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Unten links

Die Deutschen arbeiten im Wochendurchschnitt länger als Menschen in den meisten EU-Ländern. Der Eindruck ergibt sich wahrscheinlich auch daraus, dass in Deutschland sogar Fußball nicht gespielt, sondern ebenfalls – gearbeitet wird. Nie weiß man hierzulande, wann die Rackerei ein Ende hat: Witzig klingt bei uns nicht zufällig wie schwitzig – richtiger Spaß fängt erst dort an, wo der Spa...

ndPlusKurt Stenger

Schmutziges Schuldenspiel

Es ist das immer gleiche schmutzige Spiel: Wird die Finanzlage eines wirtschaftlich schwachen Landes prekär, lockt dies Spekulanten an, die die Schuldenkrise gefährlich verschärfen. Auf Druck internationaler Finanzinstitutionen wie dem IWF reagiert die Regierung mit harten Sparmaßnahmen, die kurzfristig die Schuldenbedienung ermöglichen sollen, aber gleichzeitig eine wirtschaftliche Gesundung auf ...

»Herber Verlust für Christen in Deutschland«

Nach nur vier Monaten an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat die Ratsvorsitzende Margot Käßmann ihren Rücktritt erklärt. Zugleich legte sie am Mittwoch mit sofortiger Wirkung ihr Amt als hannoversche Landesbischöfin nieder.

Anke Stefan, Athen

Griechen trotzen Diktat der EU

Stillstand in Griechenland: Eine Welle von Streiks gegen die Sparmaßnahmen von EU und Regierung legte am Mittwoch den Verkehr im Land lahm. Eisenbahn, Flughäfen und Fähren waren von dem Ausstand betroffen. Am Nachmittag demonstrierten mehrere zehntausend Menschen, vor allem Staatsbedienstete, aber auch Rentner und Studenten.

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Krise lässt Defizite anschwellen

Wiesbaden (dpa/ND). Der deutsche Staatshaushalt ist im Krisenjahr 2009 tief in die roten Zahlen gerutscht. Das Defizit betrug 79,3 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Demnach betrug das Defizit des Bundes 39,6 Milliarden Euro, das der Länder 20,2 Milliarden Euro, das der Gemeinden 7,5 Milliarden Euro und das der Sozialversicherung 12,1 Milliarden Euro. Die gesamt...

ndPlusKurt Stenger

Zumutungen nehmen überhand

Seit Anfang dieser Woche steht der griechische Staatshaushalt auch ganz praktisch unter Kuratel: Finanzexperten der EU, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds begannen zu prüfen, ob durch die angekündigten Sparmaßnahmen Griechenland auf den finanziellen Pfad der Tugend zurückkehren wird. Wenn nicht, droht die EU weitere Sparmaßnahmen zu verordnen, obwohl schon die bishe...

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Die Nation als Marke
Oliver Händler, Vancouver

Die Nation als Marke

»Hier dreht sich alles um Nation Branding. Wissen Sie, was das ist?«, fragt Xenia Schlegel. Die Gesichter, in die sie blickt, sehen ratlos aus. Schnell redet die Marketingchefin des Schweizer Hauses in Vancouver weiter, all die Sätze, die nun folgen, sitzen perfekt. Sie wechselt spielerisch zwischen Englisch, Deutsch und Schwyzerdütsch, je nachdem, wer ihr gerade eine Frage stellt. »In den 90er Ja...

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Martin Ling

Brüchige Abkommen

Ban Ki Moon liegt nicht ganz falsch. Der UNO-Generalsekretär lobte den Waffenstillstand zwischen der sudanesischen Regierung und der Rebellenbewegung JEM als wichtigen Schritt zum Frieden in Darfur. Allerdings lag dieser Schritt auf der Hand, während das für die nächsten, die folgen müssen, nicht der Fall ist. Dass die JEM vom tschadischen Präsidenten Idriss Déby protegiert wird, ist bekannt. Und ...

Gabriele Oertel

Befreiungsschlag

Nun werden sie wieder alle ihren Respekt bekunden. Die, denen die couragierte Bischöfin mit ihrer Erdung im ganz normalen Leben ohnehin suspekt war. Und die, denen sie gerade deshalb eine Hoffnung war. Vor dem Abschiedsrespekt von Freund wie Feind kann sich keiner schützen. Wohl aber vor Häme, Argwohn, halbherzigen Vertrauensbekundungen – und Kamerabelagerungen rund um die Uhr. Gerade weil M...

ndPlusOlaf Standke

Tödlicher Boom

Wir hätten zu diesem Zeitpunkt etwas anderes erwartet.« Paul Helmke ist enttäuscht. Der Leiter der Brady-Gruppe hatte wie viele Waffengegner in den USA auf den neuen Präsidenten und die Umsetzung seiner Versprechen gehofft. Im Wahlkampf noch sprach sich Barack Obama für Verbote von Schusswaffen und Munition sowie für eine Anhebung der Waffensteuer um bis zu 500 Prozent aus. Doch nun rüsten die Waf...

Parteisoldat
Aert van Riel

Parteisoldat

Nur einen Tag nachdem Hendrik Wüst, Generalsekretär der CDU in Nordrhein-Westfalen, wegen der Sponsoren-Affäre zurückgetreten war, präsentierte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers dessen Nachfolger. Andreas Krautscheid wird ab dem 7. März Wüst zunächst kommissarisch beerben. In seiner bisherigen Funktion als Landesminister für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien scheint der 49-Jährige ersetzlic...

ABM für Beamte des Kartellamts?

ABM für Beamte des Kartellamts?

ND: Das Bundeskartellamt hat gegen neun gesetzliche Krankenkassen Verfahren eingeleitet. Der Verdacht: Verbotene Kartellabsprachen. Bilden Krankenkassen ein Kartell? Bender: Das ist ein Missgriff des Bundeskartellamtes. Krankenkassen sind keine Ölkonzerne oder Kaffeeröstereien, die ihre Preise nach Angebot und Nachfrage selbst festlegen. Krankenkassen arbeiten mit einem politisch beschlossenen Pre...

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Rüttgers: Nicht käuflich

Köln (AFP/ND). Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hat den Vorwurf der Käuflichkeit vehement zurückgewiesen. »Völliger Quatsch, ein Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen ist nicht käuflich«, sagte Rüttgers der »Bild«-Zeitung. »Das gilt für mich wie für meine Vorgänger.« Anderslautende Behauptungen seien nur der Versuch, vor der NRW-Wahl am 9. Mai billigen Wahlkampf zu ...

Städte pochen auf Gewerbesteuer

Der Deutsche Städtetag hat angesichts der desolaten Finanzlage vieler Städte ein Maßnahmenpaket von Bund und Ländern gegen den weiteren Anstieg von Sozialausgaben und die kommunale Verschuldung gefordert.

Melder unter Münteferings Fußmatte

Hamburg (AFP/ND). Das Privatleben von Spitzenpolitikern ist nach einem Medienbericht zeitweise systematisch ausspioniert worden. Eine Berliner Foto- und Recherchefirma namens CMK habe seit Ende 2008 über Monate hinweg immer wieder den SPD-Politiker Franz Müntefering und seine heutige Frau Michelle Schumann beschattet, berichtete das Hamburger Magazin »Stern«. Anfang 2008 sei der Linkspartei-Vorsit...

ndPlusDieter Hanisch

Linke kriegen keinen Pass

LINKE-Mitglied Jannine Menger-Hamilton wartet seit mehr als zwei Jahren vergeblich auf einen deutschen Pass.

ndPlusSilvia Ottow

Kabinettchen soll Kassen kurieren

FDP-Gesundheitsminister Philipp Rösler hat es endlich geschafft: Die von ihm seit langem angekündigte Regierungskommission zur künftigen Finanzierung des Gesundheitswesens wurde gestern eingesetzt. Sie besteht aus acht Bundesministern, sozusagen dem halben Regierungskabinett.

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Kanzlerin vertraut den Bischöfen

Berlin (epd/ND). Im Streit um die Aufklärung der Missbrauchsfälle hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den katholischen Bischöfen ihr Vertrauen ausgesprochen. Die Kanzlerin habe keine Zweifel, dass die Bischofskonferenz das Thema ernsthaft und gründlich bearbeite, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Mittwoch. Er bestätigte, dass Merkel am Dienstagabend mit dem Vorsitzenden der Deutschen ...

Jürgen Amendt

Nicht jeder darf ein Master werden

Eine Woche vor einem Treffen zwischen Vertretern der Politik, der Hochschulen und Studentenorganisationen hat die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) gestern Bund und Länder aufgefordert, mehr Geld für die Verbesserung der universitären Lehre auszugeben.

Westerwelle unter Beschuss

Von allen Seiten hagelt es Angriffe wegen seiner Hartz-IV-Thesen, seine FDP hängt im Stimmungstief und die Mehrheit der Bürger hält ihn als Außenminister für ungeeignet – Guido Westerwelle hat es derzeit nicht leicht.

Rudolf Stumberger

Der ewige »Florida-Rolf«

Da sind sie wieder – die faulen Arbeitslosen, die es sich in der sozialen Hängematte bequem gemacht haben. In regelmäßigen Abständen hetzen Politiker und Medien gegen vermeintlich Arbeitsscheue. Eine Übersicht.

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Hungerstreikender tot

In Kuba ist der politische Häftling Zapata nach einem 85-tägigen Hungerstreik gestorben. Er war am Dienstag (Ortszeit) aus dem Gefängnis in ein Krankenhaus verlegt worden, konnte aber nicht mehr gerettet werden.

Abkommen für Darfur

Doha (AFP/ND). In der sudanesischen Krisenregion Darfur ist in der Nacht zum Mittwoch ein Waffenstillstandsabkommen in Kraft getreten. Vertreter der sudanesischen Regierung und der Rebellengruppe Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM) unterzeichneten am Dienstag in Katars Hauptstadt Doha ein Rahmenabkommen, das auch direkte Friedensgespräche vorsieht.Die Waffenruhe trete um Mitternacht in...

»Weckruf« der USA an die NATO

Europa steht nach Ansicht des Pentagons militärischen Einsätzen zu ablehnend gegenüber und gefährdet damit Frieden und Stabilität. US-Bürger rüsten sich unterdessen weiter privat auf.

ndPlusManfred Schünemann

Welchen Weg nimmt die Ukraine?

Mit der feierlichen Vereidigung in der Werchowna Rada, dem ukrainischen Parlament, tritt Viktor Janukowitsch am heutigen Donnerstag sein Amt als Präsident der Ukraine an.

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Rasmussen krempelt sein Kabinett um
Andreas Knudsen, Kopenhagen

Rasmussen krempelt sein Kabinett um

Mit der umfangreichsten Regierungsumbildung seit Jahrzehnten hofft Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen, endlich ein Team gefunden zu haben, das sich spätestens im Herbst 2011 den dänischen Wählern überzeugend stellen kann.

ndPlusBenjamin Beutler

»Frau im Rock« an der Justizspitze

Nach der Verabschiedung der Magna Charta zur legislativen »Neugründung Boliviens« im Januar 2009 macht sich die Linksregierung um Präsident Evo Morales nun an die Reform des Justizapparats.

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Paris droht Klage aus Algier

Die Beziehungen zwischen Frankreich und Algerien sind wieder einmal auf dem Tiefpunkt. Jetzt droht Paris sogar eine Klage wegen seiner kolonialen Vergangenheit.

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ndPlusSilvia Ottow

Versicherte dürfen nicht zu Bittstellern werden

Woher soll das Geld für die Einführung einer einkommensunabhängigen Kopfprämie im Gesundheitswesen kommen? Das fragten gestern in Berlin Vertreter der Ersatzkassen, die über die finanziellen Probleme der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) informierten und vor der leichtfertigen Zerschlagung des sozialen Gesundheitssystems warnten.

Anna Maldini, Rom

Katastrophe für Mensch und Tier

»Ökobombe« und »Umweltkatastrophe« – diese Worte beschreiben drastisch, was sich in den letzten Stunden in der Lombardei, nahe der Metropole Mailand ereignet hat: Aus drei Tanks einer stillgelegten Raffinerie sind hunderttausende Liter Heizöl und Dieseltreibstoff in den italienischen Fluss Lambro geflossen.

Vignette in der Schublade
ndPlusErich Preuß

Vignette in der Schublade

In der Lkw-Variante gibt es sie bereits auf deutschen Straßen, die Maut für Pkw soll nach dem Willen der Bundesregierung bald folgen. Die »Allianz pro Schiene« warnt vor Ungerechtigkeit und fürchtet Umweltfolgen.

Hans-Georg Draheim

Von der Flaute in die Stagnation

Nach dem leichten Aufwärtstrend der deutschen Wirtschaft im Sommer 2009 hat die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für 2010 auf 1,4 Prozent angehoben. Doch die leichte wirtschaftliche Erholung setzte sich im vierten Quartal 2009 nicht fort.

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STARporträt

STARporträt

Der US-amerikanische Schauspieler, geboren am 31. 12. 1959 in Los Angeles, gehört zu den produktivsten seiner Generation (Foto: dpa). Seit seinem Debüt 1984 (»Top Secret!«) hat er in etwa 70 Kino- und TV-Filmen gespielt, darunter zahlreiche Hauptrollen. Jetzt ist er als Partner von Nicolas Cage in »Bad Lieutenant« zu sehen. Weltweit bekannt wurde er als Iceman, der sich in »Top Gun« (1986) rasante...

Lebensgeschichten
Hans-Günther Dicks

Lebensgeschichten

Ein Spektrum von Liebe und Leid, Versagen und Vergeben tut sich auch auf im neuen Film von Tamara Trampe und Johann Feindt, obwohl ihr Titel friedlichere Familienverhältnisse verspricht. Im multikulturellen Berlin haben sie »Wiegenlieder« gesammelt, oder richtiger: Erinnerungen von Erwachsenen an die Wiegenlieder ihrer Kindheit. Keine beliebige Straßenbefragung, sondern eine unter Menschen aus ihr...

ndPlusMarion Pietrzok

Traum und harte Wirklichkeit

Film ist ein Traum ... Im Kino kommt der Traum zurück zur Wirklichkeit«, sinniert Contini, der Mann, um den sich alles dreht, zu Beginn des neuen Filmprojekts in Rom, Cinecittà 1965. Es klingt programmatisch. Contini ist ein weltberühmter Regisseur, die Erwartungen sind hoch, die Dreharbeiten sollen beginnen, der Produzent drängt. Contini jedoch, nach zwei Flops, ist mit einer Blockade geschlagen....

Wir haben es irgendwie geschafft

Wir haben es irgendwie geschafft

Martin Scorsese, geboren 1942 in New York und aufgewachsen in Little Italy, schaffte 1976 mit »Taxi Driver« den Durchbruch. Es folgten unter anderem »Wie ein wilder Stier«, »Die Farbe des Geldes«, »Casino«, »Zeit der Unschuld« und »Gangs of New York«. Immer wieder kehrte er zu seinen Anfängen als Dokumentarfilmer zurück. Vor zwei Jahren präsentierte er in Berlin seine Doku über die Rolling Stones. In diesem Jahr kehrte er mit dem Thriller »Shutter Island« zurück, in dem Leonardo DiCaprio einen Mann spielt, der als junger Soldat die Befreiung eines KZs miterlebte und die Erinnerungen nicht los wird.

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Was Positives

Gute Nachrichten präsentiert der Chef gern selbst. Kam der Regierende Bürgermeister schon gern persönlich mit der Bilanz der Leichtathletik-WM, so mit der Tourismus-Bilanz des Jahres 2009 erst recht: »Mal was Positives aus Berlin.« Denn Millionen Übernachtungen sind Millionen Einnahmen. Millionen Besucher kehren, wenn alles gut geht, millionenfach als Werber in alle Welt zurück. Berlin ist eine to...

Studie: Schlechte Aussichten für Berufseinsteiger

(ND-Messaoudi). Flexibel, langjährige Auslandserfahrung und am besten noch Anfang 20. Die Anforderungen an Jugendliche auf dem Arbeitsmarkt sind hart, ihre Chancen hingegen gering. Das ergab eine Studie im Auftrag des Wohnungsunternehmens degewo. »Besonders Berufseinsteiger haben es schwer«, sagte Vorstandsmitglied Frank Bielka am Mittwoch in Berlin. 81 Prozent der Befragten gaben an, dass den Jug...

Bernd Kammer

»Zur Beruhigung der Auftraggeber«

Als Konsequenz aus den gravierenden Wartungsmängeln bei der S-Bahn hat der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Christian Gaebler, angekündigt, Qualitätssicherungsklauseln in den Verkehrsvertrag mit dem Unternehmen aufzunehmen. Der Senat befindet sich derzeit in Nachverhandlungen mit der S-Bahn zum bestehenden Vertrag. Es müsse gesichert sein, dass Wartung und Instandh...

Antje Stiebitz

Ehrlich und wild, cool und günstig

Berlin ist eine Reise wert. Das belegen die neuesten Zahlen des Amts für Statistik. 8,3 Millionen Besucher kamen 2009 in die Hauptstadt. Das entspricht einem Zuwachs von 4,5 Prozent. Die Zahl der Übernachtungen stieg um 6,2 Prozent auf 18,87 Millionen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) freut sich: »Mal was Positives aus Berlin. Trotz der Finanzkrise haben wir das beste Tourismusjah...

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Tobias Riegel

Cyborg mit Schwachstelle

Es war ein unerwartetes Bild der Harmonie: Rapstar 50 Cent und seine G-Unit (Gangster- bzw. Guerilla-Einheit) wiegen sich sanft zu Bob Marleys »Is this Love« und entzünden ihre Grasjoints auf der Bühne: »Berlin, Du musst high werden«, lautete der dazu passende Kiffer-Schlachtruf, der sonst lieber mit automatischen Waffen fuchtelnden bösen Buben aus den USA. Währenddessen flimmerten üppige Marihuan...

Stefan Otto

»Hass-Reggae«

Als die Kulturbrauerei vor einigen Wochen den Auftritt des jamaikanischen Dancehall-Stars Sizzla absagte, war die Freude groß bei den Demonstranten auf der Schönhauser Allee. Sie hatten ihr Ziel erreicht: Der Sänger konnte nicht in Versuchung geraten, auf der Bühne wieder gegen Schwule zu hetzen oder gar dazu aufzurufen, sie umzubringen. Aber hat Sizzla nicht bereits vor drei Jahren den Reggae Com...

ndPlusAnouk Meyer

Sturm und Drang im Theaterlabor

Zwei Stühle und drei halbtransparente Stellwände, mehr Bühnenbild ist nicht. Während das Deutsche Theater die Protagonisten in Schillers »Kabale und Liebe« in und an einem hölzernen Kasten mit unzähligen Türen herumturnen lässt, herrscht bei der Inszenierung des selben Stücks im Ballhaus Ost Minimalismus pur. Unter dem ursprünglichen Titel »Louise Millerin« erzählt Regisseurin Judith von Radetzky ...

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Hamburgs Parteien legen Schulstreit bei

Hamburg (AFP/ND). Hamburgs schwarz-grüner Senat und die Opposition in der Bürgerschaft üben im Konflikt um die umstrittene Schulreform den Schulterschluss. Die Regierungsparteien CDU und GAL sowie die SPD und die LINKE einigten sich am Dienstag darauf, am 3. März gemeinsam eine in mehreren Punkten nachgebesserte Version des Reformgesetzes im Parlament zu verabschieden und auf dieser Basis zusammen...

Hans-Jürgen Neßnau

»Kappe« mit offenen Türen

Vor 17 Jahren gründeten Lehrer und Sozialpädagogen den Verein »Die Kappe« – Verein für soziale Alternativen. Kinder und Jugendliche wollen sie individuell fördern und auf die Zukunft vorbereiten, die Bildungschancen und die sozialen Lebensumstände Heranwachsender aus schwächeren Einkommensschichten verbessern. Der Träger der freien Jugendhilfe präsentiert sich bis einschließlich Freitag mit ...

ndPlusEdgar Neumann, dpa

Mappus will mit Frauen punkten

Mit der Mehrheit der CDU/FDP-Koalition hat der baden-württembergische Landtag am Mittwoch die Regierung von Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) bestätigt. SPD und Grüne votierten gegen das CDU/FDP-Kabinett.

Kreativität wird honoriert
ndPlusAndreas Heinz

Kreativität wird honoriert

Der Einfallsreichtum der Berliner Geschäftsleute ist wieder gefragt. Zum fünften Mal ruft die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) zum Wettbewerb »Mittendrin Berlin!« auf. Bewerbungsschluss ist der 14. Mai 2010, im Sommer 2011 sollen die besten Ideen vorgestellt werden.»Die drei kreativsten Ideen für die Geschäftsquartiere werden mit insgesamt ...

Steffi Bey

Das Viertelfinale auf dem Plattenfest

Was offiziell erst am 11. Juni in Südafrika beginnt, wird in Marzahn-Hellersdorf auf den Mai vorverlegt: Dann findet am östlichen Berliner Stadtrand die »Vorab-Fußball-Weltmeisterschaft« statt. 32 sportbegeisterte Mannschaften werden um die Teilnahme am Viertelfinale spielen. »Die acht besten Teams treten danach im Sommer auf dem ›Plattenfest 2010‹ an«, erklärte gestern Marzahn-Hellers...

Michael Schulze von Glaßer

Zivilisten auf das Schlachtfeld

Die US-Army hat das »Civillians on the Battlefield«-Programm neu ausgeschrieben. Für Mai werden aktuell hunderte Zivilisten gesucht, die als Statisten bei US-Militärübungen dienen sollen.

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Boykott wird ausgeweitet

Straubing/Berlin (ND). 14 Flüchtlinge aus dem Flüchtlingslager im niederbayerischen Bogen (Landkreis Straubing-Bogen) verweigern seit Dienstag die Annahme der Essenspakete.Sie solidarisieren sich damit mit den streikenden Flüchtlingen in den Lagern Hauzenberg und Breitenberg (Landkreis Passau), die vor mehr als einem Monat mit einem Hungerstreik begonnen hatten. Vor zehn Tagen haben sich diese ent...

SPD: Etat solide und gerecht

Potsdam (ND/dpa). CDU-Landtagsfraktionschefin Johanna Wanka hat der rot-roten Regierung eine »zutiefst unseriöse« Haushaltspolitik vorgeworfen. Der Entwurf für den Etat 2010 lasse keinen Sparwillen erkennen und mache keine Vorgaben zur Konsolidierung, bemängelte Wanka in der ersten Lesung am Mittwoch in Potsdam. Er gehe auch nicht die drängenden Probleme des Landes an. Die FDP-Abgeordnete Marion V...

ndPlusWilfried Neiße

Geld für die S-Bahn zurückgelegt

Brandenburg hat im vergangenen Jahr zwar fast 2,4 Millionen Euro wegen ausgebliebener Fahrten der Berliner S-Bahn zurückbehalten. Doch steht noch nicht restlos sicher fest, dass es dieses Geld wirklich behalten darf. Wie Verkehrsstaatssekretär Jörg Vogelsänger gestern im Landtag sagte, können die betreffenden Millionen so lange nicht anderweitig ausgegeben werden, bis »wir Rechtssicherheit haben«....

Nach Pfuschvorwurf Kontrolle in 14 Orten

Düsseldorf (AFP/ND). Nach den Pfusch-Vorwürfen beim U-Bahnbau in Köln und Düsseldorf sollen in Nordrhein-Westfalen auch bereits fertiggestellte Straßenbahn- und U-Bahngroßbauten in 14 Städten überprüft werden. »Wir wollen wissen, welche Baufirmen in den vergangenen 40 Jahren bei diesen Projekten was gebaut haben«, sagte am Mittwoch ein Sprecher der Düsseldorfer Bezirksregierung, die landesweit für...

Alexandra Stahl, dpa

Metamorphosen in der Bahnhofshalle

Bundesweit gibt es etwa ein halbes Dutzend Theater, die als Werkstätte für Menschen mit Behinderung fungieren. Seit 1998 macht Stefan Merk in Würzburg Theater mit geistig behinderten Schauspielern, 3000 Zuschauer kommen pro Jahr zu der Spielstätte im Osten der Stadt.

Vier Männer und eine Stadt
Sybille Gurack

Vier Männer und eine Stadt

26 990 Wahlberechtigte sind am Sonntag aufgerufen, den neuen Bürgermeister von Fürstenwalde zu wählen. Manfred Reim (FDP) tritt nach 20 Jahren im Amt aus Altersgründen ab. Die vier Kandidaten sind Stephan Wende (LINKE) und Jürgen Teichmann (CDU) sowie die beiden Einzelkandidaten Ulrich Hengst und Reinhard Ksink.Jürgen Teichmann möchte als »Fürstenwalder Urgestein« punkten. 17 Jahre ist er schon Vo...

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Gewehre im Handgepäck

Wie viel militärische Nutzung verträgt ein ziviler Flughafen? Die Frage stellt sich in Leipzig, wo bereits jeder fünfte Passagier US-Soldat ist.

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Überraschung

Ein bislang unbekanntes Gemälde von Vincent van Gogh (1853-1890) hat 35 Jahre lang im Museumsdepot der niederländischen Stadt Zwolle geschlummert. Das Bild mit dem Titel »Le blute-fin« war 1975 von dem Gründer und Leiter des örtlichen Museums de Fundatie, Dirk Hannema, im Pariser Kunsthandel als Werk des bedeutenden niederländischen Meisters erworben worden, hieß es am Mittwoch bei der Präsentatio...

Vorhang zu und viele Fragen offen
Roberto Becker

Vorhang zu und viele Fragen offen

Es ist eine charmante Idee, die man in den Chefetagen des Prinzregententheaters und der Staatsoper in München da hatte. Wer das seltene Privileg nutzen wollte, sich die erste und die jüngste Oper von Peter Eötvös, einem der erfolgreichsten Opernkomponisten der Gegenwart, kurz hintereinander im Vergleich anzuschauen, dem räumten Theaterakademie-Präsident Klaus Zehelein und Opernintendant Klaus Bach...

Macht euch ein Bild von mir
ndPlusPeter H. Feist

Macht euch ein Bild von mir

Diese Ausstellung sollte unbedingt sehen und dazu die kurzen Aufsätze im Katalog lesen, wer sich Gedanken über die Zusammenhänge von Kunstentwicklung und Gesellschaft macht. Sie bekräftigt die in letzter Zeit unter Fachleuten ohnehin rasch zunehmende Überzeugung, dass Kunstwerke mit mehreren Eigenschaften, nicht nur ihren rein ästhetischen, wirken und deshalb geschaffen werden, und dass außer den ...

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ndPlusUwe Stolzmann

»Geh doch rüber zu Tito!«

Anton Haderlap besitzt Statur und Blick eines Mannes, der zeitlebens im Freien gearbeitet hat. Das weiße Haar trägt er kurz, die blauen Augen leuchten. Förster war er, ein Waldmann mit Leidenschaft, bei einem Grafen am Wörthersee. Als Pensionär frönt er nun einer anderen Leidenschaft: Er schreibt – volkstümliche Verse, einfache Prosa, für seine Leute schreibt er, für eine Minderheit. Haderla...

Sabine Neubert

Herz der Finsternis

Albanien ist für uns das fernste, unbekannteste europäische Land. Das war es zur Zeit der letzten Diktatur und ist es immer noch. Auch die Werke des albanischen Schriftstellers Ismail Kadare, der seit 1990 in Tirana und Paris lebt, sind uns in Vielem fern und fremd. Das hat Tausende von Gründen, vor allem seine bis 1990 abgeschirmte Existenz. Seine Bücher sind Parabeln dieser Situation, Spiegel ab...

Irmtraud Gutschke

Ana schweigt

Die erste Seite könnte einen dazu bringen, das Buch gleich wieder zuzuschlagen. So eine vereinfachte – einseitige – Darstellung des Jugoslawienkrieges soll tatsächlich vor dem Tribunal in Den Haag laut geworden sein? Oder ist es als Erklärung des Autors zu verstehen? Aber der ist studierter Politikwissenschaftler. Er müsste doch wissen: Es war in westlichem Interesse, dass Jugoslawien ...

Seite 17

Leseprobe

Rathenau war der Sohn eines auch in materieller Hinsicht höchst erfolgreichen Vaters, des Begründers der sich rasch zum Elektrokonzern entwickelnden AEG. Er strebte aus dessen Schatten heraus und blieb doch Zeit seines Lebens an ihn und auch an das Gebiet, den Bereich der Elektroindustrie, gebunden, dem dieser seine Erfolge verdankte. Seine zahlreichen Versuche, sich jenseits jener Welt der Indust...

Sebastian Hennig

In Sempers Geist

Zu dem furchtbaren Schicksal, das die Stadt erfahren hat, bedeutet es einen weiteren Schlag, dass die architektonisch verfehlten Bauten erhalten geblieben sind: Die Kunstakademie mit der Zitronenpresse, die Zigarettenfabrik Yenidze, das unglückliche Schauspielhaus, das das Kronentor erschlägt und alles überragend der schändliche Rathausturm, der die Stadtsilhouette zerschlug.« Dies schreibt der Ku...

ndPlusNorbert Podewin

Dankenswerte Grabung

Ein Historiker an der Universität Bielefeld ist auf Spurensuche gegangen – und überaus fündig geworden. Objekt der Neugier von Daniel Siemens war eine Ikone des Hitlerreiches, geboren 1907 in Bielefeld, verstorben 1930 in Berlin: Horst Wessel. Sein Liedtext »Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen ...« war vom NS-Regime neben dem Deutschlandlied offiziell zur nationalen Hymne erklärt. Si...

Gerhard Hanloser

Die Lust am Spektakel

Bereits der Titel weckt Interesse, wird doch Dieter Kunzelmann hier als Avantgardist, Protestler und Radikaler charakterisiert. Andere Zeitgenossen nennen diesen 68er-Aktivisten eher einen Linksextremisten, Gewaltapologeten oder gar: linken Antisemiten. Der in Oxford lebende und lehrende Aribert Reimann ist allen Abgründen der Biografie Kunzelmann nachgegangen, auch der schockierenden Tat am 9. No...

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Oliver Händler, Whistler

Björgens drittes Gold mit Staffel

Magdalena Neuner ist nicht mehr Königin dieser Olympischen Winterspiele. Die heißt ab jetzt Marit Björgen. Mit der norwegischen Staffel sicherte sich die 29-Jährige bereits ihr drittes Gold im Whistler Olympic Park. Die deutschen Frauen gewannen auch im zweiten Mannschaftswettbewerb eine Medaille. Nach Gold im Teamsprint liefen Kathrin Zeller (Oberstdorf), Evi Sachenbacher-Stehle (Reit im Winkl), ...

ndPlusOliver Händler, Whistler

Überraschung durch Rebensburg

»Bei Olympia muss man riskieren, sonst gewinnt man nur Himbeeren oder Bananen«, hatte Viktoria Rebensburg nach dem Super-G gesagt, den sie als 28. mit über fünf Sekunden Rückstand beendet hatte. Zu viel riskiert und Fehler gemacht – der erwünschte Platz unter den ersten Zehn war weit weg. Wie geht eine 20-Jährige damit um? Sie erhöht die Ziele. »Klar träume ich vom Olympiasieg«, sagte die dr...

Seite 19

Stuttgart trotzt Barcelona

52 Minuten hatte der VfB Stuttgart von der Sensation gegen den FC Barcelona träumen dürfen, jetzt müssen die Schwaben auf ein Wunder im Camp Nou hoffen. Nach dem 1:1 (1:0) gegen den Titelverteidiger ist die Chance auf das Viertelfinale der Champions League aber noch nicht verspielt. »Mit so einer Leistung wie in der ersten Hälfte ist alles möglich, auch in Barcelona«, sagte VfB-Kapitän Sami Khedir...

ndPlusRonny Blaschke, Vancouver

Kaum noch Lust auf Karriere

Amelie Kober gibt sich nicht einmal Mühe, ihre Unzufriedenheit zu verbergen. Aufgewühlt rutscht sie auf ihrem Stuhl hin und her. Sie macht Andeutungen, nennt aber keine Namen. Sie stellt Fragen, gibt aber keine Antworten. »Mehr Erfolg als wir in der Vergangenheit konnte ein Verband gar nicht haben. Und was wurde daraus gemacht?« Nach wenigen Minuten des Pressegesprächs wird klar: Amelie Kober (22)...

Oliver Händler, Vancouver

Die Wischerinnen wischten falsch

Die Enttäuschung war Melanie Robillard ins Gesicht geschrieben, und auf Interviews hatte sie eigentlich gar keine Lust mehr. »Das tut ziemlich weh. Wir waren dran am Halbfinale, haben es aber knapp nicht geschafft«, sagte die in Kanada geborene, aber jetzt für Deutschland spielende Curlerin. Viel besser hätte sie das olympische Abenteuer der deutschen Mannschaft im Vancouver Olympic Centre nicht b...

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Sitzenbleiber
Oliver Händler, Whistler

Sitzenbleiber

Das Eishockeyspiel Kanada gegen Deutschland war irgendwie enttäuschend. Nicht unbedingt die Leistung der Teams. Nein, für Enttäuschung sorgten eher die Zuschauer, denn ein Hexenkessel war der Canada Hockey Place nun wirklich nicht. Und das in einem Spiel, das zumindest theoretisch das letzte der heimischen Helden hätte sein können. Es gab so gut wie keine Sprechchöre. Selbst beim Spielstand von 4:...

Niete in der Wachslotterie

Beim morgendlichen Blick aus dem Fenster wussten alle Langläufer, dass die Entscheidung darüber, wer im 4 x 10-km-Staffelrennen der Männer eine Medaille gewinnen würde, wohl doch nicht erst auf den letzten 500 Metern fallen würde – sondern auf den ersten 20 000, die für eine große Selektion des Feldes sorgten. Regen und Schnee machten aus einem Sprint- ein Ausscheidungsrennen, vor allem auf ...

ndPlusOliver Händler, Vancouver

Eishockey auf gemütlicher Distanz

»Das Spiel gegen die Schweiz hat uns ein wenig Angst gemacht«, gab Mike Babcock zu. Der Trainer von Kanadas Eishockey-Nationalteam hatte erwartet, dass auch die deutschen Gegner im Qualifikationsspiel für das Viertelfinale ein Abwehrbollwerk errichten würden wie die Eidgenossen, die Kanada in der Vorrunde ins Penaltyschießen hatten treiben können. Wenn überhaupt hatten die Kanadier gegen Deutschla...

ndPlusFrank Thomas, dpa

Drama um Sven Kramer

Erst schmiss er wütend seine Brille weg, dann versetzte er seinem Trainer einen kräftigen Schubser und legte sich mit Reportern an: Sven Kramer hat im olympischen Rennen über 10 000 Meter durch einen peinlichen Wechselfehler nicht nur sein zweites Gold, sondern auch seine guten Manieren verloren. »Alles Scheiße. Jeder kann mal einen Fehler machen, aber das ist ein sehr teurer«, polterte der favori...