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Unten links

Manchmal lohnt es sich zu warten. 45 Jahre nach der Eheschließung will ein Paar aus Sachsen jetzt die Hochzeitsreise nachholen: Der Mann hat sechsstellig im Lotto gewonnen. Immer mehr Zeit, lesen wir in einer anderen Meldung, nehmen sich Frauen bis zur Geburt ihres ersten Kindes. Viele, die überhaupt noch Babys bekommen, warten damit bis weit in ihr viertes Lebensjahrzehnt. In der Zwischenzeit spi...

ndPlusRené Heilig

Bundeswehr befahl abermals Luftschlag

Die Bundeswehr hat am Donnerstagabend in Afghanistan nahe Kundus abermals einen Luftangriff befohlen. Die Nachrichten darüber waren auch noch am Freitag höchst diffus.

Alles eine Frage der Verteilung
Dierk Hirschel

Alles eine Frage der Verteilung

In der Krise wird kräftig umverteilt. Die Politik sozialisiert die Verluste der Glaspaläste. Im Euroraum verschlang die Bankenrettung rund ein Fünftel der Wirtschaftsleistung. Aus privaten Schulden wurden öffentliche Schulden. Aus der Finanz- und Wirtschaftskrise wurde eine Krise der Staatsfinanzen. Jetzt ist Zahltag. Hierzulande begleichen Beschäftigte, Rentner und Arbeitslose die Zeche von Acker...

Gesundheitsreform: Privat hat Vorfahrt

Der Weg für die umstrittene Gesundheitsreform ist frei. Auf die Versicherten kommen höhere Beiträge und weitere finanzielle Belastungen zu. Die Regierung will damit ein Milliardendefizit der Krankenkassen verhindern. Opposition und Verbände kritisieren die Neuregelungen als sozial ungerecht und beklagen den Ausstieg aus dem Solidarsystem.

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Ungleicher Kampf gegen Milliardendefizit

Die Einnahmeseite Beitragssatz: Der Beitragssatz zur GKV wird ab 2011 um 0,6 Punkte auf 15,5 Prozent erhöht. Die Erhöhung tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte. Arbeitnehmer zahlen künftig 8,2 Prozent statt bisher 7,9 Prozent. Der Arbeitgeberanteil (7 Prozent) wird auf 7,3 Prozent erhöht und anschließend auf diesem Niveau eingefroren. Zusatzbeiträge: Alle künftigen Kostensteigerungen s...

Wie viel fehlt ab 2011 im Geldbeutel?

Mehr Netto vom Brutto hatten Union und FDP den Menschen versprochen. Doch mit der Gesundheitsreform, die Union und FDP an diesem Freitag beschlossen haben und die Anfang kommenden Jahres in Kraft treten soll, dürften viele Bürger weniger im Geldbeutel haben.

Ulrike Henning

Die Weichen sind gestellt

Die Zustimmung der Regierungsfraktionen im Bundestag war am Freitag nur noch eine Formsache – nun ist die Röslersche Gesundheitsreform beschlossene Sache. Die meisten finanziellen Lasten werden wieder einmal den Versicherten aufgebürdet.

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Irina Wolkowa, Moskau

Petersburger Stadtväter kämpfen für die »Aurora«

Das Parlament von St. Petersburg will ein Wahrzeichen der Stadt retten: den Kreuzer »Aurora«. Obwohl längst außer Dienst, wird das Flaggschiff der Revolution nach wie vor als Einheit der russischen Marine geführt und entsprechend gewartet. Am 1. Dezember könnte es damit vorbei sein. Dann soll die »Aurora« in den Besitz des Militärhistorischen Museums übergehen. Dort, so fürchten die Volksvertreter, könnte sie auf den Hund kommen.

Die grüngelbe Gefahr
Velten Schäfer

Die grüngelbe Gefahr

Ob Brandenburg, Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern: In den Agrarländern explodiert der Maisanbau für Biogasanlagen. Der Protest dagegen wächst, die Politik beginnt zu handeln.

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ndPlusSteffen Twardowski

Rückhalt für Demonstrationen

Umfragen zeigen, dass sowohl die Proteste gegen die Atompolitik der Bundesregierung als auch das Milliardenprojekt Stuttgart 21 auf breites Verständnis stoßen. Warum die Steuerzahler allein für die Kosten des Castor-Polizeieinsatzes aufkommen müssen, leuchtet hingegen nur wenigen ein.

ndPlusRené Heilig

»Notsituation« bei Polizei-Tourismus

Nach Abschluss des sogenannten Vertrages von Prüm im Mai 2005 werden grenzüberschreitende Polizeieinsätze immer mehr zum Alltag. Bei jüngsten Castor-Transport von der französischen Kanalküste bis ins niedersächsische Gorleben hat es offenbar einen beachtlichen internationalen »Polizeitourismus« gegeben.

ndPlusSusann Witt-Stahl und Ines Wallrodt

Brutal im Wendland

Die Polizei agierte im Wendland offenbar unverhältnismäßig und ohne Rücksicht auf Verluste. Gegen den Anti-Atom-Aktivisten Niels M. gingen Beamte so brutal vor, dass er seinen Protest fast mit dem Leben bezahlt hätte.

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Fabian Lambeck

Flugzeuge statt Elterngeld

Finanzpolitik paradox: Während die Wirtschaft wächst und die Steuereinnahmen sprudeln, hält die Bundesregierung an ihren unsozialen Kürzungsplänen fest. Vertreter der Opposition kritisierten am Freitag die soziale Schieflage des Haushalts 2011. Zudem nimmt die Bundesregierung wohl mehr Schulden auf als eigentlich nötig, auch für den Militärflieger A400M.

Schlichtung bemüht sich um Tageslicht

In der vierten von acht Schlichtungsrunden zwischen Gegnern und Befürwortern eines neuen, unterirdischen Stuttgarter Hauptbahnhofs S 21 ging es am Freitag um den Kopfbahnhof. Den wollen die Gegner erhalten und sollten dafür den Nachweis führen, dass er dem geplanten Konkurrenten das Wasser reichen kann.

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USA sehen Meilenstein in Irak

Seoul (AFP/dpa/ND). USA-Präsident Barack Obama hat die Einigung auf eine Machtteilung zwischen den drei größten Bevölkerungsgruppen in Irak begrüßt. Das Abkommen zur Regierungsbildung sei ein weiterer »Meilenstein« in der Geschichte des Landes, sagte Obama am Freitag in Seoul. Die irakische Regierung sei somit repräsentativ und spiegele den Willen der Bevölkerung wider.Die am Mittwoch erzielte Ein...

Israels Wünsche sind in den USA Chefsache

US-Außenministerin Clinton und Israels Ministerpräsident Netanjahu haben am Donnerstag erklärt, sich weiterhin für eine Wiederaufnahme direkter Nahostfriedensgespräche einsetzen zu wollen.

Medwedjew: Lehren aus Agentenverrat ziehen

Moskau/Seoul (dpa/ND). Nach dem Verrat der russischen Spionin Anna Chapman und weiterer Agenten in den USA hat Russlands Präsident Dmitri Medwedjew Konsequenzen für die Geheimdienstarbeit gefordert. Aus dem Skandal müssten die nötigen Lehren gezogen werden, sagte Medwedjew am Freitag in Seoul beim G20-Gipfel.Nach Angaben russischer Medien bestätigte der Präsident einen Bericht der Zeitung »Kommers...

G20 uneins, aber guten Willens

Es gab Streit, aber auch vorzeigbare Ergebnisse. Der G20-Gipfel hat eine historische Reform des Internationalen Währungsfonds und strengere Regeln für Banken rund um den Globus durchgewinkt. Und wo man sich nicht einig ist, gibt es immerhin guten Willen.

Von Basel bis Cancún

IWF-REFORM: Schwellenländer wie China bekommen größeres Stimmengewicht im 24-köpfigen IWF-Verwaltungsrat, die Europäer geben dafür zwei Sitze ab. Die Finanzinstitution soll dadurch an »Legitimität, Glaubwürdigkeit und Effektivität« gewinnen. China, Brasilien, Russland und Indien gehören künftig zu den zehn größten Anteilseignern, müssen aber auch größere Pflichten übernehmen.BANKENREGULIERUNG: Bas...

Henri Rudolph, Delhi

Polizeizentrale in Karatschi attackiert

Erstmals haben militante extremistische Gruppen in der pakistanischen 18-Millionen-Metropole Karatschi ein Hauptquartier der Sicherheitskräfte zum Ziel ihrer Angriffe gemacht. Donnerstagnacht sprengten sie das Gebäude der Behörde zur Verbrechensbekämpfung (CID) in der »roten Zone« der Stadt in die Luft.

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Julian Bartosz, Wroclaw

Stürmischer Nationalfeiertag

Am 11. November, wenn sich in Deutschland die Narren zu scharen beginnen, begeht Polen einen Nationalfeiertag: Vor 92 Jahren nämlich gewann das Land nach 123 Jahren der Dreiteilung seine Unabhängigkeit wieder. Die Feiern dieses Jahres verliefen allerdings im Zeichen des sogenannten polnisch-polnischen Krieges.

ndPlusMichael Lenz, Vientiane

66 Schritte gegen Streubomben

Mit der Verabschiedung eines 66-Punkte-Aktionsplans ging am Freitag in der laotischen Hauptstadt Vientiane die erste Konferenz über die Verwirklichung des Osloer Vertrags zur Ächtung von Streubomben zu Ende. »Von der Vision zur Aktion« war das Motto der viertägigen Debatte über das Abkommen, das am 1. August dieses Jahres in Kraft getreten ist.

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Roland Etzel

Blutiger Meilenstein

Vermutlich war es gar nicht zynisch gemeint. Aber Obamas Bemerkung, die Einigung der irakischen Parteien auf eine Regierung nach acht Monaten übelster Feilscherei sei ein »weiterer Meilenstein« in der Geschichte des Landes, ist mehr als fragwürdig. Zu erklären nur, wenn Obama die Geschichten der hauseigenen PR über Irak als Realität betrachtet: dass die Invasion von 2003 der erste Meilenstein war;...

Silvia Ottow

Ehrlich gelogen

Die Tradition der schwarz-gelben Koalitionäre, die Wirtschaft zu beschenken, erreicht mit dem GKV-Finanzierungsgesetz einen neuen Höhepunkt. Das Gesetz finanziert nicht wie im Titel versprochen die Gesetzliche Krankenversicherung, sondern Arbeitgeber, Pharmafirmen, private Krankenversicherer, Unternehmen der Gesundheitsindustrie, Teile der Ärzteschaft. Besser, gerechter und ehrlicher als je zuvor ...

ndPlusKurt Stenger

Kleine G20-Würfe

Wenn man nach nunmehr fünf G20-Gipfeln seit dem Ausbruch der Weltfinanzkrise ein Fazit zieht, fällt das Ergebnis einigermaßen ernüchternd aus: Nach über zwei Jahren hat man gerade mal höhere Risikopuffer für Banken beschlossen, die 2019 verbindlich werden. Die umfassende Regulierung spekulativer Produkte, Märkte und Finanzfirmen – so der ursprüngliche Anspruch – besteht aus einem umfan...

Unauffällig
Jan Keetman

Unauffällig

Ali Bardakoglu hat die weiße Kappe abgegeben. Der Leiter der türkischen Religionsbehörde hat das Zeichen seiner Amtsgewalt seinem Nachfolger Mehmet Görmez aufgesetzt. Nach eigenem Bekunden geht Bardakoglu freiwillig. In der türkischen Presse gab es indessen Gerüchte, Bardakoglu sei zum Rücktritt gezwungen worden, weil er Reformvorhaben der Regierung, insbesondere die Öffnung gegenüber Kurden und A...

Gütesiegel für gerechte Städte?

Gütesiegel für gerechte Städte?

ND: Mit dem Gütesiegel Fairtrade werden normalerweise Produkte etikettiert. Die internationale Kampagne Fairtrade-Towns zeichnet Städte, Gemeinden und Regionen aus. Was ist eine Fairtrade-Stadt?Bremer: Weltweit gibt es über 870 Fairtrade-Städte in 19 Ländern. Fast überall sind die Kriterien gleich: Es muss einen Ratsbeschluss geben, dass bei öffentlichen Sitzungen nur noch fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt wird. Es muss eine lokale Steuerungsgruppe geben. Entsprechend der Einwohnerzahl muss ...

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Aufschwung geht langsamer weiter

Wiesbaden (dpa/ND). Die deutsche Wirtschaft setzt ihren Erholungskurs fort. Zwar kann der Aufschwung wie erwartet das Rekordtempo nicht halten: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im dritten Vierteljahr im Vergleich zum Vorquartal um noch 0,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Dafür steht die Konjunkturerholung inzwischen auf einer breiten Basis. Neben den ...

EU-Staaten beruhigen Irland-Anleger

Seoul (AFP/ND). Angesichts neuer Rekordzinsen für irische Staatsschulden haben Deutschland und weitere führende EU-Staaten die Gläubiger des Landes zu beruhigen versucht. Ein neuer Krisenmechanismus werde frühestens Mitte 2013 in Kraft treten, derzeitige Absprachen zur finanziellen Unterstützung des Landes seien nicht betroffen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Finanzminister aus Deutsch...

Jörg Meyer

Schlichtung bringt den Abschluss

Nach gescheiterten Verhandlungen und Warnstreiks hat am Donnerstagabend die Schlichtung entschieden. Die Beschäftigten in der Bayrischen Milchwirtschaft erhalten drei Prozent mehr Lohn. Andere Forderungen der Gewerkschaft bleiben unerfüllt.

Rolls-Royce in der Bredouille

Der Fehler ist gefunden: Die Triebwerke der A380 von Rolls-Royce enthalten ein fehlerhaftes Bauteil. Es wird überall ausgetauscht.London/Sydney (dpa/ND). An dem gefährlichen Triebwerkschaden bei einem Qantas-Riesen-Airbus A380 ist ein fehlerhaftes Bauteil schuld. Der Turbinenhersteller Rolls-Royce will die Module in der gesamten Serie der Trent-900-Triebwerke auswechseln, kündigte er am Freitag an...

Thomas Nitz

Renditejagd in armen Staaten

Die internationale Geldschwemme macht es möglich: Investoren entdecken nun auch bitterarme, aber rohstoffreiche Länder als Anlageziel.

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Dämpfer für Vettel

Die deutsche Titelhoffnung Sebastian Vettel hat beim Training zum Formel-1-Finale in Abu Dhabi die Tagesbestzeit am Freitag knapp verloren und einen kleinen Dämpfer erhalten. Sein englischer WM-Rivale Lewis Hamilton fuhr auf dem Yas Marina Circuit in 1:40,888 Minuten die schnellste Runde und ließ Vettel im Red-Bull um 0,257 Sekunden hinter sich.

Doch noch Edelmetall

Deutschlands Fechter haben im WM-Schlussspurt von Paris wieder in die Medaillenspur zurückgefunden. Nach vier Tagen ohne Edelmetall beendeten Olympiasiegerin Britta Heidemann, Europameisterin Imke Duplitzer, Monika Sozanska und Ricarda Multerer die Zeit ohne Podiumsplatz und zogen gegen China mit 34:28 Treffern in das Finale gegen Rumänien ein (nach Redaktionsschluss). »Jetzt ist es auch für uns e...

Defensiv mit Nadelstichen

Nach elf Spieltagen steht der »Club« in der Tabelle vor den Bayern. Vor dem Traditionsderby sprach ND mit dem Nürnberger Torwart RAPHAEL SCHÄFER (31) über Höhenflüge, Tiefschläge und Zukunftspläne.

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Radio Paradiso sendet weiter

epd). Das Berliner Radio Paradiso muss nicht zum Monatsende seinen Betrieb einstellen. Das Berliner Verwaltungsgericht gab am Freitag den Klagen des christlichen Senders gegen den Lizenzentzug durch die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) in vollem Umfang statt. Das Vergabeverfahren muss nun neu aufgerollt werden. Die Entscheidung der Aufsichtsbehörde sei nicht angemessen begründet und der Wor...

Grippewelle in Berlin

(dpa). In Berlin wurden im vergangenen Jahr rund 7200 Grippefälle (Influenza) gemeldet und damit mehr als zehnmal so viele wie 2008 (718 Fälle). Das berichtete die Techniker Krankenkasse (TK) am Freitag unter Berufung auf Meldedaten des Robert Koch-Instituts (RKI). Das RKI relativierte die Zahlen allerdings. »Die Zahlen geben nicht das tatsächliche Grippe-Geschehen wieder, weil sie sich nur auf ei...

Klaus Joachim Herrmann

In den Kulissen

Für 17 Orden müssen schon besondere Verdienste her, solchen Ehrenregen gibt's nicht einfach so. Das darf man uns Mitbürgern mit Sozialismuserfahrung schon glauben. Und Parlamentsvize Karin Seidel-Kalmutzki (SPD) hatte wahrlich etwas zu bieten. Sie repräsentierte am Donnerstag ein Abgeordnetenhaus, das mit alten Traditionen brach. Denn die angreifenden Narrentruppen rückten am 11.11. vereinbarungsg...

Zensus befragt Hauseigentümer

(dpa). Die Volkszählung 2011 wirft ihre Schatten voraus. Eigentümer müssen mitteilen, ob ihr Haus wirklich ihnen gehört. Im nächsten Jahr will der Staat dann deutlich mehr wissen – nicht nur von Hauseigentümern. Berliner und Brandenburger Hauseigentümer erhalten von nächster Woche an Post vom Amt für Statistik. Die Behörde will mit Fragebögen klären, wem die Häuser gehören und wie ihre Eigen...

Frist für Kennzeichnungspflicht

(dpa). Im jahrelangen Streit um Namensschilder für Berliner Polizisten soll bis zum 26. November Klarheit herrschen. Sollten sich der Hauptpersonalrat und Polizeipräsident Dieter Glietsch nicht auf einen Kompromiss einigen, wird die Einigungsstelle an dem Tag eine Entscheidung verkünden, hieß es am Freitag in der Verwaltung von Innensenator Ehrhart Körting (SPD). Der Senator würde es sehr begrüßen...

Gedenkstätte in der Freiheit
ndPlusKatja Herzberg

Gedenkstätte in der Freiheit

Für die Nachnutzung des Flughafens Tempelhof existieren zahlreiche Ideen. Es wird gestritten um die Bebauung der Freiflächen mit neuen Stadtquartieren, die Ansiedlung von Industrie und Technik und die Gestaltung des Parkgeländes. Doch auch die Vergangenheit des Areals spielt eine Rolle. Dazu gehört die Nutzung des Geländes als Konzentrations- und Arbeitslager. Die Errichtung einer Gedenkstätte für...

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Tobias Riegel

Pressestelle

Ein Gespenst geht um in Berlin – das »weit verbreitete Deutschenbashing«. Das Gute daran: Zur plötzlich so intensiv thematisierten Deutschenfeindlichkeit unter Migrantenjugendlichen kann – da es keine Untersuchungen gibt – ein jeder sagen, was sein Bauchgefühl so hergibt. Die Pauschalverdächtigungen sind zwar nicht zu belegen, gegen den Chor aus Berliner Zeitungen und Schwarz-Gel...

Jubiläumswoche an der Parkaue

Jubiläumswoche an der Parkaue

(ND-Tirado). Seinen 60. Geburtstag feiert das Theater an der Parkaue am 16. November und veranstaltet aus diesem Anlass eine Jubiläumswoche. Sie beginnt mit einer kulturpolitischen Diskussion am 14.11. um 11 Uhr zum Thema »Wozu Staatstheater?«. Es diskutieren Uwe Bautz, Chefdramaturg am Centraltheater Leipzig, Kay Wuschek, Intendant des Theaters an der Parkaue, Ulrich Khuon, Intendant des Deutsche...

Volkmar Draeger

Vom Vierfüßer zum Killer

Sasha Waltz & Guests beim Eröffnungsabend der spielzeit’europa im Haus der Berliner Festspiele: »Continu«, fortgeführt, nennt sich, was tatsächlich etwas fortsetzt. Das zweistündige Projekt verarbeitet Material, das die gebürtige Karlsruherin und jetzige Weltbürgerin des modernen Tanzes während den Improvisationen ihrer »Dialoge« genannten Reihe angesammelt hat. Das Jüdische Museum Berli...

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Verschärfter Winterdienst

(dpa). Hauseigentümer und die Stadtreinigung müssen im bevorstehenden Winter Schnee und Eis in Berlin schneller und besser beseitigen. Das Abgeordnetenhaus verabschiedete am Donnerstag mit der Mehrheit der rot-roten Regierungsfraktionen eine Novelle des Straßenreinigungsgesetzes. Die Opposition stimmte dagegen.Der Senat zieht damit die Konsequenzen aus dem Schnee- und Eischaos des vergangenen Wint...

Marcus Meier

»Ketchup ist rot, rot steht für Blut«

Der Mann, der Duisburgs OB Sauerland mit Ketchup attackierte, war einst Kameramann. Durch seine Erlebnisse im Jugoslawienkrieg wurde er aus der Bahn geworfen. Später gründete er einen Hilfsverein für sozial Bedürftige. Dessen Zukunft steht nach der Attacke in den Sternen.

Bernd Kammer

Mehr Platz für Radler und Fußgänger

Die Bewegungsform der Zukunft heißt »multimodal«: Die Berliner sind nicht mehr aufs Auto fixiert, sondern entscheiden immer aufs Neue, welches Verkehrsmittel sie nutzen. Längere Strecken werden mit Bus oder Bahn bewältigt, für den Weg zur Haltestelle wird das eigene oder ein Leihfahrrad genutzt. Wer doch gelegentlich einen Pkw braucht, teilt ihn sich mit anderen. In der Innenstadt wurden Hauptstra...

ndPlusRobert Luchs, Mainz

Treueschwüre in Mainz

Die CDU/FDP-Opposition im rheinland-pfälzischen Landtag hat gegen den umstrittenen SPD-Justizminister Heinz Georg Bamberger ein scharfes Schwert gezogen. Mit einem Misstrauensantrag will sie ihn aus dem Amt jagen. Am Mittwoch soll darüber abgestimmt werden.

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Wolfsburg-Affäre ad acta?

Hannover (dpa/ND). Die Affäre um verbotene Verflechtungen zwischen den Wolfsburger Stadtwerken und dem Wahlkampf der CDU in Niedersachsen wird den Landtag in Hannover vorerst nicht weiter beschäftigen. CDU, FDP, SPD und Grüne lehnten am Donnerstagabend die von der LINKEN geforderte Einsetzung eines Untersuchungsausschusses ab. Mindestens ein Fünftel der 152 Abgeordneten hätte sich für die parlamen...

Energie möchte Stadion kaufen

Cottbus (dpa). Der Fußball-Zweitligist Energie Cottbus will das Stadion der Freundschaft kaufen. Das sagte Pressesprecher Lars Töffling am Freitag. Er bestätigte damit einen Bericht der »Lausitzer Rundschau«. Bisher wird das Stadion vom Sportstättenbetrieb der Stadt Cottbus bewirtschaftet. »Es hat schon seit längerem Gespräche geben, diese wurden jetzt intensiviert. Es sind aber noch Details zu kl...

Mit Rind und Rüben

November 1945: Von heute auf morgen verließen viele Bauern im norddeutschen Schaalseegebiet mit Hab und Gut ihre Dörfer, weil die britischen und die sowjetischen Besatzungsmächte einen Gebietstausch vereinbart hatten. Heute erinnert eine Dokumentation des Kreisarchivs Ratzeburg (Schleswig-Holstein) an den Exodus.

Ralf Hübner, dpa

Weihnachtstanne mit pazifischen Wurzeln

In wenigen Tagen summt die Kettensäge: Spätestens ab Mitte November werden aus den Wäldern wieder Weihnachtsbäume herausgeholt. Das Angebot an Bäumchen wächst ständig.

ndPlusSebastian Hennig, Dresden

»Kreutterbuch« für den Kurfürsten

Das Buchmuseum in Dresden erinnert mit einer Ausstellung an die Anfänge der Sächsischen Landesbibliothek. Hervorragende Werke aus unterschiedlichen Wissensgebieten eröffnen ein Panorama der Künste und Wissenschaften des 16. Jahrhunderts. Der Titel der Schau: »Wissen ordnen. Die frühen Bücher der Kurfürsten August und Christian von Sachsen.«

ndPlusWilfried Neiße

Kirchen kassieren Millionen vom Staat

Die Sparpolitik des Landes geht an den Zahlungen für die Kirchen und den Religionsunterricht vorbei. Im vergangenen Jahr zahlte der Staat in Deutschland rund eine halbe Milliarde Euro an die Kirchen, erklärte die Landtagsabgeordneten Margitta Mächtig (LINKE). Auch in Brandenburg verharren die Ausgaben in bedeutender Höhe oder steigen sogar an.Wie Kulturministerin Martina Münch (SPD) bekannt gab, w...

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Lachen und Weinen
ndPlusChristina Matte

Lachen und Weinen

Es gibt nicht mehr viele Theater im Osten Berlins, die ostdeutsche Intendanten haben. Gabriele Streichhahn zählt sie auf meine Bitte hin an den Fingern ab und bringt es auf vier: Da sind Frank Castorf an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Wolfgang Rumpf im Kriminaltheater in der Palisadenstraße, Hans-Joachim Frank und Elke Schmälzle, die sich künstlerische Leitung und Geschäftsführung im theater 89 teilen, und sie selbst, Gabriele Streichhahn, Intendantin im Theater im Palais am Festungsgr...

Seite 18
Immigranten bringen wieder Leben ins Dorf
ndPlusAnna Maldini

Immigranten bringen wieder Leben ins Dorf

Was haben Weltstädte wie Caracas, Dubai oder Mexiko City mit dem 2000-Seelen-Dorf Riace in Kalabrien gemein? Ganz einfach: Ihre Bürgermeister wurden für die internationale Auszeichnung World Mayor Prize vorgeschlagen, die jedes Jahr an einen Bürgermeister verliehen wird, der wirklich etwas Neues und Gutes auf den Weg gebracht hat. Im Fall von Riace ist das Domenico Lucano.Nach seiner politischen Zugehörigkeit befragt, antwortet der 51-jährige Lehrer »Links, einfach nur links«, womit er auch gle...

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Gesetze gegen Menschen ohne Papiere
Gabriel Kuhn

Gesetze gegen Menschen ohne Papiere

Luis Fernandez war zehn Jahre alt, als er mit seiner Familie aus Nicaragua in die USA kam. Er sprach kein Wort Englisch. Heute ist der mittlerweile 41-Jährige Assistenzprofessor für Kriminologie an der Northern Arizona University in Flagstaff. Das Hauptaugenmerk seiner politischen Tätigkeit richtet sich seit vielen Jahren gegen Gesetzesentwürfe, die im Bundesstaat Arizona die Verfolgung »illegaler...

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A 380
ndPlusBernd Zeller

A 380

Das Prestigeflugzeug, der Superairbus 380, ist ins Gerede gekommen, weil ein Exemplar wegen eines Triebwerksbrands notlanden musste, die Passagiere kamen mit dem Schrecken davon. Hierin liegt ein Stück Normalität; bei nahezu allen Flügen kommen die Passagiere mit dem Schrecken davon, in der Businessclass sind sie zudem noch mit Champagner abgeschreckt, und man muss festhalten, dass keineswegs alle...

Schütt' Hormone über mich ...
Wolfgang Schmidbauer

Schütt' Hormone über mich ...

Es ist eine fesselnde Frage, weshalb sich Menschen nicht zufrieden damit geben können, dass sie etwas erleben, sondern gerne wissen wollen, warum sie das tun. Eine erste Antwort fällt leicht: Die Suche nach einer Ursache erleichtert es uns in manchen Fällen, Abhilfe zu schaffen. Wer sich einen Dorn in den Fuß getreten hat, tut gut daran, herauszufinden, warum die Sohle plötzlich schmerzt; so kann ...

Walter Schmidt

Nur mutige Männer gestehen Ängste

Als die U-Bahn losfährt, greift Anna zu. Sie ist fünfzehn – und liebt den Nervenkitzel. Festgeklammert am Türgriff und der Dachrinne des Zuges, saust sie in die dunkle Röhre. Sie jauchzt vor Lust. Was das »Großmaul« Uschi kann, schafft sie doch mit links. Maries Fuß spielt mit dem Gaspedal. Immer wieder lässt die 16-Jährige den Motor von Vaters Porsche aufheulen und linst dabei stolz durchs ...

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Ökologisches Parlament
Marko Ferst

Ökologisches Parlament

In den Vorlesungen, die Rudolf Bahro Anfang der neunziger Jahre in der Humboldt-Universität hielt, findet man vereinzelt Einlassungen zur PDS. Er hielt sie für völlig unfähig, die ökologische Zivilisationskrise angemessen anzugehen. So überraschte es, als er 1995 mit seinem Essay »Das Buch von der Befreiung aus dem Untergang der DDR« auf 124 Seiten fragte, wie Kommunismus mit Ökologie und seelisch...

ndPlusRudolf Bahro

Eine Begrenzungsordnung einrichten

In meiner Alternative hatte ich an Rudolf Herrnstadts Buch über die Entdeckung der Klassen erinnert. Mir kam es damals beinahe so vor, als hätte er es, als Vermächtnis seines [nach dem 17. Juni] 1953 gebrochenen Lebens, nur deshalb geschrieben, um die Erinnerung an jenen ebenso großen wie kurzen Augenblick der Französischen Revolution wachzurufen, da das Volk von Paris eine gewisse Evidenz für die...

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Nicht wiederholbar, aber: Erinnern lohnt sich!
ndPlusHorst Trapp und Reiner Braun

Nicht wiederholbar, aber: Erinnern lohnt sich!

Der Krefelder Appell, der am 16. November 1980 öffentlich vorgestellt wurde, war ein Aufruf an die damalige Bundesregierung, die Zustimmung zur Stationierung neuer atomarer Mittelstreckenraketen in Europa – Stichwort: NATO-Doppelbeschluss – zurückzuziehen und innerhalb der NATO auf eine Beendigung des atomaren Wettrüstens zu drängen. Er wurde von fast fünf Millionen Bundesbürgern unterzeichnet. Ein Rückblick auf die Ereignisse von vor 30 Jahren und deren Wirken bis in die Gegenwart.

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Wochen-Chronik

12. November 1955: Die ersten 100 Soldaten der Bundeswehr erhalten in Bonn ihre Ernennungsurkunden. 13. November 1945: Die Nataionalversammlung in Paris wählt General Charles de Gaulle zum Regierungschef. 14. November 1940: Die faschistische deutsche Luftwaffe löscht fast vollständig das historische Zentrum der britischen Großstadt Coventry aus. 15. November 1920: In Genf tritt zum ersten Mal die ...

ndPlusKlaus Bruske

Pompeji

Einer Naturkatastrophe verdanken wir die wohl wichtigsten materiellen Kenntnisse über die antike Alltagskultur. Denn Pompeji in »campania felix« (glückliches Kampanien), das vor 2000 Jahren ein beliebter Ort der Sommerfrische für reiche Römer war, gilt immer noch als besterhaltene antike Stadt des Imperium Romanum. Ohne die Grabungsfunde aus der mondänen Landgemeinde am Golf von Neapel, die am 24....

Giftgas gegen den Widerstand
Vor Gerhard Feldbauer

Giftgas gegen den Widerstand

Es war eine Weisung zum Völkermord, erteilt am 16. November 1935 vom italienischen Diktator Benito Mussolini. Und erfolgt, als der italienische Vormarsch in Abessinien, wie Äthiopien damals hieß, ins Stocken geraten war. Bis April 1936 wurden dort nach wahrscheinlich unvollständigen Angaben 350 Tonnen des chemischen Kampfstoffes Yperit abgeworfen. In einem Bericht von Marschall Pietro Badoglio nac...

Karl-Heinz Gräfe

Mörderischer Trugschluss – Stalins Irrtum

»Die Kraftfelder Deutschlands, Italiens und Sowjetrusslands sind aufeinander abgestimmt«, war in der Nazi-Zeitung »Das Reich« am 17. November 1940 zu lesen. Wie kam die Goebbels-Presse zu dieser Behauptung? Es war ein Kommentar zum Besuch des sowjetischen Ministerpräsidenten Wjatscheslaw Molotow in der deutschen Hauptstadt. Über die Ankunft Molotows am 12. November 1940 schrieb der Leiter der Berl...

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Bertolt Brecht: Körperlich ein Wrack?

Der Schriftsteller Bertolt Brecht ist möglicherweise nicht wie bisher angenommen an einem Herzinfarkt gestorben. Forscher der britischen Universität Manchester wollen herausgefunden haben, dass die Ursache für den frühen Tod des Schriftstellers 1956 im Alter von 58 Jahren ein verschlepptes Rheumatisches Fieber infolge einer Streptokokken-Infektion gewesen sein könnte. Die Infektion habe Nerven und...

Tobias Riegel

Let it be

Der größte Gänsehautmoment wurde bis zum Finale aufgespart. Als letzten Song spielte das einst Stil prägende DJ- und Produzentenduo Kruder und Dorfmeister (K+D) am Donnerstag im Berliner Astra ihre verkitschte Bandhymne – gemünzt mit neuem Text auf eine Instrumentalversion von »Let it be« der Beatles. Damit brachten die Wiener, mit Hilfe eines Karaoke-Laufbandes, nicht nur die Halle zum Mits...

PLATTENBAU
ndPlusThomas Grossman

PLATTENBAU

Neil Young präsentierte sich in seiner Karriere als introvertierter Romantiker, »der auf der Suche nach einem verlorenen Paradies Amerika ist und bei dieser Suche doch nur eine Albtraumwelt findet«, brachte es einmal ein deutscher Musikkritiker auf den Punkt. Am Freitag ist Young 65 Jahre alt geworden. In Kanada geboren und aufgewachsen, dann in die USA eingewandert, war er mit den Gruppen Buffalo...

ndPlusSabine Neubert

»Die klassischste Trimmstrecke«

In der Reihenfolge der Erinnerungen rangiere die Liebe zur Literatur weit vor der richtigen Liebe, der Liebe zwischen Menschen, bemerkt sie. »Ich weiß noch sehr genau, wo ich die großen Bücher meines Lebens gelesen habe, und die äußeren Landschaften meines damaligen Lebens sind untrennbar verbunden mit meinen Seelenlandschaften ... Ich habe ... die klassischste Trimmstrecke zurückgelegt, die man s...

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Rückkehr an die Elbe

Die Staatlichen Kunstsammlungen widmen dem international bekannten Dresdner Maler Eberhard Havekost erstmals eine Einzelausstellung. »Dresden ohne Havekost ist wie Dresden ohne Richter oder Baselitz«, sagte Generaldirektor Martin Roth am Freitag. Der Künstler stelle in der ganzen Welt aus, in seiner Heimatstadt aber bisher nicht. Nun sind unter dem Titel »Ausstellung« (bis 6. Februar 2011) in der ...

Hans-Dieter Schütt

Fülle und Leere des Bewusstseins

Henning Ritter, 1943 geboren, war von 1985 an dreizehn Jahre Leiter des Ressorts Geisteswissenschaften der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. Entlang seiner Existenz als Redakteur schrieb er seit den Siebzigern »Einfälle« in Notizhefte, er selbst spricht von einem »halben Hundert« solcher Blätter-Bände. Nun ist eine Auswahl der zwischen 1990 bis 2009 entstandenen Reflexionen erschienen. Ein packen...

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Nervöse Richter

Das Verhältnis zwischen den Medien und den Richtern im Prozess gegen den TV-Moderator Jörg Kachelmann, der derzeit wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung in Mannheim vor Gericht steht, hat sich am Mittwoch verschlechtert. Nach Ende des 15. Verhandlungstags wurde ein Korrespondent der Nachrichtenagentur dpa vor dem Gerichtsgebäude vorläufig festgenommen. Begründet wurde dies mit dem Verdacht, der Re...

Soldaten in Athen

Herrmann Hennings war während des Zweiten Weltkriegs als Soldat von Hitlers Luftwaffe in Athen stationiert. Die Front war weit weg und als Angehöriger einer Nachschubeinheit in Thessaloniki und Athen blieb relativ viel Freizeit. Hennings, der begeisterter Schmalfilmer war, griff zur Kamera und hielt den Alltag der Soldaten filmisch fest. Nach seinem Tod gelangte sein Archiv in die Hand des norddeu...

Jürgen Amendt

Master of Welcome?

Zugegeben »Environment Improvement Technician« für Putzfrau, »Master of Welcome« für Pförtner oder »Nourishment Production Assistant« für Küchenhilfe klingt wirklich dämlich. Sollte in Stellenanzeigen von Firmen tatsächlich mit solchen Wortschöpfungen nach den entsprechenden Dienstleistungen gesucht werden, dann stünde es um die deutsche Sprache in der Tat schlimm. Glücklicherweise sind diese Beze...

ndPlusAnne Roth

BLOGwoche: Privatsphäre – mehr als eine Utopie

Durch das Netz und zunehmend auch jenseits davon geistert seit einer Weile die Idee der »Post-Privacy«, oder »Nach der Privatsphäre«. Einige glauben, dass wir das Bedürfnis nach Privatsphäre überwinden müssten, weil das letztlich besser für uns sei. Und sowieso auch gar nicht zu ändern, dass es so kommen wird. Ich bin anderer Meinung. Aus mir weitgehend rätselhaften Gründen kulminiert die Debatte ...

ndPlusJan Freitag

Das Fernsehorakel

Zukunftsprognosen liegen in der Regel schwer daneben. Meistens malen sie die Zeit von morgen mit dem Wissen von heute und landen damit fast zwangsläufig im künftigen Gestern. So wie all die Prophezeiungen der techniksüchtigen Wende ins 20. Jahrhundert, deren Fantasiestädte des 21. von Fesselballonstationen oder Dampfloks im Minutentakt nur so strotzen. Und überall gibt es Radium zu kaufen.Retrofut...

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Streitfrage: Soll die Präimplantationsdiagnostik erlaubt werden?

Streitfrage: Soll die Präimplantationsdiagnostik erlaubt werden?

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist eine Methode, bei der im Reagenzglas erzeugte Embryonen vor der Einpflanzung in die Gebärmutter auf genetische Defekte untersucht werden. In Deutschland war nach Ansicht vieler Juristen die PID bisher durch das 1990 erlassene Embryonenschutzgesetz verboten. Der Bundesgerichtshof verwarf vor rund drei Monaten diese Rechtsauffassung und stellte klar, dass die Auswahl künstlich befruchteter Eizellen bei Paaren mit einer Veranlagung zu schweren Erbschäden erlaubt ist.

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Auch das Ohr kann täuschen

Fledermäuse versuchen immer wieder erfolglos, Metall zu trinken (links) – weil sie sich auf ihre Ohren mehr verlassen als auf alle anderen Sinnesorgane. Das haben Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen herausgefunden. Die Tiere verwechseln demnach viele glatte horizontale Flächen mit Wasser – neben Metall auch Plastik oder Holz. Grund ist, dass es in der Natur a...

Walter Willems

Zungenakrobatik bei Katzen

Katzenfreunde aufgepasst: Wer die Samtpfoten im Vergleich zu Hunden für die eleganteren Haustiere hält, wird sich von dieser Studie bestätigt fühlen: Während Hunde beim Trinken das Wasser mit ihren Zungen plump in den Rachen schaufeln, nutzen Katzen eine erstaunlich grazile Technik, wie US-Forscher im Magazin »Science« (online, DOI: 10.1126/ science.1195421) enthüllen. Mit geschickter Zungenakroba...

ndPlusMartin Koch

Die Geometrie der Physik

Im November 1915 vollendete Albert Einstein seine allgemeine Relativitätstheorie. Darin wird die Gravitation nicht mehr traditionell als physikalische Kraft behandelt, sondern als Phänomen der Geometrie. Genauer gesagt führte Einstein die Gravitation auf die Krümmung der Raumzeit zurück. Und fragte sich fortab, ob nicht auch die andere damals bekannte Naturkraft, der Elektromagnetismus, als geomet...

ndPlusDieter B. Herrmann

Bleibt uns nur die Flucht ins All?

Wenn es irgendwo ungemütlich wird, dann verlässt man – wenn möglich – den Ort des bedrohlichen Geschehens. Das könnte nach Meinung von Experten der gesamten Menschheit als Schicksal bevorstehen. Von einer globalen Emigration ist die Rede – weg von der Erde und hinaus in die Weiten des Alls. So verkündete der berühmte britische Astrophysiker Stephen Hawking erst unlängst über die ...

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Nun wieder Nunn
Carlos García Hernández, Schachlehrer

Nun wieder Nunn

Sechs Runden: drei Mal Matt in zwei Zügen, drei Mal Matt in drei Zügen, drei Studien, drei Hilfsmatt, drei Matt in vier oder mehr Zügen und drei Selbstmatt. Daraus bestand die »Weltmeisterschaft im Schachaufgaben-Lösen« (World Chess Solving Championship). Der größte Favorit war Titelverteidiger Piotr Murdzia (Polen; 35). Zum dritten Sieg in Folge reichte es aber nicht. Der Grund war ein guter Beka...

Ready for Take-Off

Ready for Take-Off

Ready for Take-Off: Nach kleiner Einführung, doch ohne Vorkenntnisse kann nun jeder seinen Pilotenträumen in der Realität zumindest etwas näher kommen. Und zwar auf dem Münchner Flughafen. Dort im Zentralbereich des Terminals 2 kann er sich ins original nachgebaute Cockpit einer Boeing 737 ans Steuer setzen. Und los geht es in diesem Flugsimulator des Unternehmens iPILOT unter Anleitung eines Pilo...

Wissen, punkten, gewinnen!

Wissen, punkten, gewinnen!

An vier Wochenenden hintereinander stellen wir jeweils drei Fragen. Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt. Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im ND gesammelt. Am Monatsende gewinnen die meisten Punkte; bei Gleichstand wird gelost. Lösungen der jeweiligen Wochenendrunde bis Donnerstag an: zeitgenuss@nd-online.de oder Fax: (0...

Väterchen Frost schließt Daliensaison
ndPlusBrigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin

Väterchen Frost schließt Daliensaison

Im Erd- und Felsgeröll mexikanischer Vulkanlandschaft liegt ihr Ursprung; von dort schwärmte sie rund um den Globus aus. Alexander von Humboldt ist ihr Anfang des 18. Jahrhunderts auf seiner Mittel- und Südamerikareise begegnet. Er konnte einer holunderblättrigen Pflanze mit rosa Kamillenblüten nicht widerstehen und schickte ihren Samen an die Botanischen Gärten in Berlin und Paris. Schon 1791 hat...

Vor der Kür mit Crossfader muss der Takt stimmen
ndPlusRené Gralla

Vor der Kür mit Crossfader muss der Takt stimmen

Ganz oben auf der Bühne stehen, und die Menge tobt: Davon träumen viele. Und wenn schon nicht als Popsängerin oder -sänger, dann doch wenigstens eine DJ-Karriere. Als Zeremonienmeister am Plattenpult und cool die Knöpfe drehen und die Massen tanzen lassen – das wär's doch. Wie das funktioniert, können ehrgeizige Nachwuchskräfte jetzt bei einem Profi lernen. Der Norddeutsche Martin Sass gehör...

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ndPlusHeidi Diehl

502 Seiten blühende Landschaft

Im vergangenen Jahr untersuchte die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V. welche Reiseziele die Deutschen im eigenen Land ansteuern. Mit einem verblüffenden Ergebnis: Die Ostdeutschen bleiben am liebsten im Osten, die Westdeutschen im Westen. Viele haben bislang sogar den jeweils anderen Teil des Landes gar nicht besucht, vor allem »Wessis« nähern sich noch immer sehr zögerlich der Region...

Boris, der Bär, will nicht den Affen spielen
Alexander Richter

Boris, der Bär, will nicht den Affen spielen

Unabhängig ist dieses Land erst seit 1993. Zudem jüngstes Euro-Mitglied. Dazu das östlichste Hochgebirge und viel Natur. Die Slowakei kann durchaus noch als Geheimtipp für preisgünstiges Reisen abseits massentouristischer Trampelpfade durchgehen. Unterwegs begegnet man durchaus auch schon mal Braunbären. * Bär Boris weiß, was Bären wollen. Der mächtige Braune denkt nicht im Traum daran, für die To...

Seite 31
Die starke Seite vom Bayerischen Meer
Heidi Diehl

Die starke Seite vom Bayerischen Meer

Halb verfallen und verwahrlost war das Benediktinerinnen-Kloster auf der Fraueninsel im Chiemsee, als Irmengard von Buchau 857 hier Äbtissin wurde. Das aber schreckte die 26-Jährige nicht, unverdrossen ging sie daran, dem Kloster neues Leben einzuhauchen, mit allem was sie besaß: mit Frömmigkeit, Nächstenliebe und vor allem mit Fürsorge für die Armen. Leider blieb der mutigen jungen Frau nicht vie...

Seite 32
Im Bilde

Im Bilde

Einsamkeit des Erlebens Die Theaterfotografien von David Baltzer sind Produkte eines philosophischen Lauerns. Er kann warten. Er ist das Chamäleon, das sich in den Zuschauerraum setzt, sich den Gegebenheiten der Abbildungsspezies »Pressefotograf« scheinbar anpasst – aber: Die Kamera ist gleichsam die Zunge, die im richtigen Moment hervorschnellt. Baltzer züngelt. Besser als viele. Und am End...