Ausgabe vom 13.11.2009

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Unten links

Nachbildungen sind derzeit sehr in Mode. In Berlin wurde eine Mauer als Dominostein-Kette wieder aufgebaut und zum Wochenanfang unter dem Jubel Zehntausender umgestürzt. Freilich wurden dafür keine echten Steine benutzt, sondern Blöcke aus Styropor. Kurz darauf stellten ein Wuppertaler Ästhetik-Professor und ein Hallenser Künstler auf der Wartburg nach, wie Martin Luther den Teufel verjagte. Der R...

ndPlusJürgen Amendt

Einsteins Erben

Der Hinweis, Einstein und Goethe seien Deutsche gewesen, nutze uns heute nicht viel, meinte gestern DGB-Chef Michael Sommer auf einer Bildungskonferenz seiner Organisation in Berlin. »Goethe und Einstein sind schon lange tot.« Das war an die anwesende Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) gerichtet und sollte soviel heißen wie: Es kommt darauf an, Politik für die Zukunft zu machen, statt ...

Universitäten in Aufruhr
Martin Kröger

Universitäten in Aufruhr

Die Bildungsproteste aus Österreich schwappen immer stärker nach Deutschland über. An über 20 Orten in der Republik haben Studierende inzwischen Hörsäle besetzt – für kommenden Dienstag planen sie Großdemonstrationen und danach wochenlange Aktionen.

ndPlusRené Heilig

Guttenberg zum Antrittsbesuch im Krieg

Der neue Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) flog am Donnerstag – wie es hieß – »überraschend« nach Afghanistan. Logisch, wo kann er seine Truppe kennenlernen, wenn nicht im Einsatz?

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Verdrängte Ansprüche
ndPlusReinhart Kößler

Verdrängte Ansprüche

2004 schien es so, als würde der 100. Jahrestag der Kolonialkriege in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, wirklich etwas in Bewegung setzen. Damals entschuldigte sich Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul bei der Gedenkfeier auf dem Schlachtfeld von Ohamakari für die deutschen Kolonialverbrechen. Ein Tabubruch: Bei Besuchen von Bundeskanzler Kohl und Bundespräsident Herzog waren sie noch ...

Martin Ling

Armes, reiches Afrika

Der afrikanische Kontinent ist in den vergangenen zehn Jahren wieder verstärkt in den Fokus der deutschen und der EU-Politik geraten. Das liegt zum einen am globalen Wettlauf um die Rohstoffe, zum anderen an so genannten Sicherheitsinteressen wie dem Kampf gegen den Terror und die Migration.

Joachim Zeller

Mohren und Elefanten

Zivilgesellschaftliche Initiativen bemühen sich, Kolonialdenkmäler als »antikoloniale Mahnmale« umzuwidmen und Straßen umzubenennen. Wer sich auf Spurensuche begibt, der findet noch so manches Denkmal, das an die imperiale Überseeherrschaft Deutschlands erinnert. Es kann sich dabei um Monumente traditionellen Typs oder um Straßennamen handeln. Das größte dieser Kolonialdenkmäler befindet sich in B...

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Anke Engelmann

Weißer Fleck im schwarzen Nebel

Mit dem Mammografie-Screening hat sich die Brustkrebs-Früherkennung erheblich verbessert. Der Preis dafür sei eine hohe Zahl falsch positiver Befunde, meinen Kritiker. Einige fordern, Magnetresonanzverfahren sollten den Röntgenbefund ergänzen.

Kathrin Zeiske, San Salvador

»Sie sind einfach in die Tiefe gestürzt«

Der Hurrikan Ida hat Tod und Zerstörung über die Menschen in El Salvador gebracht. Nach jüngsten Behördenangaben wurden in den Schlammlawinen und den Fluten angeschwollener Flüsse am vergangenen Wochenende mindestens 152 Menschen getötet. 60 weitere würden noch vermisst.

Seite 4
ndPlusUwe Kalbe

Zuckerli für die Klientel von Schwarz-Gelb

Wer den Debatten im Bundestag lauscht, dem klingen derzeit die Ohren. Die Fraktionen der Opposition, in den vergangenen Jahren auf wechselnden Seiten der politischen Barrikaden, sprechen wie aus einem Munde – gestern bei der Kritik am sogenannten Wachstumsbeschleunigungsgesetz der neuen Bundesregierung.

Klassenkampf im Gesundheitswesen

Gegen den geschlossenen Widerstand der Opposition will Gesundheitsminister Philipp Rösler die gesetzliche Krankenversicherung umkrempeln.

Hendrik Lasch

Den Gegner nicht länger als Feind sehen

Sachsens Union soll beim Umgang mit der LINKEN von Brandenburg lernen. Das rät der Historiker Gerhard Besier, den die CDU einst ins Land holte und der für die Genossen im Landtag sitzt.

Seite 5

Für mehr Mitbestimmung

Mainz (dpa/ND). Kinder bestimmen in der Schule und an ihrem Wohnort viel zu wenig mit. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie, die am Donnerstag in Mainz bei einer Tagung des ZDF zur gesellschaftlichen Teilhabe von Kindern vorgestellt wurde. Danach findet der Nachwuchs zwar, daheim viel mitbestimmen zu können (53,8 Prozent), in der Schule jedoch nur wenig (60,4 Prozent) oder gar nicht ...

Grundsicherung gegen Kinderarmut

Nürnberg (epd/ND). Sozialwissenschaftler haben sich für eine transparente Ermittlung des Existenzminimums ausgesprochen. »Künftig darf es keine willkürliche Festlegung der Mindestsicherung in politischen Hinterzimmern geben«, sagte der Darmstädter Professor Walter Hanesch am Donnerstag bei der Fachmesse »ConSozial« in Nürnberg. Er warf den Politikern vor, »Zahlenkosmetik zu betreiben« statt wirksa...

Silvia Ottow

Freitod auf den Bahngleisen

Laut Statistik wird jeder Lokführer einmal in seinem Berufsleben damit konfrontiert, während der Arbeit einen Menschen zu überfahren. Die Zahl der Schienensuizide wird mit ca. 800 bis 900 jährlich angegeben. Viele Lokführer werden nach diesem Schock psychisch krank. Seit einigen Jahren gibt es spezielle Hilfe.Ralf Pasewald, heute bei der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (ODEG) beschäftigt, hat e...

Seite 6

Nicaragua: EU-Politiker ausgewiesen

Managua (AFP/ND). Der niederländische EU-Abgeordnete Hans van Baalen ist nach scharfer Kritik am nicaraguanischen Präsidenten Daniel Ortega des Landes verwiesen worden. Die Regierung in Managua forderte van Baalen wegen Einmischung in innere Angelegenheiten zur Ausreise auf. Der EU-Parlamentarier hatte die Pläne Ortegas angeprangert, sich durch eine Verfassungsänderung eine zweite Amtszeit in Folg...

ndPlusKay Wagner, Brüssel

Asthma lauert im Klassenraum

Immer mehr Kinder in Europa leiden unter Erkrankungen der Atemwege. Die EU-Kommission reagiert und lässt jetzt die Luft von Schulinnenräumen untersuchen. Dort lauern Erreger, über die man kaum etwas weiß.

Europa soll sich der Armut stellen
Gerd Dolge, Brüssel

Europa soll sich der Armut stellen

Das Jahr 2010 ist zum »Europäischen Jahr gegen Armut« erklärt worden. Allerdings besteht die Gefahr, dass daraus reine Symbolik wird. Daher organisierte die linke GUE/NGL-Fraktion im Europäischen Parlament die Konferenz »Stand up against poverty now!« zur gemeinsamen Vorbereitung von sozialen Aktionen mit der Euromarsch-Bewegung.

Gregor Putensen

Schweden streitet um Bau der Ostsee-Pipeline

Nachdem Dänemark im Oktober sein Plazet zum Bau der Ostsee-Pipeline gegeben hatte, folgten Anfang November auch die Zustimmungen der Regierungen Finnlands und Schwedens. Während dies in Finnland ohne Aufregung zur Kenntnis genommen wurde, rief die Entscheidung der Regierung in Stockholm Proteste hervor.

Neue Blasen, neue Regeln
ndPlusJürgen Klute

Neue Blasen, neue Regeln

Die Frage, wie es nach der Krise mit den Finanzmärkten weitergehen soll, wird heiß diskutiert. Glaubt man den Erklärungen von Merkel & Co, etwa nach dem G 20-Gipfel in Pittsburgh, sind große Reformen zu erwarten, müssen sich Banken, Hedge-Fonds und ihre großzügig dotierten Manager künftig warm anziehen. Doch weil politische Entscheidungen nicht in Talkshows oder Pressekonferenzen gefällt werde...

Seite 7

Clinton fordert Freilassung Aung San Suu Kyis

Manila (dpa/ND). US-Außenministerin Hillary Clinton hat erneut die bedingungslose Freilassung der bekanntesten Dissidentin von Myanmar (Burma), Aung San Suu Kyi, gefordert. Ohne ihre Teilnahme seien die für nächstes Jahr versprochenen Wahlen in dem vom Militär regierten Land nicht glaubwürdig, sagte Clinton am Donnerstag in Manila. »Wir sehen keine Grundlage für ihre jahrelange Haft, und sehen als...

Illegale Gefängnisse

Peking (dpa/ND). Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch hat die Existenz geheimer Gefängnisse in China kritisiert, in denen Bürger über Tage oder Wochen illegal festgehalten werden. In einem Bericht dokumentiert die in New York ansässige Organisation, wie aufmüpfige Bürger in Peking und anderen Städten gewaltsam entführt und in »schwarze Gefängnisse« (Heiyu), wie Chinesen sie auch nennen, ges...

Exgeneral verurteilt

Den Haag (dpa/ND). Für seine maßgebliche Rolle bei der Belagerung von Sarajevo während des Bosnienkrieges ist der frühere bosnisch-serbische General Dragomir Miloševic rechtskräftig zu 29 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Mit dieser Entscheidung bestätigte die Berufungskammer des Internationalen Strafgerichtshofes für Exjugoslawien am Donnerstag in Den Haag ein bereits 2007 gegen den Angekl...

ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Russland soll Weltmacht auf neuer Grundlage werden

Russland soll nach dem Willen von Präsident Medwedjew wieder eine starke Weltmacht werden. Dafür müsse das Land seine »chronische Rückständigkeit« überwinden und »grundlegend modernisiert« werden, sagte Medwedjew am Donnerstag im Kreml bei seiner Rede an die Nation.

Seite 8
ndPlusOlaf Standke

Fehlende Opferhilfe

Die gute Nachricht zuerst: Seit der Vertrag von Ottawa über ein Verbot von Anti-Personenminen vor einem Jahrzehnt in Kraft getreten ist, ging der Einsatz dieser heimtückischen Waffen deutlich zurück. So das Fazit des gestern in Genf präsentierten »Landmine Monitor Report 2009«. Erfreulich auch, dass weltweit Millionen Minen und Streubomben vernichtet und so viele frühere Einsatzgebiete geräumt wer...

ndPlusRené Heilig

Und sie bewegt sich doch!

Die Erkenntnis, dass das »Afghanistan-Problem« nicht mit Militär gelöst werden kann, ist so gesichert wie Galileo Galileis Theorie über die Erdbewegung. Doch wie einst die herrschende Kirche haben sich bisher alle befassten Bundesregierungen gegen diese Logik gestemmt. Nun jedoch – und hier ist das Gleichnis zu modifizieren – kann man Galileis Ausruf auf die Bundesregierung anwenden: U...

ndPlusUwe Kalbe

Feldherren-Los

Franz Müntefering hat allen Grund, beleidigt zu sein. Dass ihn der heute beginnende Parteitag der SPD als Vorsitzenden entsorgen wird, wäre nur gerecht, wenn man ihm zugleich vorwerfen würde, die Partei auf einen falschen Weg geführt und an ihrem Niedergang schuld zu sein. Das wirft Müntefering aber niemand vor, jedenfalls nicht laut. Die SPD habe allen Grund, auf die vergangenen elf Regierungsjah...

ndPlusMichael Kegler

Umstritten

1998 ließ Baltasar Garzón, Ermittlungsrichter an einem zentralen Gerichtshof Spaniens, die Baskische Zeitung »Egin« sowie deren Radiosender schließen. Die Redakteure Jabier Salutregi und Teresa Toda wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt. Elf Jahre später wurden seine Urteile vom obersten Gerichtshof Spaniens kassiert, seine Methoden für illegal erklärt. Die beiden Journalisten sitzen weiter im Ge...

Wende in den Absturz
Harry Nick

Wende in den Absturz

In den vom Zeitgeist so sehr bemühten Wende-Erinnerungen hätte auch an das Schicksal der ostdeutschen Industrie erinnert werden müssen. Deren Absturz in den Jahren 1990/92 ist schließlich der spektakulärste Vorgang in der Wirtschaftsgeschichte der Neuzeit: Mitten in Europa und mitten im Frieden wurden über zwei Drittel des Industriepotenzials brachgelegt. Das hatte es selbst im Gefolge der Weltkri...

Seite 9

Warum Wuppertal?

Wuppertal, räsonierte VBB-Chef Hans-Werner Franz gestern leicht fassungslos, Wuppertal! Welchem Hirn wohl so etwas entsprungen sei. Zur Erklärung: Wer seine Geldbörse oder Reisetasche in der S-Bahn verloren hat, muss sie sich demnächst vom Zentralen Fundbüro der Bahn in Wuppertal abholen. Oder sie sich kostenpflichtig zuschicken lassen. Absurd, meint der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berli...

Martin Kröger

Protestieren und streiken wie in Österreich

Die bronzene Büste Georg Wilhelm Friedrich Hegels hat Patina angesetzt – seit 1872 gibt es das Denkmal des brillanten Dialektikers auf einem kleinen Platz hinter der Humboldt-Universität. Studierende haben der Philosophen-Büste einen Zettel anklebt: »Bildungsstreik 2009. HU-Berlin besetzt. Wir sind hier, wo seid ihr?!« ist auf einem knallorangen Zettel zu lesen. Um 14 Uhr ist man schon mal s...

S-Bahn-Chaos kostet 160 Millionen
Bernd Kammer

S-Bahn-Chaos kostet 160 Millionen

Die Krise der Berliner S-Bahn dauert bereits fünf Monate an, und sie wird weitreichende Folgen haben – So will fast jeder zehnte berufstätige S-Bahn-Nutzer – etwa 60 000 Kunden – sich künftig keine Zeitkarte mehr kaufen, weitere 25 000 wollen aufs Auto umsteigen. Das ist Ergebnis einer Untersuchung des Berliner IGES Instituts, das Ende September/Anfang Oktober rund 1000 Berliner ...

Seite 10

Konrad Knebel erhält Preis für Lebenswerk

(dpa). Der Berliner Maler Konrad Knebel erhält den Hannah-Höch-Preis 2009. Der 1932 in Leipzig geborene Künstler wird mit dem Preis des Landes Berlin für sein Lebenswerk geehrt. Kulturstaatssekretär André Schmitz würdigte Knebel am Donnerstag als einen Künstler, der »in seinen Bildern die Gesichter Berlins, allerdings nicht die menschlichen«, porträtiere. Im Mittelpunkt seiner Bilder stehen Gebäud...

ndPlusTom de Meller

Angekündigt

Vor 100 Jahren warnte jeder Vater unter Androhung von Prügelstrafe und Geldentzug Sohn oder Tochter davor, Bohemien zu werden. Die in den 50er und 60er Jahren beginnende Populärkultur ließ das freie, künstlerisch angehauchte Leben als erstrebenswert erscheinen. Vor 20 Jahren erklärten ein paar Wirtschaftsgurus diese alle Risiken auf den Einzelnen abladende Lebensform zum Musterbeispiel an Effizien...

Anouk Meyer

Ausverkaufte Märchentage

Dass Politiker oft Märchen erzählen, wissen wir. Meistens geht es dabei um Steuersenkungen, sichere Renten und andere falsche Versprechen. Anders derzeit: Im Rahmen der 20. Berliner Märchentage, die noch bis 22. November andauern, dürfen Politiker, aber auch Künstler und Schauspieler nach Herzenslust Märchen erzählen. So wie Finanzsenator Ulrich Nußbaum, der am kommenden Freitag vor Berliner Schül...

Künstlerische Kartografie
Tom Mustroph

Künstlerische Kartografie

Vor zwei Jahren war Julie Mehretu dem Himmel über Berlin sehr nahe. Jetzt ist das, was die in Äthiopien geborene und hauptsächlich in den USA lebende Künstlerin aus der Vogelperspektive ihres Dachateliers im Stadtteil Wedding an Hausfassaden und Straßenrastern gesehen hat, in Form großformatiger und mit vielen Schichten bedeckter Leinwände in die Stadt zurück gekehrt. »Grey Area« ist eine beeindru...

ndPlusKlaus Tessmann

Ganovenversammlung im Gutshaus Mahlsdorf

Dichte Rauchschwaden ziehen durch das Gründerzeitmuseum. Die Mulackritze im Keller des Museums ist wieder zum Treffpunkt der Berliner Ganoven geworden. Sie sitzen dicht gedrängt um den Tisch herum, begießen mit Schnaps und Bier ihren letzten Bruch und zahlen in die Vereinskasse ein. Ein TV-Kamerateam drehte an zwei historischen Schauplätzen einen Beitrag über die Geschichte der Ring- und Sparverei...

Seite 11

Bäume und Braten

(ND). Die Berliner Forsten bieten in der Adventszeit die Gelegenheit, sich unter anderem einen Weihnachtsbaum zu schlagen oder einen Weihnachtsbraten von Wildschwein und Reh aus dem Berliner Wald zu kaufen.Wie die Forsten gestern mitteilten, gebe es bereits am kommenden Samstag, dem 28. November, im Forstamt Tegel an der Ruppiner Chaussee 78 von 14 bis 18 Uhr neben Informationen rund um den Berlin...

Nicole Grün, dpa

Die Macht des Recken Ohrion

Rund 34 000 Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren sind in Deutschland süchtig nach Computerspielen. Experten sprechen von einer sich schnell ausbreitenden Gefahr, der viele Erwachsene hilflos gegenüber stehen.

ndPlusAndreas Heinz

360 000 sitzen in der Schuldenfalle

Beim Schuldenabbau sind die Berliner Spitze. »Mit einer Quote von 12,1 Prozent wurde in der Hauptstadt gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang von 1,8 Prozent verzeichnet«, gab Creditreform-Geschäftsführer Jochen Wolfram gestern bekannt. Die Wirtschaftsauskunftei stellte den Schuldneratlas für 2009 vor. Die Lage sei entspannt, aber deswegen gebe es keinen Grund zur Euphorie. Deutschlandweit liege Berli...

Seite 12

Verbindliche Arzttermine für Kinder

Erfurt (dpa/ND). Familien in Thüringen werden künftig verbindlich zu Früherkennungsuntersuchungen ihrer Kinder eingeladen. Das dafür zuständige Vorsorgezentrum für Kinder nehme in diesen Tagen seine Arbeit auf, teilte das Sozialministerium am Donnerstag in Erfurt mit. Das beim Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz angesiedelte Zentrum schreibt die Eltern an, teilt ihnen die fä...

Wilfried Neiße

Von der doppelten Staatsgründung

Großer Bahnhof bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg. Gestern begann und heute noch findet statt ihr 13. Potsdamer Kolloquium zur Außen- und Deutschlandpolitik mit hochkarätiger Besetzung statt. Die diesjährige Veranstaltung steht unter dem Titel: »Von der ›doppelten Staatsgründung‹ zur ›europäischen Zentralmacht‹ – Deutsch-deutsche Außenpolitik von 1949 bis heu...

Rauchmelder-Pflicht im Nordosten

Schwerin/Rostock (dpa/ND). Kurz vor der Rauchmelder-Pflicht in Wohnungen in Mecklenburg-Vorpommern ist laut Mieterbund noch immer umstritten, wem diese Pflicht nun eigentlich zukommt.Laut Landesbauordnung ist der Besitzer der Wohnung verpflichtet, diese bis Jahresende mit Rauchwarnmeldern auszustatten. Besitzer der Wohnung seien aber sowohl Mieter als auch Vermieter, sagte Mieterbund-Geschäftsführ...

Christine Tscherner, dpa

Knackarsch statt Nacktarsch

Die Marke »Kröver Nacktarsch« machte den beschaulichen Weinort Kröv an der Mosel vor 50 Jahren berühmt. Der entblößte Knabenpo auf dem Wein-Etikett stand für Weinseligkeit und günstig-süffigen Massenwein aus Deutschland. Weg mit dem Kitsch-Image, sagt sich die neue Winzergeneration und versucht erfolgreich mit Können bei Kennern zu punkten.

ndPlusMarina Mai

Residenzpflicht mit Fantasie aushöhlen

Der Berliner Senat und die Brandenburger Landesregierung können die Residenzpflicht nur für Asylbewerber abschaffen. Für geduldete Flüchtlinge ist dies juristisch nicht möglich. Das ist das Resümee eines Fachgespräches der Flüchtlingsräte Berlin und Brandenburg sowie des gemeinsamen Landesmigrationsrates am Mittwochabend.»Geduldete sind aber der Großteil der gegenwärtig von der Residenzpflicht Bet...

ndPlusMirko Knoche, Hamburg

Die Heuschrecke schwirrt ab

Die Stadt Hamburg hat sich mit dem niederländischen Investor Hanzevast offenbar weitgehend über den Rückkauf des von Künstlern besetzten Gängeviertels geeinigt. Damit könnten die Abrisspläne vom Tisch sein.

Die weißen Flecken der Grünen
ndPlusAndreas Fritsche

Die weißen Flecken der Grünen

Dass den Grünen mit 5,7 Prozent der Einzug in den Landtag nach 15 Jahren draußen endlich gelang, brachte der Umweltpartei den erhofften Schub. Der Mitgliederzuwachs in der kurzen Zeit seit dem 27. September beträgt immerhin 2,1 Prozent, rechnete Landesgeschäftsführer Julian Zurek aus. Klein ist der Landesverband freilich noch immer. 776 Grüne gibt es jetzt.Noch mehr Zuspruch und noch mehr Zulauf, ...

Seite 13
Maulkorb

Maulkorb

Die Forderung nach einem Maulkorb ist für Frankreichs Kulturminister Frédéric Mitterrand kein Grund zum Eingreifen. Der Regierungsabgeordnete Eric Raoult hatte eine »Pflicht zur Zurückhaltung für die Goncourt-Preisträger« verlangt. Er zielt damit auf die Kritik der neuen Preisträgerin Marie NDiaye (Foto: AFP) an der Einwanderungspolitik des Präsidenten Nicolas Sarkozy. Die in Berlin lebende Schrif...

ndPlusRoberto Becker

Eine Chance für Salome

Peter Konwitschnys Art von Werktreue richtete sich stets weniger nach der Aufführungspraxis einer Oper und nicht einmal immer nach dem Wortlaut des Librettos. Mehr kommt es diesem Regisseur auf den Geist eines Stückes an, auf seine in unsere Gegenwart gerichtete Relevanz. Dass er damit polarisiert, hat auch damit zu tun, dass er sich auf oft verblüffende Weise mit dem Komponisten verbündet. Man ka...

Hans-Dieter Schütt

Schmerz gehört zur Hoffnung

Die erzählerische Fülle dieses Briefbandes ist enorm. Es werden die Ehepaare Karola und Ernst Bloch, Johanna und Jürgen Teller in gegenseitiger An-Rede lebendig, das kann nicht annähernd hier beschrieben werden. Nur als Fazit: Welch ein schöner Aufwand des Schreibens! Aus Buchstaben Begegnungen werden zu lassen, als gehe da keine Schrift, sondern tatsächlich ein Gespräch durch die Mauer! Und ohne ...

Seite 14

Quergelesen

Fehler passieren allen Menschen, die meisten Fehler aber machen wir beim Schreiben und Reden. Die menschliche Kommunikation ist sozusagen von Natur aus anfällig für Fehler. Der Journalist und Pulitzer-Preisträger Joseph T. Hallinan geht in seinem jetzt auch auf Deutsch erschienenen Buch »Lecht oder rings. Warum wir Fehler machen« (Ariston-Verlag, München 2009, 256 Seiten, 18,95 Euro) diesem Phänom...

Bildungssplitter

Hamburg (dpa/ND). Die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss geht bundesweit langsam zurück. 2008 lag die Schulabbrecherquote bei 7 Prozent – 2001 betrug sie noch 9,7 Prozent. Das zeigt eine Auswertung von Daten der Statistischen Landesämter durch dpa-RegioData. Betroffen waren im Entlassjahr 2008 insgesamt 64 400 Schüler. Experten sehen den Rückgang vor allem im Zusammenhang mit de...

Versäumter Wechsel im System
Detlef Träbert

Versäumter Wechsel im System

Vor gut einer Woche sprach NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) auf Einladung der »Landeselternschaft Grundschule« in Dortmund zum Thema »Länger gemeinsam lernen«. Allerdings verwendete sie nicht eine Minute ihres Auftritts darauf, etwas zur Frage des gemeinsamen Lernens über die Grundschulzeit hinaus zu sagen. Stattdessen referierte sie über die Reform der »inneren Struktur« der Grundschule u...

ndPlusKai Walter

Lernen mit Energie

»Energie – aber wie? Von den grenzenlosen Folgen des globalen Energiehungers« lautete das Thema des diesjährigen Berliner Entwicklungspolitischen Bildungsprogramms (benbi). Fünf Tage lang praktizierten vergangene Woche Schüler und Lehrer gemeinsam globales Lernen.

Guido Sprügel

Inklusive Bildung nicht inklusive

Der Ruf nach der schulischen Integration behinderter Kinder und Jugendlicher in die Gesellschaft ist schon alt. Bereits vor mehr als 30 Jahren forderten Eltern behinderter Kinder die Abschaffung der Sonderschulen und die Integration ihrer Kinder in die allgemeine Schule. Die Universitäten bemühten sich seither ebenfalls, die angehenden Pädagogen, vornehmlich jedoch die Sonderpädagogen, für einen P...

Seite 15

Düstere Aussichten für Q-Cells

Thalheim (dpa/ND). Der börsennotierte Solarzellenhersteller Q-Cells aus Thalheim steckt weiter in den roten Zahlen: Das Unternehmen hat auch das dritte Quartal mit einem extrem hohen Verlust abgeschlossen. Hoffnung auf schnelle Besserung besteht wegen des weiterhin schwierigen Marktumfeldes nicht, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Im dritten Quartal lag der operative Verlust (EBIT) mit 163,...

Josefsson unter Druck

Stockholm (dpa/ND). Nach den Pannenserien in norddeutschen Vattenfall-Atomkraftwerken und zuletzt eingebrochenen Gewinnen wackelt der Chefstuhl von Lars G. Josefsson (59) beim schwedischen Energiekonzern. Zeitgleich mit ersten Rücktrittsforderungen aus Politik, Medien und Gewerkschaften bekannte Josefsson am Donnerstag in einem Beitrag für die Zeitung »Dagens Nyheter«: »Vattenfall hat selbst eine ...

Peter Nowak

Neue Protestformen finden

Am Wochenende tagt im Stuttgarter Gewerkschaftshaus die Aktionskonferenz »Wir zahlen nicht für eure Krise«. Gewerkschafter, soziale Initiativen und Erwerbslosengruppen wollen dort über die Chancen außerparlamentarischer Bewegungen unter Schwarz-Gelb reden.

ndPlusGeorg Ackermann, Singapur

Asien wappnet sich

Die asiatischen und pazifischen Länder wollen gemeinsam gegen den Klimawandel und seine Folgen vorgehen. Erste Beschlüsse wurden bereits gefasst. China als größter Emittent von Treibhausgasen plant erstmals, seinen Kohlendioxidausstoß zu verringern.

Seite 16

Die Lücke ist kleiner geworden

Von den knapp 1,5 Millionen Ostdeutschen, die seit 1990 in den Westen zogen, war bis 2005 ein knappes Drittel zurückgekehrt, zeigt eine Studie im Auftrag der Hans-Boeckler-Stiftung. Rund die Hälfte der Menschen, die von den alten in die neuen Länder umziehen – in letzter Zeit gut 45 000 pro Jahr –, sind solche Rückwanderer. Ostdeutsche Arbeitgeber stellten den »Re-Migranten« ein gutes ...

ndPlusHans-Gerd Öfinger

Opel den Opelanern

Es war ein verlorenes Jahr – dieses Wort geht vielen Opelanern über die Lippen, die sich um ihre Hoffnung auf eine Zukunft ohne den US-Mutterkonzern GM betrogen sehen. Wie von Kritikern befürchtet, hatten Spitzenpolitiker, die sich von der Belegschaft als »Held der Arbeiterklasse« feiern ließen, vor allem den Wahltag im Sinn. Sie stehen bestenfalls als Scharlatane da. Dass Betriebsratschef K...

ndPlusVelten Schäfer

Ein Mann mit einem Auftrag

Seit das US-Repräsentantenhaus vor wenigen Tagen der Gesundheitsreform zustimmte, sind die USA – wenn auch das Senatsvotum noch aussteht – einer Krankenversicherung für alle so nahe wie noch nie. Dieser Teilsieg Obamas ist auch ein Sieg für Richard Trumka. Der im September neugewählte Chef des US-Gewerkschaftsdachverbandes AFL-CIO (American Federation of Labor – Congress of Indus...

Albert Sterr

Zivilstreik gegen Massenentlassungen

Zum ersten Mal seit Beginn der Privatisierungsoffensive in den 1980er Jahren gruppiert sich in Mexiko eine sozialpolitische Kraft, die sich dem Neoliberalismus mit Aussicht auf Erfolg entgegenstellen kann.

Seite 17
Gabriele Oertel

Ein Spagat zwischen Lob und Kritik

Niemand zweifelt, dass es ab heute in Dresden beim SPD-Parteitag heiß hergehen wird. Wie viel sich in der Debatte um den Ausweg aus der Krise der Partei allerdings denn doch in heißer Luft auflöst, wird sich am morgigen Samstag zeigen. Da nämlich haben die 525 Delegierten über den Leitantrag der Parteispitze zu befinden, der vielen Genossen jedoch nicht weit genug geht.

Konsequent für den Markt
Edelbert Richter

Konsequent für den Markt

Natürlich wäre es schön, wenn die SPD ihren bisherigen Kurs korrigieren würde. Ich bin allerdings skeptisch, wie weit ihr das gelingen kann. Denn angesichts dessen, was wir in der Zeit ihrer Regierung bzw. Mitregierung erlebt haben, müsste sie ja geradezu eine Umkehr vollziehen. Hinzukommt, dass die Politik, die sie in diesen Jahren gemacht hat, keineswegs so erschreckend neu war, wie sie vielen e...

Seite 19

Einwurf

So sehr der Akt der Selbsttötung von Robert Enke allseits abgelehnt wird, versucht doch jeder seine Beweggründe zu verstehen. Just als er sich zu Deutschlands Nummer eins hochgekämpft hatte, kam offenbar ein neuer depressiver Schub, der nach Aussagen seines Arztes am besten stationär behandelt worden wäre. Doch das lehnte Enke ab, unter anderem aus Angst davor, seine Krankheit würde öffentlich wer...

Turbine und Duisburg im Viertelfinale

Frauenfußballmeister Turbine Potsdam und UEFA-Pokalsieger FCR Duisburg sind ins Champions-League-Viertelfinale eingezogen, der FC Bayern München dagegen ausgeschieden. Nach dem 1:0-Heimsieg im Hinspiel gewann Potsdam das Rückspiel am Mittwochabend bei Brøndby IF Kopenhagen mit 4:0. Duisburg siegte 2:0 bei Linköpings FC (Hinspiel 1:1). Der deutsche Vizemeister aus München dagegen verlor sein Heimsp...

ndPlusTom Vaagt, SID

Seelsorger für Enkes Kollegen

Der Trainingsplatz blieb verwaist, der graue Himmel und der Nieselregen passten ins Bild: Auch zwei Tage nachdem sich Torhüter Robert Enke das Leben nahm, herrschen bei Hannover 96 Trauer und Verzweiflung. »Derzeit habe ich nicht das Gefühl, dass die Mannschaft für ein Bundesligaspiel bereit wäre. Das Ganze hat die Spieler umgehauen«, sagte Sportdirektor Jörg Schmadtke, der mit der Deutschen Fußba...

Vorm Start kribbelt es immer

Die 1982 in Zwickau geborene CATHLEEN MARTINI gilt seit Jahren hinter Sandra Kiriasis als Nummer zwei im deutschen Frauenbobsport. Die zweifache Europameisterin und achtfache Weltcupsiegerin will spätestens bei ihren ersten Olympischen Spielen im Februar die gesamte Weltelite erstmals auch bei einem Großereignis schlagen. Vor dem heutigen Saisonauftakt in Park City sprach OLIVER HÄNDLER mit der Fahrerin des SC Oberbärenburg über ihre Verletzung im Sommer, eine neue Anschieberin und die Angst vor schnellen Bahnen.

ndPlusVolker Stahl

Kult und Klischee

»Offenheit, Toleranz, Vielfalt und Abneigung gegen den Fußball in seiner hyperkommerzialisierten Form« – für dieses Werte steht der FC St. Pauli, sagt dessen Vize-Präsident Dr. Bernd-Georg Spies anlässlich der Vorstellung des Buchs zum 100-jährigen Vereinsjubliäum. Der »etwas andere Verein« mit dem Totenkopfsymbol auf den Fahnen feiert im Mai 2010 runden Geburtstag. Die Verlage ließen die Dr...