelle und der Bund der Vertriebenen (BdV) liegen im Clinch. Der Grund: BdV-Präsidentin Erika Steinbach will unbedingt einen Sitz im Rat der Stiftung »Flucht, Vertreibung, Versöhnung« einnehmen. Kritik von Opposition und SPD bewirkte, dass der BdV im März ihre Nominierung vorerst zurückzog und einen Ratsposten unbesetzt ließ. Nun gab der Verband bekannt, seine Präsidentin werde am 17. N...

ndPlusKurt Stenger

GM-Soldat

Manchmal geht es bei General Motors (GM) mit Entscheidungen auch richtig schnell. Nur wenige Tage nach den ersten Gerüchten über einen Abgang von Europachef Carl-Peter Forster wurde am Dienstag schon dessen Nachfolger benannt: David »Nick« Reilly wird künftig für die Werke Opel und Vauxhall zuständig sein. Der GM-Vizepräsident gilt als harter Sanierer. So setzte er in den 90er Jahren gegen den Wid...

Vertreibungen in Kolumbien?

Vertreibungen in Kolumbien?

Heute überreichen Sie gemeinsam mit weiteren Menschenrechtsorganisationen und Hilfswerken der kolumbianischen Botschafterin in Berlin 10 000 Unterschriften gegen Landvertreibungen im Kontext der Palmölproduktion. Geht es um Einzelfälle? Kolumbien ist nach dem Sudan das Land mit den meisten Binnenflüchtlingen weltweit. Vier Millionen Menschen sind in Kolumbien auf der Flucht und in aller Regel wurd...

Seite 5
Uwe Kalbe

Beim ministeriellen Start noch etwas tapsig

Nach der Regierungserklärung der Kanzlerin am Vortag setzte der Bundestag am Mittwoch die Debatte über die Richtungen der Regierungspolitik in der begonnenen Legislatur fort.

Mehr Impfstoff – aber nicht für alle

Mehr Impfstoff – aber nicht für alle

Angesichts der immer stärker grassierenden Schweinegrippe sollen die Engpässe beim Impfstoff in den kommenden Monaten teilweise behoben werden. Besonderer Impfstoff für Schwangere soll möglichst im Dezember in die Arztpraxen kommen.

Rosi Blaschke

Ein Satz, der neues Unrecht heraufbeschwört

Es kann nicht sein, was nicht sein darf, meint die schwarz-gelbe Koalition: Die Bodenreform 1945 bis 1949 in Ostdeutschland soll revidiert werden. Und macht enteigneten Großgrundbesitzern und Junkern erneut Hoffnung auf die Rückgabe von Grund und Hof.

Seite 6
Dieter Hanisch

Jung und ruhig in Kiel

Es zeugt von Selbstbewusstsein, mit 24 Jahren den Vorsitz des Landesverbandes einer Partei zu übernehmen. Marlene Löhr besitzt dieses Selbstvertrauen offenbar. Am letzten Wochenende übernahm sie einen der beiden Vorsitzendenposten der Grünen in Schleswig-Holstein – als jüngste Landesvorsitzende ihrer Partei. Vor Verantwortung scheute sich die Ratsfrau aus Flensburg allerdings auch vorher sch...

Schwarz-gelbe Pläne treffen auch Rentner

Auf die etwa 20 Millionen Rentner in Deutschland kommen voraussichtlich neue Zusatzbelastungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu, so der Präsident der Deutschen Rentenversicherung, Herbert Rische.

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Mit dem Gegner Tür an Tür

Über die künftige Raumverteilung in Sachsens Landtag tobt ein bizarrer Streit. Um ihn beizulegen, sollen alle Fraktionen Verhaltensregeln unterschreiben – einschließlich der NPD.

Seite 7

FAO: Vorrang für Kampf gegen Hunger

Rom (epd/ND). Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat die internationale Gemeinschaft aufgefordert, den Kampf gegen den Hunger zu ihrem Hauptanliegen zu machen. FAO-Generaldirektor Jacques Diouf sagte am Mittwoch in Rom, es sei eine Tragödie, dass die Zahl der Hungernden auf eine Milliarde Menschen gestiegen sei. Der Hunger bedrohe die Weltsicherheit. Am Mo...

»Kraft der Versöhnung«

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat als erstes deutsches Regierungsoberhaupt an den französischen Feiern zum Waffenstillstand im Ersten Weltkrieg teilgenommen.

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Irina Wolkowa, Moskau

»Nestbeschmutzer« setzt auf Putin

In Videos auf dem Internetportal youtube wirft ein russischer Polizist den Sicherheitskräften Korruption und Amtsmissbrauch vor. Inzwischen ermittelt eine Kommission, der Major wurde entlassen.

ndPlusJan Keetman, Istanbul

Punktsieg Erdogans über Generalität

An der Echtheit eines Umsturzplans des türkischen Militärs gibt es inzwischen kaum noch Zweifel. Regierungschef Erdogan will seinen Generalstabschef trotzdem nicht entlassen – offenbar aus taktischen Gründen.

Luis Beatón, Managua,

Konflikt um Wiederwahl Ortegas weitet sich aus

Rund zwei Wochen nachdem der Oberste Gerichtshof Nicaraguas den Weg zur Wiederwahl von Präsident Daniel Ortega freigegeben hat, weitet sich die Kontroverse in dem mittelamerikanischen Land aus und belastet überdies das ohnehin angespannte Verhältnis zur EU.

Seite 9

Konferenz: HIV bleibt auch in Europa Problem

Köln (dpa/ND). In Europa weiß jeder zweite HIV-Infizierte nach Experteneinschätzung nichts von seiner Infektion. »Wir gehen von einer sehr hohen Dunkelziffer aus«, sagte Prof. Jürgen Rockstroh am Mittwoch zu Beginn der 12. Europäischen Aidskonferenz mit 4000 Experten. In Westeuropa und Deutschland wissen geschätzte 30 Prozent der HIV-Infizierten, in Osteuropa sogar zu bis 70 Prozent nicht von ihre...

HRE erneut mit hohem Verlust

München (dpa/ND). Die Krisenbank Hypo Real Estate belastet den Bund als neuen Besitzer mit einem erneuten Milliardenverlust in diesem Jahr. Bis Ende September häufte der Immobilienfinanzierer ein Minus von 1,7 Milliarden Euro an. Eine rasche Besserung ist nicht in Sicht. »Wir sind bei Weitem nicht am Ziel«, sagte Vorstandschef Axel Wieandt am Mittwoch in München. Allein im dritten Quartal machte d...

ndPlusPeter Liebers, Erfurt

Salzfreie Werra nicht in Sicht

Die Salzeinleitungen in Werra und Weser durch den hessischen Düngemittelhersteller K+S beschäftigte zu Wochenbeginn in Hannover die Umweltausschüsse der Landtage der Anrainerländer Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen. Noch ist aber keine realistische Lösung in Sicht.

Benjamin Beutler

Boliviens Wirtschaft glänzt

Bolivien ist der neue Stern am südamerikanischen Wirtschaftshimmel. Durch Teilverstaatlichungen und soziale Umverteilungen sind die Einkünfte gewachsen und die Schulden gesunken. Lob gibt es sogar vom Internationalen Währungsfonds (IWF).

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John Caroll Lynch

John Caroll Lynch

In der Liga der amerikanischen Nebendarsteller ist Lynch (Foto: AFP) ein Star, seit seinem Debüt 1993 (»Ein verrücktes Paar«) war er in mehr als 70 TV- und Kinoproduktionen zu sehen, und sein Gesicht ist vermutlich bekannter als sein Name – zumindest hierzulande. Geboren am 1. August 1963 in Boulder, Colorado, begann er seine Karriere nach Ausbildung u.a. an der Catholic University of Amerik...

Nur nicht zusammenbrechen

Nach »Independence Day« und »The Day after Tomorrow« lässt Roland Emmerich einmal mehr die Welt untergehen. Ausgangspunkt von »2012« ist das Ende des Kalenders der Maya am 21. Dezember 2012. Dann stehen die Planeten in einer Konstellation, die den Erdkern schmelzen lassen und zu Verschiebungen der tektonischen Erdplatten führen. Nur ein kleiner Teil der Menschheit kann in acht gewaltigen »Archen Noah« überleben. Natürlich nur die wichtigsten Regierungschefs und Menschen, die eine Milliarde Dollar für den Fahrschein haben.

ndPlusMargit Voss

Sog des Dunklen

Der französische Schriftsteller André Gide, Literaturnobelpreisträger 1947, war ein großer Bewunderer des vierunddreißig Jahre jüngeren Georges Simenon. Simenon, der darob erstaunt war, kam zu dem Schluss: »Ganz besonders interessierte ihn der Mechanismus meiner – entschuldigen Sie das hochtrabende Wort – Kreativität. Und ich glaube, ich weiß, warum ihn das interessierte. Gide hat davo...

ndPlusGunnar Decker

Tatort Börse

Den Deutschen hat es anscheinend so gut gefallen, mit Milliarden an Steuergeldern die Banken zu retten, dass sie gleich die FDP in die Regierung gewählt haben! Eine bemerkenswerte Folgerung aus der Finanzkrise. Nun wird weiter das Geld vor der Steuer – »Mehr Netto vom Brutto« – gerettet, die jedoch im Zweifelsfalle wieder das an der Börse verspekulierte Geld wird retten müssen. Warum d...

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Weder erhellend noch zielführend

Eine wissenschaftliche Studie soll erhellen und über ein gesellschaftliches Phänomen aufklären sowie – im Idealfall – Lösungsmöglichkeiten für ein Problem aufzeigen. Ob dies mit der gestern vorgestellten Studie »Linke Gewalt in Berlin« gelingen wird, darf indes bezweifelt werden. Macht doch gleich zu Beginn der Lektüre der Ansatz der Untersuchung stutzig: »Die vorliegende Studie orient...

ndPlusBernd Kammer

Autobahnplanungen »auf Biegen und Brechen«

Die Planung der Stadtautobahn-Verlängerung A 100 von Neukölln bis zum Treptower Park tritt in die entscheidende Phase. Ab heute startet im Berliner Congress Center (bcc) am Alex die Anhörung zu dem umstrittenen Projekt. Die Träger öffentlicher Belange, beispielsweise die Bezirke, als auch Umweltschutzverbände kommen zu Wort, ebenso die Bürger, die in Einwendungen ihre Vorbehalte und Einsprüche geg...

ndPlusRainer Funke

»Brände und Steine sind keine Argumente«

Gar selten wohl wurde eine Geheimdienst-Studie wie jene namens »Linke Gewalt in Berlin« in einem derart gewichtigen Rahmen vorgestellt. Innensenat und Verfassungsschutz hatten gestern ins Zeughaus Unter den Linden geladen, um sich anhand der Broschüre unter Fachleuten über das Hauptstadt-Phänomen nahezu täglich brennender Autos, von Anschlägen auf Behörden, handfesten Auseinandersetzungen bei Demo...

Seite 12
ndPlusRobert Meyer

Zwischen den Gefängnissen

Jean glaubt nicht, was er denkt, und denkt nicht, was er glaubt. Gedanken, Vorstellungen, Gefühle, Wünsche – das alles läuft bei ihm auseinander und liegt über Kreuz. Jean stochert im Nebel, sucht nach einem Ideal, aber kennt weder Ort noch Beschaffenheit. »Hunger und Durst« nannte Eugène Ionesco ein Stück, in dem er Sinnsuche, Individualismus und dessen Gegenspieler Totalitarismus miteinand...

Peter Nowak

Hebbel am Ufer

»Ist der Wrangelkiez die Banlieue von Berlin?« So lautete eine der Schlagzeilen der Boulevardmedien im November 2006. Zuvor war es zu einer Auseinandersetzung zwischen Anwohnern des Kreuzberger Kiezes und der Polizei gekommen, nachdem Beamte zwei Jugendliche festnehmen wollten. Diese Szene steht auch am Beginn von Tim Staffels Theaterstück »Man braucht keinen Reiseführer für ein Dorf, das man sieh...

Kira Taszman

Radikales Kammerspiel auf Leinwand

Diplomatie ist bekanntlich die Kunst der Unverbindlichkeit. Wenn sich jedoch ein Politiker in einer geopolitisch brisanten Situation verbal verheddert, kann er damit auch einen Krieg auslösen. Dieser Problematik widmet sich auf vergnügliche Weise die Politsatire »In The Loop«. Mit Tempo, ätzendem Witz und einem kritischen Blick auf transatlantische diplomatische Mauscheleien spielt sie auf die ...

Seite 13

Nürburgring nun LKA-Fall

Mainz (dpa/ND). In die Nürburgring-Affäre ist laut dem rheinland-pfälzischen Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) bereits 2008 das Landeskriminalamt (LKA) eingeschaltet worden. Darüber sei auch Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) »zeitnah« informiert worden, sagte Bruch am Mittwoch im Landtag. Insgesamt habe das LKA aber festgestellt, »dass kein Anhaltspunkt für den Verdacht einer Straftat vorlag.« ...

Nicole Grün, dpa

Zeitreise im Internet

Ahnenforscher und Historiker können sich freuen: Statt mühsam in den Archive zu wühlen, können sie seit gestern im Internet nach Daten der rund 1,5 Millionen bayerischen Soldaten im Ersten Weltkrieg suchen.

»Ton Steine Gärten« lässt das Gemüse wachsen
ndPlusAntje Stiebitz

»Ton Steine Gärten« lässt das Gemüse wachsen

Räumende Bereitschaftspolizisten muss der Kreuzberger Gartenverein »Ton Steine Gärten« wohl nicht mehr fürchten. In Zukunft kann die Gärtnergruppe auf dem 1000 Quadratmeter großen Areal am Bethaniendamm Gemüse anbauen. Das Bezirksamt und »Ton Steine Gärten« haben kürzlich einen langfristigen Nutzungsvertrag abgeschlossen. Bereits 2007 organisierte der Stadtteilausschuss Kreuzberg ein Beteiligungsv...

ndPlusWilfried Neiße, Potsdam

Lohndumping durch die Hintertür

Die rot-rote Landesregierung in Brandenburg plant ein Gesetz, das die Vergabe öffentlicher Aufträge an die Zahlung von Mindestlöhnen bindet. Der Präsident des Handwerkskammertages sieht ein Kontrollproblem.

Ralf Hutter

Affinität zu Golf und Galabällen

Für den Samstag lädt die Freie Universität Berlin (FU) erstmals seit 2001 zu einem »Absolventenball« ein. Über 4000 Menschen, die in diesem Jahr einen FU-Abschluss gemacht haben, erhielten dafür Mitte Oktober eine aufwendig gestaltete Einladung. In sehr vielen Fällen dürfte das Schreiben aber sofort in den Müll gewandert oder zur WG-Belustigung an eine Wand gehängt worden sein. Als Eintrittspreis ...

Seite 14

Einladung ins »Restaurant des Herzens«

Leipzig (dpa/ND). Für Bedürftige öffnet auch in diesem Jahr zur Weihnachtszeit in Leipzig wieder das »Restaurant des Herzens« seine Pforten. Vom 6. Dezember bis zum 6. Januar können die Menschen dort ein kostenloses Drei-Gänge-Menü mit deftiger Hausmannskost bekommen. Es ist bereits die 15. Saison für das »Restaurant des Herzens«. Der Trägerverein Restaurant du Coeur rief am Dienstag zu Sach- und ...

ndPlusAndreas Fritsche

Rochade der Abgeordneten

Die Landtagsfraktion der Linkspartei hat sich jetzt darauf verständigt, welche Themen die einzelnen Abgeordneten in Zukunft beackern. Weil es sechs Neulinge in der Fraktion gibt, musste es zu Verschiebungen kommen. »Wie auf einem Schachbrett«, heißt es.Der Wirtschaftspolitik widmet sich nun Thomas Domres. Darum kümmerte sich früher Ralf Christoffers, der Wirtschaftsminister wurde. Domres macht das...

Wilfried Neiße

Wer kontrolliert die Mindestlöhne?

Ganz oben auf dem Fahrplan der neuen rot-roten Landesregierung steht das Vergabegesetz. Die Adressaten wissen das und haben punktuell Einwände. Mit dem Ziel, die Vergabe öffentlicher Aufträge an die Einhaltung von sozialen Mindeststandards zu binden, zogen SPD und LINKE in den Wahlkampf.Im Koalitionsvertrag steht: »Die Koalition schafft die gesetzlichen Voraussetzungen dafür, dass öffentliche Auft...

Velten Schäfer

Grenzscharmützel im Oberharz

Wo genau liegt der Oberharz? Darüber streiten sich die Mittelgebirgsgemeinden östlich und westlich der alten Grenze. Es geht um Namensrechte – und um eine touristische Marke.

Seite 15
ndPlusIrmtraud Gutschke

In Phantásien

Was das Zeichen für Unendlichkeit bedeutet, das in seinem wunderbaren Buch »Die unendliche Geschichte« als Illustration zu finden ist, Michael Ende hatte eine Vorstellung davon. Und er gab uns darin zu unserer Welt eine zweite hinzu: Phantásien, grenzenlos in Raum und Zeit. Wer sich dorthin auf die Reise macht, wird zum Sinnsucher für sein eigenes Leben, wird die Sümpfe der Traurigkeit durchschrei...

DHM zensiert

Staatsminister Bernd Neumann hat eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin zensieren lassen. Wie ein Sprecher des Museums gegenüber der »Zeit« bestätigte, war kurz vor Eröffnung der Ausstellung »Fremde? Bilder von den Anderen in Deutschland und Frankreich seit 1871« eine große Texttafel auf Wunsch des Kulturstaatsministers ausgetauscht worden. Das Ministerium lieferte auch die ne...

Schöner Gedanke
Tom Mustroph

Schöner Gedanke

Günter Nooke in seiner Funktion als Beauftragter der Bundesregierung für menschenrechte möchte gern ein Freudenmal. Es soll an die erregenden Wochen unmittelbar vor dem Mauerfall, die Jubelstimmung danach und die vor 20 Jahren noch ziemlich umstrittene, heute aber umso mehr gefeierte deutsche Einheit erinnern. Ein schöner Gedanke. – Einer unter vielen. – Dass die 1998 von Nooke, dem le...

Was den Menschen passiert war
Martin Hatzius

Was den Menschen passiert war

Im altehrwürdigen Gebäude des Deutschen Theaters Berlin, das selbst im Dunkel eines Novemberabends noch lichte Erhabenheit ausstrahlt, befindet sich, Eingang Kammerspiele, links hinter der hippen Bar, ein großer schwarzer Kasten. Die DT Box, in Betrieb seit 2006, ist der hermetisch abgedichtete Experimentierraum des Hauses. Was hier über die Bühne geht, szenische Auseinandersetzung mit neuen, vers...

Seite 16
ndPlusUwe Stolzmann

Ausbrüche

Ein Roman über ein Dichterpaar, über Autoren zumal, die manch einer gar nur vom Hörensagen kennt – nein, das tönt nicht nach vergnüglicher Lektüre. Aber Jan Arnald, wohl bekannter unter seinem Krimi-Pseudonym Arne Dahl, schafft das Schwierige, den Leser zu fesseln mit seiner Geschichte eines leidlich verrückten Duos: Maria Wine und Artur Lundkvist, zwei obsessive Schreiber, angefressen von d...

Fokke Joel

Ich ist Er

Ein eigenartiger Titel für eine Autobiografie: »Ein anderes Leben«. Aber der schwedische Schriftsteller Per Olov Enquist hat der Geschichte seines Lebens nicht nur einen ungewöhnlichen Titel gegeben, er hat sie auch in der Er-Form erzählt. Das erinnert an den französischen Dichter Arthur Rimbaud, der mit »Ich ist ein Anderer« für viele den Anfang der Moderne markiert. Nach dem ersten Bröckeln des ...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Mutters Sohn

Als er sie, jünger noch, vor dem Werktor erwartete, ging ihm ein Gedicht durch den Kopf: »Längst hatt' ich dich geseh'n, wie du dort kamst,/ stets spürt ich dich, wenn du warst nah ...« Und wie sie vor ihm stand, umarmte sie ihn nicht etwa, sondern fragte nur »Bist du blank?«. Das sind auch ihre Begrüßungsworte, als der Sohn unerwartet in ihrem Ferienhaus in Nordjütland auftaucht. »Bist du blank?«...

Seite 17

Leseprobe

Das Verdikt des Verrats taucht bereits in der Frühphase der Arbeiterbewegung auf. Der Verfolgungsdruck durch die herrschenden Regime in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schuf hinreichend Gründe und Erfahrungen dafür. So verwundert es wohl kaum, dass die marxistische Analyse und Theorie das Verratskonstrukt bereits in ihrer Entstehungsphase in ihr Gedankengebäude aufnahmen. Sie klassifizierte...

ndPlusInes Wallrodt

Einfach mal loslassen

Linke und Nation – ein Dauerbrenner, erst recht im Wendegedenkjahr 2009. Auch das Magazin »prager frühling« beschäftigt sich in seiner fünften Ausgabe mit diesem Thema. Allerdings nicht nur wegen der Ideologiemaschine, die mit den Einheitsfeierlichkeiten angeworfen wurde, sondern ganz praktisch wegen der strategischen Defensive, in der sich die Linke gegenüber globaler Krise und Lissabon-Pro...

Karlen Vesper

Alles purer Zufall, nur Glück?

Wenn im Sommer die Sonne schien oder wenn ein lauter Abend hereinbrach, war es hier besonders behaglich … Man legte die Würstchen auf den rauchenden Grill oder die Steaks, packte den Kartoffelsalat aus und machte sich auf den Campingsstühlen bequem. Es war hier so himmlisch ruhig, kein Verkehrslärm; überall grünte und blühte es. Und das mitten in der Stadt .. Die hohe Mauer, an die man die ...

Seite 19

Einwurf

Wer gestern Mittag den Fernseher einschaltete, rieb sich verwundert die Augen: Nur 17 Stunden nachdem sich ihr Mann vor einen Zug geworfen hatte, trat Teresa Enke vor die Kameras und suchte zu erklären, was es wohl war, das ihren Mann zu dieser Verzweiflungstat getrieben haben musste: Depressionen, die Robert Enke bereits seit 2003 zusetzten. Der behandelnde Arzt des verstorbenen Nationaltorhüters...

Matthias Koch

Robert Enke

Der 11. November 1995 war der erste Meilenstein im Leben des Sportlers Robert Enke. Im Alter von nur 18 Jahren debütierte der vielversprechende Torhüter bei den Zweitligaprofis des FC Carl Zeiss Jena im Spiel bei Hannover 96. Das Spiel endete 1:1. Fast auf den Tag genau 14 Jahre später ging Enkes Leben in der Nähe Hannovers auf tragische Weise zu Ende. »Ich bin bestürzt und geschockt. Ich will es...

ndPlusEric Dobias, dpa

Dzeko hebt sich die Tore auf

Ganz Bosnien-Herzegowina hegt den Traum von der erstmaligen Teilnahme an einer Fußball-WM, und ein Bundesliga-Quartett soll ihn wahr machen. Vor den Relegationsspielen gegen Portugal liegt die junge Nation im Fußball-Fieber, auf den Straßen und in den Restaurants von Sarajevo bis Mostar gibt es seit Wochen nur noch ein Thema: Die Endrunde 2010 in Südafrika. »Es herrscht eine unglaubliche Euphorie ...

ndPlusErnst Podeswa

Europa in weiter Ferne

Auf nach Europa heißt das von Manager Bob Hanning verkündete Saisonziel. Das bedeutet für die Füchse Berlin in ihrem zweiten Jahr als Handball-Bundesligist mindestens Platz sieben. Doch nach der 23:40 (13:18)-Abfuhr am Dienstagabend gegen den THW Kiel in der heimischen Max-Schmeling-Halle und zehn von 34 Saisonspielen rangieren die Berliner nur auf Platz neun. Nach der Partie war bei Spielern, Tra...

Claas Hennig und Arne Richter, dpa

Enke litt an Depressionen

Robert Enke hat vor seinem Freitod mehrere Jahre an schweren Depressionen gelitten. Doch die quälende Frage nach dem Warum blieb auch einen Tag nach dem Unglück von Eilvese unbeantwortet. Der Nationalspieler von Hannover 96 war am Dienstagabend an einem Bahnübergang von einem Zug erfasst und getötet worden. Die Nachricht löste Fassungslosigkeit, Trauer und Bestürzung aus. Der Deutsche Fußball-Bund...

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Gerhard Dilger, Porto Alegre

Blackout lässt Brasilianer im Dunkeln

Menschen, die in Aufzügen steckengeblieben sind, Ausfälle bei Ampeln, U-Bahnen und Vorstadtzügen, Probleme beim Gebrauch von Kreditkarten: Am Dienstagabend um 22:13 Uhr Ortszeit wurden etwa 50 Millionen Brasilianer von einem Blackout überrascht, vor allem in den Megastädten São Paulo und Rio de Janeiro. Im Bundesstaat Rio, der flächendeckend betroffen war, gingen um halb eins wieder die Lichter an...