Streitfrage: Die Steinkohle bis 2018 subventionieren?

Streitfrage: Die Steinkohle bis 2018 subventionieren?

Die Subventionierung der Steinkohle sorgt zwischen Bundesregierung und EU-Kommission für mächtig Ärger: Die Kommission will die Beihilfen bereits im Oktober 2014 auslaufen lassen, die deutsche Regierung dagegen fordert ein Festhalten an der Förderung bis 2018. Das Europaparlament hat Schwarz-Gelb am 23. November den Rücken gestärkt und lehnte mit deutlicher Mehrheit den Vorschlag der Kommission ab.

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Unten links

Was haben Spötter gelästert – und wir gestehen, auch wir gehörtendazu –, als der Bundesinnenminister neulich mit ernster Miene vor einem Terroranschlag warnte und erklärte, es gebe »eine neue Lage« und Hinweise auf konkrete Pläne in der einen oder anderen großen Stadt. Attentäter sickerten ein, um »Angst und Schrecken zu verbreiten«. Bewaffnete Sicherheitskräfte zogen an Bahnhöfen und ...

CIA-Spionageauftrag an US-Diplomaten

Die CIA soll hinter »Spionage«-Auf- forderungen an US-Diplomaten stecken. Dies berichtet eine Londoner Zeitung unter Bezugnahme auf Dokumente, die Wikileaks veröffentlicht hat. Der politische Druck auf die Internet-Plattform hat unterdessen weiter zugenommen.

Lasst Taten sehen
Walter Baier

Lasst Taten sehen

15 Parteien waren es, die 2004 die Partei der Europäischen Linken aus der Taufe gehoben haben. Heute gehören ihr 37 Mitgliedsparteien und Beobachterinnen an, was sie zu einem wichtigen Referenzpunkt der Linken macht. Mit ihrem dritten Parteitag, zu dem die EL an diesem Wochenende in Paris zusammengekommen ist, steht die Partei nun vor ihrer ersten wirklichen Bewährungsprobe. Europa ist heute Schau...

Hartz IV: Menschenwürde für fünf Euro
Fabian Lambeck

Hartz IV: Menschenwürde für fünf Euro

Der Bundestag hat am Freitag in namentlicher Abstimmung die Hartz-IV-Reform beschlossen. Für das umstrittene Gesetz votierten 302 Abgeordnete, 255 stimmten dagegen. Die Reform sieht die Anhebung des Regelsatzes für alleinstehende Erwachsene um fünf Euro sowie ein Bildungspaket für Kinder vor.

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Mit Bildung aus der Armut
ndPlusSusanne Laudahn

Mit Bildung aus der Armut

Arbeitslosigkeit ist in Namibia generell ein großes Problem, Jugendliche sind davon überproportional betroffen. Das Clay House Project schafft Arbeitsmöglichkeiten.

Das wird als koloniale Geste gelesen

Das wird als koloniale Geste gelesen

Das Haus der Kulturen der Welt in Berlin präsentiert interdisziplinär Bildende Kunst, Musik, Literatur, darstellende Künste, Film, politisch-wissenschaftliche Diskurse und digitale Medien aus allen Kontinenten. Das einzige Mehrsparten-Kulturhaus Deutschlands stellt Themen und Werke nichteuropäischer Gesellschaften in den Fokus und kooperiert mit nationalen und internationalen kulturellen Einrichtungen. Dafür erhält es nach eigenen Angaben aus dem Etat von Kulturstaatsminister Bernd Neumann pro Jahr 1,9 Millionen Euro. Das Auswärtige Amt hat seine zusätzliche jährliche Förderung für die weltbekannte Institution gerade um 250.000 Euro auf eine Million Euro gekürzt. Mit dem Intendanten des Hauses der Kulturen der Welt, BERND M. SCHERER, sprach TOBIAS RIEGEL.

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ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Mit Tatütata und Optimismus

»Ich gratuliere allen Bürgern der Russischen Föderation, vor allem den Millionen Fußballfans zu diesem glänzenden Sieg. Jetzt müssen die Ärmel hochgekrempelt werden, es gibt viel zu tun. Auch für unsere Mannschaft«. Zuerst per Twitter, dann mit einer kurzen Fernsehansprache meldete sich Präsident Dmitri Medwedjew am Donnerstagabend – wenige Minuten, nachdem Joseph Blatter, Präsident des Fußb...

Ursula Rütten, Zrenjanin

Vorwärts und nicht vergessen …

Seit Beginn der 90er Jahre ist Serbien einer beispiellosen Deindustrialisierung ausgesetzt: erst durch Krieg und Embargo, dann durch forcierten Systemwandel. Die Politik der radikalen Umwandlung von Wirtschaft und Gesellschaft, die die Verelendung großer Teile der Bevölkerung besiegelte, hat einen Namen: Enteignung durch Privatisierung. Jugoremedija in Zrenjanin stemmt sich dagegen – mit Teilerfolg.

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Niebel scheitert vorerst mit Personalpolitik

Frankfurt am Main (epd/ND). Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) ist mit seinem Personalvorschlag für den Vorstand der neuen staatlichen Entwicklungsorganisation vorerst gescheitert. Der Aufsichtsrat der »Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit« (GTZ) konnte sich am Freitag nicht auf Niebels Wunschkandidaten einigen.Nach den Plänen des Ministers sollte die Geschäftsführung der...

Struck sucht Lösung im Tarifkonflikt

Berlin (dpa/ND). Im Tarifkonflikt der Bahnbranche hat am Freitag unter Leitung des SPD-Politikers Peter Struck die Schlichtung begonnen. Struck sagte zum Auftakt in Berlin, das Vorhaben sei schwierig. Er sei aber zuversichtlich, dass bis Ende Januar ein Verhandlungsergebnis zu erreichen sei. Bislang war als Zieldatum Ende Dezember genannt worden.Der frühere SPD-Fraktionschef soll mit der bundeseig...

ndPlusMarcus Meier

Laue Freude für CDU-Mann

Der kleine Parteitag der NRW-LINKEN wird sich wie geplant am Wochenende mit dem Nachtragshaushalt der rot-grünen Minderheitsregierung beschäftigen. Nur nicht in Münster, sondern in Bochum.

ndPlusPeter Kirschey

Gelder kassiert – im Rechenschaftsbericht verschwiegen

Bei der NPD müsse man davon ausgehen, dass keine Zahl in ihren Rechenschaftsberichten stimmt, heißt es in Kreisen der Bundestagsverwaltung. Deshalb schauen die Prüfer wahrscheinlich bei den Braunen etwas genauer hin. Nun sind sie offenbar erneut fündig geworden.Es geht um die Rechenschaftsberichte der Jahre 2004 bis 2007. Da tauchen Einahmen der Partei aus Veranstaltungen nicht auf, die genannt hä...

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Konfliktstoff für Koalition

In der bayerischen Regierung löst die Protestwelle der Flüchtlinge Konflikte aus. Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) verurteilt den Boykott, die FDP hingegen zeigt Verständnis.

Hungern für ein besseres Leben?

Hungern für ein besseres Leben?

Der 36-jährige Alexander Thal arbeitet seit 2005 als Sprecher für den Bayerischen Flüchtlingsrat. Zuvor engagierte sich der studierte Sozialpädagoge bei der Menschenrechtsorganisation res publica gegen Abschiebelager. Der Bayerische Flüchtlingsrat wurde 1986 als überparteilicher und überregionaler Dachverband ins Leben gerufen und setzt sich für die Rechte von Flüchtlingen und Migranten ein.

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EU verändert Recht bei Scheidungen

Brüssel (AFP/ND). Binationale Ehepaare können sich künftig in vielen europäischen Staaten einfacher scheiden lassen. In Deutschland und 13 anderen EU-Ländern können sie in Zukunft wählen, nach welchem nationalen Recht sie sich scheiden lassen wollen, wie die EU-Justizminister am Freitag in Brüssel beschlossen. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nannte die Einigung »historisc...

Gregor Putensen

Schwedens Neutralität »in der Abfalltonne«

Schwedens Regierung verweist offiziell immer wieder auf die militärische Bündnisfreiheit des Landes. Wikileaks-Dokumente belegen indes, dass die militärische Zusammenarbeit mit den USA und der NATO seit 2006 unter der Regierung Fredrik Reinfeldts intensiviert wurde.

China verschärft Dissidentenkontrolle

Chinas Regierung möchte vermeiden, dass Unterstützer des inhaftierten Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo zur Feier nach Oslo reisen. Der Künstler Ai Weiwei wurde in letzter Minute am Flugsteig gestoppt.

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Seemanöver Japan - USA

Tokio/Seoul (AFP/ND). Inmitten der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel haben Japan und die USA am Freitag ihr bislang größtes gemeinsames Militärmanöver begonnen. An den achttägigen Übungen in südjapanischen Gewässern an der Grenze zu Südkorea nehmen nach Armeeangaben 44 000 Soldaten, 60 Kriegsschiffe und 500 Flugzeuge beider Seiten statt. Erstmals wird ein gemeinsames Manöver von Japan und ...

Peter Clausing

Mexiko vernachlässigt Schutz von Martínez

Nach außen vermittelt das Schwellenland Mexiko gerne ein progressives Image. So wird derzeit in Cancún die UN-Klimakonferenz abgehalten. Nach innen dominiert weiterhin die Repression gegen soziale Aktivisten.

ndPlusReiner Oschmann

Bleibt Obama am START?

Der mediale Wasserfall, den die Wikileaks-Veröffentlichungen zur US-Diplomatenpost in Gang gebracht haben, ertränkt momentan auch die Aufmerksamkeit für das Abkommen zur Begrenzung der strategischen Kernwaffen der USA und Russlands. Der neue START-Vertrag, der im April von den Präsidenten Obama und Medwedjew unterzeichnet wurde und die Fähigkeit der beiden größten Kernwaffenmächte zur globalen Vernichtung auf je 1550 Atomwaffenschläge einhegen soll, droht dem US-amerikanischen Parteiengezänk zum Opfer zu fallen.

ndPlusMartin Ling

Zwei Wahlsieger in Côte d'Ivoire

Das Verfassungsgericht in Côte d'Ivoire hat Oppositionskandidat Alassane Ouattara den Wahlsieg aberkannt. Stattdessen erklärte das Gericht Amtsinhaber Laurent Gbagbo zum Sieger der Präsidentwahl. Das berichtete der britische Sender BBC am Freitag.

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ndPlusMartin Ling

Wink mit dem Zaunpfahl

Es ist ein Wink mit dem Zaunpfahl. Die UNO hat mit einem Rückzug gedroht, falls die Regierung von René Préval das Ergebnis der Wahlen nicht anerkennen sollte. Damit steht schon vor der Bekanntgabe der Resultate am 7. Dezember indirekt fest, dass der Präsidentschaftskandidat von Prévals Partei, Jude Célestin, keine Chance hat, die Stichwahl zu erreichen. Sonst wäre die Drohung so sinnlos wie überfl...

ndPlusFabian Lambeck

Gesundheitsgefährdend

Das Hartz-IV-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom Februar eröffnete der Politik die Chance, das ganze System auf ein (grund)- rechtskonformes Fundament zu stellen. Man hätte die willkürliche Regelsatzfestlegung endlich durch ein transparentes Verfahren ersetzen können. Doch die Bundesregierung hat diese Chance leichtfertig verspielt. Schwarz-Gelb konzentrierte alle Bemühungen darauf, die Kost...

Kurt Stenger

Petroleum et circenses

Als »panem et circenses« (Brot und Spiele) wird die Strategie der römischen Kaiser bezeichnet, mit Geschenken und Massenunterhaltung das Volk bei Laune zu halten. Aus den lokalen Wagenrennen der Antike sind im Spätkapitalismus längst milliardenschwer verwertete Großereignisse geworden – etwa die Fußball-WM, die dank moderner Massenmedien auf allen Kontinenten in Echtzeit verfolgt werden kann...

Die FDP-Petze
ndPlusRené Heilig

Die FDP-Petze

Der FDP-Maulwurf, der nur allzu gern Brühwarmes aus dem Koalitionsgeschäft in die US-Botschaft trug, hat seit Wochenmitte einen Namen: Helmut Metzner. Er war bis zur Enttarnung am Donnerstag Büroleiter von FDP-Chef Guido Westerwelle. Als Teilnehmer der Koalitionsverhandlungen mit der Union war Metzner für die US-Diplomaten durchaus interessant. Nun hat die FDP die Petze mit einem anderen Auftrag b...

Was stört Sie am Bahn-Festakt?

Was stört Sie am Bahn-Festakt?

ND: Warum wollen Sie respektive Ihr Verein »Zug der Erinnerung« einen Festakt der Bundesregierung in Nürnberg zum 175. Jahrestag der Eröffnung der ersten deutschen Eisenbahnstrecke von Nürnberg nach Fürth stören?Minow: Wir wollen unser Grundrecht auf Versammlungsfreiheit wahrnehmen, um der Millionen zu gedenken, die mit der NS-»Reichsbahn« in die Lager verschleppt worden sind. Wenn unsere Aktivitäten die Erben der »Reichsbahn« dabei stören, ihre moralische und historische Taubheit aufrecht zu e...

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Neue Netze

Neue Netze

Berlin (dpa/ND). Das Hochspannungsnetz im Osten und Norden Deutschlands soll für 3,3 Milliarden Euro ausgebaut werden, um die erwarteten starken Zuwächse bei erneuerbaren Energien einspeisen zu können. Das teilte der Netzbetreiber 50 Hertz Transmission gestern in Berlin mit. Bis 2020 sind 1,5 Milliarden Euro zur Anbindung von Windparks in der Ostsee vorgesehen, für weitere 1,8 Milliarden Euro soll...

Konzerne durchsucht

Brüssel (Agenturen/ND). EU-Ermittler haben Geschäftsräume von europäischen Pharmaherstellern durchsucht. Sie werden verdächtigt, alleine oder gemeinsam die Einführung von Generika-Produkten verzögert zu haben, teilte die EU-Kommission am Freitag in Brüssel mit. Die Durchsuchungen hatten bereits am Dienstag stattgefunden, die Namen wurden nicht mittgeteilt.Nach Agenturberichten wurden unter anderem...

650 000 Tote durch Wetterkatastrophen

Cancún/Bonn (epd/ND). Wetterkatastrophen treffen einer Studie zufolge Entwicklungsländer am stärksten. Im vergangenen Jahr verursachten Stürme, Dürren oder heftiger Regen in El Salvador, Taiwan und den Philippinen die größten Schäden, wie aus dem gestern veröffentlichten Klima-Risiko-Index 2011 der Bonner Organisation Germanwatch hervorgeht.

Ermittlung gegen Liechtensteiner Prinzen

Hamburg (AFP/ND). Im Zusammenhang mit der Liechtensteiner Steueraffäre hat die Hamburger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Prinz Max von und zu Liechtenstein eingeleitet. Das sagte ein Sprecher der Anklagebehörde der Hansestadt am Freitag. Auslöser sei eine Anzeige eines Hamburger Kunden der von dem Prinzen geleiteten Liechtensteiner LGT-Bank.Die Staatsanwaltschaft prüfe, ob der An...

Ulrike Henning

Ungleichheit macht krank, nicht Armut

Am Freitag hat in Berlin der zweitägige Kongress »Armut und Gesundheit« begonnen. Er ist mit über 2000 Teilnehmern den Veranstaltern zufolge die größte Public-Health-Veranstaltung in der Bundesrepublik.

Rating kann auch anders gehen

Die Finanzkrise hat das Interesse an nachhaltigem Wirtschaften deutlich befördert. Wer als Anleger sein Geld nicht für die Rüstungsindustrie, Umweltsünder oder extreme Lohndrücker hergeben will, sucht Unternehmen mit guten Bewertungen. Diese werden von spezialisierten Ratingagenturen geliefert.

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ndPlusOliver Händler

Pro Katar

Ich sag es gleich gerade heraus. Ich finde, Katar ist eine tolle Wahl. Es ist so leicht, der FIFA Geldgeilheit vorzuwerfen, doch zur Erinnerung: Die letzten beiden WM-Turniere gingen nach Südafrika und Brasilien! Und die Alternativen England und USA sind nicht gerade arm. Soll denn die WM nur noch in Ländern stattfinden, in denen es keine so wertvollen Bodenschätze gibt? Das Geld für die FIFA komm...

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Bernd Kammer

»Die S-Bahn schafft es nicht«

Die S-Bahn bekommt ihre Probleme nicht in den Griff. Auch gestern gab es im gesamten Netz große Ausfälle, lediglich 340 Doppelwagen konnte das Unternehmen einsetzen. Vor dem Wintereinbruch waren es 420. Die Linien S 47, S 8 und S 9 verkehrten nur auf Teilabschnitten, die meisten anderen nur alle 20 Minuten. Auf der Ringbahn wurde versucht, einen Zehn-Minuten-Takt einzuhalten. Die Bahn erklärte die...

ndPlusBernd Kammer

Enthüllendes

Die Wikileaks-Enthüllungen haben die Berliner Politik mächtig aufgemischt. Unglaublich, was US-Diplomaten nach Washington kabelten. Die SPD habe gute Chancen, die Wahlen zu gewinnen, Klaus Wowereit (SPD) sei eine charismatische und ambitionierte Persönlichkeit, sein CDU-Kontrahent Friedbert Pflüger (CDU) reiche nicht an ihn heran. Spätestens beim Namen Pflüger ist klar, dass es sich um den Wahlkam...

ndPlusMartin Kröger

Maserati-Harry wieder da

Neun Monate war er abgetaucht, jetzt ist Harald Ehlert wieder da: Als »Privatmann« und »Gesellschafter der Treberhilfe«, wie er gestern auf einer von ihm veranstalteten Pressekonferenz versicherte. Für die Zukunft wollte Ehlert nicht mal ausschließen, dass er 2011 wieder als Geschäftsführer reüssieren könnte. »Meine Perspektive in der Treberhilfe hängt vom Ausgang der Verfahren ab.« Dabei hatte die damalige Geschäftsführung des Sozialunternehmens noch Ende Mai dieses Jahres gegenüber den Medien...

Rainer Funke

Pendeleien von und nach Berlin

Man sieht es tagtäglich auf den Autobahnen, Zufahrtstraßen und im Schienenverkehr: Das Berufsleben in Berlin wird weitgehend von Pendlern geprägt – und zwar ansteigend seit 2005. Alles in allem wurden 240 000 sogenannte Einpendler – 26 Prozent sind in anderen Bundesländern beheimatet – und etwa 137 000 Auspendler registriert. Mithin vertieften sich die Verflechtungen vor allem mi...

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Stille im Knaack

(dpa). Der legendäre Knaack-Club spielt zum letzten Mal live auf: Samstag verstummt mit den letzten Bandauftritten in der Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg der Konzertbetrieb. Zugezogene Anwohner hatten sich vom Lärm belästigt gefühlt. Vor Gericht hatte dann der 1952 gegründete Knaack-Club den Kürzeren gezogen. Die Betreiber dürfen nun keine laute Live-Auftritte mehr veranstalten.Der Knaack-C...

Apokalypse der Körper
Karin Schmidt-Feister

Apokalypse der Körper

Die diesjährige Eröffnung der 235. Spielzeit des Moskauer Bolschoi Theaters präsentierte im Frankreich-Russland-Jahr 2010 erstmals eine Tanzschöpfung des Franzosen Angelin Preljocaj (beim Staatsballett Berlin 2009 mit »Schneewittchen« erfolgreich). Er erarbeitete mit Tänzern seiner Compagnie und zehn Tänzern des Bolschoi Balletts das für beide Seiten höchst ungewohnte Tanzprojekt »And then, one th...

ndPlusStefan Otto

»Nichts als sinnlose Erfindungen«

»Jede Säule, die einst das barocke Stadtschloss trug, wurde mit einer bestimmten Absicht errichtet. Wenn das Gebäude heute wieder aufgebaut wird, welchen Wert kann es für uns dann noch erlangen?«, fragte die Kunsthistorikerin Gabi Dolff-Bonekämper am Mittwochabend auf der Buchvorstellung der Streitschrift »Denkmalpflege statt Attrappenkult. Gegen die Rekonstruktion von Baudenkmälern«. Sechs Städte...

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Eisbombe für Eisbären

(dpa). Am schönsten war es für Eisbär Knut Weihnachten, als der Publikumsstar noch ein Baby war. Hinten im warmen Stall spielte sein Ziehvater Thomas Dörflein auf der Gitarre und sang den Winzling mit Elvis-Presley-Liedern in den Schlaf. Nun ist Knut fast schon erwachsen, und Heiligabend ist ein Tag wie jeder andere. Auch am 24. Dezember muss er im Zoologischen Garten Berlin auf der Eisbär-Anlage ...

Kirchenaufruf zu Protest gegen Castor

Greifswald/Schwerin (epd/ND). In Mecklenburg-Vorpommern haben mehrere Vertreter der evangelischen Kirchen zu friedlichen Protesten gegen den für Mitte Dezember geplanten Castor-Transport nach Lubmin bei Greifswald aufgerufen. Der Greifswalder Superintendent Rudolf Dibbern habe »seine Brüder und Schwestern« im Kirchenkreis aufgefordert, anreisenden Demonstranten Schlafplätze anzubieten und sich an ...

Atombunker für Obdachlose

Halle/Hamburg/Erfurt (dpa/ND). Wohl erstmals in diesem Winter ist in Deutschland ein Mensch erfroren. Der Mann lag am Donnerstag gegen 4.00 Uhr leblos vor einer Sparkasse in Querfurt (Sachsen-Anhalt) im Schnee, wie die Polizei am Freitag in Halle mitteilte. Ein Notarzt versuchte, ihn zu reanimieren – aber vergeblich. Als Todesursache gab der Mediziner »Verdacht auf Erfrieren« an. Äußere Verl...

Abschlag vor spektakulärer Kulisse
ndPlusSteffi Bey

Abschlag vor spektakulärer Kulisse

Vor dem Abschlag wird gestaunt: In Berlins erster Schwarzlicht-Minigolfanlage ist einiges anders als auf herkömmlichen Plätzen. Die Wände, Bahnen und Hindernisse bestehen aus einer farbenfrohen Fantasiewelt. Fünf Räume können seit kurzem im Keller eines Kreuzberger Familiencafés mit leuchtenden Schlägern und Bällen bespielt werden. Der Weg in die Tiefe stimmt den Besucher ein wenig ein: Knallorang...

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

1800-Tonnen-Koloss geht auf Schlittenfahrt

Die umstrittene Waldschlößchenbrücke in Dresden nimmt endgültig Gestalt an. Der am Ufer montierte Brückenbogen soll in den nächsten Tagen eingesetzt werden. Bremsen kann die Bauarbeiten nun nur noch das Wetter.

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Systematisch vertuscht

München (dpa/ND). Im Erzbistum München und Freising hat die katholische Kirche in den vergangenen Jahrzehnten Missbrauchsfälle in den eigenen Reihen systematisch vertuscht. Zu diesem Ergebnis kommt ein unabhängiges, vom Erzbischöflichen Ordinariat bestelltes Gutachten der Rechtsanwältin Marion Westpfahl. Bei der Vorstellung ihrer Ergebnisse für 1945 bis 2009 sagte Westpfahl, die kirchlichen Akten ...

26 500 Klagen wegen Hartz IV

Neuruppin (dpa). Brandenburgs Sozialgerichte ächzen weiter unter der Last der Hartz-IV-Klagen: Bis Ende September ist die Anzahl der unerledigten Verfahren laut Justizministerium auf 26 500 geklettert. Damit hat sich die Zahl unerledigter Prozesse seit Einführung der Hartz-IV-Gesetze im Jahr 2005 fast verdoppelt, sagte Justizminister Volkmar Schöneburg (LINKE) am Freitag in Neuruppin. Für das lauf...

ndPlusÖzlem Yilmazer, dpa

Herr Akkay ärgert sich

Muslimische Einwanderer und ihre Nachkommen sind längst fester und gewünschter Bestandteil der bayerischen Wirtschaft. Viele von ihnen ärgern sich über die anhaltenden Integrationsdebatten.  

ndPlusVelten Schäfer

60 Liter Brühe pro Sekunde

Der Konflikt um die geplante Ferkelfabrik im Landkreis Demmin (Mecklenburg-Vorpommern) geht in die nächste Runde. Nachdem eine erste Genehmigung erteilt wurde, machen Umweltschützer nun neue Einwendungen zum Abwasser der Anlage.

ndPlusAndreas Fritsche

Russische Lehrerin schult um

In ihrer Heimatstadt Moskau schloss Svetlana Lange ein Lehrerstudium ab. Sie hat dort fünf Jahre lang unterrichtet. Doch vor sieben Jahren heiratete die heute 33-Jährige einen Deutschen und zog in die Bundesrepublik. Sie lebt in Leegebruch bei Oranienburg. Das Diplom wird ihr hier nicht anerkannt. Darum verdingte sich Svetlana Lange auch schon mal als Zimmermädchen – ein schlecht bezahlter K...

Rolf Schraa, dpa

Kulturhauptstadt für alle

Zur Halbzeit war bei der Kulturhauptstadt im Ruhrgebiet noch alles gut. Dann kam die Katastrophe beim Ruhr.2010-Projekt Loveparade in Duisburg. Doch unter dem Strich fällt die Bilanz der Macher positiv aus.

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Zwischen Wir und Ich
ndPlusThomas Bruhn

Zwischen Wir und Ich

König Lear erlebte vor ein paar Tagen am Staatstheater Cottbus in der Regie Mario Holetzecks eine begeistert gefeierte Premiere. Lear ist ein schwieriges Stück. Vielen Theaterleuten gilt es als unspielbar; vielen Theaterbesuchern als vertrackt, zu lang und der Verdauung schlecht bekömmlich. Wenn es dennoch gelang, einen Lear auf die Bühne zu bringen, bei dem Zuschauern mehr als einmal der Atem sto...

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Das bessere Wasser aus Sankt Pauli
Knut Henkel

Das bessere Wasser aus Sankt Pauli

Viva con Agua de Sankt Pauli heißt der Hamburger Verein des früheren St.Pauli-Kickers Benny Adrion. Er und seine Freunde sammeln seit vier Jahren sehr erfolgreich Spenden für sauberes Trinkwasser rund um den Globus. Mittlerweile haben sie ihr eigenes Wasser auf den Markt gebracht. »Trinken für den guten Zweck« lautet das Motto.»Laut« beziehungsweise »leise« steht unterhalb des Markennamens auf den beiden Flaschen – und darüber prangt das Logo mit der von einem Wassertropfen umgebenen Erdkugel. ...

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Kein Blaues Wunder für Cochabamba?
ndPlusThomas Guthmann

Kein Blaues Wunder für Cochabamba?

Das sanfte Plätschern des Springbrunnens im Hintergrund sorgt für ein angenehmes Ambiente, das vom frisch gebrühten Kaffee eine Duftnote verliehen bekommt. Ida Peñaranda sitzt unter den Bögen der Arkaden im Zentrum und nippt an ihrem Espresso Cortado, dann zeigt sie über die Plaza, auf der einige Kinder Tauben scheuchen, hinüber zur Präfektur, wo Rasensprenger die angelegten Rasenanlagen mit kühle...

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Gedenkort Rosenthaler Straße 39

Gedenkort Rosenthaler Straße 39

Ein Ort der Zuflucht für Verfolgte: Im Hinterhof der Hauses Rosenthaler Straße 39 beschäftigte der Kleinfabrikant Otto Weidt in seiner Bürstenwerkstatt während des Zweiten Weltkriegs hauptsächlich blinde und gehörlose Juden. Er besorgte Nahrungsmittel, falsche Papiere, Verstecke – u.a. im Hinterraum der Werkstatt. 1942 gelang es ihm sogar, indem er die Gestapo bestach, Arbeiter aus dem Samme...

Weißer Flecken Erinnerung

Weißer Flecken Erinnerung

1Die Straße lag abseits. Für mich Zugereisten zählte sie in den achtziger Jahren nur zum unbewussten Teil meiner Berlin-Wahrnehmung. Als Straße wusste ich sie – oder wusste sie vielleicht auch nicht – einfach jenseits der S-Bahn, die den Stadtbezirk Mitte südlich von ihr durchschneidet. Hier Alexanderplatz, Fernsehturm, Palast der Republik, mit dem bisschen – lächerlichen –...

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Tom Mustroph

Wem gehören die Straßen und Plätze?

Der öffentliche Raum ist eine bedrohte Ressource. Verkehrsströme überfluten ihn, selbst wenn sie stocken. Verschuldete Kommunen verkaufen ihn – und schaffen so die Basis für künftige Ausgrenzungen, die von den Zugangskriterien der neuen Besitzer verursacht werden. Terrorwarnungen verwandeln öffentliche Plätze in Sperrzonen. Werbebanner kontaminieren sie. Immer weiter aufs Trottoir ausgreifende Warenbestände muten den Passanten einen Hindernislauf zu; sie sprechen den Citoyen lediglich in seiner...

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Schmierstoff für den Kapitalismus

Schmierstoff für den Kapitalismus

Werter Mr. Bob Dudley! Sie sind aktuell der Chief Executive Officer, der Top-Mann von BP. Sie waren während der Deepwater Horizon-Katastrophe vor Ort der verantwortliche Mann Ihres Unternehmens. Sie erklärten jüngst: »Ich hörte Leute sagen, dass wir nach der Bergung des Bohrers unsere Sachen packen und verschwinden. Das ist zweifellos nicht korrekt (...) Schließlich haben wir allein im Golf von Me...

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Wochen-Chronik

2. Dezember 1805: Napoleon besiegt bei Austerlitz in Mähren die verbündeten Österreicher und Russen. 7. Dezember 1835: Mit einer Dampflok aus der Fabrik des Briten Robert Louis Stephenson wird die erste deutsche Eisenbahnstrecke von Nürnberg nach Fürth eingeweiht. 7. Dezember 1970: Anlässlich der Unterzeichnung des Warschauer Vertrages zwischen der BRD und Polen ehrt Willy Brandt mit spektakulärem...

Lenin-Jahr
ndPlusWladislaw Hedeler

Lenin-Jahr

Für die Kommunistische Partei der Russischen Föderation (KPRF) war der 140. Geburtstag von Lenin im April Anlass gewesen, 2010 in Russland zum Lenin-Jahr zu erklären. Alexander Prochanow, Wortführer ihres nationalistischen Flügels, setzt Leninismus mit »Kosmismus« gleich. Seine Opponenten wiederum hingegen stellen Lenin in eine Reihe mit Stalin. Anhänger Trotzkis, die im August dieses Jahres an de...

Martin Hundt

Sprecher der Göttinger Sieben

Die umfangreiche Biografie, rechtzeitig zu seinem 150. Todestag vorgelegt, ist Friedrich Christoph Dahlmann wahrlich angemessen: Belesen und quellengesättigt, ohne jede Hast in der breiten Darlegung dessen, was man zu sagen für nötig hält, bedächtig im Urteil. Sie behandelt auch die gesamte politische Tätigkeit des tief in der griechisch-römischen Geschichte verwurzelten Universitätsprofessors, wa...

Mit Satyagraha gegen Ungerechtigkeit

Am 16. November 1860 erreichten 342 Passagiere den Hafen von Durban, an der Ostküste Südafrikas, die zuvor in der indischen Stadt Madras an Bord des Schiffes »Truro« gegangen waren. Die Passagierliste verzeichnete 190 Männer, 80 Frauen sowie 36 Jungen und 36 Mädchen. Höhepunkt der Gedenkfeierlichkeiten zu diesem 150. Jahrestag sind die offiziellen Feiern an diesem Wochenende im Moses-Mabhida-Stadion in Durban.

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ndPlusHans-Dieter Schütt

Drei entscheidende Buchstaben

Robert Walser sprach von den Wegen am Abend, denen man ansah: Es sind Heimwege. Im Alter ist dies wohl wie eine letzte Arbeit: die Heim-Suchung. Der Berner Dichter und Pfarrer Kurt Marti, einundneunzig, auch ein lebenslanger Tagebuchschreiber, hat nun »Spätsätze« veröffentlicht. Sie handeln vom Lebensraum, der gleichsam aus drei Buchstaben besteht. Jenen drei Buchstaben, die das »Abendleben« vom »...

Wandel, Widerspruch, Bewegung: Leben eben
Stefan Amzoll

Wandel, Widerspruch, Bewegung: Leben eben

Er kannte starres, experimentelle Ansätze wegrasierendes Denken aus DDR-Zeiten – und dessen teils schwerwiegende Folgen. Und er begriff schon früh: Jenseits der Demarkationslinie dirigieren konservative, reaktionäre Kreise den Kompositionsbetrieb. Der hat Dittrich einmal hofiert. Zeitweilig erklangen seine Werke vorzugsweise in Witten, Donaueschingen, im WDR oder im Südwestfunk. Das ist lang...

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ndPlusSebastian Hennig

Schlagt den Raabekost!

Als eine Art unberufener Junior-Professor präsentierte sich der Student der Malerei Eberhard Havekost in den neunziger Jahren an der Dresdner Kunsthochschule auf der Brühlschen Terrasse. Sein Einfluss stand in einem proportionalen Verhältnis zur Ratlosigkeit der Studierenden und Lehrenden. Der »Ebs« wurde von einigen Kommilitonen als eine Instanz empfunden. Inzwischen ist er als regelrechter Profe...

Michael Saager

PLATTENBAU

Es gibt zahlreiche Bands, da würde man es kaum bemerken, wenn sich unter der Hand ein neuer Sänger eingeschlichen hätte. Vielleicht wäre man kurz irritiert, würde sich einen Moment wundern über das etwas hellere Timbre, einmal mit den Achseln zucken, und gut. Seit die Stimmen-Modulations-Software Autotune inflationär benutzt wird, nicht um Unterschiede herzustellen, sondern um über die im Grunde i...

Kai Agthe

Geseufztes Leben

Er wurde 1788 in Danzig geboren, ist in Hamburg aufgewachsen, in Gotha vom Gymnasium geflogen, schrieb seine Promotion in Rudolstadt, verkehrte dank seiner Mutter bei Goethe in Weimar und hat seinen Lebensabend bis zum Tod 1860 in dessen Geburtsstadt verbracht. In Frankfurt/Main galt der alte Philosoph samt Pudel als Original. Als Mensch und Denker war Schopenhauer, wie sein Biograf betont, »hefti...

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Einmal um die Welt

Eine Frau setzt sich in ein Auto und fährt los, und sie stoppt erst, als sie einmal die Welt umrundet hat. Das war in den 1920er Jahren und die Dame hieß Clärenore Stinnes. In »Fräulein Stinnes fährt um die Welt« erzählt Erica von Möller die abenteuerliche Geschichte der ersten Frau, die mit einem Adler Standard 6 die Welt umrundete. Zusammen mit ihrem Kameramann, dem Schweden Carl-Axel Söderström...

Halbherzige Klage

Ein Jahr nach dem von Politikern der Unionsparteien unter Federführung des damaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) vorangetriebenen Rauswurf von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender hat der rheinland-pfälzische Ministerrat am Dienstag die Einreichung eines Normenkontrollantrags beim Bundesverfassungsgericht beschlossen. Mit der Initiative zielt das Land laut Ministerpräsident Kurt...

Abstimmung per Mausklick
ndPlusMarcus Meier

Abstimmung per Mausklick

Über Anträge debattieren, sie kommentieren und optimieren – und zwar kollektiv und bequem vom heimischen Rechner aus: All das bietet Liquid Democracy (LIQD). Die Mechanismen ermöglichen dabei eine differenzierte Diskussion – Änderungen sind ebenso vorgesehen wie Abstimmungen. Die Piratenpartei nutzt diese neue Form der kollektiven Entscheidungsfindung ebenso in ihrer Programmdebatte wi...

Heiko Hilker

BLOGwoche: ARD verbannt Dokus

»In einer Zeit, in der Politikberichterstattung und gesellschaftlich relevante Themen bei der kommerziellen Konkurrenz kaum mehr eine Rolle spielen, setzt die ARD mit der Vereinheitlichung der Tagesthemen-Anfangszeiten, mit fünf exzellenten Talkshows und festen Sendeplätzen für Dokumentationen, Dokumentarfilme und politische Magazine ein klares Signal für den Mehrwert öffentlich-rechtlichen Fernse...

Eckart Roloff

Ausschnittsweise Datenschätze

Seit es Zeitungen gibt, gibt es Zeitungsausschnitte. Das wäre logisch, doch wahrscheinlich stimmt es nicht. Die ersten Zeitungen, die Wochenblätter des frühen 17. Jahrhunderts, waren wohl zu kostbar zum Zerschnippeln. Doch als Zeitungen zur Massenware geworden waren, begann man, einzelne Artikel auszuschneiden. Auch gegen Geld. Um 1880 entstand daraus ein Riesenmarkt. Unternehmen in Paris, London ...

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Arsen-Leben

Arsenverbindungen sind für die meisten irdischen Lebewesen giftig. Doch in den Sedimenten des kalifornischen Salzsees Mono Lake (rechts) haben US-Wissenschaftler um Felisa Wolfe-Simon vom NASA-Institut für Astrobiologie ein Bakterium (links) entdeckt, das Arsen anstelle von Phosphor in Fette, Proteine und sogar in sein Erbgut einbaut, wie die Forscher im Fachjournal »Science« (DOI: 10.1126/science...

Martin Koch

Leben aus der Zelle

In seiner »Dialektik der Natur« hob Friedrich Engels drei naturwissenschaftliche Entdeckungen des 19. Jahrhunderts besonders hervor: den Energieerhaltungssatz, die Darwinsche Abstammungslehre und die Zelltheorie, die 1838/39 von dem deutschen Botaniker Matthias Schleiden und dem Physiologen Theodor Schwann begründet wurde. Doch anders als mancherorts zu lesen steht, haben die beiden die Zellen nic...

Bakterien statt Eiben
ndPlusReinhard Renneberg, Hongkong

Bakterien statt Eiben

Unser heutiger Exkurs beginnt an einem Vulkan und führt uns zu Eiben mit ihren giftigen Beeren. Doch wie wir wissen, kann Gift auch heilen. Aber der Reihe nach: Im Mai 1980 brach der Mount St. Helens in den Rocky Mountains aus – einer der stärksten Vulkanausbrüche des 20. Jahrhunderts. Die Wälder am Berg wurden stark geschädigt.Glücklicherweise hatte der Botaniker Arthur Barcley dort bereits 18 Jahre zuvor Rinde von einer Pazifischen Eibe (Taxus brevifolia) geschält und an ein Labor des US-Land...

Steffen Schmidt

Der fehlende dritte Mann

Wenige Tage bevor am kommenden Freitag in Stockholm der schwedische König die Nobelpreise übergibt, wirbelt ausgerechnet einer der sonst eher wenig umstrittenen Preise einigen Staub auf. Das Fachjournal »Nature« berichtete vergangene Woche, dass der US-Physiker Walter de Heer vom Georgia Institut of Technology in Atlanta sich in einem Brief an das Nobelkomitee der Schwedischen Akademie der Wissens...

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Exzentrisch
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Exzentrisch

Auch bei Großmeisterinnen finden sich Schrulligkeiten, von denen man sonst nur bei den Männern hört. Ein Beispiel: Alissa Michailowna Galljamowa (28), die gerade russische Meisterin wurde. 1997 sollte sie gegen Xie Jun (China) die Gegnerin von Zsuzsa Polgár (Ungarn) um den WM-Titel ausspielen. Doch Galljamowa weigerte sich, das Match nur in China zu spielen, obwohl dies so abgesprochen war. Deshal...

ndPlusProf. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe

Ohne Heizung durch den Winter

In der Tierwelt unseres Gartens haben Vögel und Säugetiere, die über eine innere Heizung verfügen, zahlenmäßig nur einen geringen Anteil. Doch ohne geht es kaum, wenn die Kälte kommt. Erstaunlich ist, dass trotzdem an sonnigen Wintertagen noch zarte Mücken tanzen, und womöglich trifft man selbst bei strengem Frost auf eine schwarze Weichkäferlarve, die (schwer verständlich) noch auf Jagderfolg aus...

Wissen, punkten, gewinnen!

An vier Wochenenden hintereinander stellen wir jeweils drei Fragen. Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt. Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im ND gesammelt. Am Monatsende gewinnen die meisten Punkte; bei Gleichstand wird gelost. Lösungen der jeweiligen Wochenendrunde bis Donnerstag an: zeitgenuss@nd-online.de oder Fax: (0...

UFOs auf der Spur

UFOs auf der Spur

Werner Walter weiß, wann die UFOs kommen. Oder genauer: wann sich wieder Menschen melden, die unidentifizierte Flugobjekte (UFOs) gesehen haben. »Die UFOs brauchen gutes Wetter«, erklärt der große Mann mit Bart. Denn dann sind die Menschen draußen und haben freie Sicht auf den Himmel, an dem sich die rätselhaften Objekte zeigen. Und wenn es soweit ist, rufen sie Walter an. Der 53-jährige »UFO-Phän...

»Einen Partner brauche ich hier ja nicht«
René Gralla

»Einen Partner brauche ich hier ja nicht«

Ein fröhlicher Hase ziert das Vereinslogo. »Cross Country Hoppers«, so heißt der Verein, dem sich Margit Schirmer aus Hamburg-Niendorf vor sechs Jahren angeschlossen hat. Und mit gut 30 gleichgesinnten »Querfeldein-Hüpfern«, die sich in drei Linien formiert haben, absolviert die 50-jährige Hausfrau nun eine Folge von ausgefeilten Schritten, nach rechts angetäuscht und links gesteppt, zwei forsche ...

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Wettstreit der Rauschebärte
Heidi Diehl

Wettstreit der Rauschebärte

Erstmals wird es in Quedlinburg am 18. Dezember eine Landesmeisterschaft der Weihnachtsmänner und natürlich auch -frauen (Foto: dpa) geben. Dabei werden die Rauschebärte aus Sachsen-Anhalt in mehreren Disziplinen darum wetteifern, wer der oder die Beste ist. Zum Beispiel müssen sie nachweisen, wie gut sie Geschenke einpacken und überreichen können. Und wie gut sie sich mit Weihnachtsbräuchen auske...

ndPlusEkkehart Eichler

Ein Musterbeispiel von Toleranz

Selo kennt Hattuscha, die Hauptstadt des untergegangenen Hethiter-Reiches im türkischen Anatolien wie seine Westentasche. Und das will etwas heißen. Denn, was deutsche Archäologen in den letzten 100 Jahren von der einstigen prachtvollen Metropole der Hethiter peu a peu sorgsam ausgebuddelt haben, ist nicht nur überaus reichhaltig, sondern auch weitläufig verstreut auf dem hügeligen Gelände: Mauern...

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Liebliche Engerl und teuflische Krampusse
ndPlusHeidi Diehl

Liebliche Engerl und teuflische Krampusse

Die Klagenfurter sind nicht zu belehren, und dabei haben sie doch schon einmal erlebt, was passiert, wenn man seine Lebenslust nicht zügeln kann. Denn: Früher, so erzählt die Sage, habe Klagenfurt, wo es stets hoch herging, dort gelegen, wo sich heute der Wörthersee ausbreitet. Öfter schon hatte der Wörtherseemandl – ein kleiner Wicht der über Zauberkräfte verfügt – die Bewohner vor »Frasz unt Völlerey und ander Sündt« gewarnt. Vergeblich. Da habe er sein Zauberfass geöffnet und die Stadt übers...